Verhalten Vater (70) fällt unangenehm auf. Was steckt dahinter?

    Hallo ihr Lieben,


    mein Vater ist schon von je her mit seinem Verhalten bei vielen Menschen angeeckt, also am Alter kann es nicht nur liegen. Aber es ist in letzter Zeit deutlich schlimmer/auffälliger geworden. So dass er auch schon einige Langjährige Freunde/Nachbarn verprellt hat. Er benimmt sich oft unmöglich von oben herab, schwingt die Moralkeule, stur, lässt sich nichts sagen, null kritikfähig, prahlt was für ein toller Hecht er ist":/

    Was neu ist, ist dass er sich unmöglich aufführt wenn Leute "neu" sind bzw er sie nicht so gut kennt. Da gab es in letzter Zeit mehrere Situation in denen ich mich geschämt habe, dass er mein Vater ist.

    Er sollte meine zukünftigen Schwiegereltern kennen lernen, die bei uns zu Besuch waren inklusive Schwestern meines Partners+Family. Es war ein Treffen mit der Familie und er sollte dazu kommen zum Kennen lernen.

    Er kam und stellte sich sofort in den ?Mittelpunkt und faselte nur von sich: Ich bin der Soundso, mein Haus ist schön lange abbezahlt, ich suche mur nur intelligente Freunde und alles in einer Lautstärke, oh man. Ein langer Monolog ohne dass danach gefragt wurde. Andere Unterhaltungen waren nicht mehr möglich, weil er sich so in Szene gesetzt hat. Es war mir sehr unangenehm. Hinzu kommt noch, dass er Un-/Halbwahrheiten verbreitet um besser da zu stehen.

    Solche Situation kamen in letzter Zeit öfter vor.

    Steckt da eventuell was Krankhaftes dahinter?

    Solche Situationen häufen sich in letzter Zeit und ich würde ihm am liebsten auch aus dem Weg gehen, weil er ein unangenehmer Mensch (geworden) ist...

    Er ist alleinstehend, körperlich noch recht fit, hat 2 Kinder.

  • 18 Antworten

    Da müsste man jetzt ganz tief in die Glaskugel schauen. Ist er sozial eingebunden, hat er Freunde, Hobbys, reale, ehrliche Bestätigung seiner Person?

    Zitat



    Verhalten Vater (70) fällt unangenehm auf. Was steckt dahinter?

    Demenz oder frontotemporale Demenz wären zu überlegen.


    Es ist sinnvoll ihn darauf testen zu lassen.

    mnef

    Er hat schon soziale Kontakte, allerdings vor allem telefonisch, da sie weiter weg wohnen. (Geschwister, alte Studienfreunde etc)

    Die Leute aus dem direkten Umfeld hat er durch seine (komische) Art leider fast alle verprellt:-/

    Er ist aber sportlich aktiv, mehrmals die Woche schwimmen und fährt jeden Tag Rad.

    AnnaKarma

    Er wirkt schon aufgekratzt würde ich sagen.

    Mein Bruder meinte dazu, er sei bei Ihnen, als seine Schwiegereltern da waren, "ausser Rand und Band gewesen"...

    gesternwars

    Ohje, könntest du da eventuell ein Beispiel nennen?

    Er würde nicht freiwillig zum Arzt gehen, ist wie gesagt recht.


    Auffällig auch, als er Anfang des Jahres zum runden Geburtstag seiner Schwester war (300km), plant er scheinbar mit wem er sich unterhält bzw um wen er sich "kümmert"(seine Worte) Ließ sich alle Namen geben von den Gästen und rief sogar einen Gast vorher an, den er einmal in seinem Leben gesehen hat, im ihm zu sagen er freue sich ihn da zu sehen. Das fand ich schon sehr merkwürdig und besagter Gast sicher auch.

    Nur Frage ich mich da, warum, denn da waren viele ihm nahe Stehende, mit denen er reden könnte. 3 Geschwister, Neffen, Nichten usw. Ich denke er möchte neue Leute irgendwie beeindrucken, nur klappt das gar nicht :-/

    Die Schwiegereltern meines Bruders sind eher ruhig und zurückhaltend. Bei einem Familienfest hat mein Vater diese so aufdringlich zugetextet, dass sie nur noch getrennt von ihm eingeladen werden wollen%:|

    Ist sein "Betätigungslevel" denn gleich geblieben?

    Kennt sein Arzt ihn so "gut", dass ein Verlauf -auch ohne benennen von Symptomen seinerseits/ohne Krankheitseinsicht- für diesen erkennbar wäre?


    Es gibt Demenzerkrankungen (wurden hier ja bereits genannt, z.B. Pick-Demenz), bei welchen sich zunächst zwischenmenschliches Verhalten, Berücksichtigung gesellschaftlicher Regeln, moralische Vorstellungen usw. auffallend ändern, das Gedächnis bleibt (zunächst) unberührt. Die Diagnostik gestaltet sich dann etwas umständlicher, vor allem, wenn er sich ungern einlässt/keine Notwendigkeit sieht.


    Wenn er alleinstehend ist, gibt es Personen, die seine scheinbar zunehmende Veränderung bemerkt haben (eine Erkrankung ist bereits in jüngeren Jahren möglich) und ihn trotz Verprellens zum Arzt begleiten bzw. diesen darauf aufmerksam machen könnten?

    Wobei das vermutlich für ihn wieder absolut nicht in Frage kommt... .


    Hat er irgendwo Therapien o.ä.von denen regelmäßig ein Bericht an den Hausarzt geht und legt er dort ein ähnliches Verhalten an den Tag?

    Alias 975612 schrieb:

    Er würde nicht freiwillig zum Arzt gehen, ist wie gesagt recht.

    Entschuldigung. Ich habe den Beitrag erst nach dem Absenden angezeigt bekommen.

    ~trugbild~

    Danke für deine Antwort.

    Ich dachte bisher tatsächlich, dass sich Demenz eher anders äussert, werde ich mich da aber später genauer einlesen:)^

    Mein Bruder und/ oder ich würden ihn zum Arzt begleiten, das würde er aber nicht wollen. Er lehnt alle "Hilfe" ab. Wegen Corona bot ich ihm an für ihn einzukaufen etc, keine Chance.

    Er geht regelmäßig zum Internisten, den kennt er auch privat. Vielleicht könnte ich den mal kontaktieren...


    Sein Bestätigungslevel war schon immer hoch. Er hat es nicht verkraftet, dass meine Mutter und seine Lebenspartner in ihn verlassen haben.


    Einmal hat er mir ganz stolz erzählt, dass ein ihm bis dahin unbekanntes Pärchen, welches er auf einem Geburtstag kennen lernte, später zum Gastgeber meinte wie intelligent der Herr Soundso(er) doch sei. Das fand ich schon etwas peinlich von ihm wie er das so stolz erzählte ":/

    (Inelligent/Gebildet ist er)

    Manchmal kommt er mir vor wie ein Hündchen, das beachtet werden will.

    Einerseits tut er mir leid, aber es stösst mich auch ab.

    Vor allem dieses Aufdringliche und das Nicht akzeptieren/ ignorieren, wenn jemand nichts mehr mit ihm zu tun haben will...

    Ich glaube, Du wirst es langfristig akzeptieren müssen, dass Dein Vater alt und sonderlich wird, eventuell dement. Das ist primär erstmal sein Problem, nicht Deines.


    Du kannst den Kontakt zu Deinem Vater weiter pflegen, wie immer Du das möchtest, Du kannst ihn besuchen oder empfangen, da muß eine Demenz absolut nicht das Ende Eurer Tochter-Vater Beziehung bedeuten.


    Aber Du wirst vermutlich früher oder später merken, dass Du ihn nicht als Partygast wie jeden anderen behandeln kannst. Das heißt entweder Du wirst Dich von seinen Parties fernhalten um diese Peinlichkeiten zu vermeiden oder er wird nicht mehr eingeladen. Das ist traurig, denn Demenz ist ja nun nicht etwas, was bösartige Leute mit Absicht machen. Aber das soziale Miteinander funktioniert irgendwann nur noch sehr eingeschränkt. Langjährige Freunde können ebenso wie die Familie damit umgehen, neue Bekanntschaften nicht.


    Du bist nicht für das das Verhalten Deines Vaters verantwortlich und spätestens, wenn das ganze extrem unangenehm ist, wird man da wohl seine eigenen Kontakte und die des Vater auseinander dividieren.

    Meine Oma zeigte auch solche Verhaltensweisen als die Demenz begann und die Vergesslichkeit noch nicht so offensichtlich war.


    Sie hatte auch das Bedürfnis andere abzuwerten (ihre Schwestern zum Beispiel) und freute sich über Komplimente und erzählte Stolz, dass der Sparkassenberater sie für ihr jugendliches Äußeres lobte (mit 80 :_D).


    Die Demenz lässt ja zunehmend den Primärcharakter ans Tageslicht, sodass man als Angehöriger schon zu Beginn ungefähr eine Vorahnung bekommt, wohin die Reise geht.

    Mir hat es ungemein geholfen, das Verhalten als Symptom der Krankheit zu akzeptieren und eben zu schauen, wieviel ich mich noch einbringen kann und möchte ohne das ich dabei auf der Strecke bleibe.

    Ich finde, es klingt auch ein bisschen nach einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Vielleicht tritt diese jetzt noch mehr in den Vordergrund, weil immer weniger "Publikum" da ist...?