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    Wie meinst du das mit der emotionalen Abhängigkeit?

    Für mich liest es sich so, als denkst du, dass du nur glücklich sein kannst, wenn du einen für die perfekten Partner an deiner Seite hast. Ohne Partner oder einen Menschen, der beständig, stark, einfühlsam usw ist, könnte man meinen, bist du nicht richtig glücklich.


    Ich denke, dass man erst mit jemandem glücklich sein kann, wenn man auch alleine glücklich ist und sein Glück nicht davon abhängig macht, dass man mit jemandem zusammen ist, der gewisse Eigenschaft erfüllt, von denen man denkt, dass man sie "braucht".

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    Ja, ich weiß. Eigentlich weiß ich das, rational betrachtet. Aber es macht mir auch Angst.

    Da bist Du nicht allein. Geht ganz vielen so wenn die Erkenntnis sackt. Die Angst vor Möglichkeiten.

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    Unsere tiefste Angst ist nicht, ungenügend zu sein.


    Unsere tiefste Angst ist, daß wir über alle Maßen kraftvoll sind.

    Da ist aus meiner Sicht schon was dran.

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    Und obwohl ich merke, dass es nicht passt, bleibe ich bei ihm, weil ich mir einbilde, ich wäre es ihm schuldig, damit er sich nicht schlecht fühlt.

    Du bleibst vielleicht nicht aus diesem Grund bei ihm. Eher vielleicht deshalb, weil du selbst nicht soweit bist, ihn loszulassen. Das würde bedeuten, du erzählst dir diese Geschichte praktisch als Rechtfertigung dafür, dass du den Mut nicht findest, das echte Problem anzusprechen.

    Die Frage die indirekt im Raum steht ist doch: Wer bist Du denn, wenn Du nicht seine Retterin bist? Sicher eine berufstätige Frau, die auch allein zurecht käme. Soviel ist klar. Aber wer bist Du und was würdest Du leben wollen, wenn Du die Vorstellung "er braucht mich" aufgeben würdest?


    Ich denke das alles "wollen dürfen" ist es was Dir die größte Angst macht, weil es natürlich auch beinhaltet, dass Du derjenige bist, der es tun "muss". Aber auch das ist normal, wenn man anfängt diese Zusammenhänge zu erkennen.


    Wenn Du weisst und leben kannst was Du bist ausser seine Retterin entwickeln sich die Dinge sowieso - ergebnisoffen. Vielleicht verliebt sich Dein Mann nochmal in Dein neues ich, vielleicht inspiriert es ihn, vielleicht findet er es furchtbar, vielleicht findest Du ihn furchtbar und so weiter....

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    Mein Mann hat sich aus der Beziehung zurückgezogen, wenn ich mich unwohl fühle, Gespräche suche, pralle ich ab.

    ich habe immer noch kein rundes bild von eurer beziehung, nähe, vertrautheit...


    wie deutlich hast du ihm denn schon mal gesagt, dass eure beziehung kurz vor "hopp, oder topp" steht? sich an alltagsblödsinn aufzuhängen (ja, der ist nervig, sorgt für spannungen.. ) ist doch kontraproduktiv, weil es doch bei dir/euch ums eingemachte geht!?


    und mal ganz davon abgesehen ist er durchaus in einem alter, in dem man sich noch nicht aufs altenteil zurückziehen kann/darf/soll/muss - jedenfalls nicht, wenn man in eurer konstellation lebt.

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    wie deutlich hast du ihm denn schon mal gesagt, dass eure beziehung kurz vor "hopp, oder topp" steht?

    Wir waren schon mal für sechs Monate getrennt, das ist jetzt etwas mehr als zwei Jahre her. Die Trennung ist damals von mir ausgegangen, ich bin mit den Kindern in eine eigene Wohnung gezogen, wir haben Paartherapie gemacht, eigentlich mit der Absicht einer vernünftigen, begleiteten Trennung wg der Kinder, aber letztlich sind wir dann wieder zusammen gekommen. Hatten eine Phase der wieder-Verliebtheit, die ein halbes Jahr gedauert hat. Geändert hat sich an den Strukturen aber eigentlich nichts. Ich kämpfe nicht mehr, streite nicht mehr. Aber glücklicher bin ich vermutlich auch nicht. Gespräche über den Zustand der Bezeichnung führen wir seitdem auch nicht mehr wirklich. Wir hatten vor nem guten Jahr oder so nochmal ne Phase mit mehr Auseinandersetzung, haben damals auch beschlossen, uns noch mal professionelle Hilfe zu holen, weil wir die Paarberatung damals nach der Wiederversöhnung hatten einschlafen lassen, haben es aber nie umgesetzt.

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    Aber wer bist Du und was würdest Du leben wollen, wenn Du die Vorstellung "er braucht mich" aufgeben würdest?

    Keine Ahnung.


    Im schlimmsten Fall würde ich mir vermutlich wieder jmd suchen, den ich retten kann. Oder einfach zurück gehen ins alte Muster. Aber dagegen tun mein Therapeut und ich hoffentlich etwas.

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    und mal ganz davon abgesehen ist er durchaus in einem alter, in dem man sich noch nicht aufs altenteil zurückziehen kann/darf/soll/muss - jedenfalls nicht, wenn man in eurer konstellation lebt.

    Wie meinst du das?

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    und mal ganz davon abgesehen ist er durchaus in einem alter, in dem man sich noch nicht aufs altenteil zurückziehen kann/darf/soll/muss - jedenfalls nicht, wenn man in eurer konstellation lebt.

    Wie meinst du das?

    na, dass er ja nun noch keine 70 ist, sondern erst mitte 50 (??) und dass er "sehenden auges" die familie mit dir gegründet hat! da kannst du durchaus eine gewisse ... nennen wir es "aktive flexibilität" verlangen! finde ich jedenfalls.