Umgang mit Dauersarkastikern

    Wie handhabt ihr Mitmenschen, die Kommunikation nur als eine Aneinanderreihung von bissig-spitzen Sticheleien begreifen? Und ich meine jetzt die Zeitgenossen, für die das wirklich Dauerprogramm ist. Richtig dosiert finde ich kleine Frotzeleien vollkommen okay, ich bin da ja auch nicht ganz unschuldig. Aber für mich setzt das erstmal ein freundschaftliches Umfeld voraus. Und ab einem gewissen Grad fühle ich mich dann genervt, nicht zwangsweise angegriffen, sondern vom einseitigen Verhaltensrepertoire des Anderen schlicht gelangweilt. Ich bekomme schon mit, ob mein Gegenüber verletzen will oder ob er/ sie diese Masche einfach nur für lustig hält, und ich unterstelle dann auch keine bösen Absichten. Aber wenn die Chemie nicht stimmt, dann ist das halt so – man muss ja nicht mit jedem warm werden. In meinem (gewählten) engeren Umfeld hat keiner diese Macke.

    Jetzt gibt es aber auch Leute, mit denen ich eben einfach mal koexistieren muss. Ganz konkret ist zum Beispiel mein Linienvorgesetzter so ein ewig-ironisches Exemplar.

    Wie geht ihr mit solchen Subjekten um?

  • 18 Antworten
    lucid.lemur schrieb:

    Wie handhabt ihrMitmenschen, die Kommunikation nur als eine Aneinanderreihung vonbissig-spitzen Sticheleien begreifen?

    Wenn sie es sachlich und geistreich tun, finde ich es sehr unterhaltsam.

    lucid.lemur schrieb:

    Aber für mich setzt das erstmal einfreundschaftliches Umfeld voraus. Und ab einem gewissen Grad fühleich mich dann genervt, nicht zwangsweise angegriffen, sondern vomeinseitigen Verhaltensrepertoire des Anderen schlicht gelangweilt.

    Das klingt nicht unbedingt nach Sarkasmus, sondern offenem Spott. Ja, das würde mich auch langweilen.


    lucid.lemur schrieb:

    Ich bekomme schon mit, ob mein Gegenüber verletzen will oder ober/ sie diese Masche einfach nur für lustig hält, und ich unterstelle dannauch keine bösen Absichten. Aber wenn die Chemie nicht stimmt, dannist das halt so – man muss ja nicht mit jedem warm werden. Inmeinem (gewählten) engeren Umfeld hat keiner diese Macke.

    Naja, in der Regel muss man bei Sarkasmus schon sehr aufpassen, dass man es mitbekommt. Ich finde, dass ja genau das Spaß macht, dass das oft viele einfach auch nicht mitbekommen.


    lucid.lemur schrieb:

    Jetzt gibt es aberauch Leute, mit denen ich eben einfach mal koexistieren muss. Ganzkonkret ist zum Beispiel mein Linienvorgesetzter so einewig-ironisches Exemplar.

    Okay, das sollte dann ja sachlich und professionell sein, wenn es ein Arbeitsverhältnis ist.


    lucid.lemur schrieb:

    Wie geht ihr mitsolchen Subjekten um?

    In der Regel sind mir da die Fakten wichtig und sofern persönliche Bewertungen keine Auswirkung auf meine Arbeit und meinen Ruf haben, selektiere ich die sofort heraus und gehe auf die Sachebene.

    lucid.lemur schrieb:

    Wie geht ihr mitsolchen Subjekten um?

    Ich versuche den Mensch hinter der Fassade zu verstehen.

    Warum die andere Menschen "Subjekte" nennst, lasse ich mal außen vor.

    finde das auch anstrengend, vor allem wenn jemand viel quatscht und immer in diesem sarkastischen Unterton, einer der ab und an mal richtig zynische Bemerkungen von sich gibt ist mir viel lieber


    was möchte der Mensch? ständig lustig sein dadurch oder ist er eher verbittert?


    ich würde nach ner Weile nicht mehr drauf eingehen bzw. normal ohne Gefühlsregung darauf antworten, privat musst du ja deine Zeit nicht mit ihm verbringen

    Für mich sind Sarkastiker eine normale Erfahrung im Umgang mit Erwachsenen. Da muss man sich halt dran gewöhnen ;-D


    Ich treffe auf Sarkastiker vor allem wenn ich über Umweltthemen rede. Zuerst bin ich noch in Eifer geraten. Bis mir meine Schwester gesagt hat, Sarkasmus sei ein "Platzhalter für Argumente".


    Einfach witzige Menschen mag ich. Für mich sind sie in der Diskussion auch Trainingsgeräte :)z

    Evoluzzer schrieb:

    Ich versuche den Mensch hinter der Fassade zu verstehen.

    Warum die andere Menschen "Subjekte" nennst, lasse ich mal außen vor.

    Weil es keine Objekte sind? Dann erzähle doch mal, was du hinter der Fassade entdeckst. Das klingt jetzt vielleicht platt, aber manchmal spüre ich da wirklich nur überspielte Unsicherheit. Oder den Wunsch zu gefallen.

    Die meisten scheinen allerdings ganz normal zu sein, abgesehen davon dass sie Spötteleien und verbales Sparring als geselliges Standardprogramm abspulen. Sie passen ihr Verhalten leider nur selten an ihr Gegenüber bzw. den Kontext an. Naja, genau diese Kandidaten sind mir immer ein wenig rätselhaft geblieben.


    Melete schrieb:

    Okay, das sollte dann ja sachlich und professionell sein, wenn es ein Arbeitsverhältnis ist.

    Madame Charenton schrieb:

    ich würde nach ner Weile nicht mehr drauf eingehen bzw. normal ohne Gefühlsregung darauf antworten, privat musst du ja deine Zeit nicht mit ihm verbringen

    Sollte sachllich und professionell sein, das wäre schön, klar. Aber ich kann die Führungskraft kaum bitten ihren Stil zu ändern (jedenfalls nicht wegen sowas), mir wird hier Flexibilität abverlangt, nicht ihm. Ich kann bzw. will das Verhältnis aber auch nicht abkühlen lassen, deshalb muss ich da einen Weg finden. Der Typ ist an sich schon okay. Ich glaube, er möchte einfach eine gute Stimmung in seiner Truppe fördern, einen lässigen, familiären Umgangsstil etablieren und verhält sich hier so, wie er es auch im privaten Umfeld macht (nehme ich an). Das Problem: das Hierarchiegefälle verschwindet dadurch nicht. Ich kann hier nicht mit der gleichen Leichtigkeit kontern, wie ich das bei einem spitzzüngigen (wenn auch nervigen) Bekannten, Nachbarn, Kollegen, etc.. tun könnte. Jeder Chef ist auf seine Weise mimosenhaft. Deshalb ist das ziemlich kontraproduktiv. Bei früheren Arbeitgebern war ausnahmslos preußischer Kasernenhofton an der Tagesordnung (entschieden unzweideutige ergebnisorientierte Kommandos, Ansprache mit Nachnahmen unter Auslassung von "Frau/ Herr" bei Rangtieferen, etc...), das war sicherlich auch nicht optimal, aber in gewisser Hinsicht war das Verhältnis zu den Häuptlingen dort entkrampfter, weil es diesen Eiertanz nicht gab.

    Darum würde ich halt gerne wissen, wie solche disteligen Menschen ticken. Aktuell ist hier mein Boss, aber es könnte ja auch einfach ein anstrengender Verwandter der Freundin auf dem runden Familiengeburtstag sein etc... irgendjemand, in einer Situation, in der soziale Verwerfungen (z. B. durch unterhühltes Verhalten, Aussortieren des Kontaktes, usw...) gerade nicht opportun sind.

    Finde bei sowas kommt es immer stark darauf an, ob die Basis miteinander grundsätzlich ok ist und der gegenseitige Respekt ausser Frage steht und es "wirklich nur spaß" ist, oder letztlich doch ein als Spaß getarnter tatsächlicher Angriff. Zu zweiter Kategorie breche ich den Kontakt ab.

    lucid.lemur schrieb:

    Sollte sachllich und professionell sein, das wäre schön, klar. Aber ich kann die Führungskraft kaum bitten ihren Stil zu ändern (jedenfalls nicht wegen sowas), mir wird hier Flexibilität abverlangt, nicht ihm. Ich kann bzw. will das Verhältnis aber auch nicht abkühlen lassen, deshalb muss ich da einen Weg finden. Der Typ ist an sich schon okay. Ich glaube, er möchte einfach eine gute Stimmung in seiner Truppe fördern, einen lässigen, familiären Umgangsstil etablieren und verhält sich hier so, wie er es auch im privaten Umfeld macht (nehme ich an).

    Aber wo entsteht die Problematik, wenn du den Eindruck hast, dass er ja okay ist und nur gute Stimmung fördern will. Hast du Beispiele?


    lucid.lemur schrieb:

    Ich kann hier nicht mit der gleichen Leichtigkeit kontern, wie ich das bei einem spitzzüngigen (wenn auch nervigen) Bekannten, Nachbarn, Kollegen, etc.. tun könnte. Jeder Chef ist auf seine Weise mimosenhaft.

    Ich handhabe das mit Freunden nicht anders als mit Vorgesetzten.


    lucid.lemur schrieb:

    Deshalb ist das ziemlich kontraproduktiv. Bei früheren Arbeitgebern war ausnahmslos preußischer Kasernenhofton an der Tagesordnung (entschieden unzweideutige ergebnisorientierte Kommandos, Ansprache mit Nachnahmen unter Auslassung von "Frau/ Herr" bei Rangtieferen, etc...), das war sicherlich auch nicht optimal, aber in gewisser Hinsicht war das Verhältnis zu den Häuptlingen dort entkrampfter, weil es diesen Eiertanz nicht gab.

    Was meinst du mit Eiertanz? Welcher Eiertanz ist da nötig?



    lucid.lemur schrieb:

    Darum würde ich halt gerne wissen, wie solche disteligen Menschen ticken. Aktuell ist hier mein Boss, aber es könnte ja auch einfach ein anstrengender Verwandter der Freundin auf dem runden Familiengeburtstag sein etc... irgendjemand, in einer Situation, in der soziale Verwerfungen (z. B. durch unterhühltes Verhalten, Aussortieren des Kontaktes, usw...) gerade nicht opportun sind.

    Ich finde, das es egal ist, wie sie ticken. Es geht doch darum, ob ich Bemerkungen, die von jemanden als Spott gedacht sind, persönlich nehme und auch als Spott auffasse. Aber wie gesagt, schwierig, wenn es keine Beispiele gibt.

    Zitat

    Ich kann hier nicht mit der gleichen Leichtigkeit kontern, wie ich das bei einem spitzzüngigen (wenn auch nervigen) Bekannten, Nachbarn, Kollegen, etc.. tun könnte.

    Naja, wenn du gerne etwas am herrschenden Umgangston ändern willst, dann solltest du schon auch für dein Anliegen eintreten können und hin und wieder mal (höflich und respektvoll) anmerken, wenn dir eine Aussage unangemessen vorkommt.


    Zitat

    Jeder Chef ist auf seine Weise mimosenhaft.

    Naja, Kritik findet niemand sonderlich angenehm, aber ich sehe da schon ein sehr breites Spektrum. Nicht jeder ist eine Mimose. Ich glaube nicht, dass sich alle Chefs halten sich für unfehlbar.
    Insbesondere wenn es darum geht, dritte zu verteidigen, sollte es nicht soooo schwer sein, mal was zu sagen.

    lucid.lemur schrieb:

    Wie handhabt ihrMitmenschen, die Kommunikation nur als eine Aneinanderreihung vonbissig-spitzen Sticheleien begreifen?

    Je nachdem reagiere ich auf die spöttisch-freundlich-ironisch. Also so im Sinne von "Schön Herr Müller, dass sie heute mal wieder besonders gute Laune haben."


    Ggf. kann man seine Erwiderung auch so trocken sagen, dass der andere den eigenen Sarkasmus gar nicht bemerkt.


    Aber es kommt wie gesagt sehr auf das Verhältnis an und darauf, wie ich den anderen einschätze. Bei jemanden, der gut über isch selbst lachen kann und weiß, dass ich das nicht böse meine, würde ich das eher sagen, als bei jemanden, der eher mimosenhaft ist.


    So wie es sich bei deinem Chef liest, würde ich derartige Erwiderungen eher lassen und allenfalls freundlich-sachlich bleiben. Evtl. mal etwas grinsen, falls ich einen der Chef-Sprüche wirklich lustig fände.


    Wie reagieren deine Kollegen auf diese Art des Chefs? Und wie reagiert wiederum dein Chef darauf?

    Manchmal lässt sich davon ja etwas abschauen.

    Shinnok schrieb:

    Wie reagieren deine Kollegen auf diese Art des Chefs? Und wie reagiert wiederum dein Chef darauf?

    Manchmal lässt sich davon ja etwas abschauen.

    Hier war lange nicht viel Personalbewegung, alles Firmengewächse 55+. Will heißen, die kennen sich ewig und waren bis zu seiner Beförderung auf Augenhöhe. Die können sich sicherlich mehr erlauben bzw. sich selber keine Zukunft mehr verbauen. Bei Lagebesprechung/ Aufgabenverteilung letzte Woche wurde auch wieder ein bisschen rumgeblödelt. Irgendwann meinte eine Kollegin kichernd so sinngemäß "Wie, uns knallste 'nen Arsch voll Arbeit hin und du selber fährst zum Eierschaukeln zur Kader-Konfi nach Essen?". Die anschließende Stille war dann doch ein klein wenig zu lang (Mimik war nicht, da Skype-Konferenz). Wenn er anruft und einen Bug moniert, kann ich schon mit sowas kommen wie "Peter, du weißt schon, dass das Problem meistens vor der Tastatur sitzt?". Aber wie soll ich denn Perlen wie "Ob du nach der Probezeit hier noch arbeitest ist vollkommen ungewiss." souverän kontern? "Heißt ich brauche hier ab September wie du einfach nur noch zu erscheinen?" ist halt nicht drinne. Ich habe nur die Augenbraue gehoben und er war ein wenig peinlich berührt. Keine Ahnung wo da genau die rote Linie verläuft. Anstrengend.

    lucid.lemur schrieb:

    Will heißen, die kennen sich ewig und waren bis zu seiner Beförderung auf Augenhöhe. Die können sich sicherlich mehr erlauben bzw. sich selber keine Zukunft mehr verbauen.

    Verstehe. ... Da käme es sicher auch unpassend, wenn du versuchen würdest, dir Ähnliches herauszunehmen.


    lucid.lemur schrieb:

    Wenn er anruft und einen Bug moniert, kann ich schon mit sowas kommen wie "Peter, du weißt schon, dass das Problem meistens vor der Tastatur sitzt?".

    Das finde ich persönlich eine ausreichende Ebene. Die Bemerkung der Kollegin find eich dagegen recht unpassend, egal wie humorvoll sie das eingepackt hat.

    Dann lieber im Zweifel eher ernstbleiben und nichts sagen.


    lucid.lemur schrieb:

    Aber wie soll ich denn Perlen wie "Ob du nach der Probezeit hier noch arbeitest ist vollkommen ungewiss." souverän kontern? "Heißt ich brauche hier ab September wie du einfach nur noch zu erscheinen?" ist halt nicht drinne.

    Das fände ich sogar prinzipiell schlagfertig, aber die Chance, dass es gerade (d)ein Chef in den völlig falschen Hals bekäme, wäre mir zu hoch.


    lucid.lemur schrieb:

    Ich habe nur die Augenbraue gehoben und er war ein wenig peinlich berührt. Keine Ahnung wo da genau die rote Linie verläuft. Anstrengend.

    Da hast du doch schon sehr gekonnt reagiert; weder über- noch untertrieben. Sowas zu erwidern wie: "So so, gut zu wissen." passt da auch nicht unbedingt besser. .. . Findest du seine Aussage mit der Probezeit eher nervig, ärgerlich oder verunsichernd?


    Mein Eindruck ist nicht, dass dir das Fingerspitzengefühl im Umgang mit deinem Chef und das grundsätzliche Verständnis für adäquates Verhalten fehlt.


    Ich verstehe schon, dass es anstrengend sein muss, wenn der Chef dauerhaft so drauf ist und regelmäßig so Sprüche raushaut.


    Denkt er sich denn nichts bei solchen Sätzen wie oben und haut das lustig gemeint raus oder haben seine Äußerungen durchaus einen ernsten Unterton?

    lucid.lemur schrieb:

    Aber wie soll ich denn Perlen wie "Ob du nach der Probezeit hier noch arbeitest ist vollkommen ungewiss." souverän kontern?

    Naja, wenn sowas zum Standard gehört, dann würde ich allerdings mal ein Kommunikationstraining für alle vorschlagen. Falls der Vorgestezte dann wieder flapsig/sarkastisch daher kommt würde ich sagen: Nee, nee, dass war jetzt schon ein ernstgemeinter Vorschlag und ich fände es gut, wenn wir darüber abstimmen.

    Zitat

    Wie handhabt ihr Mitmenschen, die Kommunikation nur als eine Aneinanderreihung von bissig-spitzen Sticheleien begreifen?


    Kommt drauf an: Bei schönen Frauen nehme ich das als etwas komische, sozial entstellte Art von Flirten an. Und weise sie drauf hin, wie das bei mir ankommt und ob sie damit um meine Sympathie werben wollen oder mir besonders im Gedächtnis bleiben wollen. In der Regel unterlassen sie es dann. :-)


    Zitat

    Ganz konkret ist zum Beispiel mein Linienvorgesetzter so ein ewig-ironisches Exemplar. Wie geht ihr mit solchen Subjekten um?

    Erst mal lässig bleiben. Nicht aufregen. In der Ruhe liegt die Kraft. Ich mache einen Termin aus, sag da meine Meinung und mein Feedback (wie das bei mir ankommt) und äußere den Wunsch nach einer Verhaltensänderung des Vorgesetzten. Was er dann draus macht, ist sein Bier. Wenn's keine Änderung gibt, reduzier ich erst den Kontakt, wenn es sich gar nicht aushalten lässt, such ich im Unternehmen nach einer anderen Fachgruppe oder Abteilung, sonst eben außerhalb.