Kann sein, aber sicher wäre ich mir da nicht. Wenn jemand nun ganz anders ankommt und an einer ganz anderen Stelle andockt, dann lauf ich vielleicht wieder in eine Falle. Angesichts der angenommenen Häufigkeit solcher Fälle würde ich mir dann schon die Frage stellen ob ich irgendwo besonders offene Fronten habe, aber ich halte das nicht für unmöglich.

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    Wenn sie nicht ständig Fehlalarm produzieren und einen dort ausbremsen, wo man sich eigentlich gern freier bewegen würde

    So ist es, und diese Alarmglocken leuchten und klingeln dann gerade dort, wo es nicht angebracht wäre und versagen , wenn es ganz blöd geht -da, wo es Sinn machen würde. Das "Warnsystem" kann ordentlich durcheinander kommen durch so etwas.


    Nach einer gewissen Zeit muss man es bewusst wieder runterschalten wenn es sich verselbstständigt in eine ungute Richtung- nicht so leicht.


    Aber zuerst muss es irgendwie heilen.

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    Dieses Minimum reicht aber m.E. aus, damit es sich in der Form eben nicht noch einmal wiederholt.

    Log Lady


    glaube ich nicht wirklich, es gibt keine Garantie .

    Es hängt wohl von der schon bestehenden Stabilität (oder Instabilität) ab, wie gut man mit solchen Erlebnissen fertig wird. Wer ohnehin immer schon instabil war, wird danach vielleicht übervorsichtig. Wer mit beiden Beinen fest im Leben steht, steckt das eher weg. Verallgemeinern kann man da deshalb nicht.

    Ich glaube das hat eher etwas mit einer generellen Einstellung zum Leben und zu Risiken zu tun. Wenn ich der Meinung bin das ich mit dem richten Verhalten solches Unglück verhüten kann dann trifft mich etwas derartiges hart. Weil ich den Fehler bei mir suche und ständig mich frage was ich bitte falsch gemacht habe, wo ich hätte anders reagieren müssen und und und. Das kan einen sehr gefangen nehmen und ziemlich zerstörten. Einfach weil man ein komplettes Weltbild aufgeben muss um aus der Schuldfalle zu entkommen.


    Ist man da eher offen und sieht die Schuld und Verantwortung eher bei demjenigen der betrogen hat oder so, dann ist das zwar hart und tut weh, aber man zerfleischt sich selbst nicht so.

    Hab gerade mal den Faden überflogen: interessantes, aber auch beängstigendes Thema. Hier wurde auch von Fakern aus dem "realen Umfeld" berichtet. Wenn ich mir vorstelle, ein langjähriger Freund von mir könnte mir die ganzen Jahre was vorgemacht haben, vergeht mir echt alles. (Also allein die Vorstellung)


    Ich glaube, ich hätte danach auch große Schwierigkeiten wieder jemandem zu vertrauen. Ein Faker ist ja wie ein Einbrecher, der meine ganzen persönlichen Sachen durchwühlt und alles im großen Durcheinander zurücklässt. Nur dass es um nichts Materielles geht, sondern um mein Innerstes. Das ist total perfide! :(v


    Ich bin jemand, der eigentlich großes Verständnis für vieles hat - jedem Tierchen sein Pläsierchen - aber wissentlich mit den Gefühlen anderer Menschen so zu spielen, sie so schamlos auszunutzen und für dumm zu verkaufen, das verschlägt mir die Sprache. Die Beweggründe sind für mich schwierig nachzuvollziehen und selbst mit psychischer Erkrankung ist das Ganze in meinen Augen nicht wirklich zu entschuldigen.

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    Wenn ich der Meinung bin das ich mit dem richten Verhalten solches Unglück verhüten kann dann trifft mich etwas derartiges hart. Weil ich den Fehler bei mir suche und ständig mich frage was ich bitte falsch gemacht habe, wo ich hätte anders reagieren müssen und und und. Das kan einen sehr gefangen nehmen und ziemlich zerstörten. Einfach weil man ein komplettes Weltbild aufgeben muss um aus der Schuldfalle zu entkommen.

    Wobei ich das oft auch als Schutzreaktion erlebe - wie nützlich sie ist, sei mal dahingestellt: "Wenn ich etwas hätte anders tun können, dann kann ich mich vor einer Wiederholung auch schützen - wenn es nicht an meinem Verhalten lag, dann nicht." Allerdings ist das meiner Ansicht nach ein Gedanke, der sehr weit vorn im Verarbeitungsprozess steht. Ich habe ihn nie als nützlich erlebt, sondern nur als einen Standpunkt, der eine gewisse Verhärtung befördert oder tiefe Panik "verkleidet", aber nichts, was wirklich bei der Bewältigung hilft. Höchstens, indem der Gedanke im allerersten Schock danach einen Schutzpanzer gegen die Furcht bildet, es könne noch mal passieren.

    LichtamHorizont


    Ne, eher ergänzen. Denn die allgemeine Disposition schwer mitgenommen zuwerden scheint auch eine genetische Komponente zu haben, meine ich mal gelesen zu haben, aber nagelt mich nicht drauf fest.


    Porzellanseele


    Mh?

    Zitat

    Wobei ich das oft auch als Schutzreaktion erlebe - wie nützlich sie ist, sei mal dahingestellt: "Wenn ich etwas hätte anders tun können, dann kann ich mich vor einer Wiederholung auch schützen - wenn es nicht an meinem Verhalten lag, dann nicht."

    Ja, wobei ich es mehr als Gedanken kenne den die Menschen vor einer Erfahrung dieser Art hegen und pflegen. "Wenn ich mich richtig verhalte dann bin ich sicher. Der andere Mensch hat sicher irgendwas falsch gemacht was mir nie passieren würde." Eben der Reflex des victim blamings. Bei Menschen die etwas schlimmes erlebt haben kenne ich es dann eher als:"Oh Gott, wieso bin ich da nur lang gegangen, da war doch die Laterne kaputt, das hätte ich ja doch gleich wissen müssen. Gott ich bin so dumm, ich habs ja nicht anders verdient, das musste ja passieren." Bis zum nächsten Mal kommen die gar nicht mehr. :-|

    Für mich waren danaes Worte auch gerade ziemlich erleuchtend.



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    Wobei ich das oft auch als Schutzreaktion erlebe - wie nützlich sie ist, sei mal dahingestellt: "Wenn ich etwas hätte anders tun können, dann kann ich mich vor einer Wiederholung auch schützen - wenn es nicht an meinem Verhalten lag, dann nicht." Allerdings ist das meiner Ansicht nach ein Gedanke, der sehr weit vorn im Verarbeitungsprozess steht.


    (Shojo)

    Ich habe das Gefühl, dieses Denkmuster war bei solchen Menschen schon vorher vorhanden. Alles war ausgelegt auf volle Kontrolle, und wenn man aus eigenem Empfinden vollständig daneben greift, trifft es einen besonders hart. Man fragt sich: Wo habe ich nicht aufgepasst? Wie konnte das passieren?


    Wenn man von vornherein die eigene Macht nicht überschätzt, ist die Gefahr kleiner.

    Zitat

    Wobei ich das oft auch als Schutzreaktion erlebe - wie nützlich sie ist, sei mal dahingestellt: "Wenn ich etwas hätte anders tun können, dann kann ich mich vor einer Wiederholung auch schützen - wenn es nicht an meinem Verhalten lag, dann nicht." Allerdings ist das meiner Ansicht nach ein Gedanke, der sehr weit vorn im Verarbeitungsprozess steht. Ich habe ihn nie als nützlich erlebt, sondern nur als einen Standpunkt, der eine gewisse Verhärtung befördert oder tiefe Panik "verkleidet", aber nichts, was wirklich bei der Bewältigung hilft. Höchstens, indem der Gedanke im allerersten Schock danach einen Schutzpanzer gegen die Furcht bildet, es könne noch mal passieren.

    Da gehts ja zum Teil auch darum, nach gewissen Ereignissen, in die man "arglos" geraten ist, wieder Kontrolle zu gewinnen, indem man sich vorstellt, wie man möglicherweise durch eigene(s) Vorsichtsmaßnahmen, Handeln und Verhalten Einfluss auf die Begebenheit gehabt hätte oder in Zukunft haben könnte. Ich denke, das kann manchmal als ein früher und vorübergehender Schritt in der Verarbeitung wichtig sein, um in der frühen Verarbeitungsphase wieder ein bisschen Kontrolle und Stabilität zu gewinnen - auch wenn es in den meisten Fällen nur ein vermeintlicher Kontrollgewinn ist. Nur sollte die Verarbeitung nicht in dieser Phase steckenbleiben, denn wenn einem dann wieder etwas Vergleichbares passiert, dann haut es einen noch viel mehr auf die Schnauze, da ja dann sogar die (vermeintlichen) Vorsichtsmaßnahmen versagt haben.

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    Ja, wobei ich es mehr als Gedanken kenne den die Menschen vor einer Erfahrung dieser Art hegen und pflegen. "Wenn ich mich richtig verhalte dann bin ich sicher. Der andere Mensch hat sicher irgendwas falsch gemacht was mir nie passieren würde." Eben der Reflex des victim blamings.

    Das ist auf jeden Fall das Hauptbetätigungsfeld dieser Denkweise, ja.

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    Bei Menschen die etwas schlimmes erlebt haben kenne ich es dann eher als:"Oh Gott, wieso bin ich da nur lang gegangen, da war doch die Laterne kaputt, das hätte ich ja doch gleich wissen müssen. Gott ich bin so dumm, ich habs ja nicht anders verdient, das musste ja passieren." Bis zum nächsten Mal kommen die gar nicht mehr. :-|

    Ich habe das tendenziell auch immer mit in die "Laut auf dem Friedhof singen und die Angst bannen"-Reaktion einsortiert, aber vielleicht stimmt es, was LichtAmHorizont schreibt - dass es ein vertrautes Denkmuster ist, das weitergeführt wird.

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    Da gehts ja zum Teil auch darum, nach gewissen Ereignissen, in die man "arglos" geraten ist, wieder Kontrolle zu gewinnen, indem man sich vorstellt, wie man möglicherweise durch eigene(s) Vorsichtsmaßnahmen, Handeln und Verhalten Einfluss auf die Begebenheit gehabt hätte oder in Zukunft haben könnte. Ich denke, das kann manchmal als ein früher und vorübergehender Schritt in der Verarbeitung wichtig sein, um in der frühen Verarbeitungsphase wieder ein bisschen Kontrolle und Stabilität zu gewinnen - auch wenn es in den meisten Fällen nur ein vermeintlicher Kontrollgewinn ist. Nur sollte die Verarbeitung nicht in dieser Phase steckenbleiben, denn wenn einem dann wieder etwas Vergleichbares passiert, dann haut es einen noch viel mehr auf die Schnauze, da ja dann sogar die (vermeintlichen) Vorsichtsmaßnahmen versagt haben.

    Ja, genau das meine ich. Die Frage ist wohl nur, ob es so ein vorübergehender Halt ist und auch einfach ein Abklopfen der Umstände hinsichtlich der Frage, ob etwas Sinnvolles daraus zu lernen ist, oder ob es selbstzerstörerische Züge annimmt.