Trennen oder bleiben?

    Ich brauche mal etwas Input von außen. Vielleicht sehe ich die Dinge ja doch zu streng. Ich bin seit über einem Jahr mit einem Mann zusammen. Anfangs waren wir beide sehr verliebt, aber schon nach weniger als einem halben Jahr kehrte der Alltag ein. Zudem musste ich leider feststellen, dass er ein Alkoholproblem hat. Er ist ein sog. Quartalstrinker, also alkoholkrank. Und er hat keine Einsicht, irgendetwas gegen die Krankheit zu unternehmen. Trotzdem ist ein guter Mensch und ich dachte, ich gebe ihm einfach eine Chance. Wir haben schöne Zeiten miteinander verbracht. Gerade ist die Situation etwas angespannt. Er ist selbstständig und baut gerade sein neues Haus aus bzw. lässt es vielmehr bauen. Hier hat er sich finanziell wohl etwas verkalkuliert, so dass ich ihm bereits eine große Summe geborgt habe, wobei mir im Nachhinein dabei etwas mulmig ist. In der letzten Zeit geraten wir oft aneinander, wenn ich sage, dass mir dies oder jenes nicht passt. Er sagt mir zwar oft, dass er mich liebt, aber ich kann es ihm gerade nicht mehr glauben. Es sind so bestimmte Dinge, die mich immer wieder zweifeln lassen. Im Suff redet er viel und sagt dabei wahrscheinlich sogar ungefiltert Wahrheiten, die schmerzen können. Seine Freunde würden mich nicht mögen und er solle sich doch was Hübscheres suchen. Aber naja, wir verstehen uns ja und der Sex ist auch gut. Deshalb ist ja mit mir zusammen. Zu meinem Geburtstag am Wochenende hat er kurzfristig noch andere private Termine dazwischen geschoben. Ich war sauer, wir haben uns gestritten und an dem Tag nicht mehr gesehen. Auch wenn wir danach wieder miteinander geredet haben, gab's weder eine Entschuldigung, ein Geschenk noch Blümchen. Er wollte ja zu meinem Geburtstag mit mir essen gehen. Vor kurzem hatten wir wieder einen Streit, in dem er für mich so haltlose Vorwürfe geäußert hat, die mir in dem Moment sehr weh getan haben, weil ich überhaupt nicht erwartet habe, dass der so denkt. Der Streit begann damit, dass er statt wie verabredet 23:30 erst 1,5h später bei mir erschien, weil die Saufrunde wieder mal kein Ende fand. Allerdings hat er mir schon 23:30 gesagt, dass er unterwegs sei und ich noch nicht schlafen gehen sollte. Für mich ist das nicht so einfach, da ich 6:30 Uhr morgens aufstehen und zur Arbeit muss. Als er dann endlich bei mir zu Hause (wir wohnen getrennt) ankam, erwartete er, dass dann alles so nett wie immer ist: alles wieder gut, Gute Nacht Sex und schlafen. Natürlich habe ich ihm gesagt, dass ich verärgert bin und das so nicht läuft. Für ihn waren es lächerliche 90 Minuten Verspätung, für die man kein Fass aufmacht. Ich solle doch froh sein, dass er überhaupt da ist. Ich habe dann noch versucht, mit ihm zu reden, um wenigstens ein bißchen Verständnis von ihm zu bekommen. Aber es wurde noch schlimmer. Plötzlich wurde ich mit Vorwürfen bombardiert: ich wäre undankbar, er würde so viel für mich machen, das würde kein anderer Mann für mich tun. Ich gebe ihm immer das Gefühl, er würde nicht genügen, nix würde er 100% richtig machen. Ich habe dann um Beispiele gebeten. Es kamen Beispiele, wo ich mit einer bestimmten Situation nicht glücklich war, was man mir sicher ansieht, wo ich ihm aber keine persönlichen Vorwürfe gemacht habe, weil er nix dafür konnte. In einigen Beispielen hatte ich tatsächlich Kritik geäußert. Er schaffte es angeblich aus Zeitgründen nicht, seinen Umzug rechtzeitig zu regeln, hatte aber Zeit, 4 Abende in der Umzugswoche mit Freunden unterwegs zu sein. Und so viel macht er in Realität auch nicht für mich, ich denke, es ist eigentlich gleichwertig. Ich habe sowieso oft das Gefühl, dass ich nur Mode bin, wenn es ihm gerade in den Kram passt. Wenn er abends was unternehmen will, wenn er nicht alleine essen will oder wenn er unseren Termin noch mit einem Geschäftstermin verbinden kann. Jedenfalls haben mich diese Vorwürfe allesamt sehr verletzt. Ich konnte sein Unverständnis und mangelndes Einfühlungsvermögen nicht fassen und war/bin völlig niedergeschlagen. Nachdem ich es sacken lassen habe, denke ich, dass er irgendwie im Stress ist und ein Teil der Vorwürfe Projektionen aus vorhergehenden Beziehungen waren. So Sprüche mit "Ihr Frauen...." Nichtsdestotrotz, hat mich das Ganze sehr sehr mitgenommen, zumal wir das erste Jahr eine sehr harmonische Beziehung hatten. Bis vor kurzem dachte ich, wir könnten alles bereden und regeln. Hier stoße ich nun an eine Mauer und frage mich, ob es Sinn macht, den gemeinsamen Weg weiter zu gehen. Er versucht nach solchen Auseinandersetzungen immer zur Tagesordnung überzugehen, als wäre nix gewesen. Wenn ich ihm dann erkläre, was mich verletzt hat, was ich von ihm erwartet hätte, dann wird das lapidar damit abgetan, dass wir eben verschieden wären. Dann kommen ein paar Gegenargumente und Ausreden, die ich ihm oft faktisch widerlegen kann. Mir fehlt einfach das Mitgefühl und wenigstens der Versuch, meine Seite verstehen zu wollen. Ich weiß nicht, ob das so ein Männer-Frauen Kommunikationsproblem sein könnte. Aber das habe ich in meinen Beziehungen bisher nie erlebt. Wenn man sieht, dass es dem anderen ganz schlecht geht, versucht man doch irgendetwas zu unternehmen, um die Situation besser zu machen.


    Ich bin gerade im Gefühlschaos und freue mich über neutrales Feedback von außen.

  • 6 Antworten

    Meiner Meinung nach ist der Typ ein Vollpfosten. Es tut mir leid, wenn ich das so sage.


    Er beleidigt Dich, verletzt Dich, respektiert Dich nicht und springt mit Dir auch so um. Lass Dir das nicht bieten und vor allem nicht gefallen. Ich hatte eine ähnliche Beziehung und war unendlich froh endlich rausgekommen zu sein. Du machst Dich damit nur selbst kaputt.


    Solche Männer versuchen einem einzureden das man nichts Besseres bekommt und man für jede kleine Zuneigung dankbar sein sollte und das einen nie wieder ein Mann haben möchte. Das ist manipulativ und grausam. Genau das macht er ja schon mit Dir.


    Tu Dir selbst einen Gefallen und trenne Dich. Verlieren kannst Du dabei nichts, außer vielleicht die Summe Geld die Du ihm gegeben hast (auch das kenne ich). @:)

    Liebe samana,


    Eigentlich sagt Dir Dein Gefühl schon, wofür Du Dich entscheiden solltest.

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    Er ist ein sog. Quartalstrinker, also alkoholkrank.

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    er hat keine Einsicht, irgendetwas gegen die Krankheit zu unternehmen.

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    finanziell wohl etwas verkalkuliert, so dass ich ihm bereits eine große Summe geborgt habe

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    Es sind so bestimmte Dinge, die mich immer wieder zweifeln lassen.

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    Im Suff redet er viel und sagt dabei wahrscheinlich sogar ungefiltert Wahrheiten, die schmerzen können. Seine Freunde würden mich nicht mögen und er solle sich doch was Hübscheres suchen.

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    Auch wenn wir danach wieder miteinander geredet haben, gab's weder eine Entschuldigung,

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    1,5h später bei mir erschien, weil die Saufrunde wieder mal kein Ende fand.

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    Ich solle doch froh sein, dass er überhaupt da ist.

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    ich wäre undankbar, er würde so viel für mich machen, das würde kein anderer Mann für mich tun.

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    Wenn man sieht, dass es dem anderen ganz schlecht geht, versucht man doch irgendetwas zu unternehmen, um die Situation besser zu machen.

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    wir verstehen uns ja und der Sex ist auch gut.


    Möchtest Du jemanden in deinem Leben, der Dich liebt, verständnisvoll ist, mit Dir harmoniert, oder jemanden, der nur mit Dir Sex hat und sich angeblich mit Dir versteht?


    Dein Text spiegelt Deine Sicht der Dinge, und es klingt für mich nicht nach einer gesunden Beziehung. Es hat den Anschein, ich drücke es vorsichtig aus, als ob er Dich nur ausnutzt.

    Sowohl der Alkohol als auch der Geldumgang sind schon einzeln oft ein Trennungsgrund. Und auch wenn sich die Situation momentan gar nicht so schlimm anfühlt, sie ist es doch. Ein Quartalstrinker mag für dich in der Konsequenz (noch) weniger dramatisch sein als ein richtig abgestürzter Dauersäufer, trotzdem hat er ein ungelöstes Alkoholproblem. Da werden sich im Lauf der Beziehungsjahre noch so einige unschöne Erlebnisse ansammeln steht zu befürchten. Mal abgesehen davon dass Alkoholiker oft sehr geübte Lügner sind. Und auch die große geborgte Summe für die du keine Sicherheit hast, keine Gegenleistung, könnte dir noch ganz gewaltig auf die Füße fallen. Sollten irgendwo finanzielle Probleme auftauchen musst du vermutlich damit rechnen dass du die allerletzte bist die Geld sieht, da du nichts in der Hand hast.


    Diese zwei Punkte schweben wie zwei mächtig scharfe Damoklesschwerter über euch. Und dass diese Dinge in künftigen Jahren mehr Stress verursachen als im ersten - üblicherweise noch recht rosigen - Jahr, damit muss man rechnen.


    Und als Killer kommt noch oben drauf dass ihr keine sinnvolle Gesprächsbasis habt, so wie du das schilderst.


    Aus meiner Sicht habt ihr in künftigen Jahren sehr viel Potenzial für sehr viel Verschlechterung in der Beziehung, und wenig deutet darauf hin dass irgendwas besser wird. Aber natürlich kann ich nicht hellsehen. Dass es auch schöne Zeiten gibt das will ich nicht bestreiten, zumal ihr noch nicht so lang zusammen seid. Ob sie so häufig bleiben werden und den Rest auszugleichen vermögen wirst du in den nächsten Jahren sehen. Ein gutes Gefühl hab ich leider nicht.

    Hm... hatte er gerade eine trockene Phase? D. h. steht er evtl. wieder kurz vor der "nassen" Zeit? Klingt für mich gerade so... Ich hab im Bekanntenkreis einen Quartalstrinker und immer wenn es wieder auf die "nasse Zeit" zugeht, dreht er völlig am Rad und benimmt sich wie die Axt im Walde.


    Aber.... das ist keine Entschuldigung und so sollte man auch nicht mit einem Partner umspringen.


    Mein Partner (sind jetzt ein halbes Jahr zusammen) hat auch ein Alkoholproblem. Etwas anders gelagert als bei deinem Partner. Er ist nicht körperlich abhängig und mehr ein "Gesellschaftstrinker", dann aber leider immer Unmengen und viel zu oft.


    Ich habe mir das Spielchen ein paar Wochen angeschaut und ihn dann darauf angesprochen, bzw. ihm gesagt, dass das für mich so nicht geht. Ganz klar!


    Als es nicht besser wurde, habe ich ihn rausgeworfen! (Er wohnt nicht bei mir, ist aber zu 99% bei mir.. ich hab Katzen, da bin ich lieber bei mir als bei ihm).


    Wir standen weiter in Kontakt und als er den einen Abend unsere Telefonverabredung nicht einhielt, wusste ich, was los ist. Ich hab vor der Kneipe auf ihn gewartet. Ich wusste, er würde bald rauskommen um eine zu rauchen. Ich wollte ihn nicht aus der Kneipe zerren und ihm da eine Szene machen. Aber zu Hause sitzen und warten, bis er sich meldet, das konnte ich auch nicht.


    Als er raus kam, hab ich ihn gebeten mit mir in mein Auto zu kommen. Er war sternhagelvoll! Allerdings ist er den Alkohol schon so gewöhnt gewesen, dass er keinen Filmriss mehr hat...


    Ich bin völlig ausgeflippt, hab ihm eine geknallt (hab ich vorher noch nie getan sowas, aber ich war so wütend und hilflos) und dann hab ich erstmal geweint, geschluchzt, hyperventiliert. Er hat mich beruhigt und man konnte ihm ansehen, dass ihn meine Reaktion geschockt hat.


    Wir haben uns an dem Abend noch kurz unterhalten und er hat zugegeben, dass er ein Problem hat.


    Die nächsten Tage haben wir ebenfalls viel geredet, waren zusammen Essen etc.. und ich habe ihm ganz klar gemacht, dass ich keine Beziehung mit ihm weiterführen werde, wenn er sich nicht helfen lässt, bzw. er erst einmal einsieht, dass er ein Problem hat und das so nicht weitergehen kann.


    Mein Rauswurf und das Beenden der Beziehung war der heilsame Schock für ihn. Ihm war aber vorher schon selbst klar, dass er ein Problem hat, er konnte und wollte es nur nicht zugeben.


    Inzwischen geht er in eine Suchtberatung und der Alkoholkonsum hat sich drastisch reduziert. Neulich gab es noch einmal einen Ausrutscher, bei dem er meine Reaktion aber auch sofort zu spüren bekommt. Er hat dann aber selbst eingesehen, dass er doch noch nicht soweit ist, wie er geglaubt habt.


    Was ich dir damit sagen möchte... Wenn dein Partner nicht einsieht, dass er ein Problem hat, wird sich an dem Alkoholproblem nichts ändern. Und ich denke, dass ist eines der Hauptprobleme eurer Beziehung und seines Verhaltens. Du bist sicher bereits Co-abhängig und unterstützt seine Sauferei... nicht bewusst, aber z. B. die finanzielle Unterstützung hättest du ihm besser verwehrt. Klingt hart, ist aber so. Solche Leute darf man nicht unterstützen, man muss sie ein Stück weit fallen lassen, damit sie wach werden. Wenn überhaupt. Aber dann ist ihnen auch nicht mehr zu helfen...


    Harte Worte, das weiß ich. Aber Saufen kostet Geld, das fehlt dann woanders. Viel viel Geld.


    Ich würde mit einem Mann, der offensichtlich so ein Problem hat (und ich beziehe mich in diesem Beitrag bewusst nur auf den Alkohol, ich weiß nicht was er generell für ein Mensch ist, der Alkohol verändert ja auch viel) nicht zusammen sein wollen. Mein persönlicher Standpunkt wäre: Entweder er ändert etwas, oder die Beziehung wäre für mich vorbei.


    Solange du das weiter so mitmachst, wird sich auch nichts ändern. Und nein, ich finde nicht, dass du das alles zu eng siehst. Im Gegenteil! Deine Bedürfnisse sind mindestens genau so wichtig wie seine, doch die sehe ich hier von ihm nicht ernst genommen.


    Alles Liebe, eine schwere Entscheidung, aber.. denk an dich.. Tut er dir gut? Ist es ihm wichtig, dass es DIR gut geht, so wie es dir wichtig ist, dass es ihm gut geht? :)_


    LG Prada