Vergleich von deutschen und amerikanischen Beziehungen/Ehen

    Mir ist mal etwas aufgefallen, wo ich gerne eure Meinung dazu wüsste.


    Mein 3 Jahre jüngerer Bruder lebt seit einigen Jahren in den USA und hat vor wenigen Jahren geheiratet. Soweit auch glücklich, 1 Kind bekommen und Haus, Hund, Kegel vorhanden, perfekt.


    Er ist Mitte 20 und wenn ich ihn mit gleichaltrigen Männern in Dtl. vergleiche, dann ist er schon ziemlich reif. Nur ist das nicht nur bei ihm so. Ich war ihn mal besuchen und die meisten Männer in seinem Alter sind verheiratet, planen Kinder etc.


    Es wirkt auch alles sehr glücklich, sie sagen, Treue ist das A und O etc.


    Nun frage ich mich: Wie viel davon ist Fassade? Hat hier jdm. vielleicht mal in den USA gelebt und kann meine Ansichten teilen bzw. mir das erklären?

  • 92 Antworten

    Welcher Bundesstaat? Stadt oder Land? Religiöser Backround seiner direkten Umgebung? Gerade letzteren darfst Du in den USA nicht unterschätzen. Das ist nicht überall so frei wie hier in Europa. Es gibt Landstriche das wirst Du aktiv ausgegrenzt, wenn Du nicht oder selten in einer Gemeinde blicken lässt.


    Ist Dein Bruder in Texas? ;-)

    Ja, religiöser Background, sogar ziemlich religiös, auch aktiv in einer Kirchengemeined (christlich). New York.


    Mich stellt sich einfach die Frage, ob die Ehen da wirklich glücklicher sind, weil es von der Umgebung erwartet wird (auch, dass man sich fest bindet etc.) oder ob es Fassade ist.

    Ja, aber diese Männer scheinen dort alles dafür zu tun, dass die Ehen funktionieren, das die Frau glücklich ist, und wieso sollten sie das tun, wenn sie es nicht selber tun WOLLEN würden?!


    Wieso toben sich diese Männer nicht wie viele deutsche Männer bis 35 aus sondern binden sich so früh?


    Liegt es nur an dem "Druck" der Umgebung, oder ist es eine Frage der Mentalität?


    Sind diese Männer wirklich "treuer" oder wollen sie es nur sein...

    Zitat

    Mich stellt sich einfach die Frage, ob die Ehen da wirklich glücklicher sind, weil es von der Umgebung erwartet wird (auch, dass man sich fest bindet etc.) oder ob es Fassade ist.

    Das wird man wohl nur im Einzelfall beantworten können.


    Ich denke, eine ähnliche Einstellung zu haben (z.B. eben, dass die Ehe wichtig und auch nicht einfach zu lösen ist), die dann auch von der Umgebung bestärkt wird, kann bestimmt helfen, sich einmal mit seiner Lebensentscheidung wohl und sicher zu fühlen und auch dabei, Krisen zu überstehen und mit alltäglichen Schwierigkeiten fertig zu werden. Wenn es grundsätzlich passt und man mit dieser Lebensführung im Reinen ist. Wenn eines oder beides nicht der Fall ist, ist so ein Umfeld vermutlich sehr schwierig und ein Bruch damit eine größere Herausforderung.

    Zitat

    Du verallgemeinerst zu sehr.


    Zu mal du eine religiöse Gemeinschaft zum Verallgemeinern nimmst.


    Das hat ja nichts mit dem Durchschnittsamerikaner/deutschen zu tun.

    :)z


    In religiös geprägten Familien/Landstrichen in D sieht es ja auch anders aus als in wenig religiösen/(groß)städtischen Umgebungen.

    Wobei da ja nicht nur das durchschnittliche Heiratsalter zu berücksichtigen ist, sondern auch wie viele Paare tatsächlich Heiraten.


    Meine Schwägerinnen sind beide seit über 20 Jahren vergeben, die eine hat mit ihrem Partner Familie und Kinder. Verheiratet sind die beiden nicht.

    Also Kinder bekommen ohne Heiraten ist bei denen, zumindest in den religiösen Teilen, in den USA ein totales Tabu! Die Familien bestehen förmlich drauf, dass die Tochter erst geheiratet wird und dann das Kind bekommt.

    Zitat

    Die Familien bestehen förmlich drauf, dass die Tochter erst geheiratet wird und dann das Kind bekommt.

    Mag sein, wobei das sicher nicht immer und überall ganz allgemeingültig so ist.


    Und ich würde meiner Familie was husten, wenn die sich in meine Partnerschaft bzw Familiengründung einmischen würden ;-D Ich meine hej, man plaudert ja nicht so Sonntags am Mittagstisch "Mama, Papa, also wir denken gerade darüber nach ein Kind zu bekommen. Was meint ihr dazu?" Und die Eltern dann "Liebes Kind, lieber Partner unserer Tochter. Wir bestehen förmlich darauf, dass erst geheiratet wird und dann das Kind kommt!" ;-D


    Zumindest ich sehe mich als eigenständigen, erwachsenen Menschen. Ob und wann ich heirate und ob und wann ich ein Kind bekomme, das mache ich ausschließlich mit mir selbst und meinem Partner aus.


    Warum sollte es erstrebenswert sein, wenn die Familie da immer ein Wörtchen mitzureden hat?

    Zitat

    Die Familien bestehen förmlich drauf, dass die Tochter erst geheiratet wird und dann das Kind bekommt.

    Das hängt mit dem Unterhaltsrecht zusammen das für unverheiratete Paare deutlich anders ist als hier - auch noch Bundesstaat abhängig. Zwar sind unverheiratet Partner, die das Kind nicht im Haushalt haben prinzipiell unterhaltspflichtig, aber das wird wohl in unterschiedlichen Bundesstaaten unterschiedlich rechtlich ausgestaltet ( hängt mit deren Fallbezogener Gesetzgebung zusammen) und ist für Kinder, die in einer Ehe geboren wurden deutlich anders.

    Prinzipiell is NY ja ein sehr breitgefächertes Pflaster. Da gibts also auch alles. Dein Bruder scheint da eben in wertkonservative religiöse Kreise geraten zu sein.

    Zitat

    Ja, aber diese Männer scheinen dort alles dafür zu tun, dass die Ehen funktionieren, das die Frau glücklich ist, und wieso sollten sie das tun, wenn sie es nicht selber tun WOLLEN würden?!

    Hat in religösen Kreisen schon auch was mit Peer Pressure zu tun. Was prinzipiell von der Mentalität her anders ist, ist dass wenn Du von Mittelschicht nach Oberschicht willst Du auf jeden Fall soziales Engagement vorweisen musst. Sprich Du brauchst um in gewissen Kreisen anzukommen schon einen Nachweis, dass Du die für sozial Schwächere, die Umwelt, Gemeinde, Tiere oder was auch immer engagiert hast. Ohne Beziehungen geht auch nix und wer nichts vorzuweisen hat bekommt an bestimmten Stellen keinen Fuss in die Tür. Das ist auch verständlich, weil der Staat deutlich weniger Sozialleistungen abdeckt als hier und das Meiste über private Organisationen und Stiftungen gestemmt wird.

    Zitat

    Wieso toben sich diese Männer nicht wie viele deutsche Männer bis 35 aus sondern binden sich so früh?

    Mein persönlicher Eindruck in der Phase in der ich viel mit Amerikanern zu tun hatte (22-24) war das die sehr viel wertkonservativer sind als Deutsche, allerdings auch deutlich unreflektierter in dem Alter. Die finden es merkwürdig, wenn Du als Frau sagst - ich weiss noch nicht ob ich Kinder will, weil die das als Meilenstein automatisch übernommen haben. Zumindest die mit denen ich zu tun hatte ;-). Die hinterfragen wohl erst später, wobei die Frauen deutlich weniger werkonservativ zu sein schienen, als die Männer. Da wurde dann "unter Frauen" schon auch mal gesagt: ich will keine Kinder, aber das muss ja noch keiner nicht wissen.


    Kann aber auch bei mir mit der "Sorte" zu tun haben, die ich kennen gelernt habe (obere Mittelschicht Philly & Bosten). Die scheinen früh auf die Karriereschiene eingeeicht, voll davon überzeugt zu sein und die erste richtig heftige Krise über 30 zu schieben (zumindest was ich noch so über FB verfolge).


    Dadurch dass - zumindest in dieser Schicht - soziales Engagement sehr früh in den Lebenslauf gehört und auch verlangt wird (teilweise auch von Arbeitgebern) scheinen die Männer dort im Schnitt ein anderes soziales Bewusstsein zu haben als die Deutschen. Das merke ich auch bei meinem Partner (er ist Australier) deutlich. Das ist schon ein Mentalitätsunterschied. Ich würde ihn allerdings nicht als wertkonservativ bezeichnen .