Schuldgefühle in Beziehungen oder nach Trennung

    hallo liebes forum,


    ich hatte hier schon einige male geschrieben. es ging immer mal hier und da um eine männliche bekanntschaft.


    aus aktuellem anlaß eröffne ich mal ein neues thema.


    ich habe immer wieder männliche bekanntschaften, wo es zu anfang nach beziehung aussieht. er verliebt, ich verliebt. nach einiger zeit kippt das ganze. bisher ist es aber nicht immer gekippt. es kippt nur dann, wenn ich den "partner" auf sein geändertes verhalten ansprechen. mit dem verhalten meine ich, daß sich die männer auf rückzug begeben. ich hatte allerdings auch schon diverse männer, die ihr verhalten nicht geändert haben sondern gleichbleibend lieb oder zuvorkommend waren. in solchen momenten muß ich sie natürlich auch auf nichts ansprechen.


    wenn ich die männer auf ihr verhalten anspreche, die eben solches ändern, entwickelt sich meist eine abwärtsspirale. ich spüre, es stimmt was nicht, kann mich nicht mehr wohlfühlen, hake nach etc. pp. meistens ziehen sich diese männer dann zurück. eigentlich sagt mir mein gefühl, daß ich ja nicht nachhaken würde, wenn alles in ordnung wäre. mein nachhaken kann die männer dann schon nerven. das haben diese auch geäußert.


    im nachhinein habe ich immer gedacht, gut, daß ich so früh meine antwort hatte... denn scheinbar war das interesse auch nicht wirklich da... aber: mich packen danach immer extreme schuldgefühle. ich fühle mich schuldig, daß die beziehung sich nicht weiterentwickelt hat... an sich habe cih ein sehr gutes "gespür" bzw. bauchgefühl. ich spüre sehr gut, wenn etwas mit dem mann nicht stmmt und ich bekomme warnzeichen von innen. dennoch höre ich da nicht drauf...


    ich gehe seit 2 monaten zu einer psychologin, die mir immer wieder gesagt hat, daß diese schuldgefühle absolut nicht berechtigt sind, da es ja einen grund gab, wieso ich so nachgehakt habe und in dem moment geklammert habe. bei anderen männern, wo alles super läuft, bin ich die lockerheit in person. ich klammere nicht, ich lasse freiräume, ich lasse die männer ihre freunde und freundinnen treffen etc... dennoch führen diese schuldgefühle, die ich dann habe, dazu, daß ich in tiefe selbstzweifel stürze, daß ich teilweise psychisch gar nicht gut drauf bin... zumal die männer dann auch kommunizieren: du warst nervig.


    jetzt habe ich wieder einen aktuellen fall. er zog sich immer mehr zurück, ich habe nachgefragt. von ihm kam so gut wie nichts mehr, aber beenden wollte er es auch nicht. dann flog er zu seiner exfreundin nach thailand. und obwohl es so ist, sehe ich die schuld bei mir und nicht bei ihm...


    wie komme ich da raus? kennt jemand das? wie kann ich endlich einsehen, daß ich keine schuld trage???


    vielen dank schonmal.


    oktoberkind

  • 1 Antwort

    Liebes Oktoberkind.


    So, wie du deine Problematik schilderst, klingt es nach einer empirischen Studie. Es scheint sich um eine Unzahl von Männern zu handeln, woraus man die Vermutung ableiten kann, dass es eine "repräsentative Menge" ist (Statistiker brauchen – glaube ich – 104 Personen, dann können sie alles hochrechnen). Vielleicht SOLL man das aber auch nur so vermuten.

    Zitat

    ich habe immer wieder männliche bekanntschaften, wo es zu anfang nach beziehung aussieht.

    Zitat

    ich hatte allerdings auch schon diverse männer, die ihr verhalten nicht geändert haben sondern gleichbleibend lieb oder zuvorkommend waren

    Zitat

    wenn ich die männer auf ihr verhalten anspreche, die eben solches ändern, entwickelt sich meist eine abwärtsspirale

    Zitat

    meistens ziehen sich diese männer dann zurück.

    Das alles suggeriert, dass du in deinem Leben (wie alt ist du?) eine Unzahl von Männern als Partner hattest, aus denen du diese "Studie" erstellt hast. Ich rate dazu, es etwas tiefer zu hängen und vielleicht kannst du auch mal eine Gesamtzahl angeben. Ich halte deine Schlussfolgerungen nämlich nicht für sinnvoll.


    Noch weniger sinnvoll erachte ich deine Ableitung in Sachen SCHULD. Und die Frage, wie du da heraus kommst, sollte dir auch deine Psychologin beantworten können: indem du aufhörst nach SCHULD zu suchen und anfängst, die URSACHEN herauszufinden.


    Diese Ursachen sind nämlich ebenso vielfältig, wie es die Männer sind, mit denen du zusammen warst. Dabei sollte man allerdings im Auge behalten, dass es tatsächlich zwei Konstanten gibt:


    1. die unterschiedlichen Erwartungen von Mann und Frau an eine Beziehung, bei denen Männer grundsätzlich Fluchtendenzen zeigen, wenn Frauen ein starkes Nähe- und Versorgungsbedürfnis an den Tag legen.


    2.die völlig normalen Distanzierungsvorgänge, die sich immer am Ende der Verliebtheitsphase (also etwa nach 6-8 Monaten) einstellen. Das, was wir als LIEBE bezeichnen, beginnt erst mit dem Ende der hormongesteuerten Verliebtheit. Und das geht nicht von selber, sondern es muss von beiden gestaltet werden. Dabei stört IMMER, dass einer von beiden mehr Distanzierungsbedürfnis hat als der andere. Und das sind tatsächlich meistens die Männer, wenn auch nicht immer.


    Bevor du also nach Schuld suchst, wäre die Suche nach den Ursachen wichtiger. Und dabei können diese beiden Punkte vielleicht schon helfen. Was garantiert nicht hilft, ist, deine Männer in Schubladen zu packen, um daraus Schlüsse zu ziehen.


    Was aber helfen kann, ist, die Gründe dafür herauszufinden, warum du glaubst, dass es immer einen SCHULDIGEN geben muss. Das mag dir als Kind beigebracht worden sein. Es ist aber nicht sinnvoll, daran festzuhalten. Die meisten Betrachtungen verändern sich völlig, wenn man das Wort "Schuld" aus dem Wortschatz streicht.


    In der individuellen Geschichte eines jeden Menschen gibt es Erfahrungen, die ihn dazu bringen, auf bestimmte Verhaltensweisen zu reagieren. Und die sind – abgesehen von den oben genannten Punkten – sehr unterschiedlich. Es ist nicht hilfreich, sie in Schubladen packen zu wollen, um dabei die eigene Schuld zu isolieren und mit diesen Schuldgefühlen dann eine Last herumzutragen, die kaum einer neuen Beziehung dienlich ist.


    Mir stellt sich eher die Frage, wieso solch eine große Zahl von Männern deinen Lebensweg ziert und wie lange diese Beziehungen überhaupt gedauert haben. Vor allem also die Frage, ob diese Beziehungen überhaupt die Chance hatten, die hormongesteuerte - und damit selbstlaufende – Verliebtheit zu überstehen. Bei Menschen, bei denen das so ist, liegt nämlich die Vermutung nahe, dass sie "Hormon-Junkies" sind und einfach immer wieder die frische Verliebtheit brauchen. Was LIEBE wirklich bedeutet, wie sie ihre Grundlagen findet und wie sie über Jahre gestaltet und verbessert wird, erleben solche Menschen nämlich gar nicht.


    Ich unterstelle dir nichts, aber vielleicht hinterfragst du mal so einiges abseits der Schuldfrage.