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    Was in meinen Augen ein deutliches Missverständniss des Wortes "Solidarität" aufzeigt, aber selbst gemessen daran. Der Mann der das Haus in Thailand erworden hat wird ja nicht entschädigt, kostet niemanden und dennoch ist der Reflex der Selbe, beim gestohlenen Rad auch, selbst wenn es versicht war bin ich mir sehr sicher das die Versicherung insgesamt eher ein Plus macht. Ich kann mich ja auch nicht ganz davon frei sprechen, aber ich find mich auch ziemlich doof wenn ich mich dabei erwische.

    Ja, ich auch, ich hau mir dann derart kräftig eins über die eigene Rübe, dass ich mich so einen Scheiß wochenlang nicht mehr zu denken traue!

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    Nochmal zum Thema Schuld:


    Ich empfinde das Konzept von Schuld als ungünstig. Irgendwie geht es im Zusammenhang von Schuld immer um Strafe. Nehmen wir den Mann der in Thailand der Dame ein Haus gekauft hat. Das war sicherlich naiv und blöd und blind, aber seit wann ist irgendwas davon strafbar?


    Genauso bei dem Extremsportler. Ja, leichtsinnig vielleicht, aber Leichtsinn ist doch nicht strafbar. Wieso braucht es da überhaupt ein Urteil wer "Schuld" hat?

    'Schuld' sollte auch sprachlich abgegrenzt werden von 'Ursache'. Gemeinsam ist, dass etwas Negatives gemacht bzw. entstanden ist, bei der Schuld kommt aber ein Versagen, eine moralische Fehlhaltung hinzu.


    Deutlich wird es am Beispiel von Verkehrsunfällen: Der Autofahrer, der vorm Kindergarten zu schnell fährt und ein Kind verletzt, hat Schuld auf sich geladen.


    Der Autofahrer, der am Steuer z.B. einen Herzinfarkt erleidet und einen Unfall baut, hat keine Schuld auf sich geladen, aber er ist die Ursache (bzw. Verursacher).

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    Ich kann mich ja auch nicht ganz davon frei sprechen, aber ich find mich auch ziemlich doof wenn ich mich dabei erwische.

    Ja, ich auch, ich hau mir dann derart kräftig eins über die eigene Rübe, dass ich mich so einen Scheiß wochenlang nicht mehr zu denken traue!

    Wie kommt es nur, dass (behaupte ich kühn, mich inbegriffen) nahezu alle Menschen doch früher oder später wieder solche Gedanken haben? Dass man das nicht endgültig abschalten kann?

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    Wie kommt es nur, dass (behaupte ich kühn, mich inbegriffen) nahezu alle Menschen doch früher oder später wieder solche Gedanken haben? Dass man das nicht endgültig abschalten kann?

    Das liegt daran, weil wir nach kleinen und großen Geschichten leben, die wir uns selbst erzählen. Wenn ich nicht aufstehe komme ich zu spät zur Arbeit und werde entlassen. Wenn ich jetzt fleißig bin dann kann ich nachher ausruhen. Ich bin erkältet weil ich gestern keinen Schal getragen habe. ...


    Das sind wir Menschen. Geschichtenerzählernde Affen.

    Ist ja auch eine Art Futterneid. Und außerdem ist das für uns nur intellektuell ansatzweise überblickbar, so eine weitestgehend anonyme, riesige Solidargemeinschaft. Unser "Sippenempfinden" ist viel kleiner. Solidargemeinschaft statt Wer-stark-der-viel-grunz ist eher Großhirnleistung als Reptilienhirnmeinung.

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    Ich kann mir nicht vorstellen dass es ihm nicht auch darum geht, die Leser zu schädigen oder dass er es zumindest okay findet dass das passieren kann.

    Ja, das muß man sicher von dem gelangweilten Teenager abgrenzen, der hier einen Faden eröffnet (a la Brösels Ballwurf auf den Marktplatz), oder jemandem der hier Märchen erzählt um nur überhaupt zu kommunizieren.


    Die Grenze zum engeren Fadenthema mag da fließend sein, wo das bewusste Inkaufnehmen einer Verletzung anderer wohl außer Frage steht.


    Bin ich also auf jemanden der erstgenannten Kategorien rein gefallen, fühle ich mich dann zwar verarscht, aber nicht verletzt.


    Haut mir einer aus Ungeschick eine Türe vor den Kopf, tut das nur körperlich weh. Macht er es mit Absicht, schmerzt das deutlich mehr und ruft auch andere Reaktionen hervor.

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    Darf ich mich mal ganz kurz, leise und vorsichtig einmischen? Mich würde interessieren, ob ich allein so abgestumpft bin, dass ich ca 2-3 aktuelle Threads nicht ernst nehmen kann... oder geht es jemandem ähnlich? Wäre es echt, würde ich sofort und gern unterstützen und tun, was ich kann (auch wenns nur Worte in einem Forum sind). Aber in mir sitzt der Trollverdacht und ich werd ihn einfach nicht los, sobald ein typischer Thread eröffnet wird.

    Ich ertappte mich schon bei dem Gedankengang, ob es hier Leute gibt, die diesen Faden gelesen haben und sich jetzt angespornt fühlen, das Forum mal daraufhin zu testen, wie schnell es Trolle oder Fakes enttarnt. Ist das noch Realismus oder schon Paranoia? %:|

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    Wie kommt es nur, dass (behaupte ich kühn, mich inbegriffen) nahezu alle Menschen doch früher oder später wieder solche Gedanken haben? Dass man das nicht endgültig abschalten kann?

    Ich glaube das ist einfach ein Überlebensinstinkt. Es ist, denke ich, wesentlich einfacher in Deutschland lebend mit der Machtlosigkeit umgehen zu können als, sagen wir im Ost-Kongo. Klar, Krankheit, Unfall, Gewalt kann einem hier auch passieren, aber die Wahrscheinlichkeit ist nicht so wahnsinnig hoch. Im Vergleich dazu war das zu anderen Zeiten und ist das in anderen Gegenden sogar wahrscheinlicher als eines natürlichen Todes zu sterben. Die Machtlosigkeit da wäre so alles überweltigend, man würde irre werden. Deshalb braucht man Glauben, Rituale die Sicherheit geben und wenn jemandem dann doch was schlimmes passiert dann muss es an dem gelegen haben, denn sonst ist das komplette eigene Sicherheitsnetz obsolet.


    Und da es die meiste Zeit während der Menschheitsgeschichte eher unsicher war denn sicher, würde ich sagen das es einfach tief in uns eingegraben ist. Ganz tief.

    @ danae

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    Deshalb braucht man Glauben, Rituale die Sicherheit geben und wenn jemandem dann doch was schlimmes passiert dann muss es an dem gelegen haben, denn sonst ist das komplette eigene Sicherheitsnetz obsolet.


    Und da es die meiste Zeit während der Menschheitsgeschichte eher unsicher war denn sicher, würde ich sagen das es einfach tief in uns eingegraben ist. Ganz tief.

    Also so eine Art Instinkt?

    Ja, das trifft genau das Thema.


    Wegen Stalking wurde sie verurteilt. Na ja. Entspricht dieses Verhalten überhaupt einem Straftatbestand?


    Oder ist da noch eine Lücke im Gesetz? Betrug, ja, Betrug würde passen.