Es wurden schon viele hilfreiche Ansätze hier im Faden gegeben.


    Das schwierige an deiner aktuellen Sitaution sehe ich in dem monatelangen Aushalten der Marotten deiner Mutter. Es scheint sich eine Art Gewohnheitsrecht etabliert zu haben und da wieder herauszufinden ist nicht so leicht.


    Den Ansatz von Brotspinne finde ich sehr gut: lass sie ab und zu ins Leere laufen. Wenn sie familiäre Hilfe vor Ort hat, soll sie diese annehmen. Einfach rigoros Nein sagen. Das betrifft auch ihre unangemeldeten Besuche. Ihr unmissverständlich sagen, dass es diese Woche überhaupt nicht passt und wieder nach Hause schicken am nächsten Tag. Telefonate und schriftliche Anfragen wie du es bereits probiert hast, erst mit großer Verzögerung beantworten. Sie sollte lernen zu akzeptieren, dass sich dein/euer Leben nicht ausschließlich um sie dreht. Das ist zu Anfang schwierig - sicherlich. Aber ein Lerneffekt wird eintreten.


    Die Trauer deiner Mutter in allen Ehren (es sind mittlerweile mehr als drei Monate ins Land gezogen), es gibt ihr nicht das Recht über dein Leben zu bestimmen. Selbstverständlich ist es deine Mutter und du möchtest, dass es ihr besser geht. Das ist in aller erster Linie ihre Aufgabe. Bis auf dich und deine Familie scheint sie andere Hilfsangebote strikt abzuweisen. Das ist sehr egoistisch von ihr.


    Wie wäre es, wenn ihr feste Termine vereinbart zum Telefonieren und für die Besuche?


    In ihr Kontaktverhalten sollte etwas Struktur einkehren und nicht wie gehabt, dich mit Kontakt überrumpelt. Offensichtlich sind auch andere Gesprächspartner für sie zur Verfügung.


    Du lässt sie also nicht allein mit ihren Sorgen, Problemen und Gesprächsbedarf. Das finde ich für dich einen ganz wichtigen Punkt. Es geht auch ohne dich/deine Familie für sie. Das sollte sie begreifen.


    Viel Kraft für die bevorstehende Zeit :)* @:)


    Vielleicht könnte man auch gut die Urlaubszeit benutzen (wenn ihr wegfahrt), um einen deutlichen Strich zu ziehen.

    Wenn sie wirklich in ihrem Denken schon so in diesen Ängsten um jemand anderen gefangen ist, wird man da vermutlich durch reine Appelle (liebe, direkte, heftige, aggressive...) nicht mehr "durchdringen" können. Denn das scheint mir doch eine psychische Reaktion zu sein, die das innere Chaos, dass durch den Verlust ausgelöst wurde, durch "äußere Kontrolle" über das Schicksal der anderen auffangen und ordnen will.


    Kannst du dir vorstellen, sie mal direkt darauf anzusprechen, dass sie möglicherweise krankhafte Züge entwickelt hat? Habt ihr da eine gemeinsame Ebene, auf der du sie auch mal mit solch einer eher unangenehmen Rückmeldung erreichen könntest?

    Zitat

    Nach deinem heutigen Beispiel, wäre mir der Kragen geplatzt, ganz ehrlich! Vielleicht braucht sie auch eine ganz klare und vll auch mal unfreundliche Ansage. Dieses "weichgespülte" (ist nicht bös gemeint), kann sie sich immer schönreden und auslegen, wie sie das grade braucht.

    Deutliche und teils genervte Ansagen gab es schon, aber es prallt gewissermaßen einfach ab. In der Konfrontation zeigt sie Verständnis, gibt mir recht, gelobt Besserung, nur um dann wenige Tage später wieder von vorne anzufangen.


    Der Kragen ist mir allerdings noch nicht geplatzt, das ist auch nicht so sehr meine Art. Aber vielleicht reicht es nicht "im Guten" Klartext zu reden, das kann gut möglich sein.

    Zitat

    Auch würde ich ein paar Grenzen ziehen, was das helfen angeht. Wenn zB dein Bruder angeboten hat XY zu reparieren und sie lehnt das ab, dann solltest du es nicht machen. Da würde ich ihr sage, X will dir helfen, der wohnt direkt vor Ort und hat Zeit, also nimm seine Hilfe bitte an, denn ich mache es nicht. Ist mit Sicherheit sehr schwer, aber so kann es doch echt nicht weiter laufen. Sicher hilfst du ihr gerne, aber sie kann doch nicht einfach vorraussetzen das du das machst, bzw über deine Zeit verfügen..das wäre was anderes, wenn sonst niemand da wäre.

    Daran muss ich wirklich arbeiten und auf jeden Fall konsequenter sein. In dem Punkt muss ich mich auch selbst an der Nase nehmen, denn im Grunde kann meine Mutter nur so weit gehen wie ich es zulasse. Unter normalen Umständen hätte ich auch schon lange und ohne kleinbeizugeben mein Stopp gesetzt, aber die Trauerzeit war und ist für uns alle sehr schwierig und emotional.


    Einerseits sind wir als "Ursprungsfamilie", also Mutter und wir Kinder wieder näher zusammengerückt, was gerade nach dem großen Verlust von unserem Vater eine schöne Entwicklung war, andererseits hat sich ein sehr ungesundes Verhaltensmuster mit eingeschlichen. Schwer, da wieder rauszukommen, weil ich in erster Linie meine Bedürfnisse und somit auch die meiner Familie wahren möchte, aber zugleich auch meine Mutter nicht verletzen will.

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    Das schwierige an deiner aktuellen Sitaution sehe ich in dem monatelangen Aushalten der Marotten deiner Mutter. Es scheint sich eine Art Gewohnheitsrecht etabliert zu haben und da wieder herauszufinden ist nicht so leicht.

    Genau so ist es und zum Teil muss ich da auch so einiges auf meine Kappe nehmen. Es war für uns alle eine Zeit der Trauer und dementsprechend war es auch beidseitig gewünscht und gut, intensiven Kontakt zu haben in dieser Phase.


    Für meine Mutter ist es sicher die einschneidenste Veränderung, während ich einfach zurück in meinen Alltag finden musste, muss sie sich ihren nun von Grund auf neu aufbauen und ist in der Verarbeitung mit Sicherheit nicht so weit, wie ich.

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    Einfach rigoros Nein sagen. Das betrifft auch ihre unangemeldeten Besuche. Ihr unmissverständlich sagen, dass es diese Woche überhaupt nicht passt und wieder nach Hause schicken am nächsten Tag. Telefonate und schriftliche Anfragen wie du es bereits probiert hast, erst mit großer Verzögerung beantworten. Sie sollte lernen zu akzeptieren, dass sich dein/euer Leben nicht ausschließlich um sie dreht. Das ist zu Anfang schwierig - sicherlich. Aber ein Lerneffekt wird eintreten.

    Vermutlich wird das der Weg sein, weil es anders nicht funktioniert. Mein Plan ist, noch einmal ein ernstes Gespräch zu führen und ihr in konkreten Stichpunkten zu sagen, was so nicht mehr geht und ich/wir so nicht weiter akzeptieren können. Alternativ dazu könnte ich mir auch vorstellen, einen Brief zu verfassen, damit sie mein Anliegen und unsere Grenzen ganz konkret vor Augen geführt bekommt. So oder so, danach hilft nur konsequent bleiben und das wird mir schwer fallen.


    Neben der Grenzüberschreitung, mache ich mir eben auch Gedanken und Sorgen um sie, unterstütze sie doch auch gerne und wünsche mir, dass es ihr gut geht.

    Zitat

    Wenn sie wirklich in ihrem Denken schon so in diesen Ängsten um jemand anderen gefangen ist, wird man da vermutlich durch reine Appelle (liebe, direkte, heftige, aggressive...) nicht mehr "durchdringen" können. Denn das scheint mir doch eine psychische Reaktion zu sein, die das innere Chaos, dass durch den Verlust ausgelöst wurde, durch "äußere Kontrolle" über das Schicksal der anderen auffangen und ordnen will.


    Kannst du dir vorstellen, sie mal direkt darauf anzusprechen, dass sie möglicherweise krankhafte Züge entwickelt hat? Habt ihr da eine gemeinsame Ebene, auf der du sie auch mal mit solch einer eher unangenehmen Rückmeldung erreichen könntest?

    Wenn alles andere nichts hilft, mache ich das auf jeden Fall. So unangenehm es auch ist, auf Dauer kann das kein gesundes Verhalten mehr sein, so ohne jegliches Gespür für andere und mit einer Art Tunnelblick. Ich werde es in den kommenden Wochen mit Konsequenz versuchen und hoffen, dass ich das auch so durchziehe, wie ich es mir wünsche. Je nachdem, wie meine Mutter damit umgeht, werde ich weiter sehen.


    Danke für euren Rat! @:)