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    Ich finde das gar nicht schlimm weil die Gedanken die ich mir gemacht habe ja nicht an Wert verlieren, für mich selbst.


    danae87

    Nein, ich meinte mit Gedanken Sorgen, die ich mir um eine Person gemacht habe. Gebe gleichzeitig zu, dass ich da aber selbst dran Schuld bin, dass ich jemand Fremdes und seinen Faden so schnell an mich heranlasse.

    Zitat

    Also auch von der mangelndem Bereitschaft sich zu treffen kann man nicht darauf schließen das jemand lügt, denke ich.


    danae87

    Naja. Wenn das von Anfang an feststeht, dass sich jemand nicht treffen möchte, wie in deinem Beispiel, ist das noch was anderes, finde ich. Dann kann ich entscheiden, ob ich unter diesem Aspekt diesen Kontakt überhaupt fortsetzen mag. Wenn man aber jemanden länger kennt, Treffen grundsätzlich ok wären, derjenige aber ständig Ausreden erfindet, selbst wenn ich mich auf den Weg zu ihm machen würde, dann stimmt wohl was nicht.

    Zitat

    Also auch von der mangelndem Bereitschaft sich zu treffen kann man nicht darauf schließen das jemand lügt, denke ich.

    Jepp, sehe ich auch so. Außer natürlich, jemand schreibt dem anderen von einer tollen gemeinsamen Zukunft, dann könnte die ständige Verweigerung eines Real-Treffens auf Lügen - zumindest, was die Zukunft betrifft - hinweisen. Aber selbst da könnte etwas anderes dahinterstecken.

    quacksalberei

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    Uach, das ist wirklich traurig. Wissen denn heute enge Leute, dass Du früher so gelogen hast? Also, nicht dass ich finde, dass man so etwas zwingend erzählen muss, wenn man das jetzt nicht mehr tut, es würde mich einfach interessieren.

    Die, mit denen ich heute noch Kontakt habe wissen es, ja! Sonst könnte ich nicht mehr in den Spiegel schauen. Ich habe zwar viel Mist gemacht, aber feige war ich nie.

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    Log Lady das finde ich voll krass. Habt ihr in dem anderen Forum nach der Enttarnung überlegt, ob ihr noch ihren "echten" Freunden und Arbeitskollegen was sagen sollt? Die irgendwie warnen oder so?


    Muff Potter

    Ich muss zugeben, dass der Gedanke kurz bei mir aufkam, weil ich danach ein sehr gesteigertes Gerechtigkeitsempfinden hatte. Ich weiß nicht, wie es bei anderen war, aber ich hab mich damals sehr verarscht gefühlt und hätte dem tatsächlich gerne Konsequenzen folgen lassen. Jedenfalls haben wir das nicht gemacht. Die meisten wussten vermutlich auch die ganzen Details, die hinterher herauskamen, gar nicht, und wo man die echte Posterin finden konnte, auch nicht. Mein Kumpel hatte da am Ende wohl die meisten Informationen, und für ihn war die Sache insofern gut abgeschlossen, dass er wusste, dass da niemand gestorben ist.


    Vielleicht hätte ich mich da tatsächlich an jemanden gewandt, wenn ich das Gefühl gehabt hätte, dass ihr anderes Profil auch ein Fake ist, und dass sie vor einem anderen Bekanntenkreis noch ne zweite Fake-Geschichte abzieht. Darauf deutete aber nichts hin, im Gegenteil. Also gehe ich mal davon aus, dass von diesen Leuten auch niemand geschädigt wurde / wird. Sei ihr der echte Freundeskreis also gegönnt.

    Luis08

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    Ich glaube schon, dass es Menshen gibt, die anfälliger dafür sind. Das heisst nicht, dass man davor gefeit sein kann, aber du schriebst ja auch, dass der junge Mann gewarnt worden war. Ich glaube schon, dass es da jeweils eine unbewusste Interaktion geben kann und einige schneller das Weite suchen als andere.

    Das glaube ich auch.


    Ich habe mich all' die Wochen des intensiveren Kontakts, als dann (so nach drei-vier Wochen, wir hatten fast täglichen Kontakt) die ersten Zweifel aufkamen - besser hingeschaut. Und es kamen immer mehr kleine Dinge zum Vorschein, die einfach nicht (mehr) stimmig waren.


    Weitere 4-6 Wochen habe ich deshalb festgehalten, weil ich einfach nicht glauben wollte, dass er meine damalige Enttäuschung so perfide für sich ausnutzt. Ich wollte einfach nicht glauben, dass ein Mensch so skrupellos, so abgebrüht ist mir genau diese Verletzung erneut zuzufügen. Auf einer solchen Verletzung sogar aufbaut!


    Doch ich mußte dann irgendwann die Segel streichen weil es einfach zu offensichtlich war/wurde - für mich. Wenn ich gewollt hätte, dann wäre ich mit Sicherheit noch weit länger in dieser Spirale geblieben, wenn ich verdrängt hätte, wenn ich mich festgebissen, ja, abhängig gemacht hätte - und er hätte das Spielchen natürlich schon weiter (mit) gespielt.

    @ Shojo

    Ich bekomme jetzt nicht alles zusammen zitiert, was Du hier geschrieben hast, aber ich finde Deine Einstellung ziemlich gesund.


    Beispielhaft dieses hier:

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    Ich halte es so, dass ich erst einmal davon ausgehe, dass etwas Erzähltes wahr ist. Es schadet mir ja nicht, wenn ich mich zu einem gewissen Grad darauf einlasse - ich bin manchmal irritiert, wenn ein Faden als Fake auffliegt und manche Leute zutiefst empört schimpfen, dass ihre Zeit verschwendet wurde. Ich investiere keine Zeit, die ich nicht habe, und ich empfinde Zeit, die ich mit Denken verbracht habe, nicht als verschwendet. Ich finde es erst dann als richtig schlimm, wenn jemand einen anderen ganz konkret mit falschen Storys an sich bindet, und da sehe ich halt zu, dass ich bei mir bleibe und darauf achte, wie es mir geht.

    Vermutlich ist wirklich niemand davor geschützt, auf einen Fake hereinzufallen. Aber ob man beschadet daraus hervorgeht oder nicht, hängt zu einem großen Teil mit der eigenen seelischen Konstitution zusammen. Der Schaden wäre meiner Meinung nach aber nicht größer oder kleiner, wenn man von einem echten "Leidenden" ausgenutzt wurde und sich nun mühsam freikämpfen musste (oder aber mit ihm zusammen untergeht).


    Und das hier kann ich besonders unterstreichen:

    Zitat

    ich bin manchmal irritiert, wenn ein Faden als Fake auffliegt und manche Leute zutiefst empört schimpfen, dass ihre Zeit verschwendet wurde

    Ich auch.


    Ich finde übrigens den von schnecke1985 verlinkten Artikel sehr aufschlussreich über die Motive von Fakern. Ich kann mich in diese Natalie hineinfühlen… In kleinem Umfang kenne ich das von mir, wenn eine kleine, harmlose Krankheit mal ein bisschen aufgebauscht wird, um mehr Zuwendung zu bekommen. Solche Ausmaße wie bei dieser Natalie nimmt das bei mir allerdings nicht an, und eine nicht vorhandene Krankheit vortäuschen würde ich nie.

    Mich machen die Geschichten von euch sehr betroffen. :°( Zu lesen das jemand sogar soweit geht und den eigenen Tod vortäuscht hat mir wirklich den Rest gegeben. %:|


    Lemontea


    Schön das du hier auch schreibst und du heute ein so erfülltes Leben hast ,ich freue mich sehr für dich :)_

    Zitat

    Ich habe zwar viel Mist gemacht, aber feige war ich nie.

    Du bist eine starke Persönlichkeit und bist zu dem gestanden was du verbockt hattest, das erfordert Mut und den hattest du, ich zolle dir meinen Respekt . Ich hoffe aber auch du bist nicht zu hart mit dir ins Gericht gegangen, du warst da ja auch noch sehr jung. :)_

    tuedelue

    Zitat

    Nein, ich meinte mit Gedanken Sorgen, die ich mir um eine Person gemacht habe. Gebe gleichzeitig zu, dass ich da aber selbst dran Schuld bin, dass ich jemand Fremdes und seinen Faden so schnell an mich heranlasse.

    Das wäre dann der Punkt an dem ich mich fragen würde wieso da sowenig Distanz ist und diese Wut eher als Antrieb nutzen wollen würde mir selbst da auf den Grund zugehen.

    LichtamHorizont

    Zitat

    Aber ob man beschadet daraus hervorgeht oder nicht, hängt zu einem großen Teil mit der eigenen seelischen Konstitution zusammen. Der Schaden wäre meiner Meinung nach aber nicht größer oder kleiner, wenn man von einem echten "Leidenden" ausgenutzt wurde und sich nun mühsam freikämpfen musste (oder aber mit ihm zusammen untergeht).

    Das stimmt.


    Als ich den Kontakt abbrach mit meinem Faker, da geschah das unter (nicht wenigen) Tränen. Ich schrieb ihm ein paar "warme Worte" und blockierte ihn bezüglich sämtlicher Kontakte die wir hatten, löschte seine Handynummer.


    Die Tränen galten aber nicht ihm.


    Sondern meinem eigenen/persönlichen Verlust des Menschen als der er mir gegenüber auftrat. An dessen Realität/Authenzität ich so gerne glauben wollte. Diesen gab es einfach nicht, er hatte sich aufgelöst. Er war nur ein "Gespinst", ein "Geist" (auch interessantes Thema in diesem Zusammenhang: "Ghosting").


    Das war es, was so wehttat und was mich auch ein paar Wochen zögern ließ, was mich danach suchen ließ die Unstimmigkeiten logisch zu erklären. Dass es diesen Menschen dem ich mich ja auch in gewisser Weise geöffnet habe, so niemals gab.

    Leute, da fällt mir glatt noch etwas ein. Ich hatte das gar nicht mehr auf dem Schirm. :|N Ich war auch mal eine Art Realfaker. Nunja, nicht so extrem, aber doch auch, irgendwie... ":/


    Ich hatte über ein Spiel damals Bekanntschaft geschlossen zu einem Mann. Er war dort Administrator seines eigenen Servers und ich regelmäßig dort Gast. Nach einigen Monaten wurde ich auch Moderator (später auch Admin, u.A. im angeschlossenen Forum), und man lernte sich automatsch näher kennen.


    Hier kann jeder nachlesen, dass ich einen Dachschaden habe. Außerhalb dieses Forums erzähle ich das aber nicht, denn - mal ehrlich - es macht echt keinen sonderlich tollen Eindruck. Mein Bekannter ist Professor an einer Uni, trotzdem konnten wir über alles mögliche auf einer hohen Sachebene diskutieren. "Trotzdem" sage ich, weil ich selbst krankheitsbedingt nicht mal die Möglichkeit hatte, mein Abi zu beenden. Nicht, dass es am Leistungsvermögen gehapert hätte. Es war einfach... doof gelaufen.


    Allerdings habe ich ihm gegenüber meinen Lebenslauf etwas gepimpt. Ich habe mich dafür geschämt, dass mein Leben ohne die von mir eingeplanten akademischen Leistungen gelaufen ist. Total blöd, denn ausgerechnet meine Bekanntschaft misst das Gegenüber überhaupt nicht an sowas. %-|


    Naja, im gepimpten Lebenslauf habe ich mein Abi eben doch geschafft und war dann Selbstständig mit einer kleinen, eigenen Firma als Webdesigner. *seufz*


    Irgendwann fragte meine Bekanntschaft, ob ich ihm nicht gegen Bezahlung eine professionelle Webseite machen könnte. %-| Klar kann ich, no problemo. Nur wollte er das ganze offiziell, also auf Rechnung. Ich musste also etws tricksen, damit wir das unter der Hand machen konnten, damit ich nicht auffliege. Als das dann klarging, war der Rest kein Thema mehr, denn ich bin tatsächlich professioneller Webdesigner/Programmierer. Die Fähigkeiten sind vorhanden, so ist es also nicht. Nur das Abi dazu war erlogen und die Firma, obwohl ich mich tatsächlich selbständig machen könnte... nehme ich an. ":/


    Aufgeklärt hat sich das nie,die Bekanntschaft verlief friedlich im Sande. Er ist stolzer betreiber einer erfolgreichen Webseite und ich der stolze Designer, der das irgendwann gut und gerne als Referenz angeben könnte.


    :|N Ich bin schon ziemlich Banane, ja.

    @ Nurarihyon

    Das ist ein Fall, bei dem ich denke, dass dem Getäuschten gar kein wirklicher Schaden entstanden ist. Und ich könnte mir vorstellen, wenn er die Wahrheit herausfände, wäre er gar nicht böse darüber. Ich finde Deine Absicht dahinter auch nicht "nieder".

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    Ich bin schon ziemlich Banane, ja.

    Nö, biste nicht ;-D :)_

    Finde ich auch nicht.

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    Irgendwo da ist jeder Mensch empfänglich, sei es die coole und witzige Freundin oder der aufmerksame Liebhaber, irgendwas gibts immer das man als Bereicherung begreift und nicht gerne wieder hergibt wenn man es hat. (Danae)

    Ja. Und es kann durchaus sein, dass man sich von jemandem distanziert, weil man weiß, dass er einem nicht gut tut, und ihn trotzdem vermisst. Lange, vielleicht für immer. Nicht alles, aber eben das, was er einem gegeben hat, was er einem bedeutet hat.

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    Ich finde es immer ein bisschen schade, wenn bei dem Motiv für Hilfe für andere "unterteilt" wird in Mitgefühl/Altruismus und Egoismus/"Selbstbefriedigung". Ich denke, in den meisten Fällen von helfenden Menschen, die das vielleicht auch beruflich machen, spielt einfach beides eine ungefähr gleich große Rolle. (Quäks)

    Ich glaube auch, dass das nicht trennbar ist. Irgendeine Motivation braucht es, um jemanden in Bewegung zu versetzen - ohne Motivation würden wir klumpengleich herumliegen und sterben, ohne uns auch nur einmal gerührt zu haben. Nun ist es glücklicherweise so eingerichtet, dass sehr viel übers Belohnungsprinzip läuft, was unsere innere Motivation betrifft - beispielsweise fühlen wir uns gut, wenn wir etwas tun, das wir richtig finden. Also ist es zu einem gewissen Grad selbstbelohnend, jemandem zu helfen, wenn man es richtig und gut findet, das zu tun. Wenn man dazu neigt, seine eigenen Grenzen zu übertreten und Raubbau an sich selbst zu treiben, ist es also eine gute Idee, diese inneren Prinzipien, diese Motivationsstrukturen fürs eigene Verhalten, mal kritisch unter die Lupe zu nehmen.

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    Ich weiß von ein oder zwei "Personen" hier im Forum recht sicher das sie nicht echt sind weil ich gewarnt wurde. Mir macht das nichts aus das ich nicht drauf gekommen bin sondern geglaubt habe, weil ich denke das es jedem passieren kann, weil es mich nicht als Person anficht und mein Vertrauen in mein Urteilsvermögen nicht erschüttert. In dem man suggeriert das man sicher wäre wenn man nur in sich selbst genug ruht und alle Bedürfnisse befriedigt und selbstsicher und unabhängig ist, stellt man sich selbst eine verdammt hässliche Falle die dann auch dazu führen kann das man ganz übel unter so einem Fake leidet, wenn er auffliegt. (Danae)

    Ja. Es kann passieren, und es ist ziemlich normal - die Alternative dazu ist ständiges Misstrauen. Und das macht erstens keinen großen Spaß, zweitens liegt man damit vermutlich sehr viel öfter falsch, weil die meisten Leute ja hinreichend ehrlich sind. Man hat also keine Menschenkenntnis gewonnen, sondern eher verloren, errichtet eine gewissermaßen "mechanische" Schutzmauer, hinter der man sich selbst nicht nur vor schlechten, sondern auch vor guten Erfahrungen verschanzt.

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    Ich grüble auch schon, wie es überhaupt dazu kam, dass wir am Ende all die echten Dinge über sie wussten. Ich glaube, weil sie meinem Kumpel gegenüber irgendwann Dinge zugegeben hat und wir dann durch beharrliches Googeln mehr und mehr herausgefunden haben... (Log Lady)

    Wie hat sie denn reagiert, weißt Du das? Wenn Du sagst, es hätten einige Leute noch weiterhin Kontakt zu ihr gehabt? Hat jemand sie mal damit konfrontiert?

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    :)^ exakt so sehe ich das auch. Jeder hat ja immer auch selbst etwas davon über ein Problem einer anderen Person zu reflektieren. Das ist ja kein Prozess wo ich dem anderen nur etwas gebe. Im Gegenteil. Durch das was ich schreibe und durch das was andere schreiben bilde ich ja auch wieder eine neue Perspektive aus, die mir in der Zukunft womöglich weiter hilft. Gerade in Foren wie hier finde ich das wichtig. Deshalb finde ich Trolle auch nie schlimm. (NotMichaelCaine)

    Und wenn es stehen bleibt und dann nicht komplett gelöscht wird, können einige der Beiträge und Gedanken mitunter jemandem, der den Faden später findet und liest, sehr weiterhelfen. Das geht ja nicht verloren. Schade finde ich es, wenn dann der ganze Faden im Nirwana verschwindet, mitsamt großartiger Beiträge.

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    Das war es, was so wehttat und was mich auch ein paar Wochen zögern ließ, was mich danach suchen ließ die Unstimmigkeiten logisch zu erklären. Dass es diesen Menschen dem ich mich ja auch in gewisser Weise geöffnet habe, so niemals gab. (Isabell)

    Ja. Das ist unbegreiflich. Die Trauer um jemanden, den es nie gab. Aber es kann wirklich Trauer sein, ein tiefes Loch, das derjenige gerissen hat. Ich habe das mal in einem nie abgeschickten Brief ein "bewegliches Grab, das dein vertrautes Lächeln trägt" genannt. Ein guter Freund von mir hat eine Freundin verprügelt und vergewaltigt, und auch wenn ich weiß, dass es den Menschen, den ich zu kennen glaubte, nie gegeben hat, vermisse ich ihn noch immer.