Probleme in meiner TPE Beziehung

    Ich weiß nicht genau, wo das hier überhaupt hingehört- Psychologie, Beziehungen,Sexualität?


    Wer keine TPE-Beziehung führt, so wie ich, wird vermutlich nicht verstehen, wo gerade mein Problem liegt, oder sofort feststellen, dass ich fortgeschrittenem Wahnsinn verfallen bin.


    TPE ist ein Begriff aus dem BDSM-Bereich, und bedeutet soviel wie Total Power Exchange.


    Es geht darum, die Macht über sich selbst sowie die Entscheidungsfreiheit in jeglichen Bereichen an seinen Partner oder seine Partnerin abzugeben. Sei es Kontakte, Beruf, Sexualität, eigene Meinung oder Sonstiges.


    Ich lebe in einer solchen Konstellation und zwar als passiver Part.


    Mit meinem Mann bin ich seit 8 jahren zusammen, verheiratet sind wir 2,5. Wir haben lange eine mehr oder minder normale Beziehung geführt, auch wenn BDSM immer dazu gehört. Zunächst nur in der direkten Sexualität, später haben wir das immer weiter erweitert, bis zum ( fast) extremsten Konzept, wie wir es jetzt leben.


    Ich bin unsicher. Ich weiß nicht mehr, ob es gut für mich ist und ob ich dem gewachsen bin- und ich weiß nicht mehr, was im Moment meine Intention ist.


    Will ich das alles, weil es zu mir passt und meiner Neigung entspricht, oder weil tatsächlich ein psychisches Abhängigkeitsverhältnis besteht?


    Ich fühle mich, als hätte ich meine Zunge verloren. Ich habe Angst, mit ihm darüber zu sprechen- weil ich nicht zweifeln darf und weil er in letzter Zeit so unberechenbar und reizbar ist. Außerdem habe ich Angst, alles zu verlieren, denn ich liebe ihn sehr.


    Vor ein paar Tagen habe ich ihm einen Brief geschrieben, den er natürlich nie bekommen hat. Er war für mich, um besser reflektieren zu können. Zur Erklärung: ich bin schon mehrmals impulsgesteuert gegangen und dann doch immer wieder zurück gekehrt. ( Mir ist bewusst, dass so etwas eigentlich in so einer Beziehung Nonsens ist, aber ich habe wie fremdgesteuert gehandelt- und es war schließlich seine Entscheidung mich trotzdem immer wieder zurück zu nehmen) Zudem bin ich in einer einschlägigen Community zum Thema TPE auf seinen Wunsch hin Mitglied geworden, um mich dort auszutauschen. Er ist dort kein Mitglied, kann aber natürlich mitlesen, wann immer er möchte. Hier ist im Moment der einzige Raum, in dem er das nicht kann.


    Folgendes schrieb ich:


    Lieber B.,


    Ich weiß noch nicht, ob ich dir das heute gebe oder erst dann, wenn ich festgestellt habe, dass es keinesfalls geht. Fakt ist, ich habe Angst mit dir darüber zu sprechen, aber ich werde nicht mehr weglaufen, sondern lieber aufschreiben, was mich beschäftigt. So kann ich zumindest meine Gedanken ordnen und du kannst vielleicht auch besser verstehen, was der Kern dessen ist, was ich sagen möchte.


    Ich weiß nicht mehr, ob ich wirklich so eine Art von Beziehung möchte. Fakt ist, ich möchte mit dir zusammen sein, ich liebe dich und ich möchte mit Sicherheit auch eine BDSM-geprägte Beziehung, welcher Art- ich weiß nicht, was wirklich für uns geht.


    Ich glaube, Bottoms in TPE-Beziehungen lügen, wenn sie behaupten, sie hätten nicht auch eine gewisse Erwartungshaltung und es gäbe nicht ganz bestimmte, auch egoistische Gründe, die in Ihnen den Wünsch wecken, so zu leben.


    Zumindest ich habe meine Gründe dafür- vielleicht sind sie keine Basis für solch eine Beziehung, aber irgendwie dachte ich, sie könnten es sein.


    Meine Gründe sind der Wunsch nach Geborgenheit, Sicherheit und der Wunsch, sich vollständig unterzuordnen- außerdem eine möglichst intensive und ausgeprägte Nähe zueinander.


    Es gibt noch einen weiteren Grund, aber dazu später.


    Im Moment ist es so, dass mir all das verloren geht. Ich fühle mich unsicher, ängstlich und weggestoßen. Ich habe das Gefühl, ich bin austauschbar, denn du scheinst mich in meiner Persönlichkeit, die ich trotz allem ja noch besitze, abzulehnen. Mich, meine Gefühle. Du schiebst mich derzeit auf Abstand, du schaffst Distanz und du machst unsicher- denn ich weiß nicht mehr, was du von mir in einzelnen Situationen erwartest und du willst, dass ich meine Gefühle abstelle. Ich möchte meine Persönlichkeit deiner unterordnen, aber ich möchte meine nicht einstampfen. Wenn du eine solche Beziehung willst, kannst du mich auch durch eine beliebige andere attraktive Frau ersetzen.


    Ich hatte immer den Eindruck, du möchtest, dass ich deine Meinung, deine Gedanken und deine Wünsche verinnerliche. Richtig, das möchte ich. Aber ich habe das immer als eine Art Entwicklung angesehen, die langsam vollzogen wird. Ich habe auch den Eindruck, dass das tatsächlich passiert ist- ich übernehme immer mehr deine Standpunkte, passe mich an und orientiere mich an deinen Werten. Das hat gedauert. Jetzt auf einmal scheinst du der Ansicht zu sein, das soll mittels Fingerschnippen funktionieren. Ich kann mittels Fingerschnippen still sein und dir alles nachplappern, aber das ist nicht das gleiche- und ich glaube auch nicht, dass du das möchtest. Ich arbeite daran, zu deinen Überzeugungen zu kommen und diese wirklich zu meinen zu machen. Das ist ziemlich schwierig, aber es geht. Früher hatte ich das Gefühl, ich bekomme die Zeit- ist das jetzt nicht mehr so?


    Außerdem habe ich das Gefühl, du lässt dich von Anderen im Moment unbewusst beeinflussen. Ich muss ehrlich sein- ich bin noch in diesem Zirkel, weil du es wünschst.


    Ich fühle mich dort unwohl und die Art, wie die Menschen dort miteinander umgehen, gefällt mir zum großen Teil nicht. Für mich fehlt bei Vielen Tiefe, die durch Gehabe ersetzt wird. Wir fanden beide Leute, die dieses Siez/Ihrz Ding durchziehen immer komisch.


    Ich möchte nicht auch solch einem Realitätsverlust anheim fallen und fände es komisch, wenn du dein Verhalten ändern würdest, weil die Leute dort es anders machen. Leute wie dieser S. widern mich an. Im Ernst, auch dieser T. Noch mehr widern mich die unsicheren Frauen an, die sich in ihrer Kindlichkeit und eigenen Welt suhlen.


    Ich habe kein Bedürfnis mehr, mich mit diesen Leuten zu treffen. Ich bin mir sicher, sie würden uns ihr komisches Gehabe aufzwingen.


    Ich mache alles wie du sagst. Ich schreibe nett mit Ihnen, ich bleibe im Zirkel, warte ab und beobachte, vereinbare Treffen. Ich schaffe es aber nicht, mich damit wohl zu fühlen.


    Wir haben doch unsere B.-L.-Welt .. wollten wir da wirklich andere Leute hineinlassen? Ich meine, völlig unsexuelle, normale freundschaftliche Begegnungen, ja, die wünschen wir uns. Ich habe aber den Eindruck, das mit den Leuten dort entwickelt sich in eine andere Richtung.


    Ich liebe unsere Welt. Besonders unsere Beziehungswelt. Ich fühle mich sicher und gut, wenn du neue Regeln aufstellst, wenn wir Rituale haben. Aber im Moment wirkt das auf mich alles etwas-konstruiert.


    Mir ging es gestern sehr, sehr schlecht. Ich habe den halben Morgen geweint und hatte fast depressive Anwandlungen. Zum Ende des Tages hin habe ich mich wieder gefangen, aber es war sehr schwer.


    Als ich sagte, ich möchte die TPE-Sache, hatte ich noch eine weitere Intention im Hinterkopf- ich dachte, dass dann endlich klarer wird, was du von mir erwartest und ich dich somit glücklicher machen kann. Ich dachte, ich bekomme dann feste, zuverlässige Strukturen und Regeln, an denen ich mich entlang hangeln kann und du musst nie mehr genervt von mir sein.


    Dann- hoffte ich, dass der Psychoterror aus emotionaler Erpressung, Genervtheit, Aggression und stundenlangen Enttäuschungsbekundungen aufhört. Ich dachte, wenn ich mich fehlverhalte, bestrafst du mich. Dann bist du nicht mehr wütend, ich habe kein schlechtes Gewissen mehr und weiß zudem ziemlich genau, wie und an welcher Stelle ich mein Verhalten ändern muss.


    Ich habe mich geirrt. Ich habe jetzt körperliche Bestrafungen und Psychoterror, inclusive dem Befehl, mich danach nicht schlecht zu fühlen.


    Ich bin extrem unsicher. Ich sehne mich nach der Nähe und Wärme, aber ich habe Angst, den Mund aufzumachen und dann harsch abgewiesen zu werden. Ich sehne mich nach Sicherheit, aber ich laufe ständig Gefahr, irgendetwas was du von mir möchtest nicht richtig zu verstehen, Fehler zu machen oder weggestoßen zu werden. Ich laufe wie ein Nervenbündel umher, mir tut von Innen alles weh und ich könnte ständig weinen.


    Keine Ahnung, was du jetzt machen möchtest. Durchziehen, in der Hoffnung, dass sich schon alles fügt. Unsere Beziehungsform überdenken oder vielleicht doch eher 24/7 anstreben. Nur bitte verlasse mich nicht, ich laufe auch nicht weg.


    L.


    Ich fühle mich im Moment wie ein ein winziges Boot auf einem gigantischen Meer, haltlos- und genau so soll es doch nicht sein. Wie kann ich mich stabilisieren? Soll ich ihm das geben? Oder einfach durchhalten? Wieso mache ich so viele Fehler.


    Es kann sein, dass ich auf eure Posts nicht sofort antworten kann, weil er jetzt frei hat und ich dann nicht immer in Ruhe schreiben kann. Ich bitte an dieser Stelle schon mal um Verständnis.


    Danke fürs lesen.

  • 20 Antworten

    :°_ auwei das Hört sich ja nicht gut an...


    Ich kann mich jetzt nicht ganz so in deine Lage reinversetzen, weil wir "nur" eine 24/7 hatten, über 4 Jahre lang, aber ich Versuchs mal:


    BDSM hat für mich etwas mit tiefen Vertrauen zu tun. Gegenseitigem!


    Sprich er muss dir Vertrauen können dass du ihm zeichen gibst wenn was nicht in Ordnung ist - und das ist es ja offensichtlich für dich nicht!


    Man sollte sowas nur machen solang man sich gut dabei fühlt und solang es für beide angenehm ist - denn wenn du psychisch so stark labil bist (und so kommt es etwas rüber) solltest du erstmal daran arbeiten und wieder innerlich zur Ruhe kommen :)*


    Wie ICH es machen würde bzw halte:


    Wir haben jetzt zb. Durch meine Schwangerschaft beschlossen "normal" weiter zu machen, ohne BDSM bzw es stark zu reduzieren.


    Und genauso würde ich es auch halten wenn es mir psychisch schlecht gehen würde und ich mich dadurch kaputt mache @:)


    Rede mit ihm das ist wichtig! :)*

    Das ist ehrlich kaum zu ertragen.


    Was sexuell Spaß macht, muss jedes Paar einvernehmlich für sich entscheiden.


    Aber dieses totale Unterordnung mit Psychoterror und v.a. einer Konstellation, die langsam aber sicher aus dem Ruder zu laufen scheint: NoGo, aber total.


    V.a. kommt bei mir an, dass sich die ursprüngliche Konstellation zu ändern scheint... Was nicht geht.


    Und selbst wenn man sich bewusst (für mich absolut nicht nachvollziehbar, weil einer Manipulation Tür & Tor geöffnet wird!) für diese Art von Beziehung entscheidet: Das setzt voraus, dass beide es wollen.


    Was DU aktuell beschreibst, ist mehr als eindeutig: DU willst es SO NICHT MEHR.


    Was mehr braucht es? Es sollte eine freiwillige Praktik sein... nicht Unterordnung gegen den eigenen Willen, nicht Psychoterror, nicht Zwang.


    Sehr ungesund. Und ich frage mich, ob REDEN da noch hilft oder der Zug schon längst abgefahren ist und auf jeden Redeversuch Deinerseits (= mangelnde Unterordnung) nur mit noch mehr entsprechenden "Praktiken" reagiert wird, um Dich klein und unterwürfig zu halten und mundtot zu machen. Weil es Eure Einigung ist und Dein Partner aus dem Spiel gar nicht mehr rauskommt?!

    Ich bin mir nicht sicher, ob dein partner dieser große Verantwortung die er damit trägt, auch gewachsen ist. Es hört sich für mich nicht sehr souverän an, was Du beschreibst.

    Liebe Hatsumi,


    kannst du schreiben, wovor du genau Angst hast? Es wurde hier schon geschrieben, dass auch in dieser Beziehung beide Seiten damit glücklich sein müssen. Du bist es nicht.


    Ich habe mir mal deinen anderen Faden von 2009 durchgelesen, indem du auch nicht glücklich gewirkt hast.


    Wenn du aus Angst nicht reden kannst, dich unterwirfst und er dann noch Psychoterror betreibt, wie reagiert er dann? Wenn er das genießt, hat das für mich nichts mehr mit einer achtenden Beziehung zu tun und in der Konstellation, wie ihr sie führt, gehört genauso Achtung dazu, sonst hat es in meinen Augen nichts mehr mit dieser Beziehungspraktik zu tun, sondern es ist ein extremes Machtspiel aber nur auf deine Kosten.


    Du sagst deutlich, dass du dies nicht möchtest. Kannst du sagen, was dich daran reizt, dich so behandeln zu lassen?


    Es hat in meinen Augen auch nichts mit Unterwerfungsverweigerung zu tun, wenn du deutlich machst, dass es dir schadet, wie er dich behandelt. Es müssen doch beide Seiten daran Gefallen haben und wenn jemand daran Gefallen hat einer anderen Person ernsthaft zu schaden, geht es ihr auch nicht mehr darum mir etwas Gutes zu tun.


    :)*

    Zitat

    extremes Machtspiel aber nur auf deine Kosten

    Mir ist bewusst, dass es ja um dieses Machtspiel geht und dass er dich in seiner Hand hat, also war die Bemerkung von mir eigentlich unnötig. Es wird jedoch in deinem Beitrag deutlich, dass so, wie er mit dir spielt, es dir nicht gefällt.

    Zitat

    Wie kann ich mich stabilisieren?

    Vielleicht fragen, ob ihr zwei die gleichen Vorstellungen von euer Beziehung habt?

    Zitat

    Soll ich ihm das geben?

    Möchtest du ihm das geben? Was möchtest du geben? Glaubst du, dass er, wie Ambivalent70 geschrieben hat, damit verantwortungsvoll umgehen kann? Warum möchtest du ihm das geben?

    Zitat

    Oder einfach durchhalten?

    Kannst du das? Möchtest du das?

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    Wieso mache ich so viele Fehler.

    Was meinst du für Fehler? Geht es ihm vordergründig darum, dich zu bestrafen? (Hat dieses Bestrafen etwas mit euer Beziehungsform zu tun, oder mit mehr?)

    man darf und kann immer "Stop" sagen! auch in einer TPE-Beziehung, schließlich soll niemand daran kaputt gehen....und das tust du gerade!


    ich würde dir dringend raten mit ihm darüber zu reden, oder ihm diesen Brief zu geben und eine Pause zu machen, um alles genau zu überdenken, um sich wieder auf gleicher Ebene anzunähern damit Probleme geklärt werden können. *:)

    Lieber B.,


    Ich glaube, ich bin tatsächlich aus einem starken Gefühl der emotionalen Abhängigkeit noch hier.


    Als ich das letzte Mal gegangen bin, habe ich ein schlimmes, panisches Angstgefühl gehabt, die ganze Zeit, bis ich wieder zu hause war. Es war irrational, aber ich hatte das Gefühl, ich sterbe, wenn ich nicht bei dir bin. Ich würde das durchaus als Abhängigkeit bezeichnen.


    Ich schaffe es im Moment, nach Außen zu vermitteln, dass ich das so will. Ich habe mich völlig verschlossen. Ich habe mit Niemandem außer Leuten, die auch so leben, noch Kontakt. Nicht den geringsten. Nur so funktioniert es.


    Aber eigentlich- ich will es gar nicht so. Ich bin unzufrieden und unglücklich. Ich möchte meine eigene Meinung wieder haben.


    Es ist einfacher, alles auszuhalten, wenn ich meine Bedürfnisse an die Gegebenheiten anpasse, aber ich glaube, ewig kann ich mir da nichts mehr vormachen.


    Ich verzichte auf alles, was mir außer dir wichtig ist. ALLES.. Dafür bekomme ich auch etwas, da hast du recht. Aber das sind Dinge, die ich nett finde und die nur deswegen solch einen Wert für mich haben, weil ich sonst gar nichts hätte.


    Ich liebe es, teuer essen zu gehen. Aber ich würde lieber stattdessen einmal in den Zoo, ins Kino oder Picknicken, auf ein Konzert, oder ein gratis Festival. Ins Theater. Ich fahre gerne mit dir zwei Tage im Jahr in einer Luxushotel und mache Luxusurlaub. Aber ich lebe lieber 2 Wochen am Meer auf dem Campingplatz und düse günstig für ein paar Tage in die Sonne.


    Klar mag ich hübsche Kleidung und ein Cabrio.. aber du fragst nie, ob ich lieber in den Urlaub will oder teure Pullover. Du erzählst mir nur immer, Urlaub geht nicht, weil wir soviel Geld für so einen Kram ausgegeben haben. Ich würde NIEMALS Kleidung wählen, wenn ich auch leben, Abenteuer, Urlaub, Erlebnisse, Erfahrungen wählen könnte. Ich lebe von schönen Momenten an die ich mich erinnern kann. Die sind aufgebraucht. Wir sitzen nur in diesem Haus. Ich HASSE dieses Haus und ich verabscheue es, hier zu leben. Du weißt das eigentlich.


    Ich will Freunde. Ich will raus. Ich will hier nicht sitzen.


    Ich mache mir etwas vor. Mittlerweile seit Jahren. Nein, ich freue mich nicht, wenn du nach hause kommst, da hast du Recht. Denn wenn du nach hause kommst, schränkst du noch meine wenigen Möglichkeiten, die Zeit hier zu ertragen, ein. Du schläfst mit mir, obwohl mir kotzübel ist. Du zwingst mich, Leute zu verklagen und die ganze Zeit nur über Geld und Anschaffungen, die mir gleichgültig sind, zu reden. Du interessierst dich nicht für mich. Was mir wichtig ist, ist egal. Mir soll wichtig sein, was dir wichtig ist. Ich versuche es wirklich, mit aller Kraft, aber es ist eine Illusion.


    Ich sehe keine Möglichkeit, hier heraus zu kommen. Ich beziehe keine anderen Menschen mehr ein. Ich halte es nicht aus, von dir getrennt zu sein. Ich muss mich innerlich die ganze Zeit fest zusammen rollen, um das Leben so wie es ist zu ertragen.


    Ich wünsche mir so sehr, so glücklich sein zu können. Auch mit dir. Aber spätestens an der TPE Sache scheitert es. Es ist furchtbar für mich, so behandelt zu werden. Keinen eigenen Geschmack mehr haben zu dürfen. Mich willkürlich fertig machen lassen zu müssen. Nirgends mehr hinzudürfen. Aber ich traue mich nicht, dir zu sagen, dass ich das keinesfalls mehr haben möchte.


    Ich will nicht in diesem Haus gefangen sein. Ich will raus können. Ich will bei meiner Schwester übernachten können ( Im Moment bin ich zu sauer dafür, aber ich will selbst entscheiden können, ob ich das grad will oder nicht) und ich möchte tanzen gehen.


    Ich möchte mich nicht ständig für alles rechtfertigen müssen.


    Eigentlich müssen wir uns trennen. Denn das, was ich möchte, selbst wenn ich nur das Minimum davon umsetze, wäre für dich nicht ertragbar.


    Wir werden uns nicht trennen. Weil ich mir nicht vorstellen kann, ohne dich zu sein und du mein Unglück wegignorierst. Weil ich nicht mehr sprechen kann.


    Jetzt kommt der kleine F. Ich kann ihn nicht wegmachen. Aber ihn zu bekommen ist ihm gegenüber unfair. Ich weiß, du wirst dieses Kind über alles lieben und ich kann es dir nicht wegnehmen. Da ich meine Handlungsfähigkeit immer mehr einbüße und immer passiver werde, wird halt alles so weiterlaufen.


    Niemand weiß, was ich wirklich denke. Das dürfte auch Niemand wissen, denn Druck von Außen wäre jetzt eine Katastrophe. Es ist einfacher, so zu tun als sei alles in Ordnung und sich unauffällig von der Außenwelt zurückzuziehen.


    Ich träume manchmal heimlich von lang vergangenen Glücksmomenten. Wunderschönen Nachmittagen im Park, Ls Geburtstag in Hamburg, Tocotronic an meinem 26. Geburtstag. Tage mit dir am Meer.


    Unser erster Köln-Aufenthalt. Als wir am Montag Sushi essen waren, da habe ich auch mal wieder unbeschwert gelacht und einfach Spaß gehabt. Das war schön.


    Meine Musik hilft nicht mehr, meine Bücher helfen nicht mehr. Da ist nicht mehr diese Welle der Begeisterung, das Glücksgefühl, die tiefe Freude. Es rauscht alles an mir vorbei. Wenn ich an schöne vergangene Momente denke, bin ich traurig.


    Nicht mir dir und nicht ohne dich. Völlige Resignation ist wohl alles, was das aushalten lässt.


    Und wieder ein Brief, den du nie bekommen wirst.

    Zitat

    Niemand weiß, was ich wirklich denke. Das dürfte auch Niemand wissen, denn Druck von Außen wäre jetzt eine Katastrophe. Es ist einfacher, so zu tun als sei alles in Ordnung und sich unauffällig von der Außenwelt zurückzuziehen.

    Einfach ist aber nicht gleich besser, erst recht nicht langfristig.


    Und wieso würde dein mann Änderungen nicht aushalten, am Anfang hattet ihr doch nicht so eine Beziehung wie ihr sie jetzt habt.


    Und zu einem Kind: Irgendwie stelle ich mir das grusellig vor, das ein Kind in einer Beziehung aufwächst, wo der Mann das komplette sagen hat und die frau keine eigene Meinung haben darf, sie aber hat und sie unterdrückt um es irgendwie durchzustehen. Und wer weiß ob er dem Kind dann eine eigene Meinung zugesteht bzw. was passiert wenn das kind dann mal papa sagt, dass er mama kaputt macht.

    Hatsumi


    Es scheint mir, es war dein Wunsch, nicht verantwortlich zu sein. Nicht entscheiden zu muessen. Jetzt wird dir klar, dass sich das in dir aendert. Du moechtest anfangen, Verantwortung zu uebernehmen und fuer dich selber Entscheidungen zu treffen, aus der Erfahrung heraus, wie es sich anfuehlt, die Verantwortung vollstaendig abzugeben.


    Ich denke, fuer dich geht es hier um Erfahrungen und Entwicklungen, die noch wichtiger sind als ob du in dieser Beziehung bleibst oder nicht und wie sie weiterlaeuft.


    Es gibt da etwas zu tun an und mit dir selber, was dir niemand abnehmen kann. Der Adressat deiner Briefe bist du selber in erster Linie, nicht dein Freund, und es liegt in deiner Hand, wie es weitergeht, nicht in seiner.


    Nimm dein Leben selbst in die Hand! :)*

    Schockierend. Wie tief kann man sinken und warum, dass man sich solch eine menschenverachtende Sklaverei, eine dauerhafte Vergewaltigung der Seele (und auch des Körpers, wie mir scheint) freiwillig antut?


    Was würde "passieren", wenn Du ausbrechen würdest?


    Wovor hast Du Angst?


    Worauf basiert Deine Abhängigkeit?


    Wie würde es Dir gehen, wenn Dein Partner sich seinerseits trennen würde?


    Worauf möchtest Du am Ende Deines Lebens zurückblicken, welche Bilanz wirst Du ziehen?

    Zitat

    Wie tief kann man sinken und warum, dass man sich solch eine menschenverachtende Sklaverei, eine dauerhafte Vergewaltigung der Seele (und auch des Körpers, wie mir scheint) freiwillig antut?

    Weil das nun mal der "echte und wahrhaftige BDSM" für manche ist. Ich verstehe jeden, der das nicht versteht, ich verstehe es auch nicht, obwohl ich ansonsten viel mit BDSM anfangen kann, auch damit, dem Top (für manche ist es auch der Partner) gegenüber gehorsam zu sein. Aber TPE geht auch mir einen Tick zu weit, vor allen Dingen, weil es auch finanzielle Abhängigkeit einbezieht.


    24/7 finde ich persönlich o.k. Das ist etwas, mit dem sich, wenn man in so einer Konstellation leben will, gut leben lässt und einen trotzdem nicht völlig vereinnahmt.

    @ Hatsumi

    Kannst du deinem Partner nicht einfach sagen, du willst kein TPE mehr, sondern einfach nur 24/7?


    Er kann dich nicht dazu zwingen, das Leben so zu leben, wie er es will, wenn es (nicht) mehr das ist, was du willst.


    Da brauchst du eigentlich gar keine langen ausführlichen Erklärungen zu schreiben. Sag ihm einfach, es macht dich unglücklich so und du willst es nicht mehr so und schlag ihm andere Lösungsmöglichkeiten vor.

    Hallo liebe Hatsumi,


    Inzwischen sind fast fünf Jahren vergangen seitdem du dein Problem hier geschildert hast.


    Durch Zufall bin ich erst heute darauf gestoßen und mich würde interessieren was aus dir und ihm geworden ist.


    Leider hast du seit dem zweiten Brief nichts weiteres mehr gepostet.


    Vielleicht liest du dennoch meinen Beitrag und kannst etwas zu deiner jetzigen Situation sagen.


    Ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute und weiterhin viel Kraft.