Verheiratet, zwei kleine Kinder - und verliebt in den Kollegen

    Ich möchte mir einmal etwas von der Seele schreiben und einfach mal hören, was Unbeteiligte von der ganzen Situation halten.
    Ich bin verheiratet mein einem netten, erfolgreichen Mann und wir haben zwei wunderschöne, wunderbare kleine Kinder und seit kurzem auch ein eigenes Haus. Mein Mann und ich kennen uns seit 20 Jahren, seit der Schulzeit. Seit 10 Jahren sind wir ein Paar, seit 5 verheiratet. Unsere Beziehung hatte in den letzten Jahren so ihre Höhen und Tiefen; v.a. hatten wir durch die kleinen Kinder, viel Arbeit, Jobwechsel und Umzüge oft sehr viel Stress.

    Dazu kommt, dass ich mir eigentlich immer darüber im Klaren war, dass er nicht meine ganz große Liebe ist. Wir haben uns schon immer gut verstanden, irgendwann wurde dann aus Freundschaft mehr - wobei er mich schon seit der Schulzeit toll fand und sich nie etwas daran geändert hat, dass von Seite mehr Gefühle da sind als von meiner.
    Ich hatte vor unserer Beziehung kein Glück mit Männern - ich bin bzw. war damals schrecklich schüchtern und habe es bis Mitte 20 nie geschafft, zu einem Mann eine Beziehung aufzubauen. Dann kam er alte Schulfreund "um die Ecke", es passte irgendwie - und seitdem folgte, fast wie automatisch, ein Schritt nach dem anderen.
    In all den Jahren habe ich immer wieder mit dem Gedanken gespielt, wie es wäre, wenn mir doch noch der absolute Traummann begegnen sollte. Zweimal war ich kurz davor, Schluss zu machen. Einmal wenige Wochen vor der Hochzeit, als mir Zweifel kamen, ob ich das wirklich durchziehen soll. Ein tränenreiches Gespräch zwischen uns beiden stimmte mich wieder um.

    Das nächste Mal war wenige Tage (!) nach der Geburt unseres zweiten Kindes vor gut einem Jahr. Ich hatte auf seinem Handy mehr oder weniger eindeutige Textnachrichten von und an eine andere Frau entdeckt - eigentlich hatte ich ein Foto unseres Neugeborenen gesucht. Es folgte wiederum eine tränenreiche Aussprache, bei der er mir versicherte, dass die Beziehung zu dieser Frau rein platonisch war, dass er sich einfach geschmeichelt gefühlt habe, dass sie ihn ein bisschen anhimmelte. Ich glaubte ihm nicht so ganz und kontrollierte in der Folgezeit immer wieder sein Handy, wobei ich herausfand, dass er in Massagesalons geht. Wieder war ich kurz vorm Schluss machen, aber mit zwei kleinen Kindern und einem gemeinsamen Haus wusste ich nicht, wie das funktionieren sollte. Also schluckte ich alles runter und machte einfach weiter.
    Soviel zur langen Vorgeschichte. Nun habe ich seit drei Monaten einen neuen Job, den ersten richtigen seit über drei Jahren. Es gefällt mir super: viel, aber interessante Arbeit und ein supernettes Team. Und ein Kollege, in den ich mich Hals über Kopf verliebt habe. Ich habe in den letzten Wochen oft darüber nachgedacht, ob ich mich einfach in den erstbesten verknallt habe, weil ich in meiner Ehe nicht wirklich glücklich bin. Das ist es aber nicht. In den letzten zehn Jahren fand ich durchaus mal den einen oder anderen Mann interessant oder attraktiv, aber diesmal hat es mich erwischt wie seit Teenager-Zeiten nicht mehr.
    Der Kollege und ich verstehen uns super, und ich bin mir relativ sicher, dass er auch eine Schwäche für mich hat. Er macht mir öfters mal süße, etwas ungelenke Komplimente oder legt es darauf an, dass wir die Mittagspause zusammen verbringen.
    Als ob das alles noch nicht kompliziert genug wäre, ist er auch vergeben und hat ein kleines Kind.
    Ich schwanke nun ständig zwischen Hochgefühl ("Er mag mich auch!") und Erschrecken ("Was mache ich denn da?" - obwohl bislang überhaupt nichts passiert ist). Und dann wieder der Hoffnung, dass etwas passieren könnte, und der Einsicht, dass das alles nur in einer riesigen Katastrophe für alle Beteiligten enden kann.

    So, das ist meine Situation. Ich bin gespannt auf eure Kommentare.

  • 16 Antworten

    Hallo Ina,


    Ich kann mir vorstellen, dass diese Situation sehr belastend für dich ist, du sitzt gerade quasi auf einem Gefühlskarussell, das sich nicht so schnell anhalten lassen wird.


    Ich denke, das Problem hat verschiedene Aspekte, korrigiere mich natürlich wenn ich falsch liege. Sind nur meine Theorien zu deiner Situation:


    1. Um ganz hart zu sein: Anscheinend bist du die Beziehung mit deinem Mann nicht aus Leidenschaft oder großer Liebe eingegangen (Verliebtheit aber wahrscheinlich doch), sondern weil es für dich bequem war und es in deiner Situation damals gut gepasst hat. Du hast dich „mitreißen lassen“ und es wurde hann halt ein Haus gebaut und Kinder bekommen - „wie man das halt so macht“.


    2. Du hast während der Ehe anscheinend eine Persönlichkeitsentwicklung durchgemacht. Du „brauchst“ deinen Mann nicht mehr um wirklich glücklich zu sein und vielleicht brauchst du die Sicherheit auch nicht mehr, die dein Mann dir bisher gegeben hat. Vielleicht fühlst du dich freier und offener und deine neue Stelle hat dir noch einmal Aufwind gegeben, endlich mal „anzukommen“.


    3. Du schreibst es mehr oder weniger „nebenbei“, aber ich bin der Meinung, wenn dein Mann mit anderen Frauen fremdschreibt und in Massagesalons geht - ich gehe davon aus, es handelt sich um einschlägige Etablissements, wo nicht nur massiert wird - , ist er ein betrügerischer Idiot, denn ihr habt euch Treue versprochen. Dieses Thema fällt für mich in deinem Beitrag etwas hintenüber, mich würde so eine Information an der Beziehung zweifeln lassen, denn es zeigt, dass etwas ganz grundsätzlich nicht passt und sei es sexuell. Hast du ihn mit deinem Wissen konfrontiert? Wie hat er reagiert?


    4. Du befindest dich in einer wirklich miesen Situation. Du musst früher oder später Entscheidungen treffen, vor allem ob die 70% mit deinem jetzigen - wahrscheinlich betrügerischen - Mann dir reichen, wegen der Kinder, dem Haus etc. oder ob du die 100% suchen möchtest. Du verlierst sowohl auf der einen als auch auf der anderen Seite (Selbsterfüllung vs Haus und Kinder).


    5. Ich würde auf keinen Fall eine Affäre mit besagtem Kollegen angehen oder es mir wirklich gut überlegt zu haben. Er ist nicht das Problem, eure Ehe ist das Problem. Ich würde den Schritt mit der Affäre erst eingehen, wenn du die Ehe sowieso schon „abgeschrieben“ hast, ansonsten hinterlässt du ein ordentliches Scherbenmeer.


    Ich hoffe, ich konnte ein wenig einordnen und erhebe natürlich keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Aber manchmal hilft es, seine Gedanken etwas zu ordnen, um eine Situation genau zu durchdenken. Es tut mir leid, in welcher Situation du steckst, aber ich würde an deiner Stelle nicht den Kopf verlieren und mir meine unterschiedlichen Optionen gut überlegen, vielleicht ein, zwei Nächte drüber schlafen.


    Einen lieben Gruß vom Konsul

    Danke für deine Antwort, Konsul. Da steckt viel Wahres drin und natürlich habe ich mir all diese Gedanken in ähnlicher Form schon selber gemacht, zumal ich ein sehr nachdenklicher Mensch bin.


    Ich kann mir vorstellen, dass es Leute sehr irritiert, wenn ich von den „Betrügereien“ nur so nebenbei schreibe. Als ich das mit den (natürlich zwielichtigen) Massagesalons rausgefunden habe, hat mich das nach dem ersten Schock relativ kalt gelassen. Wahrscheinlich weil ich ihn schon seit einiger Zeit nicht mehr begehre und seit der Geburt des zweiten Kindes eh kaum noch was läuft. Richtig große Lust auf Sex hatte ich nur in den Anfangsjahren, und da war es wohl mehr der Reiz des Neuen (mit ihm hatte ich mein erstes Mal, und das mit 25!).


    Die Geschichte mit der Frau hat mich viel mehr verletzt - und am allermeisten, dass er ihr heimlich ein Bild von mir und unserem Neugeborenen noch aus dem Kreißsaal geschickt hat. Ich denke da nicht oft dran, aber das kann ich ihm nicht verzeihen- dass er mich in meinem verletzlichsten Moment überhaupt so hintergangen hat.


    Ich denke, ich habe die ganzen letzten Jahre insgeheim auf einen Ritter auf einem weißen Pferd gehofft, der mich aus der Beziehung rausholt - Nur kam der nie, und ich selbst hatte nicht die Kraft, es zu beenden. Auch weil es natürlich mit jedem „Schritt“ (Hochzeit, Kind1, Haus, Kind2) schwieriger wurde.


    Jetzt ist quasi die Aussicht auf einen Ritter plötzlich da, und auch generell merke ich, wie ich durch den Job aufblühe. Ich werde gebraucht, gefordert und geschätzt, zudem ist es ein recht exponierter Job, in dem auch viele mitkriegen, was ich kann - und (das spielt sicher auch eine Rolle) was für eine attraktive Frau ich bin. Das Gefühl hatte ich in den letzten drei Jahren als Heimchen am Herd quasi völlig vergessen.


    Du siehst, es ist ein Riesenkomplex an Themen, die mich beschäftigen. Nur die Frage, wieso ich als eigentlich intelligente und begehrenswerte Frau das alles schon so lange mitmache, kann ich nicht beantworten.

    Meine Antwort wird zerrissen werden.......


    Es werden dir die schon gesagten Möglichkeiten noch ein paar Male aufgezeigt werden, und du kennst sie ohnehin schon.

    Aber: Die sind immer nur das Entweder-Oder. So wie es moralisch gefestigte ;-)) Menschen nun mal äußern in solchen Diskussionen.


    ich kann deine Zweifel, alles aufzugeben sehr gut verstehen.

    Darum denke auch mal gaanz heimlich, still und leise und in Anbetracht der Umstände wirtschaftlich und kinder/erziehungsmäßig und ehesexuell mal die dritte Option:


    Dein Schwarm ist auch vergeben; und will da vielleicht auch nicht alles opfern ?

    Vielleicht seid ihr aber in euren Lebensdefiziten gut kompatibel und pflegt eine schöne, diskrete Freundschaft plus (wie man das neuerdings nennt)... ??


    Ich kenne zwei "Paare", wo es funktioniert.


    Alles Gute!

    Ich kann sehr gut nachempfinden, in was für eine Lage du bist. Ich war so ziemlich in der gleichen Situation. (Haus, Kind, untreue Seitens von ihm, das Gefühl, dass er nicht die grosse Liebe ist (was ev eben ihn auch in die Untreue verleitet hatte...))


    Ich habe vor gut einem Jahr mich von ihm getrennt. Natürlich ist so eine Trennung eine anstrengende Sache, aber wenn sie eingermassen sauber abläuft, ist das Gröbste schnell überwunden. Ich kann nur von mir sprechen, aber ich bereue diesen Schritt in keinster Weise und würde ihn, mit dem jetztigen Wissen, wieder so machen. Klar, gewisse Dinge werden etwas anstrengender, aber das Grundgefühl der Freiheit und das wiederfinden von dir selber und deinen wahren Gefühlen, ist soviel mehr wert. Ich bin sehr glücklich, hatte ich diesen Mut.


    Auch ist es nicht fair dir und ihm gegenüber, an etwas festzuhalten, mit dem man nicht glücklich wird. Auch den Kinder gegenüber.


    Aber ja ich weiss, diesen Schritt zu gehen ist nicht einfach. Ich wünsche dir viel Mut und Kraft.

    Es kam halt so, wie es kommen mußte. Erstens bis Du mit Deinem Mann schon unendlich lange zusammen, zweitens ist es nicht die große Liebe. Das man sich da in jemand anderen verliebt, ist klar.

    Wenn ich Du wäre, würde ich aber trotzdem der Ehe Vorrang geben, denn was sich so lange bewährt hat, hat seinen Wert. Was mit dem Kollegen werden würde, weißt Du nicht. Es ist nur ein Gefühlsfeuerwerk, welches kurzfristig Macht über Dich gewonnen hat.

    Ich würde mir herausnehmen, es eine Weile zu genießen, aber keinen Seitensprung wagen.

    Wie wäre es, wenn Ihr eine offene Ehe führen würdet und Euch den einen oder anderen Spaß mit anderen Partnern erlauben würdet. Wäre das eine Option für Euch?

    Und ja, eine andere Option wäre eine offene Beziehung in der ihr beide eure sexuellen Bedürfnis auch auserehelich befriedigen könntet...


    Meinem Ex habe ich das auch vorgeschlagen, er wollte das aber nicht (konnte mich nicht teilen). Heimlich wollte ich nichts machen. Habe ich dann doch gemacht und darauf hin gemerkt, dass ich das nicht kann und will. Darum dann der entgültige Entscheid zur Trennung.

    Das Modell, was Du Dir für Deine Ehe ausgesucht hast, musste irgendwann scheitern. Du hast mehr oder weniger aus Bequemlichkeit und Vernunft eine Beziehung angefangen, in der Überzeugung, dass es für Dich eh nichts besseres gibt in naher Zukunft. Du hast ganz bewusst auf die große Liebe verzichtet. Damit ist es klar, dass Du jederzeit ziemlich leicht in Versuchung geraten wirst.


    Nun ist das kein Drama, die eine oder andere Entscheidung im Leben aus Vernunft zu fällen, aber in Sachen Liebe ist das mitunter schwierig, das dauerhaft durchzuziehen. Das merkst Du gerade. Du wirst Dich dem Gefühl des verliebt seins und dem Gefühl, dass Dir die große Leidenschaft unheimlich fehlt auf Dauer nicht entziehen können.


    Dafür muss dich niemand verurteilen, auch Du selbst nicht, deine Gefühle sind nur allzu natürlich. Die spannende Frage ist, wie es jetzt weiter geht.


    Mit Kindern und Haus ist das ganze natürlich nicht mal eben so aufzulösen. Trotzdem sollte eine Trennung eine Option sein, die man mal in Erwägung zieht. Bis Du alleine lebensfähig, Job und eigene Wohnung mit den Kindern, eventuell Unterhalt? Wenn Du das mit "ja" beantworten kannst, bist Du recht frei in Deinen Entscheidungen und brauchst keine Angst mehr haben vor einer ungewissen Zukunft.


    Diese Leidenschaft, die Du vermisst kann man auf vielerlei Weise in sein Leben lassen. Wie, musst Du entscheiden. Man einem reicht ein Seitensprung hin und wieder, andere Menschen sind mit einer Affäre glücklich. Die ganz große Erfüllung wird es sicher nur in einer neuen Partnerschaft geben, aber dann kommen andere Probleme dazu wie die, dass die Kinder getrennte Eltern haben. Wie alt sind die denn?


    Nachdem Dein Mann schon mit anderen Frauen textet und in Massagesalons geht, würde ich sagen, vermisst er ja offensichtlich auch etwas. Ihr könnt das also als gemeinsames Problem begreifen. Ihr könntet versuchen, die Leidenschaft gemeinsam neu zu entfachen, aber das wird schwierig, wenn die nie jemals richtig da war. Eine offene Beziehung bietet sich da an, aber die deckt dann auch nur den sexuellen Teil ab. Du wirst als Frau da keine Schwierigkeiten haben, Liebhaber en massé zu finden. Die Frage wird sich dann früher oder später stellen, ob Dir das reicht. Wenn nicht bist Du wieder am Anfang. Trennung und jemand neues finden oder der Kinder wegen unzufrieden im Status quo verharren? Es ist Dein Leben, Du hast nur eins...

    Ina Ich habe den Eindruck, du hast deine Situation selbst schon sehr gut analysiert. Der Ritter auf dem weißen Pferd scheint hier für deine unerfüllten Wünsche und Sehnsüchte zu stehen, die du anscheinend lange Zeit in dieser Ehe "vergraben" hast.


    Dass du aufblühst, Anerkennung bekommst und dich endlich wieder begehrt fühlst, scheint diese Sehnsüchte wach zu rufen. Die Frage ist, ob du bereit bist, nach deinem Glück zu suchen und dabei in Kauf zu nehmen, einen langen, anstrengenden Weg zu gehen - ich gehe davon aus, bei einer Trennung wirst du dich um die Kinder streiten und noch ein paar andere Kämpfe ausfechten müssen.


    Würdest du denn eine Trennung realistischerweise in Betrachtung ziehen? Mit welchen Schwierigkeiten wäre diese verbunden? Ich würde mir eine Liste machen.


    FUNFAN Keine moralische Verurteilung, ich finde es sinnvoll, in so einer Situation alle Optionen abzuwägen. Ich glaube nur, die Romanze würde der Threaderstellerin schlichtweg nichts bringen. Es ist ja nicht so, dass die Ehe nur nicht erfüllend ist, weil der Sex fehlt. In so einem Fall wäre eine Affäre wohl eine Option.


    Es scheint aber viel mehr so zu sein, dass der emotionale Aspekt nicht zu passen scheint und der Mann sich jetzt - vorsichtig gesagt - auch nicht unbedingt durch vertrauensvolles Verhalten auszeichnet. Und in so einem Fall wird die Affäre wohl nur für kurze Zeit von dem eigentlichen Problem ablenken.


    Planeta Sie hat einen untreuen Ehemann, ist anscheinend seit Ewigkeiten unglücklich und ihrer Ehe. Nicht die beste Idee, das einfach wegen Haus und Kindern weiterlaufen zu lassen. Nichts gegen einen gesunden Materialismus, aber wenn gar nichts zu passen scheint, sollte man andere Möglichkeiten erwägen.

    Eine Affäre hab ich auch schon in Betracht gezogen undich glaube, wenn der Kollege ungebunden wäre, hätte ich auch keine „Skrupel“, das durchzuziehen. Denn selbst wenn eine eventuelle Affäre auffliegen würde, glaube ich nicht, dass das das Ende unserer Ehe wäre. Dafür hängt mein Mann einfach zu sehr an mir. Was das für eine Ehe wäre, steht natürlich auf einem anderen Blatt.


    Was eine offene Beziehung angeht: Ich glaube nicht, dass das funktionieren würde. Bzw. dass wir damit auf Dauer glücklich werden könnten. Wahrscheinlich würde das alle Probleme nur verschlimmern. Eine Affäre würde mein Mann mir sicher „verzeihen“, aber dauerhaft teilen wollen würde er mich nicht. Und mich würde es sicher auf Dauer zerreißen.


    Eine Trennung wäre aus finanzieller Sicht schon machbar, ich bin finanziell unabhängig. Aber wer bekäme das Haus, wo sollen Kinder leben, sollen sie aus ihrem Umfeld herausgerissen werden? Und würde es zu furchtbaren Streitereien kommen? Mein Mann kann (bisher immer nur gegenüber anderen) sehr aufbrausend und verletztend sein, ebenso seine Familie. Und wie soll ich den Alltag meistern als Alleinerziehende ohne Familie oder gute Freunde in derselben Stadt? Es würde alles sehr, sehr schwer. Aber: ich schließe es nicht 100%ig aus.


    Was den Kollegen angeht: im Moment möchte ich es gerne einfach weiter laufen lassen. Nette Gespräche, ein Blick, ein Lächeln. Was soll ich auch anderes machen? Wenn sich irgendwann in der nächsten Zeit eine weitere Annäherung in irgendeiner Form ergeben sollte, ist immer noch Gelegenheit gegenzusteuern.

    ina1982 schrieb:

    Wenn sich irgendwann in der nächsten Zeit eine weitere Annäherung in irgendeiner Form ergeben sollte, ist immer noch Gelegenheit gegenzusteuern.

    Das kannst du dir natürlich jederzeit einreden, aber ich prognostiziere dir, dass du da nicht gegensteuern wirst.

    ina1982 schrieb:

    Eine Affäre hab ich auch schon in Betracht gezogen undich glaube, wenn der Kollege ungebunden wäre, hätte ich auch keine „Skrupel“, das durchzuziehen.

    Und warum hast du Skrupel, weil er gebunden ist? Genauso wie es deine Entscheidung ist, ob du es unter Abwägung aller Umstände ok findest, deinen Mann zu hintergehen, ist es seine Entscheidung, ob es ok ist, seine Frau zu hintergehen.

    Warum müssen sich eigentlich zwei Menschen das Leben versauen, wenn sie miteinander nichts mehr anfangen können? Er scheint Dich zu hintergehen (Schreiben mit der anderen Frau, Massagesalons - was sagt er eigentlich DAZU, also zu den Salons?).


    Du liebst ihn nicht wirklich und hast es scheinbar nie. Beide sind also - jeder auf seine Weise - irgendwie unglücklich. Und das soll dann ein Dauerzustand sein? Nur um heile Familie zu spielen?


    Ich würde mir das wirklich überlegen. Ihr habt beide nur dieses eine Leben. Alles mit den Kindern läßt sich auch so regeln. Wenn man das will, wenn beide das wollen, kann man das gut hinbekommen.


    Er hängt an Dir, aber hintergeht Dich so? Das paßt doch nicht zusammen.


    Wenn die Sachen, die Du hier geschrieben hast, tatsächlich so sind, dann würde ich mal ein vernünftiges Gespräch führen, wie er sich das in Zukunft vorstellt. Denn dauerhaft wird es so nicht gutgehen. Irgendwann kommt der Punkt, wo einer von Euch jemand anderen hat. Und dann wird die Trennung so oder so kommen. Früher oder später. Wobei es völlig in den Sternen steht, ob eine neue Beziehung dann dauerhaft viel besser läuft. Klar kann das sein, aber die Schmetterlinge im Bauch, die Verliebtheit der ersten Zeit kann sich kaum jemand bewahren. Irgendwann holt der Alltag jede Beziehung ein, es ist immer eine Herausforderung, sich dann noch das Besondere zu bewahren.

    ina1982 schrieb:

    Dazu kommt, dass ich mir eigentlich immer darüber im Klaren war, dass er nicht meine ganz große Liebe ist.

    Warum läuft man sehendes Auge ins Unglück und zieht einen anderen Menschen mit rein?

    Dafür habe ich einfach kein Verständnis.

    Was Dich aber beruhigen dürfte, Du bist nicht die Einzige der es so ergeht.

    Ich kenne in meinem Bekanntenkreis mehrere Frauen die das selbe machen, warum auch immer?! Solange keine Kinder im Spiel sind, ist es die eine Sache, aber warum macht man mit solch einem Menschen ein Kind?

    Erst mal zum Gesamtpaket deiner Ehe/Beziehung:

    Die ist so ungewöhnlich nicht. Das ist die Grundlage, aus dem lebenslange Beziehungen gemacht werden (können). Aber diese Grundlage ist fragil, so wie fast jede Beziehung ihre Sollbruchstellen hat. Ihr habt die Beziehung bisher vor allem durch die „projektbezogene partnerschaftliche Liebe“ gefördert und erhalten. Eure Projekte (Verlobung, Hochzeit, Kind, noch mal Kind und dann Haus) haben euch zusammengebracht und zusammengehalten. Jetzt wären neue Projekte an der Reihe. So funktionieren Beziehungen nun mal. Und dass sie früher automatisch lebenslang waren, hat viele Gründe, die ich nicht einzeln erläutern will und die großenteils heute keine wesentliche Rolle mehr spielen.

    Ob die zweite Beziehungssäule, die „freundschaftliche Liebe“, zu der die so genannte Seelenverwandtschaft gehört, auch besteht, kann ich nicht beurteilen. Es scheint jedenfalls auf den ersten Blick nicht so. Vielleicht sagst du was dazu.

    Die dritte, die „leidenschaftliche“ ist nur selten auf Dauer gleich stark. Bei euch wurde sie offensichtlich stark vernachlässigt. Da ist jeder den einfachsten Weg gegangen: DU in die Zurückhaltung (oder Verweigerung), ER ist ausgewichen in die professionelle Dienstleistung. Zumindest hat er sich dabei offensichtlich nicht fremdverliebt. Das kann man so machen, es verbessert die Beziehung nicht, muss sie aber auch nicht zwingend gefährden. Denn möglicherweise kam es dir ja sogar entgegen, dass er nicht mehr ständig nach Sex verlangt hat.

    Dieses Problem habt ihr also „gemeinsam erschaffen“, und das ist nicht ungewöhnlich. Das muss nicht so bleiben, die Frage ist immer, wohin die Reise gehen soll. Bei dir sehe ich, dass du dich innerlich bereits abgewendet hast. Du hast im Nachhinein festgestellt, dass das nie „wirkliche Liebe“ war. Das muss aber nicht stimmen, es fehlte vermutlich vor allem die hormonelle Hochphase zu Beginn, die viele für Liebe halten. Das, was eine Liebe ausmacht, wird entsteht aber im Wesentlichen erst im Anschluss und wird vom Paar selber gemacht. Das hat viel mit emotionaler Nähe zu tun (in der man sich offen über Gefühle ausspricht), aber auch mit gemeinsamer Weiterentwicklung und mit dem, was man „Seelenverwandtschaft“ nennt.

    Soweit zur Beziehung selber. Nun geht es darum, wie man damit umgeht. Dein Mann ist in Massagesalons ausgewichen, du hast das irgendwie akzeptiert, er soll aber damit aufhören. Du beginnst jetzt ebenfalls auszuweichen. Und du vertraust sogar darauf, dass er das – wenn es nur sexuell wäre – ebenfalls einmalig akzeptieren würde. Eure Beziehung würde dadurch aber nicht verbessert, sondern sie würde weiter vor die Wand gefahren, nur das Elternhaus der Kinder könnte damit eine Zeit lang erhalten bleiben.

    Zitat

    >>Ich habe in den letzten Wochen oft darüber nachgedacht, ob ich mich einfach in den erstbesten verknallt habe, weil ich in meiner Ehe nicht wirklich glücklich bin. Das ist es aber nicht. In den letzten zehn Jahren fand ich durchaus mal den einen oder anderen Mann interessant oder attraktiv, aber diesmal hat es mich erwischt wie seit Teenager-Zeiten nicht mehr.<<

    Ist es nicht eher so, dass du nun zum ersten Mal als erwachsene Frau diese Hormonphase der unwiderstehlichen Anziehungskraft erlebst, die wir als „Verliebtheit“ bezeichnen? Das ist der Hammer. Das hört nicht einfach so auf. Das schreit nach mehr, alles in uns schreit nach mehr.

    Zitat

    >>Ich schwanke nun ständig zwischen Hochgefühl ("Er mag mich auch!") und Erschrecken ("Was mache ich denn da?" - obwohl bislang überhaupt nichts passiert ist). Und dann wieder der Hoffnung, dass etwas passieren könnte, und der Einsicht, dass das alles nur in einer riesigen Katastrophe für alle Beteiligten enden kann.<<

    Da fehlt nur ein winziger Schritt bis zu dem, das du „riesige Katastrophe“ nennst: Und dieser Schritt ist, dass dieser Kollege mit deutlichen Worten ausspricht, was du erhoffst. Dann ist der Zug abgefahren und es gibt nur noch eine Richtung.

    Was dann folgt, ist zu schaffen, aber erst mal fühlt es sich an wie Himmel und Hölle zugleich. Wobei der Himmel meist blasser wird und die Hölle heißer – je nachdem wie die Trennung verläuft, wie die Kinder leiden und wie die praktischen Dinge umzusetzen sind. Dabei gibt es noch eine sehr wichtige Unbekannte: Würde der Kollege sich deinetwegen trennen? Da ist ein Wald von Fragezeichen und je konkreter deine Träume über eine leidenschaftliche Beziehung mit ihm werden, desto wichtiger werden diese Fragezeichen.

    Ich sehe diesen Kollegen und das, was du da gerade erlebst, eher als „FUNKTION“. Es hat eine Funktion, eine Aufgabe. Dir wird durch dieses konkrete Erleben die Aufgabe gestellt, dich sehr intensiv mit deiner Zukunftsplanung zu beschäftigen. Dazu gehört die Entscheidung, ob du sie als Frau deines Mannes und in der bisherigen Familie gestalten möchtest, oder ob du sie als „freie Frau“, also als Single gestalten möchtest. Der nahtlose Übergang von deiner Ehe/Beziehung in eine neue haltbare liebvolle und tragfähige neue Liebe ist sehr unwahrscheinlich und diese Möglichkeit sollte keine wesentliche Rolle spielen. Das ist Traum, das ist Wunsch, das KANN funktionieren, aber nur unter sehr besonderen und seltenen Bedingungen. Denn die Belastungen, die beide neue Liebespartner durch ihre Trennungen, Kinder, Finanzen, Freundesverlust usw. durchmachen, können schnell zu dem werden, was ich oben „Hölle“ nannte. Das Gelingen einer solch gewaltigen Aufgabe bereits an diesem allerersten Punkt der einseitigen Verliebtheit vorauszusetzen, ist völlig weltfremd.

    Ich rate also dazu, die FUNKTION dieses Vorgangs zu nutzen und ernsthaft darüber nachzudenken, ob du als Singlefrau – die dann offen wäre für neue Liebesbeziehungen – glücklicher wärest, als du es jetzt bist, das wird eine ENTSCHEIDUNG, und Entscheidungen kann man nur treffen, wenn man zwei Wege vor sich hat, die völlig klar definiert und durchdacht sind. Dann kann man entscheiden, rechts oder links zu gehen. Da bist du aber noch lange nicht.

    Wenn du dir diese Entscheidung aber durch ein zu schnelles Nachgeben in Sachen Verliebtheitshormone unmöglich machst, ist alles Weitere nur noch Schadensbegrenzung. Da kann von Entscheidung und selbstbestimmtem Handeln für lange Zeit keine Rede mehr sein. Ich sehe bei dir also sozusagen „5 vor 12“. Noch kannst du tatsächlich frei entscheiden, wenn da aber erst eine beidseitige Verliebtheit in die Gänge kommt, ist das vorbei.

    Vielleicht antwortest du erst einmal