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    Ich sehe hier auch gar nichts, was irgendwie kompliziert oder unklar wäre.

    Also da kann ich ihre verliebte Sicht schon etwas besser nachvollziehen. ;-) Sie ist schon ziemlich verknallt in ihn, und die rosa Brille sorgt dafür, dass sie nur noch nach Anzeichen sucht, dass er das auch sein könnte. Und munter interpretiert. Und den Gedanke an eine Beziehung aus den paar Kontakten finde ich naiv von ihr.


    Kompliziert ist also der Widerspruch des Wollens-aber-sich-selbst-nicht-Erlaubens, einer täglichen Versuchung-aber-nicht-Erlebens. Und dass das Nicht-Bekommen-können und eine gewisse Unerreichbarkeit einen Teil der Faszination ausmachen.

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    Finger weg und ein bisschen die Phantasie genießen oder - wenn man das nicht kann - sich Gedanken in diese Richtung komplett verbieten.

    Schon jetzt baut sie sich ja ihr eigenes Gedankenverbot auf: wenn er auf sie zugänge, würde er in ihrem Ansehen sinken, weil er seiner Frau untreu werden würde. Wenn sie auf ihn zugänge, wertet sie sich selbst als Ehebrecherin ab (eine absolute Überschätzung, denn daran muss doch keine Ehe zerbrechen) und fühlt sich erinnert an die Zeit, als sie in der Rolle einer Frau war, deren Freund sich einer Dritten zuwendete. Sie baut sich also schon starke moralische Zwänge zusammen.


    Ich habe ja nen anderen Tipp: oft ist Verliebtheit gar nicht so spezifisch, wie sie denkt, also dass für sie nur dieser Praktikumsbetreuer attraktiv wäre. Sie könnte also einfach nutzen, dass ihr Herz sich öffnet, dass sie Lust verspürt, sich generell öffener und zugänglicher zeigt (das hat sie ja selbst schon erkannt) und mit dieser Einstellung auf andere Männer zugehen - abseits der Arbeit, z. B. Männer die ihm ähnlich sind, um einen Teil der Fantasien rüberzuretten. Dann ist dort ein Ventil, wo sich Druck abbauen lässt, anstatt dass im Prinzip in ihr der Leidensdruck in Bezug auf diesen Betreuer immer weiter steigt und nur noch eine sich immer weiter verstärkende Selbstdisziplin und Wegkontrollieren ihrer Gedanken und Fantasien ihr Verhalten bestimmen müsse. Ich glaube nämlich, dass letzteres psychisch ziemlich ungesund ist.


    Erfahrungsgemäß ist das - nutze die Energie deines Verliebtseins und deiner Öffnung und Fantasien, aber im Kontakt mit anderen, die erreichbar sind, die single sind, die selbst aktiv was für diesen Kontakt tun, und wo sich bei ihr kein schlechtes Gewissen einstellt - das Letzte, was romantisch Verklärte in der Phase hören wollen. Weil zu einfach. :-D

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    Also da kann ich ihre verliebte Sicht schon etwas besser nachvollziehen. ;-) Sie ist schon ziemlich verknallt in ihn, und die rosa Brille sorgt dafür, dass sie nur noch nach Anzeichen sucht, dass er das auch sein könnte. Und munter interpretiert. Und den Gedanke an eine Beziehung aus den paar Kontakten finde ich naiv von ihr.


    Kompliziert ist also der Widerspruch des Wollens-aber-sich-selbst-nicht-Erlaubens, einer täglichen Versuchung-aber-nicht-Erlebens. Und dass das Nicht-Bekommen-können und eine gewisse Unerreichbarkeit einen Teil der Faszination ausmachen.

    Ich kann das durchaus ebenfalls nachvollziehen. Halte aber nichts davon, sich kollektiv hineinzusteigern ;-)

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    Schon jetzt baut sie sich ja ihr eigenes Gedankenverbot auf: wenn er auf sie zugänge, würde er in ihrem Ansehen sinken, weil er seiner Frau untreu werden würde.

    Ich denke das Problem ist nicht, dass sie sich Gedanken verbietet (die sind ja doch sehr reichhaltig und gehen bis hin zum Gedanken, ob sie sich eine Beziehung mit ihm vorstellen kann). Das Problem ist, dass sie nicht zwischen Gedanken, Phantasie und Realität deutlich differenziert.


    Und einen Typen, der für einen selbst seine Frau betrügen würde, nicht mehr attraktiv zu finden, ist kein "Gedankenverbot", sondern eben das Bewusstsein darüber, dass man sowas einfach scheiße und unattraktiv findet. Zumindest in diesem Punkt hat sie Klarheit :)^

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    Ich kann das durchaus ebenfalls nachvollziehen. Halte aber nichts davon, sich kollektiv hineinzusteigern ;-)

    Aber das Hineinsteigern und Träumen ist doch gerade das Schöne am Verliebtsein! x:) o:) Zumindest bis es platzt. %:| :[]

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    Das Problem ist, dass sie nicht zwischen Gedanken, Phantasie und Realität deutlich differenziert.

    Und das Problem eines Einbeinigen ist, dass er nicht Laufen kann. ;-) Das eine folgt dann logisch aus dem anderen. Verliebtheit blendet Differenzierung aus und sucht doch sooo händeringend nach den Gemeinsamkeiten, nach dem was einen verbindet!

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    Und einen Typen, der für einen selbst seine Frau betrügen würde, nicht mehr attraktiv zu finden, ist kein "Gedankenverbot", sondern eben das Bewusstsein darüber, dass man sowas einfach scheiße und unattraktiv findet. Zumindest in diesem Punkt hat sie Klarheit :)^

    Bei dem Punkt stell ich mir aber schon lange die Frage: ja, damit neue Zweier-Verbindungen entstehen können, müssen in monogamen/monoamoren Vorstellungen alte aufbrechen. Wer also immer an die ultimative Reinheit glaubt, kann im Leben nur mit seinem ersten Partner zusammen sein und darf danach nie wieder einen haben. Denn schon der zweite Partner/Partnerin hätte einen Vorgänger/Vorgängerin. Irgendwie ist also da schon mal eine Beziehung auseinander gegangen. Wenn diese noch anhält und wirklich wegen der neuen Liebelei (ein paar Blicke, Berührungen, ein paar Dates, ein bisschen Sex) erkaltet/erstarrt, war schon die ursprüngliche Beziehung nicht mehr wirklich viel wert. Sympathien ändern sich ja nun mal auch.


    Unsere monogame, monoamore Vorstellungswelt mag eine Menge Ordnung in unsere Gesellschaft bringen. Aber auch große psychische Zwänge, ja Überdisziplin, vorauseilenden Gehorsam und damit eben auch eine Form von Leid: wenig Platz für fremde Erfahrungen oder Eindrücke außerhalb einer einmal getroffenen Beziehung, wenig Platz für Experimente und Veränderung.


    Hier sind beide volljährig, beide psychisch gesund, und bei einem Praktikumsbetreuer seitens der Firma sehe ich nun kein wirkliches Abhängigkeitsverhältnis der Studentin. Was die beiden mit ihrem Gewissen vereinbaren können, und wo sie mit den Konsequenzen ihres Umfeld leben können, was spricht gegen eine Intensivierung des Kontaktes? Erst das ersetzt doch Fantasien durch reale Erfahrungen, z.B. wie sie im Bett harmonieren, wie sie miteinander privat umgehen/kommunizieren (und sei es nur ein Wochenende lang), und wie sie auch die problematischen Seiten des anderen mitbekommen.


    In den meisten Fällen dürfte danach eh folgen, dass auf beiden Seiten die Fantasien durch reale Erfahrungen ersetzt werden, dann die Bedeutung der Affäre wieder zurückgeht (weil die gedankliche Überhöhung schwindet), und sich der Kontakt wieder reduziert auf ein Kollege-zu-Kollege-Verhalten. Aber immerhin war mal Raum für Abwechslung da. Kein goldener Beziehungskäfig, sondern eine Fülle von Erfahrungen, die über das Gefühl der eigenen Freiheit auch in die andere Beziehung (Ehemann zu seiner Ehefrau) positiv zurückwirken können. Zumindest danach hätte sich dieser Mann wieder bewusst für seine Ehefrau entschieden (und sie für ihn, wenn sie will) und nicht weil sie halt verheiratet sind. Oder vielleicht hätte er die Beziehung zu seiner Ehefrau gelöst, und sich der jungen Praktikantin zugewendet, müsste aber kurz drauf erleben, dass diese die 11 Jahre Altersunterschied dann doch schon kurze Zeit später nun doch als problematisch bewertet und sich eher nach einem Jüngeren umschaut.


    Meine gelassenere Haltung mag nicht unbedingt mehrheitsfähig sein, aber ich finde diese Denkweise attraktiver als das Konzept des goldenen Beziehungskäfig und Aneinander-Festhaltens unter Ausblendung externer Sympathien, Reize und Versuchungen.

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    Verliebtheit blendet Differenzierung

    Ein Stück weit aber nicht komplett.

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    doch gerade das Schöne am Verliebtsein!

    Deshalb schrieb ich ja, dass sie es einfach still genießen 'soll', wenn sie es kann. Klingt aber hier nicht nach Genuss.



    Zum Rest: Es geht nicht darum, ob deine Sichtweise mehrheitsfähig ist und wie richtig oder falsch Monogamie ansich ist.


    Wenn sie in einer Ehe vereinbart wurde, ist sie auch einzuhalten.Alles andere ist Betrug und lässt auf einen unattraktiven Charakter schließen.


    Wenn der Typ es di sieht wie du, soll er eine offene Ehe führen, dann ist alles super und erlaubt ;-)


    Beides kann man nicht haben. Das ist auch der Fehler so vieler nicht-Monogamisten: Sie labern viel über Polygamie und Polyamorie, kriegen es aber nicht auf due Reihe dann auch nur eben solche Beziehungen einzugehen.

    Ich sehe es so: Mann mit wahrscheinlich kleinen Kindern wird von attraktiver, jungen Frau angehimmelt und ist im Zwiespalt. Auf der einen Seite seine Verpflichtungen zuhause mit Rattenschwanz (Haus, Schulden Verantwortung) und auf der Arbeit die Aussicht auf eine Affäre.


    Ich denke, es gibt hier genug Fäden, die jeder Frau schnell die Augen öffnen.

    Hallo,


    seiner Gefühle für mich bin ich mir recht sicher, weil er sich am Anfang des Praktikums sehr distanziert verhalten hat, wie er es auch Kollegen gegenüber ist, die er eigener Aussage nach nicht leiden kann. Anderen weiblichen Kollegen verhält er sich zwar locker gegenüber, fasst sie aber nicht an den Arm oder so. Also zu mir ist er schon am lockersten, um es mal so auszudrücken.


    Letztlich kommt es einfach darauf an, dass ich mich vernünftig verhalte und professionell mit der Situation umgehe. Denn fachlich gesehen sind wir wirklich zu einem gut eingespielten Team geworden.


    Trotzdem fällt es mir schwer, dass ich mich in einen verheirateten Mann verliebt habe. Ich empfinde das als verwerflich. Obgleich ich auf sein Angebot, wir können uns ja am Wochenende mal treffen, nicht eingegangen bin.


    Welcher glücklich verheiratete Familienvater unterbreitet schon solch ein Angebot... ?

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    Welcher glücklich verheiratete Familienvater unterbreitet schon solch ein Angebot... ?

    Worauf willst du mit dieser Frage hinaus?


    Nahezu jeder potenzielle Lover schwafelt seiner potenziellen Geliebten irgendwas von "in meiner Ehe stimmts nicht mehr" vor, und ergänzt das dann zur rechten Zeit mit "ich werde mich schon irgendwann trennen, aber jetzt ist es gerade schwierig". Und das bleibt es dann auch - "schwierig".

    Mag sein, dass das manche machen. Er hat aber nicht davon gesprochen, sich irgendwann für mich von seiner Frau zu trennen.


    Die Frage habe ich gestellt, weil ich mich zunehmend Frage, wie verantwortungsvoll dieser Mann wirklich ist? Ich finde so ein Verhalten als verheirateter Partner unfassbar.... es prallen wohl meine Vorstellungen und Erwartungen auf sein dem entgegen gesetztes Verhalten...

    Ähm, sein Angebot war, dass ihr euch am Wochenende mal treffen könnt? Was soll denn daran bitteschön per se verwerflich sein? Verheiratet hin oder her, man kann ja trotzdem auch Freundschaften knüpfen und mal zum Beispiel einen Kaffee trinken gehen? Ganz ohne amouröse Hintergedanken.

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    Die Frage habe ich gestellt, weil ich mich zunehmend Frage, wie verantwortungsvoll dieser Mann wirklich ist? Ich finde so ein Verhalten als verheirateter Partner unfassbar....

    Zerbrich dir nicht deinen eigenen Kopf über Dinge, die dich schlicht nichts angehen. Ob und wie dieser Mann seine Ehe führt, das ist schlicht nicht dein Bier. Sondern ganz alleine seins.


    Wenn er dir durch seine Äußerungen unsympathisch geworden ist, dann setze doch einfach bei dir an und ziehe dich zurück. Auch unter Kollegen lässt sich der Kontakt auf ein Minimum reduzieren.

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    Trotzdem fällt es mir schwer, dass ich mich in einen verheirateten Mann verliebt habe. Ich empfinde das als verwerflich.

    Wie wäre es dann, wenn du dich aus der ganzen Sache mal wieder heraussteigerst? In Verliebtheit kann man sich nicht nur rein- sondern auch wieder raussteigern.


    Kontakt soweit als möglich reduzieren und dafür sorgen, dass man beschäftigt ist und nicht zum Traumtanzen und Traumschlossbauen kommt.

    Danke für den Hinweis - ich arbeite aber fast täglich mit ihm zusammen, da wir gemeinsam Planungen vornehmen, weswegen wir uns auch am Wochenende mailen oder telefonieren. Sicherlich nicht 24 Std pro Tag, aber zusammen genommen ist es im Schnitt der halbe Arbeitstag.


    Ich habe bisher die Erfahrung gemacht, dass meine Freunde wesentlich weniger meine Nähe suchen als er. Deswegen habe ich meinen Standpunkt wie ich ihn habe.


    Danke für die Tipps, ich schau, was ich machen kann. @:)

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    Welcher glücklich verheiratete Familienvater unterbreitet schon solch ein Angebot... ?

    Entweder weil man sich freundschaftlich richtig gut versteht. Ich bin auch verheiratet und schau auch mal bei 'ner Kollegin vorbei (ja, und wir quatschen nur).


    Oder weil er zwar seine Ehe nicht aufs Spiel setzen will, aber gern mal mit dir eine Runde durch die Matratze dreht.


    Ich erzähl dir mal die Geschichte eines ehemaligen Klassenkameraden. Der hatte eine feste und nette, hübsche Freundin. Hat sich dann an ein Mädel in einem anderen Ort rangemacht und einen tollen Plan ausgeheckt, wann er mit dieser mal allein sein könnte, ohne dass seine Partnerin was merkt. Hat sogar in unseren "Männer-Runden" einem anderen vorgeschwärmt, wie clever sein Plan sei. Die neue klarmachen und die alte warmhalten, falls es nichts werden sollte.


    Nun ja, er hat zuviel geprahlt und gequasselt. Jemand aus dem gemeinsamen Freundeskreis hat es dann seiner Freundin gesteckt. Danach hatte er keine mehr.


    Kurzum: was willst du von einem Typen, der seine Frau warmhält und an dir möglicherweise rumgräbt? Lässt das überhaupt noch Gefühle deinerseits zu? Also bei mir würde das jegliche Zuneigung im Keim ersticken, denn es sagt viel über den Charakter aus. Mit dir könnte er es später genauso machen. Wenn seine Ehe nicht in Ordnung ist, dann sollte er die Eier in der Hose haben, daran zu arbeiten oder sich zu trennen.

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    Ich finde so ein Verhalten als verheirateter Partner unfassbar.... es prallen wohl meine Vorstellungen und Erwartungen auf sein dem entgegen gesetztes Verhalten...

    das siesht du ziemlich klar und richtig, spricht echt für Charakterschwäche.


    Für eine sexuelles Abenteuer seinerseits, bisschen Abwechslung für ihn aus seinem ev. langweiligen Ehealltag wäre ich mir an deiner Stelle zu schade.


    Und nach einer Affäre ist es meist nicht möglich wieder zu einem normalen Kollegenverhältnis zurückzukehren.


    Er ist dein Betreuer, dein Praktikum läuft super...riskiere da nicht, dass es schlechter wird, weil er dann nach dem du nicht mehr was von ihm willst, ev. zickig reagiert und du auf einmal dann auch beruflich nichts mehr richtig macht.


    Glaube mir, dass ist durchaus häufig. Versuche das gute Kollegenverhätnis, was ihr momentan habt zu halten.

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    Die Frage habe ich gestellt, weil ich mich zunehmend Frage, wie verantwortungsvoll dieser Mann wirklich ist? Ich finde so ein Verhalten als verheirateter Partner unfassbar.... es prallen wohl meine Vorstellungen und Erwartungen auf sein dem entgegen gesetztes Verhalten...

    Und was genau willst du nun von ihm?

    Nachdem ich hier im Forum meinen Gedanken freien Lauf lassen konnte, muss ich ehrlich zugeben, dass ich nichts weiter von ihm will. Genauer gesagt möchte ich, dass er die Distanz zwischen uns wahrt, wir weiterhin sehr gut zusammen arbeiten und ich mein Praktikum erfolgreich beenden kann. Also es soll alles so bleiben, wie es ist.


    Vielen Dank für einige hilfreiche Anregungen! @:)