Vater hatte offenbar zweifelhafte Neigungen

    Ich habe diesen Beitrag jetzt schon x mal angefangen zu schreiben und dann doch wieder verworfen, weil ich hin und her gerissen bin, aber ich will jetzt doch mal versuchen, meine Gedanken mit eurer Unterstützung zu ordnen, weil es mir einfach keine Ruhe lässt.


    Mein Vater ist vor knapp 10 Jahren verstorben und ich vermisse ihn immer noch sehr. Wir hatten ein sehr inniges Verhältnis - dachte ich zumindest. Nun habe ich aber Dinge gefunden und erfahren, die mich verstören.


    Meine Mutter hat bislang den Nachlass verwaltet, da sie aber einen Umzug plant, möchte sie sich von einigen Dingen trennen, darunter auch etliche Kisten meines Vaters. Sie hat die Kisten wohl selbst nie mehr angeschaut nach seinem Tod, da es sich um Dinge handelte, die auch zu Lebzeiten schon jahrelang auf dem Dachboden verstaubten. Ich wollte aber nicht, dass sie etwas wegwirft, also habe ich die Sachen nun an mich genommen und seit Weihnachten nach und nach gesichtet.


    In den Kisten befanden sich zahlreiche Briefe, Fotografien und Zeitschriften. 75 Prozent davon war in meinen Augen "normaler Kram", also Postkarten, Familienfotos und belangloser Krempel. Die anderen 25 Prozent bereiten mir allerdings schlaflose Nächte, denn mein Vater hatte offenbar Neigungen, von denen niemand etwas wusste, weil ihn sicher jeder dafür verurteilt hätte.


    Ich möchte hier nicht genau sagen, um welche Art von Material es geht, weil ich die Tragweite noch nicht wirklich abschätzen kann. Nur so viel: ich bin selbst nicht prüde, also ein paar normale Schmuddelheftchen oder auch Fetischkram würde mich an sich nicht schockieren. Bei den Dingen, die ich gefunden habe, stellt sich eher die Frage nach strafrechtlicher Relevanz.


    Daher auch mein Zwiespalt jetzt: weiterforschen und evtl. sogar rechtlichen Rat einholen oder alles vernichten und das Thema und meinen Vater in Frieden ruhen lassen?


    Das Material ist augenscheinlich schon etliche Jahrzehnte alt, entstanden irgendwann in den 60ern würde ich schätzen. Meine Mutter hat er erst 20 Jahre später kennengelernt und für uns Kinder war er ein liebender Familienvater. Ich frage mich daher, ob das in den 60er Jahren bei ihm nur eine "Phase" war oder ob er sich auch später noch mit diesen Dingen beschäftigt hat. Jüngeres Material habe ich nicht gefunden, was entweder bedeuten kann, dass es keins gab oder dass er es vernichtet und an den alten Krempel nur nicht mehr gedacht hat.


    Für mich stellt dieser Fund im Grunde alles in Frage. Ich habe nun das Gefühl, meinen Vater nicht wirklich gekannt zu haben und wenn er noch leben würde, dann würde ich der Sache auf jeden Fall nachgehen. Das sähe ich als meine Pflicht und ich würde ihn auf jeden Fall damit konfrontieren und nach Antworten suchen.

    Aber 10 Jahre nach seinem Tod?

    Wie sinnvoll ist das jetzt noch?


    Ich könnte jetzt noch ewig weiterschreiben, weil meine Gedanken um x Aspekte kreisen, aber ich belasse es erstmal dabei und freue mich über Input von euch, damit ich mich nicht permanent weiter im Kreis drehe.

  • 140 Antworten

    Dass du jetzt erstmal schockiert bist und alles infrage stellst, kann ich verstehen.

    Ich persönlich würde aber wohl den Weg des Abhakens wählen. Würdest du noch irgendwas rausfinden, würde es ja nix als unnötigen Stress bringen. Also ich würde es lassen.

    Selbst wenn es strafrechtlich relevant wäre - gegen Tote kann man nicht ermitteln.

    Das kann aber niemand sagen, weil hier keiner weiss, was nun auf den Fotos drauf ist.


    Also musst Du letzten Endes diese Bilder mit Dir ausmachen.


    Jeder Mensch hat ein Recht auf seine Geheimnisse, auch wenn sie auf andere befremdlich wirken.

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    GastFrau schrieb:

    Jeder Mensch hat ein Recht auf seine Geheimnisse

    Gibt's da in deinen Augen wirklich keinerlei Grenzen? ":/ Das erstaunt mich jetzt schon :-/

    Mom I am a rich man schrieb:

    Gibt's da in deinen Augen wirklich keinerlei Grenzen?

    Grenzen setzt in meinen Augen lediglich das Strafrecht ... aber wie gesagt, selbst wenn die Fotos strafrechtlichen Charakter hätten - gegen Tote kann man nicht ermitteln.

    Dass Dein Bild von Deinem Vater erschüttert ist und Du ihn jetzt nach diesen Fotos mit anderen Augen siehst, verstehe ich sehr gut, kann das auch nachfühlen.


    Aber ich sehe es immer noch so - Jeder Mensch hat ein Recht auf seine Geheimnisse.

    Was für rechtlichen Rat? Wofür? Dein Vater ist seit 10 Jahren tot, was willst Du da rechtlich unternehmen?
    Vielleicht ist eher psychologischer Rat für Dich sinnvoll, wenn Du so damit zu tun hast.

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    Interessant, wie die ersten Reaktionen hier ausfallen. Da sieht man mal, dass man sich alleine wohl tatsächlich in etwas verrennen kann...

    Mir ist klar, dass gegen Tote nicht verhandelt wird, aber es geht dabei doch nicht nur um meinen Vater. Er ist tot, aber es kann doch noch lebende Betroffene geben, für die es sehr wohl eine Rolle spielt, dass so etwas aufgeklärt wird. Daran dachte ich jedenfalls.

    Mom I am a rich man schrieb:

    Interessant, wie die ersten Reaktionen hier ausfallen. Da sieht man mal, dass man sich alleine wohl tatsächlich in etwas verrennen kann...

    Mir ist klar, dass gegen Tote nicht verhandelt wird, aber es geht dabei doch nicht nur um meinen Vater. Er ist tot, aber es kann doch noch lebende Betroffene geben, für die es sehr wohl eine Rolle spielt, dass so etwas aufgeklärt wird. Daran dachte ich jedenfalls.

    Die können sich als Betroffene selbst ‚helfen‘. Es ist Jahre her, wozu alte Wunden aufreissen?

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    Mom I am a rich man schrieb:

    aber es kann doch noch lebende Betroffene geben, für die es sehr wohl eine Rolle spielt, dass so etwas aufgeklärt wird.

    Dann bleibt Dir nur der Weg zur nächsten Polizeistation, wenn Du der Meinung bist, dass auf den Fotos Sachverhalte abgebildet sind, die der Aufklärung bedürfen.

    Denke aber dran, wenn der Ball erstmal bei der Polizei/Staatsanwaltschaft landet und losrollt, ist er nicht mehr aufzuhalten.

    Sapient schrieb:

    Es ist Jahre her, wozu alte Wunden aufreissen?

    Also sollten Verbrechen nach Jahren besser nicht mehr aufgeklärt werden? ":/ Frage ich mich jetzt mal so ganz allgemein, ohne meinen eigenen Vater direkt zu meinen, aber ich bin echt erstaunt, dass es mit dem Tod eines (potentiellen) Straftäters quasi erledigt sein soll.


    Aber gut, ich schlaf da nochmal drüber und hole mir ggf. professionellen Rat, da ich selbst "Betroffene" bin und da auch nix rein projizieren möchte. Mein Vater war für mich wie gesagt ein liebender Familienvater. Wenn ein Angehöriger desjenigen, der mir etwas angetan hat, aber nach Jahren "Beweise" finden würde, dann wäre ich persönlich eigentlich froh, wenn diese dann aufgedeckt und nicht unter den Teppich gekehrt würden. Da tickt aber natürlich jeder anders und ich möchte sicher niemandem unnötig weh tun, in dem ich alte Wunden aufreiße.


    Für mich ist es nur tatsächlich ein moralischer Zwiespalt.

    Bei Kinderpornographie wäre bei mir eine Grenze überschritten, zum Beispiel. Da geht es ja definitiv auch um Opfer oder vielleicht Täterkreise, die es heute noch geben könnte. Und darum, dass der Besitz solchen Bildmaterials strafbar ist. Falls man nicht gleich zur Polizei mag, könnte man eventuell beim Weißen Ring oder so fragen, was man tun sollte und könnte?


    Falls es um Sex mit Tieren geht, würde es mich auch sehr anwidern. Aber da würde ich den Kram vermutlich einfach entsorgen. Genauso bei Schmuddelkram mit Exkrementen oder so..

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    Ich weiß nicht was du dir bei dieser Problematik ausgerechnet in einem Laien Medizin Forum erhoffst?

    Du solltest dich rechtlich beraten lassen. Am besten nicht im Internet sondern im echten Leben.

    Mabarella schrieb:

    Ich weiß nicht was du dir bei dieser Problematik ausgerechnet in einem Laien Medizin Forum erhoffst?

    Ich dachte, hier in diesem Unterforum kann man mit anderen über "Beziehungsprobleme" sprechen und für mich ist es das im weitesten Sinne. Also es geht einerseits um mein Verhältnis zu meinem verstorbenen Vater und eben auch um die moralische Frage, wie ich mit diesem Wissen umgehe und mit wem ich z.B. familienintern darüber sprechen kann/sollte oder auch nicht.


    Um eine rechtliche Bewertung geht es mir ja nicht, die kann und soll hier niemand leisten, vielleicht ist das ein bisschen falsch rüber gekommen durch die letzten Beiträge.

    Kein Kind weiß alles über die Eltern, alle haben Geheimnisse und die Elternrolle, ist eine Rolle, Vorbild, Mentor, Kummerkasten aber eben nicht beste Freundin.

    Ich würde das Thema abhacken, dein Vater ist verstorben und die Betroffenen werden um die 60 sein oder schon gar nicht mehr leben. Behalte ihn in Erinnerung, so wie du ihn kanntest und schließ das Kapitel mit der Dachbodenkiste.

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