... und wo wir gerade bei "moralisch einwandfreiem Verhalten" sind: Vielleicht ist auch der Gedanke nicht ganz unberechtigt, dass es eben nicht ganz und gar moralisch einwandfrei ist, "eine Ehe zu brechen". Ich selbst verurteile nicht die Liebesbeziehung, die Ihr beide hattet, Basil, aber so richtig super ist es halt auch nicht, dass Anna ihren Mann mit Dir betrogen hat. Ist passiert, passiert überall auf der Welt wahrscheinlich millionenfach, alles eigentlich relativ banal so im grossen Ganzen. Aber nun, wo Anna sich für ihren Mann und ihre Familie entschieden hat (sie scheint nicht so sehr Opfer ihrer Gefühle zu sein wie Du), und ganz egal, ob ihr das leichtgefallen ist/aus welchen Gründen genau sie sich entschieden hat/ob sie noch sehnsuchtsvoll an Dich denkt oder nicht,... wäre es doch vielleicht angebracht und fair (Anna gegenüber, aber auch ihrer Familie), langsam mal die Füsse stillzuhalten und ihre Entscheidung zu akzeptieren...?

    Basil75

    Zitat

    Dieser Aufenthalt wäre der Horror gewesen, weil ich die Situation dort ständig mit der hier in Deutschland abgeglichen hätte und die Situation dort einfach nur unerträglich gewesen wäre. Davor hatte ich auch Angst und ich hatte keine Lust darauf.

    Die gemeinsame Realzeit mit deinem Sohn hätte nichts abgeglichen? So, dass du hättest sagen können, nun gut, Anna werde ich definitiv nicht sehen, aber dafür habe ich meinen Sohn in meiner Nähe?

    Zitat

    Ein Freund (ein echter Frauenkenner ;-)) sagte mal, wenn eine Frau nach einer Beziehung Freunde bleiben will, dann hat sie dich entweder nicht geliebt oder sie liebt dich noch immer.

    Ich denke, du möchtest dich von dieser Anna so sehr geliebt wissen, dass du deinem Freund vorbehaltlos glauben möchtest und dir gar nicht überlegst, ob die Wirklichkeit eventuell anders sein könnte: Nämlich dass Freundebleiben-Dings typenabhängig von Mensch zu Mensch verschieden ist: Die eine möchte noch Kontakt nach dem Schlussstrich, die andere eben nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass alle Frauen in dieser Sache nach Schema X handeln. Aber wie auch immer deine Anna zu dir steht, ob sie dich nur noch wie einen guten Freund mag oder dich immer noch liebt, Tatsache ist, dass sie die Beziehung zu dir beendet hat.

    Zitat

    Eigentlich hatte ich auf Menschen gehofft, die reelle Erfahrung haben. Interessanter Weise haben sich diese nur via PN mir gemeldet. Wahrscheinlich wussten sie, was oder wer ihnen sonst blüht. ;-)

    Das glaube ich gerne. Geliebten-Fäden von Menschen, die die zweite Geige im Leben eines vergebenen Leuten spielen, sind ja hier im Forum ein bekanntes Phänomen und sie ähneln sich alle im Tonfall: Hier der/die Geliebte, die/der überzeugt ist, die grosse Liebe getroffen zu haben, dort die nüchternen Gegenstimmen. Dass man letztere nicht hören mag, wenn man sich in so einer Konstellation befindet, kenen ich nur zu gut: Ich war selbst mal Teil einer Liebesaffäre. So sehnsuchtsgetrieben und alltagsunbelastet habe ich vorher und nachher nie wieder eine Liebe erlebt. Diese Höhen. Diese Tiefen. Hach. ;-)

    @ Uomo 3

    Du hast es genau auf den Punkt getroffen. Dass ich so etwas von einem Mann lesen würde, habe ich in meinen kühnsten Träumen nicht geglaubt. Danke dafür.

    @ Basil75

    Sei froh, dass dich ein Mensch so sehr berühren konnte.


    Offensichtlich scheint es das erste Mal gewesen zu sein. Menschen mit offenem Herzen passiert so etwas öfter. Man weiss dann diese Momente zu schätzen. Das ist kein Weltuntergang, sondern einfach schön und man geniesst es.


    Ich war jetzt im Urlaub in Österreich (Servus Gerald) und habe einige sehr schöne Erlebnisse mit Menschen gemacht. Meine Freundin stand neben mir (ich glaube, sie tickt in etwa wie du) und konnte nicht fassen, wie herzlich die Menschen zu mir sind. Sie machen dann auch Sachen, die man für unglaublich hält. Das ist schön, schön, schön.


    Damit ist alles gesagt. Geniess es - einen Moment wirst du nicht festhallten können.

    Verzeihung, wenn ich das traute Miteinander hier mal stören muss, aber ich neige zu einer deutlicheren Sprache...


    Basil, dass Du Termine mit deinem Sohnemann versäumt hast (und für ihn auch noch wichtige Termine dazu) ist ein unverantwortlich kindisches Verhalten und einem erwachsenen Mann mit Verstand nicht würdig. Und das ist dir auch bewusst. Leider hast Du in deinem Verliebtheitswahn kein Empfinden dafür gehabt. Allerdings unterstelle ich Dir, dass Du auch vor IHR nicht in Dir geruht hast, denn dann wäre GENAU DIES nicht passiert.


    Was eure Affäre angeht (und so abgedroschen es für Dich auch klingen mag, es ist und bleibt eine, mehr nicht), halte ich Dich zunächst für charakterschwach. Der Moment, in dem Du erfahren hast, in welchen Umständen sie lebt ist der, an dem Du dich als Mann mit Prinzipien hättest verabschieden müssen. Das hast du nicht getan.


    Zusammengenommen bist Du also einer, der nicht genug Verantwortungsbewusstsein dem eigenen Kind gegenüber besitzt und zudem überhaupt kein Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Familie deiner Bettpartnerin. Eine wirklich schwache Leistung. Das sagt nicht nur eine Menge über Dich aus, es bezeichnet Dich ziemlich vollständig. Auf Dich ist kein Verlass. Tut mir leid, aber ich nenne das armselig.


    Zu ihr kann ich nicht viel sagen, denn von ihr weiß man ja nur, dass sie offensichtlich ihren Mann betrügt, ihre Kinder damit dem Risiko eines finanziellen und (noch viel eklatanter) eines seelischen Schadens aussetzt, gleichzeitig aber nicht genug Antrieb hat ihren Mann, den sie vermutlich nur noch aus finanziellen Gründen "hält" zu verlassen. [...] Warum Du dich von [ihr] hast einfangen lassen, magst Du selbst ergründen...wenn du dich traust.

    Na... stopp mal... wir wissen nichts von der Frau, nur die paar winzigen Details, die darüber hinaus auch noch total verklärt sind.


    Kein Grund, die Frau jetzt so zu beleidigen, auch wenn sie das hier nicht lesen kann.


    Menschen binden sich, Menschen betrügen, Menschen bereuen und Menschen sind fehlbar und oft genug lügen sie auch. Man kann einiges für sich ablehnen, sich nicht vorstellen können oder auch ganz schlimm finden, aber über jemanden so zu schreiben, der sich hier nicht wehren kann, finde ich in diesem konkreten Fall nicht richtig.

    Ich meine, dass der Faden gar keinen Anlass und - mangels jeglicher Information - noch weniger die Möglichkeit bot, das Verhalten von Anna gegenüber ihrem Ehemann zu bewerten.


    Außerdem ist nicht gesagt, dass eine Frau, die fremdgeht, ihren Mann auch betrügt. Und nicht einmal jede Frau, die ihren Mann mit einer Affäre betrügt, handelt moralisch verwerflich. Im Normalfall vielleicht ja. Aber da gibt es doch tausend Facetten.

    IceLady

    Zitat

    Weil die Rolle (im Übrigen: nettes Wort in genau dieser Situation), die er als Vater spielt, symptomatisch bzw. repräsentativ für die ganze Beziehungssituation ist.

    Aber ihr mach diese Vaterrolle an diesem einen Ereignis und an der Tatsache, dass ich aus beruflichen Gründen weniger zu Hause bin als der 0-8-15 Montag bis Freitag 7:30 Uhr bis 16:00 Uhr Arbeitnehmer-Vater.


    Stigmatisierung par excelance!

    Aloutee

    Zitat

    Aber ich glaube, dass es in Basils Situation, in der er gerade so ausschliesslich um SICH und SEIN Empfinden kreiselt, hilfreich sein kann, ihm aufzuzeigen, dass er eben nicht allein (mit Anna) auf dieser Welt ist, und dass er nebenbei auch noch Verantwortung für das Wohlergehen weiterer Menschen übernommen hat. Das mag sich gerade weniger interessant und intensiv anfühlen als seine Liebesgefühle

    Nochmal nur für dich:


    Ich weiß um meine Verantwortung meines Sohnes und erfülle sie und übernehme sie so gut es meine berufliche Situation erlaubt. Die Mutter dieses Sohnes und ich sind uns einig, es ist nicht mal für sie ein Thema (und sie hätte ein Recht dazu) und alles ist gut.


    Ich erfülle meine beruflichen Verpflichtungen, übernehme Verantwortung für die Ausbildung von jungen Menschen und auch das funktioniert sehr gut.


    Hör bitte auch du auf an mir und mein Pflichtbewusstsein und meiner Empathie für andere zu zweifeln. Auch dir steht es nicht zu – abgesehen davon, dass du Schlüsse ziehst, die über das Ziel hinaus schießen.

    Zitat

    Die Beiträge, die eher in eine andere Richtung gehen (und deren Verfasser das Wissen über das Gefühleverblassen im Kopf haben) gefallen Dir nicht. Viel mehr Möglichkeiten gibt es aber nunmal nicht. Also?

    Ich habe nichts gegen Beiträge, die mich anders auf die Beziehung mit Anna blicken lassen, als ich es vielleicht tue. Auch nichts gegen die, die mir sagen, dass es mit Anna wahrscheinlich nichts mehr wird.


    Ich habe nur entschieden etwas gegen Beiträge, die mich wegen dem, was ich hier über mich und mein Leben erzähle als empathielos, charakterschwach, narzisstisch und was weiß ich noch alles einstufen. Das ist der absolute Schwachsinn und verschwendet meine und eigentlich auch eure Zeit.

    Zitat

    Ich würde Dir raten (Achtung, Psychoschiene!) zu versuchen, ein bisschen Abstand zu der ganzen Sache zu gewinnen, sozusagen aus Vogelperspektive mal zu schauen, was da eigentlich gerade in Deinem Leben passiert. (Was würdest Du als Unbeteiligter einem guten Freund raten?)

    Oh, das ist schwer. Natürlich hätte ich als guter Freund Anna sicher kennen gelernt. Ich würde meinen Freund kennen und wüsste, wie es ihm geht weil ich ihn als Mensch kenne. Ich würde wissen, dass er, wenn er fühlt dann richtig fühlt und ein Querulant sein kann. Ich würde wahrscheinlich einen mit ihm trinken gehen und ihm raten um sie zu kämpfen und das Feld nicht sofort zu räumen wie die missten anderen es tun würden. Ich würde aber auch einschätzen können, wann der Punkt erreicht ist, an dem er das Feld räumen sollte und ihm auch dann dazu und dann natürlich für ihn da sein – und wahrscheinlich wieder einen mit ihm trinken gehen. ;-)

    Zitat

    Natürlich ist es nicht leicht, behauptet ja auch keiner, aber selbst der verliebteste Mensch kann Entscheidungen treffen, um nichts anderes geht es hier. So weh es auch tut, Du musst schon wollen, dass es Dir besser geht (auch ohne Anna), dass Du nicht mehr leiden musst, wenn Du in St. Petersburg bist und an die Möglichkeit denkst, ihr rein zufällig über den Weg zu laufen. Ohne diesen Willen bleibt nur ein Verharren in der für Dich unbefriedigenden Situation.

    Ich will ja auch, dass es mir besser geht. Aber ich finde einfach keinen Weg.


    Ohne sie in meinem Leben laufe ich wie ausgebremst, Dinge, die ich gern mache machen mir nur noch halb so viel Spaß. Sie machen immer noch Spaß aber eben nur nicht mehr so, wie vor Anna. Ich sehe auch ein, dass ich da in einer Beziehungsabhänglichkeit stecke. Widmet sie sich mir, geht es mir gut, widmet sie sich mir nicht, geht es mit weniger gut.


    Ich möchte das auch ändern. Und ich sehe ein, dass das nur über den Kontaktabbruch geht. Keine Treffen mehr, keine Telefonate, keine Nachrichten jeglicher Art. Das werde ich ihr sagen und dann muss ich da durch.

    flo_eck

    Zitat

    Die gemeinsame Realzeit mit deinem Sohn hätte nichts abgeglichen? So, dass du hättest sagen können, nun gut, Anna werde ich definitiv nicht sehen, aber dafür habe ich meinen Sohn in meiner Nähe?

    Jetzt im Nachhinein sind das genau meine Gedanken. Ich hätte mich von den Vorhaltungen meiner Familie (mein Beruf ist seit dem ich ihn ergriffen habe ein Aufhänger für meinen Vater) distanzieren und meine Sohn zuwenden können. Du hast da vollkommen Recht.


    Aber über vergossene Milch weinen bringt nichts.

    Zitat

    So sehnsuchtsgetrieben und alltagsunbelastet habe ich vorher und nachher nie wieder eine Liebe erlebt. Diese Höhen. Diese Tiefen. Hach.

    Sehr gut ausgedrückt. Du bringst es sehr auf den Punkt. Aber ist es dir gelungen diese Gefühle einfach so zu ignorieren und zur Tagesordnung, einem nüchternen Leben über zu gehen?

    Ktefan

    Zitat

    Basil, dass Du Termine mit deinem Sohnemann versäumt hast (und für ihn auch noch wichtige Termine dazu) ist ein unverantwortlich kindisches Verhalten und einem erwachsenen Mann mit Verstand nicht würdig. Und das ist dir auch bewusst. Leider hast Du in deinem Verliebtheitswahn kein Empfinden dafür gehabt. Allerdings unterstelle ich Dir, dass Du auch vor IHR nicht in Dir geruht hast, denn dann wäre GENAU DIES nicht passiert.

    Was wäre nicht passiert? Kannst du das bitte weiter ausführen?


    Sie hat mit eigentlich immer gesagt, dass sie es genießt bei mir zu sein, weil ich ihr Ruhe gebe, sie meine gelassene Art genießt, meine Geduld, die sie manchmal in den Wahnsinn treib. Ich weiß nicht, ob du das meintest.

    Zitat

    Was eure Affäre angeht (und so abgedroschen es für Dich auch klingen mag, es ist und bleibt eine, mehr nicht), halte ich Dich zunächst für charakterschwach. Der Moment, in dem Du erfahren hast, in welchen Umständen sie lebt ist der, an dem Du dich als Mann mit Prinzipien hättest verabschieden müssen. Das hast du nicht getan.

    Gäbe es nur charakterstarke Menschen, gäbe es, spinnt man es anders herum, auch keine Affären. Das wäre aber irgendwie auch sehr schade, emotionslos und fassadenhaft. Aus Affären entstehen ja auch Chancen. Nicht nur für die Betrügenden sondern auch für die Betrogenen. Daraus kann etwas neues entstehen, etwas altes kaputt gehen oder auch etwas bestehendes wachsen. Vielleicht ist das ein naiver Gedanke von einem Mann, der selbst noch nie betrogen wurde. Wurdest du mal betrogen?


    Sie hat mich einfach so bezaubert, dass es mir egal war, ob sie verheiratet ist oder nicht. Ich wollte sie kennen lernen, ich wollte zu Beginn keine Affäre mit ihr, keine schnelle Bettnummer, dafür war sie mir sogar zu schade. Da fänden sich andere. Ich wollte einfach nur Zeit mit ihr verbringen. Sie war eine Bereicherung, jemand, der das perfekte Pendant zu meiner selbst darstellte. Dass daraus eine Liebesbeziehung wurde, nun – es war mir natürlich sehr recht. Es war die Vollendung.

    dorfnixe

    Ich denke noch immer über deinen wundervollen Beitrag nach!

    Hm. Basil, dass Du Deine beruflichen Verpflichtungen gut erfüllst, bezweifele ich nicht, und wenn Eure familiäre Situation für die Mutter Deines Sohnes "kein Thema" ist, dann umso besser. Dein Sohn kennt es ja eh nicht anders. Aber (und da musst Du halt schon auch die kritischen Stimmen akzeptieren) was Du im Eingangsbeitrag schriebst, ist einfach mal ziemlich krass für einen erwachsenen Mann:

    Zitat

    Ich bin 40 Jahre alt, verheiratet aber nicht mehr zusammen lebend, habe einen Sohn, der letzte Woche eingeschult wurde und bei dessen Einschulung ich nicht war. Ich konnte aus zeitlichen und beruflichen Gründen nicht anreisen, so habe ich es jedenfalls meiner Frau und dem Rest der großen Familie gesagt. In Wirklichkeit wollte ich die Stadt nicht verlassen - aus Angst einen Anruf, den Wunsch nach einem Treffen ihrerseits oder auch nur einer zufälligen Begegnung an einem unserer Plätze oder von mir aus auch in der U-Bahn zu verpassen.

    Das Bild, das sich wir anderen User von Dir bilden, entsteht ja nunmal aus den Bruchstücken, die Du uns hier präsentierst. Und ich scheine nicht die einzige zu sein, die kopfschüttelnd dasass bei dem Gedanken, dass ein 40jähriger Mann die Einschulung seines Sohnes sausen lässt, weil seine Ex-Geliebte ihn just an diesem Tag anrufen könnte. Oder weil - noch ein bisschen absurder - er ihr zufällig über den Weg laufen könnte. Mich lassen dabei gar nicht mal moralische Bedenken (schlechter Vater etc.) so ungläubig dasitzen, sondern die Absurdität dieses Denkens an sich. Und der Grad der "Abhängigkeit" oder "Hörigkeit" oder wie immer man es nun nennen will, der aus dieser Beschreibung spricht. Übrigens schien Dir beim Schreiben ja auch bewusst zu sein, dass diese Aktion auf andere ziemlich merkwürdig wirken muss:

    Zitat

    Ich wirke jetzt wahrscheinlich wie der mieseste Vater und getrennt lebender Ehemann der Welt und ein Weichei, der einer Frau hinterher läuft, oben drein. Nur zu, ich halte es aus.

    Das als Versuch einer Erklärung, warum viele hier so darauf rumreiten. Mag sein, dass Euer aussergewöhnliches Familienmodell für Euch völlig in Ordnung ist (wie gesagt, umso besser, ich masse mir darüber kein Urteil an), aber ein wichtiges Ereignis im Leben seines Kindes zu verpassen, weil die vage (??) Möglichkeit besteht, dass Du Anna zufällig in der U-Bahn triffst...? Das scheint für Aussenstehende, die gerade nicht über beide Ohren verliebt sind, einfach ziemlich absurd.


    Ich habe Dich auch nicht als narzisstisch bezeichnet, aber dass Anna und Deine Sehnsucht nach ihr im Moment Dein Denken und Fühlen bestimmt, schreibst Du ja selbst. Das meinte ich mit "um Dich selbst kreiseln". Du willst Anna, fühlst Dich ohne sie "wie ausgebremst" hast nur noch "halb so viel Spaß". Dabei geht es Dir nicht gut, und diesen Zustand möchtest Du ändern.


    Ich würde, so schwer es fällt, da mal ganz logisch rangehen. Welche Handlungsmöglichkeiten bleiben Dir, und wie erfolgversprechend sind die?


    - Du kannst weitermachen wie bisher, Dich ab und an mit Anna platonisch treffen, und ansonsten nichts ändern. Wird es Dir dadurch besser gehen? Du schreibst selbst, dass die Antwort wohl "nein" lautet.


    - Du kannst versuchen, um sie "zu kämpfen". Wie soll das aussehen, dieses "Kämpfen"? Sie verstärkt kontaktieren? Ihr Blumen schenken? Sie mit verrückten Aktionen überraschen? Sie argumentativ von Dir überzeugen? (Die Frage ist übrigens ernstgemeint; ich habe wirklich keine Vorstellung davon, wie dieses immer wieder zitierte "um die Liebe kämpfen" aussehen soll.) Wie erfolgversprechend wäre dieses Kämpfen? Was für ein Typ ist sie? Ist sie wankelmütig und leicht umzustimmen? Und wie vertretbar und angemessen wäre so ein Versuch? Fändest Du es fair, sie von ihrem Entschluss, bei ihrem Mann und ihrer Familie zu bleiben, abzubringen? Du schreibst, dass Du sie sehr liebst, aber nimmst Du sie auch ernst? Nimmst Du ihre Entscheidung ernst? Traust Du ihr erwachsene Entschlussfähigkeit zu? Woher kommt Deine Annahme, es wäre "Kämpfen" vonnöten, damit sie von ihrer Entscheidung abweicht? Vielleicht ist das tatsächlich typabhängig, aber ich persönlich würde es als ziemlich anmassend empfinden, wenn ich merken würde, dass ein Verflossener meine Entscheidung, ihn zu verlassen, einfach nicht ernstnimmt und mich umstimmen will. Als wäre ich ein Kind, das nur nicht gut und gründlich genug überlegt hat und dem man versucht, klarzumachen, wie es richtig geht. Für mich hätte so eine Haltung etwas Bevormundendes, immerhin geht es hier nicht um eine Pubertätsliebe, in der man nur sich und seinen rauschhaften Emotionen verpflichtet ist, sondern es steht einiges - Ehemann, Kinder? - auf dem Spiel. Da überlegt man in der Regel schon gründlich, bevor man eine Entscheidung trifft. Mag sein, dass Annas Entscheidung rein aus Vernunftsgründen gefallen ist, aber ist sie deshalb weniger ernstzunehmen? Spielt es eine Rolle, ob sie noch sehnsüchtig an Dich als Geliebten denkt, wenn es für sie aber handfeste "vernünftige" Argumente für ein Beenden der Beziehung gab und gibt? Und sie hat sich ja nicht nur dafür entschieden, ihren Mann nicht zu verlassen, sondern auch dafür, die Beziehung mit Dir nicht weiterzuführen, sie hätte ja beides nebeneinander weiterlaufen lassen können. Entschuldige die harten Worte, aber das war im Grunde ja eine doppelte Entscheidung; für ihren Mann und gegen Dich. Wie kannst Du dagegen ankämpfen?


    - Du kannst den Kontakt abbrechen, da er Dir langfristig gesehen nicht guttut. Du schreibst

    Zitat

    Ich will ja auch, dass es mir besser geht. Aber ich finde einfach keinen Weg.

    Ein Kontaktabbruch wird natürlich nicht dazu führen, dass es Dir sofort besser geht. Er ist genau das, was Du schreibst, nämlich ein Weg, und der kann einige Zeit dauern. Aber erstens ist er, wenn Du die erste und zweite Option ausschliesst, die einzig verbleibende Alternative, ausserdem gibt er Dir die Rolle eines aktiv Handelnden zurück (der nicht passiv auf Anrufe wartet, die, wenn sie überhaupt eintreffen, ihn dann doch wieder traurig zurücklassen). Und langfristig werden die Gefühle für Anna (der "Rausch", in dem Du Dich jetzt noch befindest) abnehmen, auch wenn Dir das zur Zeit unvorstellbar erscheint. Ich würde mich sinngemäss dem anschliessen, was Du heute_hier oben schrieb: Du hast eine tolle Liebe erlebt, intensivste (Glücks-)Gefühle, ein toller Mensch hat für eine Zeitlang Deinen Weg geteilt. Dass Du davon immer mehr willst, ist menschlich. Jetzt ist es vorbei, und das tut natürlich irre weh, aber in einiger Zeit kannst Du hoffentlich ohne grosse Schmerzen daran zurückdenken und dankbar sein darüber, dass Dir so eine ausssergewöhnliche Liebe überhaupt zuteil geworden ist, vielleicht haben nicht alle Menschen dieses Glück. Ich wünsch Dir alles Gute!

    @ Alouette

    :)^

    Zitat

    In Wirklichkeit wollte ich die Stadt nicht verlassen - aus Angst einen Anruf, den Wunsch nach einem Treffen ihrerseits oder auch nur einer zufälligen Begegnung an einem unserer Plätze oder von mir aus auch in der U-Bahn zu verpassen. Ich wirke jetzt wahrscheinlich wie der mieseste Vater und getrennt lebender Ehemann der Welt und ein Weichei, der einer Frau hinterher läuft, oben drein. Nur zu, ich halte es aus.

    Dieser Passage im Eingangsbericht der TE sagt mir eigentlich gar nichts über die menschlichen Attribute bzw. die väterlichen Eigenschaften dieses Mannes. Mir hat es eigentlich nur offenbart, wie schlecht es ihm geht, wie verzweifelt er ist und was er für sie in Kauf nimmt und wahrscheinlich auch noch nehmen würde.


    Also ja, ich finde es, mal ganz übertrieben gesagt, fast schon romantisch!

    @ Basil

    Ich habe das hier schon eine ganze Weile gelesen und habe mal ein oder zwei Fragen bevor ich Die meine Sicht der Dinge schildere, lieber Basil. Wenn ich es überlesen habe, dann entschuldige bitte.


    Zum einen: Habt Ihr in den letzten 7 Monaten über Euch geredet, über Eure Gefühle füreinander in der Vergangenheit und in der Gegenwart oder ist das ein Thema, das unter den Tisch gekehrt, totgeschwiegen wird? Und wenn ja, weiß diese Anna eigentlich, wie Du seit der Trennung fühlst? Hast Du ihr das mal mitgeteilt? Oder wähnt sie sich in der Annahme, dass diese Freundeskiste für Dich ebenso okay und entspannt ist, wie es für sie zu sein schein?


    Und meine andere Frage: Wenn ihr Euch verabredet, geht das dann immer und ausschließlich von ihr aus oder ist das, wie das bei Freunden halt ist, ein Mit- und Füreinander. Mir scheint, als wartest Du Tag ein Tag aus darauf, zur Audienz vorgelassen zu werden.

    @ Basil

    Kann es sein, dass Du das Gefühl hast, wenn Du keine klassische Beziehung zu Anna haben kannst, Dir selbst versagen zu müssen sie zu lieben?


    Vielleicht ist Anna Deine Möglichkeit andere Formen von Liebe zu ergründen.

    ach und Basil

    Das hier ist nn schon vergangen und somit kann man es nicht mehr umkehren, aber es gibt mir so die ein oder andere Idee:

    Zitat

    Wen ich mir z.B. in den Kopf gesetzt habe sie zu sehen, dann bin ich abends die 100 km zu ihr gefahren und habe sie, vor ihrem Haus stehend eine Nachricht geschrieben, dass sie bitte mal den Müll raus bringen soll. Nur ein Beispiel. Sie war nur wenig begeistert in dem Moment.

    Sie war in dem Moment nicht begeistert, das hast Du gemerkt. Hast Du es verstanden? Hat es Dich gewundert? Konntest Du verstehen, warum sie Dir nicht wegen Deiner Sehnsucht und Deines Entschlusses in Entzückung um den Hals gefallen ist.


    Wenn ich mir vorstelle, ich sitze Sonntagabend mit meinem Mann auf dem Sofa, die Kinder sind im Bett, ich habe ein Glas Wein vor mir und der Tatort beginnt gleich und mein Liebhaber schreibt mir via Handy, dass er vor meiner - UNSERER Haustür steht, dann bekäme ich Panik!!!! Ohh Gott, in welche Situation hast Du diese Frau gebracht. Die hat wahrscheinlich versucht ihren 250er Blutdruck, die zitternden Finger und das springende Herz zu verbergen und krampfhaft nach einem Grund gesucht JETZT das Haus zu verlassen.


    Und wenn der Mann ihr nach geht, schaut, was sie tut? Hast Du da mal eine Sekunde dran gedacht? Es ist eigentlich egal weil nun eh zu spät, aber was hättest Du denn gemacht, hätte er Euch erwischt - den Hermes Lieferanten gespielt?


    Basil, diese Aktion ehrt Dich als Liebhaber. Ernsthaft, ich finde das aus der Distanz hinreißend. Dafür gehen andere Leute ins Kino oder legen sich 'ne Packung Taschentücher beim Film schauen aufs Sofa. Aber im echten Leben kann das ganz schön nach inten los gehen.


    Und Deine Anna, die hast damit ganz schön in die Bredouille gebracht bzw. kann ich mir vorstellen, dass sie sich bei solchen Aktionen Deiner Diskretion nicht mehr sicher war. Dass sie Angst hatte, wann eine nächste Aktion von Dir kommt. Sicher war das nicht die einzige, oder?

    @ :)

    Mir kommen die Tränen.


    Im Ernst: Ich kenne in meinem Umfeld eigentlich fast nur Leute, die keinen acht-bis-vier Arbeitstag haben und noch dazu unorthodoxe Arbeitszeiten bzw. Dienste. Und dennoch sind sie für ihre Familien und ihr Umfeld präsent (ich schreibe explizit nicht: "sie sind für sie da").


    Was mir und scheinbar vielen anderen bei Dir essentiell fehlt, ist die emotionale Ambivalenz. Ich lese keine Zerissenheit zwischen Anspruchsdenken für den Job und die Funktion als Familienmitglied, ich lese kein Bedauern oder ein Mir-Leid-Tun für Versäumnisse. Fur mich und meinen Geschmack lese ich Selbstmitleid und auf der anderen Seite ein Opferdenken, welches Deine Struktur, sich Verantwortung und Präsenz zu entziehen, definiert.


    Es kommt in der Zusammenfassung nicht darauf an, wie oft Du anwesend warst und wie oft nicht, sondern auf den persönlichen Umgang damit. Und hier lese ich absolut keinen Funken von Mitgefühl für beispielsweise Dein Kind, sondern lediglich eine Art Wind aus den Segeln nehmen nach dem Motto: Steinigt mich, aber so bin ich.


    Das ist für mich polemisches Fischen nach Abmilderung.


    Mir persönlich geht es hier nicht um "guter Vater-schlechter Vater", mir stößt einfach dieses unglaubliche Selbstmitleid, gepaart mit einer Gefühlskälte bzw. mangelnden Empathie für Andere auf.

    Zitat

    Basil, diese Aktion ehrt Dich als Liebhaber. Ernsthaft, ich finde das aus der Distanz hinreißend. Dafür gehen andere Leute ins Kino oder legen sich 'ne Packung Taschentücher beim Film schauen aufs Sofa. Aber im echten Leben kann das ganz schön nach inten los gehen.

    Nun ja. Sitze ich im Kino, denke ich vielleicht "niedlich". Aber realistisch betrachtet ist das weder romantisch oder sehnsuchtstriefend, sondern einzig und allein egozentrisch und fast schon übergriffig.


    Bringen wir uns mal wieder vor Augen: Hier handelt es sich um eine ganz normale Affaire zwischen zwei liierten Menschen. Nicht mehr und nicht weniger. Dabei gibt es Regeln, die es einzuhalten gilt. Durch diese pseudo-romantische Aktion bringt er Annas Umfeld in Gefahr und überschreitet eindeutig Grenzen, und zwar ungefragt. Was ist daran niedlich? Das ist egoistisch.


    Wenn Du wirklich willst, dass es Dir besser geht, dann reflektiere doch mal Dein Verhalten hinterfrage Deine Wünsche.

    Lieber Basil,


    hast Du Dir eigentlich schon einmal ueber Dein Leben insgesamt Gedanken gemacht? - Welches Lebensmodell strebst Du denn an? Welche Rolle soll eine Frau in Deinem Leben einnehmen? Und was hast Du fuer die Zeit nach Deiner Tanzkarriere geplant? Wie viele Jahre wirst Du noch durch die Welt als Solotaenzer ziehen koennen bzw. wollen?


    Ganz ehrlich gesagt - ich bin da vielleicht zu bieder - wirkst Du allein bezogen auf die Zeit "nach Anna" (gerade einmal einige Monate) nicht wie ein treuer Hausmann, sondern eher wie ein kleiner Steppenwolf, der durchaus kein Problem damit hat, mit der einen oder anderen Dame "die Zeit zu ueberbruecken", was auch dadurch nicht gemindert wird, dass dummerweise so eine "Goettin" wie Anna nicht dabei war - waere auch ziemlich unwahrscheinlich gewesen.


    Koenntest Du nicht vielleicht einmal reflektieren, was Dich an Deiner Ehefrau bzw. an der Mutter Deines Sohnes stoert und was umgekehrt Dich einst an ihr so fasziniert hat? Sie hat ja eine bemerkenswerte Langmut Dir und Deinem Beruf gegenueber, was gerade mich an ihr faszinieren wuerde - mehr jedenfalls als das ambivalente Verhalten von Anna, die immerhin ihren Mann (und letztlich ihre Familie) massiv betrogen hat.


    Dass Du leidest wie ein Hund, das glaube ich Dir, und erlebt habe ich das frueher auch schon intensivst, und sogar ueber insgesamt viele Jahre. Mich hat das nur darin weiter bestaerkt, mich mit meiner Ehefrau abzugeben, und zwar so eng und ausschliesslich wie nur moeglich. Da koennte eine noch so goettliche Loverin wie Deine Anna daher kommen, es wuerde mir jedenfalls das ganz Besondere an ihr fehlen, naemlich dass sie nicht meine Ehefrau ist.


    Vielleicht waere es auch hilfreich fuer Dich, Dich in die Sichtweise Deiner Frau hineinzuversetzen und in diejenige von Anna (einmal abgesehen von Deinen uebrigen Partnerinnen). Dann wuerdest Du bestimmt deren Verhalten und die Wahrnehmung Deiner Person besser verstehen. @:)