Realität/verzerrte Wahrnehmung. Befürchtungen eines Unerfahrenen

    Hallo alle miteinander *:)


    Der Thread Titel ist vielleicht ein bisschen kryptisch, aber ich werde es versuchen so knapp wie möglich zu erklären und würde gern eure Meinungen dazu hören. o:)


    Folgendes: ich bin 31 und hatte noch nie eine Freundin.


    Nun glaube ich weder, dass es den einen Grund gibt, noch dass es ein so hochkomplexes Bündel an Problemen ist, dass man unmöglich entwirren kann.


    Es liegt wohl eher irgendwo dazwischen.


    Ich glaube, dass mein Kernproblem aus 2 Dingen besteht.


    1. meine Angst davor die ersten Schritte in der Kennenlernphase zu machen


    2. meine Befürchtung in einer Beziehung den Erwartung nicht zu entsprechen


    Zur Erläuterung:


    Ich habe so eine Art Sozial Phobie. Ich schreibe extra "so eine Art", weil es eigentlich keine ist, aber die meisten sich darunter eher etwas vorstellen können.


    Ich habe in meinem Alltag keine Probleme damit. Einkaufen gehen oder beruflich gibt es keine oder zumindest wenig Schwierigkeiten.


    Bei mir kommen die typischen Ängste bei geselligen Situationen. Wenn ich mit Freunden unterwegs bin. Auf einer Kirmes oder in einer Bar oder so.


    "Wie wirke ich?"


    "Mach/sag jetzt bloß nichts dummes, sonst blamierst du dich."


    In Bezug auf Frauen ansprechen sind die Ängste noch einmal bedeutend größer.


    Hierbei kommt noch hinzu, dass vorausgesetzt wird(?), dass der Mann die ersten Schritte macht.


    Ansprechen, das erste Date vorschlagen, der ersten Kuss, den ersten Sex initiieren.


    Wenn ich mich in solch eine Situation hineindenke, kommen mir so Gedanken wie:


    "Woher weißt du, ob sie das überhaupt will? Von dir?"


    "Was wenn du etwas falsch oder ungeschickt machst? Da blamierst du dich bis auf die Knochen!"


    Doch wenn wir jetzt mal hypothetisch annehmen ich hätte das alles irgendwie hingekriegt, kommt die andere Hälfte des Kernproblems.


    Die Erwartungen in einer Beziehung.


    Wenn man liest was den meisten Frauen wichtig ist kommen Dinge wie: Humor, aktiv sein, reisen und auf gar keinen Fall "langweilig" sein.


    Das kann man selbstverständlich nicht pauschalisieren, aber einige Punkte werden doch häufig genannt.


    Mich persönlich setzt das unter Druck.


    Ich bin ein eher ruhiger Typ. Ich bin ein leidenschaftlicher Film-Fan. Mich begeistert alles was mit Filmen und Filme machen zu tun hat. Daneben liebe ich Musik, spiele gerne Gitarre.


    Ich gehe zwar gerne ins Kino und auf Konzerte, aber vor allem letzteres macht man ja nicht jede Woche.


    Ich habe einen überschaubaren, aber doch recht großen Freundeskreis, mit dem ich mich in regelmäßigen Abständen treffe und etwas (ruhiges - keine Clubs) unternehme.


    Nichtsdestotrotz bin ich die meiste meiner freien Zeit zu Hause.


    Da kann man mich jetzt Stubenhocker nennen, ist sicherlich nicht verkehrt, aber ich gehe meinen Hobbys/Interessen nun mal gerne nach.


    Wenn ich mir dann vor Augen halte was (vermeintlich) Frauen wollen, kommt mir das vor als müsste ich eine Rolle spielen. Der Pausenclown der auf Knopfdruck gute Laune verbreitet, mit Konfetti wirft und: "Stimmung!!" ruft.


    Diese Vorstellung finde ich extrem anstrengend. Mir ist bewusst, dass eine Beziehung nicht nur aus Sonnenschein, sondern auch aus Arbeit und Kompromissen besteht. Dennoch glaube ich, dass wenn ich ganz ich selbst bin, wohl zu langweilig für die meisten Frauen bin.


    Diese Dinge sind hauptsächlich dafür verantwortlich, dass ich (bis auf ein- zwei Online Versuchen) noch nie eine Frau angesprochen/angeflirtet habe.


    Zusammengefasst: Ich müsste all meine Ängste bekämpfen, sehr viel Qual und Pein ertragen, um dann permanent eine Rolle zu spielen, damit ich nicht wieder verlassen werde.


    So und jetzt seid ihr dran. :-)


    Natürlich sitzen diese Ängste tief und sorgen für eine verzerrte Wahrnehmung.


    Wo würdet ihr sagen klaffen Realität und meine Wahrnehmung am meisten auseinander?


    Wo ist vielleicht etwas dran?


    Was könnt ihr gar nicht nachvollziehen?


    Andere Dinge die euch aufgefallen sind?


    Es mir hier nicht darum, dass ihr mir jetzt sagt was ich tun muss damit meine Probleme verschwinden und ich eine Freundin kriege. Da muss ich schließlich alleine durch.


    Aber über ein paar Wortmeldungen oder eine Diskussion würde ich mich freuen. @:)


    Grüße


    Hal_9000

  • 12 Antworten

    Hallo :)


    Interessante These, die du da aufgestellt hast.


    Als aller Erstes, bitte nicht erschrecken, denn ich bin eine...... FRAU -BUH!- ]:D


    So und jetzt im Ernst.


    Wenn ich mir so deine Ansichten/Einstellungen zu Frauen durchlese wirkt es so als würdest du Frauen als ein anderes Wesen beschreiben. Wie ein Biologe der Bakterien beobachtet, wie diese sich verhalten.


    Aber der springende Punkt ist: Frauen sind Menschen, genau wie du.


    Das heißt es gibt "langweilige" Frauen, aktive Frauen, Frauen die genau das mögen, was du beschrieben hast, Frauen die genau das Gegenteil von dem mögen was du beschrieben hast, Frauen die ihre ganze Freizeit in Clubs etc verbringen und Frauen die ihre Freizeit auch gerne überwiegen oder auch nur zu Hause verbringen...


    Eine Frau ist doch rein vom Menschlichen her nichts anderes als ein Mann. Wir sind alles Menschen. Mach dir das vielleicht einfach Mal bewusst. Es gibt Frauen, die pfeifen auf die gesellschaftlichen Gepflogenheiten, von wegen "Der Mann macht die ersten Schritte".


    Verstell dich nicht, sei du selbst und dann ziehst du auch die passenden Menschen/Frauen an, denen das gefällt. ;-D


    Interessant wäre für mich persönlich wie der Bezug bisher zu Frauen in deinem Leben war (außer der Tatsache, dass du nie wirklich eine angesprochen hast). Hast du in deinem Freundeskreis auch Frauen? Also Kumpelinen? Wie war deine Mutter so und wie ist euer Verhältnis zu einander? Hast du Schwestern? Wie sieht da euer Verhältnis aus? Wie war es in der Schule mit Mädchen oder gar Lehrerinnen?


    Liebe Grüße ]:D

    Das allerwichtigste dürfte sein, dass Du Dir darüber im klaren wirst, warum Du überhaupt diese Ängste hast.

    Zitat

    "Wie wirke ich?"


    "Mach/sag jetzt bloß nichts dummes, sonst blamierst du dich."

    ja, aber was wäre schlimm daran? Wovor genau hast Du da Angst?


    Alles in allem kratzt Du mit Deinem Beitrag psychologisch noch ziemlich an der Oberfläche.


    Der Druck bzw die Erwartung in der Beziehung - also, Du beschreibst da zwar die vermeintlichen Erwartungen der Frauen, aber hast Du den gar keine? Wieso sollten die der Frauen wichtiger sein? Warum kannst nicht genauso Du selber sagen "ich bin halt ein Stubenhocker, dass muss sie akzeptieren"?


    Also, da ist was "unter der Haube" bei Dir, was hinter all diesen Problemen steckt. Angst, Minderwertigkeit, etc. Das musst Du erstmal herausarbeiten. Der Rest folgt dann von selber.

    Achja, die Frau. Das unbekannte Wesen. ;-D


    Nee mal ehrlich. Es ist schon so, dass ich das meiste was mit Beziehungen, Liebe, Sex und so, nicht verstehe. Wahrscheinlich kommt deshalb Biologe aus mir raus. :[]


    Aber um deine Fragen zu beantworten:


    Zu meiner Mutter habe ich ein distanziertes Verhältnis. Wir sind zwar Nachbarn (ich weiß %-| ) aber es beschränkt sich darauf, dass man sich grüßt, wenn man sich begegnet. (Sie hat keinen Schlüssel zu meiner Wohnung und ich mache in meinem Haushalt alles alleine. Nur um das vorwegzunehmen. :=o )


    Ich habe eine Schwester, aber die sehr ich meist nur Weihnachten.


    In der Schule war es so, dass ich erst mit Mädchen in Kontakt gekommen bin, als meine Freunde die ersten Freundinnen hatten. Seitdem hat sich das geändert.


    Heute besteht mein Freundeskreis ziemlich genau 50/50 aus Männern und Frauen. Also zu Freundschaften bin ich ganz offensichtlich fähig. ;-D

    @ rr_2017

    Hast dich noch dazwischen geschoben als ich am schreiben war. Nun zu dir ;-)


    Naja, was soll ich sagen? Blamierst du dich gerne? Bist du gerne das Gespött anderer? Mir ist durchaus bewusst das das irrationale Ängste sind. Vorhanden sind sie trotzdem. ???


    Darüber hinaus bin ich auch der Meinung, dass man immer man selbst sein sollte. Das bin ich auch eigentlich immer. Nur hat mich das bisher ja nicht weit gebracht.


    Und da ich ja das Problem habe und nicht die Gesellschaft oder Frauen als solches, muss es ja zwangsläufig an mir liegen.


    Lange Rede kurzer Sinn: ich bin immer offen und ehrlich über meine Ansichten und Interessen, nur hält sich die Begeisterung der Frauen eher in Grenzen.


    Zumindest ist das mein Eindruck o:)

    Hallo Hal_9000,


    ich kann einige Deiner Ängste sehr gut nachvollziehen, da ich diese als Teenie auch hatte. :-)


    Ich weiß natürlich nicht, auf was sich Deine Ängste begründen, aber ich kann Dir sagen, was es bei mir war: mangelhaftes Selbstbewusstsein.


    Ich war mit mir selbst nicht im Reinen, hielt mich nicht für attraktiv genug, um mit potentiellen Partnerinnen auf Augenhöhe zu sein. Auch ich dachte mir stets: mach jetzt bloß keinen Fehler, sag nicht das Falsche, kam dabei regelrecht ins Schwitzen.


    Grund hierfür waren wohl hauptsächlich negative Erlebnisse in der Schulzeit (Mobbing).


    Das Ganze hat sich dann durch ein paar positive Erlebnisse und einigen Veränderungen an meinem Körper (Gewichtsverlust, Erlangen eines attraktiveren Körperbaus durch viel Sport, usw.) geändert.


    Als ich dann mit mir selbst zufrieden war, kam auch ein gewisses Maß an Selbstvertrauen zurück. Das strahlte ich dann wohl auch aus und so kam Eins zum Anderen. Meine "Sozialphobie" verschwand und ich konnte "plötzlich" gut mit Frauen.


    Worauf ich hinaus will: wie steht's mit Dir... bist Du mit Dir selbst zufrieden? Findest Du Dich attraktiv (genug)?


    Nach meiner persönlichen Erfahrung, lohnt es sich, zuerst hier anzusetzen. ACHTUNG: das soll jetzt keinesfalls heissen, dass Du ein Adonis sein musst, um bei Frauen anzukommen. Bitte nicht falsch verstehen! Es geht hauptsächlich darum, ob Du mit Dir selbst zufrieden bist. :-) Denn das ist in meinen Augen ein wichtiger Punkt.


    Wegen der Erwartung in eine Beziehung: hier möchte ich Dir unbedingt ans Herz legen, dass Du Dich in einer Beziehung nicht verstellen solltest. Eine Rolle zu spielen schaffst Du nicht auf Dauer und Du wirst nicht glücklich.


    Ich vermute, die wenigsten von uns haben in der ersten Beziehung gleich die Beziehung fürs Leben gefunden. Nicht wenige Menschen benötigen viele Anläufe, bis der oder die Richtige dabei ist. That's Life. Wenn Du "die Richtige" an Deiner Seite hast, dann ist das ein Mix aus gleichen, aber auch aus gegensätzlichen Meinungen, Einstellungen, Hobbies, usw. Zu einer Beziehung gehören stets auch Kompromisse und Absprachen. Beziehung heisst "Arbeit", im positiven Sinn.


    Du wirst in einer Beziehung ziemlich schnell merken, ob sich diese Arbeit lohnt, oder ob es keinen Sinn macht.


    Grundsätzlich schreibst Du sehr vernünftig und es scheint so, als wärst Du ein sehr reflektierter Mensch. Das ist schon mal ein sehr guter Anfang. Alles andere bekommst Du - meiner Meinung nach - hin. Wenn Du einerseits Dein Selbstvertrauen stärkst und andererseits mit einer gewissen Leichtigkeit in eine Beziehung gehst, wirst Du das ganz sicher meistern.


    *:)

    mir gings letztlich selber lange jahre so wegen den von dir erwähten punkten.irgendwelche ängste/blockaden in mir, die verhindert haben, dass ich eine bestimmte schwelle überschreite. teils auf sehr bizarre art - ich lag mal halbnackt mit einer dame im bett und passiert ist ausser kuscheln trotzdem nichts, oder ich wurde offensiv angebaggert und anstatt mich drauf einzulassen, bin ich weggelaufen.


    deine antwort ist eigentlich keine. Klar blamiert sich niemand gerne. aber bedeutet das "ich kann an diesen ängsten nix machhen"? ich denke, genau diese blockade musst du lösen.


    und da kann (sollte) man sich schon fragen, was ist WIRKLICH schlimm daran, wenn ich mich ggf mal blamiere. ist es "einfach etwas doof" oder werden da sehr viel schlimmere ängste ausgelöst?

    Das Problem ist, je länger dieser Zustand dauert, desto nervöser wirst Du. Du stehst Dir selbst im Weg, wie Du gut erkannt hast. Wie kommt man aus dem Dilemma raus?


    Zunächst mal hilft nur Übung. Fang an, Frauen kennen zu lernen. Das macht man normalerweise in der Schule oder später auf der Uni, wo man in Pausen oder auf Parties schlicht genug Gelegenheiten hat. Danach wird es langsam schwieriger, weil man im Alter von 30 Jahren und im Arbeitsleben ja nun kaum noch ständig auf Parties geht und wenn dann sind da oft alle fest liiert. In Discos und ählichem steht man wieder vor dem Problem, jemanden ansprechen zu müssen. Da ist mitunter das online dating vielleicht eine Option. Tinder oder was auch immer. Da kann man ganz unspektakulär aus der Ferne den Kontakt knüpfen und beim 1:1 Date dann kommt man schon irgendwie klar.


    Wichtig ist, sich mal zu entspannen. Man muß nicht eine Frau ansprechen mit dem festen Vorsatz, die Dame heiraten zu wollen. Einfach mal kennen lernen und gucken, was kommt. Bzw. man muß sich beim ansprechen (ob nun real oder online) auch nicht auf die Kandidaten beschränken, die perfekt scheinen und zum heiraten sind. Mit Frauen, die nicht so ganz attraktiv sind, unterhält es sich für den Anfang viel unverkrampfter.

    @ Furious

    Ein mangelndes Selbstbewusstsein ist in diesem Bereich bei mir sicherlich auch vorhanden.


    Ich habe bis vor ca 10 Jahren noch 120kg gewogen. Ich habe dann durch eine Ernährungsumstellung 40kg abgenommen und konnte das Gewicht auch bis heute halten.


    Halte ich mich für attraktiv? Eher nicht. Bin ich häßlich wie die Nacht? Wohl auch nicht. Ist mein Selbstbild ein (weiteres) Problem? Bestimmt.

    @ rr2017

    Ich kann dir keine besonders detailiertere Antwort geben.


    Nur soviel: wenn es nur halb so wild wäre, wie: "Oachja, gibt Schlimmeres. Kommt vor.", wäre es ja kein großes Problem. Meine Ängste gehen in die Richtung sich total zu blamieren. So sehr, dass es auch weiter erzählt wird und man zum Gespött der ganzen Stadt wird und nicht mehr vor die Tür treten kann.


    Das ist, wie gasagt, vollkommen irrational und auch eher unwahrscheinlich. Vorhanden sind diese Befürchtungen trotzdem. ":/

    Genau daran musst Du halt arbeiten. Herausfinden warum genau das alles so schlimm wäre, und daran dann arbeiten. Typischer Fall für kogntitive Verhaltenstherapie.


    Du machst Dein Selbstwertgefühl stark von der vermeintlichen Wertung durch andere abhängig.

    @ Hal_9000 Du hast erwähnt,

    dass du ein Filmfreak bist, dich auch für Musik begeisterst, warum setzt du nicht gezielt bei deinen Interessen an?


    Ich hab meinen Ex-Freund auch über ein Filmforum kennengelernt, er war auch eher ein Einzelgänger mit wenig Erfahrungen mit Frauen, aber über die gemeinsamen Interessen konnte man einen ungezwungenen Kontakt aufbauen, aus dem dann mehr wurde.


    Ich denke, wenn man unsicher ist, sollte man sich in dem Terrain aufhalten, was einem vertraut ist.


    Ich weiß nicht, ob Tinder für den Anfang so super geeignet für dich wäre, das ist schon ne ziemlich oberflächliche Sache und bringt glaub ich nicht so viel.

    Zitat

    Halte ich mich für attraktiv? Eher nicht. Bin ich häßlich wie die Nacht? Wohl auch nicht. Ist mein Selbstbild ein (weiteres) Problem? Bestimmt.

    Dann gilt es, genau da anzusetzen. :-)


    Du solltest lernen, Dich und Dein Äußeres zu mögen, bzw. gut zu finden. Wer mit sich selbst zufrieden ist, strahlt das (meiner Meinung nach) auch aus und es ergibt ein ganz anderes Bild als jemand, der immer ein "niemand findet mich gut" im Hinterkopf hat.

    Den Tipp von Kirsten finde ich übrigens sehr gut! :)^


    Wenn Du auf einem Themengebiet quasi ein "Heimspiel" hast, weil Du Dich sehr gut auskennst, dann ergibt sich viel leichter ein gutes Gespräch mit anderen. Zudem findest Du eher jemanden mit ähnlichen Interessen.