Selbstliebe vs Opferrolle: (Nicht-) Entwicklung in Beziehungen

    Inspiriert von einem andern Faden, möchte ich diesen hier gerne eröffnen.


    Ich habe keine persönliche Beziehungsfrage, sondern möchte einfach gerne eine ganz bestimmte "Perspektive" auf menschliche Beziehungen darstellen und zur Diskussion stellen. @:)


    In dem oben erwähnten Faden ging es um eine TE, welche immer wieder die Erfahrung von respektloser, liebloser Behandlung (in obigem Falle Kontaktabbrüche) in ihrer Paarbeziehung machen muss.


    Es ist meines Erachtens zu kurz gesprungen, in "schlechten" Beziehungen zu sagen, der andere (der, der sich nicht meldet, lügt, betrügt, sich nicht an Abmachungen hält...und vieles Denkbare mehr) ist ein Arschloch, das man nicht verdient hat.


    In meinen Augen sucht - oder bleibt man bei - solche(n) Menschen so lange, bis man bei sich selbst bzw. einer gesunden Form der Selbstliebe angekommen ist.


    Diese Partner stellen also so lange eine Plattform (wenn man so will eine "Schule") für einen dar, bis man selbst wählt wie man geliebt bzw. behandelt werden möchte.


    Es geht nicht darum, ob wir etwas "verdienen" durchzumachen bzw. "nicht verdienen" schlecht oder lieblos behandelt zu werden.


    Es ist einfach ein Teil eines persönlichen Weges, eines Prozesses. Somit ist ein "schlechter" Partner allem Leid zum Trotz, auch immer ein Geschenk, eine Einladung zum Wachsen. :)*


    Diesen Weg mit einem speziellen Partner - oder dass wir eventuell trotz Unglück bei diesem bleiben - wählen wir bewusst oder unbewusst selbst.


    **Ja, wir wählen selbst.


    Wir handeln, werden nicht be-handelt!**


    In diesen Zeiten haben die, die in einer Beziehung sehr unglücklich sind noch nicht die Möglichkeit, sich selbst dort hinaus zu retten, aus emotionaler Abhängigkeit und mangelndem Selbstwert.


    Meistens weil man im "schlechten" Partner verzweifelt nach dem Gefühl des geliebt Werdens (nicht nach Liebe!) , Anerkennung und damit auch "Aufwertung" sucht.


    Manche tun dies leider ein Leben lang. Leben für immer in dem Trugbild "es nicht besser verdient zu haben". :°_


    Es sind immer beide Partner, die eine Beziehungswirklichkeit gestalten.


    Ein "Opfer" gibt es hier nicht.


    Der Partner ist in solchen scheinbar destruktiven Verbindungen lediglich eine Art Spiegel, wie es in einem selbst aussieht:


    • Wieviel Selbstwert habe ich?


    • Was benötige ich, was muss ich lernen, wo muss ich wachsen, um zu dem Punkt zu kommen, an dem ich wirklich rundum erfasse was ich selbst brauche?


    • Wann kommt der Punkt an dem ich bewusst wähle eine schmerzhafte Beziehung um meiner Selbst Willen hinter mir zu lassen?


    Die Klärung dieser Punkte sorgt in meinen Augen dafür, dass es dann irgendwann möglich ist, wirklich liebevolle und ehrliche Paarbeziehungen zu führen.


    In diesem Konstrukt ist der vermeintlich "schlechte" Partner also ein Wegbereiter, eine Chance zu lernen und zu wachsen. Wenn man will, immer und immer wieder...


    Das Tragische daran ist, dass der nächste Partner scheinbar oft genau dieselben oder ähnliche "Mängel" aufweist. Dabei ist man es eigentlich selbst, der sich "weigert" zu wachsen, einen Schritt weiter zu gehen.


    Viele bleiben leider für immer in der Opferrolle, weil sie unvermögend sind Selbstverantwortung zu übernehmen.


    Ergo: Ich erfahre vom anderen immer genau die Behandlung, die ich denke dass ich sie verdiene.


    Es ist für einen Menschen unmöglich eine gesunde und wirklich glücklich machende Beziehung (ohne Abhängigkeit) zu führen, solange mangelnder Selbstwert, mangelnde Selbstliebe (im positivsten Sinne) in diesem gewachsen ist.




    Puh, das waren jetzt ganz schön tiefe Gedanken . :-)


    Ich hoffe einfach, dass jemand sich etwas mitnehmen kann, oder zum Nachdenken angeregt wird.


    Das Schönste wäre, wenn die vielen "Mein Partner behandelt mich schlecht" Fäden vielleicht davon profitieren würden.

    @ :) @:)

  • 104 Antworten
    Zitat

    **Ja, wir wählen selbst.


    Wir handeln, werden nicht be-handelt!**

    Das sollte fett sein:


    Ja, wir wählen selbst.


    Wir handeln, werden nicht be-handelt!


    Habe gerade beim erneuten Durchlesen einige Schreibfehler entdeckt.


    Bitte hängt Euch nicht an diesen auf. ;-)

    Zitat

    Ergo__**: Ich erfahre vom anderen immer genau die Behandlung, die ich denke dass ich sie verdiene.

    Nachdem ich glücklicherweise beziehungstechnisch (allgemein und in Partnerschaft) bisher nur in den Glückstopf gegriffen habe, könnte ich ja jetzt behaupten, dass das so ist.


    Aber ich finde das trotzdem sehr verallgemeinert, ich kann ja nur von mir sprechen. Von sich auf andere zu schließen fand ich schon immer ziemlich unzulässig.

    Zitat

    Nachdem ich glücklicherweise beziehungstechnisch (allgemein und in Partnerschaft) bisher nur in den Glückstopf gegriffen habe, könnte ich ja jetzt behaupten, dass das so ist.

    Das freut mich sehr für Dich, wie schön! :)^ @:)


    Mir ging es (Gott sei Dank!) ähnlich.


    Aber einigen in meinem näheren Umfeld leider nicht, und hör im Beziehungsforum eben leider auch oft nicht.

    Zitat

    Aber ich finde das trotzdem sehr verallgemeinert, ich kann ja nur von mir sprechen. Von sich auf andere zu schließen fand ich schon immer ziemlich unzulässig.

    Ich habe hier nicht von mir auf andere geschlossen.


    Nein, es ist so, dass ich der festen Ansicht bin, dass das oben beschriebene Prinzip in jeder Beziehung vorherrscht: Nur mit Selbstliebe kann man auch eine glückliche Beziehung führen.

    @ Freeredbird

    Zitat

    Ergo__**: Ich erfahre vom anderen immer genau die Behandlung, die ich denke dass ich sie verdiene.

    Diese Erkenntnis halte ich für äußerst fragwürdig.


    Denke nur mal an Personen, die in einer gewaltsamen Beziehung leben. Ich glaube kaum, dass diejenige Person, die dabei Gewalt erfährt, meint, das auch verdient zu haben. Jedenfalls kommt das eher selten vor. Außer ich habe dabei jetzt etwas grundsätzlich missverstanden.


    Den Ansatz finde ich dennoch hochinteressant. Erinnert mich stark an das Prinzip "self-fulfilling prophecy", dem ich in meinem Leben schon öfters begegnet bin; ist wohl auch mittlerweile regelmäßig Bestand einer Psychotherapie. Zumindest war das bei mir so.


    Dennoch sollte man hier nicht mit einer Schablone rangehen; dafür sind Beziehungen (und ihre Motive) zu verschieden.

    Zitat

    Denke nur mal an Personen, die in einer gewaltsamen Beziehung leben. Ich glaube kaum, dass diejenige Person, die dabei Gewalt erfährt, meint, das auch verdient zu haben. Jedenfalls kommt das eher selten vor. Außer ich habe dabei jetzt etwas grundsätglich missverstanden.

    Ein Mensch, der in einer gewaltsamen Beziehung bleibt (ich nehme jetzt mal Gesellschaften/Kulturen aus, in denen eine Trennung/Scheidung absolut und wahrhaftig unmöglich wäre) ist m.E. irgendwo tief in sich drin der Ansicht es nicht besser/anders verdient zu haben.


    Denn sonst hätte er/sie genug Selbstwert oder Selbstliebe sich selbst zu schützen und sich zu trennen.


    Oder die Trennung bleibt ein halbherziger Versuch, weil die emotionale Abhängigkeit einfach zu groß ist.


    Dahinter befindet sich aber immer ein eklatanter Mangel an Selbstliebe.


    Ich würde sogar soweit gehen zu behaupten, dass das die Massivität der schlechten Behandlung (bzw. das Dulden desselben) des Partners umgekehrt proportional ist zum Mangel an Selbstwert.


    Was ich damit nicht meine ist, dass Jemand irgendwie von Natur aus"minderwertig" ist o.ä. und damit schlechte Behandlung verdient hat. Dagegen möchte ich mein "Prinzip" klar abgrenzen. @:)


    Er hält sich nur selbst für minderwertig und trägt dies nach außen.

    Zitat

    Dennoch sollte man hier nicht mit einer Schablone rangehen; dafür sind Beziehungen (und ihre Motive) zu verschieden.

    Ich mein es nicht provokant oder als blindes "dagegenargumentieren" wenn ich sage:


    Doch, ich denke dass dieses Prinzip "Ich bekomme das vom Anderen gespiegelt was ich in mir trage" bzw. "Es gibt keine Opfer, kein be-handeln" auf alle Beziehungen anwendbar ist.


    Danke für Deinen Beitrag! *:)

    Ich finde das zu sehr vereinfacht. Meiner Meinung nach sollte man es zu erst einmal vermeiden Probleme beim Kennenlernen und am Anfang einer Beziehung mit Problemen lang anhaltender Beziehungen gleichzusetzen. Es macht einen großen Unterschied ob ich zwar immer wieder an Menschen gerate die mich schlecht behandeln, aber dann gleich gehe, oder ob ich mich seit vielen Jahren von ein und demselben Partner wieder und wieder schlecht behandeln lasse. Das zeigt ja schon zwei sehr verschiedene Persönlichkeitsstrukturen.


    Natürlich kann jeder oder jede ein- oder zweimal schlicht Pech haben, so beim Kennenlernen. Und ja, es gibt auch Menschen die über viele viele Jahre vorher vorhandene Selbstliebe und -achutng zerstören erodieren lassen können, manchmal sehr bewusst, manchmal unbewusst, man muss da nicht zwangsläufig schon von Beginn an ein Defizit gehabt haben.


    Ich finde also das es sehr auf den Einzelfall ankommt. Selbstachtung schadet sicher nicht, egal wobei im Leben, aber das ist kein statischer Wert den man behält nur weil man ihn einmal erworben hat. Dieser Wert unterliegt Schwankungen, äußeren und inneren Einflüßen und nur weil man gerade eine miese Phase hat muss deswegen eine Beziehung nicht gleich ins hässliche abdriften.


    Nebenbei haben auch die "Täter" in solchen Beziehungen in aller Regel ein Problem mit der Selbstachtung. Mangelnde Selbstachtung zeigt sich also nicht zwangsläufig darin das man sich schlecht behandeln lässt, sie kann sich auch dadurch enttarnen das man jemanden schlecht behandelt. Während der schlecht behandelte Part sehr wohl über emotionale Erpressung den kontrollierenden und stärkeren Teil der Beziehung ausmachen kann. Alles nicht so einfach.

    Zitat

    Denke nur mal an Personen, die in einer gewaltsamen Beziehung leben. Ich glaube kaum, dass diejenige Person, die dabei Gewalt erfährt, meint, das auch verdient zu haben. Jedenfalls kommt das eher selten vor. Außer ich habe dabei jetzt etwas grundsätzlich missverstanden.

    Doch, ich denke schon, dass diese Personen insgeheim überzeugt sind, das verdient zu haben. Denn was ist denn die logische Folgerung, wenn man meint, etwas nicht verdient zu haben? Man trennt sich. Wenn man das nicht tut, sich das Jahre antut, dann nur, weil man meint, das zu brauchen. Einen anderen Grund kann es dafür nicht geben. Man muss ja nur den Punkt erreichen, wo man sich selbst mal wichtiger nimmt als die Tatsache, dass man einen Partner hat.


    Oder anders gesagt: es nützt nichts, nur zu sagen, dass man etwas nicht verdient hat, sondern man muss auch entsprechend handeln, damit man ernst genommen wird.

    Zitat

    Meiner Meinung nach sollte man es zu erst einmal vermeiden Probleme beim Kennenlernen und am Anfang einer Beziehung mit Problemen lang anhaltender Beziehungen gleichzusetzen.

    Ich hätte eingangs differenzieren sollen, dass ich immer Beziehungen mit einer gewachsenen Dynamik meine, und nicht die Kennenlernphase.

    Zitat

    Ich finde also das es sehr auf den Einzelfall ankommt.

    Ich finde, der Eintelfall "schafft" die Details an der Oberfläche, oder wenn man so will die Performanz.


    Aber meines Erachtens ist das Grundprinzip eben universell. :)z

    Zitat

    Dieser Wert unterliegt Schwankungen, äußeren und inneren Einflüßen und nur weil man gerade eine miese Phase hat muss deswegen eine Beziehung nicht gleich ins hässliche abdriften.

    Natürlich tut er das! Wir sind ja alle Schwankungen unterlegen.


    Ist es allerdings nicht nur eine vorübergehende, schlechte Phase, sondern ein eklatanter Mangel an Selbstliebe führ das zu oben beschriebenen Dynamiken.

    Zitat

    Nebenbei haben auch die "Täter" in solchen Beziehungen in aller Regel ein Problem mit der Selbstachtung.

    Aber natürlich - diese Seite des "Spiels" ist ebenso komplex!

    Zitat

    Mangelnde Selbstachtung zeigt sich also nicht zwangsläufig darin das man sich schlecht behandeln lässt, sie kann sich auch dadurch enttarnen das man jemanden schlecht behandelt. Während der schlecht behandelte Part sehr wohl über emotionale Erpressung den kontrollierenden und stärkeren Teil der Beziehung ausmachen kann. Alles nicht so einfach.

    Da gebe ich Dir absolut recht.


    Auch darauf lässt sich allerdings anwenden:


    Es fehlt an Selbstliebe, und für das eigene Handeln wird der andere verantwortlich gemacht.

    Zitat

    Doch, ich denke schon, dass diese Personen insgeheim überzeugt sind, das verdient zu haben. Denn was ist denn die logische Folgerung, wenn man meint, etwas nicht verdient zu haben? Man trennt sich. Wenn man das nicht tut, sich das Jahre antut, dann nur, weil man meint, das zu brauchen. Einen anderen Grund kann es dafür nicht geben. Man muss ja nur den Punkt erreichen, wo man sich selbst mal wichtiger nimmt als die Tatsache, dass man einen Partner hat.


    Oder anders gesagt: es nützt nichts, nur zu sagen, dass man etwas nicht verdient hat, sondern man muss auch entsprechend handeln, damit man ernst genommen wird.

    Genau so ist es. :)z

    Zitat

    Man muss ja nur den Punkt erreichen, wo man sich selbst mal wichtiger nimmt als die Tatsache, dass man einen Partner hat.

    Und das geht nicht ohne Selbstliebe.

    Habe ich durchaus schon häufiger beobachten müssen. Manchmal sind die Dinge aber nicht nur schwarz oder weiss. Ich könnte so etwas nicht beurteilen, bevor ich nicht alle Details der Beziehung kenne.


    Deswegen bin ich auch eher der Meinung, dass Pauschalisierung hierbei nicht funktioniert. Nur meine persönliche Ansicht, wohlgemerkt.

    Zitat

    Ich mein es nicht provokant oder als blindes "dagegenargumentieren" wenn ich sage:


    Doch, ich denke dass dieses Prinzip "Ich bekomme das vom Anderen gespiegelt was ich in mir trage" bzw. "Es gibt keine Opfer, kein be-handeln" auf alle Beziehungen anwendbar ist.

    Empfinde ich nicht als provokant, das lädt eher zum Philosophieren ein. ;-D


    Wir gehen also mal von dem Fall aus, es gehen zwei Personen eine Beziehung ein, die von ihrem Wesen her kaum Unterschiede aufweisen, beide haben diesen eklatanten Mangel an Selbstliebe. Was würde gesetz deinem Prinzip dann passieren? Oder ist das genau die Voraussetzung, die man für eine gut funktionierende Beziehung brauch?


    Ich gebe offen zu, dass ich mir dieses Thema möglicherweise auch versuche schönzureden. Nach deiner Theorie würde ich nämlich in einer Beziehung landen, die mich auf Dauer nicht glücklich macht. :=o

    Zitat

    Ich hoffe einfach, dass jemand sich etwas mitnehmen kann, oder zum Nachdenken angeregt wird.

    Nein, in meinem Fall zumindest nicht. Ich kann selbstständig denken und brauche keine Nanny, die mich zum denken anregt.


    Warum bist Du nicht Kindergärtnerin geworden? Wärst Du damit eventuell glücklicher geworden?




    Deine Theorien sind übrigens an anderer Stelle in diesem Forum schon vielfach diskutiert worden. Aber ich erspare es mir, meine Meinung zu posten, weil Du an den Meinungen anderer User offensichtlich nicht interessiert bist.