@ Birkenzweig

    Und wie lange soll sie noch warten? Mit 20 noch nicht reif dafür? Mit 30 vielleicht? Mit 40? Oder wenn sie selber mal verheiratet und Mutter ist? Oder vielleicht erst dann wenn der Vater in der Kiste liegt, alles zu spät ist und keine Chance einer Aussprache mehr da ist? Wie schlecht ist ihr Gewissen dann dran?

    Ich habe echt keine Lust mich hier in einem Onlineforum noch dafür rechtfertigen zu müssen, warum ich meinem Vater nach 18 Jahren Kontaktverweigerung seinerseits nicht um den Hals falle.


    :|N


    Noch viel weniger Lust habe ich auf diese typische Masche von "Wir armen unschuldigen Väter" und bin recht schockiert in welche Richtung hier argumentiert wird.


    Mir ist echt nicht nach einem "wir armen unschuldigen Väter Gerangel" und du böse TE, dass du nach 18 Jahren nicht sofort deinem Vater in den Arm gefallen bist.


    Daher bin ich raus. *:)

    Es ging doch nur darum, dass Du den Gedanken zulässt, dass es sein kann, dass er sich nicht melden konnte. Warum auch immer. Der 18. ist doch kein Zufall. Er hat diesen gewählt, weil er dann davon ausgegangen bist, dass Du selbstständig handeln "darfst". Er hätte es ja auch lassen können.

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    Liebe timba-stern,


    hast Du schon einmal darueber nachgedacht, wer vielleicht wesentlich mehr als Dein Vater an der Misere schuld ist? - Mir fallen da die Familiengerichte, die Jugendaemter und die Familienanwaelte ein, die allesamt in grossartiger Weise ihre Mitschuld daran haben, wenn es so laeuft, wie es leider auch bei Dir gelaufen ist. Und es gibt noch weitere Personenkreise, so teilweise auch Familienberater, Psychologen, Psychiater und andere Personen bis hin zu Lehrern und Erziehern.


    Das, was leider in Deutschland bei den genannten Personenkreisen nicht oder bestenfalls nur ansatzweise angekommen ist, ist genau dieser teils schleichende Entfremdungsprozess, der bereits vor vielen Jahren unter dem Begriff PAS von einigen Fachleuten genau beschrieben worden ist.


    Andere Laender (nach meinem Kenntnisstand u.a. Frankreich) sind da schon weiter und ueben einen gesunden Druck auf denjenigen Elternteil aus, der das Aufenthaltsbestimmungsrecht hat (meist die Mutter), indem hier die einfache Formel heisst: "Kein Umgang, kein Unterhalt!". Die wenigstens Muetter werden dann voellig auf den Unterhalt verzichten wollen und sich demzufolge mehr als hierzulande leider allzu ueblich um einen angemessenen Umgang bemuehen.


    Liebe timba-stern, was auch allzu leicht uebersehen wird, ist das zunehmende Befremdet-Sein des "anderen" Elternteils (typ. des Vaters) ueber die Entwicklung des Kindes. Es sind eben immer 2 Dinge, die einen Menschen praegen, naemlich die genetische Ausstattung und am Ende wahrscheinlich noch mehr als diese die Erziehung und Umwelt des heranwachsenden Kindes. Auf diese äußere Prägung haben selbst diejenigen Väter, die den in Deutschland ueblichen, letztlich minimalen Umgang tatsaechlich haben, nur herzlich wenig Einfluss.


    Hier stellen sich ganz praktische Fragen fuer den Vater und dessen moegliches neues Umfeld, z.B. die Art, wie er auf das nur ganz kurz und voruebergehend anwesende Kind erzieherisch einwirken soll. Wenn er es nicht verlieren will, wird er vielleicht viel mehr "durchgehen" lassen, als es seinen Vorstellungen entspricht. Wenn er dagegen dem heranwachsenden Kind deutliche Grenzen setzt, muss er den Verlust fuerchten, sei es nun mehr, dass das Kind sich unmittelbar erzogen und daher eingeengt sieht, oder sei es mehr, dass es der Mutter Argumente gegen den "ach-so-strengen" Vater liefert.


    Auch auf die vielen Entscheidungen des taeglichen Lebens, die den Werdegang eines Kindes bzw. Menschen praegen, hat der Vater oft fast keinen Einfluss, und das umso mehr, wenn er noch nicht einmal das gemeinsame Sorgerecht hat. Auf Grund Deines Lebensalters koennte ich mir vorstellen, dass die Trennung Deiner Eltern noch in einer Zeit stattfand, als die Vaeter typischerweise sowieso kein Sorgerecht zugeteilt bekamen; vielleicht waren Deine Eltern auch nie verheiratet, so dass Dein Vater sowieso kein Sorgerecht hatte, falls es Deine Mutter ihm nicht freiwillig gegoennt haette. Das EU-Urteil, dass auch unverheiratete Vaeter Anspruch auf ein gemeinsames Sorgerecht haben, ist erst wenige Jahre alt und damit wesentlich juenger, als Du es bist. ;-)


    Das zunehmende "Fremd-Werden" des Kindes fuehrt oft zu einer emotionalen Verschlechterung der Beziehung zwischen dem "anderen" Elternteil und dem Kind, gerade eben auch aus Sicht des Vaters. Und die Ueberlegungen von Kantenmechaniker, die er an anderen Stellen im Forum geaeussert hat, sind durchaus typisch, naemlich dass man den Sinn des Kontaktes tatsaechlich kritisch sehen muss, weil sich das Kind in einem staendigen Loyalitaetskonflikt mit seiner Mutter befindet, wenn diese den Umgang nicht (wie eigentlich gesetzlich vorgesehen) aktiv foerdert.


    Negativ hinzu kommt in emotionaler Sicht die Frage des Unterhaltes, den bestimmt viele Vaeter gerne zahlen wuerden, wenn sie ein echtes Mitspracherecht haetten. Genau daran hat es aber bestimmt auch in Deiner Kindheit gemangelt, und die Familienanwaelte (und Gerichte bzw. Jugendaemter mit ihren oft zweifelhaften pseudo-juristischen Dienstleistungen) tragen ihren unheiligen Teil dazu bei, dass sich die betroffenen Vaeter wie reine Zahlmeister fuehlen. Selbst auf die Verwendung von Steuergeldern kann man durch die naechsten Wahlen ein wenig Einfluss nehmen, nicht aber auf die Verwendung der Unterhaltszahlungen. Diese in Deutschland fest zementierte, fehlende Kontrolle ueber die Verwendung des Unterhaltsgeldes erzeugt leicht ein erhebliches Gefuehl der Machtlosigkeit, das einer guten Vater-Kindbeziehung ebenfalls abtraeglich ist.


    Was Deine Situation als Studentin betrifft, ist es durchaus so, dass nicht jeder Studierende sein Studium mit dem notwendigen Nachdruck verfolgt und sich ein fuer ihn geeignetes Studienfach sucht. Allzu leicht kann der vom Vater bis spaetestens zum 27. Lebensjahr zu zahlende Unterhalt dazu verleiten, das Studium gemuetlich anzugehen. Das sind keine Unterstellungen, die an Dich gerichtet sind, aber eben doch haeufiger auftretende Erscheinungen.


    Eigentlich sind naemlich auch die Muetter zum Bar-Unterhalt verpflichtet, sobald ihr Kind 18 Jahre alt ist, doch wird das sowohl von den Kindern als auch den Muettern gerne uebersehen, und nur der Vater wird zum Zahlen herangezogen. Es sind mir sogar Faelle bekannt, in denen Familiengerichte diesen zukuenftig eintretenden Sachverhalt bei ihren Entscheidungen im frueheren Kindesalter uebersehen haben, und viele junge Leute sind sich dieser Zahlungsverpflichtung ihrer Eltern ihnen gegenueber nicht oder nicht voll bewusst, was natuerlich ebenso auch intakte Elternhaeuser betrifft.


    Liebe timba-stern, ich wuerde mir an Deiner Stelle vielleicht noch das eine oder andere Buch zu diesem Thema besorgen, um mein Urteil ueber Deine familiaere Situation abzurunden. Ein recht bekannter Titel lautet z.B. "Entsorgte Vaeter".


    Es gibt uebrigens noch andere Gruende, ein halbwegs gutes Verhaeltnis mit seinem Vater anzustreben, die ueber das rein emotionale auch das langfristige monetaere Verhaeltnis betreffen. So kann es z.B. sein, dass der Vater ein gewisses Vermoegen aufgebaut und/oder ererbt hat, das er ebenso gut an andere als an Dich als sein genetisches Kind vermachen kann. Und auch an vielen anderen Stellen im Leben kann ein engagierter Vater seinem Kind helfen; das koennen ganz praktische Dinge wie ein Umzug sein oder Handwerksarbeiten, das koennen aber auch z.B. hilfreiche Vorschlaege sein, die etwa Dein Studium oder Deine Berufswahl betreffen, und vielleicht wird er auch eines Tages gerne die Grossvater-Rolle uebernehmen, um Dich zu entlasten.


    Vielleicht erweist sich Dein Vater in allen diesen Punkten nicht als hilfreich, aber das kannst Du ja immer noch entscheiden, wenn Du ihn ueberhaupt erst einmal in Ruhe kennengelernt hast. Daher stuende es fuer mich persoenlich ausser Frage, dass ich ihn jedenfalls kennenlernen wollte. Mein Vater (knapp 90) ist mir ("Ü50" :-D ) heute noch ein wichtiger Gespraechspartner, Ratgeber und herzlichst nahestender Mensch :)_ , auf den ich mich immer verlassen kann. Du hast also (hoffentlich) noch mehr Jahre vor Dir, mit Deinem Vater eine gemeinsame Beziehung zu entwickeln als in Deinem bisherigen Leben. Bedenke dabei, dass es gerade auch die Vaeter sind, die wegen ihrer Berufstaetigkeit oft nur recht knappe Zeiten mit ihren Kindern verbringen koennen; da kann dann das Erwachsenenalter noch viel Naehe und Austausch bewirken, der in der Kindheit wegen des vaeterlichen Berufes nicht moeglich war.


    Viel Glueck fuer Dein Studium und Deine familiaere Situation!


    :)_