Es haben hier so viele mitgedacht, dass ich vielleich doch mal etwas dazu sagen muss, wie es nun weitergeht.


    Alle die behauptet haben, wir müssten aus der Komfortzone raus haben irgendwie recht bekommen. Es ist längst nicht alles in Ordnung. Es gibt bessere und schlechtere Wochen, aber insgesamt werden die bessere Wochen mehr und auch besser. Ich habe doch die Hoffnung, dass es insgesamt besser wird.


    Der Wendepunkt war eigentlich eine ziemlich blöde Situation, wo ich mich total daneben benommen habe. Seit etwa anderthalb Jahre, interessiere ich mich irgendwie zu viel für fremde Frauen. Nun war ich mit meiner Frau auf einer Party und habe da den ganzen Abend mit einer fremden Frau geflirtet. Das war natürlich ziemlich doof von mir und es gab auch ordentlich Ärger. Nach dem ersten Ärger, hat sie aber doch irgendwie begriffen, dass sie sich etwas mehr bemühen muss, um mich zu behalten, dass ich Alternativen habe, und mir vielleicht doch woanders holen könnte, was mir zu Hause fehlt. Insgesamt gibt es doch etwas mehr Aufmerksamkeit und auch mehr Sex. Naja, es ist noch längst nicht alles, wie ich es mir wünsche, und eine experimentierfreudige Sexgöttin wird meine Frau auch wohl nie werden. Es gibt aber eine Besserung. Zwischendurch leider auch immer etwas frustrierende Wochen.


    Nun ist leider ein neues Problem dazu gekommen: meine Neugier nach fremden Frauen ist geblieben. Früher haben mir andere Frauen natürlich auch manchmal gefallen, jetzt habe ich aber ein großen Drang, auch mit fremden Frauen zu flirten, einen Kontakt aufzubauen. Als jugendlicher habe ich das nie gelernt, nie gemacht und irgendwie auch nie gewollt. Jetzt fange ich an, daran Spaß zu haben. Ach, wer keine Probleme hat, macht sich welche.

    Das Bedürfnis zu flirten finde ich überhaupt nicht schlimm. Im Gegenteil. Du merkst daran, dass Dir nach wie vor etwas fehlt. Und beim flirten wird Dir auch immer wieder bewusst, was genau das ist. Das zu erkennen ist die Voraussetzung dafür, etwas zu ändern. Und wie Du gemerkt hast, hat auch Deine Frau das als Anlass genommen, da etwas zu tun, was sicher nicht passiert wäre, wäre sie in ihrer Bequemlichkeit nicht gestört bzw. geweckt worden.


    Schwierig ist, die Grenzen zu kennen und einzuhalten. Die Grenzen ihrer Toleranz definiert deine Frau. Wobei es schwierig ist, die zu diskutieren, denn naturgemäß redet man mit seiner Partnerin nicht gerne über Flirts mit anderen. Gleichwohl hat sie Dich ja so erlebt und vielleicht bietet das die passende Gelegenheit, mal auszuloten, was möglich ist, was nicht. Vielleicht ist es für Dich belebend, mal mit einer anderen Frau einen trinken zu gehen, zu flirten. Mehr nicht. Andere landen über solche Diskussionen in einer offenen Beziehung, die auch für das eigene Sexleben unendlich belebend sein kann, auf der anderen Seite aber natürlich gefährlich viel Sprengstoff für eine angeschlagene Ehe bietet.


    Im Extremfall - und der ist nicht selten - merkst Du beim Flirt mit einer anderen, dass Du da etwas findest, was Du schon lange vermisst hast und ihr trennt Euch. Ende der Bequemlichkeit, Ende der Sorglosigkeit, aber vielleicht der Anfang von etwas viel schönerem? Wer weiss das schon.


    Diese Bedürfnisse zu unterdrücken und frustriert zu sein, ist keine Dauerlösung.

    Oluf, es stellt sich ja die Frage, warum Du flirten und Kontakt aufbauen möchtest. Ich glaube, daß ist das Entscheidende dabei.


    Machst Du es nur, weil es Dir Spaß macht, weil es Dein Selbstwertgefühl steigert und Du Dich gut fühlst - o.k., alles fein. Du gehst nach Hause, bist glücklich und liebst und begehrst weiterhin Deine Frau. Dann spricht m.E. nicht viel dagegen (wobei ich als Ehefrau das nicht miterleben möchte, denn das fände ich dann nicht witzig).


    Machst Du es, weil Du doch gern mehr möchtest, weil Dir zu viel fehlt, dann kann es problematisch werden. Die Frage ist ja auch, ob Du Deine Frau immer noch liebst. Oder ob Du es eben mittlerweile darauf anlegen würdest, sie zu betrügen.

    @ madonnacyrus

    Zitat

    Ich weiss nicht ob es so gut ist, wenn deine Frau nur mit dir mehr Sex hat, weil sie Angst hat dich sonst zu verlieren..

    Würde ich auch so sehen. Sex weil sie nur denkt, es muss mal wieder sein ist auch sehr unbefriedigend. Es ist aber nicht nur der Sex. Auch generell bekomme ich mehr Aufmerksamkeit von ihr. Und irgendwie hat sie auch mehr oder öfter Lust bekommen. Oder sie hat gemerkt, dass meine Bedürfnisse auch durchaus lenkbar sind: wenn sie mich Mittags mal verführt, kann ich abends auch ohne meckern verzichten. Es ist vielleicht weniger Angst bei ihr, als eher ein Bewusstsein, dass die Ehe/der Partner nicht so selbstverständlich da sind, dass die keine Aufmerksamkeit brauchen.

    @ Schokoladensüchtige

    Zitat

    Machst Du es nur, weil es Dir Spaß macht, weil es Dein Selbstwertgefühl steigert und Du Dich gut fühlst

    Ja. Definitiv. Trotzdem sagte ich schon, das es ein Problem ist. Ich bin schon neugierig danach, wie es weiter gehen könnte, und weiß nicht, wo für mich genau die Grenze wäre und bin mir auch nicht sicher, ob ich diese u.U. auch nicht überschreiten würde.

    Zitat

    Bist du dir sicher, dass sie wirklich Lust hat?

    Es ist so ein bisschen wie mit dem Thema: Der Appetit kommt beim Essen. Lust kann man nicht erzwingen und ohne Lust keinen Sex. Was tun? Man kann versuchen, sich ein Stück weit zu überwinden, mal über seinen Schatten springen, sich Mühe geben, aussergewöhnliche Dinge ausprobieren. All das geht ohne Lust. Mit ein bisschen Glück entstehen dabei aber genug Momente, wo man auf einmal wieder Lust bekommt und Sex hat. Das bringt das ganze Karussell dann auch wieder in Schwung.