Trennung. Habe ich ihn völlig mit meiner Erkrankung überfordert?

    Mein Freund war letzten Nachmittag zum ersten mal da gewesen, seit ich aus dem KH raus bin. Er kam bevor er zu mir gekommen ist, noch bei der arbeit gewesen. Wird sind seit 3,5 Jahren zusammen. Unsere Beziehung lief gut, aber die letzt 8-9 Monate war für uns beide nicht einfach gewesen, weil ich Krank war. Ich konnte mit ihm auch nicht mehr viel zusammen unternehmen. Waren meist zu Hause und weil wir keine Gemeinsame Wohnung haben,meist zwischen 2-3 Tage in der Woche zusammen.


    Es drehe sich recht viel um meine Erkrankung. Konnte wegen Schluckstörungen immer weniger aufnehmen. Es drehte sich so, ständig drum ob ich noch schaffe genug Flüssigkeit zu mir zu nehmen, was ich am besten mache usw. Ob ich wieder ins KH soll. Körperlich wurde ich auch immer schwächer.


    Meisten war er sehr lieb zu mir, Verständnisvoll. Auch wenn er vieles nicht verstehen konnte, aber es ist wohl was anders ob man es selber hat oder nur es mitbekommt.


    Vereinzelt kam aber schon vor, das er von dem allen mit mir genervt vorkam. Es kam auch mal "Jetzt schaff das doch endlich richtig zu essen". Und hatte den Ärzten geglaubt, die meinten, ich habe einfach nur eine Meise und bilde mir ein, nicht richtig schlucken zu können( was mir schon sehr weh tat, weil ich so das Gefühl hatte, der einzige Mensch der mir noch geglaubt hat, tut es jetzt auch nicht mehr und kam mir völlig alleine vor).


    Aber dann war er manchmal über besorgt.


    Er war dabei gewesen, als ich mich Lebensgefährlich Verschluckt hatte. Das hatte ihn schon ganz schön mitgenommen und es tat mir so Leid, das er es mitbekommen hat.


    Er wollte darüber aber nie reden. Aber danach reagierte er schon oft über, wenn ich mich verschluckte und am Husten war.


    Ich hatte jetzt vor 1,5 Wochen eine PEG Sonde bekommen und auch ein Gerät für Nachts zur Atemunterstützung. Bin seit ende der Woche aus dem KH raus. Und wie haben uns jetzt zum ersten mal gesehen und er wollte bis Di. bleiben.


    Ich denke ich habe ihn völlig überfordert mit dem allen.


    Ich hatte ihm von meiner Diagnose(MNE, evtl ALS) erzählt, die ich auch erst seit ein paar Tagen weiß(wollte es telefonisch nicht machen).


    Er war danach recht still und hat nur im Internet gelesen was es ist. Meine Erklärung war ihm wohl zu kurz.


    Es kam auch dazu das ich mit schmusen wollte. Wo er auch mitmachte, aber als er mit seiner Hand an den PEG Sonde kam.Hatte er abgebrochen und meinte er müsste mal telefonieren.


    Und da habe ich jetzt wohl ein Dummen Fehler gemacht.


    Ich hatte ihn, kurz bevor wir ins Bett wollten drum gebeten mir ein wenig zu helfen, mit der PEG Sonde ( Beutel Wechsel , Spülen, Verbandswechsel usw.)Ich bin Fein motorisch ein wenig eingeschränkt. Es dauert wenn ich es alleine mache, recht lang.


    So hatte er die Sonde das erste mal gesehen. Wahrscheinlich war die Konfrontation zu viel für ihn. Ich merkte das er nicht hinhauen konnte, auch als ich es dann machte. Selbst die Spritzte mit Wasser aufzuziehen(mir dann zu geben) bereitet ihn schwierigkeiten.


    Ich hatte dann zu ihm gesagt " Ich schaffe das schon alleine" und er ist dann aus dem Zimmer gegangen.


    Ich war dann, als ich fertig war zu ihm hingegangen und er sagte das er besser in seine Wohnung schläft.


    Ich hatte ihn dann gefragt was das soll und er wollte erst nichts sagen und ich hatte ihn weiter gedrängt, was los ist.


    Erst kamen so ausreden, wie "er könnte das ich genug Schlaf bekommen und er möchte mich nicht stören".


    Als ich ihn das nich abnahm, kam alles raus. Und ließ einiges los z.b


    Er kommt nicht damit klar, das ich bald ein Pflegefall werde und er mein Pfleger. Er hätte das die Monate nur mitgemacht, weil er dachte es wird bei mir bald wieder normal und ich gesund. Er kommt nicht damit klar, mit der Sonde an mein Bauch, nicht das ich so eine Monster Maske beim schlafen aufhaben soll und bald auch noch durch den Hals beatmet werden muss, nichts mehr Bewegen kann, nicht sprechen. Das kann er alles nicht mitmachen. Er trennt sich und er will das alles nicht miterleben, wenn es passiert. Er will eine Frau die Sport machen kann, was unternehmen kann, er will Kinder haben(wir haben keine Kinder, ich hatte vor 2 Jahren eine Totgeburt). Und nicht eine Frau der man mal den hintern abwischen muss und von Bett in Rollstuhl heben muss. Und die er, durch ein Schlauch ernähren muss. Er will beruflich weiter kommen und nicht zu Hause als Pfleger von mir sein. So stellt er sich keine Beziehung vor.


    Er ist dann gegangen.


    Mich hat das alles völlig die Füße unter den Boden weggerissen. Ich habe ihn mit dem allen wohl überfordert. Ich hätte ihn wohl nicht mit dem allen, gleichzeitig konfrontieren dürfen.


    Die Diagnose hätte ich ihn wohl besser später gesagt. Die Maske und Sonde wäre für ihn wohl schon mehr als genug gewesen, aber ich wollte ihn auch nicht anlügen mit der Diagnose

  • 139 Antworten

    Du ehrlich? Bei dem Typen wäre es egal gewesen, ob du ihm die Wahrheit scheibchenweise oder in Kuchenstücken servierst, der wäre früher oder später eh gegangen.


    Er hat klare Worte gesprochen. Er ist an Wohlergehen interessiert und will ein tolles unproblematisches Leben führen. Eine Famlie mit Kindern gründen usw....


    Du bist dafür nicht geeignet.


    Es ist für Dich garantiert erbärmlich, das hören zu müssen, jetzt in einer Situation, wo Du Unterstützung und Hilfe brauchst.


    Aber,...sei froh, dass der weg ist. Der wäre niemals eine Hilfe gewesen.


    Ich wünsche Dir, dass Du in Zukunft Leute um Dich herum haben wirst, die Dir helfen und Dich bereichern und nicht sowas wie Deinen Freund, obwohl ich ihn auch in gewisser Weise verstehen kann, wenn er geschockt war. Er kann das alles nicht sehen und nicht mitmachen.


    Allerdings wird er dann im Leben noch oft Probleme bekommen, denn auch ihm wird wohl warscheinlich nicht durchweg das Paradies vor Füßen gelegt werden. Wer weiß, wie krank er selbst nochmal wird, wie krank seine zukünftige Frau oder Kinder...es muß auch bei ihm nicht alles glatt laufen.


    An Deiner Stelle würde ich nicht versuchen, ihn zurückzuholen.

    Ich glaube nicht, dass ein späterer Zeitpunkt ein wesentlich anderes Ergebnis erzielt hätte. Wenn er sich zunächst in falscher Sicherheit gewogen hätte, wäre die Wahrheit wahrscheinlich noch schmerzhafter gewesen.


    Ich habe keine Erfahrungen mit partnerschaftlichen Beziehungen aufgrund dessen, dass ich schon sehr früh schwer chronisch krank wurde. Dennoch würde ich sagen, dass er jetzt für sich erst einmal Zeit braucht; er muss für sich alles neu sortieren, denn auch für ihn bedeutet die Information einen plötzlichen Verlust der konkreten Vorstellungen über sein Leben und seine Beziehung mit dir. Vorher wird es vermutlich keinen Sinn machen, wenn du auf ihn zugehst; das würde er eher als Bedrängung empfinden.


    Früher oder später müsst ihr natürlich noch einmal reden, möglichst in einer weniger emotional aufgeladenen Situation.


    Vielleicht wäre es auch eine Möglichkeit, dass du ihm eine Brief schreibst? In schriftlicher Form kann man manchmal die eigenen Empfindungen besser ausdrücken, und der andere kann sich dann auch die Zeit, die er zur Verarbeitung braucht, nehmen.


    Letztlich kann man aber niemanden dazu bringen bei einem zu bleiben und die Erkrankung gemeinsam durchzustehen. Nur wenige Menschen sind dieser immensen Herausforderung gewachsen. Selbst tiefe Zuneigung ist manchmal eben nicht genug.

    @ fabienne

    So einfach ist das Ganze meiner Erfahrung/Meinung nach nicht, auch wenn ich als Betroffene auf der anderen Seite stehe.


    Nicht jeder, der die Krankheit des Partner nicht mittragen kann, ist ein charakterliches Arschloch.


    Und einen Schockmoment muss man auch dem gesunden Partner zugestehen. Ob er wirklich so denkt und bei dieser Meinung bleibt, oder das nur die erste Reaktion aus momentaner Überforderung war, kann man zum jetzigen Zeitpunkt doch noch gar nicht sagen.

    Am Anfang dachte ich mir noch dass die Situation ihn überfordert, das ihn das alles zu schnell gegangen ist und das so eine Konfrontation mit so einer Sonde bei so einer jungen Person wie dir einfach zu Hart war.


    Ich hätte dir gern gesagt dass du Geduld haben sollst, das sich das legen wird und er wieder Schritte zu dir bewegen wird.


    Es ist nicht ganz Vergleichbar (eine Sonde ist sicher etwas "krasseres") aber ich trag seit mehreren Jahren ein Schrittmacher ähnliches Gerät welches sich durch die Haut abzeichnet und stark tastbar ist. Wenn man mich an der Brust berührt spürt man das Gerät deutlich. Man sieht es sogar durch T-Shirts / Pullover.


    Meine damalige Partnerin hat auch sehr Verhaltend reagiert, war Ängstlich, überfordert. Das hat sich aber nach einer gewissen Zeit gelegt.


    Als ich deinen Text weitergelesen habe, mit der Passage womit er nicht Klar kommt und wie er sich sein Leben so vorstellt ist mir die Kinnlade fast runtergefallen.


    Sowas sagt man aus meiner Sicht nicht in Affekt. Gerade Sachen wie:

    Zitat

    Und nicht eine Frau der man mal den hintern abwischen muss

    Find ich ziemlich Krass.


    Im Gesamtbild halte ich es für Denkbar dass er sich schon seit geraumer Zeit Gedanken darüber gemacht hat was er will und was nicht und hat sich Pläne zurecht gelegt nach dem Motto "Wenn das passiert dann ..."


    Wie gesagt mit seiner Reaktion, mit dem Widerwillen dir mit der Sonde zu helfen, dass er nicht bei dir Schlafen wollte, beim Kuscheln nen Rückzieher gemacht hat .. Das kann man Akzeptieren und sollte man nicht Werten eben weil es noch sehr Frisch ist alles.


    Das was er dir aber an den Kopf geworfen hat das ist absolut nicht Ok. Jedenfalls wenn er dir das ungefähr in dem Ton gesagt hat wie du es geschrieben hast.


    Ich denke nicht dass du eine Schuld an der Situation trägst, und auch wenn es Weh tut. Sei froh dass es so schnell rausgekommen ist, stell dir vor er hätte dir jetzt Monate etwas vorgemacht, hätt dich laufend gekränkt und dann gesagt was Sache ist.


    Auch wenn es vielleicht beängstigend ist, ich würde an deiner Stelle erstmal auf Abstand gehen und falls er seine Aussagen revidiert solltest du heraus Kristallisieren ob er es Ehrlich meint oder ob es so ne "Fähnchen im Wind" Nummer ist.


    Du bist eine starke Frau, deswegen Schreib ich jetzt kein gesülze nach dem Motto "Du packst das, wünsche dir viel Kraft". :)^

    Man kann wohl das Zusammenleben mit einem Partner, der einen Schrittmacher hat, nicht einmal ansatzweise mit dem Zusammenleben mit einem Partner, der unter einer schweren, fortschreitenden, invalidisierenden Erkrankung leidet, vergleichen.


    Aus Erfahrung mit zwischenmenschlichen Problem selbst unter Familienmitgliedern (bzw. zwischen Kind und Mutter, was im Normalfall die stärkste Bindung überhaupt darstellt) kann ich nur sagen, dass in bestimmten Situationen manches wahnsinnig schnell gesagt ist, was gar nicht in der Härte gemeint war, was aber zu massiven Verletzungen führen und nur schwer zurückgenommen werden kann, sofern nicht beide sich immer wieder bemühen das Gespräch zu suchen. Niemand kann in so einer Situation wirklich nachfühlen, was der andere fühlt, und niemand hat das Recht über das, was der andere fühlt, zu urteilen. Gleichwohl kann man sich bemühen so gut es geht die Gefühle des anderen nachzuvollziehen. Am Ende muss jeder für sich entscheiden.

    @ pelztier

    Schrieb ich dass man es mit dem Leben mit einem Partner einer schweren forschreitenden Erkrankung vergleichen kann? Nein.


    Ich nahm Bezug auf

    Zitat

    Es kam auch dazu das ich mit schmusen wollte. Wo er auch mitmachte, aber als er mit seiner Hand an den PEG Sonde kam.Hatte er abgebrochen und meinte er müsste mal telefonieren.

    Vielleicht hätte ich die Stelle noch dazu zitieren sollte, dachte man versteht es auch so ganz gut denn ich wollte damit zum Ausdruck bringen das so eine konfrontation mit einer medizinischen Vorrichtung allgemein sehr fordernd sein kann für dem gegenüber.

    Zitat

    dass in bestimmten Situationen manches wahnsinnig schnell gesagt ist, was gar nicht in der Härte gemeint war, was aber zu massiven Verletzungen führen und nur schwer zurückgenommen werden kann, sofern nicht beide sich immer wieder bemühen das Gespräch zu suchen.

    In der Vielfalt und mit den Argumenten erscheint mir Aussagen im Affekt sehr zweifelhaft .. Aber es ist lediglich meine Meinung, die kannst du mir bitte zugestehen dazu.

    Zitat

    Niemand kann in so einer Situation wirklich nachfühlen, was der andere fühlt, und niemand hat das Recht über das, was der andere fühlt, zu urteilen.

    Das siehst du so, ich sehe das anders.


    Wenn Ihr Freund das so in dem Wortlaut gesagt hat wie sie es hier geschrieben hat dann find ich kann man darüber als Partner auch negativ urteilen und muss für alles Verständnis haben weil die Situation für beide Seiten schwer ist.

    Zitat

    Wenn Ihr Freund das so in dem Wortlaut gesagt hat wie sie es hier geschrieben hat

    Das wissen wir nicht. Kann gut sein, muss aber auch nicht der Fall sein.


    Gerade in solch einer emotionalen Situation hört man selektiv und interpretiert sehr schnell, ohne sich dessen bewusst zu sein.


    Und ich sagte ja: am Ende muss jeder für sich entscheiden. Schluck hat genauso das Recht sein Verhalten und damit ihn abzulehnen, wie er das Recht hat eine Beziehung mit ihr unter diesen Umständen abzulehnen.


    Ich bezog mich bei meiner Aussage wohlgemerkt auf Gefühle und nicht auf das Verhalten. Darüber, dass niemand das Recht hat, über das, was der andere in der Situation fühlt, zu urteilen. Respekt zu haben vor den Gefühlen des anderen, auch wenn sie für einen unverständlich sind, bedeutet eben nicht, dass man das Verhalten des anderen entschuldigen muss.

    also pelztier hat keinen "Zoff" gemacht sondern nur auf Dinge hingewiesen. und ja, fabienne, Du äusserst Dich in der Tat etwas zu pauschal negativ über den Herren, es ist nicht so dass Du das "nie gesagt" hast. Die Wahrheit liegt hier ganz gewiss, wie fast immer, in der Mitte.


    Das hier

    Zitat

    [...]

    ist wirklich ne krasse Frechheit.

    @ Fabienne

    Der besagte Faden ist nicht primär wegen mir geschlossen worden. Ich hatte schlucky sogar noch extra vorher per Mail gefragt, ob es sie störe, wenn ich weiter schreibe, was sie ausdrücklich verneinte; vielmehr fand sie meine weitere Beteiligung gut. Aber klar, andere wollen das mal wieder besser wissen und beurteilen können als schlucky selbst.


    Und hier in diesem Faden habe ich deinen Beitrag ganz normal kommentiert, wie man es eben in einer Diskussion so macht. Unterstellt habe ich gar nichts.

    Ich muss Fabienne da aber teilweise beipflichten. Ich verspüre in diesem Thread auch gerade eine merkwürdige Stimmung und finde man sollte die Meinung anderer auch respektieren und nicht herabwürdigen.