Ständig Streit wegen Ordnung und Sauberkeit

    Hallo,


    ich bin vor kurzem (1,5 Monate) mit meiner Freundin zusammengezogen. Und es gibt leider sehr häufig Streit wegen Ordnung und Sauberkeit.


    Im Schlafzimmer steht neben dem Bett seit über einem Monat ein leerer Umzugskarton, indem mal ihre Kleidung drin war. Irgendwann habe ich dann auch mal gemeckert, wieso dieser immer noch nicht weggeräumt wurde. Sie findet es nicht schlimm und hätte ihn schon irgendwann weggeräumt, wenn er sie stören würde. Meiner Meinung nach sollte es wohnlich sein und nach abgeschlossenem Umzug muss man doch nicht weiterhin neben Umzugskartons leben.


    Mitten im Flur stehen zwei Regale. Die wollte ich schon vor 3 Wochen in den Keller bringen, da es dafür momentan keine Verwendung gibt. Meine Freundin wollte sie unbedingt behalten und aufhängen. Bis heute stehen die Regale hier im Flur rum.


    Neben der Wohnungstür befindet sich eine kleine Ablage für Schlüssel, Geldbörse, Handtasche etc., also Dinge die man beim rausgehen braucht. Auf ihrer Seite stehen aktuell leere Flaschen, Nagelschere, Gießkanne, Plastiktüten, Mehrfachsteckdose und ein Teller.


    Spüllappen werden nicht ausgewrungen und aufgehängt, sondern einfach nass in die Spüle gelegt, sodass diese anfangen zu müffeln.


    In meinen Augen sind das alles keine übertrieben und peniblen Sachen, sondern Dinge die man im „normalen“ Zusammenleben erwarten kann. Ich schimpfe ja nicht gleich, wenn nach dem Essen zwei Krümel auf dem Boden liegen.


    Meine Freundin ist jedes Mal total beleidigt und eingeschnappt, nachdem ich solche Dinge anspreche. Habt ihr da Tipps oder Erfahrungen, wie sich das irgendwie bessern lässt?

  • 35 Antworten

    Die Punkte, die du hier aufgelistet hast, sind aus meiner Sicht völlig berechtigt. Ich sehe das auch so wie du.


    Seid ihr in der Verliebtheit übereilt zusammengezogen ohne etwas abzusprechen, oder fanden Gespräche statt, und sie hält sich nicht dran?

    Beteiligt sie sich wenigstens an den Lebenshaltungskosten?


    Du könntest in einem Moment, in dem ihr gerade nicht streitet, versuchen, ein sachliches Gespräch zum Thema Erwartungen, Aufgabenteilungen/Zuständigkeit, Hygiene und Wohnlichkeit zu führen. Es kann aber sein, dass sich nichts ändert bzw. dass das direkt zum Streit führt, da gerade das Thema Ordnung in sehr vielen Beziehungen zum Streit führt.


    Deswegen wohnen manche auch nicht zusammen und besuchen sich gegenseitig.

    immer wieder darauf ansprechen und darauf bestehen, das es schnell gemacht wird sonst verzögert sich das wieder um Tage. Lieber alles sofort wegräumen, dann hat mans hinter sich so sehe ich das. Kenne das von meinen Partnern in der Vergangenheit 😊

    Hm ja, dass würde mich auch sehr stören und so eine Unordnung, gerummel macht das Wohnen nicht schön.

    Es sollte schon ordentlich sein und wie du sagst, neben Umzugkartons und sonstigem unnötigen herumstehenden Gerümpel muss man nicht wohnen.


    Sprich mit ihr mal ein ernstes Wort und das dass so nicht geht, also Ordnung und Sauberkeit ist schon wichtig.

    Rotschopf2 schrieb:

    Seid ihr in der Verliebtheit übereilt zusammengezogen ohne etwas abzusprechen, oder fanden Gespräche statt, und sie hält sich nicht dran?

    Beteiligt sie sich wenigstens an den Lebenshaltungskosten?


    Du könntest in einem Moment, in dem ihr gerade nicht streitet, versuchen, ein sachliches Gespräch zum Thema Erwartungen, Aufgabenteilungen/Zuständigkeit, Hygiene und Wohnlichkeit zu führen. Es kann aber sein, dass sich nichts ändert bzw. dass das direkt zum Streit führt, da gerade das Thema Ordnung in sehr vielen Beziehungen zum Streit führt.

    Nein, sind eigentlich nicht übereilt zusammengezogen. Wir sind nun fast 2 Jahre zusammen.


    Wir haben auf jeden Fall über unsere Vorstellungen / Ansprüche an das gemeinsame Zusammenleben gesprochen. Ordnung und Sauberkeit war natürlich auch ein wichtiges Thema. In ihrer alten Wohnung standen auch manchmal irgendwelche Kartons monatelang herum. Da habe ich auch erwähnt, dass sowas nicht sein soll. Aber als ich sie auf den Umzugskarton neben dem Bett angesprochen habe, sagte sie ja selber, dass sie es nicht schlimm findet und er sie nicht stört.


    Doch, an den Lebenshaltungskosten beteiligt sie sich. Von der finanziellen Seite her gab es bisher auch keine Streitigkeiten.

    Skylight93 schrieb:

    Habt ihr da Tipps oder Erfahrungen, wie sich das irgendwie bessern lässt?

    Ich hatte früher auch Mühe mit Ordnung mir hat der Tipp geholfen nie mit leeren Händen den Raum zu wechseln. Wenn man das genügend verinnerlicht hat prüft man automatisch wenn man den Raum verlässt, ob etwas weggeräumt werden sollte und nimmt es direkt mit. Hört sich banal an, aber hält die Wohnung erstaunlich ordentlich.


    Grundsätzlich sind die Sachen die du beschreibst alles kleinere Dinge, die in wenigen Minuten erledigt wären. Da würde es auch reichen wenn sie sich einmal am Tag fünf Minuten zum Aufräumen Zeit nehmen würde.


    Das Problem wird vielleicht eher sein, dass sie es nicht ändern möchte.


    Ich denke es ist Erfolgsversprechender ganz allgemein mit ihr darüber zu reden, dass es dich stört wenn Dinge herumliegen, und keinen konkreten Anlass dazu zu nehmen (also nicht wenn du dich gerade wieder genervt hast weil eine Kister rumsteht, sondern wenn gerade nichts los ist).

    Skylight93 schrieb:

    Aber als ich sie auf den Umzugskarton neben dem Bett angesprochen habe, sagte sie ja selber, dass sie es nicht schlimm findet und er sie nicht stört.

    Dann müsst ihr euch mal darüber unterhalten, dass eigene Maßstäbe, sobald man nicht mehr allein, sondern mit einer weiteren Person zusammenlebt keine Allgemeingültigkeit mehr haben. Zu wissen, dass es den Partner stört und es trotzdem nicht zu machen, finde ich respektlos. Das ist wie: Mir doch wurscht wie der andere das gerne hätte.

    Da wird sich nie geben, schätze ich. Ich bin auch so ein Typ, der Ordnung nicht auf die Reihe bekommt. Weil ich so etwas erst sehe, wenn kein Durchkommen mehr ist. Das ist seit 70 Jahren so und wird sich wohl auch kaum ändern.


    Pingelige Leute und Korinthenzähler hätten es bei mir schwer. 2 meiner 3 Partner waren ebenso, da war das Chaos tatsächlich perfekt, es war einvernehmlich.... Mit dem 3. bin ich nie zusammen gezogen, wir hatten trotzdem eine wunderbare Zeit. Ordnung spielte da keine Rolle.


    Aber "als so gestrickt" kann ich nur sagen, sie wird sich nicht verbiegen, weil es sie tatsächlich nicht stört, von daher wirst du damit leben müssen - oder eben nicht.


    Man selbst findet Ordnung bei anderen auch toll, so ist es nicht, aber für das Umsetzen fehlen da Synapsen im Gehirn.

    ja, geht mir genauso. Ich habe es schon gerne ordentlich, kriege es aber nicht hin. Das mit dem Karton und der Ablage im Flur könnte ich sein...

    Aus schmerzhafter jahrelanger Erfahrung damit, als ordentlicher und sauberer Mensch mit Chaoten zusammenzuwohnen kann ich nur sagen:
    Das wird sich nie ändern.
    Da hilft nur entweder hinter dem anderen herzuräumen, sich dann darüber aber auch nicht zu echauffieren oder sich wieder räumlich zu trennen.
    Ich habe jahrelang die hinterherräum Variante gewäht, das geht aber nur, so lange alles andere top ist. Wenn sich da dann was ändert, dann wird´s böse.
    Also wenn, man sich dann z.B. anderweitig ausgenutzt fühlt, der andere gar nichts mehr macht, die Liebe nicht mehr so groß ist etc.

    Skylight93 schrieb:

    In meinen Augen sind das alles keine übertrieben und peniblen Sachen, sondern Dinge die man im „normalen“ Zusammenleben erwarten kann

    Du kannst alles mögliche erwarten, aber du hast kein Recht darauf, es zu bekommen. Ordnung und Sauberkeit sind im Grunde sehr subjektive Dinge, das wird nur gern vergessen, weil es in diesem Bereich besonders stark ausgeprägte Vorstellungen davon gibt, "wie man das macht". Letztlich gibt es aber trotzdem massive Abweichungen zwischen den unterschiedlichen Vorstellungen und eine große Spannbreite, was "normal" ist.

    Ich zB finde es pingelig, sich an einem Karton zu stören, der neben meiner Bettseite steht und faktisch niemandem im Weg ist. Anderes Beispiel: den Sinn von "Betten machen" habe ich auch noch nie verstanden, ergo mache ich es nicht. Andererseits gibt es wohl viele, die sich daran stören würden. Das Problem ist nur: es gibt da faktisch kein richtig oder falsch, sondern es ist persönliches Empfinden. Und wenn sich 2 zusammentun, die da sehr unterschiedlich ticken, muss man Kompromisse finden.


    Evoluzzer schrieb:

    Zu wissen, dass es den Partner stört und es trotzdem nicht zu machen, finde ich respektlos. Das ist wie: Mir doch wurscht wie der andere das gerne hätte

    Diese Argumentation kann man aber beliebig umdrehen: zu wissen, dass der Karton den Partner nicht stört und sich trotzdem weigern, ihn zu akzeptieren, ist das nicht genauso respektlos? Dem TE scheint es ebenso wurscht zu sein, wie die Freundin sich dabei fühlt, ständig gemaßregelt zu werden.


    Es gibt da keine Allgemeingültigkeit; bei dem Thema kann nicht einfach einer seine eigenen subjektiven Vorstellungen zum alleinigen Maßstab erklären, an den sich der Partner zu halten hat. Ganz egal, wie viele Menschen diesen Maßstab für "normal" halten.


    Aus meiner Sicht stellst du daher die falsche Frage. Du fragst, wie du deine Freundin dazu bringen kannst, sich deinen Vorstellungen unterzuordnen. Meiner Ansicht nach lautet die richtigere Frage, wie ihr beide eure unterschiedlichen Ordnungsvorstellungen unter einen Hut bekommen und trotz der Abweichungen ein harmonisches Miteinander hinbekommen könnt.

    Wenn die Regale sowieso im Keller zwischengelagert werden sollen, dann einfach bei der nächsten Gelegenheit selbst mit runter nehmen. Wenn sie dann doch aufgehängt werden sollen, kann man sie ja wieder holen.

    Den Karton, wenn das nächste mal Papiermüll abgeholt wird, mit rausstellen.

    Ok, dass mit dem Lappen ist eklig. Vielleicht könnte man zum Abspülen künftig eine Bürste nutzen?

    Bleibt noch das Gerummel auf der Ablage. Das ist eine Ecke in der ganzen Wohnung. Unter Unordnung verstehe ich etwas anderes.

    Meine Erfahrung: Dieser „Kulturschock“ ist normal. Mein Partner und ich hatten das auch. Bei uns hat es wirklich Jahre gedauert bis es sich eingependelt hat. So richtig besser wurde es erst nachdem wir berufsbedingt zwischendrin 3 Jahre wieder eine Fernbeziehung führen mussten und es parallel mal eine Zweitwohnung von mir und dann die meines Partners gab.


    Mittlerweile haben wir uns angepasst: Ich bin bin ordentlicher geworden und mein Partner bisschen toleranter, wenn ich im Stress doch mal wieder Unordnung hinterlassen habe.


    Uns hilft es klare Regeln, die für beide gelten und die wir zusammen aufgestellt haben, einfach versuchen zu befolgen, wie z.B.: Derjenige der Abends kocht, hat auch dafür zu sorgen, dass die Küche wieder sauber ist, d.h. der Abwasch ist erledigt, die Flächen aufgeräumt und sauber und der Geschirrspüler muss noch Kapazitäten für das Frühstücksgeschirr am nächsten Tag haben.
    Oder dass gemeinsam genutzte Tische (Küchentisch, Couchtisch, Esszimmertisch) keine Abstell- oder Aufbewahrungsfläche für persönlichen Krempel sind.

    Oder dass die Böden immer frei bleiben und auch nicht als Staufläche verwendet werden und wenn es doch mal sein muss (Reisetasche nach dem Urlaub), dass man sich bemüht, den Boden so zügig wie möglich wieder freizuräumen.

    kleiner_drachenstern schrieb:

    Aus schmerzhafter jahrelanger Erfahrung damit, als ordentlicher und sauberer Mensch mit Chaoten zusammenzuwohnen kann ich nur sagen:
    Das wird sich nie ändern.
    Da hilft nur entweder hinter dem anderen herzuräumen, sich dann darüber aber auch nicht zu echauffieren oder sich wieder räumlich zu trennen.

    Man kann durchaus auch seine Ansprüche an Ordnung und Sauberkeit herunterschrauben. Das geht nicht sofort auf Kommando, sondern dauert eine Weile, ist aber möglich.


    Ich habe das über die Jahre gelernt, es für eine Weile auszuhalten, wenn nicht alles sofort sauber gemacht wird (obwohl ich nie die große Ordnungsfanatikerin war). Das ist der "Preis" den ich dafür zahle, dass mein Mann 50% der Putzarbeit macht. Das ist mir tausendmal lieber als alles selber zu machen. Es ist unfair und übergriffig, dem Partner anzuordnen, wann er was wie gründlich sauberzumachen hat. Wer erwartet, dass beide mit anpacken, muss sich gegenseitig zugestehen, dass das jeder auf seine eigene Art macht. Erwartet man ja vom Partner schließlich auch.

    Skylight93 schrieb:

    Meine Freundin ist jedes Mal total beleidigt und eingeschnappt, nachdem ich solche Dinge anspreche. Habt ihr da Tipps oder Erfahrungen, wie sich das irgendwie bessern lässt?

    Einfach nachholen und besprechen, wie das gemeinsame Wohnen ausschaut. Du kanntest sie ja vorher und hast gesehen, wie sie ist.



    Skylight93 schrieb:

    Wir haben auf jeden Fall über unsere Vorstellungen / Ansprüche an das gemeinsame Zusammenleben gesprochen. Ordnung und Sauberkeit war natürlich auch ein wichtiges Thema. In ihrer alten Wohnung standen auch manchmal irgendwelche Kartons monatelang herum. Da habe ich auch erwähnt, dass sowas nicht sein soll. Aber als ich sie auf den Umzugskarton neben dem Bett angesprochen habe, sagte sie ja selber, dass sie es nicht schlimm findet und er sie nicht stört.

    Tja, finde den Fehler.

    Skylight93 schrieb:

    In meinen Augen sind das alles keine übertrieben und peniblen Sachen, sondern Dinge die man im „normalen“ Zusammenleben erwarten kann. Ich schimpfe ja nicht gleich, wenn nach dem Essen zwei Krümel auf dem Boden liegen.

    Du kannst erwarten, dass sie ist, wie sie ist und wie du sie seit 2 Jahren kennst. Alles andere ist Träumerei.