NotMichaelCain


    Insgesamt stimme ich Dir (und auch Perspektive) in Teilen zu.


    Was ich mich frage ist aber, ob man es immer mit dem Ursprung "Aufmerksamkeit suchen/brauchen" begründen kann.


    Bei einigen Stories/Menschen habe ich nämlich auch den Eindruck solche Geschichten zu erfinden um nicht zu sich selbst, nicht zu seinen Schwächen etc. stehen zu müssen (oder zu Umständen unter denen sie sich befinden).


    Ich schrieb es schon mal in einem anderen Beitrag: Es gibt ja auch die Faker, die über eine weitere Person (erfundene) Geschichten erzählen, deren Leben völlig anders darstellen (faken) um selbst Aufmerksamkeit zu bekommen, aber viel eher sehe ich dahinter um sich selbst, das eigene Verhalten zu rechtfertigen, keine Verantwortung übernehmen zu müssen usw....Vater/Mutter schlägt, trinkt, nimmt Drogen, der Exfreund/die Exfreundin hat einen mies behandelt.... alles sowas.


    Sicher sind hier die Grenzen fließend wann es ein wirkliches Fake"leben" ist was man sich aufbaut oder ob man "nur" lügt um sich selbst aus etwas rauszuhauen.


    Dennoch gehupft wie gesprungen: Es muß nicht immer nur die pure Aufmerksamkeit gewollt werden wenn man ein anderes/falsches Leben vorspielt.

    Zitat

    Und genau deshalb glaube ich das sowas nicht (nur) gemacht wird weil einem langweilig ist. Ich glaube da steckt viel mehr dahinter, sonst ist das viel zu aufwendig. Hinter so einem intensiven Fake steht ein ganz großes Bedürfnis das man in der normalen Welt so nicht einfach befriedigen kann. Deswegen halte ich die Kontrolle über einen anderen Menschen für ein tragendes Element. Da ist nämlich dann die Täuschung teil der Kontrolle weil es mir viel viel Macht gibt ganz unsichtbar zu sein während der andere sich weitgehend sichtbar und damit verletzlich macht.

    Ich glaube, die Gründe dafür sind total vielfältig. Auf jeden Fall kann man aber mal davon ausgehen, dass im Faker irgendein emotionales Bedürfnis befriedigt wird. Und ansonsten wird es eine ziemliche Bandbreite geben.

    Zitat

    Was treibt solche Menschen an? Was genau triggert die Menschen, die sich auf solche Geschichten einlassen? Woher kommt dieses Bedürfnis, anderen Menschen wehzutun? Begreifen realfakes, was sie damit im Leben anderer Menschen anrichten - und wenn ja, wie unglaublich gleichgültig drauf muss man sein, um das nicht nur in Kauf zu nehmen, sondern das auch noch lächelnd zu forcieren?

    (Hervorhebung von mir)


    Da gibt es sicherlich unterschiedliche Fälle. Entweder der Faker ist tatsächlich so unempathisch, dass er sich gar nicht vorstellen kann, was sein Handeln im Gegenüber auslöst. Oder es ist ihm tatsächlich egal. Oder aber es verschafft ihm noch einen ganz besonderen Kick, weil er sich übermächtig, intelligenter, ausgeschlafener fühlt als sein Gegenüber. Somit verpasst ihm jede erfolgreich erzählte und von anderer Seite akzeptierte Lüge einen Egoboost. Dass andere dabei entsprechend unter seinen Handlungen leiden, wird dann eben billigend in Kauf genommen.


    Mir ist noch etwas anderes eingefallen. Eine damals gute Bekannte von mir war vor ein paar Jahren bei Studivz angemeldet. Neben den Gruppengeschehen, die dort unter dem richtigen Profil liefen, gab es noch eine Parallelwelt dort. Menschen erstellten sich in voller Absicht Fakeprofile, und zwar nicht irgendwelche, sondern unter den Namen von Schauspielern oder Seriencharakteren. Entsprechend wurden die Profile mit deren Fotos ausgestattet, die optische Beschreibung entsprach ihnen, auch die Gruppen, in denen die Fakes Mitglied waren, entsprachen der Rolle. Dann gab es noch extra geschlossene Gruppen, in denen die ganzen Fakes sich zu einer Art Rollenspiel trafen. Innerhalb der Gruppe gab es dann mehrere Settings, z.B. ein Krankenhaus, ein Café, ne Kneipe usw. In diesen Settings trafen die Fakes aufeinander und interagierten. Arbeiteten, flirteten, gingen Beziehungen ein. Meine Bekannte berichtete mir irgendwann z.B., ihr Fake habe geheiratet.


    Hinter den Kulissen hatten die Fakes auch im Chat Kontakt. Meine Bekannte hatte irgendwann eigens einen zweiten icq-Account, nur um mit den ganzen anderen Fakes zu kommunizieren, da sie denen ihren richtigen Account nicht nennen wollte. Ungeschriebenes Gesetz war, dass niemand vom anderen wissen sollte, wer er war.


    (Irgendwann erzählte sie mir, sie habe sich in einen Typen verknallt. Auf Nachfrage kam heraus, dass sie den Fake meinte. Irgendwann fand sie dann heraus, wer er wirklich war und fand ihn total unspannend. Das nur am Rande.)


    In dem Fall bestand der Reiz aus zwei Komponenten. Zum einen: Je besser der Fake seine Rolle spielte, umso erfolgreicher war er im Rollenspiel. Und zum anderen: Man war ständig davon bedroht, bei Studivz gemeldet zu werden,

    , entweder von neidischen Mitspielern, mit denen man es sich - warum auch immer - verscherzt hatte, oder aber von Außenstehenden, die zufällig mal über das Fakeprofil stolperten und vom Spiel nichts wussten.


    Über diese Geschichte ging tatsächlich der Kontakt zu dieser Bekannten auseinander, weil die irgendwann nur noch in dieser Parallelwelt lebte und mich das total befremdete, dass sie keine anderen Gesprächsthemen mehr hatte.


    An der Stelle musste ich bei ihr schon von einer Sucht ausgehen, und ich glaube, dass das bei vielen Fakern so ist, auch wenn es sich bei ihnen nicht vordergründig um ein Spiel handelt. Es sei mal dahingestellt, wie sie in die Geschichte reingerutscht sind (entweder in voller Absicht - oder vielleicht, wie Nurarihyon, über eine Notlüge, die sich irgendwann verselbständigte) - aber irgendwann scheint der Punkt zu kommen, an dem sie alleine aus der Nummer nicht mehr rauskommen - nur noch über eine Enttarnung durch andere.


    Ich glaube, wenn man schon mal an einem solchen Spiel teilgenommen hat und dort erfolgreich war, ist es nur noch ein kleiner Schritt dahin auszutesten, ob man das Spiel auch ins RL übertragen kann, wobei der ganz besondere Reiz eben darin besteht, dass man nur selbst weiß, dass man spielt.

    Zitat

    Und. Weil hier Stimmen kamen, die sagten, das kostet doch viel zuviel Zeit, das macht doch keiner...wo kostet das Zeit? Eine parallele Existenz aufzubauen kostet praktisch null Zeit, dazu braucht es nur ein bisschen Fantasie, ein paar triggernde Formulierungen, ein gutes Gedächtnis und minimale technische Kenntnisse. Sowas schüttele sogar ich in meinem Alter mal eben in der großen Pause aus dem Handgelenk.

    Zitat

    Ich glaube für einen realfake mit nahmen Kontakt braucht man wirklich Zeit die da investiert wird. Weil man ja nicht nur das eigene falsche FB-Profil/Twitter/Instagram füttert sondern auch noch die der anderen zu der einen Figur erdachten Personen. Familie, engere Freunde und soweiter. Für all die muss man sich ja ausenken wo sie sind, was sie so machen und soweiter.

    Selbst, wenn man nur ein Profil füttern muss. Ich beziehe mich noch mal auf das von mir schon eingangs geschilderte Beispiel. Die Frau hatte sehr spezielle Profilfotos, die sie über osteuropäische Sites im Netz gefunden hatte. Selbst mit Inversbildersuche hatten wir, als wir irgendwann versuchten, die Bilder zu finden, Schwierigkeiten - diese Sites kennt hier einfach kein Aas. Danach musste man also schon mal intensiv suchen. Das Gleiche galt für den Rest ihres Profils. Stellt Euch das wie ein Facebookprofil vor, mit einer Freundesliste (reale Menschen! Keine Fakes! Mit denen muss man sich ja auch erst mal anfreunden.), Fotos, Vorlieben, Posts, die zum Charakter passen mussten - und später dann auch noch, sichtbar für alle, Interaktionen mit realen Menschen, die dem Ganzen natürlich dann einen immer realeren Anschein gaben. Das schüttelst Du nicht in der Mittagspause aus dem Ärmel.


    Dazu kamen dann am Ende noch ebenso ausgestaltete Profile von angeblichen Freunden der Frau - wieder mit Fotos, mit eigener Freundesliste und so weiter. (Wobei die dann aufgrund der Kürze der Zeit nicht mehr so glaubwürdig waren - deswegen bröckelte das Lügengebilde auch dann so schnell.)

    @ Chance007:

    Tolle Beiträge übrigens - die könnte ich hier komplett kopieren und dann applaudieren. Aber dann wird mein Beitrag ja noch länger. ;-D

    Zitat

    Aber wie oben schoon geschrieben, total auffällig ist, dass viele es eben DOCH gemerkt haben, es nur übergingen.

    Ich glaube, es war Isabell, die sagte, wenn man einem Außenstehenden die Geschichten im Zeitraffer erzählt, rollen alle mit den Augen, weil so offensichtlich ist, dass da was faul war. Wenn man aber über Monate oder Jahre häppchenweise mit Informationen gefüttert wird und jeder Zweifel, der nicht nur aufkommt, sondern sogar noch artikuliert wird (Beispiel bei meinem Kumpel mit der Frau: "Schick mir doch mal ein aktuelles Foto von Dir!" - "Meine Handykamera ist kaputt - ich muss mal sehen, dass ne Freundin mal ein Bild von mir machen kann."), immer wieder irgendwie mit einer in dem Moment plausiblen Begründung wegerklärt wird, dann sieht man das große Ganze nicht. Und da gleichzeitig die emotionale Ebene so gepflegt wird, misst man dem vielleicht auch nicht die Bedeutung bei. Nach dem Motto: "Pfft. Dann hab ich halt kein aktuelles Foto von der. Dafür haben wir gerade schon wieder vier Stunden telefoniert."

    Schon so viel geschrieben und doch noch was vergessen...


    Ich hatte schon geschrieben, ich vergleiche das mit einem Suchtverhalten.


    Ich glaube, dass die Befriedigung, die der Faker aus dem Faken zieht, vergleichbar ist mit einem Zocker, der bei einem tollen Spiel ein neues Level freispielt. Deswegen steigert sich auch die Absurdität und Intensität der Geschichte immer weiter. Erst ist der Fake-Charakter nur irgendeine Person, dann wird diese Person krank, dann todkrank, dann passiert noch irgend etwas anderes Heftiges - der emotionale Gewinn für den Faker wird nur erreicht, je krasser sich die Geschichte entwickelt.

    Zitat

    Das ist für mich kein Faker, das ist schlicht ein Lügner. Der Unterschied liegt für mich darin das der eine lügt um etwas zu vertuschen um sein Leben zu behalten, während der Andere sich ein ganzes Leben ausdenkt und als Person so gar nicht existiert. Jemand der fremd geht ist ja ansonsten er oder sie selbst.

    Die Grenzen sind fließend, denke ich. Manchmal werden von Fremdgehern riesige Lügengebäude kreiert, vom wichtigen Auftrag wegen dem man spät arbeiten oder geschäftlich verreisen muss, bis zur krebskranken Frau daheim. Mehrere Handys und SocialMedia-Accounts, falsche Freunde, die das Alibi bestätigen... alles um die anderen Personen bei der Stange zu halten. Im RL kann man natürlich nicht völlig losgelöst von der Wirklichkeit Aussehen, Alter und Geschlecht faken. Aber für die Hintergangenen ist, wenn der Schwindel auffliegt, dann auch erstaunlich wenig übrig von der Person, die sie glaubten zu lieben.

    Das klingt schon logisch, das mit der Aufmerksamkeit und dem "langweiligen eigenen Leben" und so. Wenn ich jetzt aber an den Blog (Viktoria) denke, dann finde ich, dass die Sache da schon sadistische Zuge hatte. Da ging es für mein Empfinden auch um die reine Lust am Manipulieren. Und wenn ich versuche, mich in die Sache reinzudenken...dieser "Kai" dort, der hat die Viktoria doch auch oft mal zappeln lassen und hat sich länger nicht gemeldet, wenn sie nicht getan hat, was er wollte. Das macht doch kein netter Mensch, das ist doch absichtliches, ja ich weiß nicht, Bestrafen oder so. Sadismus, eben.

    Zitat

    Da gibt es sicherlich unterschiedliche Fälle. Entweder der Faker ist tatsächlich so unempathisch, dass er sich gar nicht vorstellen kann, was sein Handeln im Gegenüber auslöst. Oder es ist ihm tatsächlich egal. Oder aber es verschafft ihm noch einen ganz besonderen Kick, weil er sich übermächtig, intelligenter, ausgeschlafener fühlt als sein Gegenüber. Somit verpasst ihm jede erfolgreich erzählte und von anderer Seite akzeptierte Lüge einen Egoboost. Dass andere dabei entsprechend unter seinen Handlungen leiden, wird dann eben billigend in Kauf genommen.

    Eine Möglichkeit ist auch, dass Faker innerhalb der auf Lügen aufgebauten zwischenmenschlichen Beziehung durchaus glücklich sind und selbst massiv darunter leiden, wenn es dann auffliegt und alles vorbei ist. Sie sabotieren sich quasi selbst, indem sie immer wieder "Beziehungen" eingehen, die ihnen irgendwann unvermeidlich um die Ohren knallen. Dass sie selbst und das Gegenüber dann leiden werden, verdrängen sie so lange wie möglich.

    Zitat

    Eine Möglichkeit ist auch, dass Faker innerhalb der auf Lügen aufgebauten zwischenmenschlichen Beziehung durchaus glücklich sind und selbst massiv darunter leiden, wenn es dann auffliegt und alles vorbei ist. Sie sabotieren sich quasi selbst, indem sie immer wieder "Beziehungen" eingehen, die ihnen irgendwann unvermeidlich um die Ohren knallen. Dass sie selbst und das Gegenüber dann leiden werden, verdrängen sie so lange wie möglich.

    :)z So ähnlich habe ich es mir auch schon versucht zu erklären.

    Davon geh ich auch aus. Und ich nehme an sie belügen sich selbst in dem sie sich selbst erklären sie würden dem anderen ja auch nur geben was der oder die will. Um wieder auf den Blog zurückzukommen: Die Fakerin erklärte ja sie sei wirklich verliebt in die Bloggerin.

    Zitat

    Bei einigen Stories/Menschen habe ich nämlich auch den Eindruck solche Geschichten zu erfinden um nicht zu sich selbst, nicht zu seinen Schwächen etc. stehen zu müssen (oder zu Umständen unter denen sie sich befinden).


    Ich schrieb es schon mal in einem anderen Beitrag: Es gibt ja auch die Faker, die über eine weitere Person (erfundene) Geschichten erzählen, deren Leben völlig anders darstellen (faken) um selbst Aufmerksamkeit zu bekommen, aber viel eher sehe ich dahinter um sich selbst, das eigene Verhalten zu rechtfertigen, keine Verantwortung übernehmen zu müssen usw....Vater/Mutter schlägt, trinkt, nimmt Drogen, der Exfreund/die Exfreundin hat einen mies behandelt.... alles sowas.

    Ja. Ich sehe dahinter den Versuch etwas reales zu bekommen (tatsächlich mitfühlende Aufmerksamkeit) ohne etwas reales dafür zu geben (erfundene Geschichte berührt den Erfinder ja nicht persönlich). Man könnte das unter Umständen sogar mit dem üblichen Suchtmechanismus begründen bei dem ja auch da Suchtmittel dazu dient irgendein Bedürfnis zu befriedigen, was wenn man es eigentlich befriedigen würde etwas von einem selbst fordern würde. Es scheint bei solchen Dynamiken immer darum zu gehen selbst nichts zu geben, aber von anderen etwas positives zu bekommen.


    Einfaches Beispiel Internetpornokonsum: Jemand der hauptsächlich virtuellen Sex betreibt vermeidet ja alles was mit realem Sex an "Gefahren" auf ihn zukommt: Ablehnung durch den anderen, der Sex könnte katastrophal sein, der partner ausgezogen doch nicht so attraktiv wie vermutet, er könnte keinen hoch kriegen und so weiter. All das entfällt beim Pornokonsum. Ein Pornokonsument kann seine gesamte Unsicherheit und Verletzlichkeit schützen indem er einfach nicht live interagiert.


    Natürlich ist die Befriedigung aber eben dann auch flacher. Wer Verletzlichkeit nicht einsetzt erhält eben auch nicht den Bonus, wenn das Gegenüber tatsächlich liebevoll mit der umgeht und sich seinerseits öffnet. Die Erfahrung der zwischenmenschlichen Nähe entfällt völlig. Wer nicht realisiert das er die auch braucht, wird wohl gern zu dieser kurzfristigen Befriedigung greifen und wenns extrem wird dann eben davon abhängig möglicherweise bis zur zeitweisen Impotenz, weil kein Kick mehr genügt, um die tatsächliche Befriedigung zu finden, die in der emotionalen Verbindung steckt. Die gibts nur bei Autentizität mit realen Menschen.


    Beim Faken von Geschichten geht es um "erhalten von Gefühlen der anderen" ohne selbst wirklich eigene Unsicherheit und Verletzlichkeiten preis zu geben. Dabei lügt sich der Faker eben selbst in die Tasche, weil die Aufmerksamkeit für seine Person ja gar nicht existiert! Es existiert ja mitfühlende Aufmerksamkeit für eine fiktive Gestalt und nicht für den Faker. Manche Faker versuchen sich dann über ihre Machtposition ( ich weiss das alles erlogen ist und habe die Macht darüber was der andere fühlt) Befriedigung zu erlügen, aber auch die ist ja nicht echt. Nicht der Faker löst die Gefühle aus, sondern die Geschichte und dass der andere mitfühlend reagiert ist nicht der Verdienst des Fakers als Person, sondern der Verdienst der erlogenen "Fakten" derer er sich bedient. Es ist alles illusionär- eben auch die Macht die der Faker zu spüren glaubt und früher oder später stürzt das ein.


    Die Befriedigung die ein Faker aus der Manipulation zieht ist auch für ihn zwangsläufig nicht real, was dann zu Wiederholungen und zu immer extremeren Ausschmückungen führen kann. Bis hin zur Sucht. Trolle behelfen sich damit Communities zu gründen in denen sie ihre zählbaren Erfolge ranken. So versuchen sie ihre der Situation der Aufmerksamkeitssehnsucht ( die sie ja schwach und verletzlich macht) in eine Machtposition umzudeuten, indem sie stolz auf eine gute Platzierung sind. Das funktioniert so lange man zu den Besten gehört. Nur: Wer schlecht platziert wird kann aber auch da das Gefühl entwickeln langfristig immer mehr machen zu müssen, um entweder aufzusteigen oder zu merken: sch... das eigentliche Gefühl der Leere geht nicht weg ich brauch einen neuen "Schuss".


    Gerade was die Abhängigkeitsdynamik von zwischenmenschlicher Aufmerksamkeit betrifft leben wir in einem Zeitalter wo Strukturen plötzlich bewusster werden und dadurch auch hinterfragt werden. Spannend, aber auch unheimlich finde ich.


    Aufmerksamkeit spielt für mich deshalb die zentrale Rolle und ist der Punkt an dem alle Beteilligten in so einer Dynamik ansetzen können.

    Zitat

    Davon geh ich auch aus. Und ich nehme an sie belügen sich selbst in dem sie sich selbst erklären sie würden dem anderen ja auch nur geben was der oder die will. Um wieder auf den Blog zurückzukommen: Die Fakerin erklärte ja sie sei wirklich verliebt in die Bloggerin.

    Das ist eine Variante die dann auch noch passieren kann: Eine Art (nicht geouteter) Lehrer verliebt sich in sein Studienobjekt.

    Zu den letzten Beiträgen (clairet, chance, danea, notmichealcaine):


    :)z :)^


    Ich glaube auch insgesamt ("trollen" ist nochmal was Anderes), dass die meisten Faker die von ihrem Fake betroffenen Personen wirklich mögen, an ihnen aufrichtig interessiert sind.


    Sie glauben nur nicht, dass sie so gemocht werden wie sie wirklich sind oder wie ihre Umstände wirklich sind akzeptiert werden.

    Zitat

    Es sei mal dahingestellt, wie sie in die Geschichte reingerutscht sind (entweder in voller Absicht - oder vielleicht, wie Nurarihyon, über eine Notlüge, die sich irgendwann verselbständigte) - aber irgendwann scheint der Punkt zu kommen, an dem sie alleine aus der Nummer nicht mehr rauskommen - nur noch über eine Enttarnung durch andere.

    Könnte man dann eventuell sagen, dass in manchen Fällen die Enttarnung im Sinne des Fakers ist? Dass man ihm damit unter Umständen langfristig einen Gefallen tut?

    Zitat

    Da ging es für mein Empfinden auch um die reine Lust am Manipulieren. Und wenn ich versuche, mich in die Sache reinzudenken...dieser "Kai" dort, der hat die Viktoria doch auch oft mal zappeln lassen und hat sich länger nicht gemeldet, wenn sie nicht getan hat, was er wollte. Das macht doch kein netter Mensch, das ist doch absichtliches, ja ich weiß nicht, Bestrafen oder so. Sadismus, eben.

    Vielleicht macht es manche Faker ja auch furchtbar wütend, dass sie eine "Beziehung" zu einer realen Person aufbauen, aber eben nicht als reale Person - dass sie wissen, dass der andere (der ja möglicherweise vieles ist, was sie selbst gern wären und dem sie sich von Angesicht zu Angesicht nicht zu nähern wagen würden) sie in den Wind schießen würde, wenn er wüsste, wer sie sind und was sie alles erlogen haben? Falls ein Faker wirklich an dem von ihm Belogenen hängt, könnte ich mir vorstellen, dass das auf lange Sicht eine schmerzhafte Situation ist und neben möglicher Traurigkeit auch irrationale Wut befördert.
    Die richtig sadistische Komponente kann ich mir auch gut vorstellen, das wäre dann wieder ein anderer Typ. Es gibt ja durchaus Menschen, die Vergnügen daran finden, andere leiden zu sehen und gründlich zu demontieren. Da geht es wieder in Richtung Psychopath - die Sorte Mensch, die keiner, der noch bei Verstand ist, in der Nähe von sich oder seinen Kindern wissen will.

    clairet


    Auch nach nachdenken (ich bin krank, hab Zeit ;-D ;-D ) ist für michs o ein riesen Aufriss eines Menschen der fremd geht einfach nur Betrug und kein fake im eigentlichen Sinne. Denn da geht es ja um den Schutz eines realen Lebens. Das alles ist ja im realen Leben dessen der da so einen Aufwand betreibt verankert, die Ursache für die Lügerei liegt in seinem realen Handeln und den Konsequenzen die diese Person nicht tragen will. Das alles gibt es bei einem realFaker ja nicht. Da gibt es keine negatien Konsequenzen für den Faker, ausser dem Verlust des Kontaktes der aber nur durch die Vorspiegelung falscher Tatsachen überhaupt zustande kam. Beim Fremdgeher ist der Anfang das brechen einer Abmachung und dann wird gelogen um zuvertäuschen, aber beim Faker ist die Lüge der Ursprung von allem was danach kommt. Deswegen sind das in meinen Augen zwei paar Schuhe.

    Zitat

    Falls ein Faker wirklich an dem von ihm Belogenen hängt, könnte ich mir vorstellen, dass das auf lange Sicht eine schmerzhafte Situation ist und neben möglicher Traurigkeit auch irrationale Wut befördert.

    Ich könnte mir vorallem vorstellen das es eine riesen Panik befördert. Wenn da wirklich jemand ist der dem Faker etwas gibt, auch wenn die Grundlage auf der es geliefert wird total erlogen ist, dann ist der Faker abhängig. In ganz großem Maße sogar, denn woanders bekommt er oder sie das was da so dringend gebraucht wird nicht. Das ist der perfekte Nährboden für große Verlustängste und wenn die aufkommen werden Menschen richtig hässlich und irrational.

    Zitat

    Die richtig sadistische Komponente kann ich mir auch gut vorstellen, das wäre dann wieder ein anderer Typ. Es gibt ja durchaus Menschen, die Vergnügen daran finden, andere leiden zu sehen und gründlich zu demontieren. Da geht es wieder in Richtung Psychopath - die Sorte Mensch, die keiner, der noch bei Verstand ist, in der Nähe von sich oder seinen Kindern wissen will.

    Und an diesen Typ habe ich glaube ich gedacht, als ich schrieb, dass ich von so einem unbekannten Ding lieber mehr Abstand schaffen würde. Kein Kontakt aufnehmen, lieber ganz schnell allen Kontakt beenden.


    Es mag sein, dass da irgendwo ein Mensch in dem Faker drinsteckt, ein Mensch mit mit Phantasie und Humor usw. Aber dieses andere, manipulierende Wesen, dass würde ich meiden wollen so gut es geht.


    :-|