Ich würde das nicht auf eine bestimmte Situation beziehen. Wie gesagt, ich erinnere mich noch sehr deutlich an den Fake mit der Mutter-Tochter-Koma-Konstellation. Der wurde über Monate hinweg gepflegt, vielleicht sogar Jahre, das müsste ich nachsehen. Es war alles stimmig, die Mutter tat einem SO leid. Schrecklich, soetwas hilflos mitzuerleben, zu hoffen, wieder enttäuscht zu werden und das eigene Kind schließlich gehen lassen zu müssen. Uargs. Empathie ist ein Miststück. Tja und dann, aus dem nichts: ist ein Fake, Thread geschlossen, war nur eine Geschichte. Das Mitfiebern und das Hoffen der Menschen, die daran teilgenommen haben, das war echt. Alles andere ausgedacht. Ich hab kein Problem damit, eine Geschichte zu lesen, aber ich will vorher wissen, dass es nur eine Geschichte ist, eben damit ich nicht zu viel Gefühl investiere. Ich mein, ich les grad Stephen King - Mr. Mercedes und recht früh am Anfang schon stirbt eine junge Mutter mit ihrem Baby auf bestialische Art und Weise. Ich weiß, das ist nur eine Geschichte und deswegen kann ich damit umgehen. Würde das aber jemand als wahr ausgeben, würde ich wesentlich mehr Gefühle dabei (mir fehlt das passende Wort) investieren/verlieren/erleben/ichweißauchnicht.... es würde mich mehr mitnehmen. Und so geht es mir hier mit den Fakes auch :-/

    ok - ich habe jetzt nicht allzu viel gelesen, aber zum Thema Schuld-Verantwortung bzw dieser Mutter-Tochter-Koma Geschichte ( ich kenne sie aber nicht).


    Ich habe dazu eine ziemlich rigorose Einstellung. Internet ist eine virtuelle Welt, ohne große Mühe findet man die seltsamsten Geschichten, oftmals kann man sich anonym anmelden unter irgendeinem Nick - nicht selten sogar unter mehreren gleichzeitig.


    Das ist alles nicht unbekannt. Daher wer hier Gefühle entwickelt trägt nicht nur die Verantwortung dafür - der ist auch selbst schuld. Ein anderes Beispiel aus der realen Welt. Da verlieben sich Männer im Thailand-Urlaub, sind vollkommen hin und weg, dass Sie mit ü50 noch eine so nette junge Frau finden. Schicken dann Geld, führen eine Fernbeziehung bauen sogar Häuser usw. LSK nennt man das - Liebeskasper-Syndrom. Gleiches gilt für reifere Frauen, die in Tunesien junge Männer kennen lernen (s. 1001 Geschichten). Also wenn die alle nicht selber schuld sind. Erstrecht gilt dies, wenn alles virtuell ist.

    Zitat

    Es kam in letzter Zeit nur so oft vor, dass so ein typischer Thread eröffnet wurde.

    Chi, ich denke, das war schon immer so. Es fällt einem nur umso schneller auf, je länger man hier schon im Forum ist. Geht zumindest mir so.


    Mir tut es nur immer sehr leid für alle, die es nicht bemerken und sich da emotional reinstürzen und mitleiden/mitfiebern/sich-die-Finger-wundschreiben.


    Wenn man es merkt und trotzdem mitschreibt, ist das noch mal was anderes. Aber das ist den Beiträgen auch deutlich anzumerken. Die sind nicht so emotional aufgeladen und überdreht (vor lauter Sorge).

    Zitat

    Liebeskasper-Syndrom

    Ich kenne so einen "Liebeskasper" (das Wort ist mir neu), der hat tatsächlich für eine Thailänderin ein Haus gebaut - in Thailand. Sie wohnt da jetzt auch noch. Er ist für sie Geschichte. Armer Kerl.

    Nochmal zu Schuld und Verantwortung. Der Begriff "Schuld" ist aus meiner Sicht in die Vergangenheit gerichtet. Beim Zuweisen von Schuld geht es um etwas, das bereits passiert ist. Ich glaube, dass viele Menschen stark darauf konditioniert sind, ueber "Schuld" nachzudenken; es ist wohl ziemlich verbreitet, sich selber schuldig zu fuehlen und deswegen zu leiden, aber auch anderen Schuld zuzuweisen passiert oft. Kann sein, dass das manchmal gerechtfertigt und sinnvoll ist (ich denke schon, man kann sagen, ein Faker, der andere bewusst manipuliert, laedt Schuld auf sich), aber irgendwie haengt an dem Begriff auch sehr viel Leid und Schmerz, den Menschen sich selber und anderen zufuegen durch Schuldzuweisungen.


    Ich faende es ziemlich verhaengnisvoll, wenn es unmoeglich waere, ueber Verantwortung, und wie man diese in Zukunft am besten wahrnehmen kann, nachzudenken, weil das die Gefahr mit sich fuehrt, dass irgendjemand sich schuldig fuehlt oder beleidigt, weil er denkt, ihm wird Schuld zugewiesen. Ich denke, frueher im Faden wurde etwas allergisch darauf reagiert, dass Luis gegen die Vorstellung schrieb, "das kann jedem passieren", u.a. weil es ja bedeuten koennte, wenn es nicht jedem passieren kann, dass diejenigen, denen es passiert, irgendwie "selber schuld" seien. Wenn man nicht vergangenheitsbezogen in Schuldkategorien denkt, bedeutet es das nicht, aber es scheint schwer zu sein, aus dieser Vostellung herauszukommen. Ich stelle mir vor, dass es eine gute Sache waere, wenn man ueber seine eigene Vergangenheit in der Lage ist selbstkritisch nachzudenken, und zu entscheiden, dass man gewisse Dinge in Zukunft vielleicht anders tun will (oder auch nicht, aber dabei bewusster sein), ohne dabei gleichzeitig zu denken, "deswegen bin ich selber schuld, dass mir in der Vergangenheit das-und-das Leid passiert ist".


    Menschen entwickeln sich und sie lernen (hoffentlich). Wenn man perfekt auf die Welt kommt, kann man nichts lernen, also gibt es immer etwas zu lernen und zu aendern, und es ist keine Schuld darin versteckt, dass man frueher nicht perfekt war.

    Meine persoeniche Einstellung zum Posten mit Fakern ist, dass ich bewusst egoistisch poste. Ich schreibe grundsaetzlich nur Sachen hier, die ich auch meinetwegen schreiben will (und sei es wegen der schmeichelhaften Illusion, eventuell jemandem zu helfen). Das schuetzt mich nicht davor, an Faker zu geraten, aber wenn das passiert, werde ich mir selber immer sagen koennen, dass mein Geschriebenes und meine Energie nicht verschwendet waren, weil ich fuer mich geschrieben habe.


    Selbiges gilt uebrigens fuer die oft gehoerte Beschwerde, dass gewisse Leute hier Ratschlaege nicht annehmen. Ich habe es nie als Problem wahrgenommen, wenn irgendwelche Leute meine Ratschlaege nicht angenommen haben oder nicht in der Lage waren, durch das an sie Geschriebene ihre Lage zu verbessern. Denn ich habe fuer mich geschrieben. Wenn man nicht fuer sich und nur fuer den anderen schreibt, ist das Risiko "verschwendeter Energie" viel groesser.

    Zitat

    Schuld kann es meiner Meinung nach nur geben wenn es um willentliche Verletzungen, egal in welchem Bereich geht.

    Nein, so einfach ist das nicht. Auch Fahrlässigkeit begründet eine Schuld.


    Dem Extremsportler muß das nicht nachzuweisen sein, denn nur er allein weiß um seine aktuellen Kraftreserven und seine technischen Fähigkeiten. Mir ging es auch eher um den Aspekt, wie er das selbst fühlt.


    Ok, ist durch. War ein Nebenaspekt.

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    Chi, ich denke, das war schon immer so. Es fällt einem nur umso schneller auf, je länger man hier schon im Forum ist. Geht zumindest mir so.

    Ja, das stimmt. Es sind halt Erfahrungen, die man hier im Laufe der Zeit gemacht hat. Ich kannte sowas aus anderen Foren bisher nicht, da ich mich nur in technischen Foren aufgehalten hab. Das hier war das erste und einzige für mich, in denen es auch um menschliche Schicksale ging (anstatt um geschändete Ram-Riegel). Das war am Anfang echt beeindruckend.

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    Mir tut es nur immer sehr leid für alle, die es nicht bemerken und sich da emotional reinstürzen und mitleiden/mitfiebern/sich-die-Finger-wundschreiben.


    Wenn man es merkt und trotzdem mitschreibt, ist das noch mal was anderes. Aber das ist den Beiträgen auch deutlich anzumerken. Die sind nicht so emotional aufgeladen und überdreht (vor lauter Sorge).

    JA, genau. Ich lese solche Threads und sehe, wie andere sich überschlagen, alte Wunden aufreißen und sie ihr innerstes schier nach außen kehren, weil sie helfen wollen. Weil sie sowas auch irgendwie erlebt haben, weil - keine Ahnung. Meine erste Intention wäre an dieser Stelle, diese Leute zu warnen, dass sie sich nicht so arg reinsteigern sollen, weil es ihnen schmerzen wird, wenn sie es vergeblich getan haben. Aber das ist verboten, natürlich zu recht, dennoch. Man sitzt da ein wenig machtlos, Bewertungen sind sinnlos geworden (tschuldigung @mods, ich kann darauf näher eingehen, tu es an dieser Stelle mal absichtlich nicht wegen offtopic, kann aber bei Bedarf ausholen...), Erklärungen gibt es nicht (mehr). Die Administration verhält sich steril und uninteressiert. Also sitzt man da machtlos und guckt zu, wie ein Faker seine Leidensgeschichte ausbreitet und andere darauf hereinfallen und sich weh tun werden dabei. Das macht einfach aaaaarg! Ja, wütend halt. Aber hey, wenigstens ein Gefühl und doch nicht total abgestumpft. ^^

    @ LichtamHorizont

    Zitat

    Armer Kerl

    Finanziell sicherlich. Da gibt es welche, die haben ihr ganzes Erspartes auf den Kopf gehauen. Aber die sind doch absolut selbst schuld. Überhaupt sich im Urlaub zu verlieben, wenn doch klar ist. dass nach 3 Wochen die Trennung erfolgt. In diesen Fällen ist die Person für die man Gefühle entwickelt ja noch real. Daher findet der ganze Kontakt nur virtuell statt, gilt das mit der Schuldfrage noch viel mehr.


    Es soll sogar Leute geben die bei TV Serien (Lindenstraße, Gute Zeiten-schlechte Zeiten) sich emotional reinsteigern. Außer selber schuld fällt mir da nichts ein

    Das ist mir überhaupt nicht wichtig - kenne ja niemanden persönlich. Aber hier im Faden geht es ja um Verantwortung und Schuld.


    Vielleicht ein Punkt warum mich das Thema interessiert. Ich kenne einige Personen, die naja wie soll ich sagen, Leid erlebt haben (Unfälle. Behinderung usw.) Nicht wenige davon jammern - dafür habe ich kein Verständnis.