Und schon wieder bin ich dabei, meine Beziehung zu zerstören

    So langsam frage ich mich, ob ich zu den Menschen zähle, die nicht in der Lage sind, eine "normale" Beziehung zu führen. Ich (26) bin jetzt 2 Jahre mit meinem Freund (24) zusammen. Bis vor einem halben Jahr war eigentlich alles in Ordnung. Unsere Beziehung zeichnete sich durch einen liebevollen Umgangston aus. Gestritten haben wir eigentlich nie, weil wir viel Wert darauf gelegt haben, unsere Zeit nicht mit Streit-Themen zu vergeuden. Bestand doch einmal Redebedarf, so gelang es uns, innerhalb weniger Minuten das Problem aus der Welt zu schaffen. Wie wir das gemacht haben? Wir waren im Stande, uns Fehler einzugestehen oder auch einmal eigene Wünsche oder Bedürfnisse für den Partner zurück zu stellen.


    Und dann ist irgendetwas ins Ungleichgewicht geraten und ich kann mir beim besten Willen nicht erklären, was der Grund dafür ist. Er hat mich früher quasi auf Händen getragen. Zu jeder Zeit hatte ich das Gefühl, dass er froh ist, mich an seiner Seite zu haben. Er hat sich oft gemeldet, war relativ unternehmungsfreudig und kompromissbereit.


    Schon seit Längerem bin ich aber sehr unglücklich darüber, dass wir nur noch sehr wenig Zeit füreinander haben (Uni, Arbeit, etc.). Und die Zeit, die wir haben, wird mit Vor-dem-Fernseher-Liegen verbracht, was für ihn – im Gegensatz zu mir – vollkommen in Ordnung ist. Sollten wir an einem Wochenende doch einmal vier oder fünf Stunden finden, wird auch nicht in Erwägung gezogen, etwas "Außergewöhnliches" zu unternehmen. Die Vorschläge, die ich mache, stoßen bei ihm immer auf Ablehnung. Beispiel: Gestern war das Wetter so wundervoll. Da ich so gut wie nie in der Woche die Gelegenheit habe, meinen Schreibtisch zu verlassen, bat ich ihn darum, draußen etwas zu machen. Wir hätten einen Spaziergang machen können oder in einen Biergarten gehen können. Seine Antwort: "Ich war die ganze Zeit schon draußen." Also blieben wir zu Hause.


    Den ganzen Abend lag ich neben ihm und hatte das Bedürfnis zu reden – über so vieles. Ich bekam den Mund einfach nicht auf. Als ich mich dann doch dazu aufrappeln konnte und zur Sprache brachte, dass wir reden sollten, verstand er nicht, was das Problem sei. Alles, was ich daraufhin anführte ("wir machen nie was", "wir reden kaum noch", "du gehst nicht auf meine Vorschläge ein", etc.), konnte er nicht nachvollziehen. Ich kam mir so blöd vor. Da fiel mir auch wieder ein, warum ich den Mund halten wollte.


    Es läuft immer – wirklich immer – so ab: Ich sage ihm, was mir missfällt. Er redet das Problem klein oder dreht alles so, dass ich wieder das Gefühl habe, eine schrecklich nervige, komplizierte und anstrengende Freundin zu sein. Also genau das, was ich nie sein wollte. "Warum siehst du alles immer so negativ", wirft er mir dann vor. Und ich fühle mich direkt mies. Ich möchte nicht negativ sein. Ich bin eigentlich ein sehr lebensbejahender Mensch. Aber ist es nicht ein menschliches Bedürfnis, über Sorgen, Ängste und Probleme zu reden? Wieso habe ich danach immer so ein schlechtes Gewissen? Wieso geht es mir anschließend immer schlechter als vorher? Sollte es nicht andersrum sein?


    Nun sitze ich wieder hier und habe das Gefühl, alles falsch zu machen. Warum habe ich ihn nur gestern wieder darauf angesprochen? Jetzt ist er vermutlich sehr angenervt von mir und hat erst recht keine Lust, Zeit mit mir zu verbringen. "Dann ist er es nicht wert", könnte man dann sagen. Aber so einfach ist das eben nicht. Dafür bedeutet er mir zu viel.


    Ich habe dann zwischenzeitlich überlegt, ihn erst einmal in Ruhe zu lassen, mein eigenes Ding zu machen. Aber die Angst ist zu groß, dass er sich immer weiter von mir entfernen könnte. Und irgendwann heißt es: "Du, es läuft nicht mehr so weiter." Und wenn er sich trennen sollte, werde ich mir für immer die Schuld daran geben. Schließlich habe ich ja all das Negative in die Beziehung gebracht.


    Es ist wie ein Schlund, in den man immer weiter reingezogen wird: Problem – Reden über Probleme – noch mehr Probleme. Wir haben ein offensichtliches Kommunikationsproblem. Und ich weiß beim besten Willen nicht, wie man dieses lösen könnte...


    Ich könnte gerade nur Heulen.

  • 5 Antworten

    Saika

    Ich weiß nicht, es klingt für mich jetzt nicht direkt danach, dass Du die Beziehung "zerstörst". So, wie es klingt, ist die Zweisamkeit verloren gegangen, wie es in vielen Beziehungen der Fall ist. Der andere ist eine Gewohnheit, er ist ja eh da, die Zeit zu Zweit wird nicht mehr gepflegt und irgenwann ist einer unzufrieden, in deisem Fall Du.

    Zitat

    Es läuft immer – wirklich immer – so ab: Ich sage ihm, was mir missfällt. Er redet das Problem klein oder dreht alles so, dass ich wieder das Gefühl habe, eine schrecklich nervige, komplizierte und anstrengende Freundin zu sein.

    Das ist sehr schade, zumindest sieht es so aus, als würde er Dir nicht zuhören und zumindest mal wahr nehmen, dass Du gerne mehr Zeit mit ihm verbringen willst.

    Zitat

    Also genau das, was ich nie sein wollte. "Warum siehst du alles immer so negativ", wirft er mir dann vor. Und ich fühle mich direkt mies. Ich möchte nicht negativ sein. Ich bin eigentlich ein sehr lebensbejahender Mensch. Aber ist es nicht ein menschliches Bedürfnis, über Sorgen, Ängste und Probleme zu reden? Wieso habe ich danach immer so ein schlechtes Gewissen? Wieso geht es mir anschließend immer schlechter als vorher? Sollte es nicht andersrum sein?

    Naja, zumindest sollte es Dir nicht schlechter gehen. Dieses "wir manchen nie etwas", "immer sitzen wir zu Hause", etc. ist natürlich auch nicht unbedingt eine lösungsorientierte Gesprächsbasis. Ich-Botschaften machen da schon mehr Sinn. Insofern würde ich mich mit ihm hinsetzen und ihm vermitteln, dass ich nach wie vor mit ihm "Verabredungen" wünsche, sei es nun für Kino, Essen gehen oder zu Hause, wo es um gemeinsam verbrachte Zeit geht und sich beide miteinander auseinandersetzen, seien es ernste Gespräche oder gemeinsamer Spaß. Ich würde ihm schon vermitteln, dass ich den Eindruck habe, dass sich seit einigen Monaten etwas verändert hat und dass das nicht die Beziehung ist, wie wir sie bis vor einigen Monaten geführt haben. Es gibt ja Menschen, die sich in der Anfangszeit einer Beziehung anders geben als später und dann würde ich noch einmal den Beziehungsrahmen thematisieren.

    Zitat

    Gestritten haben wir eigentlich nie, weil wir viel Wert darauf gelegt haben, unsere Zeit nicht mit Streit-Themen zu vergeuden. Bestand doch einmal Redebedarf, so gelang es uns, innerhalb weniger Minuten das Problem aus der Welt zu schaffen. Wie wir das gemacht haben? Wir waren im Stande, uns Fehler einzugestehen oder auch einmal eigene Wünsche oder Bedürfnisse für den Partner zurück zu stellen.

    ich denke mir, dass das vielleicht ein stück weit teil des ursprungs des problems ist. ich meine, wenn immer alles in butter ist und man alles ganz "erwachsen" klären kann, wo ist da die leidenschaft? sowas würde mir auf dauer auch langweilig und eine solche beziehung würde für mich auch zur selbstverständlichkeit.


    wenn meine freundin sich nicht ärgert, sich nicht streitet, nicht zu dem steht, was sie will, dann ist es für mich eben eine leichtigkeit, sie zu ignorieren oder z.b. ihren wunsch, raus zu gehen zu verneinen, weil sie dann ja brav ist und sich trotzdem neben mich kuschelt.

    Zitat

    Wir haben ein offensichtliches Kommunikationsproblem. Und ich weiß beim besten Willen nicht, wie man dieses lösen könnte...

    warum muss es immer eine erwachsene kommunikation über probleme sein?


    ich meine, klar ist die idee, sich zu streiten erstmal scheisse. niemand streitet sich gern, besonders nicht mit jemandem, den man liebt. aber ich hab die erfahrung gemacht, dass ein streit von zeit zu zeit einem auch vor augen führt, wieviel derjenige einem eigentlich bedeutet und wie wichtig es einem doch eigentlich ist, denjenigen glücklich zu machen.


    heisst jetzt nicht, dass ihr euch tagein-tagaus zoffen sollt, aber vielleicht wäre es gut, wenn ihr nicht nur eine gesprächskultur, sondern auch eine gewisse streitkultur in euer beziehungsleben aufnehmen würdet.

    Zitat

    Schließlich habe ich ja all das Negative in die Beziehung gebracht.

    Rede dir bitte sowas nicht ein! Wenn man in diesen Kategorien überhaupt denken will, dann finde ich, dass dein Freund "das Negative" in die Beziehung bringt, indem er dich auflaufen lässt und deine Bedürfnisse abwiegelt.

    Ich sehe das ähnlich, wie anfangmitfreude ...


    Wenn man am Anfang sehr harmonisch miteinander umgeht und immer schnell Kompromisse findet, dann lernt man nicht, wie man miteinander umgehen soll/kann, wenn es mal nicht so einfach ist.


    Mir ist das in meiner Ehe ähnlich gegangen, wir konnten über alles reden, aber irgendwann fand man dann keinen Kompromiss und konnte nur zurückstecken.


    Das geht auch eine Weile, aber es belastet dann doch, wenn man das Gefühl hat, dass man immer der Einzige ist, der zurückstecken soll.


    Und irgendwann redet man dann doch nicht mehr über alles, weil es ja doch wieder keine Lösung gibt, sondern ehr Vorwürfe, und das ist dann das schleichende Ende einer Beziehung.


    Wichtigster Hinweis wurde von Kleio gegeben ... in Ich-Form und Wünschen reden, damit es nicht so als Vorwurf rüber kommt.


    Sag nicht "wir machen ja nie was"


    Sag lieber "ich wünsche mir, dass wir was (mach am Besten konkrete Vorschläge, wie das Spazieren) miteinander machen".


    Sag nicht "wir reden kaum noch"


    Sag lieber "ich wünsche mit, dass wir über dieses (bestimmte Thema) mal in Ruhe reden".


    Sag nicht "du gehst nicht auf meine Vorschläge ein"


    Sag lieber "ich wünsche mir Kompromisse auf beiden Seiten ... gerne mal auf dem Sofa gammeln, aber auch was unternehmen ... mal so und mal so".


    Kommunikation ist wichtig, aber sie muss ohne Vorwürfe (gewaltfrei) sein, sonst gibt es entweder nur noch Streiterei, oder einer macht dicht (wie Dein Freund) und dann endet es eben, wie von Dir beschrieben.


    Und ganz eindeutig ... wenn er gar nicht mehr vom Sofa hochkommt, dann nicht jedesmal klein beigeben und auch zuhause bleiben, sondern dann auch mal alleine weggehen.


    Sollte das Euch noch weiter auseinander bringen, dann ließe sich das auch durch klein beigeben nicht verhindern ... nur herauszögern.


    Und siehe Dich nicht immer als einzigen "Schuldigen" in einer Beziehung ist nie einer alleine "schuld" ...

    Womit Du ganz schnell aufhören solltest liebe TE, Dir das Büßerhemd für eure Paarbeziehung allein überzustreifen. Weil Dir bewusst geworden ist, dass eine Beziehung kein Alltagsselbstläufer wird, der sich irgendwie von "allein" regelt und Du Deine Bedürfnisse (er) kennst, heißt es noch lang nicht DU bist die Problemförderin.


    JA, in jeder Beziehung kehrt früher oder später der Alltag ein, dieses umeinander Werben verändert sich, jeder fährt sein Sonntagsgesicht zurück, man lernt sich unter Alltagsbedingungen kennen, auch die Macken und Eigenarten des Beziehungspartners.


    Ein gewisser Schlendrian und eigene Bequemlichkeit, sollte allerdings nicht der überragende Moment als Dauergast in der Zweisamkeit sein. Ihr seid beide zu jung, da sollte sich eine 2 jährige Beziehung nicht anfühlen, wie ein älteres Ehepaar. Sicher man hat in der Zeit des Studiums keine unbegrenzte Zeit, sicher auch nicht ständig frei verfügbare Mittel, um häufiger Kino, Events, Restaurant-Essen o.ä. als Paar wahrzunehmen.


    Dennoch kann ich Deine Wünsche und Bedürfnisse an Deinen Partner vollkommen verstehen. Mit Anfang 20 möchte man noch das aufregende Leben spüren, sich neben den Vorlesungen und Vorbereitungen daheim, als geliebtes Wesen fühlen. So wie Du es beschreibst, ist bei euch der Wurm schon mächtig tief sitzend. Ein Partner, der sich der Kommunikation gern entzieht, nicht erkennen möchte, welche Schieflage euch derzeit erfasst hat.


    Womit Du gerade ein Problem hast ist, dass Du in euren Anfängen einen aktiven und selbstbestimmten Freund kennen gelernt hast. In diesen Mann hast Du Dich verliebt. Hast dies mit als Basis eurer Verbindung gesehen.


    Dies hat Dein Freund einschlafen lassen und somit einseitig aufgekündigt, ohne einen für Dich erkennbaren Grund. Sind die Studienbedingungen für ihn anstrengender geworden? Hat er mit Klausuren und Prüfungen mehr Probleme als Du eventuell? Braucht er mehr Zeit zur Erledigung seiner Studienaufgaben und hat deswegen kaum Lust seine Freizeit nach außen zu verlagern?


    Das wäre wirklich fatal in meinen Augen, dass Du bereits jetzt aufsteckst, eigene Bedürfnisse komplett ausblendest, nur um daheim "einen zufriedenen und lieben" Partner zu haben.


    Es ist wichtig, dass Du dies bezüglich hartnäckig und konsequent bleibst. Deine Bedürfnisse werden sich nicht in Luft auflösen, sondern unterdrückt. Dies dazu führen, dass Du der stetig unzufriedene Part in der Paarbeziehung bleibst. Kann nicht erkennen, was daran negativ besetzt ist, wenn Du ein Stück weit wieder den aktiven Partner zurück möchtet, der er in euren Anfängen war.


    Willst Du Dich wirklich in den nächsten Jahren weiterhin in der Position sehen, in der Du heute bist? Wenn ihr mit Anfang 20 schon den Status eines nur daheim rum kuschelnden/ relaxenden Paares lebt, wo nichts lebendiges mehr passiert, gesteht die Gefahr, dass eure junge Liebe sich Stück für Stück ausplätschert, bis davon nichts gemeinsames mehr übrig bleibt.


    Nimm es nicht hin, dass Dein Partner die Kommunikation aus Bequemlichkeit einstellt. Ihr seid heute jung, die Jahre kommen nicht wieder, lebt euch jetzt richtig aus und unternehmt viel gemeinsames. Das wird zunehmend schwerer, wenn man sich eine Position im Berufsleben erkämpfen muss, später eventuell Kinder dazu kommen.


    Sollte Dein Freund auf dem jetzigen Standpunkt verharren, sich mit allem zufrieden geben zu wollen, was eure Beziehung derzeit eintönig und uninteressant macht, durchbrich den Kreislauf und unternehme mit Freunden etwas.


    Vielleicht wacht er dadurch auf, spürt das Du nicht nur redest, sondern danach handelst. Frauen versuchen häufiger aus genau den Beweggründen, wie Du sie schreibst, ihre eigenen Bedürfnisse zurück zu schrauben, eine Art "Waffenstillstand" zu wahren. Das erinnert mich an Probleme im selben Alter, die ich irgendwann nicht mehr hin genommen habe. Beziehung bedeutet Kompromissfähigkeit. Mach ihm das deutlich mit klaren Ansagen.


    Du möchtest eine lebendige Beziehung mit Wechseln aus Alltag und aktiven Inseln, raus aus den eingeschlichenen Gewohnheiten.


    Sollte Dein Freund dazu nicht bereit sein, auf Deine Vorstellungen positiver einzugehen, kann es sein, dass Du irgendwann die Reißleine ziehen wirst.