Trennung im Freundeskreis, Gewissenskonflikt

    Hallo,


    hier soll es gar nicht mal so direkt um meine Beziehung gehen, sondern eher um eine Trennung im Freundeskreis und meine Position dazwischen.


    Die beiden waren ein paar Jahre zusammen, in der Beziehung ist vieles schief gelaufen, sie hat nun (nach langen Überlegungen und viel "Vorlaufzeit" im Stillen) einen Schlussstrich gezogen, ist ausgezogen, so weit so gut.


    Für ihn kam die Trennung letztendlich sehr überraschend und er leidet ganz schön, und hofft auch sehr, dass es doch nochmal etwas wird.


    Aber - es wird nichts mehr. Das sagt sie ganz klar, und irgendwann hat sie mir auch erzählt, dass sie bereits einen neuen Freund hat. Den hat sie wohl noch während der alten Beziehung kennengelernt, betont, dass da noch nichts gelaufen ist.. aber im Grunde genommen wirkt es schon so, als sei er der Auslöser für die Trennung gewesen. Sie hat mich versprechen lassen, dass ich niemandem davon erzähle.


    Und damit habe ich gemerkt, dass ein Geheimnis eben auch eine ganz schöne Bürde sein kann - am liebsten hätte ich das gar nicht gewusst. %:|


    Ihr Ex-Freund überlegt nun die ganze Zeit hin und her was er tun soll, will eigentlich "um sie kämpfen", und fragt mich auch dabei um Rat. Ich habe bereits gesagt, dass ich nicht glaube dass er sich große Hoffnungen machen sollte und dass sie auf einen Brief o.ä. vermutlich nicht antworten wird. Probieren will er es eigentlich trotzdem. Und nun hat er mich ganz konkret gefragt, ob sie einen Neuen hat. Und dass er das wissen wollen würde, damit er sich nicht zum Deppen vor ihr macht. Puh..


    Ich habe ihr versprochen, dass ich niemandem davon erzähle. Aber es fällt mir schwer ihn so zu sehen, und so richtig weiß ich nicht, wie ich mich verhalten sollte. Ist es richtig ihm nichts zu sagen? Und ihn damit ja eigentlich anzulügen?


    Ich stehe total zwischen den Stühlen - beide sprechen mit mir darüber, und ich muss tun, als hätte ich von nichts eine Ahnung.


    Soll ich ihr sagen, wie schlecht es ihm wirklich geht? Oder verrate ich ihn damit quasi, weil er sich mir damit anvertraut hat?


    Wie würdet ihr euch in der Situation verhalten?


    LG *:)

  • 25 Antworten

    Geheimnisse können sehr belastend sein, wenn sie in einer Konstellation wie dieser zustande gekommen sind.


    Ich habe in einer ähnlichen Situation mit einer Freundin zuerst Streit gehabt und danach ist ein Bruch zwischen uns entstanden, der nicht mehr zu kitten war. Es war zwar etwas anders, als es in eurer Situation gerade ist, weil sie mit ihrem Ehemann (weiter warmgehalten) weiterhin Kontakt hatte, trotz neuem Freund/Partner.


    Aber ich konnte nicht damit leben, ihrem Mann zu begegnen, wissend, wenn er mich fragte, wo sie sei, dass sie dann gerade mit ihrem neuen Freund Zeit verbrachte. Deshalb hab ich ihr gesagt, Du wirst einen Tod sterben und ehrlich sein müssen. Beiden Männern gegenüber, weil das Konzept verschweigen nicht lange funktionieren wird.


    So ähnlich wird es bei euch vermutlich auch früher oder später laufen. Einen aktuellen Partner kann Deine Freundin nicht lange vor der Öffentlichkeit geheim halten. Es wird irgendwann andere Leute geben, die die beiden zusammen sehen.


    Spätestens dann wird es irgendwann jemanden anderen aus dem gemeinsamen Bekanntenkreis geben, der es Deinem frisch getrennten Freund erzählt. Und sei es nur die Frage, warum sie als Paar getrennt sind.


    Bitte Deine Freundin darum zu ihrem Ex-Partner ehrlich zu sein, weil Du Dich in der Rolle der Geheimnisträgerin nicht mehr wohlfühlst. Kommt es raus, wirst Du für den Freund als Vertrauensbrecherin dastehen. Willst Du das?

    Zitat

    Mit wem von beiden bist du "besser" befreundet bzw. hast mehr Kontakt?

    Achso, ganz vergessen:


    Er ist mein Schwager, wir kennen uns schon Ewigkeiten. Der Kontakt ist manchmal da und manchmal nicht, wie das manchmal so ist - aber im Grunde ist er für mich wie mein eigener Bruder!


    Sie kenne ich eben über ihn, aber nun auch schon einige Zeit (6 Jahre?). Wir verstehen uns super, sie ist eine wirklich gute Freundin. Gesehen haben wir uns meist zu viert mir Partnern oder wenn man mit der ganzen Familie unterwegs war, auch darüber hinaus haben wir sporadisch Kontakt. Wie lange der so aufrecht erhalten wird unter den Umständen, kann ich gar nicht genau sagen. Prinzipiell möchten wir aber natürlich beide befreundet bleiben.

    Zitat

    Kommt es raus, wirst Du für den Freund als Vertrauensbrecherin dastehen. Willst Du das?

    Nein, eben auf keinen Fall! Andererseits habe ich das Gefühl, dass ich für einen von beiden eben so dastehen muss.

    Zitat

    Einen aktuellen Partner kann Deine Freundin nicht lange vor der Öffentlichkeit geheim halten. Es wird irgendwann andere Leute geben, die die beiden zusammen sehen.

    Ja, dass das früher oder später rauskommt, ist vermutlich gar nicht das Problem. Aber jetzt ist die Trennung eben noch ganz frisch und die neue Beziehung wohl quasi genauso alt... Das ist ja nochmal eine ganz andere Hausnummer.


    Nun hat er mich auch noch gefragt, ob ich ihm die Wahrheit sagen würde. Ich hab schon überlegt mit einem schlichten "Nein" zu antworten und ihn seine Schlüsse daraus ziehen zu lassen. ":/ Aber so richtig glücklich bin ich mit der Entscheidung auch nicht...

    Du koenntest sagen, dass du ihm diese Frage nicht beantworten kannst. Damit luegst du ihn nicht an. Man muss Fragen nicht beantworten, bloss weil sie gestellt werden (dasselbe gilt, wenn er dann weiterfragt, "weisst du was?" - "warum kannst du nicht antworten?" - da soll er sich selber einen Reim drauf machen. Du plauderst das Geheimnis nicht aus, aber du luegst auch nicht, und er kann denken, was er will.


    Wichtig: Du hast versprochen, dass du ihm nicht davon erzaehlst. Du hast nicht versprochen, ihm aktiv vorzugaukeln, es sei anders, als es ist, und du hast auch nicht versprochen, dich so zu verhalten, dass er daraus auf keinen Fall die Folgerung ziehen kann (unter Verwendung nicht nur dessen, was du gesagt hast, sondern auch seiner eigenen Mutmassungen), "vermutlich hat sie einen Neuen und vermutlich weisst du was".

    Zitat

    Soll ich ihr sagen, wie schlecht es ihm wirklich geht? Oder verrate ich ihn damit quasi, weil er sich mir damit anvertraut hat?

    Genausowenig wie du ihm sagst, dass sie einen Neuen hat, solltest du ihr sagen wie es ihm wirklich geht.

    Zitat

    Wie würdet ihr euch in der Situation verhalten?

    Ich würde ihnen sagen wie du dich fühlst, ganz einfach. Die Beiden wissen ja von deinem jeweilig guten Kontakt zu dem Anderen. Ich würde es befremdlich finden wenn sie da kein Verständnis für dich hätten.


    Ich weiß aus Erfahrung aus ähnlichen Situationen, dass es durchaus möglich ist als Gesprächspartner da zu sein und trotzdem für sich selbst und auch das Gegenüber bestimmte Grenzen zu setzen. Im Grunde heißt das dann, dass du dich voll auf denjenigen konzentrierst der dir gerade gegenüber sitzt und die Tatsache, dass du den Anderen kennst völlig ausblendest. Also nur die Situation ansiehst.

    Zitat

    Nun hat er mich auch noch gefragt, ob ich ihm die Wahrheit sagen würde. Ich hab schon überlegt mit einem schlichten "Nein" zu antworten und ihn seine Schlüsse daraus ziehen zu lassen.

    Hier zum Beispiel würde ich als Grenze setzen, dass ich nichts über den Anderen gefragt werde oder überhaupt sagen werde. Was er gesagt hat, was er tut - diesbezüglich willst du dich ganz raushalten und genauso würde ich es auch sagen.


    Alternativ könntest du dich ganz abgrenzen was das Thema angeht, ich persönlich muß sagen, dass das aber bei einer so nahen Freundschaft schwerer ist als das obige, auch wenn man das erst nicht vermuten mag.


    Eine Freundschaft muß so etwas aushalten können, sonst ist es keine Freundschaft, zumindest in meinen Augen nicht. Freundschaft ist nicht komplette Hingabe.


    Sogar gegenteilig: Würde sich eine Freundin mir gegenüber so äußern, dann wüßte ich, dass ich ihr auf jeden Fall vertrauen kann.

    Das stimmt natürlich, ich habe nicht versprochen für sie zu lügen. Also ihm nun sagen, dass ich nicht weiß was ich dazu sagen soll und ihn die richtigen Schlüsse daraus ziehen lassen?


    Sollte ich sie dann "vorwarnen"? Ich habe wirklich Sorge, dass ich damit am Ende als Blöde dastehe..

    Ich war vor einigen Jahre in einer nahezu identischen Situation. Nur war da der neue Partner auch noch eine Person aus dem Freundeskreis des Ex-Paares. Das machte die ganze Sache noch unangenehmer.


    Ich habe das Ex-Paar damals schon als Paar kennengelernt und war mit beiden etwa gleich eng befreundet. Auch dem neuen Partner stand ich freundschaftlich sehr nah. War da auch nicht allein in der Situation, da standen mehrere gemeinsame Freunde "zwischen den Fronten". Und alle wussten vom neuen Partner, nur der Ex nicht.


    Mir war das immer sehr unangenehm und im Endeffekt hab ich mich demonstrativ aus der ganzen Situation rausgehalten und auch keinerlei Partei ergriffen. Habe aber beide wissen lassen, dass der jeweils andere sich mir anvertraut hat (ohne natürlich drüber zu sprechen, was gesprochen wurde. Nur dass eben gesprochen wird). Wenn konkrete Fragen kamen, hab ich immer gesagt, dass ich mich zu diesem Thema nicht äußere. Letzten Endes kann man sich ja seinen Teil dazu denken aber solche Fragen würde auch nicht gestellt wenn man nicht schon ein gewisse Ahnung hätte.


    Als der Ex kann mit konkreten Rückerorberungsplänen kam und es klar war, dass er immer noch denkt, er hätte reale Chancen auf ein Happy End, hab ich ihr und dem neuen Partner dann die Pistole auf die Brust gesetzt und sie gebeten ihn über die Beziehung zu informieren. Zumal da schon einige Leute was wussten und es nur eine Frage der Zeit gewesen wäre bis der Ex es über Dritte erfahren hätte. Haben sie dann auch eingesehen und letzten Endes klare Fronten gemacht und mit dem Ex gesprochen. Dieser hatte auch schon was geahnt weil sich eben alle ins Schweigen gehüllt hatten aber wollte es halt doch nicht wahrhaben.


    War sehr, sehr unschön für alle Beteiligten ??inklusive einiger unschöner Konsequenzen?? aber danach herrschten klare Fronten und jeder konnte sich zurückziehen und die Sache auf seine Weise abschließen.


    Auch heute, Jahre später, herrscht noch Eiszeit zwischen den Parteien und daran wird sich wohl nichts mehr ändern. Aber der Ex konnte einen Schlussstrich ziehen und hat die Sachen mittlerweile

    verwunden und auch schon neue Partnerinnen gehabt. Der Freundeskreis hält auch zu beiden Kontakt, man trifft sich jetzt eben getrennt.


    In solchen Situationen wird es immer Verlierer geben aber in dem man klare Fronten schafft, kann man wenigstens verhindern dass jemand unnötig leiden und sich vergeblich Hoffnungen macht.

    Wenn Du auch ihn schätzt und magst, würde ich versuchen fair play zu sein. Entweder sie bitten, ihm reinen Wein einzuschenken oder ihm empfehlen diese Fragen seiner Ex-Partnerin selbst zu stellen. So würde ich mir das als Reaktion von einer Freundin/Freund wünschen.


    Trennungen sind schmerzlich, vor allem für den oder die, welche noch liebend/hoffend zurückbleiben. Aber eingetretene Fakten verschwinden nicht von selbst oder lösen sich in Luft auf. Da ihr euch denke mal regelmäßiger über den Weg laufen werdet, wird Offenheit zwischen allen Parteien der bessere Weg sein.


    Danach ist es für Dich viel besser möglich, Dich neutral gegenüber beiden zu verhalten, weil sich niemand hintergangen fühlt. Wenn Du nach dieser Klarheit Gespräche mit beiden weiterführen möchtest, bleibt immer noch die Möglichkeit zu sagen; "ich bin in diesem Moment ganz für Dich da." Aber alle Fragen, um den jeweils Abwesenden müssen dort gestellt werden.

    Zitat

    Also ihm nun sagen, dass ich nicht weiß was ich dazu sagen soll

    Hier würde ich das sagen was ich in meinem anderen Beitrag schon geschrieben habe: "Du, bitte habe Verständnis, aber ich möchte derartige direkte Fragen nicht beantworten. Ich mag euch Beide, ihr seid Beide meine Freunde. Wir können gerne darüber reden wie es dir geht, wir können was unternehmen. Aber über sie direkt möchte ich nicht sprechen". Was er sich daraus zurechtstrickt ist seine Sache. Und zu ihr sagst du dasselbe und dann kann auch sie "stricken". Das ist nicht dein Problem und nicht deine Sache, hier mußt du an dich selbst denken.

    @ Liverpool

    Genauso meine ich das :)^


    Ohne Verluste wird es nie abgehen, aber man selbst sollte zusehen, dass man nicht irgendwie zum Prellbock wird in dem man es Jedem Recht machen will. Wie schon geschrieben, Freundschaften müssen (solche) Grenzen aushalten.

    Schwierige Situation...


    Ich würde wohl - ähnlich wie von Liverpool geschildert - einen Mittelweg wählen: IHM mit "ich weiß es nicht" o.ä. antworten und somit ein klares Ja vermeiden. IHR aber Druck machen, für Klarheit zu sorgen angesichts der Rückeroberungsabsichten.


    Das "ich weiß es nicht" ist zwar auch eine Lüge, aber lässt für ihn mehr Interpretationsspielraum als ein "Ja, sie hat einen Neuen".

    Zitat

    Ohne Verluste wird es nie abgehen, aber man selbst sollte zusehen, dass man nicht irgendwie zum Prellbock wird in dem man es Jedem Recht machen will. Wie schon geschrieben, Freundschaften müssen (solche) Grenzen aushalten.

    Tatsächlich halten wirklich enge Freundschaften das auch aus. Wir Freunde sind aus der Sache insgesamt unbeschadet rausgegangen und habe nach wie vor mit beiden Parteien guten Kontakt. Nach einigen Jahren sind die Fronten auch soweit geklärt, dass die Ex-Partner ihr eigenes Ding machen und die Freunde nirgendwo dazwischen hängen.


    Hatte damals auch immer Sorgen, dass ich bei der ganzen Aktion irgendwie den kürzeren ziehe aber letzten Endes waren doch alle erwachsen genug um zu verstehen, dass wir Freunde da mal gar nichts für können.

    Zitat

    Also ihm nun sagen, dass ich nicht weiß was ich dazu sagen soll und ihn die richtigen Schlüsse daraus ziehen lassen?

    Also ich wuerde sehr wohl wissen, was ich dazu sagen "soll" bzw. will, naemlich dass ich ihm die Frage nicht beantworten kann. El Gusto hat das gut formuliert:

    Zitat

    Hier zum Beispiel würde ich als Grenze setzen, dass ich nichts über den Anderen gefragt werde oder überhaupt sagen werde.

    Liverpool:

    Zitat

    Habe aber beide wissen lassen, dass der jeweils andere sich mir anvertraut hat (ohne natürlich drüber zu sprechen, was gesprochen wurde. Nur dass eben gesprochen wird).

    Ehrlich, klar, und nicht die Frage beantwortend, die du nicht beantworten kannst, ohne Vertrauensbruch zu begehen.


    Ich sehe nicht, warum man da luegen muss:

    Zitat

    Das "ich weiß es nicht" ist zwar auch eine Lüge, aber lässt für ihn mehr Interpretationsspielraum als ein "Ja, sie hat einen Neuen".

    Aber warum luegen, wenn man's auch ehrlich machen kann?