Es ist nicht nur das verarscht fühlen. Dann wäre da nur blanke Wut. Die wäre sogar gut für die Verarbeitung.


    Da kommt noch einiges mehr dazu. Allein die Zeit der Ungewissheit, wenn sich die ersten Zweifel leise einschleichen, ist fürchterlich. Immerhin ist da ein Mensch, den man glaubt zu kennen, mit dem man sich länger intensiv ausgetauscht hat und den man wirklich inzwischen sehr gerne hat (und vermissen würde, wäre er plötzlich weg - das schrieben ja auch schon einige). Man fühlt sich ganz und gar nicht gut dabei, diese Zweifel überhaupt zuzulassen. Hat ein schlechtes Gewissen deshalb. Immerhin besteht ja bis zur letzten Gewissheit (die einige nie haben werden, was ich noch viel hässlicher finde) auch immer die Hoffnung parallel, man möge sich irren.


    Wenn das eigene Bauchgefühl bis zu dem Moment jeweils gut funktioniert hat und man diesem vertraut, verunsichert es weiterhin extrem, wenn es in dem Fall daneben lag. Auch das kann einen ganz schön umhauen.


    Wenn man direkt durch einen Zufall sofort Gewissheit hat, mag das anders aussehen.


    Aber auch dann ist da das Gefühl, Du hast einem Einbrecher freiwillig die Tür geöffnet und ihm noch dabei geholfen, die wertvollsten und behütetsten Dinge raus zu tragen und zu verladen.


    Ich meine damit auch nicht, dass man sich dumm fühlt. Es ist eher das blanke Entsetzen darüber, wie ein Mensch, von dem man bisher dachte, er ist ehrlich und vertrauenswürdig, so etwas überhaupt tun kann. Wenn man selbst nicht so ist, will einem das einfach nicht in den Kopf.

    Chance

    Zitat

    Problematisch wird es aus meiner Sicht in dem Moment, wenn sich (erst über PN, später über Mails, ev. Telefon, Briefe usw.) ein direkter Austausch ergibt.

    :)z


    Ich ärgere mich auch nicht wenn ich meine Meinung in einem Faden schreibe der sich letztendlich als Fake rausstellt. Die Situation die da beschrieben wird könnte es ja real auch geben. Wir hatten schon so einige Fäden die trotzdem sich das Ganze als Fake rausstellte weiterliefen, weil die Diskussion um das Thema an sich gut lief.


    Geht es in einen persönlichen Kontakt zum TE/Faker ist es allerdings was ganz Anderes.

    Zitat

    Ich muss sagen, in der überwiegenden Mehrheit habe ich damit postive Erfahrungen gemacht und nach einer Zeit des Austausches ganz tolle Menschen auch im RL kennengelernt. Ich bin sehr froh, diese zu kennen. Einige davon sind inzwischen gute Freunde seit Jahren.

    Dito.

    Zitat

    Es ist nicht nur das verarscht fühlen. Dann wäre da nur blanke Wut. Die wäre sogar gut für die Verarbeitung.

    Ich kann mir vorstellen, dass man sich auch irgendwie zertreten oder beschämt oder gedemütigt oder so was fühlt. Also total am Boden.

    Zitat

    Da kommt noch einiges mehr dazu. Allein die Zeit der Ungewissheit, wenn sich die ersten Zweifel leise einschleichen, ist fürchterlich.

    Genau DEN Punkt finde ich total interessant. So gut wie jeder hier hat geshrieben, dass es da eben DOCH diese Zweifel gab. Und ich glaube auch, dass Vitoria Schwarz das erwähnt hat. Nur sie wurden eben übergangen.

    Zitat

    Immerhin ist da ein Mensch, den man glaubt zu kennen, mit dem man sich länger intensiv ausgetauscht hat und den man wirklich inzwischen sehr gerne hat (und vermissen würde, wäre er plötzlich weg - das schrieben ja auch schon einige). Man fühlt sich ganz und gar nicht gut dabei, diese Zweifel überhaupt zuzulassen. Hat ein schlechtes Gewissen deshalb. Immerhin besteht ja bis zur letzten Gewissheit (die einige nie haben werden, was ich noch viel hässlicher finde) auch immer die Hoffnung parallel, man möge sich irren.

    Aber ist das niht bis zu einem gewissen Punkt normal, dass man Menschen, die man sehr nach an sich heranlassen möchte, "abcheckt", also gute und weniger gute Eigenschaften wahrnimmt. Warum fühlt man sich denn nicht gut dabei, diese Zweifel zuzulassen...vielleicht, weil man sich so sehr wünscht, dass man eine tolle Person getroffen hat...Victoria Schwarz schreibt ja auch, dass man unbedingt eher auf seine Intuition und nicht sein Herz hören sollte.

    Zitat

    Wenn das eigene Bauchgefühl bis zu dem Moment jeweils gut funktioniert hat und man diesem vertraut, verunsichert es weiterhin extrem, wenn es in dem Fall daneben lag. Auch das kann einen ganz schön umhauen.

    Aber wie oben schoon geschrieben, total auffällig ist, dass viele es eben DOCH gemerkt haben, es nur übergingen.

    Zitat

    Ich meine damit auch nicht, dass man sich dumm fühlt. Es ist eher das blanke Entsetzen darüber, wie ein Mensch, von dem man bisher dachte, er ist ehrlich und vertrauenswürdig, so etwas überhaupt tun kann. Wenn man selbst nicht so ist, will einem das einfach nicht in den Kopf.

    Ja, vielleiht sollte man sich die Menschen ganz genau anguken, Ich finde, das hat auch nichts mit übertrieben negatibem Misstrauen zu tun.

    Ich glaube das ist mehr als nur eine schlechte EIgenschaft sehen. Die sieht man an einer gut konstruierten Persönlichkeit ja eh. Es ist das in Frage stellen der ganzen Person, ihrer guten und schlechten Eigenschaften. Zu Unterstellen das jemand in jedem Atemzug des Kontaktes gelogen hat ist halt was anderes als festzustellen das jemand irgendwie mal zu laut ist oder jähzornig oder so.

    Und wie oft verhalten sich Leute mal unstimmig, ohne dass etwas Schwerwiegenderes dahintersteckt?
    Im Nachhinein haben ja eh immer alle alles gewusst, ich weiß nicht, wie viel Verlass auf solche Aussagen ist.

    Ich hab jetzt hier nicht alles gelesen, aber die Geschichte von dieser Viktoria, und ich finde das einfach unglaublich! Wer macht sowas? Und wieso? Und haben solche Faker gar keine Angst davor, dass sie auffliegen?

    Ja klar, und man mag ja auch Leute, an denen man nicht alle Eigenschaften mag. Deswegen finde ich, dass Intuition hier passt oder gesunder Menschenverstand, das ist eben halt nichts, was man bis zum letzten logisch aufschlüsseln kann und muss.


    Oder eben sich jemanden genau angucken, mit dem man sih wirklich eng einlassen will. Keine Ahnung, ich finde, an jemandem gute und schlechte Eigenschaften feststellen und ihn trotzdem mögen ist was anderes als sich unwohl fühlen, ernste Zweifel bemerken...ich kann das grad nicht besser erklären aber das ist für mich ein Unterschied.

    Zitat

    Warum fühlt man sich denn nicht gut dabei, diese Zweifel zuzulassen..

    Weil es in der logischen Konsequenz bedeutet, dass man aktiv etwas dafür tun muss, um diese Zweifel auszuräumen. Etwas, das man bei einem (bisher) vertrauten Menschen nicht tut.

    Luis


    Ich verstehe gerade nicht so ganz, was ein Faken mit "guten/schlechten Eigenschaften" zu tun hat?


    Also ich werde doch nicht deswegen mißtrauisch, bzw. beginne zu uweifeln, weil ein Mensch eine Eigenschaft (oder mehrere) hat die ich nicht mag - sondern ich werde dann mißtrauisch, zweifle, wenn die Gesamtheit des Auftretens, Verhaltens, letztendlich dem was er (sie) erzählt, einfach unstimmig ist oder wird.


    Zum Beispiel diese Geschichte mit der Freundin die lange eine Krebserkrankung vorgespielt hat (sorry, ich weiß gerade nicht mehr von wem sie war):


    Damit hat diese Freundin zwar schlechte Eigenschaften (Unzuverlässigkeit) entschuldigt, dennoch aber ist es ja nicht die Eigenschaft an sich die letztendlich so schlimm war, sondern das Vorspielen der Krankheit.

    Chance

    Zitat

    Das Zulassen der Zweifel ist - zumindest für mich - nicht das Problem. Das, was dem folgt, sehr wohl.

    Hmm...kommt drauf an. Wenn ich mal wieder mein Beispiel heranziehe - es war schon irgendwie ein Problem. Denn durch das Zweifeln an ihm, begann ich ja - gerade weil ich ihm nicht Unrecht tun wollte - auch an mir zu zweifeln. Ob ich vielleicht ZU mißtrauisch bin? Es könnte ja doch sein, dass es stimmt was er erzählt...


    Das spielte auch eine Rolle warum ich nicht nach dem 1. Vorfall gleich Reißaus genommen habe, sondern erst dann, als ich auch aus anderen Gründen sagen konnte "Ok, so wie es läuft ist es jetzt sowieso egal was gelogen ist und was stimmt - für mich ist diese ganze Sache so oder so nichts mehr".

    Wow, der Thread ist gerade mal drei Tage alt und bereits jetzt 25 Seiten dick. Nicht schlecht...


    Da ich (wie wohl die meisten) keine/kaum Zeit habe, alle 25 durchzulesen, geht mein Post nur auf den Eingangsbeitrag ein:


    Früher, in den Zeiten vor dem INet, nannte man solche Leute wohl Heiratsschwindler. Es sind Hochstapler mit einer Persönlichkeitsstörung, die wiederum unterschiedliche Formen annehmen kann.


    Dass es kranke Menschen gibt, auch solche, die am Leid anderer ihre Freude haben, ist ein alter Hut. Viel interessanter finde ich die Frage, warum man auf solche Leute hereinfällt? Ich meine, auf Heiratsschwindler sind schon viele hereingefallen. Wobei man sich auch da fragen muss, warum so ein Schwindel erst so spät auffliegt. Und bei Internetbekanntschaften...was bringt einen Menschen dazu, einen nicht real vorhandenen Kontakt monatelang aufrechtzuerhalten? Ich hätte da gar kein Interesse. Was bewegt Menschen dazu (keine Situationen, sondern die Geisteshaltung). Und noch viel schlimmer: wer investiert starke Emotionen, vielleicht sogar Liebe, in eine Person, die er nicht kennt?


    Ich meine, die Frage muss nicht lauten: warum tun die das?


    Sondern: warum fällt man auf die rein?


    Diese Antwort würde mich wirklich interessieren.

    Hausgemachte Probleme durch Casting-Sendungen, Talkshows, YouTube, Dschungelcamp, ... es muss schon atemberaubend sein, denn nur die "krasse" Story verkauft sich. ]:D


    Die sogenannte "Fallhöhe" wird dem Zuschauer sehr oft und natürlich völlig fälschlich als eine Art Qualitätsmerkmal verkauft. So bekommst Du garantiert die volle Aufmerksamkeit ... :)=


    Ein "normaler Mensch" fühlt sich heutzutage quasi fast schon "viel zu uninteressant für die Gesellschaft" ... wer nicht mindestens einen heftigen Schicksalsschlag zu vermelden hat kann doch gar nicht mehr mitreden :-X ... geschweige denn mithalten! ":/


    So springen immer mehr "normale und gesunde Menschen" auf diesen vollgefüllten Zug der "Seelenopfer" um wieder dazu zu gehören und als Fahrkarte dient eine beeindruckende Geschichte :°( , die es in sich haben "muss", damit auch wirklich jeder andere Fahrgast ins Stauen :-o gerät, oder Mitleid bekommt :°_ .


    Die Perspektive: Wir bewegen uns in einer Spirale des Schicksals-Wettkampfes ... nach dem Motto "Wem geht es heute am schlechtesten ...?!" :[]


    Insbesondere als Vorbild für zukünftige Generationen sollte die Menschheit besser umdenken, damit nicht z.B. der Casting-Erfolg, ein inszenierter Freitod oder Amoklauf als größte Schlagzeile eines Lebens angestrebt wird!


    Sicherlich können wir es auch gemeinsam positiv verändern :)^


    + indem wir diversen Medien-Abfall nicht weiter konsumieren


    + indem wir aufhören diese Geschichten bei Facebook & Co. zu teilen


    + indem wir echte Zeit für einander haben und wieder real zuhören


    + indem wir versuchen die wahren Hintergründe zu verstehen


    + indem wir selbst auf alle Übertreibungen verzichten


    + indem wir uns zugestehen einfach "Normal" zu sein


    + ...