Sexuelle Anziehung oder Freundschaftlichkeit als Grundlage?

    Hallo


    Ich möchte euch um Rat für eine Beziehungsentscheidung zwischen zwei Frauen fragen, mit denen ich seit einigen Wochen in Kontakt bin.


    Anna (Name geändert) kenne ich schon ein paar Wochen. Ich habe mit ihr gleich das Gefühl gehabt, dass ich mit ihr gern zusammensein und -leben möchte. Ich glaube, wir könnten ein sehr gutes Team (in Haushaltsführung, gegenseitiger Unterstützung, miteinander Sprechen, Schwierigkeiten lösen) sein, und sie würde mich nie enttäuschen. Sie ist sehr rücksichtsvoll, auch scheu. Sie scheint mich voll zu akzeptieren, wie ich bin, ich kann bei ihr einfach "mich sein". Der Haken ist nur: Ich verspüre recht wenig körperliche Anziehung zu ihr (sie zu mir aber viel), obwohl sie mir zum Anschauen auch gut gefällt. Ich konnte neben ihr im Bett liegen und hatte kein Bedürfnis, mich auf sie zu stürzen und sie auszuziehen, wie das sonst meist der Fall ist. Etwas Kuscheln und Gutenachtkuss genügte. Da sie aber Lust auf mich hatte und dann "auf mich sprang", kam es doch noch zum Sex, denn so weckte sie doch noch meine Lust, aber das ganze war nicht so intensiv für mich.


    Ich habe mehr das Gefühl wie zu einem Familienmitglied gegenüber ihr. Genau dieses "vertraute" Gefühl gefällt mir andererseits auch sehr. Ausserdem gefällt mir ihre Stimme und ihr Lachen sehr gut, und wir können gut sprechen und zusammen lachen.


    Beate ist ursprünglich aus Äthiopien und lebt in einem anderen Landesteil als ich, wo auch die Kultur recht anders ist. Auch charakterlich scheinen wir etwas unterschiedlicher als Anna und ich. Ich müsste zuerst noch herausfinden, ob wir wirklich im Alltag zusammenpassen würden, jedenfalls habe ich das entsprechende Gefühl noch nicht, aber ohne viel konkrete Anhaltspunkte. Emotionale Nähe ist auch noch nicht so da, aber wir haben auch erst 24 h miteinander verbracht und vorher nur geschrieben. Aber sie gefällt mir äusserlich sehr, hat einen Traumkörper. Sex ist mit ihr top, für beide. Von Aktivitäten und Interessen her haben wir eigentlich auch gute Gemeinsamkeiten, aber ich kann mir bisher nicht so gut vorstellen, mit ihr viel zu machen, aber auch das ist erst ein vages Gefühl. Wir scheinen doch etwas unterschiedlich zu sein. Dann ist das Problem mit der Wohnortdistanz.


    Die Frage ist, ob es gut herauskommen kann, wenn einer schon am Anfang wenig sexuelle Anziehung verspürt. Dann könnte es bald auf den Nullpunkt sinken und die Treue in Frage gestellt sein, weil man ja das Bedürfnis nicht verlieren würde und diese Gefühle anderswo suchen würde. Oder könnte es sein, dass man dieses Bedürfnis dann auch nicht mehr hätte, dass einem die "freundschaftliche Liebe" genügen könnte? So ist es mir in der kurzen Zeit mit Anna ergangen; Sex war einfach nicht gross in meinem Kopf, aber das war mir gerade recht, ich konnte dafür gemütlich Lesen neben ihr und wir konnten Verschiedenes draussen unternehmen. Wenn das ein Dauerzustand wäre, wäre ich glücklich, denn mich stört mein starker Sextrieb oft, weil ich mich deswegen nicht so gut auf die Arbeit konzentrieren kann (v.a. wenn ich ihn nicht voll ausleben kann, was leider fast immer der Fall ist).


    Aber es scheint mir längerfristig eine Illusion.


    Theoretisch könnte es auch noch sein, dass die Anziehung mit der Zeit noch kommt, aber das ist wohl fast ausgeschlossen. Und im Gegensatz zu mir ist Anna schon jetzt mit dieser Lage nicht glücklich. Sie möchte mehr Zärtlichkeiten und Komplimente von mir. Während ich Beate ständig abgeküsst und berührt und ihr Komplimente gemacht habe, weil mir ihre Haut und ihr Körper so gut gefallen (das gleiche übrigens damals auch bei meiner Ex-Frau, die mir äusserlich auch sehr gut gefallen hat, nur leider sonst nicht zu mir passte), habe ich das bei Anna kaum gemacht. Ich umarme sie auch gerne, aber mehr so, wie man z.B. seine Mutter umarmt, aus nicht-sexueller Liebe und Verbundenheit. Und ich umarme sie lieber mit Kleidern, weil mir ein paar Dinge an ihrem Körper nicht so gut gefallen, wie ihr etwas krummer Rücken, die kleinen Brüste, dass sie gar dünn ist, und dass ihre Haut am Rücken nicht so rein und glatt ist. Es sind Details, über die ich grundsätzlich auch hinwegsehen möchte, aber das Problem ist auch, dass ich mit meiner Ex-Frau in dieser Hinsicht verwöhnt wurde. Sie hatte eine so schöne Haut, dass ich einfach enttäuscht bin, wenn ich eine etwas trockene, schlaffe, oder picklige/höckerige Haut streicheln und küssen "muss".


    Ich würde natürlich mit Beate vorher ausprobieren, ob wir tatsächlich zusammenpassen, bevor wir z.B. zusammenzögen. Dafür wäre genug Zeit, keiner von uns hat es eilig. Aber jetzt muss ich mich vorerst für eine der beiden entscheiden, kann vor der Entscheidung nichts weiter ausprobieren, Anna muss es bald wissen.


    Wie sollte ich entscheiden?


    Liebe Grüsse und schöne Feiertage


    rotschwarz

  • 40 Antworten

    Ganz einfach, keine der Beiden. Zu einer Beziehung gehört Begeisterung, den anderen mit all seinen Facetten lieben zu können...


    Nehme ich A oder B? Was für eine Frage... wir können ja abstimmen.


    Ich bin für Beate, dann machst du Anna (die offensichtlich wirklich Interesse an dir hat) wenigstens nicht unglücklich.

    %:| boah, erwartest Du jetzt ernsthafte Antworten auf Deinen Post? ":/


    mein Tip: back Dir eine passende Frau exakt nach deinen Vorstellungen ;-) ( ist doch grad Backzeit :=o )

    vielleicht war die antwort zu kurz, aber durchaus ernstgemeint. ich denke nicht, dass du dich damit glücklich machst, dass du in irgend einer form einen kompromiss eingehst. anna ist meiner ansicht nach also schon an dem punkt raus, wo dich sachen an ihr so massiv stören. ich kenn das zumindest von mir, dass mich, wenn ich verliebt bin, dinge, die ich vorher eigentlich abgelehnt habe, nicht schlimm finde. das sehe ich bei dir und anna so nicht. mit beate könntest du es natürlich probieren.

    Ernsthafte Antwort gerne. Vielleicht hat jemand Erfahrung mit der Situation, dass man sich schon von Anfang an wie Bruder/Schwester fühlt.

    Zitat

    Ernsthafte Antwort gerne. Vielleicht hat jemand Erfahrung mit der Situation, dass man sich schon von Anfang an wie Bruder/Schwester fühlt.

    Ja, ich. Das sind dann die Männer mit denen ich befreundet bin und niemals auf die Idee gekommen wäre das ganze auf sexuelle Basis zu verlagern...

    Das kann man nicht so sagen, dass mich Sachen an Anna massiv stören. Im Gegenteil stören sie mich bisher nicht, es fehlt einfach die starke sexuelle Lust, aber das ist mir bisher auch recht. Gefühlsmässig würde ich mich mit Anna gerne auf eine Beziehung einlassen. Ich habe einfach ein gutes Gefühl, dass wir harmonieren würden. Und wenn ich nicht noch Beate kennengelernt hätte, hätte ich nicht gezögert, mit Anna eine Beziehung einzugehen. Denn es macht mich glücklich, endlich einmal einen Seelenverwandten gefunden zu haben. Am liebsten hätte ich mit ihr eine platonisch-funktionale Beziehung und daneben allenfalls noch eine Sexbeziehung, aber das ist für sie natürlich ausgeschlossen.

    Du solltest auf jeden Fall mal ehrlich zu Anna sein und ihr von der platonischen Natur deiner Gefühle erzählen. Ich könnte mir vorstellen, dass Anna dann selbst ihre Konsequenzen daraus zieht. Eine Beziehung zu einem Mann, der sich sexuell nicht zu mir hingezogen fühlt, wäre für mich nicht denkbar. Vielleicht eine freundschaftliche WG-Kiste, wenn ich keine Beziehung hätte. Aber sowas steht wohl auf sehr wackeligen Beinen.

    Ja, ich habe es ihr schon gesagt, es war sehr schmerzlich. Wenn nicht die Situation mit Beate gewesen wäre, hätte ich es ihr nicht gesagt, sondern einfach geschaut, wie es sich entwickelt. Allerdings merkte sie es schon, dass ich weniger Sexlust hatte als normal. Denn wir hatten vorher über dieses Thema gesprochen, so dass sie wusste, dass ich meist ca. 2 Mal pro Tag Lust habe und Sex initiiere, und bei ihr musste die Initiative von ihr ausgehen. Und dass ich sie viel weniger gestreichelt habe, als ich es sonst gerne tue, ist ihr auch aufgefallen. Und dass ich ihr keine Komplimente fürs Äussere gegeben habe. All das hat sie schon enttäuscht.