• Vater hatte offenbar zweifelhafte Neigungen

    Ich habe diesen Beitrag jetzt schon x mal angefangen zu schreiben und dann doch wieder verworfen, weil ich hin und her gerissen bin, aber ich will jetzt doch mal versuchen, meine Gedanken mit eurer Unterstützung zu ordnen, weil es mir einfach keine Ruhe lässt. Mein Vater ist vor knapp 10 Jahren verstorben und ich vermisse ihn immer noch sehr. Wir hatten…
  • 140 Antworten

    Es wird wohl schon mehr sein.

    Hätte sie nur irgendwo die genannten JugendFKK Hefte gefunden, dann hätte sie sie wahrscheinlich gegoogelt, festgestellt, dass sie legal waren, angewidert in den Schredder geworfen und gut ist. Auch wenn es sicher eine faden Beigeschmack hinterlässt.

    Ähnlich wäre es wohl bei irgendwelchen Badewannnenfotos. Die hat wohl jeder von uns im Fotoalbum und deswegen kommt keiner zu Schaden, auch wenn sie der Onkel vielleicht unwissentlich sammelt um wer weiß was zu machen.


    Die TE scheint da ja etwas viel pikanteres gefunden zu haben. Sie spricht von strafrechtlicher Relevanz, möglichen Ofern innerhalb der Familie, Überlegungen ob der Vater sie entgegen ihrer Erinnerungen missbraucht haben könnte. Das weist ja schon in eine gewisse Richtung.

    Ich denke mit dem weißen Ring ist sie schon ganz gut aufgestellt, ansonsten würde ich vielleicht wirklich die Mutter mit ins Boot holen, wenn die TE eine Aufklärung innerhalb der Familie wünscht. Die wird eventuelle Verwandtschaft auf den Bildern wohl zum Teil erkennen oder zumindest Räumlichkeiten (zB das Wohnzimmer von XX).

    wintersonne 01 schrieb:

    unschön wäre es aber schon, wenn ich eine Kiste mit Nacktfotos im Nachlass meines Vaters finden würde ..sowas will man einfach nicht wissen und klar geht da das Kopfkino an

    Naja, es hängt davon ab, was man von seinem Vater kennt und wohl auch vom Menschenbild, das man hat. Eltern sind keine Ausnahmen. Mein Vater hatte so einige Pornoheftchen und natürlich habe ich sie gefunden - schon als er lebte. Ich habe sie zurückgelegt und fertig. Was soll daran ein Schock sein, dass auch er ein Mann war?

    Yurika schrieb:

    Es wird wohl schon mehr sein.

    Kann sein, muss nicht sein.

    Melete schrieb:

    Kann sein, muss nicht sein.

    Ich finde, es gehört zum Respekt gegenüber einem TE, dass man seine Aussagen nicht ohne Grund (und einen Trollverdacht sehe ich hier nicht) von vornherein anzweifelt.

    Die TE hat hier ausdrücklich und ausführlich mitgeteilt, dass sie etwas entdeckt hat, bei dem sie ziemlich sicher ist, dass es nicht nur "hässlich" (das reicht doch schon, um als Tochter "Probleme" zu kriegen) sondern ziemlich sicher strafrechtlich relevant ist und ggf auch andere Personen betrifft. Sie braucht uns hier dazu auch nicht den Sachverhalt haarklein aufzuschreiben. Wer damit nichts anfangen kann, braucht ihr ja keinen Rat zu geben.

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    Mom I am a rich man schrieb:

    Aber gut, ich schlaf da nochmal drüber und hole mir ggf. professionellen Rat, da ich selbst "Betroffene" bin und da auch nix rein projizieren möchte. Mein Vater war für mich wie gesagt ein liebender Familienvater. Wenn ein Angehöriger desjenigen, der mir etwas angetan hat, aber nach Jahren "Beweise" finden würde, dann wäre ich persönlich eigentlich froh, wenn diese dann aufgedeckt und nicht unter den Teppich gekehrt würden. Da tickt aber natürlich jeder anders und ich möchte sicher niemandem unnötig weh tun, in dem ich alte Wunden aufreiße.


    Das scheint allerdings ein Punkt zu sein, von dem du von dir auf andere schließt, weil es für dich etwas in deiner Geschichte ändern würde. Ich weiß zwar nicht, was für dich da einen Unterschied machen würde, aber du kannst nicht von dir auf andere schließen. Ich wüsste z. B. nicht, was es mir bringen sollte, wenn jetzt heute jemand nach 30 oder mehr Jahren Beweise für den sexuellen Missbrauch an mir bringen würde. Ich weiß ja, dass es passiert ist und einer der Täter zumindest ist eben mittlerweile tot. So - shit happens. Für mich längst gegessen, verdaut und ...


    Madame Charenton schrieb:

    Kindern wird immer die Aufgabe mitgegeben generationenübergreifende Verhaltens und Denkweisen aufzuarbeiten oder zu ignorieren oder diese zu übernehmen - sonst gäbe es keine Veränderung, keinen Fortschritt.

    Ich halte davon überhaupt nichts. Deswegen finde ich es auch wichtig herauszufinden, wer nun Redebedarf hat und wer das nicht will.

    Madame Charenton schrieb:

    In diesem Fall ist das besonders bitter, sollte es durch diese Vorlieben Opfer geben würde ich persönlich nicht mehr schlafen können bevor das Material nicht der Polizei übergeben wurde. Es wieder in der Kiste verschwinden zu lassen und den Schleier des Vergessens darüber zu legen funktioniert so nicht, unbewusst wird es immer da sein, du hast da wohl die Büchse der Pandora geöffnet.

    Was soll das sein? Um ehemalige Opfer oder Nachkommen von ehemaligen Opfern eine Entschädigung zahlen? Was sol da mit anderen aufgearbeitet werden können und ich meine es weiterhin auf moralischer Ebene? Das eine ist, innerfamiliär etwas aufzuarbeiten, wenn man da irgend ein moralisches Erbe sieht und die Mutter dazu bereit wäre, das andere es eben publik zu machen und sich von der Gesellschaft freiwillig stigmatisieren zu lassen. Ist ja nun nicht so, als würde man nachher sagen, oh, die arme Frau und arme Tochter. Die TE selbst hat ja schon einen Verdacht gegen die Mutter ausgesprochen und gesellschaftlich sind solche Vorwürfe noch präsenter. Haben die wirklich nichts gemerkt? Wussten sie nichts? Wenn sie es wusste, wieso haben sie damals nichts gesagt? Blablabla – kennt man doch. Wer braucht das? Die Aufarbeitung wäre ja da erst nötig, weil selbst produziert oder wenn man sich als Opfer sieht oder gesellschaftlich dazu gemacht wird. Genauso noch die Vorwürfe der Mittäterschaft an die Kernfamilie, die es genauso geben würde.

    Vielleicht war mein Großvater ein Vergewaltiger oder auch mein Vater, sehr wahrscheinlich sogar - und? Was soll ich da aufarbeiten?

    Graógramán schrieb:

    Naja. Angenommen es ginge hier um pornographisches Bildmaterial von Kindern, dann wäre jemandem etwas schlechtes angetan worden. Bilder im Kopf zu haben ist das eine. Fotografien oder Videos zu besitzen oder gar anzufertigen, das wäre (sofern es nicht um mündige Erwachsene geht!) durchaus etwas ganz anderes.

    Aktuelle Bilder, ja, aber ich würde Bildermaterial aus den 60ern nicht so einstufen. Gehört für mich in dieselbe Rubrik wie Pornographische Bilder aus den 20ern. Auch da würde ich nicht davon ausgehen, dass heut ein Hahn danach kräht.

    CoteSauvage schrieb:

    Naja, wenn ich was finde, was mein Vater aufgehoben hat, geh ich schon zunächst mal davon aus, dass das auf irgendeine Art "sein" Zeug ist. Dass das wiederum aus einem Nachlass anderer stammt würde ich jetzt eher für unwahrscheinlich halten. Aber ich hab die TE ja auch gefragt, ob sie wirklich sicher ist, woher das stammt und wer das angefertigt hat (wenn es zB Fotos sind, wo nicht der Vater drauf ist).

    Hängt davon ab. Mein Vater hatte sehr viel aus dem Nachlass seiner Eltern, ich habe da übrigens auch recht viel, von dem ich nicht einmal weiß, was das ist.

    Madame Charenton schrieb:

    kenne auch im Freundeskreis eine Familie da wurde die Cousine von einem Familienangehörigen missbraucht und als es rauskam alles schön unter den Teppich gekehrt, die Cousine leidet heute noch, der Rest schweigt

    Einen Täter gerichtlich anzuklagen, sprich eben Behörden einzuschalten ist für mich etwas anderes, als über einen Missbrauch mit Familienmitgliedern reden zu können. Geschwiegen wird ja oft aus Scham, weil sonst das Familiengefüge zerstört werden würde, etc. etc. Ein Schweigen Brechen gibt es nur, wenn auch alle ein Interesse daran haben, sonst wird man von der Familie noch mehr angeschossen, es wird lapalisiert oder es gibt Schuldzuweisungen, dass man selbst Schuld ist. Es ist ja nicht so, als würden wir in einer Welt leben, wo sexuelle Übergriffe oder sexueller Missbrauch völlig verpönt ist. Wenn man die Zahlen kennt, kann man das nicht glauben.

    Sunflower_73 schrieb:

    Ich habe beruflich auch mit Opfern zu tun, wöchentlich. Auch und gerade mit welchen, deren Missbrauch Jahrzehnte zurückreicht. Das sind tragische Schicksale, wo alles getan werden muss, damit die Betroffenen endlich einen Weg finden, mit den Erfahrungen zu leben. Unbeeinträchtigt, soweit das geht. Viele gerade aus der Generation tabuisieren den Missbrauch und es ist ein großes Geheimnis zwischen Opfer und Täter. Und oft wissen doch Menschen aus dem Umfeld Bescheid, die damals aus diversesten Gründen zugesehen, weggesehen, nicht gehandelt haben. Alles hohgradig traumatisierend.

    Ja, gerade in der älteren Generation gibt es noch einmal oft eine ganz andere Einstufung von sexuellem Missbrauch. Meine Mutter hat mir erzählt, dass sich ein Verwandter an sie herangemacht hat, als sie 9 war und sie weggerannt ist. Ich habe auch gefragt, ob sie da irgendwie daran zu knabbern hatte, aber sie meint, nö. Viele aber litten z. B. sehr an der Vergewaltigung in der Ehe, die ja ewig und einen Tag rechtlich zulässig war. Nur, weil es zulässig war, heißt es ja nicht, dass es da keinen Leid oder psychische Folgen der Opfer gab.

    Sunflower_73 schrieb:

    Aber dennoch Abhaken, denn:


    Die TE hat KEINERLEI Verantwortung für irgend etwas. Die Bilder scheinen älter zu sein, als sie es ist. Was ist da jetzt IHR Anteil? Man sollte mal weiter schauen als auf die Missbrauchsproblematik. Und da landet man ganz nüchtern bei der Tatsache, dass die TE NULL Verantwortung hat. Genau so, wie kein Opfer jemals Schuld hat am Missbrauch, hat die TE jetzt irgendeine Schuld oder Verantwortung. Wenn der Aspekt der Verjährung nicht wäre, könnte man weiterdenken. Aber dann vielleicht auch nicht ungefragt, sondern die Opfer einbeziehend. Ob sie überhaupt damit auf den Präsentierteller gezerrt werden wollen.

    Wenn es einen Verantwortlichen gibt, wäre es theoretisch der verstorbene Vater. Der nicht mehr belangt werden kann.

    Sehe ich auch so.


    schnecke1985 schrieb:

    Einfach, weil physische Beweise auftauchen, die den Prozess des (seligen) Vergessens bzw. der Verarbeitung wieder komplett zurücksetzen würden. Und dazu das Gefühl, im Bild immer weiter geschändet worden zu sein.

    Mir wäre das völlig egal, ob es nun auch einen schriftlichen oder bildlichen Beweis gibt. Ich habe das nie angeklagt und hätte es auch nicht, wenn es das Bildmaterial gegeben hätte. Es ist längst vergangen und abgehakt. Das Bild würde die eine Tat beweisen, die es auch nur einmal gegeben hat. Es würde für mich keine Vervielfältigung der Tat geben.

    Zwergenfrau schrieb:

    Ich würde es wohl nicht einfach vernichten können. Die meisten Sexualdelikte passieren innerhalb der Verwandtschaft. Die Betroffenen wird das ihr ganzes Leben verfolgen. Auch, dass generell wohl viel unter den Teppich gekehrt wird und man an sich selbst zweifelt. Und das würde ich „durchbrechen“ wollen. Vermutlich sogar müssen, um wieder ruhig schlafen zu können.

    Das würde ich nicht tun, sofern ich nicht wüsste, dass das auch familienintern erwünscht ist. Fände ich sogar ziemlich rücksichtslos, jemandem meine Wahrheit ins Gesicht zu klatschen.

    CoteSauvage schrieb:

    Die TE hat hier ausdrücklich und ausführlich mitgeteilt, dass sie etwas entdeckt hat, bei dem sie ziemlich sicher ist, dass es nicht nur "hässlich" (das reicht doch schon, um als Tochter "Probleme" zu kriegen) sondern ziemlich sicher strafrechtlich relevant ist und ggf auch andere Personen betrifft. Sie braucht uns hier dazu auch nicht den Sachverhalt haarklein aufzuschreiben. Wer damit nichts anfangen kann, braucht ihr ja keinen Rat zu geben.

    Kann sein, muss nicht sein. Das ist bei Hypothesen nunmal so.

    Mom I am a rich man schrieb:

    Das macht im Moment echt viel mit mir, wenn die Mehrheit hier schreibt, man solle einen solchen Fund vernichten und abhaken.

    Hast du denn einen inneren Druck, dich hier nach der Mehrheit zu richten?

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    gato schrieb:

    Man merkt, dass dich das sehr beschäftigt. Ich denke daher, dass du auf jeden Fall bei Opferhilfe Organisationen und auch bei auf die Thematik spezialisierte Anwälte an der besseren Adresse bist als hier im Forum. Lass dich dort beraten, welche Handlungsalternativen und welche Aussichten es gibt. Das wird dir bei der Entscheidungsfindung sicher helfen.

    Ich würde keine Freunde damit hineinziehen und sie auch noch mit diesem Wissen belasten. Deren Hilfe kann auch nur begrenzt sein. Dafür gibt es professionelle Hilfe.


    Ja, ich habe mich jetzt entschieden, mich nächste Woche erstmal professionell beraten zu lassen, bevor ich weitere Schritte unternehme und andere (v.a. meine Mutter) mit reinziehe.


    Skolka schrieb:

    Ich glaube, du solltest mit deiner Mutter reden. Es ist nicht ok, dass du alleinige Geheimnisträgerin bleiben musst. Es ist nicht ok, dass du diese schreckliche Familiengeschichte alleine tragen musst. Ich glaube viel eher, es ruft alles nach einer Auseinandersetzung mit der Thematik. Das Finden dieser Fotos war vielleicht nicht Zufall.

    Ja, ob ich damit langfristig alleine zurecht komme, weiß ich auch noch nicht. In mir schreit eigentlich auch alles nach Auseinandersetzung mit der Thematik und ich glaube, das funktioniert nicht wirklich ohne meine Mutter. Ich bin mir inzwischen auch nicht mehr sicher, ob es wirklich Zufall war, dass sie mir das Material "ungesehen" übergeben und sich nicht weiter dafür interessiert hat. Eigentlich passt das nicht zu ihr, da sie alle anderen Dinge durchaus gesichtet und geordnet hatte. Sie hat sich auch noch nicht einmal erkundigt, ob irgendwelche Wertsachen darunter waren, obwohl sie aus dem restlichen Nachlass einiges versilbert hat. Das kommt mir jetzt rückblickend irgendwie komisch vor, ihr betontes Desinteresse an genau diesen Kisten, aber vielleicht sehe ich auch langsam Gespenster.

    Es ist durchaus möglich, dass die Kisten einfach lange vergessen waren und sie sich nach 10 Jahren gar nicht mehr damit auseinandersetzen wollte. Also ich will ihr da auf keinen Fall eine böse Absicht oder gar Mitwisserschaft unterstellen und ich werde versuchen, sie möglichst lange rauszuhalten, aber ich muss tatsächlich mal sehen, wie lange und wie gut ich das schaffe, denn ich kann das Thema nicht einfach abhaken. Das ist mir nach dem Schreiben hier gestern nochmal so richtig klar geworden.


    CoteSauvage schrieb:

    Das erste wäre für mich mit diesen gemeinsam zu klären, ob und was man mit dem Ganzen aufrührt bzw aufrühren soll, also nach wie vor: Ob eine Initiative von dir bei anderen insgesamt wohl mehr Nutzen oder mehr Schaden anrichtet.

    Ja genau, dahingehend möchte ich mich auf jeden Fall beraten lassen :)z


    CoteSauvage schrieb:

    Mein Hauptaugenmerk würde ich wohl auf die Mutter legen. Wie stabil ist deine Mutter denn?

    Sie hat den Tod meines Vaters relativ gut verarbeitet und lebt inzwischen in einer neuen Partnerschaft. Ich würde sie grundsätzlich schon als stabile Persönlichkeit bezeichnen. Sie ist eigentlich eine sehr resolute Frau und hat auch klare Prinzipien. Wenn sie so etwas von einem anderen Familienmitglied (Onkel o.ä.) erfahren würde, dann wäre ihr Urteil eindeutig. Umso verheerender kann es aber natürlich auch sein, das dann über den eigenen Mann zu erfahren. Also ich denke mal, es würde sie tief erschüttern und eigentlich hat sie es nicht "verdient", dass ihr Lebensabend durch diese Thematik geprägt wird.


    Melete schrieb:

    Wenn es um Dinge geht, wie Verträge, Bilder von ihm. Wenn es um Dinge geht, die er mir vorher nicht gezeigt hat, würde ich das als einen absoluten Einbruch in die Intimsphäre eines Menschen sehen und Verletzung seiner Würde.

    Und wie sortierst du den ganzen Kram, ohne ihn zu sichten? Wird bei euch in der Familie nach einem Todesfall einfach alles ungesehen entsorgt, was euch der Verstorbene vorher nicht selbst schon einmal gezeigt hatte?

    Die Sachen befanden sich ja wie gesagt zwischen ganz "normalen" Erinnerungsstücken der gesamten Familienhistorie (Feldpost, Familienfotos, Postkarten usw.) die schon immer aufbewahrt wurden und nie ein Tabu waren. Vielleicht gibt es in anderen Familien da andere Absprachen, aber wir hatten schon einige Todesfälle und bei uns war es immer normal, dass Kisten mit Fotos usw. von den Nachkommen gesichtet und aufbewahrt werden, wenn ihnen etwas daran lag. Mein Vater hat z.B. auch alle Fotos aufbewahrt, die einst seiner Mutter gehörten, ganz unabhängig davon, ob nur sie darauf zu sehen war oder auch andere (entfernte) Verwandte und Freunde. Und wie gesagt, selbst wenn man da aussortieren wollte, muss man die Sachen ja erstmal sichten.

    Wenn ich nicht möchte, dass gewisse Dinge nach meinem Tod von anderen gesichtet werden, dann sehe ich es eher als meine Aufgabe an, diese Sachen bereits zu Lebzeiten zu entsorgen oder so deutlich als "Privatsache" zu kennzeichnen, dass niemand in die Verlegenheit kommt, sie unabsichtlich zwischen all den "normalen" Erbstücken zu finden.


    Ich habe für meine Begriffe jedenfalls nicht geschnüffelt, sondern als Erbe neben hundert schönen Familienerinnerungen eben auch einen Batzen mit diesem Schund erhalten, ohne dass ich danach gesucht hätte oder jemals so etwas hätte finden wollen.


    Melete schrieb:

    Damit machst du noch eine kryptische Schiene auf.

    Mir ist bewusst, dass die Problematik für einige vielleicht leichter zu diskutieren wäre, wenn ich ganz klar sagen würde, ich habe ABC gefunden, darauf ist zu sehen, wie man Vater XYZ tut usw. Ich habe aber auch erklärt, warum ich das Material hier nicht so genau beschreiben möchte. Vielleicht wäre es sogar besser gewesen, es noch allgemeiner zu halten, denn eigentlich steht zwischen den Zeilen schon viel zu viel und deshalb gibt es jetzt auch vermehrt konkrete Nachfragen zum Inhalt, die hier m.E. aber zu nichts führen.

    Es geht mir jedenfalls nicht darum, hier irgendwen neugierig zu machen und kryptisch zu schreiben, um andere an der Nase herumzuführen oder die wildesten Assoziationen hervor zu rufen. Ich mache das nur zu meinem eigenen Schutz und dem Schutz meiner Familie, weil ich nichts herauf beschwören möchte, was ich hinterher bereue.

    Gestern Abend habe ich sogar kurz darüber nachgedacht, ob ich die Moderation bitten sollte, das Thema besser ganz zu löschen, aber das hätte ich den vielen konstruktiven Mitschreibern gegenüber nicht fair gefunden.


    Ich möchte aber um Verständnis bitten, dass ich keine weiteren Details zum Inhalt nennen werde. Es ging mir hier nie um eine Rechtsberatung und auch nicht darum, dass andere den Inhalt bewerten. Das können ohnehin nur Fachleute und wenn jemand Bedenken hat, dass ich die ganze Sache überbewerte und völlig falsch "interpretiere", dann kann ich das an dieser Stelle nicht entkräften, ohne konkret zu werden und das möchte ich nicht. Ich kann nur sagen, dass das Material für mich persönlich eindeutig ist und ich mir sicher bin, dass mein Vater es nicht nur für irgendwen aufbewahrt hat.


    DarkerShark schrieb:

    Hast du denn einen inneren Druck, dich hier nach der Mehrheit zu richten?

    Nein. Ich danke euch daher auch für das gesamte Spektrum an Antworten, das war auf jeden Fall hilfreicher Input für mich!

    Melete Ich glaube, dass du mich falsch verstanden hast. Weder würde ich das familienintern einfach so thematisieren noch irgendwem in der Familie vor die Füße klatschen.


    Mein Vorgehen bestand aus Opferhilfe, dann ggfs. Anwalt und Polizei. Ich habe als Opfer selbst Erfahrung mit den Beamten aus der Abteilung Kinder- und Jugendpornographie des hiesigen Präsidiums.

    Mom I am a rich man schrieb:

    Das kommt mir jetzt rückblickend irgendwie komisch vor, ihr betontes Desinteresse an genau diesen Kisten, aber vielleicht sehe ich auch langsam Gespenster.

    ja das glaube ich auch ...nie und nimmer hätte deine Mutter dir die Kisten gegeben, wenn sie gewusst hätte was drin ist, dann hätte sie diese vernichtet.

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    CoteSauvage schrieb:

    Das erste wäre für mich mit diesen gemeinsam zu klären, ob und was man mit dem Ganzen aufrührt bzw aufrühren soll, also nach wie vor: Ob eine Initiative von dir bei anderen insgesamt wohl mehr Nutzen oder mehr Schaden anrichtet.


    Mom I'm a rich man schrieb:

    Ja genau, dahingehend möchte ich mich auf jeden Fall beraten lassen :)z

    Wobei ich glaube: keiner kann dir wirklich abnehmen, festzulegen, was "aufrühren" oder "Nutzen" oder was Schaden ist. Und auch die Quantifizierung des Schadens oder Nutzens ("mehr") kann dir letztlich keiner abnehmen. Aber diese Berater können ihre Meinung, Erfahrung oder Rechtsauslegung nennen. Trotzdem wird es am Ende auch maßgeblich an deinen eigenen moralischen Maßstäben hängen bleiben.


    BTW: die Mutter würde ich mit einbeziehen. Auf jeden Fall, falls sie Teil der Abbildungen ist, und damit ihre Anwesenheit unstrittig wäre. Und sonst auch. Ich finde, sie sollte dazu etwas sagen können. Und wenn das gesagte nicht krass im Widerspruch zu den Bildern steht, würde ich ihr auch erstmal glauben. Ich finde wichtig, dass sonst so eine quasi verdeckte Anschuldigung (und sei es des Wegsehens) nicht über Jahre verdeckt bleibt.

    Liebe TE,


    ich kann sehr gut verstehen, dass du das Thema nicht mehr einfach so abhaken kannst. Ich finde es auch sehr stark und mutig von dir, dass du a) die Kiste nicht einfach entsorgt hast oder b) direkt zu deiner Mutter gegangen bist.


    Stattdessen machst du dir intensiv Gedanken. Wichtig ist auch, dass du schaust was nun für dich das beste ist. Du bist schuldlos und völlig überraschend in diese Situation geraten - weil jemand anders eine vermeintliche Straftat begangen hat und es nun auf deinen Schultern abgeladen hat (wenn auch unbeabsichtigt und durch Zufall). Es ist dein absolut gutes Recht, nun zu schauen wie du diese Bürde wieder abschütteln kannst.


    Und einfach alles vernichten klingt vielleicht erstmal wie der einfachste Weg (auch im Hinblick auf deine Mutter), aber sicherlich nicht für den besten Weg für dich, - die Büchse der Pandorra wurde nun geöffnet, da gibt es jetzt eigentlich keinen Weg mehr zurück zu den „guten alten Zeiten“.


    Was ich als nicht unerheblich für dein weiteres Vorgehen fände, ist die Frage ob die Fotos zweifelsfrei in Zusammenhang mit deinem Vater stehen. Ist er ebenfalls auf jenen Fotos zu sehen, welche dich so verstört haben? Wenn dies der Fall ist, würde ich an deiner Stelle damit deine Mutter konfrontieren. Dann kann sie nicht abstreiten oder böse auf dich sein, was du dir zurechtspinnst (man weiß ja nie wie Menschen auf soetwas reagieren), dann wäre es ein ganz eindeutiger Beweis.


    Wenn du Geschwister hast, wäre ich auch um sie besorgt, - was ebenfalls dafür spräche, die Sache mit der Familie zu besprechen. Wie du schon sagst, du erinnerst dich nicht, dass er dir was getan hat, aber das heißt ja noch lange nicht, dass dies bei deinen Geschwistern auch so ist. Mir wäre es 1000mal wichtiger, dass meinen Geschwistern/ Cousinen lieber spät als nie geholfen wird, als das Image einen Verstorbenen zu unrecht aufrecht zu erhalten.


    Du musst die Frage nicht beantworten, aber mir hat sie sich leider direkt aufgedrängt: könnte es sein, dass dein eigener Missbrauch, den du deinen Berichten zufolge leider erleben musstest, am Ende auch irgendwie über Ecken mit deinem Vater zusammenhängen könnte?


    Ich verstehe einfach nicht wie so viele hier schreiben konnten, dass du es einfach ignorieren sollst, ich finde das unfassbar. Gerade auch, wenn es sich auf den Bildern tatsächlich auch um Verwandte handeln könnte. Aber Fakt ist doch, dass auf dem Bildern vermutlich Opfer zu sehen sind. Menschen, denen man damals vielleicht nicht geglaubt hat, als sie sich jemandem anvertraut haben. Menschen denen das passiert ist und die heute damit leben müssen. Da dein Vater tot ist; wird es sowieso zu keinem Prozess kommen. Aber vielleicht hilft es den Opfern trotzdem wenn die Wahrheit zumindest ans Licht kommt und sie gehört werden - wenn sie es aus irgendeinem Grund bisher selber nicht geschafft haben, sich Gehör zu verschaffen.

    DarkerShark schrieb:

    Auf jeden Fall, falls sie Teil der Abbildungen ist, und damit ihre Anwesenheit unstrittig wäre.

    im eingangsbeitrag hat die TE doch geschrieben, daß ihr vater ihre mutter erst 20 jahre später kennengelernt hat. ":/

    für mich würde das auch das desinteresse der mutter an den kisten erklären, so nach dem motto "war vor meiner zeit, ist die letzten jahrzehnte am dachboden herumgekugelt, also was solls." ihre gemeinsamen erinnerungsstücke wird sie vermutlich anders gesichtet haben.


    ich frag mich trotzdem, ob das, was man da sieht, wirklich so eindeutig ist, wie es heute erscheinen mag. irgendwie macht es mich stutzig, daß- sollte es sich wirklich dinge handeln, die damals strafrechtlich relevant waren- der vater das so "locker" zwischen den anderen photos der familie etc. aufgehoben hat. vorallem, wenn er selbst mit drauf abgebildet ist und ganz klar eine straftat zu erkennen wäre.


    ich würde es ja so machen, wenn du einzelne personen auf diesen fotos erkennst (also außer deinem vater) bei denen ganz vorsichtig mal nachfragen, wie das verhältnis zu deinem vater eigentlich früher war, usw. also praktisch offen sein für ein gespräch, aber nicht die person drängen oder gleich mit dem konkreten verdacht konfrontieren. und dann einfach mal schaun, was die erzählen. kann natürlich sein, daß abgeblockt wird, aber vielleicht auch nicht. und evtl. klärt sich das in einem offenen gespräch auch anders auf, als du denkst.

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    Wenn es "rauskommt", kann es sein, dass deine Familie, und damit auch du, im sozialen Umfeld geächtet wird. Jeder Gang vor die Tür kann zum Spießrutenlaufen werden. Habt ihr Wände, die man beschmieren kann? Ganz besonders bei den Jungs werden die Nachbarn hinschauen, ob sie auch solche Neigungen haben.


    Selbst ein Polizeiauto, in das Kisten gestellt werden, kann zu Nachfragen führen.


    Wenn du mit jemandem redest, dann nur mit einer Person, die eine Schweigepflicht hat.

    Lou24 schrieb:

    Aber Fakt ist doch, dass auf dem Bildern vermutlich Opfer zu sehen sind. Menschen, denen man damals vielleicht nicht geglaubt hat, als sie sich jemandem anvertraut haben. Menschen denen das passiert ist und die heute damit leben müssen.

    Wir wissen nicht, was auf den Fotos zu sehen ist. Da von Fakten zu sprechen halte ich für weit hergeholt. Wir wissen nicht mal, ob der Vater auf den Fotos ist und diese zweifelsfrei mit ihm in Verbindung gebracht werden können.

    Ich finde es sehr naiv zu glauben, dass man mit 60 Jahre alten Fotos irgendeine Wahrheit aufdecken und Traumata heilen kann. Wäre schön, aber so einfach funktioniert das nicht.

    Vorab eine Anmerkung:

    Seit dem 01.01.2013 gilt bei uns in der Schweiz die Unverjährbarkeit sexueller und pornografischer Straftaten an Kindern und ist gesetzlich verankert. Zumindest in der Schweiz ist also das Argument der Verjährbarkeit nichtig. Dies ist im Fall des Täters zwar irrelevant, wenn er bereits tot ist, aber nicht für die Betroffenen. Betroffene haben z.B. Anrecht auf Opferhilfe (finanziell, psychisch, juristisch, etc.) und das ist sehr wohl elementar.


    Ich bin relativ fassungslos über gewisse Beiträge von Frauen hier, die dazu raten zu schweigen, ruhen zu lassen, wegzulegen, wegzupacken. Hätten Frauen in der Vergangenheit eine derart feige Grundhaltung an den Tag gelegt, wäre eine meToo-Bewegung niemals zustande gekommen, nie wären Sexualstraftäter wie ein Weinstein, Epstein, und so viele andere entlarvt und bestraft worden. Schweigen ist feige.


    Natürlich gibt es die Seite der betroffenen Frau, die für sich genau abwägen muss, was sie aushalten kann und was nicht.


    Aber hier wird von einigen Frauen geradezu so getan, als sei es etwas seltsam, dass man dabei überhaupt Schlafstörungen entwickeln kann, dass man es nicht schafft, den Vater in alter Erinnerung zu behalten, als sei es seltsam, dass man absolut aufgewühlt ist oder man dem Gefundenen nachgehen möchte. Ganz schlimm: Was wühlst du überhaupt in fremden Kartons... Auch dieses ständige Nachfragen nach mehr Details, es sei alles zu kryptisch, ist eine Frechheit. Die TE hat genügend gesagt und sie hat bereits im EP gesagt, dass sie nicht mehr dazu sagen möchte. Aber nein, auch auf Seite 7 muss man nochmals und nochmals nachfragen.


    Ich staune und bewundere deine Ruhe in deinen Antworten, Mom. Du wirst sicherlich zu einer für dich richtigen Entscheidung kommen.

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