Unterschiedliche Vorstellungen einer Beziehung

    Hallo ihr Lieben,


    seit einem halben Jahr bin ich nun in einer Beziehung, aber ich bin nicht richtig glücklich, wie das Ganze läuft. Mein Partner und ich haben sehr unterschiedliche Bedürfnisse was Nähe und Anteilnahme in der Beziehung betrifft.


    Mein Partner pflegt, neben seiner 40-Stunden-Woche, einige Freizeitaktivitäten, unter anderem ist er ehrenamtlich tätig. Das finde ich super. Nur hat er, aufgrund seiner freizeitlichen Aktivitäten, aus meiner Sicht, zu wenig Zeit für "uns": Wir sehen uns nur einmal in der Woche, an einem Tag.


    An den anderen Tagen hat er keine Zeit, weil jeden Abend etwas anderes zu tun ist. Danach ist er selbstverständlich müde und möchte seine Ruhe haben.


    Ich wünsche mir einen Partner, mit dem ich nach Feierabend auf den Balkon sitzen kann, dem ich von meinem Tag erzählen kann und der Anteil nimmt. Ich wünsche mir, dass ich meinen Freund auch mal anrufen kann, wenn ich Ärger bei der Arbeit hatte, oder wenn ich mich über irgendetwas freue. Doch das traue ich mich nicht. Denn ich kenne seinen engen Zeitplan und habe permanent das Gefühl, zu stören. Es wäre schön, wenn er ein Teil meines Alltags wäre - doch soweit ist es nie gekommen. Wir haben dafür viel zu wenig Kontakt. Da ist keine innere Nähe da und ich weiß nicht, wie ich das ändern kann.


    Meine Wünsche habe ich ihm bereits mehrmals mitgeteilt. Das ist mir sehr schwer gefallen. Ich habe ihn gebeten, dass wir uns öfters sehen, so jeden zweiten Tag fände ich schön. Er kam immerhin ein wenig auf mich zu und meinte, er versuche unsere Treffen auf zweimal die Woche zu erhöhen. Doch das klappt nur erschwert. Zudem höre ich echt wenig von ihm. Es gibt Tage, da haben wir keinen Kontakt.


    Dazu muss ich sagen, dass ich mich zunehmend schlecht fühle aufgrund seiner Distanz-Ansprüche. Dass er "versuchen" muss, mich öfters zu sehen, empfinde ich als herabwürdigend. Ich fühle mich, als wäre ich eine dumme Nervensäge, die man lieber so wenig wie möglich sehen und hören möchte. Da ich zum Glück selbst einen großen Freundeskreis hab und in meiner Freizeit auch viel ohne meinen Freund unternehme, bekomme ich oft genug bestätigt, dass ich keine Nervensäge bin, sondern eine liebenswerte Person. Ich empfinde mich als liebenswert und finde, dass ich mehr Nähe verdient habe.


    Doch mein Freund ist glücklich mit seinem Leben. Ich befinde mich in einer überaus unglücklichen Lage, da ich ständig die Bittstellerin bin und das Gefühl habe, ihn zu etwas zu drängen. Dabei gibt er mir das Gefühl, dass das, was er mir da gibt, für ihn schon mehr als genug ist und dass er sich für mich bereits verbiegt. Er hat vermutlich einen überdurchschnittlichen Freiheitsdrang. Aber so viel Freiheit? Wo ist da noch Raum für Zweisamkeit und Nähe? Er weiß nicht, dass ich gestern bei der Arbeit ein überaus erfolgreiches Erlebnis hatte, weil er gestern den ganzen Abend unterwegs war und keine Zeit hatte. Er bekommt vieles nicht mit, weil wir zu wenig miteinander sprechen. Ich habe auch schon oft gemerkt, dass ich ihn frage, wie es ihm geht, von ihm kommt jedoch nie eine Gegenfrage. Ich teile mich dann mit, erzähle ihm, wie es mir geht und wie mein Tag war - doch er fragt nie von sich aus. Das finde ich sehr traurig. Ich wünsche mir, dass er mich sieht, dass er mich wahrnimmt und sich für mein Leben und mich interessiert. Ich fühle mich zunehmend wie eine Setzkastenfigur, die immer da steht, wenn er Zeit hat, aber zurückgestellt wird, wenn es ihm gerade nicht mehr passt. Ich verbiege mich für ihn, gebe mich mit den Krümeln zufrieden, die er mir zuwirft. Das Problem ist jedoch: Aus seiner Sicht ist das Ganze überaus viel, was er in unsere Beziehung investiert. Auch er verbiegt sich. Wir haben völlig unterschiedliche Vorstellungen von Zweisamkeit. Ich wünsche mir, dass unsere Beziehung funktioniert, weil er mir, warum auch immer, sehr wichtig ist und mir viel an ihm liegt. Und nun an euch: Hat jemand Erfahrungen mit solchen Beziehungen? Habt ihr ähnliches erlebt und wie habt ihr das gelöst?

  • 25 Antworten

    Wirklich keine schöne Situation... meines Erachtens nach sollte eine gut funktionierende Partnerschaft auf Augenhöhe sein, das ist bei euch leider nicht der Fall...


    Was liest du denn an ihm, was liebt er an dir?


    Wofür lohnt es sich zu kämpfen?


    Ich glaube nachdem du das hier alles nieder geschrieben hast ist dir bestimmt auch schon klar geworden, dass hier die Mehrheit zu einem Weg in getrennte Richtung empfehlen werden...


    Dir alles Gute!

    Wirklich keine schöne Situation... meines Erachtens nach sollte eine gut funktionierende Partnerschaft auf Augenhöhe sein, das ist bei euch leider nicht der Fall...


    Was liest du denn an ihm, was liebt er an dir?


    Wofür lohnt es sich zu kämpfen?


    Ich glaube nachdem du das hier alles nieder geschrieben hast ist dir bestimmt auch schon klar geworden, dass hier die Mehrheit zu einem Weg in getrennte Richtung empfehlen werden...


    Dir alles Gute!

    Ja, habe ich auch schon durch. Aber leider habe ich keine Lösung gefunden - es gipfelte in der Trennung. Im Grunde gibts ja nur drei Möglichkeiten: Du sprichst es an und er kommt dir hoffentlich entgegen, du akzeptierst es und machst das beste aus deiner freien Zeit oder du gehst.


    Spätestens an dem Punkt hier:

    Zitat

    Ich verbiege mich für ihn

    Ist für mich nun nach dieser Beziehung eindeutig Schluss. Ich werde mich nicht mehr verbiegen und ich will auch keine so unterschiedlichen Nähebedürfnisse mehr. Ich will ein gemeinsames Leben und keines nebeneinander her. Ich war auf Grund dieser Basis jahrelang unglücklich und will das kein zweites mal.


    Ich hoffe auf jeden Fall, du findest einen Weg, mit dem du gut leben kannst @:)

    Ich habe deinen Beitrag gelesen und das was mir sofort in den Sinn kam: Er hat zur Zeit keinen Platz für eine Beziehung.

    Zitat

    Ich verbiege mich für ihn, gebe mich mit den Krümeln zufrieden, die er mir zuwirft. Das Problem ist jedoch: Aus seiner Sicht ist das Ganze überaus viel, was er in unsere Beziehung investiert. Auch er verbiegt sich. Wir haben völlig unterschiedliche Vorstellungen von Zweisamkeit. Ich wünsche mir, dass unsere Beziehung funktioniert, weil er mir, warum auch immer, sehr wichtig ist und mir viel an ihm liegt. Und nun an euch: Hat jemand Erfahrungen mit solchen Beziehungen? Habt ihr ähnliches erlebt und wie habt ihr das gelöst?

    Wie auch Weihnachtssternchen3 schon schrieb, ich will mich auch nicht für jemanden verbiegen wollen. Er sollte mich so nehmen wie ich bin und ich ihn natürlich so wie er ist. Ihr habt einfach, wie du auch schon schreibst, völlig unterschiedliche Vorstellungen von Zweisamkeit.


    Ich habe keine Erfahrungen mit solchen Beziehungen, aber nur weil ich in der Kennlernphase dann meistens gemerkt habe, dass für den Mann ganz andere Prioritäten in seinem Leben sind, als jetzt eine Beziehung zu führen und sich darauf einzulassen.

    Zitat

    Da ist keine innere Nähe da und ich weiß nicht, wie ich das ändern kann.

    Es gibt Menschen, die da entweder nicht so viel brauchen oder gewohnt sind, dass andere ihnen das quasi als Dienstleitung automatisch zur Verfügung stellen wenn es in ihren Zeitplan passt. Innere Nähe entsteht ja überweigend über Kommunikation - verbale oder non verbale. Dazu braucht es Zeit und es muss ein gegenseitiges Geben und Nehmen sein. Insofern kannst Du daran gar nichts ändern, wenn er nicht selbst den Wunsch verspürt und das scheint nicht der Fall zu sein. Es ist für ihn ja so wie es jetzt ist schon Aufwand und Du fühlst Dich schlecht weil Du permanent das Gefühl hast ihn zu pushen.


    Ich fürchte auch - ihr seid einfach zu unterschiedlich. Er braucht eine Frau, die ihrerseits wenig Nähe braucht und eigene Projekte verfolgt, wo er sich selbst auch mal als "Nummer 2 auf der Prioliste" erleben kann und Du brauchst einen Mann der gemeinsam mit Dir was aufbauen will. Mist.

    Zitat

    Ich wünsche mir einen Partner, mit dem ich nach Feierabend auf den Balkon sitzen kann, dem ich von meinem Tag erzählen kann und der Anteil nimmt.

    Zitat

    ...hat er keine Zeit, weil jeden Abend etwas anderes zu tun ist. Danach ist er selbstverständlich müde und möchte seine Ruhe haben.

    Du hast den falschen Partner, so einfach ist das. Gibt's gar nichts zu diskutieren.

    Zitat

    Ich wünsche mir, dass unsere Beziehung funktioniert, weil er mir, warum auch immer, sehr wichtig ist und mir viel an ihm liegt.

    Du hast keinen Einfluss darauf, in wen Du dich verliebst. Aber Du hast einen Einfluss darauf, ob Du eine Beziehung mit ihm eingehst. Du hast falsch entschieden, dein Leidensdruck ist nur noch nicht hoch genug, die richtige Entscheidung zu treffen. Warte, bis es soweit ist und triff sie. Oder triff sie jetzt und lebe ein schöneres Leben. Deine Entscheidung.

    Zitat

    Ich verbiege mich für ihn, gebe mich mit den Krümeln zufrieden, die er mir zuwirft.

    Und hör mit diesem Unfug auf, das hilft keinem von euch.

    Halbes Jahr ist gerade so der Zeitpunkt, wo man merkt, ob es wirklich klappt oder nicht. Die rosa Brille ist abgelegt und die Beziehung wird entweder wirklich eine oder man steigt noch rechtzeitig aus, bevor man sich gegenseitig aufreibt.

    Ich will nicht sagen, dass dies keine Bezeihung ist, was ihr da führt, da jeder einen anderen Anspruch an eine Beziehung hat.


    Aber du hast ja selbst klar erkannt, dass es keinesfalls Das ist was du unter Bezeihung verstehst. In Anbetracht der Kürze eurer Bezeihung, wäre es eigentlich normal, sich, sofern man nicht Distanzen von mehreren 100 Kilometern überweinden muss, sehr viel häufiger sieht als einmal die Woche.


    Das ihr noch nicht einmal täglich voneinander hört und den Anderen nicht am Leben teilhaben lässt ( ich weiß, dass du es ja willst) führt für mich zur Bewertung,dass es keine Beziehung ist.


    Wenn du ihm wichtig bist, muss er halt ein paar Ehrenämter abgeben oder umindest den Zeitaufwand hierfür zurückschrauben. Da auch deine Versuche etwas zu ändern ins Leere gelaufen sind, solltest du dich wirklich fragen, ob du so leben willst.


    Es ist doch völlig verständlich, dass unter diesen Voraussetzungen keine Nähe entsthen kann.


    Ich frage mich wie ihr gemeinsam eurer Beziehung definiert hat. Bedeutet es nur die Exclusivität mit keinem Anderen Sex zu haben?


    Diese gravierenden Problem in einer so jungen Beziehung führen auch bei mir zu dem Ratschlag, dass es das Beste ist, wenn du dich trennst.

    Vielen Dank für eure vielen wertvollen Beiträge. Es hilft mir sehr, eure Meinungen zu lesen.


    Nun, es ist, wie Ktefan geschrieben hat - ich habe keinen Einfluss darauf, in wen mich mich verliebe. Und ich hab mich in ihn verliebt, seit einem dreiviertel Jahr gab es keinen Tag, an dem ich nicht an ihn gedacht habe. Ich habe lange gehofft und gekämpft, um überhaupt mit ihm zusammen zu kommen. Da er so wenig Zeit hat, war es schwierig genug, ein Date zu erlangen. Ich musste wochenlang warten, bis er endlich einen freien Termin für ein Treffen hatte. Damals fand er mich lediglich interessant, war aber noch nicht verliebt. Als wir dann etwas miteinander hatten, war es lange nur ein Schwebezustand, er hielt mich auf Distanz, in dem er sagte, dass er nicht weiß, in welche Richtung das mit uns geht. Irgendwann sagte er dann, dass es Richtung Beziehung geht. Nun, da wir eine Beziehung haben, bin ich aber unglücklich, weil wir eben so unterschiedliche Erwartungen an eine Beziehung haben.


    Wahrscheinlich ist es wirklich so, wie NotMichaelCaine schreibt - er braucht eine andere Partnerin. Und es macht keinen Sinn, wenn ich zu so einer Partnerin werde, denn dafür muss ich mich dann verbiegen. Genauso wenig macht es Sinn, wenn er sich für mich verbiegt. Wir werden auf diese Weise nicht glücklich.


    Im Moment bin ich noch zu verliebt in ihn, als dass ich mich trennen kann. Aber früher oder später wird das so kommen, dessen bin ich mir jetzt, wo ich eure Beiträge lese, sicher. Danke dass ihr mir diesen Weg gezeigt habt. @:)

    Zitat

    Wahrscheinlich ist es wirklich so, wie NotMichaelCaine schreibt - er braucht eine andere Partnerin. Und es macht keinen Sinn, wenn ich zu so einer Partnerin werde, denn dafür muss ich mich dann verbiegen

    Du hast einen anderen Stellenwert bei ihm. Erst kommen seine Hobbys etc. und dann irgendwann du. Bei einer anderen Frau könnte sich das ganze verschieben... :-( (für die hätte er vielleicht mehr Zeit)

    Ich stimme im Grunde allen Leuten hier zu, aber ich finde diesen "Stellenwert"-Diskussion manchmal problematisch und wollte dazu generell mal was sagen.


    Nur weil jemand seinen Partner nicht mehr als einmal die Woche sehen will heißt das nicht, dass dieser einen Stellenwert unter allem anderen haben muss. Es gibt schlichtweg Leute, die im Grunde für Fernbeziehungen gemacht sind und für die der Partner trotz sehr seltener Treffen das Wichtigste ist. Und auch wenn ich ebenso sehe, dass die TE in dieser Beziehung definitiv nicht glücklich wird, so möchte ich doch anmerken, dass die Beziehung bei öfteren Treffen vielleicht sogar schlechter werden könnte statt besser.


    Manche Menschen sind einfach nicht dafür gemacht, sehr oft die gleiche Aktivität auszuführen. Also sich jetzt einfach jeden Tag mal auf den Balkon zu setzen und zu reden. Die haben einfach so viel "Hummeln im Hintern", Energie und sind mental so hochgetaktet, dass sie Abwechslung brauchen und das Gefühl, nützlich und produktiv zu sein. Da im Grunde jeden zweiten Tag "das Gleiche" machen zu müssen sorgt für Unzufriedenheit und Rastlosigkeit und sowas merkt dann auch das Umfeld. Daher kann es für diese Leute sogar zur Beziehungspflege gehören, sich eben nicht oft zu sehen, damit man sich wirklich auf den Partner freut, anstatt "Oh nee, wir haben uns doch erst vor zwei Tagen gesehen, ich hab gar nichts Neues zu erzählen" zu sagen. So paradox das klingt: Der Partner kann trotzdem das Wichtigste sein und gerade deshalb sieht man sich weniger... damit man sich auf den Partner freut, die Beziehung "frisch" bleibt usw.


    Dass das nicht das Beziehungsverständnis ist, was die meisten anderen haben, ist ja auch hier im Forum offensichtlich. Und ich finde, dass du, liebe TE, schon sehr gut reflektiert hast, dass der Mann auch nicht glücklich ist und sich verbiegt, ganz genau wie du. Und natürlich kann man nicht einfach das Gefühl, ihm nicht mehr wert zu sein, abstellen - auch wenn man vielleicht rational sieht, dass es nicht böse von ihm gemeint ist. Ich denke, du bist auf dem richtigen Weg. Sobald dir die Beziehung mehr Unglück als Glück gibt und dein Unwohlsein gegenüber der Verliebtheit überwiegt wirst du dich lösen können. :)_ Und dann werdet ihr beide Partner finden, die besser passen.

    Zitat

    anstatt "Oh nee, wir haben uns doch erst vor zwei Tagen gesehen, ich hab gar nichts Neues zu erzählen" zu sagen

    Sie hat ja viel zu erzählen u.a.:

    Zitat

    Er weiß nicht, dass ich gestern bei der Arbeit ein überaus erfolgreiches Erlebnis hatte, weil er gestern den ganzen Abend unterwegs war und keine Zeit hatte

    .


    In Fernbeziehungen wird häufig telefoniert oder geschrieben, es findet also ein Austausch statt. Man interessiert sich für den anderen und will an dessen Leben teilhaben.

    Zitat

    Da im Grunde jeden zweiten Tag "das Gleiche" machen zu müssen sorgt für Unzufriedenheit und Rastlosigkeit und sowas merkt dann auch das Umfeld

    Sie sehen sich gerade EINMAL in der Woche, da kann man doch nicht von Rastlosigkeit sprechen.