Es ist nach all Deinen Beiträgen erkenntlich, dass Du der Motor eurer Beziehung warst und bist. Die wichtigen Dinge eurer Beziehung sind auf Dein Engagement hin durchgezogen worden.


    Ihr seid unbewusst in eine Dynamik rein geraten in der Du die Verantwortung für eure Beziehung übernommen hast. Anfangs sicher aus empfundener Liebe und weil Du anstehende Probleme gern vom Tisch haben möchtest.


    An diesen Wesenszug hat Dein Freund sich über die langen Jahre gewöhnt, und deshalb fällt es ihm aktuell so schwer sich komplett anders zu positionieren. Euer Finanzproblem ist nur das Symptom für die persönliche Entwicklung und Reife, die bei euren Persönlichkeiten ein sehr unterschiedliches Tempo angenommen hat.


    Ein Mann der sich der Partnerin, ob berechtigt oder nicht unterlegen fühlt, zieht sich oftmals auch in anderen Bereichen der Beziehung zurück. Ist weniger enganiert und interessiert, wie es in einer Beziehung auf Augenhöhe im Normalfall wäre.


    Er hofft vielleicht im Stillen, dass seine Aktivität an dem Hausanbau das alles in Deinen Augen "unsichtbar" macht, was in anderen Bereichen nicht ausgewogen gelebt werden kann.


    Ich kann Dich verstehen, wenn Du Dir für Deine Beziehung wünschst, dass der Partner an Deiner Seite mehr Eigeninitiative entwickelt, Dich ab und zu überraschen kann mit eingen Ideen und ungeplanten Aktionen. Das muss nicht gleich die große exotische Reise sein. Aber dennoch auf eine Art, dass es den Alltag etwas aufpeppt und Dir zeigt, dass er sich freut an Deiner Seite zu leben.


    Zudem wünscht Du Dir das was sich viele junge Frauen wünschen, nach langen Jahren eine überschaubare Planung sozusagen der rote Faden für das gemeinsame Leben. Wozu für die meisten Paare noch immer Hochzeit und die Familiengründung gehört.


    Deinem Freund scheinen diese Wünsche weniger wichtig, und er flüchtet in seinem Alltag in den Minimalismus, der Dir offenbar zunehmend nicht mehr ausreicht. Derzeit kämpfen Kopf und Herz einen einsamen Kampf, weil Dein Partner nicht erkennen will welche Chancen er verstreichen lässt, daran etwas zu Gunsten eurer Beziehung zu ändern.

    Zitat

    Ich will eigentlich raus aus dieser sch..... Situation

    Genau da liegt der Punkt: raus, weil Du Dich unwohl fühlst. Bisher erhofftest Du Dir die Lösung durch seine Mithilfe, sein Mitziehen, und da verweigert er sich stattdessen. Worte zählen leider wenig, seine entsprecheden Taten fehlen, und das lässt erkennen, dass er im Grunde nicht will, warum auch immer.


    Und Du traust Dich noch nicht, statt auf das Wunder zu warten einen Schlussstrich zu ziehen. Damit tut man sich wohl nie leicht, es hängt ja noch ein Stück Deines Herzens daran. Bedenke vielleicht, dass Du die zwischen Euch gewachsene Dynamik auf jeden Fall unterbrechen musst, aber das Ende könnte auch ein vorläufiges sein. Vielleicht gibt ihm ja Deine Schlussbekundung den Impuls, auf den Du wartest? Obwohl ich es leider nicht glaube.

    DieDosismachtdasGift


    Deine Worte treffen total zu, es tut gut verstanden zu werden. Ich weiß auch gar nicht was ich darauf noch sagen soll...


    Calinken


    Auch du hast recht, irgendwie denke ich es kann doch nicht sein, dass er nicht handelt, aber vielleicht kann er nicht.


    Gestern gab's noch ein kurzes Gespräch, ich hab es ihm ein allerletztes mal deutlich gesagt. Ein paar Tage Zeit gebe ich ihn noch um es zu verdauen und zu handeln....


    Auch wenns weh tut, sollte nichts passieren, muss ich dann an mich denken. :-/

    Zitat

    Es tut verdammt weh, dass es wohl gescheitert ist. So richtig bewusst dass es so nicht weiter gehen kann ist es mir ja auch erst seit ein paar Wochen.

    Gescheitert ist aber doch nur das "weiter so". Der fällige Kurswechsel hat kaum begonnen, wenn überhaupt. Der kann noch gar nicht gescheitert sein. Damit besteht die Chance auf nötige Änderungen. Das ist das Gegenteil von Scheitern. Schließlich hast du die Unmöglichkeit des Gelingens gerade abgewendet. Umöglichkeit abgewendet... doppelte Verneinung. Was bleibt ist die Möglichkeit des Gelingens. Die gab es vor ein paar Wochen noch nicht. DAS ist das, was sich bereits geändert hat. Also lass nicht los, wo du es gerade in den Griff kriegst.


    Ich würde die Vergangenheit abschneiden wie einen alten Zopf. Deinen Bauch beruhigst du, indem du ihm klar machst, dass du kein A... sein wirst und den Mann an deiner Seite nicht einfach aufgrund einer Vergangenheit, die ihr beide gemacht habt, wie sie war, abschreibst. Und deinen Verstand beschäftigst du, indem du konkret am Vertrauensaufbau arbeitest, z.B. die Dinge klärt, die zu klären sind (also nicht Vergangenheitsbewältigung, sondern Zukunftsvorbereitung) - hatte ich schon beschrieben. Blick nach vorne, nicht zurück.

    Gescheitert in dem Sinn, wenn mein Freund nicht mitzieht, bzw nicht mit kämpft. Derzeit bin ich mir diesbezüglich nicht so sicher.


    Heute hat er mich zb umarmt, genau das was mir oft fehlte und es hat sich so angefühlt als ob mir jemand riesige Steine auf die Schulter gelegt hätte..... warum?

    In Dir ist in den letzten Jahren viel Hoffnung, Respekt und Augenhöhe in der Beziehung verloren gegangen. Es wäre kaum erklärbar, wenn das "nur" durch ein paar Gesten und Näheanflug wie weg gewischt wäre.


    Vermutlich hast Du schon seit Jahren immer wieder Phasen mit ihm erlebt, die Hoffnung auf (s)ein reiferes Verhalten im Leben und in der Beziehung gemacht hat. Aber sehr häufig seid ihr an die selben Grenzen gestoßen, die Du jetzt wiederholt an ihm wahrnimmst.


    Zu einem bestmmten Zeitpunkt X, fängt man zunehmend an mehr Bilanz zu ziehen, wohl auch, weil man sich mit anderen gleichaltrigen Paaren bewusst oder unbewusst vergleicht. Dabei kann ein Gefühl des deutlichen Mangels empfunden werden, der sich ab einer gewissen Qualität nicht mehr verdrängen lässt. Das ist traurig, macht unsicher und dann kommt der Punkt an dem der tiefe Frust einsetzt.


    Ich vermute das bei Dir derzeit viel innerlich im Umbruch ist, und Du Dich danach sehnst realistische Ziele auf der Lebens-Agenda zu haben, die mit dem Lebenspartner auch erreichbar erscheinen.

    Ja das stimmt sicherlich, die Augenhöhe ist definitiv verloren gegangen.


    In den letzten Jahren gab es wirklich immer wieder ähnliche Situationen, bisher dachte ich eben immer, das wird schon, ich lebe es ihm vor, versuche viel etc.


    Aktuell arbeitet es in der Tat sehr in mir....


    Es stimmt aber auch, dass dies auch nötig ist und auch irgendwo positiv, da es nun definitiv eine Chance auf Veränderung gibt. Wie auch immer diese auch sein mag.


    Aktuell habe ich denke ich nur die Möglichkeit zu sehen, wie er sich verhält und ob ich meine Hoffnung wieder finden kann. Und sich ein besseres Gefühl dadurch ergibt.


    Ich möchte auch gar keine Schuld zuweisen, ich wollte nur verstehen wie es so weit kam. Das ist mir dank eurer Hilfe nun klar. Es ist zwar alles sehr hart und auch frustrierend, aber ihr habt auch recht damit, dass sich nun neue Chancen ergeben. Die muss ich nun nutzen. Man lebt schließlich nur einmal.

    Gestern ist er dann tatsächlich auf mich zugegangen und hat seine Finanzen offen gelegt. Eigentlich ja ein guter Schritt für mehr Ehrlichkeit.


    Was da zu sehen war war sehr ernüchternd. Im Endeffekt lebt er seit Jahren von der Hand in den Mund, reizt den Überziehungsrahmen aus bis nichts mehr geht. Kauft sich trotzdem zb ein Motorrad. Die laufenden Kosten sind jedenfalls nicht die Ursache.


    Als er das Motorrad gekauft hat, war er schon im Minus. Ich habe ihn gefragt, wie er sich das vorgestellt hat, wie das funktionieren soll. Er meinte, dass er dachte es geht schon irgendwie..... das irgendwie bin dann wohl ich.


    Ich weiß ich habe maßgeblich zu diesen Verhalten beigetragen, aber ich finde es schon hart. Ich fühle mich ausgenutzt, ich weiß ich habe es zugelassen.


    Was das ganze für mich so schlimm macht ist, dass ihm immer geholfen habe, egal worum es ging, einfach weil dass für mich zu einer guten Beziehung gehört. Er hat das alles so selbstverständlich genommen und mich überhaupt nicht wahr genommen. Er hat sein Ding durchgezogen und ich habe versucht unsere Beziehung zu tragen und voranzutreiben.


    Ich weiß ihr habt mir geraten nicht nach schuld zu suchen, sondern nach vorn zu blicken und an der Zukunft zu arbeiten. Ihr habt auch recht damit, aber ich bin so enttäuscht. Ich war so blind und dumm und dachte er wird erwachsen in aller Hinsicht, zb wie man mit Problemen umgeht, Finanzen und wie man jemanden schätzt.


    In mir ist etwas zerbrochen glaube ich, dabei geht es gar nicht um's Geld. Sondern darum wie er sich verhalten hat. Wie sehr er sein Ding durchgezogen hat.


    Jetzt sagt er nur, das schaffen wir alles....


    Wir? Ich frage mich wann wir wirklich wir waren?


    Sicher hat er auch Dinge für mich gemacht, Reparaturen oder mich irgendwo hingefahren usw, aber das habe ich auch. Und in den letzten Monaten, ungefähr seit Jahresbeginn habe ich ihn auch um jeden Gefallen zehn mal bitten müssen. Ich hatte das Gefühl es interessiert ihn nicht. Das ist eigentlich das wirklich schlimme für mich.


    Nun wo die ..... am dampfen ist, macht er ein bisschen etwas. Aber ich kann es ihm nicht abnehmen, es wirkt auf mich aufgesetzt. Vielleicht ist es das nicht, aber es fühlt sich so an.


    Seine Nähe erdrückt mich auch irgendwie, obwohl ich mir diese so gewunschen habe.


    Der Respekt und die Augenhöhe ist definitiv verloren gegangen, ich seh ihn an und denke mir, wie kann man nur so sein, sein Leben so führen wollen, seine Freundin so behandelt wollen. Hätte er von sich aus jemals in irgendeiner Form reagiert wenn ich nichts gesagt hätte? Sicher nicht, doch was ist das für eine Einstellung?


    Ich will so ein Leben nicht. Einerseits sind da noch starke Gefühle für ihn da, andererseits frage ich mich ob man diese Beziehung überhaupt noch retten kann? Wenn wie? Will ich das wirklich noch ganz sicher? Oder bin ich vielleicht innerlich nun so blockiert, dass ich dem ganzen nicht mehr die faire Chance geben kann? Wie würde eine faire Chance aussehen?


    Ich weiß einige haben mir geraten, die Beziehung zu beenden, andere meinten eine Chance könnte man dem ganzen noch geben. Ich dachte auch an.die Chance, aber ich weiß nicht ob ich diese sabotiere?


    Ich weiß nicht wie ich mich verhalten soll und ob ich das kann.

    Wenn überhaupt (sehe ich als eher gering an) bringt eine räumlich Trennung zwischen euch mehr als so wie ihr jetzt zusammen lebt rum zu doktern.


    Dein Freund hat neben Dir nicht jene Eigenständigkeit erreicht, die es gebraucht hätte, um auf eine gemeinsame Augenhöhe zu kommen.


    Er weiß ohne Deine Mitwirkung nicht worauf es in einem eigenständig erwachsenen Leben ankommt. Er pokert mit seinem Einkommen, ob es gut geht oder nicht zum Ende des Monats.


    Weiß er hat in dem Haus das ihr zusammen bewohnt ein sicheres Dach über dem Kopf. Der Kühlschrank ist gefüllt, egal wie tief er bei seinem Konto im Überziehungsrahmen steht. Auf diese Art ist es schlicht unmöglich, dass er sich mit seinem Problem der Finanzen selbst ausseinander setzt. Du hast nach wie vor Gefühle für ihn (was nach den langen Jahren nicht verwerflich ist), aber ingesamt gesehen entwickelt er sich als Persönlichkeit auf die Art wie bisher versucht nicht weiter.


    Du selbst lehnst aus verständlichen Gründen ab, ihm Geld zu zuteilen oder seine Finanzen zu überwachsen, damit am Ende des Monats ein Plus über bleibt. Allerdings ständig Geld zuschießen, damit seine Basics für den Alltag gewahrt bleiben ist auch keine Lösung.


    Um reifer und erwachsener zu werden, braucht eine Ebene auf er sich nicht mehr raus wurschteln kann über Deine Person. Er muss die Härte des Lebens am eigenen Leib erfahren, entweder schafft er den Sprung ins eigenständige Leben, oder er scheitert.


    Aber das kann und sollte dann nicht mehr Deine Problematik sein. Durch die räumliche Trennung, die sich mit Fristsetzung vereinbaren lässt könntest Du für Dich selbst heraus finden, ob es eher der langjährigen Gewohnheit geschuldet war/ist mit Deinem Freund als Partner weiter zu machen oder ob Deine Gefühle auf reiner realistischen Basis stehen können.


    So wie Du allerdings den aktuellen Ist-Zustand eurer Beziehung beschreibst bleiben rational nicht mehr viele Argumente um aneinander festzuhalten.

    Wenn Du an der Beziehung festhältst, sei Dir sicher, dass Du immer die Zahlmeisterin bleiben wirst. Was für einen Grund sollte er haben, sich zu ändern, so ganz ohne Leidensdruck? Er wird sich ein wenig Mühe geben um Dich, damit er sein behütetes Nest behält. Aber auch nur soviel, wie es ihm möglich ist, er wird nicht ein anderer Mensch werden, der Dich auf einmal von vorne bis hinten hofiert. Und er wird nicht von heute auf morgen ein Bewusstsein fürs Geld entwickeln. Wenn Du so schreibst, dass Du alleine an Eurer Beziehung arbeitest, während er SEIN Ding macht, dann darf man bezweifeln, dass ihm überhaupt daran gelegen ist, zum Wohle Eurer Beziehung kürzer zu treten.


    Wieso in aller Welt finanzierst Du ihm denn ein Motorrad oder alles andere, weil er pleite ist? Scheint ja nicht die quasi lebensnotwendige einzige Karre zu sein, die man braucht, um zur Arbeit zu kommen... Warum machst Du sowas mit?

    Ralph, das befürchte ich auch ehrlich gesagt.


    Ich habe das blöde Motorrad nicht finanziert, nicht direkt.


    Er kam damit an und meinte, um das Geld bekommt er dieses Ding nie wieder, einmalig Chance blablabla.


    Ich habe ihm gesagt, dass ich nicht begeistert bin, aber es grundsätzlich seine Entscheidung ist, wenn er es sich leisten kann. Er meinte er kann es sich leisten. Da ich seine Finanzen nicht im Kopf habe bzw nicht wusste, dass er nur in den Miesen ist, war das Ding durch. Ich habe ihn auch mehrfach gefragt, ob er es sich leisten kann.


    Die Woche zuvor gab es keine größeren Ausgaben für uns, nur fürs Haus, die ja berechtigterweise ich zahle.


    Ich habe ihm vertraut....


    Letztendlich kommt es nun jedoch auf uns zurück.


    Ich dachte naiv er weiß was er tut....


    Aber wie gesagt es ist ja nicht die einzige Baustelle.

    DieDosismachtdasGift


    Du hast recht, dieser Absprung oder diese Konsequenz zu ziehen, ist nur so schwierig und hart.


    Eigentlich weiß ich das ja alles schon und mein Gefühl sagt mir auch, dass es keine komplette Veränderung geben wird. Ich glaube, deshalb fühlt sich auch alles so eigenartig an.


    :-/

    Zitat

    Ich habe das blöde Motorrad nicht finanziert, nicht direkt.

    Wenn er, schon in den Miesen, etliche tausend in ein Bike steckt, dann muss er doch danach monatelang alle Ausgaben für den Haushalt und den Alltag bei Dir abgewälzt haben? Das merkt man doch??