Ich glaube diese Leute haben einfach ein langweiliges Leben, keine Freunde, keine Familie, keinen oder scheiss Job uw. Eigentlich sind das arme Schweine, die sich ihr Leben interessant und spannend lügen. Was sie damit anrichten wissen sie gar nicht!


    Die emotionale Abhängigkeit, die Nurarihyon beschreibt, musste ich leider auch schon erleben und auch bei mir hat es fast im Selbstmord geendet. Jetzt, Jahre später, völlig blöde, aber wenn man in so einer Sache drin steckt ist das verdammt übel. Bei mir ging das auch einige Jahre, irgendwann auch real.


    Nach aussen bin ich immer noch ein offener Mensch, aber ich bin so verdammt misstrauisch geworden. Wenn mir jemand irgendwas erzählt, klopfe ich es im Hinterkopf immer erst auf "Schwachstellen" ab, bevor ich es glaube. Es tut mir leid für alle die es ehrlich meinen, aber ich kann das gar nicht mehr abstellen :-(


    Was ich auch festgestellt habe, das Männer im Netz verdammt gut auf diese "auch ich armes Hascherl" Nummer anspringen. Ich kenne ein paar weibliche Realfakes und einige Männer denen es passiert ist und es war immer ungefähr die gleiche Nummer...

    Zitat

    Nach aussen bin ich immer noch ein offener Mensch, aber ich bin so verdammt misstrauisch geworden. Wenn mir jemand irgendwas erzählt, klopfe ich es im Hinterkopf immer erst auf "Schwachstellen" ab, bevor ich es glaube. Es tut mir leid für alle die es ehrlich meinen, aber ich kann das gar nicht mehr abstellen


    Brotspinne2003

    Genau das meinte ich in meinen anderen Beiträgen und finde es für einen selbst, aber auch für einen ehrlichen Gegenüber wirklich sehr schade. Denn so werden einfach alle Menschen in einen Topf geworfen, obwohl die mit wahrer Geschichte gar nichts dafür können, dass es Faker gibt.


    Eine Freundin von mir hat in ihrem Leben schon viel Scheiße erlebt (wirklich! erlebt) und wenn ich das hier so lese, würdet ihr ihr wohl alle nicht glauben, schriebe sie ihre Geschichte hier im Forum auf. Das macht mich insofern traurig, da sie auch einsam sein und in solch einem Forum Hilfe suchen könnte, aber wohl nicht finden würde. Zum Glück ist sie darauf nicht angewiesen, hat Familie und Freunde, aber es gibt auch einsame Menschen da draußen, die dann auf Kontakte in einem Forum hoffen, aber möglicherweise sofort unter Fakeverdacht stehen.


    Bitte nicht falsch verstehen, denn für alle Betroffenen eines Fakers tut's mir wahnsinnig leid, die einzelnen Geschichten dazu hier im Faden sind schon heftig und ich finde das von den Fakern wirklich mies! Nur gingen bei mir, aufgrund der Lebensgeschichte meiner Freundin, gestern alle Alarmglocken an, als ich den Faden las und finde es für diese Menschen sehr traurig, dass sie womöglich unter Generalverdacht gestellt werden.

    @ Shojo

    Danke für die Aufklärung, ich hatte dein Geschriebenes tatsächlich missverstanden. Jemandem mit Suizid drohen, um ihn an sich zu binden, ist natürlich "unterste Schublade".


    Anders hingegen sehe ich es aber bei Menschen, die suizidal sind und um Hilfe bitten, für diese bin ich gerne da, insofern dass ich erstmal zuhöre und gemeinsam mit ihnen Wege (Therapie, Klinik) suche, um sie zu unterstützen.

    Zitat

    Und genau das meine ich. Wenn ich skeptisch bin, wenn ich mich mit jemandem nicht wohlfühle, wenn ich ihm nicht traue - welche Rolle spielt es denn dann, ob das begründet ist oder nicht?

    Für mich spielt es schon eine Rolle, denn mein Gefühl kann mich täuschen und im Zweifelsfall würde ich einem anderen Menschen Unrecht tun und auch mir selbst "schaden", da ich einen Kontakt vorschnell abbrechen würde, obwohl ich den anderen mag.


    Ich glaube, dass ich darauf so "anspringe", hat auch damit zu tun, dass ich Ungerechtigkeiten sehr verabscheue und daher würde ich wohl "auf Teufel komm raus" versuchen, die Wahrheit zu erfahren, wenn mir etwas seltsam vorkommt und bevor ich einen Kontakt wirklich beende.

    Tuedelue, ich denke es ist einfach wichtig sich klar zumachen, dass es eben auch solche faker gibt.


    Ein ganz wichtiger Punkt ist doch, dass sich normalerweise nicht vorstellen kann, dass man über einen langen Zeitraum ein detailliertes Lügengebäude vorgesetzt bekommt. Und wie ich schon im Eingangsbeitrag schrieb, gerade für die Personen, die selbst schon echte schlimme Schicksalschläge hinnehmen mußten, besteht die Gefahr, von diesen realfakern "eingefangen" zu werden.


    Oder vielleicht anders: wenn man anfängt zu Zweifeln, ob ein Freund wirklich das ist, was er zu sein scheint, dann sollte man diese Zweifel nicht vollkommen ignorieren nach dem Motto: Das kann doch nicht sein, dass das alles Lüge war! Manchmal kann es vielleicht doch sein.

    Zitat

    Oder vielleicht anders: wenn man anfängt zu Zweifeln, ob ein Freund wirklich das ist, was er zu sein scheint, dann sollte man diese Zweifel nicht vollkommen ignorieren nach dem Motto: Das kann doch nicht sein, dass das alles Lüge war! Manchmal kann es vielleicht doch sein.


    Muff Potter

    Nein, natürlich keinesfalls ignorieren! Das sehe ich genauso.


    Ich hatte hier nur den Eindruck gewonnen, dass manch einer kurzen Prozess machen würde, ohne sich die Mühe zu machen, herauszufinden, ob das Erzählte wirklich stimmt oder nicht und das fände ich halt schade.

    Tuedelue

    Zitat

    Bitte nicht falsch verstehen, denn für alle Betroffenen eines Fakers tut's mir wahnsinnig leid, die einzelnen Geschichten dazu hier im Faden sind schon heftig und ich finde das von den Fakern wirklich mies! Nur gingen bei mir, aufgrund der Lebensgeschichte meiner Freundin, gestern alle Alarmglocken an, als ich den Faden las und finde es für diese Menschen sehr traurig, dass sie womöglich unter Generalverdacht gestellt werden.

    Ja, das ist dann sehr schade, aber im Zweifel immer wieder aufs Neue alles glauben kann ja auch keine Option sein.


    Ich höre aus deinem Beitrag einen leisen Vorwurf darüber heraus, dass jemand, dem auf diese Art und Weise das Vertrauen in die Ehrlichkeit des jeweiligen Gegenübers genommen wurde, nun mit Misstrauen an solche Geschichten heran geht. Das ist aber doch nur eine logische, wenn auch für alle Beteiligten bedauernswerte Folge. Der Vorwurf sollte sich aber an diejenigen richten, die das verursacht haben und zuhauf weiterhin verursachen.


    Das gibt es ganz gewiss auch hier im Forum, bei der Häufigkeit, wie das vorzukommen scheint (ich bin sehr überrascht, dass es sich da bei Weitem nicht um Einzelfälle handelt) .


    Und ich hoffe ja, dass solche "Täter/innen" hier mitlesen und ein bisschen wachgerüttelt werden.

    quacksalberei

    Zitat

    Gab es damals bei Dir im realen Leben wichtige, enge Beziehungen, in denen Du "ehrlich" warst?

    Nein, keine Einzige :°( Selbst meinen Eltern gegenüber habe ich eine Beziehung vorgelogen, so nach dem Motto: Auch wenn ihr mich nicht toll findet, andere tun es wenigstens und ich bin es auch wert, dass mich jemand liebt.


    Dafür habe ich heute ein total ausgefülltes und tolles Leben und ich kann wirklich von mir behaupten, die letzten 5 Jahre meines Lebens keine einzige Lüge erzählt zu haben. Das habe ich nicht mehr nötig, denn ich erlebe interessante Sachen und werde geliebt :)^

    Zitat
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    Gab es damals bei Dir im realen Leben wichtige, enge Beziehungen, in denen Du "ehrlich" warst?

    Nein, keine Einzige :°(

    Uach, das ist wirklich traurig. Wissen denn heute enge Leute, dass Du früher so gelogen hast? Also, nicht dass ich finde, dass man so etwas zwingend erzählen muss, wenn man das jetzt nicht mehr tut, es würde mich einfach interessieren.

    Zitat

    Genau das meinte ich in meinen anderen Beiträgen und finde es für einen selbst, aber auch für einen ehrlichen Gegenüber wirklich sehr schade. Denn so werden einfach alle Menschen in einen Topf geworfen, obwohl die mit wahrer Geschichte gar nichts dafür können, dass es Faker gibt.

    Ich halte es so, dass ich erst einmal davon ausgehe, dass etwas Erzähltes wahr ist. Es schadet mir ja nicht, wenn ich mich zu einem gewissen Grad darauf einlasse - ich bin manchmal irritiert, wenn ein Faden als Fake auffliegt und manche Leute zutiefst empört schimpfen, dass ihre Zeit verschwendet wurde. Ich investiere keine Zeit, die ich nicht habe, und ich empfinde Zeit, die ich mit Denken verbracht habe, nicht als verschwendet. Ich finde es erst dann als richtig schlimm, wenn jemand einen anderen ganz konkret mit falschen Storys an sich bindet, und da sehe ich halt zu, dass ich bei mir bleibe und darauf achte, wie es mir geht. Quacks schrieb:

    Zitat

    Was ich aber sehr befremdlich fand, war zum Beispiel die Stelle, an der die Bloggerin schrieb, dass sehr bald fast keine Stunde verging, in der sie mit dem Faker keine Nachrichten ausgetauscht hat. Mich hat das - und nicht nur das - schon beim Lesen eingeschnürt. So schnell sooo eng sein macht mich sehr misstrauisch - erst recht, wenn ich die Person noch nie gesehen habe. Damit möchte ich keinesfalls sagen, dass ich es für unmöglich halte, auf einen massiven Faker reinzufallen, bei mir müsste man es aber sicher anders anstellen. Ist aber natürlich schwierig, wenn jemand so ein Gefühl von Eingeengtsein nicht hat oder nicht ausreichend wahrnimmt.

    Ich würde mit niemandem stündlich Nachrichten austauschen und mein ganzes Empfinden auf ihn ausrichten, egal, wie gut ich ihn kenne, und wenn etwas mir zu viel wird, ziehe ich mich zurück und verschnaufe. Das halte ich in allen Beziehungen für wichtig - dass man mit seinen eigenen Kräften haushaltet und darauf achtet, dass man im Gleichgewicht ist. Wenn es mir schlecht ginge, würde ich nicht wollen, dass sich ein anderer komplett für mich aufreibt und dran kaputtgeht, und ich erwarte das auch von anderen: Dass sie nicht wollen, dass ich mich für sie kaputtmache. Wer das will, den will und brauche ich nicht. Wenn jemand mich da weit über Gebühr belastet, dauerhaft, wenn er mir ein schlechtes Gewissen einzureden versucht, weil ich mich nicht genug "kümmere", wenn er immer nur nimmt und nicht gibt, dann ist die Beziehung vampirisch und nicht gut für mich, und ich grenze sie stark ein oder beende sie. Dabei kommt es nicht im Wesentlichen darauf an, ob die Geschichten des Menschen, der so viel Energie von mir ziehen will, wahr sind oder nicht. Es geht darum, dass er eine desaströse Dynamik zu installieren versucht, und ich bin nicht bereit, Teil einer solchen Dynamik zu sein.


    Das heißt nicht, dass ich grundsätzlich herzlos oder kaltschnäuzig wäre. Ich stand mal über Monate auf Abruf, weil eine Freundin nach einer versuchten Vergewaltigung immer wieder an den Punkt kam, dass sie es allein nicht ausgehalten hat und Angst hatte, dass sie sich was antut. Sie hat mich zum Teil mitten in der Nacht angerufen, und ich bin zu ihr gefahren, oder wir haben lange telefoniert. Wenn ich erfahren hätte, dass die versuchte Vergewaltigung nicht stattgefunden hat - und ich halte es grundsätzlich durchaus für möglich, dass es eine Geschichte war -, hätte es für mich nur wenig geändert, weil ihre Verzweiflung echt war und weil mir die ganze Angelegenheit nicht allzu übel an die Substanz gegangen ist. Dann hätte sie eben aus anderen Gründen Beistand gebraucht, vielleicht aus Gründen, die sie nicht artikulieren konnte, aber Beistand brauchte sie zu der Zeit, und ich war bereit und in der Lage, diesen Beistand zu einem gewissen Grad zu leisten. Wenn ich nicht bereit und in der Lage bin, wenn es mich auffrisst, dann tu ich es nach Möglichkeit ganz schlicht nicht. Davon hat niemand etwas. Wenn erwachsene Menschen gar nicht klarkommen, dann kommen sie eben nicht klar. Ich kann niemanden durch sein Leben tragen, selbst wenn ich es wollte. (Und ich will nicht.)


    Insofern:

    Zitat

    Danke für die Aufklärung, ich hatte dein Geschriebenes tatsächlich missverstanden. Jemandem mit Suizid drohen, um ihn an sich zu binden, ist natürlich "unterste Schublade".


    Anders hingegen sehe ich es aber bei Menschen, die suizidal sind und um Hilfe bitten, für diese bin ich gerne da, insofern dass ich erstmal zuhöre und gemeinsam mit ihnen Wege (Therapie, Klinik) suche, um sie zu unterstützen.

    Ich würde Letzteres nicht bei jedem tun und auch nur zu einem gewissen Grad. Es ist auch so: Wenn man anfängt, jemanden auf einem schweren Weg zu begleiten, dann ist es schlimm, wenn man "unterwegs" plötzlich wegbricht.

    Ich möchte übrigens keineswegs zum Ausdruck bringen, dass man "selbst schuld" sei, wenn man auf so jemanden reinfällt. Jeder Mensch hat seine verletzlichen Seiten, und "Energievampire" sind darauf spezialisiert, sie auszumachen und dort anzudocken. Man kann halt nur wenig dran ändern, dass es sie gibt, da kann man nur bei sich selbst ansetzen und schauen, was einem gut tut und was nicht. Und nach Möglichkeit klare Grenzen setzen, wenn man merkt, dass der Kontakt zu jemandem einem zwar an der Oberfläche viel geben mag (tolle Gespräche, viel gegenseitige Aufmerksamkeit etc., auch: Aufregung und Spannung und das schmeichelhafte Gefühl, wichtig zu sein), einen aber unterm Strich auslaugt.

    Ich habe eind Freundin, die steht manchmal ein wenig auf Kriegsfuß mit der Unterscheidung von Phantasie und Realität. Da kommen spannende Geschichten raus, die einfach am Ende immer eine Schippe zuviel sind. Ich finde das nicht schlimm, brauchte aber eine Weile um für mich sortiert zu bekommen, wie ich damit umgehen will. Im Endeffekt halte ich es da mit Freud: "Phantasie ist Realität". Irgendwas an ihren Erlebnissen wird schon diese Dramatik für sie haben und den Teil möchte ich gerne ernst nehmen.


    Shojo, da du ähnliches über ne Bekannte geschrieben hast, wie hast du das ihr gegenüber kommuniziert? Ich habe entschieden, meinen Eindruck von der Phantasie-Realität-Diskrepanz für mich zu behalten. Gibt ja auch noch die Möglichkeit, dass ich mich schlicht irre. Und mir liegt viel an dieser Freundschaft.

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    Ich würde mit niemandem stündlich Nachrichten austauschen und mein ganzes Empfinden auf ihn ausrichten, egal, wie gut ich ihn kenne, und wenn etwas mir zu viel wird, ziehe ich mich zurück und verschnaufe. Das halte ich in allen Beziehungen für wichtig - dass man mit seinen eigenen Kräften haushaltet und darauf achtet, dass man im Gleichgewicht ist.

    Jepp, dieses ständige Nachrichtenaustauschen kann, finde ich, immer wieder für kurze Zeit schön sein, das mache ich auch gelegentlich sehr gerne, aber täglich, stündlich? Will ich nicht, kann ich nicht, nervt mich - egal, wie sehr ich jemanden sonst mag und schätze.

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    Wenn es mir schlecht ginge, würde ich nicht wollen, dass sich ein anderer komplett für mich aufreibt und dran kaputtgeht, und ich erwarte das auch von anderen: Dass sie nicht wollen, dass ich mich für sie kaputtmache.

    Und dieser scheinbare Egoismus bei Rückzug, wenn einem etwas zu viel wird, ist ja letztlich für alle Beteiligten gut. Was hilft es denn irgendjemandem, wenn beide Seiten kaputt sind?

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    Dabei kommt es nicht im Wesentlichen darauf an, ob die Geschichten des Menschen, der so viel Energie von mir ziehen will, wahr sind oder nicht. Es geht darum, dass er eine desaströse Dynamik zu installieren versucht, und ich bin nicht bereit, Teil einer solchen Dynamik zu sein.

    Genau deshalb schrieb ich, dass ich eine "gut konstruierte" Lügengeschichte möglicherweise glauben würde; ich achte bei Beziehungen jeglicher Art viel mehr auf die Art der Beziehungsgestaltung, also ob ich mich da irgendwie unwohl fühle.

    Zitat

    Und dieser scheinbare Egoismus bei Rückzug, wenn einem etwas zu viel wird, ist ja letztlich für alle Beteiligten gut. Was hilft es denn irgendjemandem, wenn beide Seiten kaputt sind?

    Ih sehe das grundsätzlich genauso wie ihr. Auch wenn es immer sehr hart und trocken klingt, aber ich erwarte inzwischen auch, dass beide Seiten ungefähr gleich viel geben und nehmen und ich bin nicht bereit, die Mutter Theresa für irgendwen zu spielen.


    Trotzdem würde ich da noch mehr differenzieren. Wenn eine Beziehung über einen längeren Zeitraum gut und stabil ist, dann finde ich, kann man auch mal sehr viel für den anderen tun, wenn man gerade die Kapazitäten hat.


    Also meine Eltern kümmern sich gerade seit Jahren sehr um ein Ehepaar, jetzt nur noch den Mann, wo die Frau an Krebs gestorben ist (die sind seit 40 Jahren befreundet). Ich finde auch nicht, dass es in bestimmten Fällen eine Selbstaufgabe ist, sofern die Beziehung an sich ausgeglichen ist. Ich finde auch, dass man jemand anderen eine Zeit lang mittragen kann, ein Kind oder einen Partner zum Beispiel und man sollte nicht immer auf die absolute Ausgewogenheit bestehen (die mir ansonsten unheimlich wichtig ist).

    Vielleicht dazu noch: Ich finde trotzdem, man kann erwarten, dass derjenige, dem es gerade schlecht geht, selbst etwas dafür tut, dass es ihm wieder besser geht. Dass man mal eine Zeitlang ein absolutes Tief hat ist ok; sich aber über Jahre in seinem Leid suhlen und sein Leben nicht in die Hand zu nehmen, das würde ich auch nicht mitmachen.

    Zitat

    Shojo, da du ähnliches über ne Bekannte geschrieben hast, wie hast du das ihr gegenüber kommuniziert? Ich habe entschieden, meinen Eindruck von der Phantasie-Realität-Diskrepanz für mich zu behalten. Gibt ja auch noch die Möglichkeit, dass ich mich schlicht irre. Und mir liegt viel an dieser Freundschaft. (avantiavanti)

    Ja, ich behalte das auch für mich. Ich habe mich mal mit ihr über eine dieser Geschichten gestritten, das ist schon sehr lange her, und irgendwann hat sie zugegeben, dass es erfunden war, sie war sehr beschämt, wir beide waren traurig, und wir hatten nichts davon. Als ich das nächste Mal den Eindruck hatte, dass da ganz zögerlich und zurückhaltend mehr Fabulierkrawumms als Realitätsschnödheit im Spiel ist, habe ich einfach ein bisschen nachgefragt, also nach der Sache an sich, nicht im Sinne einer "Überprüfung", und hab mich drauf eingelassen. Es hat bestimmt ein Jahr gedauert, bis sie wieder richtig frei erzählt hat, und ich glaube, dass wir da beiderseitig eine stille Übereinkunft haben - sie weiß, dass ich weiß, dass nicht immer alles in ihr genau so gespeichert ist, wie es rein faktisch passiert ist, und sie weiß auch, dass ich das so annehmen mag. Darüber gesprochen haben wir aber seitdem nicht mehr, nur mal so andeutungsweise - da hat sie etwas verlegen gesagt: "Manchmal mag ich es einfach ein bisschen bunter", und ich hab gesagt: "Meinetwegen immer so bunt, wie du gerade magst." Ich bin sehr froh darüber, dass sie da wieder ganz unverkrampft ist - ich habe sie sehr lieb, und das, was wesentlich ist, ist bei ihr echt und aufrichtig.

    Zitat

    Genau deshalb schrieb ich, dass ich eine "gut konstruierte" Lügengeschichte möglicherweise glauben würde; ich achte bei Beziehungen jeglicher Art viel mehr auf die Art der Beziehungsgestaltung, also ob ich mich da irgendwie unwohl fühle. (Quöcks)

    Glaubst Du, dass es Dich hart treffen würde? Wenn Du irgendwann feststellst, eine solche Lügengeschichte geglaubt zu haben?

    Zitat

    Und dieser scheinbare Egoismus bei Rückzug, wenn einem etwas zu viel wird, ist ja letztlich für alle Beteiligten gut. Was hilft es denn irgendjemandem, wenn beide Seiten kaputt sind?

    Ja, genau so sehe ich das auch. Und man muss sich auch fragen, was einen dazu treibt, so mit kaputtzugehen. Ist es wirklich Altruismus? Es hat immer so einen edlen Anstrich, aber ist es wirklich "Selbstlosigkeit", und was wäre Selbstlosigkeit eigentlich konkret wert? Was genau gibt es einem, warum tut man das, weshalb ist man bereit, sich selbst auf eine Weise zu beschädigen (oder sich beschädigen zu lassen), wo man bei Freunden sagen würde, sie sollten bitte besser auf sich aufpassen?