Zitat

    Aber wie hier schon jemand sagte, ich finde es sehr schwer vorstellbar, dass man wirklich nicht merkt oder mit der Zeit ahnt, wenn einen ein enger Kontakt im richtigen Leben kontinuierlich anlügt. Mal abgesehen, dass es das wahrscheinlich auch nicht oft gibt. Die meisten Menschen schwindeln wohl hie und da mal (finde ich auch nicht tragisch), aber so pathologischen Kram, der ist glaube ich nicht so oft und wenn, dann merkt man es wahrscheinlich auch früher oder später.


    Luis08

    Das sehe ich genauso.


    Ich kann mir nicht vorstellen, wie eine Lügerei über Jahre hinweg aufrecht gehalten werden könnte, ohne dass man etwas merkt. Ebenso bin ich der Meinung wie Luis, dass es sicher so viele Lügner dieser Kategorie gar nicht gibt.


    Hinzu kommt noch was: Selbst wenn jemand mal gelogen hat (auch über längere Zeit, so wie es Lemontea beschrieb), dann ändert sich doch aber irgendwann auch das Leben des Lügners und die Lügen werden unwichtig und höchstwahrscheinlich beigelegt oder der Kontakt verläuft dann im Sand. Denn mit Sicherheit sind es bei den meisten Lügnern doch unschöne Lebensumstände, weshalb sie sich überhaupt Geschichten ausdenken, um ihr Leben interessanter zu machen. Wenn sich ihr Leben aber positiv verändert (und keines bleibt ja auf Jahre hinaus gleich schlecht, oder? ":/), spätestens dann wird doch wahrscheinlich auch das Lügen uninteressant und sein gelassen!?


    Also an so eine "open end" Lügerei kann ich nicht ganz glauben.

    Zitat

    Also an so eine "open end" Lügerei kann ich nicht ganz glauben.

    Ja bzw. auch nicht, dass jemand, der engen Kontakt zu so jemandem hat, das nicht früher oder später bemerkt. Sei es, dass einer sein ganzes Leben als Lügenkonstrukt aufgebaut hat oder in einem wichtigen Teilbereich etwas vertuscht (etwa eine langjährige Affäre neben der Beziehung).


    Da kommt einem doch irgendwann irgendwas spanisch vor, gesetzt den Fall, man WILL auch hinschauen.


    MIr ist gerade eingafallen, dass ich mal eine ältere Frau kannte (aber wirklich nur flüchtig), die immer was von ihren erfolgreichen Enkeln und Kindern erzählt hat. Und zwar so, dass ich das unbesehen geglaubt habe. Muss ich echt sagen. Allerdings, wenn ich in engem Kontakt mit ihr gestanden hätte und die Kinder eventuell auch kennen gelernt hätte, ich wüsste nicht, wie lange sie das hätte aufrecht erhalten können. Es kam nämlich dann raus, als eine Tochter von ihr einer Bekannten erzählte, dass das von vorne bis hinten Quatsch war.


    Also rein logistisch ist das doch kaum zu bewerkstelligen. Mal jemandem im Internet oder einem kurzen Plausch Quatsch erzählen ok. Oder einen Lebenslauf schönen, gut. Aber so ein Hardcoregelüge in wichtigen Bereichen nahestehenden Personen gegenüber über relativ lange Zeit, gehört da nicht auch einer zu, der sich belügen lässt?

    Ein wirklich pathologischer Lügner ist sehr viel erfahrener im Lügen, als ein beliebiger Normalmensch im Erspüren von Lügen ist. Und er sucht sich die Leute gezielt aus, die er belügen will, und bedient, wonach sie suchen. Du, Luis, wärst beispielsweise meiner vagen und schnell geschossenen Einschätzung nach durchaus anfällig für jemanden, der sich aufopfert, der viel unterwegs in in Aktion ist, beruflich und auch privat, um die Welt ein wenig besser zu machen, der Dir manchmal erschöpft von all dem Übel erzählt, das er täglich sieht und nicht erträgt (Menschenrechte oder Tierschutz? Ah, das müsste er sich wohl gut überlegen, was da besser zieht. Ich würde eher zu Tierschutz tendieren), und Dir das Gefühl gibt, mit Dir gemeinsam eine kleine Insel der Normalität im Irrsinn zu schaffen, einen kleinen privaten Bund des Guten, für das man gemeinsam kämpft. Und er täte wohl auch gut daran, Dir das Gefühl zu geben, dass Du ihm hilfst, seinen Glauben an die Menschheit zu bewahren, ohne viel Pathos, aber in stillschweigender Übereinkunft, dass Du somit Teil dessen bist, was er tut.

    Zitat

    Da kommt einem doch irgendwann irgendwas spanisch vor, gesetzt den Fall, man WILL auch hinschauen.

    Ja. Irgendwann. Wenn man schon ziemlich am Haken hängt und es bereits schmerzhaft ist, sich zu befreien und zu verlieren, was man schätzen gelernt hat. Da ist dann tatsächlich der Punkt, denke ich, wo sich die Frage stellt, ob man das in Kauf nimmt oder sich selbst lieber ein bisschen beschummelt. Und wenn man sich schon ein bisschen beschummelt hat, kann man sich vielleicht ein bisschen mehr beschummeln.
    Grundsätzlich merken es ja schon sehr viele früher oder später, klar. Die Frage ist, wie weit man bis dahin schon dringesteckt hat. Bei der Freundin von Schnecke, die eine Krebserkrankung vorgetäuscht hat, war es ja schon ziemlich tief, ehe es wirklich auffällig wurde.


    Dass das Umfeld oft eher etwas merkt als der direkt Betroffene, ist auch nicht so eigenartig. Die anderen stehen ja nicht im Fokus des Lügners. Ich glaube wirklich, dass pathologische Lügner ihre Geschichten wie eine Währung einsetzen. Und es will und kauft nicht jeder alles. Aber jeder hat seine Sehnsüchte, in manchen Lebensphasen mehr, in anderen weniger, das wechselt, und wenn im falschen Moment ein wirklich erfahrener Lügner mit der richtigen Währung ankommt, dann wird er einen anfixen können. Nicht jeder jeden, ganz klar, aber ich glaube nicht, dass irgendein Mensch auf der Welt von Natur aus auch nur ansatzweise dagegen immun ist, wenn das gerade in dem Moment stimmt und passt, was ihm so jemand zum Kauf anbietet.

    Zitat

    Du, Luis, wärst beispielsweise meiner vagen und schnell geschossenen Einschätzung nach durchaus anfällig für jemanden, der sich aufopfert, der viel unterwegs in in Aktion ist, beruflich und auch privat, um die Welt ein wenig besser zu machen, der Dir manchmal erschöpft von all dem Übel erzählt, das er täglich sieht und nicht erträgt (Menschenrechte oder Tierschutz? Ah, das müsste er sich wohl gut überlegen, was da besser zieht. Ich würde eher zu Tierschutz tendieren), und Dir das Gefühl gibt, mit Dir gemeinsam eine kleine Insel der Normalität im Irrsinn zu schaffen, einen kleinen privaten Bund des Guten, für das man gemeinsam kämpft. Und er täte wohl auch gut daran, Dir das Gefühl zu geben, dass Du ihm hilfst, seinen Glauben an die Menschheit zu bewahren, ohne viel Pathos, aber in stillschweigender Übereinkunft, dass Du somit Teil dessen bist, was er tut.

    :-o ;-D Gibt es denn für dich oder auch andere, die in diese Richtung tendieren, wirklich nicht den Hauch eines Gedankens daran, dass jemand nicht an irgendwelche schrägen Typen gerät bzw. diese entlarvt?


    Da gibt es tendenziell nur Drama, Missbrauch, Selbstwertprobleme und wer das alles nicht hat, der hat was nicht kapiert. Das ist doch total einseitig.


    Ih kann tatsählich ganz gut Leute einschätzen und ich überprüfe das daran, dass ich hinterher einen Realitätscheck dessen mache, was ich anfangs als Eindruck von einer Person habe.


    Ich habe ja gesagt, dass auch ich nicht davor gefeit bin, irgendwann an einen Blender zu geraten; allerdings weiss ich wiederum aus Erfahrung, dass ih, auch wenn ich die guten Seiten einer PErson kennen gelernt habe und eventuell auch Gefühle, die Notbremse ziehen kann. Das habe ich auch schon getan.


    Das tut mir dann auch genauso weh wie anderen, aber ich ziehe das durch, früher oder später, je mehr Erfahrung ich habe, immer früher. (Um auf deinen zweiten Absatz einzugehen.)


    Du meinst also, wenn mir jemand nur glaubhaft den engagierten Tierschützer und Menschenrechtler vorlügt, dann würde ich ganz mistige Eigenschaften hinunterschlucken oder so was? so ganz habe ich das nicht verstanden.

    ALso ich meine doch, dass viele es merken, wenn ihnen jemand nicht gut tut, und dass sie sich dann auch trennen können. Da kann der doch am Anfang trotzdem den großen Menschenrechtler mimen. Wenn dann auffliegt, dass das alles erstunken und erlogen ist und noch dazu andere schreckliche Eigenschaften zum Vorschein kommen, dann schaffen es doch Leute, sich zu lösen.

    ALso übersetzt hieße das, wäre ich eine reife, unsichere und unattraktive Frau die sie nach Zuneigung und Komplimenten sehnt, dass die leichte Beute für einen feurigen jungen Tunesier ist der sie mit tollem Sex beglückt und Komplimenten, wie heiss sie ist. SIe ist schwah und anfällig, er drückt die richtigen Knöpfe. GUt, da kann man anfangs drauf reinfallen. Aber ich glaube doch, dass viele Leute ihren gesunden Menschenverstand eben doch nicht ganz ausschlalten. Oder NUR schwach sind. Man kann doch nicht behaupten, dass JEDER bei dem richtigen Blender über Monate drauf reinfliegt. Dass einem da keine Unstimmigkeiten auffallen. Dass man nicht merkt, dass man verarscht wird. Dass das nur Lügen sind. Und dass man dann nicht Konsequenzen ziehen kann.

    @ Muff Potter

    Zitat
    Zitat

    Was mich interessiert, ist, weshalb Du den Thread eröffnet hast. Aus gegebene Anlass? Oder einfach nur aus Interesse?

    Also, nicht direkt aus gegebenen Anlass. Mir selbst ist sowas noch nicht passiert, aber ich kenne Leute denen sowas schon passiert ist. Und bei manchen Fäden hier habe schon manchmal überlegt, na, ob das alles so stimmt? Ich wollte immer mal einen Faden dazu eröffnen. Naja, wie das so ist, wenn man nie Zeit hat... %-| . Aber dann hat sich hier doch kürzlich einer als (ganz normaler) Troll direkt geoutet und dann haben einige geschimpft wegen der verschwendeten Zeit usw. Und da ist mir wieder eingefallen, dass es viel viel schlimmere Faker gibt.

    Danke für die Antwort. Ich glaube, ich weiß, welchen Troll Du meinst.

    Es geht eben in erster Linie nicht darum, dass man Lügen (überhaupt irgendwann) erkennt, sondern um die Tatsache, dass man von einer nahe stehenden Person belogen wird. Anders gesagt: Das Erkennen der Lügensituation beendet zwar vielleicht real die Beziehung zu der lügenden Person, der tiefgreifende Schaden liegt aber darin (und wird auch durch das Aufdecken der Lüge nicht gemindert), dass man meinte, einen Menschen gut zu kennen und man dieser Person vertraut hat.


    Analogie: Wenn ich erfahre, dass mich mein Partner betrügt, dann hat dies natürlich Konsequenzen für die aktuelle Beziehung zu dieser Person. Das ändert aber nichts an der Grund-Verletztheit, dem Grund-Missbrauch, den diese Person betrieben hat.


    Shojo hat das ja schon erläutert.

    Sorry wenn ich ein bisschen darauf rumreite. Wichtig erscheint mir zu betonen, dass man "das kann ich mir nicht vorstellen" mit "das kann nicht sein" verwechselt. Diese pathologischen Lügner sind wirklich seh sehr geschickt. Die denken an alles. Log Lady hat das an dem Beispiel schon gut dargelegt.

    Zitat

    Wichtig erscheint mir zu betonen, dass man "das kann ich mir nicht vorstellen" mit "das kann nicht sein" verwechselt. Diese pathologischen Lügner sind wirklich seh sehr geschickt. Die denken an alles.

    Ich möchte gern ergänzen um:


    Sie bauen ihr Konstrukt im Laufe langer Zeit auf. Da kommt eine Winzigkeit zur anderen. Jede dieser Winzigkeiten für sich klingen logisch und nachvollziehbar und im Bereich des Möglichen. Vor allem durch die Länge der Zeit, in der jemand damit "gefüttert" wird, wird der Blick auf die Summe dieser Dinge sehr verwässert.


    Erzählt man dann vielleicht die Story mal jemand anderem (oder ist doch leises Misstrauen entstanden und man sieht sich das im Zeitraffer genauer an), ergibt sich oft eine ganz andere Sicht auf die Dinge. Ähnlich einem Aha-Effekt.


    Nicht vergessen sollte man auch die persönliche Beziehung, welche über so lange Zeit sehr vertieft wird. Es gibt ja nicht nur der Fake Dinge von sich. Auch das Gegenüber hat irgendwann so viel Vertrauen, dass es sich öffnet und Informationen preis gibt (besonders fies in Fakefällen von Missbrauch z.B., wo jemand denkt, er kommuniziert mit Gleichgesinnten). Informationen aus dem tiefsten Inneren, die sonst niemand weiß oder die sehr schwer fallen, jemandem mitzuteilen.


    Kommt irgendwann der Fake ans Licht, fühlt es sich für viele Betroffene an wie ein erneuter Missbrauch.


    Und selbst, wenn dieses Thema nicht im Focus stand, es also um andere Themen ging, ist es ähnlich einem Einbrecher, der sich ins Privateste vom Privatesten geschlichen hat unter Vorspiegelung falscher Tatsachen. Ein Mensch, den man - wüsste man vorher, wie er ist - nicht mal über die Türschwelle gelassen hätte.


    Ich kann sogar verstehen, dass sich hier manche mit Händen und Füßen wehren und drauf beharren, dass ihnen dies in diesem Ausmaß nicht passieren könne. Dazu kann ich nur sagen: Nie nie sagen. ;-) Ich bin sicher, wenn die passenden Bedürfnisse erspürt und bedient werden, ist jeder manipulierbar.

    Zitat

    Ih kann tatsählich ganz gut Leute einschätzen und ich überprüfe das daran, dass ich hinterher einen Realitätscheck dessen mache, was ich anfangs als Eindruck von einer Person habe.


    Ich habe ja gesagt, dass auch ich nicht davor gefeit bin, irgendwann an einen Blender zu geraten; allerdings weiss ich wiederum aus Erfahrung, dass ih, auch wenn ich die guten Seiten einer PErson kennen gelernt habe und eventuell auch Gefühle, die Notbremse ziehen kann. Das habe ich auch schon getan.

    Das ist bei mir ja ähnlich. Auf eine bestimmte Art Blender würde ich mit größter Wahrscheinlichkeit nicht reinfallen, und bei Unstimmigkeiten zöge ich ja auch schnell die Reißleine. Aber wie Chance schon schrieb:

    Zitat

    Ich bin sicher, wenn die passenden Bedürfnisse erspürt und bedient werden, ist jeder manipulierbar.

    Die Frage ist ja auch immer, in welchem Tempo, in welchem Rahmen, zu welchem Zweck. Da gibt es große Unterschiede.

    Luis08

    Zitat

    Naja eben, du HAST es ja gemerkt. Und das auch recht früh. Es kommt immer auf die Individuelle Situation und die interagierenden Menschen an, aber ich glaube doch, dass Menschen potenziell in der Lage sind, instinktiv Fakes zu erkennen. Und oft glaube ich auch, dass es so ist, wie du schreibst, dass man es nicht sehen WILL, es aber doch sieht.

    Ich will es mal so sagen: Für mich gab es letztendlich Vorkommnisse/Verhaltensweisen/Ausreden seinerseits ("Storys") an deren Unstimmigkeit ich schlicht nicht mehr vorbeikam. Beim ersten dachte ich noch "Naja, kann ja echt mal vorkommen". Das Zweite war dann schon heftiger - hier gab es schon erheblichere Unstimmigkeiten in seinen Erzählungen, die Geschichte war komplexer als die Erste. Das Dritte war noch abstruser und das Vierte gab dann den Ausschlag für den Kontaktabbruch meinerseits.


    Er hat wohl letztendlich doch stark meine (emotionale) Intelligenz (Menschenkenntnis, bzw. Verständnis für menschliches Verhalten) unterschätzt. Sein Verhalten war nämlich, wäre das alles wirklich so gewesen wie er mir immer erzählt hat, schlicht und einfach zu abstrus, so hätte kein Mensch gehandelt wenn er an einem Anderen so interessiert ist wie er es mir immer verkaufen wollte....


    Und was er dabei noch völlig falsch eingeschätzt hat: Dass ich es schlicht nicht nötig hatte (habe) mich sehnsuchtsvoll in meinen vier Wänden nach einem "Geist" zu verzehren. Ich glaube nämlich, dass er das gemeint hat. Dass er es mit einem armen, einsamen Seelchen zu tun hat.

    Zitat

    ...(...)....Aber wie hier schon jemand sagte, ich finde es sehr schwer vorstellbar, dass man wirklich nicht merkt oder mit der Zeit ahnt, wenn einen ein enger Kontakt im richtigen Leben kontinuierlich anlügt....(...)...

    Wenn ich es gewollt hätte, wäre ich ein anderer Mensch, hätte ich sein unstimmiges Verhalten auch weiterhin gut verdrängen können, schönreden können - eine Zeitlang habe ich es ja auch (wenn auch halbherzig) sogar gemacht (vom 1. bis zum 4. Vorfall). Jemand Anderes wieder hätte vielleicht schon beim 1. Vorfall den Kontakt abgebrochen. Was ich heute übrigens auch tun würde ;-).


    Damals war ich einfach - und das wurde hier ja auch schon gesagt, dass das oft ein Grund ist warum man darauf hereinfällt - viel empfänglicher in mehreren Hinsichten. Letztendlich nur nicht so massiv bedürftig und naiv, wie er das wohl glaubte ;-).


    danae

    Zitat

    Ich will nur sagen das man es nicht zwangsläufig merkt. Auch nicht wenn man sich gut kennt, wenn die Beziehung nah ist. Bestimmt kann man, je nachdem wie gut oder schlecht der andere lügt oder wie misstrauisch man ist oder feinfühlig oder oder oder. Aber irgendwie liest es sich als wäre eh was im argen oder man ein wenig doof wenn man es nicht merkt und das glaube ich nicht.

    Kommt mMn auf Beides an: Wie man selbst so "drauf" ist und wie die Beziehung an sich ist.


    Aber ich glaube schon, dass man es doch zwangsläufig irgendwann merkt auch wenn es eine lange Zeit dauert. Auch der "Betrüger" kann sich gar nicht so verstellen, er ändert sich zwangsläufig, sein Verhalten ändert sich. Es sei denn, er betrügt/lügt von Anfang an und man kennt ihn gar nicht anders.


    Kantenmechaniker

    Zitat

    Viele Menschen neigen dazu, ihre eigenen Illusionen füttern zu können.

    Ja, das spielt auch eine große Rolle denke ich. Das meine ich ja auch mit dem "empfänglich" dafür sein.


    Mir fallen da auch spontan die Redewendungen "Das ist zu schön um wahr zu sein" und "Da muß es doch einen Haken geben" bei ein ;-).


    Wichtig ist es eben zu erkennen wann meine (s)eine Illusion füttert, also diesen Prozess auch laufen zu lassen. Ich schrieb ja schon, bei mir fielen zwar Tränen als ich den Kontakt abbrach, aber ich betrauerte eben weit mehr die Aufgabe der ("zu schön um wahr zu sein") Illusion, als den Menschen selbst. Den kannte ich ja im Grunde auch kein bißchen.


    Shojo

    Zitat

    Ein wirklich pathologischer Lügner ist sehr viel erfahrener im Lügen, als ein beliebiger Normalmensch im Erspüren von Lügen ist.

    Jetzt wo Du's sagst: Das war auch so ein Punkt über den ich viel nachdachte bei ihm damals. Für einen pathologischen oder auch nur Gewohnheitslügner log er nämlich dann doch viel zu schlecht. ;-D - die Stories die er mir auftischte, seine Handlungen, hätte er durchaus glaubwürdiger ausfeilen können.


    Also entweder habe ich ihn so sehr gereizt (wie gesagt, bei unseren Anfangsgesprächen, die mehr allgemeingehalten waren, denke ich, war er auch authentisch), dass er zum ersten Mal so eine Aktion gestartet hat weil er wußte wenn er mir die Wahrheit sagt würde ich abspringen ODER er hielt mich für so dämlich und bedürftig, dass er es nicht für nötig hielt sich größere Mühe geben zu müssen ]:D


    Nochmal Luis08

    Zitat

    ALso ich meine doch, dass viele es merken, wenn ihnen jemand nicht gut tut, und dass sie sich dann auch trennen können.

    So einfach ist das aber nicht immer.


    Mir tat er (der Kontakt mit ihm) ja am Anfang gut. Es hat Spaß gemacht, war aufregend...wie das eben so ist. Und als mehr und mehr die Unstimmigkeiten auftraten tat ich sie erst mal ab, redete sie schön, verdrängte sie.


    Also um mal ein Beispiel zu nennen, Vorfall Nr. 1: Wir hatten ein Gespräch, ein paar Stunden lang über Chat (da wo wir uns kennengelernt haben). Wir machten aus, dass er mich am nächsten Tag anruft. Tat er nicht. 4 Wochen lang nichts von ihm gehört, auch nicht über den Chat, er war auch nicht eingeloggt.


    Dann schrieb er mich wieder an: Er habe angerufen, da wäre ein Mann rangegangen, er wäre sauer gewesen, dachte ich hätte ihn belogen. Ich gebe zu, das war sehr geschickt - er schob also mir den schwarzen Peter zu, wohlwissend, dass es ja gar nicht stimmt. Wir "klärten" die Sache auf: Er hatte meine Nummer falsch aufgeschrieben. Zahlendreher war drin. Ich hatte sie ihm nachweislich richtig aufgeschrieben (sein erster Fehler: Mails kann man speichern ;-D). Ich rief die Zahlendrehernummer an, diese gab es tatsächlich, es ging allerdings eine Firma dran. So doof konnte er doch gar nicht sein da nicht zu merken, dass die Nummer falsch sein muß. Ok, auch hier wieder: Er dachte, entweder hat sie doch einen Mann oder sie hat mir bewußt die falsche Nummer gegeben. Aber: Jeder "normale" Mensch guckt doch dann nochmal nach ob es auch die richtige Nummer ist - er: darauf sei er nicht gekommen. Täte ihm leid.


    Die größte Unstimmigkeit allerdings: Warum meldete er sich dann überhaupt nochmal wenn er doch meinte, ich habe ihn verarscht? Und das erst nach so vielen Wochen? Er: Es sei so ein Gefühl gewesen.....


    Habe ich dann mal so hingenommen. Und die Zeit danach fing ja der eigentlich intensivere Kontakt erst an (fast täglich miteinander gesprochen usw.).


    Das nur mal als Beispiel, dass man schön ein erstes ungutes Gefühl verdrängen kann. ;-)


    Muff

    Zitat

    Wichtig erscheint mir zu betonen, dass man "das kann ich mir nicht vorstellen" mit "das kann nicht sein" verwechselt.

    Hmm.....ich weiß nicht, ich habe beides in dieser Zeit mehrfach gesagt. ":/

    Manchmal ist es auch so, dass man selber etwas in sich zugeschüttet hat , eine Sehnsucht , eine Verletzung ,etwas sehr Angreifbares. Dieser "Lügner"( irgendwie gefällt mir der Begriff gar nicht so gut- das ist viel mehr ) spürt dies und schafft es genau diese Tür mit der Zeit zu öffnen. Es entsteht Vertrauen und dieses Vertrauen ist sein Trumpf .


    Wie schwer es ist (auch wenn man langsam anfängt zu merken, dass es ein großer Fehler war sich zu öffnen) es sich selber einzugestehen , das kann man nur verstehen , wenn man das kennt. Deshalb bin ich auch nicht sauer , wenn es jemand nicht versteht , aber es gibt einem trotzdem noch eine zusätzliche seelische Ohrfeige. Die Vorwürfe macht man sich schon selber , klagt sich an und fragt sich , weshalb man so naiv war.