Zitat

    Ich liebe sie wirklich und ich bin selbst erschrocken dass ich mit der Zeit immer mehr feststelle dass es mich stört dass wir kaum noch was unternehmen können.

    Wenn du sie liebst, dann weißt du doch ohnehin, wie du handeln solltest. Wozu sonst wäre denn diese Liebe von Nutzen? Stell dir vor, du würdest sie fallen lassen und zwei Wochen später wären die vermaledeiten Warzen auf dem Rückzug? Und sie mit den Warzen? Dann kannst du einen neuen Faden aufmachen. Ich weiß, von Außen betrachtet scheint dein Problem dem Betrachter als klein. Aber versuch doch mal selbst die Tragweite der Warzen in Frage zu stellen. Sind es wirklich die Warzen? Oder sind diese lediglich ein Synonym eurer/deiner Beziehung?

    Guten Morgen "Namenlos",


    ich hatte mir deinen Faden gestern Abend mal durchgelesen und mich nun entschieden, etwas dazu zu schreiben.


    Sowohl einige Mitschreiber als auch du – möglicherwiese sogar deine Partnerin – sind auf den Zug aufgesprungen, bei dem "SCHULD" vorne drauf steht. Und in das Land, in das dieser Zug fährt, will eigentlich niemand rein. Es ist ein schreckliches Land. Denn keiner will sie, die Schuld, jeder möchte sie gern beim anderen haben und wenn das nicht geht, sucht man nach Gründen, warum man ja doch so handeln musste, kompensiert oder versinkt schlimmstenfalls in Depression.


    Nur ein paar Beispiele: Ihre Krankheit ist Schuld, dass eure Beziehung den Bach runter geht. Wenn sie nicht genug gegen die Krankheit tut, ist also sie Schuld, dass es so ist. Und wer entscheidet, wann sie genug getan hat? Sie oder du? Du bist Schuld, dass sie sich operieren ließ und dass es ihr nun noch schlechter geht. Damit bist du letztlich auch Schuld, dass es weiter den Bach runter geht. Es sei denn, sie würde nach vorne schauen, alles versuchen und trotz allem fröhlich sein. Dann ginge es euch auch als Paar besser. Also ist daran wieder sie Schuld. Das ist ein endloses Geschiebe und das muss – obwohl vermutlich nie offen ausgesprochen – aufhören, sofort.


    Darum rate ich immer dazu, die Lösung jenseits aller Schuldfragen zu suchen, den kompletten Begriff der Schuld – möglichst auch im Unbewussten - wegzulassen und das Problem nur auf die Fakten zu reduzieren. Man kann nach Ursachen suchen, um herauszufinden, warum man an einem gewissen Punkt angekommen ist. Aber selbst das führt euch nicht wirklich zu einer Lösung. Vor allem aber bleibt fraglich, ob es für euch als Paar eine Lösung gibt. Denn du suchst deine Lösung schon in der Trennung, deine Partnerin versinkt in ihrem Zustand, sucht sie überhaupt eine Lösung?


    Willst du mal schreiben, wie sie sich eine Lösung des Problems vorstellt? Spricht sie darüber?


    Die Fakten:


    Deine Partnerin leidet unter einer schweren Einschränkung ihres Alltages, damit ist sie in meinen Augen "schwer krank", zumindest ist sie gehbehindert. Das wird dadurch manifestiert, dass sie offensichtlich auch seelisch leidet, also psychisch eingeschränkt ist. Ich teile die mehrfach geäußerte Meinung, dass sich das gegenseitig beeinflusst und ihr Gesamtzustand scheint der einer schwer kranken Frau zu sein.


    Diesen Umstand habt ihr beide nicht akzeptiert. Sie hat das alles sogar lange verschwiegen und verharmlost:

    Zitat

    Der erste Urlaub ist schon eineinhalb Jahre her, da hat sie zum ersten Mal gesagt dass sie nicht so gerne viel läuft. Sie hat mir bis dahin nichts von ihren Warzen gesagt weil sie sich deswegen sehr schämt (hat deswegen auch früher schlechte Erfahrungen gemacht). Die richtigen Probleme sind erst seit der Operation und die war im letzten Oktober.

    Du möchtest es ebenfalls gerne verharmlosen:

    Zitat

    ich hab Schwierigkeiten mir unsere gemeinsame Zukunft wegen ein paar Warzen so reduziert vorzustellen.

    Uns so leben da zwei Menschen nebeneinander, die zwar Lösungen wünschen, die aber gar nicht finden können, weil sie das Problem nicht akzeptieren wollen. Das Leben mit einem gehbehinderten Menschen ist ein anderes als das mit einem gesunden Menschen. Und es beeinflusst natürlich den Lebensplan.


    Darum erst mal zu den Grundlagen des Lebensplans:


    Was war euer Lebensplan?


    Lebt und wohnt ihr zusammen?


    Plant ihr Kinder?


    Wolltet ihr vielleicht auch heiraten?


    Habt ihr über euren Lebensplan ausführlich gesprochen und redet ihr gegenwärtig noch darüber?


    Sprecht ihr über eure Liebe, habt ihr über eure Liebe gesprochen, liebt ihr einander überhaupt?


    Du siehst, ich möchte auf den Grund des ganzen Problems kommen. Wenn man einen gemeinsamen Lebensplan hat – man nennt das die "projektbezogene partnerschaftliche Liebe" – dann besteht ja ein völlig anderes Fundament als bei Menschen, die einfach mal einen Teil ihres Weges miteinander gehen, aber nie auf längere Sicht geplant hatten. Meine Vermutung geht dahin, dass ihr zwar einen solchen Plan hattet, aber nicht mehr darüber sprecht, weil ihr ihn aufgrund der Gehbehinderung ändern müsstet.


    Lösungsansätze:


    Die Gehbehinderung muss als Krankheit von beiden angenommen und in den Lebensplan integriert werden. Und zwar inklusive der Folgen, die sich bei dir einstellen. Was du nicht mehr mit ihr zusammen machen kannst, machst du allein oder mit anderen. Das ist unausweichlich, sonst würdest du dich ihr "opfern" und als "Opfer" durch das gemeinsame Leben laufen. Da sie sich ebenfalls als "Opfer" sehen wird, kann niemand annehmen, dass zwei Opfer miteinander glücklich werden könnten. Du akzeptierst also ihre Gehbehinderung, sie akzeptiert deine Kompensation, deine Ausweichhandlungen, deinen individuellen Weg neben dem gemeinsamen Weg.


    Erst wenn ihr beide den jeweils individuellen Weg des anderen akzeptieren könnt, könnt ihr den gemeinsamen Teil eure Lebensplanes wieder klar in den Mittelpunkt stellen. Ihr könnt ihn dann attraktiver machen, Hilfen annehmen, nach Möglichkeiten des gemeinsamen sportlichen Erlebens suchen (zum Beispiel tolle Radtouren miteinander machen, sie evtl. mit dem E-Bike, um weniger Druck auf den Fußsohlen zu haben). Da fällt euch dann plötzlich vieles ein. Und das geht nur, wenn ihr AKZEPTIERT, was Fakt ist.


    Bei all dem ist keineswegs auszuschließen, dass sich ihre Erkrankung mehr oder weniger wieder verabschiedet. Das haben schon viel erlebt, wenn die Psyche wieder gesund wird.


    Neben dieser GEMEINSAMEN Lösungssuche gibt es natürlich auch die Lösung, euch zu trennen. Und zwar offenen Auges, ohne Schuldzuweisung. Das ist völlig normal, denn das ist nicht mehr die Frau in die du dich verliebt hattest. Und du bist nicht mehr der Mann, den wie wollte, denn du willst jetzt vieles ohne sie machen. Aber das ist die zweitbeste Lösung, wenn ihr euch noch lieben solltet. Versucht also erst mal eurer Liebe wieder auf die Spur zu kommen und akzeptiert, was fakt ist.


    Ich hoffe, das hilft dir ein wenig aus deiner Klemme.

    Ich glaube auch, dass du um ein offenes Gespräch nicht herumkommst. Wenn ich dich richtig verstehe, geht es um die Warzen eigentlich nur am Rande, sondern vielmehr um ihren Umgang damit und um die Schuld-Frage. Zum Umgang: Da scheint ja ganz viel Scham zu sein, mit der fatalen Folge, dass ihr weder der Therapeut noch die Medikamente helfen können, obwohl es welche geben müsste, die ihr die Schmerzen nehmen. Wenn sie keine oder deutlich weniger Schmerzen hätte, wäre sie wahrscheinlich auch nicht mehr so stark eingeschränkt, oder? Und ich finde auch, dass sie vielleicht auch alternative (esoterische) Sachen wie diese Warzenbesprechung ausprobieren könnte.


    Und noch eine andere Idee: manche Frauen lassen sich Botox injizieren, damit sie in High Heels schmerzfrei gehen können. Vielleicht hilft das? Schmerzen können sich chronifizieren, deswegen halte ich es für wichtig, dass sie etwas dagegen unternimmt.


    Wenn sie wirklich Hilfe will, kommt sie aus meiner Sicht nicht an Offenheit gegenüber Ärzten und Therapeuten vorbei. Warum schämt sie sich eigentlich dafür? Sie kann doch nichts dafür, dass sie Warzen hat?!


    Deine Schuldgefühle: Macht sie dir eigentlich offen oder versteckt Vorwürfe und sieht dich ebenfalls als Schuldigen oder ist das allein dein "Kopfding"? Die OP entgegen den Rat der Ärzte durchführen zu lassen, war nicht so clever. Das wisst ihr jetzt auch. Aber ich kann es verstehen, manchmal klammert man sich an jeden Strohhalm und denkt, dass es schon gut gehen wird. Aber wie meine Vorschreiber schon sagten: die Entscheidung lag letztlich bei ihr. Ist blöd gelaufen, aber so ist es jetzt. Sie muss einen Umgang damit finden, wie es eben ist.


    An deiner Stelle würde ich mich nicht sofort trennen, aber deutlich machen, dass es für dich fünf vor zwölf ist. Und überlegen, was sich ändern muss.


    Wie auch andere schon schrieben, würde ich mir zudem überlegen, welche Freizeitaktivitäten interessant sein könnten, die ihr zusammen machen könnt. Die "fußaktiven" Dinge würde ich an deiner Stelle deshalb trotzdem nicht aufgeben, sondern alleine oder mit anderen durchführen (zumindest zeitweilig, um aus dem Frust zu kommen). Auch wenn du es lieber mit ihr machen würdest und sie sich ausgeschlossen fühlt. Ich würde es deshalb machen, weil es für Zufriedenheit bei dir sorgen kann und es zeigt, dass es dir ernst ist. Vielleicht hat sie so auch einen stärkeren Ansporn aus ihrem Tief zu kommen (und falls das Gegenteil eintritt, sie sich noch mehr verkriecht und weidet, sehe ich eure Zeit eh als abgelaufen an).


    So wie es jetzt ist, habt ihr euch beide anscheinend in ihrem Loch eingerichtet und seid unglücklich. Das du das nicht auf Dauer willst, ist verständlich.

    Zitat

    Wie denkt ihr darüber? Ist das zu egoistisch? Ich bin hin und hergerissen.

    Meiner Meinung nach nicht, weil jeder Bedürfnisse hat und jetzt so zu tun, als seien sie nicht da und nie dagewesen, finde ich albern - und ist noch mehr Grund zu viel mehr Frust.


    Auch sind diese Warzen wohl kaum mit einem schweren Unfall gleichzusetzen, der eine Behinderung mit sich zieht. Und mal ehrlich, ich kenne Leute, die im Rollstuhl sitzen, die sind aktiv, das glaubt ihr nicht. Die sind kaum zu Hause und machen Sport. Alles ist relativ, auch Schwerstbehinderte sitzen nicht den ganzen Tag im Kämmerlein, ganz im Gegenteil!


    Ich kann mir nicht vorstellen, dass man gegen diese Warzen nichts tun kann. Möglicherweise hat sie einfach noch nicht ihren Weg der Behandlung bzw. der Immunisierung gefunden. Im allerschlimmsten Fall muss eben ein Rollstuhl her, damit kann man heutzutage ganz wunderbar aktiv sein.


    Selbst wenn sie draußen eingeschränkt wäre: Besser man kann nicht alles machen, als dass man zu Hause hockt und gar nichts mehr macht. Was soll das für ein Leben sein, wo die Krankheit über einen bestimmt?


    Das scheint momentan auch eher der Frust ihrerseits zu sein.


    Ob man sich nun trennt: Ich denke ja, vor allem letzterer kann eine Beziehung zerstören.

    @ Sheilagh,

    _Parvati_, Saldo


    Danke für eure detaillierte Sicht der Dinge!

    @ Sheilagh

    Ich möchte mich eigentlich nicht von ihr trennen weil da bei mir (noch) starke Gefühle für sie da sind. Aber ihre Warzen bzw. die fast völlige Reduzierung und Passivität wegen ihren Warzen droht alles zu zerstören. Ich weiß ja dass sie ihre Warzen nie mehr los wird aber ich verstehe nicht warum sie nicht zu ihrer Hausärztin geht und sich wirksame Schmerzmittel verschreiben lässt damit wir wenigstens einmal am WE was unternehmen können.


    _Parvati_

    Zitat

    Ich glaube Schmam und vielleicht auch schon Resignation wird bei ihr eine große Rolle spielen.

    Das stimmt total! Es fällt mir nur schwer da was zu sagen weil sie darunter leidet und nicht ich. Sie hat mir schon mal gesagt dass ich mir nicht vorstellen kann wie es ist auf den Warzen laufen zu müssen. Ich kann schwer beurteilen ob es bei ihr Passivität ist und was tatsächlich unerträgliche Schmerzen, vielleicht beides.

    @ Saldo

    Zitat

    Jetzt gefällt (entschuldige das Wort, aber ich habe einfach kein besseres für dieses Verhalten) sie sich in der Rolle der Leidenden (alles Deine Schuld, lässt sie dich selbst dir suggerieren, das stoppt sie ja auch nicht) und hat es geschafft, sich in einen Zustand zu begeben, in dem sie euch und damit dich bestimmen kann.

    Das könnte man so interpretieren, stimmt. Aber ganz so ist es nicht. Ich habe sie schon zur Operation gedrängt und ihren jetzigen Zustand hat sie sich ganz bestimmt nicht gewünscht. Ich glaube nicht dass sie sich in der Rolle der Leidenden gefällt. Sie erzählt ja keinem was sie für Schmerzen hat, es soll ja niemand von ihren Warzen wissen. Außer mir hat sie eigentlich niemanden mit dem sie darüber sprechen kann.


    Ich werde heute das Thema Schmerzmedikamente mal ansprechen, mal schauen wie sie reagiert.

    @ oldie49

    @ fasola

    Danke für eure umfangreichen und hilfreichen Antworten die ich erst gesehen habe nachdem ich gepostet habe!


    Ich muss aus Zeitgründen später darauf eingehen.

    @ keinstein

    Sie hat mit ihren Warzen alle Behandlungsmöglichkeiten durch (inklusive Homöopathie), auch schon vor unserer Beziehung. Es waren mehrere Ärzte in der Uniklinik die nach der Operation von weiteren Schritten abgeraten haben weil jeder weitere Entfernungsversuch die Symptome verschlechtern würde. Sie hätte auch von sich aus nichts mehr unternommen weil sie nach der OP wochenlang unvorstellbare Schmerzen hatte und über einen Monat krankgeschrieben war.

    @ Namenlos,

    Ist zwar etwas OT, interessiert mich aber dennoch! ;-)


    Ich frage mich, wie es dazu gekommen ist, dass Du erst in eurem ersten gemeinsamen Urlaub von den Warzen bzw. von dem "Geh-Problem" deiner Freundin erfahren hast. Wie verlief denn eure Kennenlern-Phase? Normalerweise läuft da ja auch viel hinsichtlich gemeinsamer Aktivitäten, etc. ???

    Zitat

    Ich bin jetzt mit meiner Freundin (36) seit etwas mehr als 2 Jahre zusammen. Es lief alles gut bis zu unserem ersten gemeinsamen Urlaub wo sie verschiedene Aktivitäten nur halb oder überhaupt nicht mitmachen wollte.

    Wenn ich es richtig verstanden habe wart Ihr ja zum Zeitpunkt des Urlaubs auch schon 1/2 Jahr zusammen, oder? Bei solchen Einschränkungen muss das doch auch optisch zu sehen sein, oder täusche ich mich da jetzt völlig? ":/


    Zum Thema:


    Wie ich in einer solchen Situation handeln würde muss ich gerade erstmal (auch für mich persönlich) überdenken. Finde das Thema schwierig zu bewerten... :-|

    @ L.vanPelt

    Nur zu! Du befindest dich dann in bester Gesellschaft, auch was Forumsmitglieder angeht - wobei niemand je die Namen erfahren wird....


    Andererseits kann es ohne Beziehungsprobleme auch ganz nett sein. Lass dir also ruhig Zeit damit.


    LG

    @ oldie49

    Ich habe mir deine Antwort mehrfach durchgelesen und finde sie durchgehend sehr nachdenkenswert. In manchen Punkten hast du tatsächlich den Nagel auf den Kopf getroffen, da kann ich L.vanPelt nur bestätigen.


    Du erwähnst das Thema Schuld. Wir haben darüber nie gesprochen aber ich glaube dass es ein schwelendes Thema ist das jeder für sich behält. Sie hat mir nie Vorwürfe wegen der OP gemacht, aber trotzdem fühle ich mich an dem jetzigen Zustand mitschuldig, weiß auch nicht so recht wie sie darüber denkt.


    Ich glaube nicht dass sie eine Lösung sucht. Sie hat die Warzen akzeptiert, das muss sie auch denn das wurde ihr von verschiedenen Ärzten geraten. Ich verstehe nur nicht dass sie nichts gegen die Schmerzen unternimmt. Es besteht tatsächlich die Gefahr dass sie sich in der Opferrolle gefällt und lieber leidet als ihren Zustand zumindest etwas zu verbessern. Sie hat ja auch nur mich als Ventil um über ihre Schmerzen zu sprechen weil sonst niemand von ihren Warzen weiß.

    Zitat

    Deine Partnerin leidet unter einer schweren Einschränkung ihres Alltages, damit ist sie in meinen Augen "schwer krank", zumindest ist sie gehbehindert. Das wird dadurch manifestiert, dass sie offensichtlich auch seelisch leidet, also psychisch eingeschränkt ist. Ich teile die mehrfach geäußerte Meinung, dass sich das gegenseitig beeinflusst und ihr Gesamtzustand scheint der einer schwer kranken Frau zu sein.

    Du hast im Kern recht, aber "schwer krank"? Die Warzen sind als Krankheit ja zum Glück harmlos. Alles andere als harmlos sind die starken Schmerzen beim Gehen und Stehen. Psychisch ist die Belastung auch nicht ohne, denn sie tut alles um ihre Schmerzen nach aussen hin zu verbergen und "normal" zu laufen. Sie schämt sich unheimlich Warzen unter den Füßen zu haben. Das alles zusammen ist schon ein heftiges Paket aber ich würde sie deswegen nicht "schwer krank" nennen.

    Einen Plan in dem Sinne haben wir nicht gehabt, wir haben unsere gemeinsame Sympathie füreinander für ausbaufähig gehalten und das hat sich auch bis jetzt als richtig erwiesen.


    Wir wohnen getrennt, tragen uns aber mit dem Gedanken zusammenzuziehen.


    Über gemeinsame Kinder haben wir nicht gesprochen, sie hat eine Tochter aus erster Ehe.


    Eine Heirat ist für mich nicht zwingend notwendig aber vorstellbar. Sie meint auch dass wir erstmal zusammenziehen sollten.


    Über einen Lebensplan haben wir ansonsten nie gesprochen.


    Wir lieben uns zweifellos, aber darüber gesprochen haben wir eher selten.


    Wenn ich jetzt über sie schreibe merke ich wie wichtig sie für mich ist und dass ich unsere Beziehung auch aufrecht erhalten möchte. Aber so wie es jetzt ist habe ich mir unsere Beziehung nicht vorgestellt. Es ist wirklich sehr wenig was an Unternehmungen noch möglich ist. Das betrifft auch die Urlaubsplanung. Den geplanten Winterurlaub mussten wir canceln weil die Wunden 6 Wochen nach der OP noch immer nicht vollständig verheilt waren und jetzt im Sommer bleibt nur der klassische Strandurlaub (den wir beide nicht unbedingt mögen). Ich muss sie auf jeden Fall dazu kriegen dass sie sich wirksame Schmerztabletten verschreiben lässt damit wir wenigstens ein bisschen was von der Umgebung haben und Land und Leute kennenlernen (wir wollen nach Portugal).

    Zitat

    Die Gehbehinderung muss als Krankheit von beiden angenommen und in den Lebensplan integriert werden. Und zwar inklusive der Folgen, die sich bei dir einstellen.

    Das ist längst geschehen, sie und ich haben die Warzen zwangsläufig akzeptieren müssen und sie bestimmen vollständig den Alltag. Für mich ist die Schwierigkeit die dass meine Freundin seit der OP nicht mehr dieselbe ist. Das betrifft einmal die viel größere Gehbehinderung durch noch mehr Schmerzen, aber auch ihre Resignation und Passivität. Vor der OP hatte sie ja auch schon die Warzen und heftige Schmerzen, aber die hat sie in Kauf genommen und sogar schöne Schuhe mit Absätzen getragen. Das war schon damals grenzwertig für sie, aber sie hat es trotzdem gemacht. Und genau das vermisse ich heute dass sie sich einfach aufrafft und trotz der Schmerzen einen kleinen Spaziergang macht. Vielleicht geht es ja jetzt wirklich nicht mehr und ich verlange zu viel. Aber ich sehe nur noch Resignation bei ihr.


    Ich glaube dass wir beide dieses ständig präsente Thema einmal ansprechen müssen sonst ändert sich nichts. Ich komme mir nur ungerecht vor weil ich mich über Einschränkungen beklage für die sie nichts kann. Das ist mein eigentliches Problem.

    @ jeany_wob

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    Ich frage mich, wie es dazu gekommen ist, dass Du erst in eurem ersten gemeinsamen Urlaub von den Warzen bzw. von dem "Geh-Problem" deiner Freundin erfahren hast. Wie verlief denn eure Kennenlern-Phase? Normalerweise läuft da ja auch viel hinsichtlich gemeinsamer Aktivitäten, etc. ???

    Wir sind eigentlich wenig gelaufen, sie hatte auch immer den Vorschlag gemacht uns in einem Café oder einem Restaurant zu treffen. Ich habe sie entweder mit dem Auto abgeholt oder wir haben uns direkt da getroffen.

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    Wenn ich es richtig verstanden habe wart Ihr ja zum Zeitpunkt des Urlaubs auch schon 1/2 Jahr zusammen, oder? Bei solchen Einschränkungen muss das doch auch optisch zu sehen sein, oder täusche ich mich da jetzt völlig? ":/

    Mir ist tatsächlich vorher nie was aufgefallen. Erst im Urlaub sind wir längere Strecken gelaufen, da habe ich gemerkt dass sie angefangen hat zu humpeln. Auch dann hat sie was anderes vorgeschoben weswegen sie Probleme hat ("Knöchel"). Erst etwas später hat sie mir erzählt dass sie Warzen an den Fußsohlen hat. Sie hat ihre Füße immer geschickt versteckt.


    Heute ist sie kaum noch in der Lage ihre Schmerzen zu verbergen und kann nach wenigen Minuten nur noch humpeln, trotz Einlagen. Wenn sie abends von der Arbeit nach Hause kommt geht wirklich nichts mehr außer Füße hochlegen.

    Zitat

    Du hast im Kern recht, aber "schwer krank"?

    Warum nicht? Das ist ein chronischer Schmerz, und der geht mit erheblichen Belastungen (körperlich/psychisch) einher. Plus dem Problem (wie bei so vielen Schmerzpatienten), dass man Nichtbetroffenen kaum vermitteln kann, wie belastend ein Dauerschmerz ist.


    Vor dem Hintergrund wäre aber eine vernünftige Schmerztherapie (medikamentös, von einem Spezialisten) sinnvoll.

    Es gab letztes Jahr schon ein Faden zu diesem Thema. Eine Frau suchte Rat wegen ihren Dornwarzen und erwähnte, dass deswegen zwei Beziehungen scheiterten.


    Könnte fast deine Freundin sein.


    Für mich nicht nachvollziehbar, weshalb man den Partner wegen einer Erkrankung verlässt. Wenn man sich liebt, findet man Kompromisse zur Freizeitgestaltung.


    Wie sunflower bereits schrieb, wäre eine adäquate Schmertherapie sinnvoll.

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    Wenn ich jetzt über sie schreibe merke ich wie wichtig sie für mich ist und dass ich unsere Beziehung auch aufrecht erhalten möchte. Aber so wie es jetzt ist habe ich mir unsere Beziehung nicht vorgestellt. Es ist wirklich sehr wenig was an Unternehmungen noch möglich ist. Das betrifft auch die Urlaubsplanung. Den geplanten Winterurlaub mussten wir canceln weil die Wunden 6 Wochen nach der OP noch immer nicht vollständig verheilt waren und jetzt im Sommer bleibt nur der klassische Strandurlaub (den wir beide nicht unbedingt mögen).

    Urlaub, Urlaub, Urlaub... Ich verstehe ja durchaus, dass man mal wegfahren und mal was anderes sehen möchte. Aber weil ihr durch die OP einen Urlaub canceln musstest und der nächste Urlaub auch nicht wie geplant stattfinden kann, fühlst du dich gleich so extrem in deiner Freizeitaktivität eingeschränkt? Zeugt ja nicht gerade von Durchhaltevermögen. Namenloser, deine Freundin hätte auch eine x-beliebige andere OP oder Krankheit haben können, wo sie erst mal ein paar Wochen oder Monate nicht wie gewohnt "funktioniert". Da muss man als Partner auch mal lernen zurückzustecken und auch mal etwas Geduld mitbringen.


    Mein Mann und ich leben jetzt schon seit Anfang 2012 mit meinen Beinschmerzen und meiner nicht mehr so guten Mobilität. Vor allem die ersten 1-2 Jahre war nicht viel mit Freizeitaktivitäten oder Urlaub, schon allein wegen der ganzen Arzttermine und Krankenhausaufenthalte. Aber man kann sich ja vorrübergehend auch mal anders beschäftigen. Man muss nicht ständig auf Achse sein. Oder der Partner zieht halt mal allein los oder mit Freunden.


    Als wir dann irgendwann doch wieder in den Urlaub fuhren, haben wir auch eine Lösung gefunden. Letztes Jahr waren wir z.B. in Katalonien. Der Flug war schon wegen der Sitzerei für mich anstrengend, aber da nimmt man eben mal Schmerzmittel. Auch so habe ich den Urlaub über ein paar Schmerzmittel nehmen müssen um die Tage zu überstehen. Gelaufen sind wir, für meine Verhäntnisse, sogar erstaunlich viel. Wir haben aber auch viele und regelmäßige Pausen eingeplant. Vor allem in Barcelona sind wir dann auch viel mit der U-Bahn oder den Sightseeing-Bus gefahren, um von A nach B zu kommen und viel zu sehen zu können und um nicht so viel laufen zu müssen.


    Es ist nicht so, dass man nix mehr machen kann, nur weil der Partner nicht mehr so gut mobil ist. Und euer Strandurlaub muss auch nicht zwingend langweilig am Strand stattfinden. In Portugal gibt es sicher ein paar Möglichkeiten aktiv zu werden, wo ihr beide etwas davon habt und wo deine Freundin den Schmerzen nicht zu sehr ausgesetzt ist.


    Aber wie gesagt, ihr müsst da gemeinsam Lösungen finden und ihr müsst auch wollen, eure Aktivitäten an den gegebenen Zustand anzupassen. Aber den Willen sehe ich weder bei deiner Freundin und auch nicht so richtig bei dir, wenn ich ehrlich bin.

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    Ich muss sie auf jeden Fall dazu kriegen dass sie sich wirksame Schmerztabletten verschreiben lässt damit wir wenigstens ein bisschen was von der Umgebung haben und Land und Leute kennenlernen (wir wollen nach Portugal).

    Du willst nur, dass sie funktiniert, damit DU etwas vom Urlaub hast. Was anderes lese ich hier nicht raus. Ich hoffe, das klärende Gespräch mit deiner Freundin läuft etwas anders ab. Wenn du ihr vermittelst, dass sie dies und jendes tun MUSS, resigniert sie erst recht und wird nicht versuchen mit dir eine Lösung zu finden. Da ist schon etwas mehr Einfühlungsvermögen von deiner Seite gefragt.