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    Wenn man jemandem gerade so viel hilft, dass er es in einer destruktiven Situation weiter aushalten kann, dann stützt man die zugrunde liegende Dynamik. In der Suchtszene nennt man solche Menschen 'enabler'.


    Sie selbst schreibt auf die Frage wofür ihr thread hier sein soll:

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    Ich wollte damit nicht ganz alleine sein.

    Wenn wir hier mit ihr sind, sie begleiten und ihr zuhören, wird es leichter aushaltbar für Sheilagh, in einer gewalttätigen Beziehung zu sein. Ist das gut?

    Das ist eine generell spannende Frage, die grundsätzlich auch schon mehrfach im Rahmen gesamtgesellschaftlicher Ideen/Phänomene behandelt wurde, beispielsweise dem Sozialismus, wo die Frage heftigst debattiert wurde, ob man das Leid der Arbeiter im Kapitalismus überhaupt lindern dürfe durch einzelne Verbesserungen ohne ihn selber anzutasten, wenn man dadurch möglicherweise dafür sorge, dass der Leidensdruck der Arbeiter und somit auch der Revolutionsdruck absinke und der Kapitalismus gerade dadurch erhalten würde. im Christentum gibts das wiederum in Form des Katechon, der das Böse aufhält, aber dadurch auch die Herrschaft des Guten verzögert. Und das frage ich mich oft genug bei Menschen, die auch gerne mal bei med schreiben, die die besten Freunde sind von unzufrieden Menschen in Beziehungen und gerne selber mit diesen zusammen wären und durch ihre verständnisvolle Art diese Beziehungen überhaupt erst am Leben erhalten, weil sie es ausgleichen. Ähnlich dann hier im Thread, die Leute versuchen der TE zu helfen und genau dadurch tun sie möglicherweise das Gegentel, zumindest langfristig, kurzfristig helfen sie ihr. Vielleicht ist die alles entscheidende Frage was die TE wirklich will (wobei das nicht heßt, dass ihr das wirklich immer klar ist). Man kann auch drogenabhängig oder eben in einer dysfunktionalen Beziehung sein wollen.


    Wo es bei mir dann aber aufhört ist, wenn man sein Kind da mit ren zieht, vor allem wenn man anscheinend sonst immer betont wie schlimm das ist für Kinder ist (was es ja auch ist), aber das dann einfach zu ignorieren scheint und Naivität da als Begründung rausfällt.

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    Das Elterngeld würde hier im Süddeutschen Ballungszentrum nicht mal die Miete decken.

    Dann verlass doch das Süddeutsche Ballungszentrum mit deinem Kind. Und wenn du wieder arbeitest, nimmst du dir wieder eine zentraler gelegene Wohnung.


    Fremdbetreuung nicht zu früh ist generell imho löblich; wenn das Kind zu Hause einen Schlägervater hat, kann es gar nicht genug Fremdbetreuung haben...

    Diese Gedanken kamen ebenfalls bei mir auf. Ohne dich, liebe TE, angreifen zu wollen denke ich mir:


    1. [...]


    oder


    2. Extreme Form der Verdrängung.


    Es ist völlig egal, ob dein Partner deinem Kind gegenüber nicht gewalttätig ist. Er bekommt es mit. Vielleicht erstmal nur passiv, aber auch das macht was mit Kindern. Und zu warten bis er sich vor eurem Kind an dir vergreift oder sogar direkt an eurem Kind ist schlichtweg verantwortungslos.


    Es gibt mittlerweile sehr viele und gute Anlaufstellen die dir möglicherweise helfen könnten aus deiner Misere rauszukommen. Hättest du kein Kind würde ich sagen "Lass dich verdreschen wenn du noch nicht so weit bist zu gehen ". In diesem Moment sorgst du dich allerdings mit um ein kleines Wesen, welches dieser immer wiederkehrenden Tragödie ausgesetzt ist.


    Du hast es letzten Endes eh schon viel zu oft gelesen. Ich wünsche dir Kraft, dass du bald zu einem Absprung bereit bist @:)

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    Ich kann genauso wenig wie du in die Zukunft sehen. Allerdings wurde mein Partner durch seine Mutter misshandelt, und hat deshalb ein sehr negatives Frauenbild und projiziert hier einiges auf mich.


    Dies ist schlimm für mich, ihm auch bewusst und ist Thema in seiner Therapie.


    Deshalb gehe ich nicht automatisch davon aus dass er sich gegen das Kind richten wird, ganz im Gegenteil, ich halte das für ausgeschlossen.

    Genau das Gegenteil ist der Fall. GERADE deswegen, weil er in der Kindheit selbst mies behandelt wurde, ist er gefährdet selbst mies zu behandeln und speziell auch das Kind, wenn es anfängt eine kleine Persönlichkeit zu werden und hier und da mal unbequem zu werden.


    Spätestens in dem Moment wenn jemand wie so ein Kungfu Fighter in die Luft spingen würde, und mich zu Boden stoßen, wäre alles gesagt und getan gewesen. Ich wäre weg.


    Denn dazu gehört echt viel. Es war ja nichtmal nur normales Schubsen im Affekt.


    Und "die Ausrede schlechte Kindheit" kann jeder Täter bieten.


    Ich sehe dich als abhängig und sage deswegen auch nichts mehr dazu, weil es keinen Sinn hat, einen Abhängigen "bekehren" zu wollen.

    Ich halte die schlechte Kindheit für keine lapidare Ausrede, sondern durchaus einen wichtigen Einflussfaktor. Was dennoch nicht bedeutet, das so ein Ereignis nicht geschehen dürfte. Ich halte (und das mag jetzt etwas hart klingen) auch die Reaktion hinterher für wichtig. Ist da wirklich Reue; öffnet sich da wirlich jemand und ist sichtlich erschüttert, dass es zu der Gewalt kommen konnte? Dann macht es Schmerzen und blaue Flecke und den Schock nicht wieder gut. Aber bietet eine Basis, das Ereignis aufzuarbeiten. Denn dann gab es irgendwo einen Reiz, der größer war als die Selbstkontrolle. Da kann man was dran machen und ggf. einen Weg gemeinsam finden. Denn signalisiert das Gegenüber, dass es WIRKLICH den Fehler bei sich sieht. Etwas ändern muss, dazulernen muss,...


    Wenn jemand aber weiter auf der Tour reitet, dass er ja recht hat, hämisch weiter in die Kerbe haut - dann fehlt die Einsicht aber sowas von, dass ich mich da nur noch selber schützen würde. Da ist keine gemeinsame Klärung möglich.

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    Wenn jemand aber weiter auf der Tour reitet, dass er ja recht hat, hämisch weiter in die Kerbe haut - dann fehlt die Einsicht aber sowas von, dass ich mich da nur noch selber schützen würde. Da ist keine gemeinsame Klärung möglich.

    Mich erschreckt tatsächlich sein Verhalten relativ unmittelbar danach mehr als der Tritt selbst. Da kann man ja auch nicht mehr von Affekt reden.


    Sheilagh, Dein Mann ist ein Schläger. Er schlägt Dich. "Eigentlich ist er nicht so" ist schlicht Unsinn, kaum einer ist immer so, und die allermeisten Schläger verbringen nicht 5-12 Stunden am Tag damit, andere zu schlagen, wird ja auch irgendwann anstrengend, die meiste Zeit ihres Lebens verbringen auch Schläger damit, niemanden zu schlagen. Aber er ist jetzt wiederholt in unterschiedlicher Intensität Dir gegenüber körperlich gewalttätig geworden. Es ist kein einzelnes isoliertes Ereignis mehr, kein Affekt, kein Irgendwas, sondern ein Muster. Du lebst in einer Beziehung, in der Dein Partner Dir gegenüber in Konfliktsituationen gewalttätig wird. Und Du bist offenbar eine Frau, die große Schwierigkeiten mit dem Arbeitsleben hat, zur sozialen Isolation neigt und sich ihre Probleme nicht eingesteht, und auch Du pflegst dieses Muster, dass Du zuschlägst, wenn Du Schwäche wahrnimmst, das hat sich in vielen Fäden hier über lange Zeit gezeigt, in denen Du Leute in schwierigen Situationen abgekanzelt und ihnen mitgeteilt hast, sie wären keine gute Mutter (beispielsweise damals bei Benutzerin). Ich kenne Dich nicht, ich weiß nicht, was bei Dir los ist, aber wenn Du uns hier wirklich keinen Schmu auftischst, sondern das, was Du schreibst, der Wahrheit entspricht, allermindestens Deiner eigenen, dann hast Du da einige ganz gewaltige Baustellen, und ich sehe es wie Avanti: In eurer momentanen Beziehung, angesichts der Dynamik zwischen seinen Eltern, aber auch der jeweiligen Probleme beider Eltern, ist durchaus das Kindswohl gefährdet, und das in einem Ausmaß, dass ich es nicht verkehrt fände, das Jugendamt einzuschalten.


    Was immer Du für Schwierigkeiten im sozialen Bereich hast, was immer da bei Dir los ist, was das Arbeiten betrifft, und was auch immer bei Dir los ist, dass Du für finanzielle Annehmlichkeiten, viel Platz, die Möglichkeit, reglos zu verharren, statt aktiv zu werden, und einen gewissen Status bereit bist, Deine Würde zu opfern und mittelfristig die Sicherheit Deines Kindes aufs Spiel zu setzen - es wäre echt an der Zeit, das mal anzupacken, allermindestens um Deines Kindes willen, wenn Du es schon nicht um Deinetwillen packst. Wobei es ja nicht Dein erstes ist. Ich hoffe aber, es wird das sein, um deretwillen Du Dich entschließt, Deinen Kram mal ernsthaft zu sortieren, auch wenn es möglicherweise schrecklich viel sein mag und Du Dich davor fürchtest. So jedenfalls, wie es sich jetzt darstellt, ist ziemlich schrecklich absehbar, dass das nicht gutgehen kann und entsprechend nicht gutgehen wird und euer Kind ebenso Schaden an euch nehmen wird wie ihr aneinander. Und damit würdest Du dann die Lösung Deiner Probleme in die nächste generation verschieben und sie Deinem Kind aufbürden. So etwas vererbt sich nämlich weiter, so lange, bis jemand sich der Scheiße stellt. Da Du nicht einfach kinderlos geblieben bist, um es nicht weiterzuvererben, was ich vollkommen legitim finde und was viele so handhaben, stehst Du jetzt tatsächlich vor der Entscheidung, und zwar nicht morgen oder nächste Woche, sondern in dieser Sekunde und der nächsten und der übernächsten und allen, die folgen: "Wer muss diese Scheiße aufräumen, die meine Eltern mir hinterlassen haben und die sie ganz sicher nicht aufräumen werden ... mache ich das? Oder lass ich sie liegen, und dann muss mein Kind sehen, ob es sie aufräumt oder ob es ebenfalls in diesem Gestank lebt und ihn weitervererbt, falls es irgendwann selbst Kinder hat?"


    Das ist Deine Entscheidung. Die kann Dir niemand abnehmen, aber so sieht es aus. Spätestens in dem Moment, wo man ein Kind hat, wird man zum Täter, einfach indem man sich entscheidet, weiter ein Opfer zu bleiben.

    auch mich hat der ganze beim nachdenken sehr an den faden der userin damals erinnert, die eine sehr ähnliche konstellation aufwies und wo unter anderm du - sheilagh - überaus aktiv warst mit rat und kritik.


    da ich ihn tatsächlich finden konnte, vrlinke ich dir den mal und bitte dich, in einer ruhigen minute mal seite 14-17 zu lesen, die reaktionen, deine beiträge, die problematik und das auf dich wirken zu lassen. http://www.med1.de/Forum/Saeuglinge/726625/?p=14klick

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    Es ist kein einzelnes isoliertes Ereignis mehr, kein Affekt, kein Irgendwas, sondern ein Muster. Du lebst in einer Beziehung, in der Dein Partner Dir gegenüber in Konfliktsituationen gewalttätig wird. Und Du bist offenbar eine Frau, die große Schwierigkeiten mit dem Arbeitsleben hat, zur sozialen Isolation neigt und sich ihre Probleme nicht eingesteht,

    Das ist Co-Abhängigkeit!

    Hallo Sheilagh,


    käme es für dich in Frage, noch einmal eine Psychotherapie zu machen? Als ich in deinem Alter war, war ich in einer destruktiven Beziehung, ich schrieb damals auch darüber viel hier im Forum. Auch konnte ich mich nicht lösen. Viel darauf eingehen, möchte ich hier nicht, weil ich mich das mich das mitnimmt. Ich fühlte eine schreckliche Ambivalenz. Ich war zu dieser Zeit sowieso in Therapie und habe sehr viel Hilfe von meiner damaligen Psychologin und meinem Psychiater bekommen.


    Mein Rat an dich, suche dir bitte professionelle Unterstützung.


    Liebe Grüße

    Auch ich denke, dass Du sehr dringend therapeutische Unterstützung benötigst. Nach allem, was ich in drei Fäden von Dir und Deinen Problemen gelesen habe, sehe ich, dass Du Deiner Ansicht nach alles richtig machst und sich Dein Mann ändern muss, um eine harmonische Beziehung möglich zu machen. Allein Deine Forderung nach "1-2 Stunden Klärungsgespräch" (anderer Faden) schreckt jeden Partner ab. Der Partner macht da die Schotten dicht, was ja nur menschlich ist.


    Es ist keine Frage, dass Dein Partner unmöglich mit Dir umgeht. Ich verstehe auch, dass Dir wegen des gemeinsamen Kinds eine Trennung extrem schwer fällt, aber Du scheinst mir auch das perfekte Opfer zu sein. Soll die Partnerschaft weiter funktionieren, wirst Du auch sehr viel an Dir selbst arbeiten müssen. Man MUSS nämlich kein Opfer sein!


    Glaube mir, ich weiß, wovon ich rede. Meine Ehe war einst genauso wie Deine: Mein Mann war der Täter, ich war das Opfer. Das änderte sich aber mit der Zeit, und zwar nicht nur deshalb, weil mein Mann eine Therapie absolvierte, sondern weil auch ich mich psychotherapeutisch unterstützen ließ. Mir war bewusst, dass ich meinen Mann nicht umkrempeln kann, also arbeitete ich an mir selber. Es dauerte, es war mitunter auch hart, es hat sich aber gelohnt. Heute möchte ich meinen Mann um nichts in der Welt tauschen.