Sich Leute vom Leibe halten = mangelnde Gastfreundschaft etc.?

    Weil ich denke, es geht im weiteren Sinn um Beziehungsverhalten, stelle ich das Thema hier unter "Beziehungen" ein. Es wäre interessant für mich, zu erfahren, wie andere das Thema empfinden und dazu stehen.


    Ich habe immer wieder mal das Gefühl, Menschen mit ausgestrecktem Arm von mir fernhalten zu müssen. Dazu gehört für mich vor allem unerwarteter Besuch und überhaupt Gäste, die länger bleiben wollen als ein paar Stunden. Umgekehrt gilt dasselbe: Ich selbst bin nicht gern länger bei anderen zu Besuch als die berühmten 2 Stündchen zum Kaffee (die nur bei weiteren Entfernungen auch länger werden dürfen).


    Natürlich hat das auch schon zu zwischenmenschlichen Irritationen geführt. Ungewollt brüskiere ich Menschen mit meiner Weigerung, über Nacht zu bleiben oder auch mit Absagen von Besuchen, vor allem von Besuchen mit Übernachtungen. Ein absolutes No-Go wäre tage-, geschweige denn, wochenlanger Besuch bei mir im Haus.


    Ich bin nicht grundsätzlich ungern mit anderen zusammen. Mit Menschen, die ich liebe, verbringe ich sehr gern Zeit. Deren Gesellschaft genieße ich, aber am liebsten eben nicht zu lange ... Direkt böse scheint mir wegen meiner Eigenart bis jetzt niemand zu sein, sie behindert auch nicht meine Beziehung, in der das Zusammenleben reibungslos funktioniert.


    Dass ich mich in dieser Hinsicht über die Wünsche anderer hinweg zu setzen vermag, verwundert mich ein wenig selbst, wenn ich drüber nachdenke. Ich bin kein Ellbogenmensch, empfinde mich insgesamt als durchaus freundlich, jedenfalls nicht grob oder unhöflich. Da meine Haltung aber als unhöflich gilt, fühle ich mich damit manchmal nicht wohl. Dann wieder meine ich, ich habe das Recht, so zu handeln, wie ich es möchte, insofern dann auch egoistisch zu sein. Ich finde keine klare Einstellung dazu.

  • 31 Antworten
    Zitat

    Ungewollt brüskiere ich Menschen mit meiner Weigerung, über Nacht zu bleiben oder auch mit Absagen von Besuchen, vor allem von Besuchen mit Übernachtungen.

    von welchen menschen reden wir denn? ich selber mag es auch lieber, wenn ich an meinen kostbaren wochenenden, in meinem eigenen bett aufwache und in meiner eigenen wohnung rumschlumpfen kann - morgens bin ich eher im auto-pilot-modus und da muss mich niemand unbedingt mitbekommen :=o


    allerdings sage ich das sehr offen undmit eben jenem grinsen im gesicht: leute, ich würde euch nicht ertragen und ihr wollt mich so auch nicht kennen lernen!


    wie kommunizierst du denn dein "och nö..."?

    Zitat

    allerdings sage ich das sehr offen undmit eben jenem grinsen im gesicht: leute, ich würde euch nicht ertragen und ihr wollt mich so auch nicht kennen lernen!

    ]:D


    wie kommunizierst du denn dein "och nö..."?Du hast es exakt getroffen: Ich neige eher zum "höflichen" Herumeiern, eine klarere Komminkation fällt mir in dem Punkt schwer, und ich lerne sie gerade. Ich habe bei Absagen aller Art ein schlechtes Gewissen, tatsächlich. Könnte ja jetzt die Erziehung verantwortlich machen, aber die liegt schon ein bisschen zurück. Selbstbewusst ist was anderes.

    Zitat

    Ich neige eher zum "höflichen" Herumeiern

    denk dir nix, das habe ich früher auch gemacht - bis ich gemerkt habe, dass es für beide seiten eher kontraproduktiv ist. die gast geber projizieren das auf sich (oh mein gott... fühlt sie sich nicht wohl? :-o ) und man selber traut sich nicht zuzugeben, dass man einfach keine lust hat.


    seit ich das - eben mit dem blinzeln im augenwinkel - offen sage (s.o.), sind beide seiten entspannt!

    Zitat

    seit ich das - eben mit dem blinzeln im augenwinkel - offen sage (s.o.), sind beide seiten entspannt!

    Ich spüre Neid ... ;-)


    Im Ernst: würde ich so gern auch können. Du sagst, du hast es gelernt, also hab ich noch Hoffnung. :-)


    (Das erscheint mir andrerseits so exotisch, über so eine lockere Umgehensweise habe ich nicht mal ansatzweise nachgedacht bisher.)

    Zitat

    Das erscheint mir andrerseits so exotisch, über so eine lockere Umgehensweise habe ich nicht mal ansatzweise nachgedacht...

    witzig - dass gerade die ganz einfachen ehrlichen sachen einem so exotisch vorkommen, aber eigentlich das normalste sein sollten, oder? ;-D

    Wie verläuft unter dieser inneren Haltung bei Dir ein partnerschaftlicher Beziehungsaufbau? Braucht es dann viel Zeit und Vertrauen bis Du gemeinsame Zeit und gegenseitiges Übernachten als wohltuend für Dich empfindest? Oder favorisierst Du ein Leben in getrennten Wohnungen damit Du nicht zuviel Nähe zulassen musst?


    Wie war es bei euch daheim? Wie wurde in Deinem Elternhaus soziale Gesellschaft gelebt?

    Zitat

    witzig - dass gerade die ganz einfachen ehrlichen sachen einem so exotisch vorkommen, aber eigentlich das normalste sein sollten, oder? ;-D

    Ja. :)z

    Zitat

    Wie verläuft unter dieser inneren Haltung bei Dir ein partnerschaftlicher Beziehungsaufbau? Braucht es dann viel Zeit und Vertrauen bis Du gemeinsame Zeit und gegenseitiges Übernachten als wohltuend für Dich empfindest? Oder favorisierst Du ein Leben in getrennten Wohnungen damit Du nicht zuviel Nähe zulassen musst?


    Wie war es bei euch daheim? Wie wurde in Deinem Elternhaus soziale Gesellschaft gelebt?

    Komischerweise scheint mein kleines Problem beim Aufbau von Beziehungen weniger problematisch zu sein. Das lief eigentlich immer recht normal ab. Ich erinnere mich nur einmal |-o wo es etwas unangenehm wurde: das war, als mein damaliger, zu der Zeit noch ziemlich neuer Freund völlig unerwartet vor meiner Tür stand :-o "Überraschung!!!" %-| >:( |-o


    Ich war kaputt vom Arbeitstag und auch ein bisschen krank (grippig), und es passte mir schon deshalb nicht, aber wie ich gestrickt bin, überhaupt nicht! :[] Ich war grantig und konnte das nicht verbergen, mir platzte der Kragen und der arme Kerl hat einen vollen Regenguss abbekommen. Musste mich echt erst mal beruhigen. Die folgende Übernachtung war natürlich, aber auch durch meine Erkältung, getrübt. :=o


    Das ist die einzige Situation, an die ich mich erinnere, die wirklich blöd war. Sonst ganz normal, ich lebe zum zweitenmal in einer Beziehung jetzt über Jahre mit meinem Partner zusammen, und sie läuft rundherum gut. Er hat keine Schwierigkeiten mit mir und meiner Art, ist zum Glück selbst nicht der große Fan von Besuch.


    Mein Elternhaus war anders. Geschäftshaushalt, viel los, viel Unruhe, viele Leute. Also, damals hatte ich das nicht! Meine Mutter war aber auch immer sehr angestrengt, das weiß ich noch.

    Ach, ich empfinde da ähnlich und ich halte mich für einen sehr geselligen Menschen. Unangekündigte Besuche sind gar nicht mein Fall. Ich besuche lieber, als besucht zu werden. Bin nach einer gewissen Zeit dann einfach unentspannt - und freue mich, wenn ich wieder für mich bin. Vor allem, wenn ich viel Stress im Geschäft etc habe und meine Freizeit durch fremdbestimmte Aktivitäten dominiert wird, (Besuche von Kindern und Gegenbesuche o.ä.) ist mir die Zeit alleine zuhause fast schon heilig...

    Ja, das ist eben gar nicht so einfach. Deshalb finde ich die Art von Die Seherin auch toll. Das muss man erst mal können!


    Ich werde mir jetzt mal ein paar Strategien überlegen, wie ich in Zukunft besser damit umgehen kann.

    Zitat

    Dazu gehört für mich vor allem unerwarteter Besuch

    Ohhhhh - der blanke Horror! :)_ :)z


    Ungeplante Kontaktaufnahmen, die mir aufgezwungen werden, sind für mich total gruselig. Egal ob jemand vor der Tür steht oder anruft. Aber meine Freunde wissen das, dass mich so was aus der Bahn wirft. Deswegen ist auch keiner böse, wenn ich auch mal ein Gespräch am Telefon kurz halte und ich gehe auch dann offen damit um. Einem Kumpel, der gestern meinen Rat haben wollte, habe ich auch klar gesagt, dass ich viele Dinge erledigen muss und mir leider nur 10 Minuten für ihn nehmen kann. Das bringe ich natürlich nicht als Vorwurf rüber oder superernst, als läge hier ein Wellensittich im Sterben. Einfach eine flockige Information. Und meine Freunde wissen, wie mein Tag aussieht und sind mir deswegen nicht böse.


    Ich glaube aber, dass ich trotzdem nicht ganz so extrem drauf bin. Wenn wir z.B. ein Treffen mit Freunden planen, dann freue ich mich darauf und lasse mir auch ausgiebig Zeit. So ein Abend kann gern auch 7 Stunden dauern. Nichtsdestotrotz habe ich volles Verständnis dafür, dass es bei dir früher "reicht". Beim ungeplanten Besuch habe ich mich total bei dir wiedergefunden :)z .