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    Die Fakerin im Blog hatte ja gar keine beeindruckende Leidensgeschichte oder so. Sie erfand nur einen Mann den es nicht gab und bandelte als dieser mit einer Frau an. Und das nicht nur einmal sondern in verschiedenen Varianten mit verschiedenen Personen.


    Und es wurde ja hier nun auch schon mehrfach von realen Beispielen berichtet. Ich finde diese Art und Weise ein komplexes Verhalten auf ein so plattes Niveau herunter zubrechen irgendwie seltsam.

    Perspektive


    Wer ist "wir"?

    Zitat

    Sicherlich können wir es auch gemeinsam positiv verändern

    Wie stellst Du Dir das vor, eine kollektive Veränderung die zu weniger Fakes führt? Bei allem Respekt für Deinen Idealismus - für ein solches Verhalten gibt es so viele mögliche Auslöser, die kann man nicht alle bekämpfen. Und schon gar nicht in dem man ein paar (sicher sehr gute Punkte, dennoch) anwendet.


    Und man sollte auch aufpassen diesem Thema hier nicht insgesamt zu viel Raum zu geben. Es wird hier über die Fälle von Fakes diskutiert die es gibt - das heißt aber nicht, dass es sie massenweise gibt.


    Die meisten Menschen die ich (näher) kenne, sind keine Faker, erliegen auch z.B. diesem Einfluß der Medien nicht auf die Weise wie Du es beschreibst.


    Erlebt habe ich -wissentlich- Fakes in meinem ganzen Leben nur zwei (drei) Mal. In der Relation zu den Menschen die ich im Laufe meines Lebens (näher) kennengelernt habe ist das ein verschwindend geringer Prozentsatz.

    Zitat

    Und bei Internetbekanntschaften...was bringt einen Menschen dazu, einen nicht real vorhandenen Kontakt monatelang aufrechtzuerhalten?

    Heute würde mir das auch nicht mehr passieren. Ich lasse mich auch nur noch auf Bekanntschaften ein, wenn sie schnell "real" werden. Was aber eigentlich schade ist, denn durch das Internet wäre es eigentlich möglich, Menschen am anderen Ende der Welt kennen zu lernen. An sich eine tolle Sache und das hat mich zu Beginn auch sehr fasziniert. Deshalb bin ich vor gut 15 Jahren auf jemanden reingefallen. Ich habe einfach unterschätzt, wie viel Energie manche Menschen darauf verwenden, andere zu täuschen.


    In meinem Fall war es der "Klassiker": Mann gab sich als Frau aus. Getroffen hätte ich mich mit "ihr" schon gerne irgendwann einmal, aber da "sie" im Ausland lebte, war das eben nicht so leicht möglich und erschien mir für das Aufbauen einer Freundschaft auch nicht unbedingt nötig, da man ja telefonieren konnte. Es wurden Bilder getauscht, damals noch ganz altmodisch auf dem Postweg, mangels Digitalkamera. Und da ich "ihre" Adresse hatte, Bilder von "ihr" und regelmäßig mit "ihr" telefonierte, zweifelte ich auch nicht. Videochat war damals mit 56k-Modem noch kein Thema. Da würde ich heute ansetzen, wenn ich nochmal jemanden online kennen lernen würde. Aber eigentlich lasse ich mich durch diese Erfahrung gar nicht mehr wirklich auf sowas ein.

    Zitat

    Dazu müsstest Du vielleicht doch den Faden lesen. Gab ne Menge Antworten dazu.

    Es lohnt sich. Viele viele großartige, engangierte, sachliche und fundierte Beiträge. :)z




    desaparecida und danae87 könntet ihr mir einmal auf die Sprünge helfen wo ich hier im Faden den jeweiligen Eingangsbeitrag zur "Blogger-Psychologin" und zu "Viktoria" finde?

    Ich denke, dass es dieses Phänomen des Fakers schon immer gab. Nur existiert mit dem Internet heute ein ganz neuer Tummelplatz mit unendlichen Möglichkeiten um sich auszutoben. Die Distanz macht das Faken auch leichter, man muss den Leuten nicht mehr ins Gesicht schauen beim Lügen, sondern sitzt daheim in der sicheren Wohnung.


    Der Klassiker des Fakes im RL ist wahrscheinlich der Fremdgeher. Da werden Geschichten erfunden, um einerseits der Ehefrau die häufige Abwesenheit zu erklären. Andererseits kriegt die Geliebte Geschichten aufgetischt, warum er sich (noch) nicht trennen kann.


    Ein klein wenig kann ich mich einfühlen in die Rolle des Fakers. In der Frühzeit des Internets als Teenie habe ich mit jeder Menge Leute gechattet und dabei nicht immer die Wahrheit erzählt. Teils deswegen, weil einem ja immer eingebleut wurde, im Netz nicht zu viel von sich preiszugeben und ich mich mit Falschangaben schützen wollte. Aber es war auch unendlich spannend, dass man im Internet sein konnte wer man wollte. Sich komplett neuerfinden konnte. So saß ich oder wir (manchmal war eine Freundin dabei) dann kichernd vor dem Rechner. Allerdings waren das nur Chats, keine längerfristigen Kontakte.

    Zitat

    Der Klassiker des Fakes im RL ist wahrscheinlich der Fremdgeher. Da werden Geschichten erfunden, um einerseits der Ehefrau die häufige Abwesenheit zu erklären. Andererseits kriegt die Geliebte Geschichten aufgetischt, warum er sich (noch) nicht trennen kann.

    Das ist für mich kein Faker, das ist schlicht ein Lügner. Der Unterschied liegt für mich darin das der eine lügt um etwas zu vertuschen um sein Leben zu behalten, während der Andere sich ein ganzes Leben ausdenkt und als Person so gar nicht existiert. Jemand der fremd geht ist ja ansonsten er oder sie selbst.


    Ich denke auch das durch das Internet der Faktot "davon wissen" dazu kommt. Wer weiß schon wie oft es das früher gab, es ist ja keine Straftat und daher nirgendwo erfasst worden. Übers Internet erfährt man eben davon und so gewinnt man einen Eindruck davon das es vielleicht nicht ganz so selten ist wie früher gedacht, aber man muss eben auch aufpassen es nicht überzubewerten.

    Interessantes Thema…da kann ich was dazu beitragen.


    Ich kannte über eine Online-Plattform einen sehr seriösen Mann im Ruhestand. Wir lernten uns bald real kennen und schätzen. Jeden Tag telefonierten wir – manchmal stundenlang. Er hatte eine dipolare Störung, das wusste ich und konnte damit umgehen.


    Eines Tages berichtete er mir von einer wahnsinnig tollen Frau, die er nachts auf dieser Plattform kennen gelernt hatte. Er schwärmte in den höchsten Tönen von ihr. Ich hörte mir alles an und meinte, er solle sie doch bald real kennen lernen.


    Zwei Tage später berichtete er mir, dass besagte Frau (Pastorin) im Krankenhaus liege und auf eine Knochenmarkspende warte. Sie hätte Leukämie und würde isoliert in einem extra Zimmer liegen wegen der Infektionsgefahr. Ein Treffen könne erst in einigen Wochen, wenn es ihr besser ginge, stattfinden. So ging es weiter, sie schrieben und sie schilderte ihm genau, was gerade passierte. War Visite berichtete sie ihm, was die Ärzte vorhaben usw.


    So ging es Wochen, ohne dass sie sich kennen lernten. Inzwischen wußte viele auf der Plattform von Ihrer Krankheit und überschlugen sich schier darin, ihr Kraft zuzusprechen. Mein Bekannter trennte sich von seiner Frau, verkaufte sein Haus und wollte sich 700km weiter weg (wo die kranke Frau wohnte) ein neues Haus kaufen und sich um sie sorgen.


    Mir kam das von Anfang an seltsam vor und ich stellte Nachforschungen an. Zufällig kannte mein Cousin (Arzt) das Krankenhaus, war schon auf dem Gebiet der Leukämie tätig und hatte wieder mal dort zu tun. Ich gab ihm den Namen der Frau und bat ihn, mal zu schauen, wie es ihr geht.


    Er rief mich von dort aus an und berichtete, dass es keine Patientin im Umkreis von 150km gab, die diesen Namen hatte. Eine Knochenmarkspende sei auch nicht geplant.


    Meinem Bekannten erzählte ich das und bat ihn, doch erst mal nur eine Wohnung zu mieten und zu sehen, ob sie sich überhaupt real auch verstünden. In einem halben Jahr könne er doch immer noch ein Haus kaufen, und sie und ihre Töchter bei sich aufnehmen.


    Er war dermaßen sauer, dass ich es wagte, diese Frau als nicht ganz ehrlich darzustellen…meinte, es wäre ihr Ritter und mir kündige er die Freundschaft. Ab dem Tag hörte ich nicht mehr von ihm.


    Auf der Plattform kam es zu unbeschreiblichen Szenen mit dieser Frau. Sie verabschiedete sich im Chat mit dem Satz, dass sie nicht mehr lange zu leben hätte und eine Abschiedstour durch Deutschland zu ihren Freunden machen würde. Ich bin sicher, dass alle Chatteilnehmer am PC saßen und heulten vor Mitgefühl.


    Mein Bekannter zog also in eine Wohnung 700km entfernt von mir und konnte sie nicht finden (weiß ich von einer anderen Chatteilnehmerin, mit der ich Kontakt hatte und die ich auch real kannte).


    Er rief überall an und wollte sie ausfindig machen, da sie an seinem Umzugstag nicht kam. Er erreichte nach Tagen (völlig verzweifelt und die schlimmsten Ahnungen befürchtend) eine Tochter von ihr. Sie war total überrascht, dass jemand nach ihrer Mutter suchte. Ihre Mutter befände sich in einem Frauenhaus für wohnsitzlose Frauen und wäre eine pathologische Lügnerin. Ein Haus hätten sie nie gehabt und in ihrer Wohnung hätte es gebrannt, weshalb jetzt alle woanders untergekommen sind. Im Übrigen wäre sie und eine Schwester schwanger und wüssten nicht wohin. Ihre Mutter wäre keine Pastorin sondern die Putzfrau in einemsolchen Haushalt gewesen.


    Mein Bekannter war fassungslos, als er das von der Tochter erfuhr. Meine Chatbekannte rief mich sofort an, und erzählte mir alles. Ich war in Sorge wegen meinem Bekannten, der schon in depressiven Zeiten über Suizid nachgedacht hatte. Ich verständigte seine Tochter und bat sie, sich um ihn zu kümmern.


    Zwei Jahre später habe ich ihn zusammen mit der anderen Chatbekannten besucht und er dankte mir dafür, dass ich ihn vor einer großen Dummheit bewahrt hätte.


    Unsere Freundschaft ist nie mehr geworden...er schämte sich zu sehr.

    Der Faden ist wirklich klasse! Sehr konstruktiv! :)^


    Es wurden schon so viel Einzelbeispiele genannt, dass ich eher kurz was allgemeines dazu schreibe:

    @ Perspektive

    Deine Liste finde ich finde ich klasse!


    Im Zusammenhang hiermit:

    Zitat

    + indem wir aufhören diese Geschichten bei Facebook & Co. zu teilen

    würde ich gern noch ein kurzes Video verlinken


    Invention of loneliness

    Zitat

    Die Perspektive: Wir bewegen uns in einer Spirale des Schicksals-Wettkampfes ... nach dem Motto "Wem geht es heute am schlechtesten ...?!" :[]

    Ich finde die Frage spannend was die Wurzel dazu ist und die drückt sich wohl bei zunehmend mehr einzelnen Menschen in den ganzen Aufmerksamkeitsdefizitsyndromen und -störungen die in westlichen Gesellschaften so überhand nehmen aus: Aufmerksamkeit ist die neue eigentliche Währung in der westlichen Welt.


    Durch neue Medien zählbar gemacht ( Facebook likes, Counter auf Webseiten, endloses tracking von jeder Bewegung die ein Internetuser durchführt) wird Aufmerksamkeit gebunden von der ich mich frage wo die hinging bevor es das Internet gab.


    Dieser Wettbewerb um Aufmerksamkeit zieht sich durch Lebensbereiche, im Web ist er nur zählbar. Ein Troll beispielweise misst seinen Erfolg oft an der Anzahl der Antworten die er bekommt oder wenn eine Webseite es hergibt an der Anzahl der views seines Themas.


    Ein Realfaker unterscheidet sich da insofern als er nicht quantitative sondern qualitative Zuwendung sucht. Irgendjemand hat schon das Stichwort Energievampir genannt.


    Die Quelle ist aus meiner Sicht für alle genannten Arten (Troll, Realfaker, notorische Lügner und so weiter) ein für sich selbst negativer Umgang mit der eigenen Aufmerksamkeit und eine dazu passende Selbstwertproblematik.


    Die Lösung ist also für alle Beteilligten ( egal ob Troll / Energiejäger oder darauf Reagierender/Gejagter ) mit der eigenen Aufmerksamkeit bewusst umzugehen und das ist es was Perspektive ja eigentlich mit der Liste anspricht.


    Der Wettbewerb um Aufmerksamkeit mit dem Mittel des Dramas würde wohl erst nachlassen, wenn wir der Alltäglichkeit des Lebens einen ähnlich hohen Stellenwert wie dem Drama geben. Ob wir dazu von Natur aus ausgelegt sind ist die Frage, aber die östliche Philosophie hat darauf eine Jahrhunderte alte Antwort: Meditation und Liebe zum Alltäglichen. Vermutlich erlebt sie auch deshalb heute einen Aufschwung in der westlichen Welt.

    Zitat

    Denn ich kenne so ein paar "gute Samariter", die über das Ziel hinausschießen, weit hinaus, sich übergriffig verhalten, sich in das Leben anderer Menschen so massiv einmischen, dass dieses gestört wird - alles unter dem Mantel des "ich will doch nur helfen", selbst wenn gar kein Hilfeauftrag vorliegt, bzw. dieser längst erledigt ist.


    Isabell

    Genau DAS hasse ich auch wie die Pest. Ich las dazu irgendwo mal den Begriff -Terrorhelfer- und fand ihn superpassend! @:)

    Zitat

    Hast Du es nicht an der Stimme bemerkt?


    Isabell

    Nein, sonst wär ich wohl kaum drauf reingefallen ;-) Er hatte keine besonders tiefe männliche Sprechstimme, wie ich später erfahren habe und hat sich gut verstellt. Ohne technische Mittel, soviel ich weiß. Manche können das recht gut.


    Ob das https://www.youtube.com/watch?v=L1wNKjlfaK0 z.B. echt ist, weiß ich nicht. Aber für Transsexuelle gibt es inzwischen auch gute online Tutorials und ich kenne eine Transsexuelle, die auch sehr weiblich klingt, obwohl sie noch keine Hormone einnimmt und früher eine wirklich männliche Stimme hatte.