Zitat

    Einen anderen Grund kann es dafür nicht geben.

    Oh doch, da kann es mannigfaltige Gründe für geben. Finanzielle Abhängigkeit, Angst, gemeinsame Kinder, keinen alternativen Wohnsitz, Androhung von noch schlimmerer körperlicher Gewalt bis hin zur Tötung etc. pp. - muss alles nicht zwangsweise durch mangelnde Selbstliebe ausgelöst werden.


    Ganz so linear läuft nicht jede Beziehung ab, dass bestimmte Muster dort greifen könnten.

    In Ordnung, also gewachsene Beziehungen.


    Gründe aus denen man in einer Beziehung verweilt obwohl man schlecht behandelt, ja im extremen Fall sogar geschlagen wird? Nun einer wäre ein Selbstverständnis als Märtyrer. Man kann durchaus Selbstwertgefühl aus dem geschlagen-werden ziehen in dem man sich selbst gerne als aufopferungsvoller und aushaltender Beziehungspart wahrnimmt. Man zieht sein Selbstwertgefühl dann aus dem Gefühl das man selbst alles aushält, damit alles am laufen hält, sieht sich selbst als tragendes Element das den anderen, schwächeren und (deshalb) schlagenden Part trägt. Das schlechte Gefühl gibt einem selbst dann einen Sinn und man bleibt genau deshalb.


    Es gibt aber auch Fälle in denen man durch diese Demütigung Macht ausübt. Man wird schlecht behandelt, aber das ist ja immer nur ein Moment von vielen. In allen anderen Momenten zieht man aus dem schlechten Gewissen Macht und Kontrolle, hält den anderen in einer Position fest in der er oder sie gar nicht glücklich ist, aber man selbst erduldet ja soviel und deshalb schuldet der Andere einem dies oder das. Ja, manchmal provoziert man sein Gegenüber immer wieder soweit das es kracht, damit man hinterher wieder in der starken Position ist. (Das beudetet nicht das man Schläge oder so verdient hätte, das Gegenüber ist für die immer alleine verantworlich, er oder sie könnte ja gehen statt sich quälen zu lassen.)


    Dann bedeuteten solche Ausbrüche auch immer starke Emotionen. Manch ein Mensch fühlt sich besonders lebendig in Beziehungen in denen sehr starke Gefühle vorkommen. Neben der Gewalt und der Wut eben auch Freude und Liebe. Man nimmt die Demütigungen wissentlich für den Rest in kauf.


    Auch fehlende Alternativen weil man Beziehung nur in Form von Machtgefälle vorgelebt bekommen hat können zu solchen Dynamiken führen. Man lebt darin weil man glaubt das es auf die eine oder andere Weise immer so sein wird und enden muss. Das zugrundeliegende Rollenverständnis erwartet es von einem, geht meist eng einher mit dem Märtyrertum von oben.


    Und das ist nur was ich aus meinem Erfahrungsspektrum kenne. Da gibt es sicher noch viel viel mehr, aber mangelndes Selbstwertgefühl ist nicht das treibende Problem.

    Zitat

    Oh doch, da kann es mannigfaltige Gründe für geben. Finanzielle Abhängigkeit, Angst, gemeinsame Kinder, keinen alternativen Wohnsitz, Androhung von noch schlimmerer körperlicher Gewalt bis hin zur Tötung etc. pp. - muss alles nicht zwangsweise durch mangelnde Selbstliebe ausgelöst werden.

    In Deutschland ist keiner der oben genannten Gründe ein faktischer oder praktischer Hinderungsgrund zur Trennung.


    Der mangelnde Mut zu Schritten die unter oben genannten Umständen zu einer Trennung führen bzw. diese ermöglichen ist m.E. wiederum fehlender Selbstwert.

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    Ganz so linear läuft nicht jede Beziehung ab, dass bestimmte Muster dort greifen könnten.

    Wie gesagt, ich sprach von einem universellen Prinzip, welches jeder gesunden und funktionalen Beziehung zu Grunde liegt. @:)


    Und das ist eben genug Selbstliebe bei beiden Partnern.

    Oh doch. Die Angst das der Partner einen töten könnte ist auch in Deutschland sehr real und da kann die Polizei auch nur wenig machen. Wir sind über Jahre vor meinem Vater geflüchtet und was das bedeutet, psychisch, kann man sich nur schwer vorstellen. Festnehmen konnte die Polizei ihn immer nur für 24 Stunden oder so. Gerichtsbeschluß zum Abstand zu uns? Machst du Witze? Wenn man jemanden töten will dann interessiert das auch nicht mehr. Frauenhäuser? Da kannst du nicht ewig wohnen und ein besonders gutes Umfeld für Kinder ist das auf Dauer eh nicht.

    Zitat

    In diesem Konstrukt ist der vermeintlich "schlechte" Partner also ein Wegbereiter, eine Chance zu lernen und zu wachsen. Wenn man will, immer und immer wieder...

    Klingt alles sehr esoterisch. Was soll man daraus lernen? Wie man sich schneller trennt? Oder wie man zu einem ebensolchen Ekelpaket mutiert um es dem anderen heimzuzahlen? Denn so wie du die Punkte darlegst und beschreibst, ist das ja die Aufforderung, den Partner zu benutzen, um sich schlußendlich selbst aufzuwerten, zu wachsen und besser zu fühlen. So gesehen wechselt man dadurch doch nur die Rollen und von einer gleichwertigen Beziehung kann erst recht keine Rede sein. Bei deiner Art von Selbstliebe brauch ich eigentlich gar keine Beziehung, sondern dann reichen ONS. Aber das ist ja kein Automatismus, wo man einen Knopf drückt und plötzlich befreit ist von jedem Selbstzweifel, aufwacht und sagt, hi Darling,ab heute lieb ich mich selbst,gibt jetzt andere Sext(b)oys in meinem Leben,verpiss dich und schließ die Tür beim Weggehen.

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    Nun einer wäre ein Selbstverständnis als Märtyrer. Man kann durchaus Selbstwertgefühl aus dem geschlagen-werden ziehen in dem man sich selbst gerne als aufopferungsvoller und aushaltender Beziehungspart wahrnimmt. Man zieht sein Selbstwertgefühl dann aus dem Gefühl das man selbst alles aushält, damit alles am laufen hält, sieht sich selbst als tragendes Element das den anderen, schwächeren und (deshalb) schlagenden Part trägt. Das schlechte Gefühl gibt einem selbst dann einen Sinn und man bleibt genau deshalb.

    Genau solche Szenarien sind aber naturgemäß nur dann denk- und lebbar, wenn dieser Mensch die Beziehung/die Familie über sich selbst, über sein eigenes Glück stellt.


    Und dies tut ein Mensch der über genug Selbstwertgefühl verfügt nicht.


    ;-)

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    Dann bedeuteten solche Ausbrüche auch immer starke Emotionen. Manch ein Mensch fühlt sich besonders lebendig in Beziehungen in denen sehr starke Gefühle vorkommen. Neben der Gewalt und der Wut eben auch Freude und Liebe. Man nimmt die Demütigungen wissentlich für den Rest in kauf.

    Aber das ist nunmal keine Liebe.


    Jemand der dies lebt, und nicht als ungesund erkennt, die Gründe bei sich selbst sucht und sich psychologische Hilfe holt, ist sich nicht genug wert.

    Zitat

    Auch fehlende Alternativen weil man Beziehung nur in Form von Machtgefälle vorgelebt bekommen hat können zu solchen Dynamiken führen. Man lebt darin weil man glaubt das es auf die eine oder andere Weise immer so sein wird und enden muss. Das zugrundeliegende Rollenverständnis erwartet es von einem, geht meist eng einher mit dem Märtyrertum von oben.

    Dies ist oft die Wurzel allen Übels: Ein Kind bekommt schon vorgelebt, dass ein Elternteil keinen Selbstwert hat und sich schlecht behandeln lässt...


    Leider lernen Kinder am Modell.


    Und in diesem Fall dann eben nicht, wie man Hrenzen setzt, gut zu sich selbst ist, sprich, ein gesundes Selbstverständnis und Selbstliebe aufbauen und entfalten kann.


    Dies hat es dann wiederum in deinen Paarbeziehungen nicht zur Verfügung. Ein Teufelskreis. %:|

    Zitat

    Da gibt es sicher noch viel viel mehr, aber mangelndes Selbstwertgefühl ist nicht das treibende Problem.

    Wie Du siehst, sehe ich GERADE in den von Dir aufgeführten Szenarien mangelnden Selbstwert als treibende Kraft.


    Das Bild des Märtyrers (der ja ein Märtyrium lebt) finde ich übrigens geradezu schmerzlich passend (danke dafür! @:) ), da es natürlich die Reinform eines Menschen darstellt, der eine Sache/ein Ziel/ein Konzept über sein eigenes Glück und Wohl stellt.


    Leider tun das besonders oft Frauen (wenn man davon aussgeht, dass mein Erfahrungsumfeld und verschiedene Foren zumindest annähernd representativ sind).

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    Die Angst das der Partner einen töten könnte ist auch in Deutschland sehr real und da kann die Polizei auch nur wenig machen. Wir sind über Jahre vor meinem Vater geflüchtet und was das bedeutet, psychisch, kann man sich nur schwer vorstellen. Festnehmen konnte die Polizei ihn immer nur für 24 Stunden oder so. Gerichtsbeschluß zum Abstand zu uns? Machst du Witze? Wenn man jemanden töten will dann interessiert das auch nicht mehr. Frauenhäuser? Da kannst du nicht ewig wohnen und ein besonders gutes Umfeld für Kinder ist das auf Dauer eh nicht.

    Es tut mir sehr leid, was Du erlebt hast.


    Das ist ja ganz,ganz schrecklich. :°_


    Ich möchte so ein persönliches Schicksal aus Respekt hier nicht analysieren oder zerpflücken, sondern Dir mein Mitgefühl ausdrücken.

    @ :)

    Ich hoffe und denke, das solche Extreme Ausnahmefälle sind.


    Meine Gedanken beziehen sich auf Beziehungen in denen keine Tötungsabsicht vorhanden ist.


    Eines vielleicht: Deine Mutter hat mit Sicherheit Selbstliebe gebraucht, um zu flüchten. :)*

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    Wie gesagt, ich sprach von einem universellen Prinzip, welches jeder gesunden und funktionalen Beziehung zu Grunde liegt

    Aus welchem Rosamund Pilcher Ratgeber hast du das entliehen?

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    In Deutschland ist keiner der oben genannten Gründe ein faktischer oder praktischer Hinderungsgrund zur Trennung.

    Es ist aber nicht alles wie im Regenbogenland.Wenn der Partner beispielsweise aus einem anderen Kulturkreis oder Land kommt und möglicherweise droht die Kinder zu entführen und abzuhauen, sehr wohl, dann stehst du schön beschissen da.

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    Genau solche Szenarien sind aber naturgemäß nur dann denk- und lebbar, wenn dieser Mensch die Beziehung/die Familie über sich selbst, über sein eigenes Glück stellt.


    Und dies tut ein Mensch der über genug Selbstwertgefühl verfügt nicht.

    Nö, man kann das eigene Glück auch im Glück anderer finden. Das ist das was unter dem Begriff "Hingabe" subsumiert werden kann und auch wenn es heute etwas aus der Mode ist, so kann man doch tiefe Erfüllung und großes Glück darin finden.

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    Aber das ist nunmal keine Liebe.


    Jemand der dies lebt, und nicht als ungesund erkennt, die Gründe bei sich selbst sucht und sich psychologische Hilfe holt, ist sich nicht genug wert.

    Und das zu bewerten nimmst du dir einfach so raus? Natürlich kann das Liebe sein, wer hat denn bitte das Recht darauf gepachtet zu sagen wie genau Liebe sich ausdrückt? Du? Das wäre sehr vermessen. Wenn jemand darin glücklich ist und sich gut fühlt, wieso sollte diese Person anders leben? Nur weil du findest anders wäre es besser? Vielleicht fände die Person dein Leben sehr langweilig und arm an Gefühlen und wäre am Ende doch lieber tot als so zu leben? Würdest du dein Leben ändern nur weil jemand anders so empfinden würde? Wohl eher nicht oder?

    Zitat

    Dies ist oft die Wurzel allen Übels: Ein Kind bekommt schon vorgelebt, dass ein Elternteil keinen Selbstwert hat und sich schlecht behandeln lässt...

    Der Gedanke das jemand einen Schlag oder eine Beschimpfung als Aussage über eine Stimmung betrachten könnte und nicht als Aussage über sich selbst ist dir wirklich verdammt fremd oder? Gibt es aber, ehrlich.

    Zitat

    Wie Du siehst, sehe ich GERADE in den von Dir aufgeführten Szenarien mangelnden Selbstwert als treibende Kraft.

    Nein, ich sehe das du willst das es so ist. Andere Erklärungen lässt du nicht zu oder wertest sie ab in dem du erklärst das sei keine Liebe oder falsch verstanden.

    Zitat

    Eines vielleicht: Deine Mutter hat mit Sicherheit Selbstliebe gebraucht, um zu flüchten.

    Nein. Sie ist aus Hingabe an ihre Kinder geflohen. Wäre es nur um sie gegangen wäre sie geblieben. Nicht immer ist es falsch wenn man nicht selbst der Mittelpunkt des eigenen Universums ist. Kann sehr heilsam sein da mal ein paar Schritte raus zu machen und sehr sehr befreiend.

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    Dann bedeuteten solche Ausbrüche auch immer starke Emotionen. Manch ein Mensch fühlt sich besonders lebendig in Beziehungen in denen sehr starke Gefühle vorkommen. Neben der Gewalt und der Wut eben auch Freude und Liebe. Man nimmt die Demütigungen wissentlich für den Rest in kauf.

    Das sind dann Frauen, die sich erhobenen Hauptes wegen dem Drama, dass sie so lieben, ihre Fresse prollieren lassen? ;-D


    Klingt wie ein Hollywood-Film, aber nicht wie die Realität. Die Frauen, die sich schlagen lassen, sind richtig arme Würste. Von denen hatte keine einzige, die ich je gesehen habe, (und ich arbeite im sozialen Einrichtung mit Beratungsstelle, das heißt, ich sehe viele) den Kopf oben.


    Das, wovon du sprichst, würde ich eher im sexuellen Bereich als in der Beziehungsdynamik ansiedeln. Meist sind die Schläge hier auch gleichberechtigt verteilt. Das heißt, der Mann kriegt dann auch mal eine blutige Lippe und fällt öfter mal die "Treppe runter". - das sieht aber ganz anders aus und ich denke nicht, dass diese Art von Schlägen gemeint sind. Zumal man sich ja nicht per se schlecht behandeln lässt, sondern weils einem so gefällt.

    Freeredbird

    Zitat

    Puh, das waren jetzt ganz schön tiefe Gedanken .

    Ich kann mir schon vorstellen, dass du nach den ganzen Allgemeinplätzen völlig verausgabt warst.


    Ansonsten definiere doch mal bitte Selbstwert.

    Also das empfinde ich und die Betroffenen nicht als Demütigung, sondern als Temprament und Spannung.


    Demütigung in Kauf zu nehmen, ist genau das, was die TE beschrieben hat. Opfertum. Angst vorm Alleinsein. "Der ist ja sonst soooo lieb!" Blabla.

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    Zumal man sich ja nicht per se schlecht behandeln lässt, sondern weils einem so gefällt.

    Aber genau darum ging es doch, dass es auch andere Gründe geben kann sich schlecht behandeln zu lassen als den kein Selbstwertgefühl zu haben. Ich will nicht sagen das es die Mehrzahl der Betroffenen so sehen, sondern nur das es das auch gibt. Und klar sind in Beratungsstellen die Frauen zu sehen die den Kopf unten haben und Hilfe suchen, raus wollen. Diejenigen die den Kopf oben tragen, egal ob Mann oder Frau, werden bei dir kaum auftauchen.

    Ich betrachte das auch als Spannung, als Kitzel, aber das ist dann ja nach der TE keine Liebe. Ich verwehre mich nur dagegen das jede Person die sich "schlecht behandeln" lässt kein Selbstwertgefühl hat und keine Liebe kennt. Diese komplette Verallgemeinerung: "wer nicht den Standard lebt der ist kaputt", ist es gegen die ich mich wehre. Natürlich gibt es das und es macht bestimmt auch einen großen Anteil aus, aber eine goldene Regel für gelingende Bezihungen zu postulieren finde ich verdammt vermessen.