Psychische Manipulation oder berechtigte Kritik?

    Hallo zusammen. Ich wende mich an dieses Forum, da ich hoffe, ein wenig Input zu einem Problem zu bekommen, das mich aktuell sehr umtreibt. Seit einigen Wochen wohne ich mit einer Freundin zusammen, die ich schon sehr lange kenne. Nach anfänglicher Harmonie haben die Probleme begonnen, insbesondere weil sie zahlreiche Kritikpunkte bezogen auf meine Person nannte. Darauf folgte ein grundsätzlicher Streit um Ordnung, Sauberkeit und Zuverlässigkeit, der unsere Freundschaft schon an diesem Punkt auf eine harte Probe gestellt hat. Nach einigen Gesprächen und Eingeständnissen haben wir uns wieder etwas zusammengerauft aber jetzt, da ich einen Mann kennengelernt habe, fängt das Drama erneut an. Es ist so, dass ich sehr viel arbeite und in letzter Zeit auch über Nacht bei meinem neuen Partner bin und hier fängt das schlechte Gewissen, weil ich so selten in der WG bin, schon an. Ich kann nie ungeachtet der Tatsache, dass sie alleine zuhause ist, Verabredungen vereinbaren, ohne so ein "Gefühl im Nacken" zu haben. Oft mache ich es trotzdem und häufig sagt sie auch nichts - aber vor einigen Tagen ist in einem Gespräch dann die Bombe geplatzt. Sie sagte, dass sie in letzter Zeit viel über unsere Freundschaft und auch über unser Zusammenleben nachdenkt und das Gefühl hat, dass sie mir nicht mehr so wichtig ist, bzw. dass ich andere Prioritäten als unsere Freundschaft setze. Tatsächlich stimmt es, dass ich nicht mehr so gerne Zeit mit ihr verbringe wie früher, weil unser Verhältnis durch die Vorgeschichte schon ein wenig angespannt ist. So hat sie sogar gestanden, dass sie sich nicht richtig für meine neue Beziehung freuen kann, weil sie sich selbt (nach noch immer schmerzhaftem Liebeskummer) einen neuen Partner wünscht. Das alles macht es für mich nicht attraktiver, mir einen Abend mit ihr zusammen in unserer Wohnung freizuschaufeln, um mit ihr Zeit zu verbringen. Kurzum: Ich fühle mich wahnsinnig unfrei, weil ich immer damit rechne, einen Vorwurf gemacht zu bekommen, weil sie quasi "alleine in der Wohnung lebt" oder sie schon drei Mal in einer Woche geputzt hat, in der ich die Hälfte der Zeit gar nicht da war. Ich befinde mich in einer so verworrenen Situation, dass ich nicht einmal mehr beurteilen kann, ob sie vielleicht recht hat (ist es vielleicht logisch, dass man eine WG als beste Freundinnen nur dann gründet, wenn man auch Zeit mit dem anderen damit verbindet?) oder ist es eine Art psychische Manipulation, aus der ich mich befreien sollte?


    Ich wäre wahnsinnig dankbar für ein konstruktives Feedback!


    Liebe Grüße und Merci,


    Valentina

  • 12 Antworten
    Zitat

    oder ist es eine Art psychische Manipulation, aus der ich mich befreien sollte?

    Wenn deine Freundin so reagiert, dann ist sie keine Freundin. So wie ich hier lese versucht sie dich schon "klein" zu machen. Gründe könnten sein Eifersucht oder Neid. Und Du kannst und solltest deine Prioritäten so setzen, wie es dir gut tut. Lass sie maulen wenn sie es für sich braucht, und nimm dir das alles nicht so zu Herzen. Du hast jedes Recht dein Leben so zu gestalten, wie es dir gefällt. Wenn sie dir das nicht gönnt, ihr Problem. Wenn es dich sehr belasten sollte rede mit ihr, indem Du klipp und klar sagst, so nicht. Wenn sie das nicht einsehen kann, dürfte es wohl auf eine Trennung hinaus laufen.

    In meinen Augen befindet sich die "Freundin" permanent in fremden (deinen) Angelegenheiten. Sie ist absolut übergriffig, kontrollierend und manipulativ. Ich selbst habe in so einer WG gelebt und dir nur raten so schnell wie möglich auszuziehen.

    Seit wann muss man sich denn vor MItbewohnern rechtfertigen, wenn man nicht zu Hause ist?


    Wenn sie jetzt die komplette Wohnung alleine putzen muss versteh ichs - aber sie ist doch nicht deine Partnerin, die sich da beschwert, dass du sie alleine zu Hause lässt? ":/

    Offenbar kann man hier die Beiträge nicht editieren... oder löschen...


    Offenbar nimmt deine Freundin dich als Partnerersatz wahr. Was auch mit einer fehlenden Abgrenzungsfähigkeit zu tun haben kann oder mit einer zu Fixierung auf dich. Deshalb ist es besonders wichtig, dass ihr eure Sichtweisen über ein Zusammenleben mal klärt. Jeder sollte aufschreiben, wie er sich das Zusammenwohnen vorstellt und welche Erwartungen damit verbunden sind. Das wird zeigen, wo ihr individuell steht. Dann müsste man schauen, welche Veränderungen nötig wären, um den jeweiligen Bedürfnissen entgegenzukommen. Damit klärt sich einiges und ihr seht auch, ob ein Zusammenwohnen Sinn macht. Vielleicht aber seht ihr auch, dass ihr euch ähnlicher in euren Vorstellungen seid, als gedacht.


    Konflikte entstehen meistens da, wo nicht klar über die eigenen Bedürfnisse gesprochen und darauf eingegangen wird.


    Diese Übung ändert das.


    Liebe Grüße


    *kann


    fehlt im oberen Beitrag.

    Ich finde, dass hier eine wichtige Info fehlt: was war Eure Erwartung an eine WG als ihr zusammengezogen seid? Es macht eben schon einen Unterschied, ob man mit irgendjemandem zwecks WG-Gründung zusammenzieht oder mit einer guten Freundin, wo man gemeinsame Unternehmungen etc. eben schon erwartet. Habt Ihr da vorher nicht drüber gesprochen?


    In jedem Fall ist es natürlich Dein gutes Recht Dich abzugrenzen, aber etwas Verständnis könntest Du für sie aufbringen. Ihr müsst dringend einiges klären, vielleicht schafft Ihr es ja im Guten :)^ viel Glück dafür.

    Guten Morgen und erst einmal vielen lieben Dank für eure hilfreichen Antworten.


    Ich denke, dass man den Sachverhalt - wie Solamie angesprochen hat - von beiden Seiten beleuchten sollte, um ihn objektiv beurteilen zu können. Da mir das selbst nur schwer gelingt, habe ich ja auch hier um eure Meinungen gebeten. Natürlich ist es so, dass man unter anderen Vorzeichen zusammenzieht, wenn man gut befreundet ist. Ich finde es auch legitim zu sagen, dass man den Mitbewohner vermisst und sich wünscht, ein wenig mehr Zeit miteinander zu verbringen. Aber mir ein grundlegend schlechtes Gewissen zu machen, weil ich oft nicht da bin, finde ich sehr unfair. So ein Verhalten führt dann (Teufelskreis) auch dazu, dass ich erst recht keine Lust mehr habe, gemeinsame Dinge zu machen. Meine abschließende Frage: Würdet ihr es als richtigen Schritt ansehen, ihr klipp und klar zu sagen, dass es nicht ihre Angelegenheit ist, wann ich zuhause bin und wann nicht? Da spielt meinerseits auch immer ein wenig Mitleid hinein, weil es tatsächlich so ist, wie tamelca vermutet hat: Ich bin nicht nur ihre Freundin und Mitbewohnerin, sondern auch eine sehr wichtige soziale Bezugsperson, die sie möglicherweise als Partnerersatz wahrnimmt. Damit geht auch einher, dass sie sehr liebevoll und umsorgend sein kann. Ich aber wünsche mir, dass wir als Freundinnen und doch mit einem eigenen, selbstbestimmten Leben zusammenwohnen. Ich weiß einfach nicht, ob wir das schaffen können, bzw. was ich dazu beitragen kann und muss, damit das gelingt.


    Ganz liebe Grüße und Danke schon jetzt für eure wertvollen Ratschläge.

    Klipp und klar sagen, dass es nicht ihre Angelegenheit ist, wann du zuhause bist oder wann nicht, das mach auf keinen Fall.


    Das würde sie verletzen und eure Freundschaft noch mehr belasten.


    Sag es auf nette Weise.


    Dass du sie sehr magst und gerne mit ihr wohnst, aber dass du auch deinen Freiraum brauchst.

    Hallo!


    Ich kenne die sozialen Umstände deiner Freundin nicht. Oftmals ist es aber so, dass jemand, der sozial nicht gut eingebunden ist eher die Tendenz hat, sich auf eine Bezugsperson zu fixieren. Die Beziehungsvielfalt fehlt dann oft und damit werden einzelne Personen bedeutsamer für denjenigen. Menschen, die wenig Kontakte habe oder Verlusterfahrungen gemacht haben, werden oft als "klammernd" empfunden. Sollten diese Hintergründe eine Rolle spielen, dann werden diese Themen deine Freundin ohnehin immer wieder beschäftigen und sie sollte dann ernsthaft über eine Beratung nachdenken.


    Für dich ist wichtig, dich klar und konsequent abzugrenzen. Das heißt, tue nicht zu viel "ihr zuliebe" aufgrund von Konfliktvermeidung etc. und versuche bei Erfüllung von Bitten achtsam zu sein, ob es für dich wirklich in Ordnung ist oder nicht. Es ist auch gut, wenn du sie auf ihr Verhalten aufmerksam machst, sie sozusagen spiegelst. "Ich fühle mich eingeengt durch dein Verhalten soundso ..." und ihr sagst, wie du es dir wünschen würdest, um dich wohl zu fühlen.


    Keine einfache Situation. Aber auch eine Chance für dich darüber nachzudenken, ob das Thema "Sich selbst für andere in den Hintergrund stellen" für dich eins ist, das eventuell zu Nachteilen führt in deinem Leben. Es gibt bei jedem Menschen eine Tendenz zu entweder mehr Egoismus oder Altruismus. Altruisten haben in unserer kapitalistischen Leistungsgesellschaft eher das Nachsehen und den Schaden. Darum: Genau hinschauen und die eigenen Grenzen wahrnehmen und verteidigen :). Freundschaft sollte ein ausgewogenes Geben und Nehmen sein, auch was Zuhören und Kompromisse betrifft. Also, kein schlechtes Gewissen haben, nein zu sagen und die eigenen Interessen auch durchzusetzen.


    Alles Liebe!

    Ich habe in meiner Studienzeit Ähnliches erlebt: nachdem sich mein damaliger Freund von heute auf morgen von mir getrennt hat habe ich dringend eine Wohnung gesucht und exakt zur selben Zeit suchte meine frisch getrennte Freundin eine Mitbewohnerin. Ich war zunächst überglücklich, musste jedoch gleich feststellen, dass ich einen Teil meiner Freiheiten die ich beim Partner hatte, einbüßen musste:


    Ich musste sagen wohin ich gehe, wann ich komme, sie war ebenso enttäuscht wenn ich nicht da war. Die Putzregeln waren streng und sie war irrsinnig dominant, hielt mir vor dass ich mich an einer ihrer Parties finanziell nicht beteiligte etc. Aus finanziellen Gründen musste ich durchhalten, ich hatte wirklich Respekt vor ihr.


    Das Problem legte sich als sie wieder einen Partner hatte danach waren wir wieder sehr gut miteinander.


    Aus heutiger Sicht würde ich so etwas nicht noch einmal mitmachen....

    Hi, ich kenne aus meiner Studentenzeit verdammt viele WG-Gründungen von Freunden, die nicht funktioniert haben. Deutlich mehr als solche, die geklappt haben.. wenn man mit jemanden zusammen zieht, mit dem man befreundet ist, hat man ganz andere Erwartungen als an das WG-Leben mit Fremden. Meiner Erfahrung nach klappt das sehr oft nicht, denn wie unterschiedlich die Einstellungen zu Sauberkeit, Ordnung und gemeinsam verbrachter Zeit sind merkt man erst, wenn man schon zusammen wohnt, und wenn das nicht "passt", dann nimmt man das in der Regel Freunden viel mehr übel als Fremden. Das ist in deiner Situation vermutlich kein Trost, aber du bist mit dieser Erfahrung nicht allein. Nachdem ich das ein paar Mal im Freundeskreis miterlebt habe, stand für mich fest, niemals mit einer Freundin eine WG zu gründen!


    Eine echte Lösung gibt es für euer Problem vermutlich nicht. Ich finde, dass deine Freundin an dich total überzogene Ansprüche stellt - ihr seid befreundet, nicht verheiratet. Sie ist (war?) wichtig in deinem Leben, aber nicht das wichtigste, und eine Freundschaft beruht auf Freiwilligkeit, nicht Verpflichtungen. Es ist total normal, dass sich im Laufe der Zeit die Prioritäten ändern und dass du nun weniger Zeit hast, sollte sie dir nicht vorwerfen. Meiner traurigen Erfahrung nach ist eine Freundschaft meistens vorbei, wenn es in das Stadium gegenseitiger, heftiger Vorwürfe und Schuldgefühlen kommt. Du merkst ja selbst auch schon, dass du keine Lust mehr hast, Zeit mit ihr zu verbringen. Mach dir keine Vorwürfe, wenn sich dieser Trend verfestigt - wie gesagt, wenn so was passiert, kann das eine Freundschaft leider irreparabel beschädigen.


    Erlebe ich leider selbst auch gerade, wobei sich das jetzt auch schon fast 2 Jahre zieht. Da ging es auch um jede Menge Vorwürfe, dass sie mir nicht mehr wichtig genug ist und ich nicht genug Zeit habe. Ich habe mir das alles ruhig angehört und wir haben auch nochmal darüber gesprochen und dann versucht, die Freundschaft fort zu setzen, aber ich merke immer mehr, dass ich inzwischen nicht mehr will und ihr nicht mehr vertraue. Es sind in der Zwischenzeit halt noch jede Menge kleine Irritationen aufgetaucht, die für sich kein Problem wären, aber in der Masse und im Zusammenhang mit der Vorgeschichte dazu führen, dass da etwas vermutlich unwiderbringlich kaputt gegangen ist.


    Das einzige, was wirklich helfen wird, ist dein Auszug.

    Habt ihr denn nicht vor dem Zusammenziehen darüber gesprochen, wie ihr euch das zusammenwohnen vorstellt? ???


    Und ja, ich sehe schon einen großen Unterschied ob man mit einer (sehr) guten Freundin eine WG gründet oder mit Fremden. Und selbst bei Fremden steht ja meist in den WG-Anzeigen, ob es eine reine "Zweck-WG" ist oder ob erwartet wird, dass man Zeit miteinander verbringt.


    Also ich finde, dass man, ähnlich wie in einer Partnerschaft, Regeln vorher aushandeln muss, wenn man mit einer sehr guten Freundin zusammenzieht und über Wünsche und Erwartungen reden muss.


    Daran scheitern auch die meisten WGs unter Freunden, da es ja meist das erste Wohnen außerhalb des Elternhauses ist und im großen ersten Freiheitsrausch leider niemand an so etwas denkt.


    So kommt mir das auch bei euch vor.


    Ich verstehe euch auch beide, dich, dass du keine Lust hast die vorschreiben zu lassen, was du zu tun und zu lassen hast und deine Freundin, dass sie sich verarscht fühlt, dass du nie da bist.


    Ihr müsst ganz dringend über eure Wünsche sprechen und wie das weitergehen soll, vor allem, wenn euch an der Freundschaft etwas liegt, die geht nämlich sonst in nächster Zeit komplett und unwiderbringlich den Bach runter.


    Vielleicht müsst ihr auch auseinanderziehen, das wird sich zeigen.