Schöne Beziehung nach schlechter Erfahrung - wie löse ich mich von der Vergangenheit?

    Ich habe einen ganz liebevollen, tollen, achtsamen Partner gefunden aber merke, dass ich immer noch in der Vergangenheit hänge teilweise. Wie aktualisiere ich mein System?


    Kurz ein paar Worte zur Vergangenheit. Ca. 6 Jahre Ehe, lieblos, Expartner hat mein Selbstwertgefühl ziemlich getreten, habe alles alleine gemacht, 1 Kind, Pflegegrad 4, 90 % Grad der Behinderung, ich habe es von Anfang an alleine gepflegt und auch als neue Diagnosen dazu kamen (Hirntumor etc.) hat er nicht wirklich gekümmert oder interessiert. Ich habe länger an dem Ganzen gehangen als es mir gut tat, und am Ende meiner Tochter zuliebe losgelassen.


    Jetzt habe ich einen unglaublichen Partner gefunden. Als wir zum ersten Mal gekuschelt haben, habe ich danach geweint, weil es so schön war. Er gibt mir alles was ich jahrelang vermisst habe und akzeptiert meine Tochter und mich und unterstützt uns tatkräftig.


    Dennoch habe ich öfter so Flashbacks, und Sachen die an den "Jahrestagen" also vor genau einem Jahr oder genau 2 Jahren passiert sind (negatives) erinnern mich dann an die Situationen mit dem Exmann. Was er gesagt hat. Ich merke wie anders alles sein kann, wie schön und wie einfach, wie konfliktfrei und dennoch hänge ich teilweise noch so in diesen alten "Szenen" und bin gerade erst dabei die loszulassen.


    Dadurch kann ich das Neue nicht so genießen wie ich gerne möchte und fühle mich oft noch "eingefroren".


    Habt ihr Ideen wie ich besser "loslassen" kann?

  • 8 Antworten

    Genießen, genießen, genießen. Die Zeit muss diese Wunden wohl heilen.


    Weiß der neue Partner von deiner Vergangenheit? Dann könntest du direkt mit ihm drüber sprechen, wenn es dich mal wieder "einfriert".

    Eine der Szenen von vor ca. einem Jahr mit dem Ex:


    Wir kamen mit einer Tumordiagnose aus einer speziellen Kinderklinik und haben danach auf dem sehr langen Rückweg noch ein einem Hotel geschlafen. Zuvor war ich mit unserer Tochter 8 Wochen zuhause wegen Krankheit und ich war mit ihr eine Woche alleine in der Diagnostik der Kinderkrebsklinik. Mein Exmann hatte uns abgeholt. Auch in den 8 Wochen Krankheit zuvor nur zuhause, völlig abgeschottetes Leben, keine Mithilfe oder Beteiligung vom Exmann. Er sagte dann am Morgen als wir aus dem Hotel aufbrachen: "so, jetzt konntest du eine Nacht auswärts schlafen, jetzt hattest du ja deinen Spaß" - abwertend und völlig ernst gemeint. Er reagierte damit auf meine "Beschwerde", dass ich soviele Wochen mit meiner Tochter alleine zuhause war. und unsere Tochter hatte da gerade eine Tumordiagnose erhalten, wie gesagt.


    ich bin im Nachinein noch immer über soviel Kälte geschockt und davon gibt es viele Situationen und mir fällt es schwer das loszulassen im Nachiniein.

    diesdas2020 schrieb:

    Eine der Szenen von vor ca. einem Jahr mit dem Ex:

    Du wirst solche Szenen wohl noch immer wieder durchleben müssen. Aber mach dir klar, dass du jetzt eben in einer ganz anderen Situation bist und dass dein jetziger Partner ganz anders drauf ist.


    Und ansonsten, halte dich an das, was Verhueter schon geschrieben hat. Genieß die neue Partnerschaft, bau neue gute Erinnerungen auf und sprich ggf. mit deinem neuen Partner drüber.

    Dass sich schlimme seelische Demütigungen in Seele und in die Synapsen im Kopf einbrennen, wie eine Tattoo "einbrennen" (sinnbildlich gesprochen), ist nach so einer Zeit der Kälte und Ablehnung schwer zu ertragen. Blendet sich ungefragt wieder und wieder in Dein aktuellen Leben rein. Ich weiß auch verschiedenen Lebensphase, dass dies Teil der inneren Verarbeitung ist und dazu gehört, um dieses "Seelenmüll" loslassen zu können. Noch überwiegen, die Jahre der inneren Qualen, Erinnerungen setzen ein an bestimmten "Gedenktagen", die ungewollt wieder in Dir die Dominanz übernehmen.


    Ich würde empfehlen, mit anderen Menschen Kontakt aufzunehmen, die in in einer ähnlichen Lage gelebt haben, die aber in ihrer seelischen Entwicklung schon weiter vorangeschritten sind.


    Es kann Deinen neuen Partner zunehmend "verletzen", ohne das Du es möchtest, wenn er mit den schlechtesten Phasen Deines Lebens zu oft konfrontiert wird. Das ist schwierig, diesen Balance-Akt zu schaffen, ihn, obwohl ihr beide so glücklich zufrieden seid mit eurem Paarleben, er gefühlt zum "Lückenbüßer" wird, wenn durch zu intensive Gespräche über eure Vergangenheit altes in Dir neu aufgewühlt wird. Dein neuer Partner benötigt ohnehin sensible Kraft und Energie für eure besondere Familiensituation, die gänzlich anders im Alltag gemeistert werden muss, als ein Familienleben mit gesunden aktiven Kindern.


    Nutzt die Hilfen der Krankenkassen, verbringt so weit es die Situation zulässt, gemeinsame Paarzeit, die ihr zusammen zum gemeinsamen Auftanken nutzen könnt. Diese benötigt ihr, um den schwierigen Spagat zwischen intensiver Pflege Deiner Tochter, damit eure neue Liebe, als zarte Pflanze weiter gedeihen kann. Es wäre schade, wenn Deine alten Verletzungen zu viel Raum gewinnen und deshalb zusätzlich negative Energien entstehen, die eure positive Basis in trauriger Form mit beeinflusst.


    Deine Vergangenheit lässt sich nicht ungeschehen machen, aber Du kannst lernen sie Stück für Stück loszulassen, sie mit schönen und neuen Ritualen zusammen mit Deinem Partner überschreiben. Neue "Gedenktage" für eure junge Familie entstehen lassen.


    Tausche Dich mit Menschen aus, die ähnliches erlebt haben. Auf diese Art, entlastest Du Dich und Deinen Liebsten in angenehmer Weise, weil er nicht in die Rolle hineinrutscht das auffangen zu müssen, was er nicht verursacht hat. In groben Zügen, wird er Dein Leben bereits kennen, aber ihn zu tief in die Vergangenheit zu involvieren, kann ihn überfordern, wenn ein gewisses Maß dabei überschritten wird. Ich wünsche euch auf diesem besonderen Weg, alles erdenklich Gute und viel Kraft. :)*@:)

    Vielleicht hilft es dir, dich hinzusetzen und einen Brief an deinen Ex zu schreiben. Du sollst ihn nicht abschicken. Aber schreib auf, was dich verletzt und gedemütigt hat. Lass alles raus.

    Und dann mach dich frei für die Liebe @:)

    Es wird noch eine Zeit dauern, vielleicht wirst du immer Flashbacks haben. Aber sie werden weniger. Mit einem liebenden Partner an deiner Seite schaffst du das.

    Versuche doch vielleicht mal Dein Denkmuster zu ändern.


    Ich hatte auch so eine "kalte" Beziehung und noch heute, nachdem sie 16 Jahre vorbei ist und ich mehrere Jahre sehr glücklich mit meinem Mann bin, habe ich solche Flashbacks.Nicht häufig, aber sie kommen. Ich träume sogar mehr oder weniger regelmäßig (1-2 Mal im Jahr) noch von ihm.


    Weißt Du was ich dann mache? Denke? Letztendlich fühle?

    "Zum Glück ist das Alles vorbei. Es war schlimm, aber jetzt, jetzt bin ich glücklich - was habe ich es doch gut getroffen!"


    Also eine Art positives Denken, das Schlechte ins Positive reinholen. Nimm das negativ Erlebte nicht mit hinein in die Beziehung, aber lass' es zu als eben geschehen. Metaphorisch gesprochen: Lasse es vor der Haustür stehen, im Garten, auf der Straße oder wo auch immer, schaue durch das Fenster, sieh ihm ins Gesicht und dann drehe Dich um und schaue bewußt auf Dein neues Leben.

    Flashbacks können nicht nur durch die Wiederholung von schlechten Momenten ausgelöst werden, sondern auch von guten, wenn die erwartete schlechte Reaktion ausbleibt. Es fühlt sich zum Teil noch komischer an, weil Verwirrung hinzukommt, dass es auch ganz anders als schlecht geht.


    Ich würde mir da keinen Kopf machen. Es ist auch ein gutes Zeichen, dass du grundlegend andere Erfahrungen machst. @:)

    diesdas2020 schrieb:

    Habt ihr Ideen wie ich besser "loslassen" kann?

    Annehmen, Absichtslosigkeit. Es ist passiert und du wirst es nicht ausradieren können. Versuch es gar nicht erst. Nimm die Flashbacks hin, dein neuer Partner wird vieles davon bald mit guten Erfahrungen "überschreiben".

    DieDosismachtdasGift schrieb:

    Ich würde empfehlen, mit anderen Menschen Kontakt aufzunehmen, die in in einer ähnlichen Lage gelebt haben, die aber in ihrer seelischen Entwicklung schon weiter vorangeschritten sind.

    Puh, ich weiß nicht, ob das nicht auch kitzlig sein könnte. Darunter werden auch ne Reihe von Menschen sein, die zwar irgendwie vorangeschritten sind, dabei aber auch viele negative Züge mitgenommen haben. Verbitterungen, Kompensationen... da rutscht man dann auch schnell bisschen mit rein. Ich würd mich auf mich besinnen und nur mit dem Partner drüber reden.