"Sei nicht so sensibel, das bildest du dir bloß ein."

    Hallo liebes Forum!

    Ich möchte gerne eure Meinung zu diesem Thema hören:

    Was löst es in euch aus, wenn jemand zu euch sagt "Das bildest du dir bloß ein"? Wie fühlt ihr euch? Ich bin gerade in so einer Situation und fühle mich richtig übergangen und in meinen Gefühlen nicht ernst genommen.

    Etwas konkreter: Mein Partner ist fürsorglich und intelligent, würde ihn aber nicht gerade als Stimmungskanone bezeichnen. Tendenziell würde ich sogar behaupten, seine Grundstimmung geht sehr ins Negative und er wirkt oft gleichgültig/zäh/genervt und etwas kühl. So kam es vor ein paar Tagen zu der Situation, dass wir Einkäufe zu erledigen hatten. Ich hatte ihm im Vorfeld bereits gesagt, wenn er keine Lust hätte, gehe ich lieber alleine – er kam aber mit. Den ganzen Tag hatte er diesen leicht genervten Tonfall und Gesichtsausdruck, als würde ihm alles missfallen; als er dann bei einem kleinen Gefallen (eine Sache von max. 5 Minuten) so richtig genervt und ungeduldig wurde, platzte mir der Kragen und ich sagte ihm, er solle in diesem Tonfall nicht mit mir reden, das verletze mich.

    Daraufhin eine Diskussion, die wir schon öfter hatten: Ich bilde mir das doch bloß ein, sein Tonfall sein komplett normal. (Ja, mit seinen Kumpels spricht er so und da mische ich mich auch nicht ein. Er weiß aber sehr wohl, dass ich diese genervte Art als stark unpassend und verletztend empfinde. Ich muss doch nicht immer seine Stimmungen aushalten.) Dass er mir nun unterstellt, ich würde mir das alles nur ausdenken und mir damit meine Gefühle quasi abspricht, kränkt mich sehr. So, als wären meine Gefühle nicht legitim...

    Dabei höre ich ihm umgekehrt auch zu, wenn er (als leichter Hypochonder) mal wieder Panik schieb wegen einem "leichten Schmerz" irgendwo, der dann meist innerhalb kurzer Zeit wieder verschwindet. Da höre ihm aber zu, nehme seine Sorgen ernst und versuche ihn zu beruhigen, weil ich weiß, dass es sich für IHN real anfühlt.

    Habe ich da einfach einen total unempathischen Mann erwischt? Oder übertreibe ich? Natürlich verunsichert mich, dass er es als Kleinigkeit abtut, ich mich aber nicht respektiert und wahrgenommen fühle. Bin in der Hinsicht generell sehr sensibel und nehme oft kleinste Schwankungen in Tonlage und Gesichtsausdruck bei anderen Menschen wahr. Er meint dann oft, er sei einfach müde und das ist ja in Ordnung, aber selbst in müdem Zustand kann ich mich als erwachsener Mensch doch artikulieren und in normalem Ton mitteilen: "Bitte lass mich mal eine Zeit lang in Ruhe" anstatt meine Laune am anderen auszulassen und dann für den trotz schlechter Laune verrichteten Gefallen (wohlgemerkt sehr ungehalten und unhöflich) zu erwarten, dass der andere dankbar sein soll. Da würde ich's gleich lieber selber machen. Das habe ich auch so kommuniziert. Oder habe ich zu hohe Ansprüche? Erwarte ich zu viel? Bin gerade sehr verunsichert...

    Ansonsten finde ich ihn fürsorglich und verlässlich, er übernimmt Tätigkeiten im Haushalt (oft mehr als ich), kümmert sich um mich, wenn ich krank bin und kann bei anderen Themen (die nicht unbedingt uns betreffen) auch mal einfühlsam sein. Aber wenn es um meine Gefühle geht bzw. ich Kritik an seinem Verhalten übe, kann er das nicht so richtig nachvollziehen und wird zum Eisblock. Mir geht es dabei um Grundlagen in Kommunikation und respektvolles Miteinander – und habe oft das Gefühl, ich müsse ihm das alles erklären, von selbst kommt er nicht drauf.

    Jetzt gerade bin ich zutiefst traurig, dass er zu solchen ungerechten Techniken greift (Gefühle lächerlich machen, absprechen), um eine nicht gewollte Diskussion zu beenden. Wie sollte ich denn beweisen, dass es "nicht nur in meinem Kopf ist"? Das ist quasi das Totschlagargument schlechthin, um einem Streit auszuweichen.

    Wie seht ihr das? Findet ihr, dass ich da überreagiere? Oder sind meine Gefühle gerechtfertigt? Durch seine Bemerkungen bin ich stark verunsichert und möchte gerne mal andere Meinungen dazu hören – gerne auch kritisch und direkt. Danke! @:)

  • 99 Antworten

    Du hast das schon ganz richtig erkannt- es ist ein Totschlagargument und es beendet jede sinnvolle Diskussion, jmd zu sagen, er sei zu sensibel und er bilde sich nur etwas ein. Ich finde weder, dass du überreagierst, noch etwas zu kritisieren an dir.


    Wo wir dann bei ihm wären. Er wird sich nicht mehr ändern. Sein Verhalten ist in seinem Charakter und seiner Persönlichkeit "verstrickt". Wäre er 15, dann könnte man sagen, das wächst sich raus, aber jetzt nicht mehr. Du musst daher für dich überlegen, ob und wie du damit zurecht kommst. Dass dich sein Verhalten sehr traurig macht, würde ich zb sehr deutlich zeigen und auch nicht gleich wieder zur Tagesordnung übergehen. Ansonsten würde ich wirklich ganz tief in mich hinein horchen und überlegen, ob der Rest zwischen euch stimmt. Sei es dir wert, gut und gleichwertig von deinem Partner behandelt zu werden.

    Schafwolke schrieb:

    Wie seht ihr das? Findet ihr, dass ich da überreagiere? Oder sind meine Gefühle gerechtfertigt?

    Gefühle sind erstmal immer gerechtfertigt.


    Ich glaube auch nicht, dass du überreagierst. Ich meine, jeder kann mal nen miesen Tag erwischen und ich gehöre selbst zu der Fraktion Menschen, die das nicht immer ganz hervorragend kommunizieren können. Da kommt dann schnell eins zum anderen und wenn man dann noch irgendeinen Gefallen erledigen soll, blöcke ich meine Freundin auch mal doof an. Im Nachhinein können wir aber meist darüber reden und die Sache klären und mir ist dann auch bewusst, dass ich in der Situation unpassend reagiert habe.


    Das ist ein Stück weit auch einfach normal, wenn zwei Menschen viel Zeit miteinander verbringen - manchmal werde ich auch seitens meiner Freundin angemotzt und dann hab ich doch auch das Recht darauf, erstmal verletzt zu sein. Insbesondere, wenn es gar nicht an mir liegt, dass das Gegenüber so geladen ist, sondern am Stress auf der Arbeit oder mit Freunden.


    Ich glaube also nicht, dass dein Partner da besonders unempathisch ist. Es passiert eben einfach und im Idealfall würdet ihr beide dran arbeiten, dass es weniger passiert oder dass ihr besser damit umgeht.

    Dass er dir aber abspricht, dass das überhaupt passiert ist, bzw. dass du ein Recht darauf hast, verletzt oder empört zu sein, verhindert aber eben genau das.


    Bleibt er denn felsenfest dabei, auch wenn du ihm nochmal erklärst, warum du so empfindest, wie du empfindest? Denn wenn er sich da nicht beirren lässt, kommt das nicht mal unempathisch rüber, sondern aus meiner Sicht ziemlich egoistisch. Er darf dir gegenüber seinen genervten Tonfall haben - weil er sich genervt fühlt - aber er spricht dir das Recht ab, dich genervt zu fühlen. Dadurch missbraucht er dich dann irgendwo als Kummerkasten und lässt seinen Stress an dir aus, möchte aber nicht deinen Stress ertragen müssen. Das gehört in Beziehungen aber dazu.

    Ich seh bei euch beiden Macken, Anstellerei und auch "Recht haben".

    Ich bleibe mal bei deinem Beispiel mit dem Tonfall:


    Wahrscheinlich bildest du es dir nicht ein, sein Tonfall ist wirklich irgendwie "nicht normal", selbst wenn es nur eine leichte Verschiebung ins gereizte/gestresste/laute/streitlaunige o.ä. ist. Aber: Dann isses so. Ich empfinde einen Hinweis auf seinen Tonfall dann also genauso unnötig. Für ihn ist es eben normal, in diesen Situationen solch einen Tonfall zu haben. Insofern is ein "Dein Tonfall ist nicht normal" schonmal hinfällig. Dass er reflexartig sagt, der Tonfall wäre wie immer, ist einerseits "Totschlagargument", andererseits eben auch nicht - du kannst über das eigentliche Problem beliebig weiter sprechen. Nur das Herumgekreise um den Tonfall dabei würgt er damit ab; und das ist ja auch nicht verkehrt, ewig über seinen Tonfall zu reden wäre arg loriot-esk.
    Dass seine genervter Tonfall für dich "verletzend" ist, heißt nicht, dass er das auch sein soll. Du unterstellst ihm damit eine gewisse Absicht, die aber nicht vorhanden sein muss. Vermutlich will er seine Kumpels genauso wenig verletzen, wie dich. Die störts deshalb ja auch nicht.

    Und wenn eines "respektlos" ist, dann beides. Nicht nur sein Tonfall, sondern auch dein Hingeweise. Denn als erwachsener Mann darf er einen Tonfall anschlagen, wie es ihm beliebt, egal ob dir das gefällt oder nicht. ich finde aber beides nicht respektlos und halte es auch für wenig zielführend, zum eigentlichen Problem immer noch dieses Problem "Werde nicht respektiert!" obendrauf zu packen. Er könnte es genauso behaupten, dass du ihn nicht respektierst, weil du ihm seine Art zu sprechen ankrittelst.

    Tendentiell bin ich da wohl eher bei deinen Mann. Dein Beispiel ist zwar nicht sehr konkret, aber bei dem, was ich mir darunter vorstelle, denke ich mir nur eins: Anstrengend. Wenn man sich streitet oder gereizt ist, ist eben auch der Tonfall entsprechend. Ich würde wohl kaum langfristig aushalten, wenn jemand dann jeeedes Mal persönlich beleidigt, verletzt, gekränkt oder sonstwas ist. Darfst du alles sein. Nur isses eben auch nicht immer angebracht und verhältnismäßig.

    Schafwolke schrieb:

    Da höre ihm aber zu, nehme seine Sorgen ernst und versuche ihn zu beruhigen, weil ich weiß, dass es sich für IHN real anfühlt.

    Das ist erstmal gut gemeint, aber womöglich trotzdem das Falsche.
    Einen Hypochonder immer wieder zu berühigen, wenn er Rückversicherung will, führt zu einem Teufelskreislauf. Beruhigen hilft ihm eigentlich gar nicht, sonst wär er kein Hypochonder mehr.
    Genauso bringt es dir nichts, wenn er dich beruhigt und weniger genervt spricht. Es sagt nichtmal was drüber aus, was er denkt. Er könnte auch einfach die Hülle ändern, sich aber denken "Jaja gut ich bin leise sonst tickt die Alte wieder aus und labert rum von wegen Respektlosigkeit" - DAS wäre fies.


    Lasst euch doch beide einfach mal sein, wie es eben kommt.

    Schafwolke schrieb:

    Er meint dann oft, er sei einfach müde und das ist ja in Ordnung, aber selbst in müdem Zustand kann ich mich als erwachsener Mensch doch artikulieren und in normalem Ton mitteilen: "Bitte lass mich mal eine Zeit lang in Ruhe" anstatt meine Laune am anderen auszulassen und dann für den trotz schlechter Laune verrichteten Gefallen (wohlgemerkt sehr ungehalten und unhöflich) zu erwarten, dass der andere dankbar sein soll. Da würde ich's gleich lieber selber machen. Das habe ich auch so kommuniziert. Oder habe ich zu hohe Ansprüche? Erwarte ich zu viel? Bin gerade sehr verunsichert...

    Ihr seid euch gar nicht so ungleich ;-D Nur merkt mans oft eben nur beim anderen.

    Man könnte auch sagen: Wenn du empathisch bist, merkst du ohne erst zu fragen, ob er kaputt ist und du die Aufgabe lieber allein machen sollst. Er tuts aber dir zuliebe. Nur eben nicht freudenstrahlend. Ist dir auch nicht recht. Jepp, finde ich zu viel erwartet, dass der Gute dann immer perfekt funktionieren und reagieren muss. Das wird vermutlich in keiner Beziehung jemals passieren, dass du nicht mal ne genervte Reaktion kassierst.

    Schafwolke


    Soll ich Dir mal erzählen wann ich bei meinem Mann sicher war, dass ER es ist?

    Wir waren erst kurz zusammen, zwei, drei Monate. Und er reagierte auch recht schroff auf eine normale Frage von mir. Da es mir hier geht wie Dir:


    Schafwolke schrieb:

    Bin in der Hinsicht generell sehr sensibel und nehme oft kleinste Schwankungen in Tonlage und Gesichtsausdruck bei anderen Menschen wahr.

    habe ich das auch angesprochen und ihm gesagt, dass ich sowas überhaupt nicht mag. Erst war auch so eine Reaktion im Sinne von "Hä? War doch gar nichts, wieso reagierst Du jetzt so?". Aber keine 10 Minuten später setzte er sich zu mir, nahm meine Hand und sagte "Ich habe das wirklich nicht so gemeint und auch selbst nicht so gemerkt oder gesehen - wenn es für Dich so war dann tut es mir leid"...da war es endgültig um mich geschehen x:). Weil er mir damit gezeigt hat, dass er meine Gefühle, meine Wahrnehmung respektiert und ernst nimmt.


    Und auch heute noch, viele Jahre später kommt es ab und zu vor, dass ich eher als er merke, dass er irgendwie schlechte Laune hat, weil er schroffer als sonst ist. Ich weise ihn drauf hin und lasse ihn dann in Ruhe, wieder keine 10 Minuten später schauen wir uns an, er nimmt meine Hand oder/und ich grinse, von ihm kommt ein "Ach Bella...kennst mich doch" und alles ist wieder gut. Ich fühle mich da ernst genommen.

    (Umgekehrt gilt das natürlich genauso!)



    Schafwolke schrieb:

    Dass er mir nun unterstellt, ich würde mir das alles nur ausdenken und mir damit meine Gefühle quasi abspricht, kränkt mich sehr. So, als wären meine Gefühle nicht legitim...

    Das ist übel.

    Klar, es kann sein, dass Du (so wie ich auch ;-)), da etwas empfindlich bist. Doch das ist legitim, es ist ja nicht so, dass Du einen Aufstand machst oder (selbst) rumzickst. Du sagst es ihm nur.

    Er soll ja nicht auf den Knien vor Dir rumkriechen, sondern Dich und Deine Empfindlichkeit in diesem Punkt erst mal nur sehen und ernst nehmen.

    Schafwolke schrieb:

    Habe ich da einfach einen total unempathischen Mann erwischt? Oder übertreibe ich?

    Nein Du übertreibst nicht, aber ich würde auch nicht sagen, dass Du da einen "total unempahtischen" Mann erwischt hast ;-)


    Schafwolke schrieb:

    aber selbst in müdem Zustand kann ich mich als erwachsener Mensch doch artikulieren und in normalem Ton mitteilen: "Bitte lass mich mal eine Zeit lang in Ruhe" anstatt meine Laune am anderen auszulassen und dann für den trotz schlechter Laune verrichteten Gefallen (wohlgemerkt sehr ungehalten und unhöflich) zu erwarten, dass der andere dankbar sein soll.

    Ich bin (heute) der Ansicht, dass es ok ist Fehler zu machen, bzw. Macken zu haben, über das Ziel mal hinauszuschießen - wichtig ist wie man damit im Nachheinein umgeht. Zu erkennen, dass man einen anderen Menschen eventuell verletzt oder auch respektlos behandelt.

    Es ist schwer wenn man zu schlechter Laune neigt diese komplett zu unterdrücken - aber die Auswirkungen sollte man kennen und auch in der Lage sein sich dafür zu entschuldigen. Ich denke, eine Reaktion von ihm wie ich sie oben beschrieben habe würde Dir auch ausreichen. Ein Erkennen des eigenen Verhaltens und vor allem auch ein Ernstnehmen was Dich angeht?


    Schafwolke schrieb:

    Oder habe ich zu hohe Ansprüche? Erwarte ich zu viel?

    Nein, hast Du nicht und tust Du nicht.

    DU mußt Dich wohlfühlen mit diesem (einem) Menschen.

    Wie oben gesagt: Es ist ok wenn ein Mensch manchmal etwas schroff ist - er sollte dann aber auch in der Lage sein zu erkennen wenn es dem Anderen damit schlecht geht und sich im Nachhinein dementsprechend verhalten. Respektvoll und ernstnehmend.

    Schafwolke schrieb:

    Jetzt gerade bin ich zutiefst traurig, dass er zu solchen ungerechten Techniken greift (Gefühle lächerlich machen, absprechen), um eine nicht gewollte Diskussion zu beenden. Wie sollte ich denn beweisen, dass es "nicht nur in meinem Kopf ist"?

    Du mußt nichts beweisen.

    Und es ist ja in Deinem Kopf. Und dieser Deine Kopf hat einen Anspruch auf eigene Empfindungen.

    Es gibt da keine objektive Wahrnehmung. Du nimmst es subjektiv so wahr, es verletzt Dich und entweder kann er darauf eingehen oder nicht. Hier gilt es nicht zu werten ob Du "zu empfindlich bist" oder sonstwas, sondern er muß für sich entscheiden ob er sich auf Deine Gefühle in der Hinsicht einlässt oder nicht. Dazu muß er sie aber auch ernst nehmen, das ist (in meinen Augen) Grundvorraussetzung.

    Wenn er das nicht tut, dann ist es -irgendwann- an Dir ob DU das noch weiter mitmachen willst.



    Und was andere Menschen in seinem Umfeld angeht:

    Wenn es seinem Kumpel Karl-Gustav egal ist, dann ist das die Sache von Karl-Gustav - auch dessen "Kopf" ist subjektiv und nicht zu verallgemeinern. Hier zu sagen "Karl-Gustav sagt ich bin ok so wie ich bin also stelle Dich nicht so an"....naja...spricht in der Tat nicht für eine hohe Empathiefähigkeit :-/

    Ich möchte es mal von der anderen Seite beleuchten, denn ich bin so jemand, dem von bestimmten Leuten immer wieder gesagt wird, mein Tonfall sei unpassend. Dazu gehören meine Eltern und mein Mann.


    Meine Freunde und auch meine Arbeitskollegen haben das noch nie zu mir gesagt. Jetzt bezweifle ich, dass ich mich in den 6h, die ich ja täglich mit meinen Kollegen verbringe massiv anders ausdrücke, als in den paar einzelnen Stunden pro Woche meinen Eltern gegenüber.


    Meine Arbeitskollegen haben mich als 17 jährige kennengelernt, in meiner wahrscheinlich Tonfall-technisch schnippischsten Teenie Zeit ]:D da kann man jetzt sagen, die kennen mich nur so und deshalb wäre es für sie normal.


    Ganz ehrlich gesagt, ich glaube es liegt eher an den Situationen selber und der jeweiligen Stimmung meines gegenübers, ob ich einen passenden oder unpassenden Ton treffe...


    Mit inzwischen fast 40 Jahren versuche ich natürlich meinen Eltern gegenüber (die mich ja mein Leben lang kennen) und auch meinem Mann gegenüber (der mich "erst" 9 Jahre kennt) etwas mehr auf meine Ausdrucksweise zu achten, da ich sie nicht absichtlich damit verletzen will.


    Wobei ich trotzdem ein Stück weit denke, es kommt eher drauf an WAS man sagt und dann erst WIE man es sagt. Wem das zu anstrengend ist, der darf sich selbst überlegen, ob er dann mit mir umgehen kann oder nicht, weil ab einem bestimmten Punkt ist das dann dessen Problem mit mir, und nicht zwangsläufig jedes mal meine Schuld. ;-)

    Wir sind ja meistens einer Meinung, aber hier...nicht wirklich ;-)

    mnef schrieb:

    Denn als erwachsener Mann darf er einen Tonfall anschlagen, wie es ihm beliebt, egal ob dir das gefällt oder nicht. ich finde aber beides nicht respektlos und halte es auch für wenig zielführend, zum eigentlichen Problem immer noch dieses Problem "Werde nicht respektiert!" obendrauf zu packen. Er könnte es genauso behaupten, dass du ihn nicht respektierst, weil du ihm seine Art zu sprechen ankrittelst.

    Sie packt da gar nichts drauf, sie kann mit so einem Tonfall einfach nicht. Es verunsichert sie.

    mnef schrieb:

    Ich würde wohl kaum langfristig aushalten, wenn jemand dann jeeedes Mal persönlich beleidigt, verletzt, gekränkt oder sonstwas ist. Darfst du alles sein. Nur isses eben auch nicht immer angebracht und verhältnismäßig.

    Es ist angebracht und verhältnismäßig wenn sie diesen Tonfall nicht mag, damit nicht kann.

    Hier muß man dann einen Konsens finden, einen Kompromis oder es passt eben einfach nicht.

    Aber ihre Gefühle zu werden von wegen "nicht angebracht" und "nicht verhältnismäßig" - ist schon wieder ein nicht-ernstnehmen.


    Wie gesagt, ich empfinde einen solchen Tonfall wie hier beschrieben auch sehr daneben. Bzw. seine Launen an dem Anderen auszulassen, als hätte man ein Anrecht darauf. So nach dem Motto: Meine Laune darf ich ausleben, ist eben so.

    Und auch wenn Du es glaubst oder nicht: Ich bin auch manchmal schroff, sehe es aber und breche mir keinen Zacken aus der Krone mich sofort dafür zu entschuldigen - spätestens wenn ich ein betroffenes Gesicht sehe.

    Ach, und bevor das mißverstanden wird:


    Bellaisadonna schrieb:

    Und auch heute noch, viele Jahre später kommt es ab und zu vor, dass ich eher als er merke, dass er irgendwie schlechte Laune hat, weil er schroffer als sonst ist. Ich weise ihn drauf hin und lasse ihn dann in Ruhe,

    Ich weise ihn nicht schulmeisterlich/oberlehrerhaft oder ähnlich drauf hin, sondern ich sage, dass ich auf so einen Ton keine Lust habe. ICH! Und dann gehe ich aus der Situation.

    Heißt: Er kann ja gerne weiter so machen, muß aber auf mich dabei verzichten.

    Ich mache also keinen Aufstand, ich grenze mich ab. Und das nimmt er ernst. Kommt auch vor, dass wir dann gar nicht mehr drüber reden, ist nicht nötig.

    Bellaisadonna schrieb:

    Sie packt da gar nichts drauf, sie kann mit so einem Tonfall einfach nicht.

    Doch, es geht dann nicht mehr um das, weshalb sie sich eigentlich gekabbelt (oder was auch immer) hatten, sondern zusätzlich wird die Meta-Ebene der unterstellten Respektosigkeit draufgepackt.

    Damit kann er eben einfach nicht.

    Bellaisadonna schrieb:

    Aber ihre Gefühle zu werden von wegen "nicht angebracht" und "nicht verhältnismäßig" - ist schon wieder ein nicht-ernstnehmen.

    Halt mal - ich habe das nicht geschrieben, sondern

    "Darfst du alles sein. Nur isses eben auch nicht immer angebracht und verhältnismäßig."


    Ansonsten hat sie um Wertung gebeten. Und wenn sie fragt "Übertreibe ich?" und ich anhand der Beispiele "Ja" meine, dann kann, darf und soll ich ihr das sagen. Nicht ernstnehmen würde ich sie, wenn ich sie in Watte packe und ihre Frage nicht beantworte, weil ich meine, sie würde es nicht verkraften. Kann sie aber. Sie wollte es wissen.

    (Insofern war meine Aussage eine ziemliche Binsenweisheit "Nur isses eben auch nicht immer angebracht und verhältnismäßig." Alles andere würde bedeuten "Alles was die TE empfindet ist immer angebracht und verhältnismäßig" - und nö, das ist "alles" nie und bei keinem Menschen)

    mnef schrieb:

    Doch, es geht dann nicht mehr um das, weshalb sie sich eigentlich gekabbelt (oder was auch immer) hatten, sondern zusätzlich wird die Meta-Ebene der unterstellten Respektosigkeit draufgepackt.

    Sie haben sich ja gar nicht gekabbelt, sondern er hat sie angeraunzt.

    WTF..."Meta-Ebene", "unterstellten Respektlosigkeit"? ;-D


    Sie fand seinen Ton daneben, hat ihm das gesagt und er nimmt das nicht ernst. Sagt, sie sei zu empfindlich etc. .

    Es geht hier nicht um die oder eine Kabbelei, es geht um einen Tonfall, ein Anraunzen mit dem sie nicht umgehen kann oder will. Und das wird runtergewischt, also nicht respektiert.


    (Folgendes rein fiktiv):

    Wenn ich zu meinem Mann gehe und ihm eine harmlose Frage stelle, sogar ein Angebot mache wie "Willst Du auch einen Kaffee?" und er reagiert mit "Man, ich bin doch grade beschäftigt, was willst Du?" ....sorry, dann mache ich kein Drama draus, sage aber schon "So nicht". In diesem Moment empfinde ich seine Reaktion noch nicht wirklich als respektlos - wenn er aber dann merkt, dass er über das Ziel hinausgeschossen ist, mich das getroffen hat und immer noch meint sein Verhalten sei ok - dann bekommen wir ein Problem. Verstehst Du was ich meine? Wenn dann ein kleines "Sorry, ich war grade etwas...." was- auch- immer... kommt oder, das muß noch nicht mal verbal sein, da reicht auch ein Blick und ich sage "Na, Arschloch, wieder beruhigt?" er grinst, ich grinse, er nimmt mich in den Arm....alles prima.


    Aber wenn er einen Anspruch darauf erhebt so mit mir zu reden, das völlig ok findet, meine Gefühle nicht nur ignoriert, sondern auch noch runterspielt oder abwertet - dann hätten wir definitv ein Problem (wir wären wahrscheinlich auch nicht verheiratet).

    Bellaisadonna schrieb:

    WTF..."Meta-Ebene", "unterstellten Respektlosigkeit"?

    Joa ;-D

    Er sollte z.B. irgendwas machen, war aber genervt, hats trotzdem getan und dann eben genervt geredet. So. Das ist das Problem in der Situation.

    Alles drüber, was man da analysiert und definiert, ist Meta.
    Und das ist manchmal echt müßig.
    Menschen haben Launen, Menschen raunen sich genervt an.
    Für dich ist das "Runterwischen", für mich wäre es "Nicht hochwischen", was er tut.

    Bellaisadonna schrieb:

    Wenn ich zu meinem Mann gehe und ihm eine harmlose Frage stelle, sogar ein Angebot mache wie "Willst Du auch einen Kaffee?" und er reagiert mit "Man, ich bin doch grade beschäftigt, was willst Du?" ....sorry, dann mache ich kein Drama draus, sage aber schon "So nicht".

    Ja, eben!
    Genau so.

    Aber du sagst eben nicht "Du schlimmer Mensch, du nimmst meine Gefühle nicht ernst und behandelst mich immer so respektlos!", oder?

    Bellaisadonna schrieb:

    Verstehst Du was ich meine? Wenn dann ein kleines "Sorry, ich war grade etwas...." was- auch- immer... kommt oder, das muß noch nicht mal verbal sein, da reicht auch ein Blick und ich sage "Na, Arschloch, wieder beruhigt?" er grinst, ich grinse, er nimmt mich in den Arm....alles prima.

    Ja.
    Ich habe aber eher den Eindruck, dass es so weit eventuell gar nicht kommt, sondern die TE sehr schnell mit dem Vorwurf loslegt, er sei respektlos. Und da würde - um beim Beispiel zu bleiben - dein Mann doch vielleicht (?) auch sagen "Öhm, ja sorry für meine Reaktion, aber findest du es nicht übertrieben mich wegen einer genervten Antwort auf deine Kaffee-Frage so darzustellen"?