Unschöne Kindheitserinnerungen...Übertreibe ich?

    Hallo liebes Forum*:),


    mich würden eure Meinungen zu meinem Problem interessieren. Es geht hierbei um die Beziehung zu meiner Familie und diverse Kindheitserinnerungen (>20 Jahre her), welche mich in letzter Zeit vermehrt einholen, zum Grübeln und Nachdenken bringen und wiederholt sehr traurig machen :°(.


    Was meint ihr - sind meine negativen Erinnerungen und Rückblenden übertrieben oder doch als eine Art "Erziehungsmaßnahme" in der damaligen Zeit gerechtfertigt? Ich bin in einem Umfeld aufgewachsen, welches unter dem Motto "Wer nicht hören will, muss fühlen" lief, Schläge und psychische Misshandlung eingeschlossen. Hier ein paar Beispiele:


    - mit 9 Jahren: Besuch des Onkels mit den Großeltern (= seinen Eltern) in seinem Landhaus - erster Satz nach der Ankunft: "Du kannst dem Opa und mir jetzt erst einmal 2 Bier aus der Garage holen, danach machst du die Fahrräder im Geräteschuppen sauber".
    - Nach einem Ausflug mit den Großeltern verschüttete ich versehentlich einen halben Becher Milchshake in seinem neu gepflasterten Hof, da ich noch 2 Taschen zu tragen hatte --> Ich bekam einen Tritt in den Hintern vom Onkel, fiel vornüber ins Blumenbeet und wurde für den Rest des Nachmittags und Abends auf mein (Gäste-)Zimmer geschickt um über meinen "Fehler" nachzudenken

    - mit ca. 11 Jahren: Ich sollte meinen Eltern bei diversen Gartenarbeiten helfen, hatte aber schlichtweg keine Lust (wie das in dem Alter ab und an vorkommt). O-Ton meines Vaters: "Du bist nicht nur stinkend faul, du bist auch zu faul zum Stinken. Geh in dein Zimmer, Kotzbrocken."

    - mit ca. 13 Jahren: Kurzurlaub mit den Eltern in München (3-Bett-Zimmer) im Januar: Ich hatte darum gebeten, das Fenster nicht nochmal zwecks Lüftung zu öffnen und die Heizung etwas aufzudrehen, da es sehr kalt war. Die Antwort meines Vaters lautete: "Du hast hier gar nichts zu melden, du bist hier das Niederste."

    - mit ca. 8 Jahren: Urlaub mit den Eltern in Frankreich, ich war beim Frühstück unausgeglichen und wollte nichts essen; nach dem Verlassen des Hotelrestaurants schlug mir mein Vater deshalb mit voller Wucht vor den Augen der Gäste auf den Hinterkopf (es schritt natürlich keiner ein).

    - mit ca. 10 Jahren: Ebenfalls Urlaub mit den Eltern, ich hatte meine Mutter provoziert, da ich nicht beim Tischdecken helfen wollte. Anschließend wurde ich eine Etage runter in mein Zimmer (Ferienwohnung) geschickt. Mein Vater rannte mir noch auf der Treppe hinterher und schlug mir mit voller Wucht auf den sonnenverbrannten Rücken.

    - mit ca. 17 Jahren (kurz vor dem Abitur): Ich zeigte meinen Eltern die Halbjahresinformation vom Gymnasium mit einem Durchschnitt von 2,0. Daraufhin meine Mutter: "Bei der Endnote erwarten wir aber schon eine 1 vor dem Komma".


    Ich könnte noch zahlreiche weitere Beispiele aufzählen. All dies hat v.a. seelische Wunden bei mir hinterlassen, weshalb ich heute mit Mitte 30 noch immer Probleme mit (männlichen) Autoritätspersonen (z.B. Vorgesetzte) habe. Ich war stets eine gute bis sehr gute Schülerin, habe nie geraucht, Drogen genommen oder vermeintlich "falsche" Freunde gehabt und besitze heute 2 Hochschulabschlüsse in einem naturwissenschaftlichen Fach. Viel lieber habe ich während meiner Kindheit und Jugend gelernt und Bücher gelesen und eben hier und da (wie jeder junge Mensch) meine Grenzen ausgetestet.


    Was meint ihr? Übertreibe ich es mit meinen Flashbacks bzw. waren diese erzieherischen Maßnahmen aus eurer Sicht gerechtfertigt oder dürfen sich Eltern und Familie so etwas niemals erlauben?


    Ich bin gespannt auf eure Meinungen!

  • 12 Antworten

    Also ich würde das meinem Kind so nicht antun. Kann ich mir gut vorstellen dass dich das noch einholt. Gehst du zum Psychologen? Hast du noch Kontakt zu den Eltern?

    Du übertreibst überhaupt nicht und deine Gefühle darüber stehen dir zu!


    Also wenn du Mitte 30 bist dann war selbst damals auch längst ein anderes Bild vom Kind üblich.

    Du übertreibst nicht. So behandelt man seine Kinder auf keinen Fall. Dafür gibt es auch keine Entschuldigung. :(v

    Hoffe du bist da einigermaßen psychisch gesund rausgekommen und wirst das Erlebte in einer Therapie aufarbeiten können.

    Mir geht es heute erstaunlicherweise sehr gut! Ich wohne 250km von meiner Familie entfernt und bin inzwischen mit dem besten Mann der Welt verheiratet :-) Kinder sind bei uns aufgrund gesundheitlicher Probleme nicht geplant; aber wir verreisen sehr viel zusammen und gehen diversen Hobbies nach :-) Kontakt zu meiner Familie habe ich nur sporadisch inkl. maximal 2 Besuchen pro Jahr und ich bin froh, dass seitens meiner Familie nicht mehr "eingefordert" wird; da kocht eben jeder sein eigenes Süppchen. Ich danke euch herzlich für eure Antworten!

    Das war alles nicht schön, keine Frage.

    Aber dass du das immer noch mit schleifst und das dein jetziges leben beeinflussen lässt....

    Das ist übertrieben ich habe mir als Elternteil auch vorgenommen, perfekt zu sein, aber manchmal klappt es halt nicht. Dafür gibt es aber doch auch gute Zeiten, von denen schreibst du gar nichts.

    Kinder bringen einen oft zur weissglut und irgendwann Platz man. Das ist nicht schön, aber ich wette, deine Eltern haben dir über die Jahre auch viel verziehen. Vielleicht kannst du das umgekehrt auch.

    Deine Flashbacks werden dich dein Leben lang begleiten , du kannst das zwar mal einen Psysiologen erzählen vielleicht fühlst du dich dann besser wenn du mit jemanden darüber reden kannst , aber vergessen wirst du das nie


    Ich bin jetzt über 50 und hatte viel Stress mit Mutter . nur mal 2 Beispiele die mich ständig begleiten


    Mit knapp 6 kurz nach der Einschulung , ich bin eigentlich Linkshänder , und wollte dann logischerweise auch mit links meine ersten Schreibversuche machen und ich erinnere mich immer wieder dran wie ich am Küchentisch sass und meine Hausaufgaben machen sollte . Mutter beobachtete mich , riss mir den Stift aus der Hand und meinte : die andere Hand

    das ganze Spiel ging dann so ein paar mal hin und her , bis ich dann eine mit der Rückseite des Kochlöffels bekam und der Daumensattel brach .so das der daumen senkrecht nach oben stand .

    den drückte sie mit viel Schmerzen wieder runter und brüllte mich noch an : das hast du nun davon


    Der Daumen wurde nie wirklich behandelt , das abgebrochene Gelenkstück sitzt weiter unten fest ist da eingewachsen und der Daumen hat nie wieder richtigen Halt


    Ein paar Jahre später , ungefähr im Alter von 10 hatte ich mal eine 5 in Englisch mitgebracht , der Vater sprach mit der Lehrerin das man mir zuHause nicht mit englisch helfen könne , da keiner im Umfeld englisch kann und die Leherin riet dazu einen Cassettenrecorder zu kaufen und Sie würde mir Übungscassetten überspielen


    gesagt getan


    Eine weitere 5 folgte aber dann noch , weil das ja nicht so schnell gelernt werden konnte und ich übte mit den Cassetten , aber Mutter sprach wegen der 2ten 5 einen Cassettenrekorder verbot aus .

    Ich übte englisch und sie kam ins Zimmer , das machte sie ab und an das sie sich auf Strümpfen anschlich und dann brutal die Tür aufriss das man sich erschrak , sah den Cassettenrecorder am laufen , setzte mir eine Tracht Prügel : ich habe dir doch gesagt das du Cassettenreorder verbot hast , schlug mich mehrfach , riss das Ding aus dem Regal machte das Fenster auf und warf es gut 5 Meter weiter auf die Strasse , war natürlich kaputt

    mit den Worten du wolltest es ja nicht anderst


    um nur mal 2 Beispiele von vielen zu nennen , also du bist nicht die einzige die sich mit unschönen Kindheitserinnerungen rumschlägt


    Ich habe jetzt keinen Psycho Doktor besucht , mein Bruder aber schon , der wohl auch ähnliches erlebt hat


    Ich habe selbst mit 50 immer noch das Problem , das andere Frauen mit denen ich es zu tun habe , die mich irgendwie an Mutter erinnern , sei es ihre Figur , Ihr Haarschnitt , Ihre Bewegungsabläufe oder Stimmlage , was auch immer , nicht anfassen kann und am liebsten ganz schnell wieder Distanz gewinnen will

    criecharlie schrieb:

    Das ist nicht schön, aber ich wette, deine Eltern haben dir über die Jahre auch viel verziehen


    Einem so jungem Kind gibt es nichts zu verzeihen. Es tut was es tut um sich auszuprobieren, sich anzupassen oder für später seine Rolle zu finden.

    Ich denke die Teilnehmerin hat auch verziehen, denn sie schreibt ja Kontakt sei noch da und ihre Laufbahn hat sich gut entwickelt.


    Zitat

    Das ist übertrieben ich habe mir als Elternteil auch vorgenommen, perfekt zu sein, aber manchmal klappt es halt nicht.

    Keiner ist perfekt, aber gezielte Kränkungen oder beabsichtigter psychischer Druck ist schon etwas mehr als "nicht perfekt sein".


    Im Grundgesetz heißt es schon mal, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind.

    Also wenn du einem Erwachsenen auf der Straße etwas antust bekommt man eine Anzeige mit Geldstrafe. (Je nach Fall auch Freiheitsstrafe oder Sozialstunden ich weiß es nicht).


    Aber seinem Kind auf den Rücken zu Schlagen wie die Teilnehmerin beschreibt ist in Ordnung?? Der Onkel der sie tritt? Dann ist man einfach mal nicht "perfekt"?


    Im Gesetz heißt es auch die Würde des Menschen sei unantastbar. Ein Kind ist bereits ein Mensch, aber es kommen gezielte Demütigungen wie "du Kotzbrocken".

    Meinung zu deinen Kindheitserinnerungen:


    Es war Kindesmisshandlung!!!


    Wenn du viele Selbstzweifel hast, Erinnerungen kommen, die dich belasten, egal in welcher Form, dann nimm das und auch dich selbst ernst.


    Die Kinderzeit ist Die Zeit, die uns am meisten prägt.


    Deine Kindheit war unschön.


    Du wurdest behandelt, wie jemand der nichts wert ist. Du wurdest mit Füßen getreten. Auch psychisch.


    Dass du ein solch selbstbestimmtes Verhalten besitzt, dich abgrenzen kannst und auch erkennen kannst, dass du als Kind nicht gut behandelt wurdest , ist großartig.


    Wenn du selbst an dir bemerkst, dass du etwas aufarbeiten willst, dann tu es.

    Alles gute

    Liebe TE,

    die von dir geschilderten Ereignisse sind natürlich nicht schön.


    Hattest du während deiner Kindheit das Gefühl, geliebt zu werden? Bzw. hattest du das Gefühl, dass deine Eltern grundsätzlich nur dein bestes wollten?


    Die Einstellungen zu Erziehung ändern sich immer wieder. Mir hat unter Tränen mal eine ältere Frau erzählt, dass sie ihre Kinder nur geschlagen hat, weil es damals hieß "sonst wird aus den Kindern nix, wenn sie nicht die harte Hand spüren". Das sie ihre Kinder damals schlagen hat "müssen", hat sie immer noch beschäftigt und traurig gemacht.


    Ich kenne einige, die in ihrer Kindheit grün & blau geschlagen wurden und trotzdem eine gefühlt "glückliche Kindheit" hatten.


    Viele Eltern können es auch einfach nicht besser. Die können ihre Liebe nicht adäquater zeigen, weil sie es als Kinder auch nie gelernt haben. Meine Eltern haben auch nicht alles richtig gemacht, aber ich weiß, sie haben alles in ihrer Macht stehende getan, mir eine schöne Kindheit zu ermöglichen.

    Liebe TE,

    Ich hatte auch einige unschöne Momente in der Kindheit. Und klar denke ich immer mal wieder daran.

    Aber jetzt lebe ich meinen Traum. Einen tollen Mann, zwei super Jungs und bald ist unser Eigenheim fertig! Und da sag ich mir selbst immer "Lass dir von den Schatten der Vergangenheit nicht die Gegenwart bzw Zukunft versauen. Mach es besser als deine Mutter."

    Sie ist auch vor zwei Jahren verstorben an den Folgen ihrer Lebensweise. Hab auch nicht das Bedürfnis sauer auf sie zu sein. Bin trotz allem was geworden oder gerade deswegen. Es war immer eine gute Motivation nicht so zu werden bzw. zu leben, wie meine Mutter. Sie war ein sogenannter Arschengel.....

    Was sagen denn deine Eltern dazu? Sehen sie ein, dass sie diesbezüglich Fehler gemacht haben? Wenn ja (was mMn so sein sollte) und wenn es ihnen nachträglich betrachtet leid tut, dass sie es damals nicht besser konnten, sollte es möglich sein, damit abzuschließen.


    Schwierig ist es, wenn ihnen diese Einsicht fehlt, sie meinen alles richtig gemacht zuhaben und die Vorfälle kleinreden/bagatellisieren. Dann musst du wissen, ob du nochmal versuchen willst, ihre Einsicht und Reue zu fördern, indem du ihnen erzählst wie nachhaltig darunter gelitten hast / leidest, oder ob es keinen Sinn hat und sie einfach zu stur/uneinsichtig sind. Dann musst du sehen, dass du auch OHNE Reue deiner Eltern irgendwie damit abschließen kannst.