Ich habe eine Arbeitskollegin, die Sachen macht, die in eine solche Richtung gehen, nicht im Internet (also nicht dass ich wüsste), sondern im echten Leben.


    Sie erzählt zB einer anderen Kollegin, die sie noch nicht so gut kennt, weil diese in Elternzeit war, dass sie vergewaltigt worden sei. Allerdings erzählt sie dass dann quasi am ersten gemeinsamen Arbeitstag, also nicht erst in einer für ein solches Gespräch nötigen Vertrautheit sondern als Beziehungseinstieg. Als ein Beispiel.


    Außerdem spinnt sie sich irgendwelche kruden Psychodramen zurecht, in denen sie das Opfer ihrer Kollegen ist. Einmal war sie mein Opfer. Wir kannten uns über ein Jahr und waren uns auch recht nahe. Dann hörte sie von einem Tag auf den anderen auf, mit mir zu reden. Ich fragte, was los sei, aber sie versicherte mir, es wäre alles in Ordnung, sonst würde ich das schon merken. Hm, tat ich ja. Sie spielte mit mir. Direkt konfrontiert leugnete sie alles, versicherte, alles wäre wie immer, im direkten Umgang ließ sie mich am langen Arm verhungern, ignorierte mich sogar. Irgendwann habe ich ihr dann gesagt, dass ich mich nicht mehr abspeisen lassen würde und endlich wissen möchte, was Sache sei. Wenn irgendwas vorgefallen war, war es bestimmt ein Missverständnis, das wir ausräumen könnten, wenn sie nur endlich die Wahrheit rausrückte. Sie kam dann mit einer derart absurden Geschichte um die Ecke, welche für mich keinen Realitätsbezug hatte, so dass ich sie unmöglich mit Fakten ausräumen konnte, lediglich meine Beteuerungen, dass es nicht stimmt, blieben mir. Sie glaubte mir nicht, sagte, sie werde mir jetzt nur noch die Tageszeit sagen. Ich war völlig fertig. Sie war mir wichtig und die Vorwürfe einfach nur infam. Der Knaller war dann aber, als sie wenige Wochen später anfing, mich vor anderen wieder normal zu behandeln.


    Ich weiß nicht, ob das in die Richtung geht.

    @ Lola

    Zitat

    Was ist denn passiert? Klingt als hättest du deine Partnerin mit sojemandem betrogen?

    Ganz und gar nicht. Ich war single und sie... "angeblich" auch. Wir trafen uns im WAP. Das war das frühe Handy-Internet, falls dir das etwas sagt. Naja... es folgten unglaublich viele Lügen, die ich offenbar gewillt war zu glauben. Ich habe mich dann 4 Jahre lang wie den letzten Dreck behandeln lassen. So sehr, dass man es schon fast masochistisch nennen mag. :|N


    Ich will auch nicht die ganze Story hochholen, das würde auch ein halbes Buch füllen. Aber ich habe es überwunden. Nochmal würde ich auf sowas nicht reinfallen, und mir sowas schon gar nicht nochmal gefallen lassen.

    @ Chance

    Sorry, gerade erst gesehen.

    Zitat

    Falls Dir die Frage nicht zu sehr ins Detail geht: Wie hast Du dann bemerkt, dass diese Person nicht die ist, welche sie vorgibt zu sein?

    Das war ziemlich einfach. Vor mir war sie "woanders", in ihrer (vermutlichen) Ursprungsfamilie. Die hat sie auch ausgenommen, betrogen und hintergangen. Da machte sie dann den Abgang, indem sie mir erzählte, wie sie dort misshandelt würde. Ich holte sie dann praktisch da raus und half ihr, ein neues Leben zu beginnen - dachte ich. Nach 4 Jahren erzählte sie dann die gleichen Lügen über mich, um dadurch woanders unter zu kommen.


    Eigentlich... war sie aber schon immer scheiße, rückblickend betrachtet. Ich war wohl emotional irgendwie abhängig und wollte es nur nicht sehen. Wobei, meine Familie sah es auch nicht. ":/

    @ Muff

    Sorry, irgendwie habe ich etliche Antworten erst jetzt gesehen.


    Viel mehr als das, was ich bis jetzt schrieb, möchte ich nicht erzählen. Mir ist klar, dass das in 2 Beiträgen kaum nachvollziehbar zusammenzufassen ist.


    Es ist auch lange her. Ich bin seit 10 Jahren in einer neuen, stabilen, respektvollen Beziehung.

    @ Nurarihyon

    Zitat

    Ganz und gar nicht. Ich war single und sie... "angeblich" auch.

    Danke für die Aufklärung. ??Beim Wort "Familie" bin ich gedanklich von einer Partnerin und gemeinsamen Kindern ausgegangen und nicht von der Herkunftsfamilie. Sorry für die falsche Verdächtigung.?? |-o


    Schade, dass du sowas erlebt hast. {:( Wenn man selbst nicht so drauf ist, braucht man wohl viel Vorsicht (um es nicht Misstrauen zu nennen ;-D ), um gedanklich einzukalkulieren, es Leute gibt, die in gigantischem Umfang lügen und manipulieren. ":/

    @ Nurarihyon

    Danke für die Erklärung! @:)


    Dann kanntest Du diese Person also im RL. Ich ging jetzt davon aus, dass sie eine andere Identität (oder sogar ein anderes Geschlecht) angab als sie real besaß. Das war dann wohl bei Dir nicht der Fall. Was natürlich das Erschleichen und den anschließenden Missbrauch Deines Vertrauens keineswegs besser macht!

    @ Porzellan

    Ja, auch nach so einer Geschichte kann man wieder Vertrauen fassen, wenn der richtige Mensch dafür kommt. :-)

    @ Lola

    Kein Problem. :-)


    Jupp, damals wurden auch noch Behörden mit in die Sache reingezogen, unter anderem das Jugendamt, weil sie noch nicht 18 war. Schon doof, wenn man bei 3 offiziellen Stellen ein und dieselbe Lügengeschichte erzählen soll, ohne sich dauernd zu widersprechen. ;-D

    @ Chance

    Gerne.


    Ehrlich gesagt glaube ich heute, dass sie viel ärmer dran ist als ich. ":/ Glücklich wird man mit so einem Charalter sicherlich niemals werden können.

    Auch wenn es sowohl hier, als auch an anderen Stellen übers Internet passiert, dass man so jemandem leider auf den Leim geht, muss aber genauso vorsichtig sein, nicht jeden Menschen gleich vorzuverurteilen, nur weil er augenscheinlich eine ziemlich "außergewöhnliche" Lebensgeschichte hat, denn solche gibt es leider wirklich. (Das nur am Rande)

    Ich hatte auch eine Freundin im realen Leben, bei der es wohl Richtung Pseudologie geht. Sie ist irgendwann berufsbedingt in meine Stadt gezogen, wir lernten uns über ein gemeinsames Hobby kennen. Ich weiß bis heute nicht, was alles gelogen und was wahr war. Es flog aber durch einen dummen Zufall auf - sie hatte wohl mehrere Freundeskreise, in denen sie unterschiedliche Geschichten erzählte. Über ALLES führte sie genauestens Buch, also wem sie was erzählte. Sie erlog beispielsweise für unseren Freundeskreis ein schlimme Krankheit, hatte sich genaue Informationen darüber gesucht, spielte perfekt die Todkranke, fiel um, ließ sich von einer gemeinsamen Freundin mehrfach (!!!) nachts ins Krankenhaus fahren. Lief mit Krücken rum, um eine OP zu simulieren. ich hatte zwischenzeitlich tatsächlich mal ziemliche Zweifel an einer ihrer Geschichten, aber behielt es dann wegen ihrer "Krankheit" für mich. Sie wurde direkt nachdem es aufflog von ihrer Mutter abgeholt und kam wohl (erstmal) in die Psychiatrie. Wir haben uns dann mit ihren Mitbewohnern und Arbeitskollegen ausgetauscht - und alter Falter, das Mädel hat vielleicht eine Scheiße zusammengelogen.


    Ich habe keinen Kontakt mehr zu ihr. Fühlt sich ziemlich kacke an, so belogen worden zu sein :-/ .

    Ich wüsste ja gern, ob sich durch die Möglichkeiten des Internets solche "Neigungen" - es scheint sich ja wirklich um eine recht spezifische psychische Störung zu handeln? - dann bei manchen Leuten nur noch virtuell manifestieren. Oder ob man davon ausgehen kann, dass Leute, die im Internet ihre Geschichten erzählen, auch in ihrem direkten Umfeld pathologische Lügner sind. Also: Ob manche es aufs Internet auslagern und sich damit genügend Erleichterung verschaffen oder um was auch immer es ihnen geht, oder ob sie es einfach immer machen, alle anlügen, vielleicht gar nicht in der Lage sind, bei sich zu bleiben und auch authentische zwischenmenschliche Beziehungen zu führen.


    Falls es so ist: Wie einsam muss so jemand sein, der sich durch pathologische Lügengeschichten praktisch von jedem wirklichen menschlichen Kontakt isoliert?

    Zitat

    Ich wüsste ja gern, ob sich durch die Möglichkeiten des Internets solche "Neigungen" - es scheint sich ja wirklich um eine recht spezifische psychische Störung zu handeln? - dann bei manchen Leuten nur noch virtuell manifestieren. Oder ob man davon ausgehen kann, dass Leute, die im Internet ihre Geschichten erzählen, auch in ihrem direkten Umfeld pathologische Lügner sind.

    Ich könnte mir ja vorstellen, dass einige dieser ganz massiven Internet-Faker im "echten Leben" gar keine tiefergehenden Beziehungen haben, also vielleicht oberflächliche Kontakte zu Arbeitskollegen und zur Bäckereiverkäuferin, aber sonst nix.

    @ quacksalberei

    Entweder so, oder sie lügen eben auch im echten Leben. Dass jemand, der im Internet lügt und erfindet, im realen Leben ganz normal und ehrlich ist, kann ich mir nicht vorstellen.




    Ich hatte mit so etwas bisher keinen Kontakt, finde das Thema aber echt interessant.

    Zitat

    Dass jemand, der im Internet lügt und erfindet, im realen Leben ganz normal und ehrlich ist, kann ich mir nicht vorstellen.

    Ich kann mir vorstellen, dass auch diese Variante vertreten ist. Also dass dort nicht in dem Ausmaß gelogen wird.


    Vielleicht im RL durchaus eingebunden und vordergründig gut integriert, aber im Inneren fehlt etwas, herrscht ein Mangel. Aus welchen Gründen auch immer.


    Da bietet sich, wenn man die Veranlagung hat, das Internet förmlich an. Dort kann man alles sein, was man möchte. Kann sich einerseits verstecken hinter einer fiktiven Figur und andererseits die Aufmerksamkeit holen, die das RL einem verwehrt. Mit erdachten Storys, Wechsel von Charakteren, Manipulation von Menschen.


    Wenn die Story nichts mehr hergibt, wird das Spielfeld gewechselt bzw. der Nick/Facebookaccount/etc.


    Interessanterweise sind die "guten" Faker ja keine unintelligenten Menschen. Sonst würde es ihnen nicht gelingen, die Story und eventuelle einzelne Kontaktanbahnungen derart geschickt hinzubekommen, dass das Gegenüber nicht argwöhnisch wird. Teilweise über viele Jahre. Denn die Menschen, welche ihnen irgendwann vertrauen, sind ja keine dummen Menschen.


    Auch Empathie (im Wortsinne Einfühlungsvermögen) spreche ich ihnen keinesfalls ab. Das brauchen sie. Sonst wäre eine derartige Manipulation gar nicht möglich. Nur missbrauchen sie eben diese Fähigkeit gegen den anderen. ??Psychopathen besitzen auch eine ausgesprochen ausgeprägte Empathiefähigkeit und setzen sie wie eine Waffe ein??


    Meine Empathie ist hier sehr deutlich bei denen, deren Vertrauen missbraucht wird und weniger bei den Missbrauchenden. Es mag auch Verdrängung eine Rolle spielen. Aber ich glaube nicht, dass sie gar nicht wissen, was sie anderen teilweise antun.


    Wäre wirklich interessant, wenn sich mal so ein Mensch hier meldet und erklärt, warum er es braucht, jemand anders zu sein und Menschen unter falschen Voraussetzungen an sich zu binden und zu schädigen.

    @ Chance

    Zitat

    Denn die Menschen, welche ihnen irgendwann vertrauen, sind ja keine dummen Menschen.

    Naaaaaaaja... dumm ist nicht gleich "dumm", oder? Es gibt auch sehr intelligente Frauen, die sich von ihrem Partner misshandeln lassen, aber aus unerfindlichen Gründen trotzdem bei ihm bleiben. Das finde ich schon dumm, auch wenn die Frauen nicht dumm sind. Hört sich das jetzt dumm an? ;-D


    Jedenfalls glaube ich, dass bei mir damals der gleiche Mechanismus am Werk war. So eine Mischung aus... emotionaler Abhängigkeit, Masochismus und schlechtem Gewissen. Total verdreht eigentlich. Ich habe so nach Liebe gelechzt, dass ich einfach nicht mehr bei mir war.


    Wenn man sich heute näher mit mir unterhält, würde man nicht meinen, dass ausgerechnet ich mir sowas gefallen lasse. :-/


    Ich glaube manche Menschen sind so, und manche werden so. Sie verstricken sich so sehr in ihrem eigenen Lügengeflecht, dass sie selbst nicht mehr da raus finden und irgendwann selber glauben, was sie da sagen. Bei wem jetzt was genau zutrifft wage ich nicht zu beurteilen.