Übergriffige Mutter

    Hallo, liebes Forum!

    Dieser Text ist etwas länger.

    Zwar bin ich über 30, das Verhältnis zu meiner Mutter belastet mich allerdings nachhaltig.

    Ich wohne nur wenige Kilometer von meinem Elternhaus entfernt, in einer kleinen Wohnung, die ich für mich schön eingerichtet habe.


    Von klein auf war meine Mutter im Verhalten mir gegenüber sehr übergriffig. Ich hatte zu Hause nie etwas zu "melden", meine Erzählungen wurden regelmäßig von ihr unterbrochen, meine Mutter machte und macht mich gerne vor anderen klein und redet mir gerne kaputt, was ich schon erreicht zu haben glaube. Meine Briefe, meine Tagebücher, meine Geheimnisse, alles wurde von ihr heimlich gelesen und "in die Welt" heraus getragen, sie hat sich ausgiebig darüber lustig gemacht. Um Ausreden, warum sie so ein asoziales Verhalten an den Tag legt, war und ist sie nie verlegen.
    Seit meiner Pubertät wurde mir ihrerseits das Gefühl gegeben, nichts wert zu sein. Mal war ich zu dick, dann zu dünn (durch ihr ständiges "du bist zu dick" - Geschwafel wurde ich mit 13 schwer magersüchtig, als ich kaum mehr 40 Kilo hatte, war ich das (Zitat) "Verhungerte Somaliakind").

    Sie ist Lehrerin und machte mich von Kindesbeinen an bewusst mit Schülerinnen von sich eifersüchtig, die alle "besser", "schöner", "klüger", "lieber", "talentierter" und "begabter" als ich waren.

    Man könnte meinen, dass ich mittlerweile begriffen habe, dass ich sie nie ändern werde. Dennoch bin ich bin sehr hilflos, weiß weder, wie ich mich zukünftig zu verhalten habe, noch was ich überhaupt fühlen soll.

    Durch meine Krankheit war ich bereits mehrfach in der Psychiatrie, in der mir jeweilig geholfen wurde. Vor Kurzem hatte ich leider einen Rückfall. Ich bin sogleich wieder "aufgestanden" und habe mir Hilfe in der Klinik gesucht, die ich sofort bekommen habe.

    Mein Vater ist die Loyalität in Person und war froh, dass ich mir von Fachleuten Unterstützung gesucht habe.
    Der Rückfall ist mir unangenehm, ich habe sofort wieder Kontakt zu meiner Therapeutin aufgenommen und werde ab nächster Woche eine neue Therapie beginnen. Mein Schritt in die Klinik kam daher, weil sie mich am Besten "kennen" und behandeln können, so auch dieses Mal, mit Erfolg.

    Meine Mutter hatte nichts Besseres zu tun, als meine komplette (!) Familie (sprich Oma, Tante, Onkel, Cousins, Cousinen,...) darüber in Kenntnis zu setzen, was ich wieder für ein "böses Mädchen" bin und SIE diejenige ist, die so sehr unter mir leidet und so ein Schicksal (mit mir) nicht "verdient" hat. Und das, obwohl ich sie inständig bat, diesen Vorfall für sich zu behalten.

    Dabei lebe ich selbständig, finanziere meinen kompletten Lebensunterhalt alleine, übe eine Arbeit aus, die mich erfüllt und habe liebe Freunde.

    Auch hier wurde mir wieder nicht zugehört, was mich zu dem Rückfall getrieben hat, was die Ursache war.
    Sie stilisiert sich selbst als das "Leiden Christi". Wäre mein Vater nicht und mein Patenkind um die Ecke, hätte ich schon längst das Weite gesucht. Dennoch fühle ich mich Teilen der Familie gegenüber verantwortlich und möchte nicht nur "wegen meiner Mutter" sämtliche Zelte abbrechen.


    Mir ging es schlecht und nun ist sie es, die sich wiederholt in die unverstandene Opferrolle stilisiert. Sie hat mich vor der kompletten Familie verraten, was ich nur daher erfahren habe, weil ich vorhin mit meiner Cousine zum Kaffee - trinken verabredet war. Gott und die Welt weiß wieder über meinen Fehltritt bescheid. Es ist, als würde sie alle um mich herum mobilisieren, mich zu kontrollieren. Sie ist ein absoluter Kontrollfreak und wollte sogar, dass ich wieder daheim einziehe. Dazu sage ich nichts, außer, dass mir nichts ferner liegt, als das.

    Entschuldigt bitte, den langen Text. Es tat gerade sehr gut, meine Gefühle niederschreiben zu können.

    Gespräche mit ihr zu führen, ist fast vergeblich. Sie ist Workaholic, kann nicht still sitzen, vergisst sofort alles, was man ihr erzählt hat (schweres Interessens-, und Konzentrationsdefizit, was andere Menschen betrifft).

    Irgendwie tut es mir fast schon wieder leid, dass ich ihr vorhin lautstark meine Meinung gesagt habe, dieser kleinen zierlichen Person. Aber ich konnte nicht mehr. Gestern Abend war ich kurz bei meinem Cousin und seiner Frau und wunderte mich noch, warum beide so komisch zu mir waren. Jetzt weiß ich warum. Sie hat es allen erzählt, obwohl es ihr klar gewesen sein muss, dass sie es für sich behält, weil ich wieder aufstehe und es mir unangenehm ist..

    Meine Gefühle ihr gegenüber sind ambivalent. Ich hasse sie und liebe sie gleichsam.
    Egal, wie alt ich bin, so bin ich doch immer noch ihr Kind und sie ist meine Mutter. Aber das Gefühl, dass sie mich nicht (so wie ich bin) gewollt hat, werde ich einfach nicht los.

    Meine Frage ist nun, wie ich zukünftig mit ihrem Verhalten umgehen soll!?


    Etwas derartig Verlogenes, Durchtriebenes und Hinterhältiges hätte ich längst abgeschossen - wäre es nicht meine Mutter.
    Habt Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Kennt das jemand von Euch? Zwar bin ich erwachsen, fühle mich aber momentan schon wieder ganz klein..

    Über konstruktive Gedanken und Hinweise freue ich mich.

    Lila

  • 46 Antworten

    Es ist eine schwierige Wanderung, in der es kein absolutes richtig oder falsch gibt - nur ein “so geht es gerade”. In einer vergleichbaren wenn auch nicht identischen Situation hat mir geholfen, meine Mutter nicht mehr in mein Seelenleben einzuweihen. Sie ist bei allem was mir nahe geht die letzte, die es erfährt, und das ist gut so.

    Ich finde, der Fall ist eher klar. Radikale Abgrenzung, Kontaktabbruch. Es gibt keinen Grund, positive Gefühle und Energie ggü jemandem zu haben, der einen derart emotional missbraucht und misshandelt.

    Nur weil sie deine Mutter ist, heisst das nicht, dass du verpflichtet bist sie zu lieben und zu respektieren. Schon gar nicht musst du sie in dein seelisches Leben einweihen. Ich verstehe auch ehrlich gesagt überhaupt nicht, wieso du sie in deinen erneuten Zusammenbruch eingeweiht hast, wenn sie sogar die Schuldige ist. Wolltest du Verständnis haben von ihr, Mitgefühl oder sogar eine Entschuldigung entlocken? Ich denke, dass soetwas in der Art niemals eintreten wird.


    Du schreibst, dass du eine tolle Arbeit, Wohnung, gute Freunde und sonst eine nette Familie hast. Sei stolz darauf. Aber in jedem Leben gibt es einen schwarzen Fleck, bei dir ist es die Mutter. Ich kann es nachvollziehen, dass du sie nicht komplett ausblenden kannst, weil du dann im Prinzip dein bisheriges Leben ganz in ihrer Nähe aufgegeben müsstest, aber lass ihr nie wieder einen Einblick in dein Seelen(un)heil.

    Doch, das ist gut nachvollziehbar. Ein schlechtes Gewissen bei Abgrenzung und Fokus auf die eigenen, "gesund egoistischen" Bedürfnisse zu haben, ist ja typischerweise Teil der Gehrinwäsche/Fehlprägung, die derartige Eltern ihren Kindern zukommen lassen. Aber das muss man halt auch verstehen und dann dagegen an arbeiten. Es gibt hier in der Tat keinen Grund für schlechtes Gewissen, aber die inneren Stimmen sagen halt was anderes.

    Liebe Lila,

    ein bemerkenswerter Satz, den du da schreibst. Damit fange ich mal an:

    Zitat

    >>Gott und die Welt weiß wieder über meinen Fehltritt bescheid.<<

    Dieser „Fehltritt“ war ein Rückfall in deine Krankheit. Und dass du diese Formulierung gewählt hast (ohne sie in Anführungszeichen zu setzen), zeigt, wie sehr du von der Sicht deiner Mutter gefangen bist und vielleicht auch, wie sehr dein Unbewusstes ihr Recht geben möchte. Denn das „Kind in dir“ will es ihr ja immer noch Recht machen.

    Frage am Rande: Die Krankheit, von der du redest, ist die Magersucht, die bei dir mit 13 Jahren erstmals aufgetreten ist?

    Eine weitere Frage betrifft deine therapeutische Begleitung. Kannst du da über deine Mutter reden? Tust du das auch und konnte dir damit bisher nicht geholfen werden?

    Was du hier schilderst, macht traurig. Denn es ist traurig, wenn ein Mensch einen anderen mit Gewalt in seinem Einflussbereich und „kleinhalten“ möchte. Und es ist ebenso traurig, wenn der andere sich daraus trotz therapeutischer Hilfe – nicht befreien kann. Dieses Gefühl der Ohnmacht begleitet dich nun schon durch so viele Lebensjahre, dass man meinen könnte, es ist nicht zu schaffen.

    Ich möchte dir insofern erst einmal Mut machen, dass mit jedem Lebensjahr die Chancen steigen, dass du einen Weg aus dieser Gefangenschaft findest. Du wirst schon vieles versucht haben, aber jetzt hast du etwas Neues probiert und hier um Hilfe gebeten. Vielleicht entsteht dadurch ja auch eine neue Chance. Und du beginnst wieder therapeutische Gespräche, auch eine Chance. Und in dem Alter zwischen dem 30sten und 40sten Lebensjahr haben wir sowieso die besten Chancen, dabei erfolgreicher zu sein als früher. Man wird selbständiger, man hat beruflich etwas erreicht, oft auch eine feste Beziehung oder Familie. Man kann auf etwas zurück schauen, das gelungen ist, hat ein soziales Umfeld, das nicht mehr direkt von der Herkunftsfamilie bestimmt wird.

    All das birgt Chancen für dich. Die Frage bleibt, wo du anpacken kannst, um daraus nun endlich auch einen „Weg in die Freiheit“ zu machen. Ich formuliere es mal vorsichtig:

    Bisher hast du es als unüberwindbar empfunden, der Übergriffigkeit deiner Mutter ausgeliefert zu sein. Ich sage aber: Es war DEINE Entscheidung, das zu tun. Und du kannst dich irgendwann, wenn du dazu bereit bist, dazu entscheiden, das nicht mehr zu tun. Diese Entscheidung ist gar nicht mal so schwierig, schwierig ist nur die Umsetzung. Aber vor der Umsetzung steht die deutliche Entscheidung: „Ab heute werde ich mich dieser permanenten Grenzüberschreitung nicht mehr aussetzen und selber klare Grenzen setzen!“

    Und in diesem Moment bist du nicht mehr ihr Opfer, sondern kannst zum „Täter“ werden, der handelt, der Grenzen formuliert, der sich deutlich distanziert und ihr dann auch nicht mehr Dinge anvertraut, mit denen sie dich verletzen kann. Oder aber du lässt dich nicht mehr verletzen, auch wenn sie weiterhin das tut, was sie für nötig hält. Auch das kann man lernen.

    Es ist mir noch nicht klar, warum sie dich so verletzt (durch das Weitergeben der vertraulichen Nachricht von dir z.B.). Aber sie hat dafür Gründe. Und ein erster Schritt wäre dann herauszufinden, welche Gründe sie hat. Sie also VERSTEHEN zu wollen, kann hilfreich sein, wenngleich das nicht der einzige Weg ist. Allerdings bedeutet das nicht, VERSTÄNDNIS für sie aufzubringen. Das sollst du nicht, das wäre unsinnig. Wenn du sie aber verstehst, bist du ihr plötzlich nicht mehr ausgeliefert, sondern kannst ihr Handeln vorhersehen. Sie wird kalkulierbar, durchsichtig. Du kommst auf Augenhöhe oder du stehst sogar über ihr und kannst in den ersten kleinen glücklichen Augenblicken sogar auf sie herab schauen. Irgendwann kommt dieser Augenblick, wenn du dich entscheiden kannst, diesen Weg zu gehen.

    Zitat

    >>Ich wohne nur wenige Kilometer von meinem Elternhaus entfernt, in einer kleinen Wohnung, die ich für mich schön eingerichtet habe.<<

    Diese Distanz ist nicht groß. Noch kleiner ist die innerliche Distanz. Wäre die räumliche Distanz größer, so könnte es unter Umständen auch leichter sein, eine innere Distanz zu erzeugen. Aber direkt abhängig ist das nicht voneinander. Nur besteht so die Gefahr, dass du sehr häufig in Kontakt mit ihr kommst, ohne das zu wollen. Wichtig ist aber, dass du nur noch dann Kontakt mit ihr hast, wenn du das von Herzen WILLST.


    Zitat

    >>Seit meiner Pubertät wurde mir ihrerseits das Gefühl gegeben, nichts wert zu sein.<<

    Und? Glaubst du ihr das immer noch? Oder hast du deinen wirklichen Wert entdeckt, deinen Selbstwert?

    Zitat

    >>Man könnte meinen, dass ich mittlerweile begriffen habe, dass ich sie nie ändern werde. Dennoch bin ich bin sehr hilflos, weiß weder, wie ich mich zukünftig zu verhalten habe, noch was ich überhaupt fühlen soll. <<

    Doch! „Begriffen“ hast du das. Dein Verstand weiß das. Aber dein Herz hofft darauf, dass sie sich dir zu Liebe doch noch selber ändert. Die Frage ist also, wie du die Kommunikation zwischen Kopf und Herz verbessern kannst.


    Zitat

    >>Der Rückfall ist mir unangenehm, ich habe sofort wieder Kontakt zu meiner Therapeutin aufgenommen und werde ab nächster Woche eine neue Therapie beginnen. Mein Schritt in die Klinik kam daher, weil sie mich am Besten "kennen" und behandeln können, so auch dieses Mal, mit Erfolg. <<

    Das war sehr klug. Du hast nicht nur deine Schwäche (Krankheit), sondern auch deine Möglichkeiten gesehen und setzt genau auf die richtige Hilfe.

    Zitat

    >>Meine Mutter hatte nichts Besseres zu tun, als meine komplette (!) Familie (sprich Oma, Tante, Onkel, Cousins, Cousinen,...) darüber in Kenntnis zu setzen, was ich wieder für ein "böses Mädchen" bin und SIE diejenige ist, die so sehr unter mir leidet und so ein Schicksal (mit mir) nicht "verdient" hat. Und das, obwohl ich sie inständig bat, diesen Vorfall für sich zu behalten.<<

    Nun, das sieht zunächst danach aus, dass sie sehr gern bedauert werden möchte. Und wenn sie herum erzählt, dass ihre Tochter „ihr da antut“, bekommt sie selber auch was von dem Bedauern ab. Kluge Menschen werden das aber sicher anders sehen als sie. Und darum hält sich ihr Erfolg (bedauert zu werden) auch in Grenzen.


    Zitat

    >>Dabei lebe ich selbständig, finanziere meinen kompletten Lebensunterhalt alleine, übe eine Arbeit aus, die mich erfüllt und habe liebe Freunde. <<

    Wunderbar. Schau dir genau an, was du trotz dieser außerordentlich schwierigen Kindheit alles schon erreicht hast. Du hast ihn also längst, diesen „Wert“. Du bist ein wertvoller und lebenstüchtiger Mensch.


    Zitat

    >>Sie stilisiert sich selbst als das "Leiden Christi". Wäre mein Vater nicht und mein Patenkind um die Ecke, hätte ich schon längst das Weite gesucht. Dennoch fühle ich mich Teilen der Familie gegenüber verantwortlich und möchte nicht nur "wegen meiner Mutter" sämtliche Zelte abbrechen.<<

    Niemand zwingt dich dazu, sämtliche Zelte abzubrechen. Die Frage ist vor allem, wie du in eine starke innere Distanz zur Mutter kommen kannst. Dann ist die räumliche nicht mehr ganz so wichtig.

    Zitat

    >>Mir ging es schlecht und nun ist sie es, die sich wiederholt in die unverstandene Opferrolle stilisiert. <<

    Ich rate dringend dazu, sich nicht gegenseitig übertreffen zu wollen, was den Opferstatus angeht. Du warst mal Opfer, ein sehr hilfloses sogar. Aber du musst das jetzt nicht mehr sein.

    Zitat

    >>Sie hat mich vor der kompletten Familie verraten, was ich nur daher erfahren habe, weil ich vorhin mit meiner Cousine zum Kaffee - trinken verabredet war. Gott und die Welt weiß wieder über meinen Fehltritt bescheid.<<

    Ich hätte da einen schönen Satz für dich: „Die wahre Stärke eines Menschen besteht darin, zu seinen Schwächen zu stehen und sie nicht mehr verstecken zu müssen“. Vielleicht kannst du dem etwas abgewinnen.

    Zitat

    >>Irgendwie tut es mir fast schon wieder leid, dass ich ihr vorhin lautstark meine Meinung gesagt habe, dieser kleinen zierlichen Person. Aber ich konnte nicht mehr.<<

    Es ist gut, dass du gelernt hast, ihr deine Meinung zu sagen. Noch besser ist es, wenn du das nicht lautstark machen musst, sondern distanziert, kühl und bestenfalls sogar lächelnd. Wäre doch ein schönes Ziel, oder?

    Zitat

    >>Meine Gefühle ihr gegenüber sind ambivalent. Ich hasse sie und liebe sie gleichsam.<<

    Du musst sie nicht hassen. Du darfst sie sogar lieben, aber dann bestenfalls für das, was an ihr liebenswert ist oder war.

    Zitat

    >>Egal, wie alt ich bin, so bin ich doch immer noch ihr Kind und sie ist meine Mutter.<<

    Stimmt so nicht. Sie hat dich geboren und du bist ihre Tochter, aber du bist eine erwachsene und lebenstüchtige Frau. Ein „Kind“ bist du nur dann, wenn du das zulässt und dein „inneres Kind“ von ihr geweckt wird. Dagegen kann man etwas tun.

    Vielleicht antwortest du erst einmal.

    AnnaKarma schrieb:

    Es ist eine schwierige Wanderung, in der es kein absolutes richtig oder falsch gibt [...] In einer vergleichbaren wenn auch nicht identischen Situation hat mir geholfen, meine Mutter nicht mehr in mein Seelenleben einzuweihen. [...]

    Vielen Dank für Deinen Beitrag, AnnaKarma.

    Nun, das wird die für mich greifbarste Lösung sein. Ich will um meiner Selbst willen zulassen, dass meine Mutter eben beleidigt/sauer/enttäuscht ist. Hauptsache ICH bin es nicht. Dies bewerkstelligen zu können, möchte ich in der weiterführenden Therapie lernen. Perfiderweise hat meine Mutter sehr "liebe", "empathische" Züge. Aber sie gleicht einer Schlage, die einen leise und zärtlich umarmt, um sich ganz sachte um den Hals zu legen und immer enger zuzuschnüren (Boa Constrictor).

    rr2017 schrieb:

    Ich finde, der Fall ist eher klar. Radikale Abgrenzung, Kontaktabbruch. Es gibt keinen Grund, positive Gefühle und Energie ggü jemandem zu haben, der einen derart emotional missbraucht und misshandelt.


    rr2017 schrieb:

    Vielen Dank für Deine Zeilen und den interessanten Link, rr2017!
    In dem Artikel über narzisstische Persönlichkeiten erkenne ich meine Mutter wieder.


    V.a. das: - "der narzisstisch Kranke ist nicht zu erreichen, es kommt nichts bei ihm an. Auf bekundetes Verstehen o. Einsichten erfolgen keine Verhaltensänderungen. "


    - "Sobald das Kind entwicklungspsychologisch auf die Stufe der Ich-Ausbildung kommt - also seinen Willen und Fähigkeiten entdeckt und ausleben will -, wird das Kind im inneren Erleben narzisstisch kranker Eltern zu einer Art Gegner bzw. Feind."


    - "Gemeinsame Kinder werden für diese egoistischen Bedürfnisse missbraucht. Häufig empfindet der narzisstisch Kranke auch Eifersucht auf das gemeinsame Kind"

    - "starkes Leiden bei Verlust des Statusobjektes (Sachen, Menschen, Positionen/Ämter, Image, etc.). Deshalb ist ein befremdliches "Klebenbleiben" an dem real bereits Verlorenen zu beobachten."

    Alles bezeichnende Eigenschaften meiner Mutter. Theoretisch ist mir das auch völlig klar, ihre intriganten Spielchen habe ich schon recht früh durchschaut. Leider besaß / besitze ich (noch) nicht die Fähigkeit, über der Sache zu stehen. Ich komme mit diesem "ich mache mir die Welt, wiedewiedewie sie mir gefällt" nicht klar.
    Vermutlich hast Du recht und ich bin schon von Klein auf derartig gehirngewaschen, dass ich mich sogar für mich schäme, obwohl SIE meinen Absturz in die Welt getragen hat und mir in der Klinik weiß Gott anderes vermittelt wurde. Es ist, als hätte sie alles, was mir die dortigen Ärzte und Therapeuten mit auf den Weg gegeben haben, wieder kaputt gemacht.
    Es ist sehr schwierig für mich, Distanz zu wahren. Ich bin sehr harmoniebedürftig, meine Eltern stritten sich in meiner Kindheit nur (sie führen selbst eine mehr als bescheidene "Ehe", wenn man das überhaupt so nennen kann). Mein Vater konnte und kann es ihr nie recht machen, genau so wenig, wie ich. Sie beschwert sich nur über ihn und versucht mich zu instruieren, ihm quasi "ihre Meinung", nur aus meinem Mund, zu vermitteln.
    Total asozial.

    Braunesledersofa schrieb:

    Nur weil sie deine Mutter ist, heisst das nicht, dass du verpflichtet bist sie zu lieben und zu respektieren. Schon gar nicht musst du sie in dein seelisches Leben einweihen. Ich verstehe auch ehrlich gesagt überhaupt nicht, wieso du sie in deinen erneuten Zusammenbruch eingeweiht hast, wenn sie sogar die Schuldige ist. Wolltest du Verständnis haben von ihr, Mitgefühl oder sogar eine Entschuldigung entlocken? Ich denke, dass soetwas in der Art niemals eintreten wird.


    Du schreibst, dass du eine tolle Arbeit, Wohnung, gute Freunde und sonst eine nette Familie hast. Sei stolz darauf. Aber in jedem Leben gibt es einen schwarzen Fleck, bei dir ist es die Mutter. Ich kann es nachvollziehen, dass du sie nicht komplett ausblenden kannst, weil du dann im Prinzip dein bisheriges Leben ganz in ihrer Nähe aufgegeben müsstest, aber lass ihr nie wieder einen Einblick in dein Seelen(un)heil.

    Vielen Dank für Deine Zeilen, Braunledersofa!
    Meinen erneuten Zusammenbruch wollte ich nicht breit treten und bat sie genau deshalb, mich in Ruhe zu lassen, bis ich mich gefangen habe.

    Jedes "lass mich allein" versteht sie als Einladung, steht ungefragt vor meiner Türe um nacher meine komplette Familie damit zu belasten und verrückt zu machen. "So schaut her, meine böse Tochter hat es wieder nicht im Griff und das, obwohl ICH ALLES für sie mache."
    Sie hat keinen Respekt vor mir, vor meiner Privatsphäre, vor meinem Leben.

    Ich hoffe, nun ENDLICH daraus gelernt zu haben, diesen Fehler habe ich schon oft gemacht, sie Einblicke gewähren zu lassen. Damit sie sich im Nachhinein lustig macht und mich wieder verletzt. Um ehrlich zu sein, weiß ich gar nicht, warum ich überhaupt geboren wurde. Aus mir wird nie der Übermensch, der ich in ihren Augen sein sollte.

    ___________________________________________


    Danke für Eure Beiträge und Gedanken@:):)*

    Oldie49 schrieb:

    Liebe Lila,

    ein bemerkenswerter Satz, den du da schreibst. Damit fange ich mal an:

    Zitat

    >>Gott und die Welt weiß wieder über meinen Fehltritt bescheid.<<

    Dieser „Fehltritt“ war ein Rückfall in deine Krankheit. Und dass du diese Formulierung gewählt hast (ohne sie in Anführungszeichen zu setzen), zeigt, wie sehr du von der Sicht deiner Mutter gefangen bist und vielleicht auch, wie sehr dein Unbewusstes ihr Recht geben möchte. Denn das „Kind in dir“ will es ihr ja immer noch Recht machen.

    Frage am Rande: Die Krankheit, von der du redest, ist die Magersucht, die bei dir mit 13 Jahren erstmals aufgetreten ist?

    Zu Allererst: vielen lieben Dank für das ausführliche Eingehen auf meinen Beitrag, Oldie 49@:)
    ich versuche, die einzelnen Aspekte verständlich zu beantworten.
    Das innere Kind ist es, das ist völlig richtig, das Anerkennung, Liebe und Verständnis (ausgerechnet) bei ihr sucht. Prädikate, die ich mein Lebtag von ihr vermisste.

    Und ja, es ist die Krankheit Magersucht, von der ich mich phasenweise, sogar jahrelang erholt hatte.


    Oldie49 schrieb:

    Ich formuliere es mal vorsichtig:

    Bisher hast du es als unüberwindbar empfunden, der Übergriffigkeit deiner Mutterausgeliefert zu sein. Ich sage aber: Es war DEINE Entscheidung, das zu tun.

    Das ist wahr. Ich habe mich selbst in die Opferrolle begeben, weil ich es so gewohnt bin, "untergebuttert" zu werden und mich dem Ganzen mehr oder weniger hilflos zu beugen.
    Mein größter Wunsch ist, "Täter" meines eigenen Lebens zu sein, ohne nervige Mutter, die gleich die ganze Familie involviert, weil sie sich alleine zu schwach fühlt. Sie versteht sich mit meiner Tante ausschließlich nur dann, wenn es gegen mich geht. Das war schon so, seit dem ich denken kann. Egal ob ich bunt gefärbte Haare hatte, ein Zungenpiercing, whatever. Sobald meine Mutter mit mir nicht zu Streich kam, stand meine Tante auf der Matte und hackte im Kollektiv mit meiner Mutter auf mir herum.

    Oldie49 schrieb:

    Und ein erster Schritt wäre dann herauszufinden, welche Gründe sie hat.Sie also VERSTEHEN zu wollen, kann hilfreich sein

    Meine Mutter fühlt sich alleine zu "schwach". Der Kontakt zu meiner Tante ist ausschließlich dann vorhanden, wenn es gegen mich geht (s.o.). Meine Tante ist charakterlich die Axt im Walde, empathie - und verständnislos, was meine Krankheit betrifft. Sie hätte auch keine Bedenken, mir eine zu knallen, wäre ich frech.

    Oldie49 schrieb:

    Wichtig ist aber, dass du nur noch dann Kontakt mit ihr hast, wenn du das von Herzen WILLST.

    Das ist wohl etwas, das ich lernen möchte. Es ist oftmals mein schlechtes Gewissen, ich bin sehr harmoniebedürftig. In meinem Elternhaus gab es von Kind an nur Streit (unter den Eltern, oder mit mir), aus übergriffigen Partnerbeziehungen habe ich mich befreit. Bezeichnend ist, dass der einzige Mann, den meine Mutter an meiner Seite akzeptierte einer war, der mich geschlagen und misshandelt hat. ("Der XXX war das Beste, was dir je passiert ist, du bist doch selbst schuld, dass es nicht geklappt hat!") Ich wohnte zu dieser Zeit noch bei meinen Eltern, angeblich hat sie die lautstarken Streitereien und Prügeleien nicht mitbekommen. Haha, natürlich hat sie das.

    Manchmal frage ich mich, wen meine Mutter für dumm verkaufen will.

    Oldie49 schrieb:

    Und? Glaubst du ihr das immer noch? Oder hast du deinen wirklichen Wertentdeckt, deinen Selbstwert?

    Mein Selbstwertgefühl ist meine Achillesverse.
    Meine Therapeutin hat über ein Jahr mit mir an meinem Selbstwertgefühl gearbeitet. Die ganzen Skills die ich lernte, sind wie weggeblasen. Leider bin ich gut darin, meine Wunden zu lecken, dann benötigt es nur noch ein kleiner Windhauch von Außen (von meiner Mutter) und das Erlernte liegt brach.

    Dennoch bin ich auch stolz auf mich, auf meinen guten Job, auf meinen Freundeskreis und die Achtung, die ich von meiner Außenwelt i.d.R. bekomme. (Nur eben nicht von meiner Mutter, meine Tante kann man fast genau so in die Tonne treten, die ist nur glücklich mit mir, wenn ich funktioniere.)

    Ich will auch kein Opfer sein, ich strample mich nach oben und kaum geht es mir gut, geht es mir in ihrer Augen gleich "zu gut" und ich bekomme ein's auf's Dach, dass ich ja nicht "übermütig" werde.

    Oldie49 schrieb:

    „Die wahre Stärke eines Menschenbesteht darin, zu seinen Schwächen zu stehen und sie nicht mehr verstecken zumüssen“.

    Ein sehr wertvoller Satz!
    Ich habe fest vor, zu mir zu stehen und offen(er) mit meiner Krankheit umzugehen. Dies ist teilweise schwierig für mich, weil ich offensichtlich (innerfamiliär) nur dann Zuneigung und Liebe bekomme, wenn ich mich "im Griff" habe.
    Objektiv gesehen, würde ich mir selbst raten, die Gegend zu verlassen und wo anders neu anzufangen, mich neu zu erfinden. Aber meinen Vater, der mich sehr liebt und hinter mir steht, möchte ich genau so wenig alleine lassen, wie mein Patenkind. Er ist erst neun und braucht mich auch. Daher gilt es für mich, eine innere praktikable Lösung zu finden, eine innere Mauer aufzubauen, die mich immun gegen das Negative werden lässt.

    Oldie49 schrieb:

    Es ist gut, dass du gelernt hast, ihr deine Meinung zu sagen. Noch besser ist es, wenn du das nicht lautstark machen musst, sondern distanziert, kühl undbestenfalls sogar lächelnd. Wäre doch ein schönes Ziel, oder?

    Oh ja, das ist ein sehr gutes Ziel :)^

    hier muss ich mich auf ein "du bist so gefühlskalt", "wie es mir/uns geht, ist dir doch ganz egal", etc. einstellen und lernen, eloquent damit umzugehen.
    Keine leichte Aufgabe...

    Oldie49 schrieb:

    Sie hat dich geboren und du bist ihre Tochter, aber du bisteine erwachsene und lebenstüchtige Frau. Ein „Kind“ bist du nur dann, wenn dudas zulässt und dein „inneres Kind“ von ihr geweckt wird. Dagegen kann man etwas tun.

    Bestimmt. Um das lernen zu können, begebe ich mich erneut in Therapie. Obwohl ich hoffte, diesen Prozess abgeschlossen zu haben.

    Sie weiß genau, was mich verletzt und welche Knöpfe sie drücken muss.
    Vor zwei Jahren hat sie meine kompletten Glücksbringer, die ich mein Leben lang sammelte und die dummerweise noch bei meinen Eltern waren (aber verschlossen in einem Kästchen, das Keinen gestört hat) weggeschmissen. In das Kästchen legte sie fein säuberlich ein paar Stifte und einen Radiergummi. Total KRANK und BÖSARTIG. Danach hat sie es abgestritten, dass es absichtlich war. Sie redete sich damit raus, dass sie ja "soviel Arbeit hätte". Dass sie mir nicht noch die Schuld daran gab, war alles.

    Es gibt noch soviel in mir aufzuräumen und zu tun. Daher glaube ich auch, dass es das Richtige war, mich erneut an meine Therapeutin zu wenden.

    Nochmals Danke für Dein ausführliches Eingehen, Oldie 49 :)*

    wintersonne 01 schrieb:

    Ich würde auch empfehlen ihr nichts mehr, was dir wichtig ist zu erzählen.

    Das stimmt wohl, wintersonne 01... mit allem, was ich ihr anvertraut habe, schoss ich mich nur selbst in's Bein.

    Ich mochte den Satz mit der Stärke und dem Stehen zu den Schwächen. Dann spricht dich jemand aus der Familien an - und du stehst einfach dazu und gleichzeitig stehst du zur Übergriffigkeit deiner Mutter: "Ja, das ist mir passiert. Weil ich es in den Griff bekommen habe, und damit ich mich damit in meinem eigenen Tempo auseinandersetzen kann, habe ich meine Mutter gebeten, es für sich zu behalten. Da hat sie mein Vertrauen wohl nicht verdient gehabt." Wie wäre das? Nicht sie stellt dich bloss, sondern sie stellt sich selbst bloss?

    Okay Lila,

    dann mache ich mal weiter und gehe auf deine Antworten ein.

    Zitat

    >>Das innere Kind ist es, das ist völlig richtig, das Anerkennung, Liebe und Verständnis (ausgerechnet) bei ihr sucht. Prädikate, die ich mein Lebtag von ihr vermisste.<<

    Hier sind wir wieder zwischen Kopf und Herz – also zwischen der Großhirnrinde und dem „limbischen System“, das unser Verhalten steuert, ohne den Verstand danach zu fragen. Dein Verstand weiß also, dass du das Gesuchte bei ihr nicht findest. Dein „Limbi“ aber wird immer wieder neu suchen, weil diese Eigenschaften ja „eigentlich“ bei ihr vorhanden sein müssten oder sollten. Hier muss der Kopf mehr Einfluss bekommen als das „Herz“.


    Zitat

    >> Ich habe mich selbst in die Opferrolle begeben, weil ich es so gewohnt bin, "untergebuttert" zu werden und mich dem Ganzen mehr oder weniger hilflos zu beugen. <<

    Okay, das weißt du nun. Und du weißt, dass es dir nicht gut tut. Und darum stehst du nun vor der Entscheidung, damit nachhaltig aufzuhören. Ich sage nicht, dass das gelingt, nur weil du dich entscheidest. Aber trotzdem musst du dich erst entscheiden, damit du Kontrollmechanismen entwickeln kannst, die dich daran hindern, instinktiv in die alte Rolle zurück zu fallen. Und dann kann es auch gelingen.

    Zitat

    >>Mein größter Wunsch ist, "Täter" meines eigenen Lebens zu sein, ohne nervige Mutter, die gleich die ganze Familie involviert, weil sie sich alleine zu schwach fühlt.<<

    Sie fühlt sich nicht nur schwach, sie IST schwach. Viel schwächer als du. Nur kann sie das weder wahrnehmen noch sich eingestehen, die Einsicht wäre für sie zu fürchterlich.

    Bevor du zum Täter werden kannst, gebe ich dir noch einen Satz an die Hand: „DU bist der wichtigste Mensch in deinem Leben“. Niemand sonst, auch nicht der Partner oder die eigenen Kinder. Es ist legitim und hilfreich, sich dieser Erkenntnis zu stellen, damit man eine Hierarchie entwickeln kann, aus der heraus man dann auch anderen helfen, für andere da sein und andere lieben kann. Deine Mutter mag zwar so handeln, als würde sie genau das denken. Aber vermutlich fühlt sie das nicht, sondern braucht Menschen, die benutzt, maßregelt und demütigt, um sich wichtiger zu fühlen. Du brauchst dieses Muster nicht zu übernehmen, wenn du dir selber zugestehst, „der wichtigste Mensch in deinem Leben“ zu sein.

    Zitat

    >>Meine Mutter fühlt sich alleine zu "schwach".<<

    Kluge Einsicht, und zudem sehr hilfreich. Denn es ist nicht schön, sich als Würstchen fühlen zu müssen, auch wenn man sich so verhält. Das „Würstchen“ in ihr sucht also nach Menschen, die sie demütigen kann, um sich herauszuheben und wichtiger zu fühlen. Das ist auch für sie mühsam, aber das ist IHR Problem, nicht deines.

    Zitat

    >>“Wichtig ist aber, dass du nur noch dann Kontakt mit ihr hast, wenn du das von Herzen WILLST.“

    Das ist wohl etwas, das ich lernen möchte. Es ist oftmals mein schlechtes Gewissen, ich bin sehr harmoniebedürftig.<<

    Das sind schon zwei wichtige Punkte. Denn die Schuldgefühle – nur ein anderes Wort für „schlechtes Gewissen“ – hat deine Mutter ja erzeugt. Und du hast sie akzeptiert, weil du die Bindung an sie eigentlich erhalten möchtest. Denn SCHULD ist ein starkes Bindungsmittel. Und wer sich diese Schuld auferlegt, tut das oft, weil er lieber schuldig ist, als ganz ohne Bindung. Die Mutter spürt das und gibt dir immer wieder Schuld, damit du dich gebunden fühlst. Und damit war sie bisher ziemlich erfolgreich.

    „Harmonie“ ist etwas Wunderbares. Ich liebe sie. Und ich bin zu großer Toleranz bereit um sie herzustellen. Aber ICH bin wichtiger als Harmonie. Und DU bist für dich wichtiger als die Harmonie. Vor allem steht die SCHULD dagegen, die deine Mutter zur Bindung benutzt. Diese Schuld verhindert die Harmonie, solange du sie auf dich nimmst. Wenn du diese Schuld nicht mehr übernimmst, kannst du zumindest mit dir selber in Harmonie kommen

    Zitat

    >>In meinem Elternhaus gab es von Kind an nur Streit (unter den Eltern, oder mit mir), aus übergriffigen Partnerbeziehungen habe ich mich befreit. Bezeichnend ist, dass der einzige Mann, den meine Mutter an meiner Seite akzeptierte einer war, der mich geschlagen und misshandelt hat.<<

    Wenn das nicht so schrecklich traurig wäre, müsste man darüber lachen. Ihre Wahrnehmung hat nichts mit der Realität zu tun und sie ist völlig außerstande, deine Gefühle zu sehen, zu spüren und zu akzeptieren.

    Zitat

    >>Mein Selbstwertgefühl ist meine Achillesverse.

    Meine Therapeutin hat über ein Jahr mit mir an meinem Selbstwertgefühl gearbeitet. Die ganzen Skills die ich lernte, sind wie weggeblasen. Leider bin ich gut darin, meine Wunden zu lecken, dann benötigt es nur noch ein kleiner Windhauch von Außen (von meiner Mutter) und das Erlernte liegt brach.<<

    Aber es ist nicht weg, es liegt nur brach. Du kannst es zurück gewinnen, du kannst es wieder anwenden, wenn nicht die Angst dagegen steht, was deine Mutter dazu sagen würde.


    Zitat

    >>Dennoch bin ich auch stolz auf mich, auf meinen guten Job, auf meinen Freundeskreis und die Achtung, die ich von meiner Außenwelt i.d.R. bekomme.<<

    Sehr gut. Hast du denn gelernt, auf etwas „stolz zu sein“? Das war doch sicher nicht im Sinne deiner Erziehung. Viele durften als Kinder nicht stolz sein und mussten das lange und mühsam lernen. Ich auch. Heute bin ich gerne mal stolz auf etwas. Aber so alt wie ich musst du dafür nicht werden.

    Zitat

    >>Ich will auch kein Opfer sein, ich strample mich nach oben und kaum geht es mir gut, geht es mir in ihrer Augen gleich "zu gut" und ich bekomme ein's auf's Dach, dass ich ja nicht "übermütig" werde.<<

    Es ist also wichtig, dass es dir ohne deine Mutter gut geht. Wenn es dir gut geht und du das mit ihr teilen willst, wertet sie das ab, weil sie sich sonst kleiner als du fühlen müsste. Also ist dein Wohlbefinden DEINE ureigene Sache, die du nicht mit ihr teilen musst, die dir zusteht und worüber du glücklich sein darfst. Teile dein Wohlbefinden also mit Menschen, die dich lieben, dich mögen und es dir gönnen. Dazu gehört deine Mutter nun mal nicht.

    Zitat

    >>Ein sehr wertvoller Satz!

    Ich habe fest vor, zu mir zu stehen und offen(er) mit meiner Krankheit umzugehen. Dies ist teilweise schwierig für mich, weil ich offensichtlich (innerfamiliär) nur dann Zuneigung und Liebe bekomme, wenn ich mich "im Griff" habe. <<

    Aber dein Leben und dein soziales Umfeld besteht nun mal nicht nur aus deiner Herkunftsfamilie. Zuneigung und Liebe bekommst du vor allem von anderen Menschen (und von deinem Vater)

    Zitat

    >> Daher gilt es für mich, eine innere praktikable Lösung zu finden, eine innere Mauer aufzubauen, die mich immun gegen das Negative werden lässt.<<

    Ein schönes Bild. Eine Mauer braucht ein Fundament (DU bist der wichtigste Mensch in deinem Leben). Und dann wird sie Stein für Stein und Lage für Lage errichtet. Sie ist nicht heute oder morgen fertig, aber heute und morgen wird daran gearbeitet.

    Zitat

    >>Oh ja, das ist ein sehr gutes Ziel. Hier muss ich mich auf ein "du bist so gefühlskalt", "wie es mir/uns geht, ist dir doch ganz egal", etc. einstellen und lernen, eloquent damit umzugehen.

    Keine leichte Aufgabe...<<

    Nee, aber eine Aufgabe. Die müsstest du dir stellen und beginnen, sie zu lösen. Und wie ich das sehe, hast du damit angefangen.

    Zitat

    >>Bestimmt. Um das lernen zu können, begebe ich mich erneut in Therapie. Obwohl ich hoffte, diesen Prozess abgeschlossen zu haben. <<

    Das wäre schön gewesen, aber es ist nun mal nicht so. Vielleicht brauchst du gar nicht so viel, um wieder gesund zu werden, denn du hast dich ja zwischenzeitlich auch weiter entwickelt. Und das nimm bitte wörtlich: „Ent-wickeln“, bedeutet, sich aus etwas heraus zu wickeln. Aus Stricken und Ketten, die einen gefangen gehalten haben.

    Zitat

    >>Sie weiß genau, was mich verletzt und welche Knöpfe sie drücken muss. <<

    Dafür müssen die Knöpfe aber funktionieren. Und das entscheidest DU! Du kannst also solche Knöpfe nach und nach bildlich gesehen „vom Netz nehmen“. Dann kann sie drücken, so lange sie will, sie funktionieren nicht mehr. Dann bist du frei.

    Zitat

    >>Vor zwei Jahren hat sie meine kompletten Glücksbringer, die ich mein Leben lang sammelte und die dummerweise noch bei meinen Eltern waren (aber verschlossen in einem Kästchen, das Keinen gestört hat) weggeschmissen. In das Kästchen legte sie fein säuberlich ein paar Stifte und einen Radiergummi. Total KRANK und BÖSARTIG. Danach hat sie es abgestritten, dass es absichtlich war. Sie redete sich damit raus, dass sie ja "soviel Arbeit hätte". Dass sie mir nicht noch die Schuld daran gab, war alles.<<

    Du hast also sogar darauf gewartet, dass sie dir die Schuld gab? Weil das ein eingeübter Mechanismus ist? Sie wollte dich treffen und dich verletzen. Und dazu hat sie ein perfides Mittel gewählt. Trotzdem entscheidest letztlich immer du, ob du dich verletzen lässt. Das ist in diesem speziellen Fall allerdings sehr schwierig.


    Zitat

    >>Es gibt noch soviel in mir aufzuräumen und zu tun. Daher glaube ich auch, dass es das Richtige war, mich erneut an meine Therapeutin zu wenden.<<

    Auf jeden Fall war das eine kluge Entscheidung. Weiter
    so!

    Frage: was genau lernst du in den immer währenden Therapien? Da muß es doch geübt werden, sich abzugrenzen, Vorschläge wie Kontanktabbruch etc.


    Was genau setzt du davon um? Ich lese hier nichts davon.

    Lila84 schrieb:

    Um das lernen zu können, begebe ich mich erneut in Therapie. Obwohl ich hoffte, diesen Prozess abgeschlossen zu haben.

    Hallo Lila,

    ich denke gerade darüber nach ob es sinnvoll ist, eine bestimmte Therapie nochmal zu machen, die dir nicht wirklich geholfen hat.
    Welche Therapieform hattest du bisher?


    Hast du dich schon mal damit befasst, wie das Unterbewusstsein funktioniert?

    Das Unterbewusstsein bestimmt zu 95 % unsere Handlungen, Gedanken und Gefühle.

    Unser Selbstwertgefühl ist dort gespeichert genauso wie unsere Selbstzweifel.


    Das Unterbewusstsein wird von Geburt an geprägt durch das Umfeld, hauptsächlich durch die Eltern. Besonders die ersten Lebensjahre sind sehr prägend, weil sich dann das Gehirn entwickelt und Gedanken und Gefühle zu Nervenverbindungen im Gehirn verknüpft werden.


    Wenn du häufig hörst:


    Das kannst du nicht, du bist so ungeschickt.

    Du bist aber auch dumm.

    Du kannst auch gar nichts, alles machst du falsch.

    Du bist so dick.

    Du siehst wieder unmöglich aus.

    Mit dir habe ich nur Ärger, warum hab ich dich nur geboren.

    usw.


    dann werden diese Aussagen für dich zur Wahrheit.

    Dein Selbstwert kann sich nicht entwickeln, weil du dich selbst für wertlos und unfähig hältst.

    Mit deinem bewussten Verstand kannst du dir immer wieder sagen, dass du sehr wohl wertvoll bist - das löst aber nicht die festen Denkmuster im Unterbewusstsein auf.

    Die Denkmuster sind nämlich sehr feste neuronale Verbindungen, die auch mit einem Gefühl verknüpft sind, z. B. dem Gefühl der Schuld oder Wertlosigkeit.


    Darum kann deine Mutter mit jedem Satz, der dir vertraut ist (z. B. "du taugst nichts") die bekannten Knöpfe drücken. Sofort taucht bei dir das Gefühl der Wertlosigkeit oder Schuld auf.

    Oldie hat es treffend geschrieben:


    "Du kannst also solche Knöpfe nach und nach bildlich gesehen „vom Netz nehmen“. Dann kann sie drücken, so lange sie will, sie funktionieren nicht mehr. Dann bist du frei."


    Nun ist es allerdings so, dass man mit dem Verstand oder einer Verhaltensänderung nur sehr schwer diese Knöpfe vom Netz nehmen kann.

    Das sind Verbindungen im Gehirn, die sich in über 30 Jahren immer mehr verstärkt haben.


    Man muss vor allem an das Gefühl herankommen, an die Schuld, die Wertlosigkeit.

    Man muss sehen und fühlen, was hat das mit mir gemacht, als ich noch klein war und dem hilflos ausgesetzt war. Wenn man erkennt, dass dieses negative Selbstbild von außen eingepflanzt wurde, dann kann man sich davon distanzieren.

    Manchmal kommt auch noch eine Wut oder Enttäuschung über die Eltern hoch, die man nie zugelassen hat. Auch die muss einmal rausgelassen werden, damit man frei wird.


    Das funktioniert hauptsächlich, wenn man mit dem Unterbewusstsein arbeitet, wie z. B. in einer Hypnose oder einer tiefen Entspannung, wo der Verstand ausgeschaltet wird.

    Gesprächstherapien gehen kaum in die Tiefe des Unterbewusstseins. Man arbeitet überwiegend mit dem Verstand.


    Hier ist mal eine Seite über das Unterbewusstsein:

    https://absichtlich-leben.de/w…erbewusstsein-dein-leben/


    Es gibt noch viele andere Seiten zum Lesen, auch wissenschaftliche Seiten.

    Ich hab jetzt die erstbeste rausgesucht, weil das Unterbewusstsein dort verständlich erklärt ist.