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    Also meine Eltern kümmern sich gerade seit Jahren sehr um ein Ehepaar, jetzt nur noch den Mann, wo die Frau an Krebs gestorben ist (die sind seit 40 Jahren befreundet). Ich finde auch nicht, dass es in bestimmten Fällen eine Selbstaufgabe ist, sofern die Beziehung an sich ausgeglichen ist. Ich finde auch, dass man jemand anderen eine Zeit lang mittragen kann, ein Kind oder einen Partner zum Beispiel und man sollte nicht immer auf die absolute Ausgewogenheit bestehen (die mir ansonsten unheimlich wichtig ist).

    Ja, absolut.

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    Trotzdem würde ich da noch mehr differenzieren. Wenn eine Beziehung über einen längeren Zeitraum gut und stabil ist, dann finde ich, kann man auch mal sehr viel für den anderen tun, wenn man gerade die Kapazitäten hat.

    Ja, klar. Aber das hier:

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    wenn man gerade die Kapazitäten hat

    ist der entscheidende Punkt.

    Ich glaube das es sehr sehr verschiedene Gründe für solche Verhaltensweisen gibt und das im Internet die Hemmschwelle vielleicht geringer ist und die Geschichten so über längere Zeiträume aufrecht gehalten werden können, aber das die Grundstruktur des Verhaltens sich nicht grundlegend unterscheidet.


    Als Teenie ging es mir ähnlich wie Lemontea. Ich hab das was mir passiert ist ausgeschmückt, übertrieben, wie avanti schrieb, es war immer eine Schippe zuviel. Das lag daran das ich mich erbärmlich und scheiße fand und dachte man will mir keine zwei Sekunden zuhören wenn ich nur das erzähle was mir wirklich passiert. Das war einfach ein Teil eines vielschichtigen Schutzpuzzles um nicht nakt uund bloß vor der Welt und ihrem Urteil stehen zu müssen. Mittlerweile kann ich mir das schenken und habe das an den wichtigen Stellen zu denen noch Kontakt besteht auch aufgeklärt und mich entschuldigt.


    Ich kenne aber auch jemanden der sowas übers Internet als Machtspiel aufgezogen hat. Ein junger Mann der sich als Mädchen ausgab und das sehr gut machte. Ein anderer junger Mann verliebte sich in ihn und das wurde über Monate so durchgezogen. Der verliebte junge Mann hörte leider nicht auf Warnungen. Später flog alles auf und der Realfaker erzählte dann anderen Usern der entsprechende junge Mann hätte sich wegen der Geschichte umgebracht, was nicht der Wahrheit entsprach, auch wenn nicht soviel gefehlt hätte. Diese Idee, soviel Macht über jemanden auszuben und das nur mit Worten, gefiel ihm sehr und er geilte sich daran stark auf. Noch dazu kam eine Verachtung gegen jeden der irgendwas im Internet überhaupt glaubt und somit sah er sich im Recht "die Idioten die es wollen zu verarschen".


    Wichtig für mich wäre folgende Feststellung, gerade für die Menschen die auf sowas reingefallen sind: Man kann sich gegen wirklich gute Lügner nicht richtig schützen. Wenn jemand mit hoher Empathie anfängt die so auszunutzen dann weiß die Person genau wie oft sie sich melden muss oder kann, achtet genau auf die Anzeichen des Zuviel und Zuwenig und sucht sehr vorsichtig die schwachen Stellen des Gegenübers ab um dem richtigen Punkt zu finden. Und das ganze geschieht nicht immer bewusst sondern manchmal voll automatisch als Mechanismus um etwas zu bedienen das gebraucht wird.


    Narzissten lügen deshalb so gut weil sie ihre Lügen glauben, weil sie nicht unterscheiden können zwischen dem was sie erzählen und dem was war, am Anfang schon noch, aber irgendwann wird die Lüge zur Identität. Da kommen nicht mal Profis mehr hinter weil selbst die unbewusste Minimalmimik dann wegfällt. Man kann sich gegen solche Menschen glaube ich, nicht immer verteidigen. Man kann es nur so halten das man nur soviel gibt wie man ohne ernsten Verlust bei einem selbst geben will, damit es einen nicht so hart trifft und sich immer fragen was man selbst aus einer Beziehung zieht. Denn man kann auch aus etwas Bestätigung ziehen was nicht real war. Man kann dabei etwas über sich und die eigenen Bedürfnisse lernen und dann war die investierte Energie, egal wieviel das war, vielleicht nicht umsonst.

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    Wichtig für mich wäre folgende Feststellung, gerade für die Menschen die auf sowas reingefallen sind: Man kann sich gegen wirklich gute Lügner nicht richtig schützen. Wenn jemand mit hoher Empathie anfängt die so auszunutzen dann weiß die Person genau wie oft sie sich melden muss oder kann, achtet genau auf die Anzeichen des Zuviel und Zuwenig und sucht sehr vorsichtig die schwachen Stellen des Gegenübers ab um dem richtigen Punkt zu finden. Und das ganze geschieht nicht immer bewusst sondern manchmal voll automatisch als Mechanismus um etwas zu bedienen das gebraucht wird.


    Narzissten lügen deshalb so gut weil sie ihre Lügen glauben, weil sie nicht unterscheiden können zwischen dem was sie erzählen und dem was war, am Anfang schon noch, aber irgendwann wird die Lüge zur Identität. Da kommen nicht mal Profis mehr hinter weil selbst die unbewusste Minimalmimik dann wegfällt. Man kann sich gegen solche Menschen glaube ich, nicht immer verteidigen. Man kann es nur so halten das man nur soviel gibt wie man ohne ernsten Verlust bei einem selbst geben will, damit es einen nicht so hart trifft und sich immer fragen was man selbst aus einer Beziehung zieht. Denn man kann auch aus etwas Bestätigung ziehen was nicht real war. Man kann dabei etwas über sich und die eigenen Bedürfnisse lernen und dann war die investierte Energie, egal wieviel das war, vielleicht nicht umsonst.

    :)^ :)^

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    wenn man gerade die Kapazitäten hat

    ist der entscheidende Punkt.

    Tja, da ist dann die Frage, wie man sich verhält. Ich kenne ein Ehepaar, die sind beide um die 70 und beide jetzt ziemlich krank. Die begleiten sich jetzt, sofern es zeitlich passt, gegenseitig ins Krankenhaus ;-D

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    Ja, genau so sehe ich das auch. Und man muss sich auch fragen, was einen dazu treibt, so mit kaputtzugehen. Ist es wirklich Altruismus? Es hat immer so einen edlen Anstrich, aber ist es wirklich "Selbstlosigkeit", und was wäre Selbstlosigkeit eigentlich konkret wert? Was genau gibt es einem, warum tut man das, weshalb ist man bereit, sich selbst auf eine Weise zu beschädigen (oder sich beschädigen zu lassen), wo man bei Freunden sagen würde, sie sollten bitte besser auf sich aufpassen?

    Masochismus (meine ich völlig ernst), Erfahrungen, dass man nur etwas Wert ist, wenn man sich aufgibt, Angst vor Einsamkeit (dann lieber einen mitschleppen der einen krankmacht). Ich finde das inzwischen nicht mehr edel, sondern es macht mich aggressiv, wie diese Frauen, die sich schlagen lassen und bei dem Typ bleiben.


    Grundsätzlich kommt es aber immer auf die konkrete Beziehung an. Wenn jemand sich sehr für andere einsetzt ohne etwas zurück zu bekommen (krebskranke Kinder, was weiss ich), dann finde ich das eigentlich sehr schön. Und besonders schön, wenn das wirklich aus Mitleid und Empathie geschieht, was wirklich auch oft der Fall ist.


    (Es ging mal eine Fakemeldung um, wo Familien gesucht wurden, die Flüchtlingskinder bei sich aufnehmen, da haben sich viele gemeldet. Bei sowas geht mir echt das Herz auf x:) )

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    Grundsätzlich kommt es aber immer auf die konkrete Beziehung an. Wenn jemand sich sehr für andere einsetzt ohne etwas zurück zu bekommen (krebskranke Kinder, was weiss ich), dann finde ich das eigentlich sehr schön. Und besonders schön, wenn das wirklich aus Mitleid und Empathie geschieht, was wirklich auch oft der Fall ist.

    Aber wann bekommt man denn "nichts zurück"? Ich halte das für eine Illusion. Irgendwas bekommt man immer, und wenn es "nur" das Gefühl ist, ein guter Mensch zu sein. Ein guter Samariter ist nicht selbstlos. Bei allem, was wir tun, geht es auch immer um unser Selbst- und Weltbild, das wir mit dem, was wir tun oder nicht tun, bestätigen. Ich finde das überhaupt nicht schlimm oder anrüchig, bitte nicht falsch verstehen, im Gegenteil finde ich es wunderbar, wenn jemand Freude daran empfindet, anderen zu helfen. Ich finde es aber wichtig, zu wissen, wie da die eigene Dynamik so funktioniert.

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    (Es ging mal eine Fakemeldung um, wo Familien gesucht wurden, die Flüchtlingskinder bei sich aufnehmen, da haben sich viele gemeldet. Bei sowas geht mir echt das Herz auf x:) )

    Mir nicht, weil ich denke, dass sehr viele der Menschen sich nicht darüber im Klaren waren, was das tatsächlich bedeutet. Ich finde es auch schön, wenn Menschen helfen wollen, aber ich unterscheide da doch den Impuls, es zu tun, und die Verwirklichung, bei der es dann meist erheblich schwieriger wird und die Leute auch oft schnell an ihre Grenzen kommen - eben weil sie sich gern im Vorfeld viele Illusionen machen und dann sehr ernüchtert werden.

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    (Quöcks)

    Pööh! ;-D

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    Glaubst Du, dass es Dich hart treffen würde? Wenn Du irgendwann feststellst, eine solche Lügengeschichte geglaubt zu haben?

    Hm. Kommt natürlich sehr darauf an, wie wichtig mir die Freundschaft/Bekanntschaft whatever ist, denn nach dem Auffliegen wäre zumindest für längere Zeit der Ofen aus mit dieser Person. Anfangs würde es mich sicher treffen, aber ich glaube nicht, dass es mich auf Dauer wirklich hart treffen würde. Dazu habe ich einfach schon zu viele (also, damit meine ich nicht, dass ich zu viele doof finde) gute Erfahrungen mit anderen Menschen gemacht, als dass mich so etwas ernsthaft an weiteren, neuen Bekanntschaften zweifeln ließe. Außerdem habe ich so eine unausrottbare Eigenschaft, die positiven Aspekte von "schrägen" Beziehungen ganz tief in mir fest zu speichern, ohne deshalb die schlechten Dinge zu übersehen. Ich glaube also nicht, dass mich so eine Enttäuschung umhauen würde, vorübergehend schwanken bei einer gewissen Tiefe des Kontaktes wohl schon. (Das gilt jetzt für so ein richtig großes Lügenkonstrukt, nicht für solche Beispiele wie die Bekannten von Shojo und avanti.)

    Und bei dem Fall aus dem Internet kann man meiner Meinung nach auch noch eine Komponente gut erkennen. Die Dame die das alles dargestellt hat, hat für sich selbst keine gute Erklärung. Sie belügt sich selbst, denn die Erklärung sie wäre wirklich verliebt gewesen erklärt ihr Verhalten ja nicht. Es erklärt nicht wieso sie sich überhaupt als Mann ausgegeben hat, er erklärt nicht wieso sie die Freundin dann noch so angegraben hat und all das ist einem logisch denkenden Menschen auch klar. der Fakerin aber offensichtlich nicht und diese Schwachstelle war ihr nicht bewusst genug um sich bei Zeiten eine gute Erklärung einfallen zu lassen. Ich halte es für möglich das sie es tut, ohne darüber nachzudenken wieso eigentlich.

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    Aber wann bekommt man denn "nichts zurück"? Ich halte das für eine Illusion. Irgendwas bekommt man immer, und wenn es "nur" das Gefühl ist, ein guter Mensch zu sein. Ein guter Samariter ist nicht selbstlos. Bei allem, was wir tun, geht es auch immer um unser Selbst- und Weltbild, das wir mit dem, was wir tun oder nicht tun, bestätigen. Ich finde das überhaupt nicht schlimm oder anrüchig, bitte nicht falsch verstehen, im Gegenteil finde ich es wunderbar, wenn jemand Freude daran empfindet, anderen zu helfen. Ich finde es aber wichtig, zu wissen, wie da die eigene Dynamik so funktioniert.

    Klar kenne ich diese Interpretation. Und oft ist es vielleicht auch so. Dennoch glaube ich wirklich daran, dass Dinge aus echtem Mitgefühl geschehen können.

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    Wichtig für mich wäre folgende Feststellung, gerade für die Menschen die auf sowas reingefallen sind: Man kann sich gegen wirklich gute Lügner nicht richtig schützen. Wenn jemand mit hoher Empathie anfängt die so auszunutzen dann weiß die Person genau wie oft sie sich melden muss oder kann, achtet genau auf die Anzeichen des Zuviel und Zuwenig und sucht sehr vorsichtig die schwachen Stellen des Gegenübers ab um dem richtigen Punkt zu finden. Und das ganze geschieht nicht immer bewusst sondern manchmal voll automatisch als Mechanismus um etwas zu bedienen das gebraucht wird.

    Das finde ich total interessant. Das ist vielleicht oft so; dennoch frage ich mich, wie es ist, wenn diese Person auf eine andere mit einer guten Intuition oder Empathie trifft. Ob sich da unbewusst auch ein Unbehagen regen würde oder ein diffusen Gefühl der Unstimmigkeit, das man gar nicht erklären kann.


    Ich glaube schon, dass es Menshen gibt, die anfälliger dafür sind. Das heisst nicht, dass man davor gefeit sein kann, aber du schriebst ja auch, dass der junge Mann gewarnt worden war. Ich glaube schon, dass es da jeweils eine unbewusste Interaktion geben kann und einige schneller das Weite suchen als andere.

    Luis


    Na, aber zum Zeitpunkt der Warnung war das schon monatelang gelaufen, ich wusste ja vorher nichts davon und da war er schon verliebt. Und wer glaubt dann schon dem anderen Onlinekontakt? Ich kann es gut verstehen.

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    Und wer glaubt dann schon dem anderen Onlinekontakt?

    Na das meinte ich mit dem Gespür dafür, wer es gut mit einem meint zum Beispiel. Ich will jetzt überhaupt nicht auf dem Typen, der sich verliebt hat, rumkloppen, aber ich kann mir halt vorstellen, dass es ist, wie du sagst,

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    als Mechanismus um etwas zu bedienen das gebraucht wird

    (Dazu fallen mir gerade die in der Regel eher unattraktiven Damen mittleren Alters ein, die den schwülstigen Liebesbekundungen südländischer Männer glauben (Bednarz oder so), während alle um sie herum die Hände über dem Kopf zusammen schlagen).

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    als Mechanismus um etwas zu bedienen das gebraucht wird

    Ich meinte damit aber eher den Lügner, also in dem Kontext. Der lügt um ein Loch zu stopfen, sei es ein Einsamkeitsloch oder die Angst keine Kontrolle zu haben oder wie auch immer. jeder braucht etwas von anderen Menschen, so sind Menschen konzipiert, als soziale Wesen nämlich. Wir werden krank ohne Nähe, Aufmerksamkeit und ohne Berührungen. Das woanders zu suchen finde ich nicht defizitär sondern normal. Wenn jemand das sehr gut bedient kann es sein das man sich sehr reinhängt weil man das sehr genießt, aber auch das finde ich noch sehr menschlich und gesund. Irgendwo da ist jeder Mensch empfänglich, sei es die coole und witzige Freundin oder der aufmerksame Liebhaber, irgendwas gibts immer das man als Bereicherung begreift und nicht gerne wieder hergibt wenn man es hat.

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    Klar kenne ich diese Interpretation. Und oft ist es vielleicht auch so. Dennoch glaube ich wirklich daran, dass Dinge aus echtem Mitgefühl geschehen können.

    Ich finde es immer ein bisschen schade, wenn bei dem Motiv für Hilfe für andere "unterteilt" wird in Mitgefühl/Altruismus und Egoismus/"Selbstbefriedigung". Ich denke, in den meisten Fällen von helfenden Menschen, die das vielleicht auch beruflich machen, spielt einfach beides eine ungefähr gleich große Rolle. Und auch und gerade im Beruflichen kommt dann natürlich auch noch ein gewisses Pflichtgefühl dazu. Finde ich alles, solange es im Rahmen bleibt und keiner seine Grenzen völlig missachtet, absolut okay und gut. Das tollste Ergebnis ist doch, wenn es einer Person besser geht, weil ihr geholfen wurde und (da man ja auch aus "egoistischen" Motiven geholfen hat) sich der Helfer auch gut fühlt. Zwei "glückliche" Menschen, ist doch klasse!