Schädigende Streitkultur

    Hallo zusammen,


    aus den jüngsten Ereignissen und meiner Verzweiflung heraus habe ich mich hier im Forum extra angemeldet um mein Problem in meiner Beziehung zu diskutieren. Freunde und Familie möchte ich nicht da mit hineinziehen oder sind befangen, drum heule ich mich hier mal aus aber hoffe auch auf konstruktive Beiträge...


    Zu mir: Bin männlich, 33 Jahre alt und lebe mit meiner Freundin (29) seit mehr als drei Jahren zusammen.


    Wir vertragen uns in vielerlei Hinsicht auch sehr gut, jedoch mag ich nicht darüber sprechen sondern über die dunkle Seite unserer Beziehung ]:D wenn es zwischen uns nunmal zum Streit kommt (soll in vielen Beziehungen vorkommen hab ich mir sagen lassen :-p ).


    Spass bei Seite:


    Auch wenn es normal ist dass man sich mal in den Haaren hat, läuft es so ziemlich seit Anbeginn der Beziehung so dass meine Freundin sehr inflationär mit der Trennung umgeht sodass ich nach mittlerweile über drei Jahren eine gewissen emotionale Gleichgültigkeit aufgebaut habe wenn sie wieder einmal wegen einer Kleinigkeit (das ist natürlich subjektiv) abhaut und die Trennung ausspricht. Zumindest habe ich bisher nichts schlimmes verbrochen dass eine Trennung wirklich gerechtfertigt wäre und da dass so ist wird halt fleißig unterstellt und verdreht bis zur Unkenntlichkeit der Wahrheit.


    Leider sind diese Trennungen nicht alles was meiner Meinung nach falsch läuft, denn dann wenn wir gerade im Gespräch sind und diskutieren/streiten werde ich regelmäßig im Raum stehengelassen wenn ihr die Argumente ausgehen...es fließen oft dann auch plötzlich Tränen. Hinterher werde ich dann meist an den Pranger gestellt dass ich sie nicht tröste wenn sie weinen muss wobei sie von mir nicht erwarten kann getröstet zu werden wenn sie mich angreift und ich mich verteidige und meist ihre Vorwürfe und ihre Unterstellungen entkräften kann. Ich denke dass sie die Situation dann zu ihren Gunsten drehen möchte indem sie versucht mir ein schlechtes Gewissen zu machen weil ich sie nicht tröste nachdem sie mir verbal auf die Fresse gehauen hat und ich mich mit Argumenten verteidigt habe.


    Ich weiß da jedenfalls nicht mehr weiter wie ich ihr es noch anders erklären kann dass zwischen uns offensichtlich etwas falsch läuft. Eigentlich müsste ich bei einem Angriff derjenige sein der weinen und nicht sie. Ich weiß nicht woher sie das so gelernt hat mit dem Partner so umzugehen, ich lebe ihr das jedenfalls nicht so vor und mache es ihr auch nicht nach.


    Bei diesen ganzen Problemen habe ich mich auch schon öfter mit ihr hingesetzt und ihr erklärt wie ich persönlich dieses Verhalten erlebe und was es in mir anrichtet. Die ständigen Trennungen haben mich kalt demgegenüber gemacht wenn sie einmal mehr abhaut und sich trennt da ich weiß dass sie eh wiederkommt. Das mag wahrscheinlich jetzt ziemlich arrogant klingen, jedoch hat sich gezeigt dass wir uns tatsächlich immer wieder danach versöhnt haben was bei mir zu einer Art emotionalen Gleichgültigkeit geführt hat und ich sie heute einfach gehen lasse und ihr das als Ventil lasse, auch um ihr Gemüt etwas abkühlen zu können.


    Dass diese Trennungsdrohungen nicht mehr den gewünschten Effekt haben wie am Anfang unserer Beziehung versteht sie zumindest jetzt als generell emotionale Trennung meinerseits und als Grund die Weiterführung der Beziehung in Frage zu stellen. Dabei verwechselt sie jedoch Ursache und Wirkung indem sie mich nun versucht zu beschuldigen die Beziehung nicht mehr zu wollen weil ich mich ja eh schon emotional getrennt habe ???


    Ich bin an einem Punkt der Verzweiflung angelangt, sie macht nun komplett zu, kann oder will nicht verstehen dass ihr Verhalten die Ursache ist und die Wirkung -nach über drei Jahren- meine Gleichgültigkeit hervorgebracht hat weil sie trotz Gesprächen trotzdem immer so weiter gemacht hat. Sie versucht alles so zu drehen um von ihrem Verhalten abzulenken, fängt an zu weinen wenn ihr die Argumente ausgehen und so kann man sowieso nicht vernünftig kommunizieren.


    Dass sie sich ständig Trennt scheint zumindest System zu haben wie ich erfahren haben, denn ich weiß aus verlässlicher Quelle dass ihre letzte Beziehung genau daran gescheitert ist. (Er trennte sich deshalb von ihr)


    Ich weiß nun nicht mehr was ich in dieser Situation tun soll, Gespräche bringen nichts da sie mich irgendwann immer ignoriert, keinerlei Einsicht zeigt dass vielleicht was dran sein könnte dass ich unter ihrer Art leide. Sie gelobte zwar Besserung und wir versuchen uns an Beziehnungsratgeber zu halten, jedoch funktioniert dass nur bis sich sich aus eine Laune heraus entscheidet es wieder auf ihre Art zu machen während ich mich allerdings an die Regeln halte sollte.


    Auch wenn es einige vielleicht nicht nachvollziehen können, liebe ich meine Freundin sehr und sie ist ausserhalb dieser Stresssituation die Beste, tollste und liebste die ich je kennengelernt habe...jedoch leiden immer unsere Gefühle darunter und es geht dabei immer etwas mehr kaputt wenn man sich auf diese hässliche Art streitet...


    Gibt es hier jemanden der ähnliche Erfahrung gemacht hat oder Ratschläge hat wie ich an die Situation herangehen kann?

  • 6 Antworten

    puh, das klingt ganz schön anstengend und tatsächlich würde wahrscheinlich auch bei mir jedesmal ein wenig gefühl auf der strecke bleiben.

    Zitat

    Ich weiß nun nicht mehr was ich in dieser Situation tun soll, Gespräche bringen nichts da sie mich irgendwann immer ignoriert, keinerlei Einsicht zeigt dass vielleicht was dran sein könnte dass ich unter ihrer Art leide.

    wann redet ihr denn über ihr streitverhalten? sprichst du das direkt während des konflikts an, oder (viel) später? wie lange "trennt" sie sich denn von dir, bis sie wieder auf der matte steht?

    Solch ein manipulatives Exemplar hatte ich auch schon. Es bringt nichts, es auszusitzen, wenn sie nicht fähig ist, sich selbst zu spiegeln. Dass ihr diese Fähigkeit zu fehlen scheint, zeigen die vorangegangenen Beziehungen, die aus diesem Grund anscheinend gescheitert sind. Mein Rat: wenn sie nicht einsichtig ist, trenne dich. Du kannst sie nicht therapieren. Und passe auf, dass ihr kein Kind in die Welt setzt.

    Tja, wie findet man in einer Diskussion Zugang zu jemandem, der ermaßen irrational reagiert?


    Wie kommuniziere ich, ist meist Bestandteil jeder ersten Sitzung einer Paarberatung, vielleicht solltet ihr da auch mal hin. Es gibt ein paar Strategien, wie man friedlich diskutieren kann.


    Zunächst mal wäre da die grundlegende Erkenntnis, dass Meinungsverschiedenheiten normal sind und man die ausdiskutieren kann, ohne dass das gleich ein Streit wird.


    Wichtig ist, dass man bei sich bleibt, ohne den anderen anzuschuldige. "Ich fühle mich schlecht..." statt "Du hast gemacht". Was nicht eben einfach ist, wenn man sich schlecht fühlt, eben weil der andere etwas macht. Bekomme ich selber auch nicht so recht hin ;-D


    Man kann versuchen, für das Diskutieren Regeln aufzustellen. Sucht euch gezielt zwei Mal pro Woche einen tag aus, eine Stunde am Abend, wo ihr EIN Thema beackert. Erst redet der eine, dann reflektiert der andere das gesagte. Alles korrekt verstanden? Dann darf der andere seine Sicht kund tun und der erste reflektiert das gesagte. Vielleicht versucht sie mal dabei nicht zu heulen oder rauszurennen, das löst nämlich auf Dauer kein Problem!


    Wenns im Gespräch nicht klappt, hilft es mitunter mal, das schriftlich zu machen. Einen langen Brief oder eine email kann man ohne Emotionen ganz in ruhe schreiben, ohne dass da einer dazwischen fährt. Und der andere kann auch in Ruhe lesen, mehrmals, und in Ruhe antworten. Heulen und rausrennen ist dann vermutlich kein Thema, wenn man alleine eine mail liest. In der mail würde ich ganz explizit ansprechen, dass es Dir daran gelegen ist, dieses oder jenes Thema in Ruhe mit ihr zu bereden und sie dabei nicht verletzen möchtest und es keine Lösung ist, rauszurennen, zu weinen oder sich zu trennen. Das rüber zu bringen, ohne dass sie sich angegriffen fühlt ist sicher nicht einfach.


    Last not least: Probleme gibt es in jeder Beziehung. Wenn einer der beiden Partner sich Lösungen permanent verweigert und lieber den anderen mit Tränen und Trennungen zu erpressen versucht, dann scheitert eine Beziehung. Irgendwann ist jede Geduld erschöpft.

    @ Seherin

    Ich spreche es direkt im Streit an, also ich staue es nicht auf. Sobald ich sie aber beschuldige die Ursache meiner Gleichgültigkeit zu sein bzw. allgemein Kritik an ihr äußere macht sie dicht und wirft mir vor dass ich ja nur am kritisieren sei und kein schönes Wort für sie übrig hätte. Aber in dieser Situation fällt es mir ehrlich gesagt schwer wenn mir etwas vorgeworfen und gar unterstellt wird dann auch noch nett zu sein oder sie zu umarmen...das ist doch auch normal.

    @ Ralph_HH

    Wir hatten mal eine Abmachung dass wir zu einer Paartherapie gehen wenn sie es nicht schafft einen Monat diese Art von Streitverhalten zu unterlassen. Ich weiß diese Abmachung klingt sehr naiv und irgendwie auch kindisch, aber ich sah zum damaligen Zeitpunkt eine Chance die uns positiv beeinflussen könnte. Sie war jedenfalls auch damit einverstanden und obwohl es innerhalb dieses einen Monats wieder vorkam, hielt sie sich letztendlich nicht an unsere Abmachung und sie lehnt bis heute eine Paartherapie ab weil sie ihr zu teuer sei...als ich sagte ich bezahle sie allein lehnte sie trotzdem diesmal Grundlos ab...


    Ich denke auch dass eine Therapie für uns beide der richtige Weg wäre und einen Versuch wert...egal wie es ausgehen mag, dümmer werden wir davon sicherlich nicht. Allerdings kämpfe ich hier gegen Windmühlen denn mittlerweile ist ihre Lösung sich eine eigene Wohnung zu suchen nur sehe ich da nicht unser Problem begraben. Wenn wir getrennt wohnen wird sie ihre Art sicherlich nicht plötzlich ändern, mit ihrem Ex-Freund wohnte sich nämlich auch nicht zusammen. Aus meiner Sicht verschließt sie die Augen vor dem eigentlichen Problem, deshalb auch die Ablehnung einer Therapie. Ich denke sie hat Angst dass ihr jemand anderes dasselbe sagt wie ich wenn wir streiten. Ein Teufelskreis ":/

    Nachtrag

    @ Seherin

    Sie bleibt einige wenige Stunden bis hin zu mehreren Tagen von mir getrennt, es ist unterschiedlich. Wenn sie Freunde (etwas weiter weg) in ihrer Heimat allein besucht kommt es auffallend oft vor dass wir uns streiten und sie sich trennt, ich vermute weil sie sich in ihrer Heimat dann einfach unabhängiger fühlt und mich eh nicht braucht...dort hat sie ja ihre Freunde. Jedenfalls wird die Trennung dann auch gern mal eine ganze Woche aufrecht erhalten und sobald sie wieder hier ist ändert sich schlagartig ihre Streitlust in Wohlwollen um und sie sagt mir wie sehr sie mich doch liebt, braucht und vermisst hat.

    Zitat

    Leider sind diese Trennungen nicht alles was meiner Meinung nach falsch läuft, denn dann wenn wir gerade im Gespräch sind und diskutieren/streiten werde ich regelmäßig im Raum stehengelassen wenn ihr die Argumente ausgehen...es fließen oft dann auch plötzlich Tränen. Hinterher werde ich dann meist an den Pranger gestellt dass ich sie nicht tröste wenn sie weinen muss wobei sie von mir nicht erwarten kann getröstet zu werden wenn sie mich angreift und ich mich verteidige und meist ihre Vorwürfe und ihre Unterstellungen entkräften kann.

    Da lese ich raus, dass du rational argumentierst und auch auf der rationalen Ebene bleibst. Sie fühlt sich emotional überfordert, reagiert dann emotional und weint, und weil du nicht auch auf die emotionale Ebene wechselst, fühlt sich das für sie noch viel schlimmer an. Kann es so sein?