Vielleicht haben manche Realfaker ja auch so eine Art verdrehte Meinung von sich selbst, dass sie ihrem Opfer eigentlich etwas Gutes tun. Zum Beispiel bei dem von danae genannten Typen nach dem Motto: Ich bringe dir jetzt mal auf die harte Tour bei, nie einem Internetkontakt zu vertrauen.


    Oder vielleicht denkt die Fakerin auch, sie hilft ihrem Opfer mit so eine Art Gesprächstherapie.

    Ergänzung hierzu:

    Zitat

    irgendwas gibts immer das man als Bereicherung begreift und nicht gerne wieder hergibt wenn man es hat.

    Und wenn es sich dabei nur darum handelt das man immer dachte das man irgendein Defizit haben muss um auf "sowas" reinzufallen. Denn dann muss man etwas von sich selbst und von den eigenen Vorstellungen aufgeben um sich einzugestehen was Sache ist. Das kann ganz extrem schermzhaft sein.


    Ich weiß von ein oder zwei "Personen" hier im Forum recht sicher das sie nicht echt sind weil ich gewarnt wurde. Mir macht das nichts aus das ich nicht drauf gekommen bin sondern geglaubt habe, weil ich denke das es jedem passieren kann, weil es mich nicht als Person anficht und mein Vertrauen in mein Urteilsvermögen nicht erschüttert. In dem man suggeriert das man sicher wäre wenn man nur in sich selbst genug ruht und alle Bedürfnisse befriedigt und selbstsicher und unabhängig ist, stellt man sich selbst eine verdammt hässliche Falle die dann auch dazu führen kann das man ganz übel unter so einem Fake leidet, wenn er auffliegt.

    Vor ein paar Jahren war ich in einem anderen Forum sehr aktiv. Wie das hier auch ist, "kannte" man ja irgendwann die Leutchen, die dort viel posteten - zunächst nur vom Namen, später auch "live", da in unregelmäßigen Abständen immer mal wieder Chattreffen stattfanden.


    Eine junge Frau, die dort regelmäßig postete, war bei diesen Treffen allerdings nie dabei, weil ihr angeblich vorher immer was dazwischen kam, d.h., niemand von uns hatte sie je gesehen. (Das war noch nicht auffällig - viele andere schrieben dort auch nur mit und waren trotzdem bei keinem Treffen.)


    Ein Kumpel von mir war auch in diesem Forum, und es ergab sich, dass er mit ihr besonders viel Kontakt hatte. Die beiden telefonierten täglich, oft über Stunden - und irgendwann hatte er sich in das, was er über sie wusste, verliebt, und wollte sie auch persönlich treffen. Ab da fing sie an, ihn hinzuhalten. Er könne sie nicht besuchen kommen, sie müsse arbeiten usw. Irgendwann muss sie wohl gemerkt haben, dass ihn das nicht ewig auf Abstand halten wird und ihr Lügengebilde einzustürzen droht - also hat sie ihren Tod vorgetäuscht, indem sie zusätzlich zu ihrem eigenen Fakeprofil noch ein paar Freunde vorgetäuscht hat, die dann im Forum die Mitglieder anschrieben, die viel Kontakt zu ihr gehabt hatten, dass sie verstorben sei. Eine solche Mail bekam damals auch ich.


    Das komplette Forum war betroffen (im doppelten Wortsinne). Viele Leute, die viel mit ihr geschrieben und telefoniert hatten, haben sehr um sie getrauert. Mein Kumpel war völlig fertig. Zwar kam uns zu dem Zeitpunkt die ganze Geschichte schon komisch vor, aber dass jemand so weit gehen würde, seinen eigenen Tod vorzutäuschen und damit das komplette Forum mit in die Geschichte reinzuziehen, konnte sich damals keiner vorstellen.


    Ein paar Tage später kam dann die Wahrheit ans Licht.


    Gelogen hatte die Frau in Bezug auf ihre komplette Lebensgeschichte. Falscher Name, falscher Wohnort, Beruf, Familie, die Profilfotos irgendwo auf einer osteuropäischen Homepage ergoogelt.


    Ihre Motivation kam nie wirklich ans Licht, obwohl es nach der ganzen Aufregung noch Leute gab, die noch Kontakt zu der Person hatten, die hinter den ganzen Lügen gestanden hatte.


    Für mich greift die Erklärung, dass jemand versucht, sich ein spannendes Leben zu erfinden, weil er mit seinem eigenen langweiligen Leben unzufrieden ist, nur unzureichend. Zumindest scheint das bei ihr nicht der einzige Grund gewesen zu sein. Z.B. war ihr tatsächlicher Job interessanter und abwechslungsreicher als der vorgetäuschte. Und ihr (wirklich!) echtes Facebook-Profil ließ darauf schließen, dass sie zumindest im Kollegenkreis beliebt und anerkannt war und im wahren Leben durchaus einen netten Freundeskreis hatte.


    Schlimm fand ich an der Geschichte, dass die ausgedachte Biografie so originell und so interessant war. Die Frau war im Forum vor allem deshalb beliebt, weil sie außergewöhnlich war. Sie hatte einen krassen, originellen Humor, war schlagfertig und tiefgründig, mochte schräge Musik und Filme, und man konnte mit ihr über Gott und die Welt reden. Was ich damit sagen möchte: Diese Eigenschaften konnte sie sich ja nicht ausdenken. Irgendwo in dieser Person steckten alle diese netten, tollen Eigenschaften und eine sicherlich nicht unerhebliche Intelligenz. Schade, dass sie den Rest an sich scheinbar so wenig mochte, dass sie meinte, sie müsse sich dazu eine tolle Optik und Biografie ausdenken. Wir hätten sie auch so gemocht, wie sie wirklich war.


    Was ich aus der Geschichte mitnehme: Ich nehme nicht mehr jeden Mist, den ich im Internet lese, für bare Münze. Es gibt hier Fäden, die würde ich mit der Kneifzange nicht anfassen, weil alles in mir schreit "Das MUSS ein Fake sein". Vielleicht tu ich damit einigen Leuten unrecht. Vielleicht auch nicht. Aber zumindest bin ich dann hinterher nicht noch mal auf so jemanden reingefallen. Und nein, ich bin kein grundsätzlich misstrauischer Mensch. Aber eben auch kein grundsätzlich leichtgläubiger. Wenn mir an einer Geschichte irgendwas ZU schräg vorkommt, bin ich raus...

    Zitat

    Oder vielleicht denkt die Fakerin auch, sie hilft ihrem Opfer mit so eine Art Gesprächstherapie.

    Also meiner Erfahrung nach bescheißen (kranke) Menschen kaum jemanden so sehr wie sich selbst. Da schiebt man alles mögliche vor um sich nicht sagen zu müssen das man den Partner aus Angst und Bequemlichkeit nicht verlässt oder die bizarrsten Argumente wieso man mit Mister X geschlafen hat obwohl er der letzte Wichser ist und es reicht bist zu:"wenn ich die Produkte aus der Kinderarbeit nicht kaufe gehts den Familien noch schlechter". Auf dem Feld halte ich nichts für unmöglich.

    @ Muff:

    Ich grüble auch schon, wie es überhaupt dazu kam, dass wir am Ende all die echten Dinge über sie wussten. Ich glaube, weil sie meinem Kumpel gegenüber irgendwann Dinge zugegeben hat und wir dann durch beharrliches Googeln mehr und mehr herausgefunden haben...

    Zitat

    Ich höre aus deinem Beitrag einen leisen Vorwurf darüber heraus, dass jemand, dem auf diese Art und Weise das Vertrauen in die Ehrlichkeit des jeweiligen Gegenübers genommen wurde, nun mit Misstrauen an solche Geschichten heran geht. Das ist aber doch nur eine logische, wenn auch für alle Beteiligten bedauernswerte Folge. Der Vorwurf sollte sich aber an diejenigen richten, die das verursacht haben und zuhauf weiterhin verursachen.


    Lian-Jill

    Oh nein nein, kein Vorwurf, wirklich nicht. Ich kann's absolut verstehen, wenn jemand skeptisch wird aufgrund von schlechten Erfahrungen, das ist, wie du schreibst, die logische Konsequenz. Und selbstverständlich ist der "Schuldige" der Verursacher der Lügen und nicht derjenige, der sie geglaubt hat.


    Es war mir nur ein Anliegen darauf aufmerksam zu machen, dass man nicht hinter jeder seltsamen Geschichte gleich einen Fake vermuten sollte. Ich finde Vertrauen in andere Menschen wichtig und möchte die Hoffnung nicht aufgeben, dass der größere Teil der Leute die Wahrheit erzählt.

    Zitat

    Und ich hoffe ja, dass solche "Täter/innen" hier mitlesen und ein bisschen wachgerüttelt werden.


    Lian-Jill

    :)^

    Zitat

    Ich halte es so, dass ich erst einmal davon ausgehe, dass etwas Erzähltes wahr ist. Es schadet mir ja nicht, wenn ich mich zu einem gewissen Grad darauf einlasse


    Shojo

    So handhabe ich es auch. :)z

    Zitat

    ich bin manchmal irritiert, wenn ein Faden als Fake auffliegt und manche Leute zutiefst empört schimpfen, dass ihre Zeit verschwendet wurde.

    Hab ich auch schon :=o. Dabei geht es mir gar nicht um die Zeit als solches, denn das hier finde ich völlig richtig :)^:

    Zitat

    Ich investiere keine Zeit, die ich nicht habe, und ich empfinde Zeit, die ich mit Denken verbracht habe, nicht als verschwendet.


    Shojo

    Ich hasse Lügen einfach (naja, wer nicht!?) und wenn so ein Clown hier im Forum mal wieder meint, Geschichtchen erzählen zu müssen, wurmt es mich schon, weil ich mir (je nach Thema) wirklich Gedanken um den einen oder anderen mache.




    Was mich hier aber gerade etwas stutzig macht. Wie hält sich denn so ein Lügenkonstrukt über Jahre aufrecht? Das verstehe ich nicht! Selbst wenn es jemand ist, den man nur übers Internet kennt, so fliegt das meiste doch bei der ersten Begegnung auf (falsches Geschlecht, falsches Alter etc.)!? Denn wenn ich mit jemandem länger in Kontakt bin, bestehe ich irgendwann einfach auf ein Treffen und wenn ich mich 5 Stunden in Auto oder Zug setze (falls es an der Entfernung liegt)! Würde dies immer wieder abgelehnt - gut, dann ist was faul. Aber ansonsten sind doch viele Dinge überprüfbar oder stelle ich mir das zu einfach vor? ":/

    Zitat

    Dennoch glaube ich wirklich daran, dass Dinge aus echtem Mitgefühl geschehen können.

    Noch mal kurz etwas hierzu. Echtes Mitgefühl klingt immer so, als sei das Gefühl nur auf den anderen gerichtet, irgendwie losgelöst von einem selbst, aber man hat dieses Gefühl doch selbst, das kann man doch gar nicht trennen. Und ist es nicht vielleicht so, dass man auch deshalb hilft, weil auch man selbst dieses unangenehme (Mit-)Gefühl wieder loswerden möchte (es ist ja schließlich auch für einen selbst unangenehm, wenn man stark mitfühlt, wie schlecht es dem Gegenüber geht) - könnte man ja eigentlich auch wieder unter "Egoismus" verbuchen, wenn man denn möchte.

    Zitat

    Ich hasse Lügen einfach (naja, wer nicht!?) und wenn so ein Clown hier im Forum mal wieder meint, Geschichtchen erzählen zu müssen, wurmt es mich schon, weil ich mir (je nach Thema) wirklich Gedanken um den einen oder anderen mache.

    Ich finde das gar nicht schlimm weil die Gedanken die ich mir gemacht habe ja nicht an Wert verlieren, für mich selbst. Vielleicht hab ich selbst was gelernt, eine Perspektive eingenommen die ich noch nicht hatte oder durch andere Beiträge Erkentniss gewonnen oder auch nur durch die intensive Beschäftigung mit einer Frage die sich mir vorher noch nicht gestellt hat. Entsprechend lässig nehm ich das alles.

    Zitat

    Denn wenn ich mit jemandem länger in Kontakt bin, bestehe ich irgendwann einfach auf ein Treffen und wenn ich mich 5 Stunden in Auto oder Zug setze (falls es an der Entfernung liegt)! Würde dies immer wieder abgelehnt - gut, dann ist was faul. Aber ansonsten sind doch viele Dinge überprüfbar oder stelle ich mir das zu einfach vor? ":/

    Das passt in einen anderen Thread der im Forum mal aufkam. Da fragte eine Frau wieso es unmöglich sie Freundschaften rein virtuell zu halten weil sie keine persönlichen Treffen wollte. Sie war recht traurig das auch enger Kontakt dann beendet wurde weil sie keine Treffen wollte und das auch wenn sie das vorher so klar kommuniziert hatte. Also auch von der mangelndem Bereitschaft sich zu treffen kann man nicht darauf schließen das jemand lügt, denke ich.

    Log Lady das finde ich voll krass. Habt ihr in dem anderen Forum nach der Enttarnung überlegt, ob ihr noch ihren "echten" Freunden und Arbeitskollegen was sagen sollt? Die irgendwie warnen oder so?

    Interessanter Faden :)^.


    Ich selbst bin auch mal auf Jemanden getroffen, der mich massiv belogen hat, das ging über Monate (Internetkontakt). Ich hatte zwischendurch immer mal wieder starke Zweifel. Vor allem, weil ein Treffen immer wieder hinausgeschoben wurde, allerdings echt glaubwürdig, ich würde fast sagen: *hut ab*. Bis es eben nicht mehr glaubwürdig war und ich den Kontakt abbrach. Ohne bis heute zu wissen, wie seine Lebensumstände wirklich waren (sind).


    Diesbezüglich will ich auf ein paar Aussagen von Euch eingehen:

    Ja, mir ging (geht) es wie schnecke. In dieser Situation betrachte ich "verzeihen" auch so. Ich hege keinen Groll gegen ihn, keine Wut - es ist einfach eine Fassungslosigkeit. Und ja, auch irgendwie Mitleid. Wenn ein Mensch es "nötig hat", einen anderen Menschen derartig zu ....hmmm...ja man kann fast sagen für seine eigenen Zwecke, Bedürfnisse, zu mißbrauchen - dann ist das für mich kein Mensch der mit sich und seinem Leben zufrieden ist. Im Gegenteil.


    Denn letztendlich gehe ich aus dieser "Beziehung" erhobenen Hauptes raus - denn es war ja auf irgendeine Art eine Beziehung, für mich ist alles Beziehung was einen näheren Kontakt über einen längeren Zeitraum beinhaltet.


    Ich kann mich im Spiegel anschauen, ich war immer aufrichtig, ich war "ich selbst", authentisch - ich sehe mich nicht als Opfer.


    Muff

    Zitat

    Ein ganz wichtiger Punkt ist doch, dass sich normalerweise nicht vorstellen kann, dass man über einen langen Zeitraum ein detailliertes Lügengebäude vorgesetzt bekommt.

    :)z :)^


    Das war bei mir sehr, sehr lange Zeit genau der Punkt. Dass ich dasaß und gedacht habe: "Das kann nicht sein. So kann Niemand lügen, so bewußt, berechnend...was hat er denn davon?". Zumal es hier auch so war, dass wir uns zwar lange kannten (insgesamt über ein Jahr), aber vor allem anfangs nur so alle paar Wochen/Monate mal was voneinander hörten (bzw. gelesen haben). Aber wenn wir voneinander hörten, dann hatten wir absolut tolle Gespräche. Und jetzt im Nachhinein glaube ich sogar, dass er DA sogar noch authentisch war. Dann hatte ich gerade eine (kleine) Enttäuschung hinter mir und erzählte ihm davon als wir uns mal wiedertrafen. Und ich glaube hier war bei ihm der Punkt an dem er seine Chance ergriffen hat, sie vor allem erkannt hat - was für einen ziemlichen perfiden Charakter spricht. Denn bei dieser Enttäuschung handelte es sich (auch) um Jemanden, der mich in einem wichtigen Punkt über Wochen belogen hatte (er war in einer Beziehung, hat es mir erst zum Schluß gesagt, also vorm ersten Treffen, davor aber wochenlang rumgebaggert).


    Hier wußte mein Faker also genau wo er anknüpfen mußte. Und genau das war es dann auch, was mich so lange (ging dann über 8 Wochen der Kontakt) dabeibleiben ließ: Die Unvorstellbarkeit, dass er bei diesem Wissen, der Kenntnis dieser Vorgeschichte genau dasselbe mit mir abziehen würde.


    Quacksalberei

    Zitat

    Genau deshalb schrieb ich, dass ich eine "gut konstruierte" Lügengeschichte möglicherweise glauben würde; ich achte bei Beziehungen jeglicher Art viel mehr auf die Art der Beziehungsgestaltung, also ob ich mich da irgendwie unwohl fühle.

    Und ich habe mich sauwohl gefühlt. Am Anfang. Er war genau meine Wellenlänge, dies aber wirklich glaubhaft.


    Das ist eigentlich heute noch das Einzige, was mich wirklich daran beschäftigt: Dass ich es unheimlich finde, dass er genau wußte welche Knöpfe er drücken mußte und welche auslassen. Fast wie bei einem "cold reading".


    Schade eigentlich, dass ein Mensch ein solches Talent auf so üble Weise nutzt.


    Diese Frage ging zwar an quacksalberei, dennoch beantworte ich sei auch mal:

    Zitat

    Glaubst Du, dass es Dich hart treffen würde? Wenn Du irgendwann feststellst, eine solche Lügengeschichte geglaubt zu haben?

    Hmm....da es mich ja nicht kalt erwischt hat, sondern ein Prozess war (er wurde eben immer unglaubwürdiger) hat es mich letztendlich nicht mehr so getroffen. Meine Fassungslosigkeit war einfach dennoch, anhaltend sehr, sehr groß.


    danae

    Zitat

    Man kann sich gegen wirklich gute Lügner nicht richtig schützen. Wenn jemand mit hoher Empathie anfängt die so auszunutzen dann weiß die Person genau wie oft sie sich melden muss oder kann, achtet genau auf die Anzeichen des Zuviel und Zuwenig und sucht sehr vorsichtig die schwachen Stellen des Gegenübers ab um dem richtigen Punkt zu finden. Und das ganze geschieht nicht immer bewusst sondern manchmal voll automatisch als Mechanismus um etwas zu bedienen das gebraucht wird.


    Narzissten lügen deshalb so gut weil sie ihre Lügen glauben, weil sie nicht unterscheiden können zwischen dem was sie erzählen und dem was war, am Anfang schon noch, aber irgendwann wird die Lüge zur Identität. Da kommen nicht mal Profis mehr hinter weil selbst die unbewusste Minimalmimik dann wegfällt. Man kann sich gegen solche Menschen glaube ich, nicht immer verteidigen. Man kann es nur so halten das man nur soviel gibt wie man ohne ernsten Verlust bei einem selbst geben will, damit es einen nicht so hart trifft und sich immer fragen was man selbst aus einer Beziehung zieht. Denn man kann auch aus etwas Bestätigung ziehen was nicht real war. Man kann dabei etwas über sich und die eigenen Bedürfnisse lernen und dann war die investierte Energie, egal wieviel das war, vielleicht nicht umsonst.

    :)^ :)^


    Auch so ein Punkt:


    Dass sie selbst glauben was sie da erzählen.


    Ich glaube sogar, dass er, wenn wir in Kontakt waren, geschrieben oder geskyped haben, selber daran glaubte oder glauben wollte. Ich glaube auch, dass er mich - auf seine Art - auch wirklich gemocht hat. Er wußte eben nur (durch meine Erzählungen/Einstellung), dass er bei mir nicht landen könnte wenn ich die Wahrheit weiß (wie auch immer diese aussehen mag, ich vermute ja mal Frau und Kinder, zudem vermute ich, dass er mich mit dem Alter belogen hat).


    Also dass da dieses doch sehr typische "im Kern stimmt Vieles durchaus" vorgelegen hat - nur standen eben ein paar "unerhebliche" (natürlich ironische gemeint ;-D) Fakten im Wege um das Ganze real werden zu lassen ;-).


    Ich will ihn damit nicht entschuldigen, im Gegenteil, das macht die ganze Sache ja noch perfider. Sich nicht dazu zu bekennen, dass es nun mal so ist wie es ist, nicht dazu stehen können, weil man mehr will. Und dies geschieht dann auf Kosten anderer Menschen.


    Ich muß oft an einen Dialogteil denken den wir hatten. Es ging um das führen von Selbstgesprächen. Ich erzählte, dass ich wenn ich alleine bin viel mit mir selbst sprechen, über mich mal laut lache und mich frage was wohl die Nachbarn jetzt wohl denken, mich auch manchmal schimpfe wenn ich dusselig war oder so ;-) - da meinte er, das würde er nicht machen, er bräuchte das nicht, denn er sei "mit sich selbst im Reinen". Das machte mich stutzig (wie so viele kleine andere Sachen auch). Dieses betonen müssen, wie "geeignet" man doch ist, in einem doch recht abstrusen Zusammenhang - denn ich meine, auch (oder gerade) ein Mensch der mit sich im Reinen ist, der kann auch mal über sich selbst schimpfen, bzw. nimmt sich selbst nicht immer so bierernst. Steht zu seinen Dusseligkeiten und sei es mal über den Staubsauger zu stolpern den man nicht weggeräumt hat oder über ein blödes Verhalten einem anderen Menschen gegenüber.


    Also irgendwie hat er sich dann doch stark drauf konzentriert sich selbst so darzustellen wie er glaubte (!), dass ich ihn "haben wollte".


    Zwar ein ziemlich anderes Thema, dennoch ebenso interessant:


    Shojo

    Zitat

    Ein guter Samariter ist nicht selbstlos. Bei allem, was wir tun, geht es auch immer um unser Selbst- und Weltbild, das wir mit dem, was wir tun oder nicht tun, bestätigen. Ich finde das überhaupt nicht schlimm oder anrüchig, bitte nicht falsch verstehen, im Gegenteil finde ich es wunderbar, wenn jemand Freude daran empfindet, anderen zu helfen. Ich finde es aber wichtig, zu wissen, wie da die eigene Dynamik so funktioniert.

    :)z :)^


    Gerade Letzteres ist ultrawichtig.


    Denn ich kenne so ein paar "gute Samariter", die über das Ziel hinausschießen, weit hinaus, sich übergriffig verhalten, sich in das Leben anderer Menschen so massiv einmischen, dass dieses gestört wird - alles unter dem Mantel des "ich will doch nur helfen", selbst wenn gar kein Hilfeauftrag vorliegt, bzw. dieser längst erledigt ist.

    Zitat

    Was mich hier aber gerade etwas stutzig macht. Wie hält sich denn so ein Lügenkonstrukt über Jahre aufrecht? Das verstehe ich nicht! Selbst wenn es jemand ist, den man nur übers Internet kennt, so fliegt das meiste doch bei der ersten Begegnung auf (falsches Geschlecht, falsches Alter etc.)!? Denn wenn ich mit jemandem länger in Kontakt bin, bestehe ich irgendwann einfach auf ein Treffen und wenn ich mich 5 Stunden in Auto oder Zug setze (falls es an der Entfernung liegt)! Würde dies immer wieder abgelehnt - gut, dann ist was faul. Aber ansonsten sind doch viele Dinge überprüfbar oder stelle ich mir das zu einfach vor?

    Das funktioniert zunächst mal ganz einfach: Wenn man davon ausgeht, dass das Gegenüber echt ist und die Wahrheit erzählt, kommen einem Ausreden ja auch nicht als solche vor.


    Ich geh da oft auch erst mal von mir aus - ich muss beispielsweise auch oft am Wochenende arbeiten. Wenn mir also jemand was von häufigem Wochenenddienst als Vorwand, mich nicht treffen zu können, erzählt, nehme ich das erst mal so hin. Ist bei mir schließlich genauso. Wenn dann derjenige an dem Wochenende auch nicht erreichbar ist, bekräftigt das die Geschichte ja eher noch.


    Ich vergleiche das mal mit manipulativen Liebesbeziehungen, in denen der eine Partner den anderen immer genau so weit heran lässt, dass der nicht abspringt, ihn dann aber wieder auf Distanz hält und am langen Arm verhungern lässt - bis er ihm mal wieder nen Brocken hinwirft, der ihn dann wieder eine gewisse Zeit bei Laune hält.


    Wenn man das Spiel durchschaut hat, muss es deswegen noch lange nicht vorbei sein.

    Zitat

    Ich finde das gar nicht schlimm weil die Gedanken die ich mir gemacht habe ja nicht an Wert verlieren, für mich selbst. Vielleicht hab ich selbst was gelernt, eine Perspektive eingenommen die ich noch nicht hatte oder durch andere Beiträge Erkentniss gewonnen oder auch nur durch die intensive Beschäftigung mit einer Frage die sich mir vorher noch nicht gestellt hat.

    :)^ exakt so sehe ich das auch. Jeder hat ja immer auch selbst etwas davon über ein Problem einer anderen Person zu reflektieren. Das ist ja kein Prozess wo ich dem anderen nur etwas gebe. Im Gegenteil. Durch das was ich schreibe und durch das was andere schreiben bilde ich ja auch wieder eine neue Perspektive aus, die mir in der Zukunft womöglich weiter hilft. Gerade in Foren wie hier finde ich das wichtig. Deshalb finde ich Trolle auch nie schlimm.