Verlustängste in Beziehungen/Freundschaften

    Einen guten Tag,


    ich leide unglaublich an unbegründeten Verlustängsten. (Für einen Mann schon sehr speziell?) Es fing schon als Kind an das ich immer dachte meine Eltern kommen nicht wieder wenn Sie wegfahren oder ähnliches und zurzeit bin ich nur noch wütend auf mich selbst. Die Situation ist so das ich einen besten Freund habe der mich schon 1/3 meines Lebens treu begleitet und immer für mich da ist. Wir beide sind eher so stille Personen und Denker, bevor wir über Probleme reden versuchen wir immer erst selbst damit klar zu kommen.


    Jetzt habe ich die Tage von einer Frau in die ich mich verliebt habe den endgültigen Korb bekommen und muss damit klarkommen, das hat mich ziemlich aus der Bahn geworfen. Mein bester Freund hingegen hat eine Chance auf eine neue Beziehung und ich drücke ihm so sehr die Daumen das es klappt aber gleichzeitig macht es mir Angst.


    Das ist jetzt nicht die erste Beziehung von ihm während unserer Freundschaft. Er hat schon immer sehr viel Wert darauf gelegt das er seine Freunde nie vernachlässigt und war immer für mich da. Egal bei welche Beziehung, er war immer da und hat mich nie enttäuscht, daher verstehe ich meine Ängste nicht.


    Ich habe ihm auch von diesen Ängsten erzählt da wir bei so wichtigen Themen oft über unseren "Ich muss das mit mir selbst ausmachen - Schatten" springen. Anmerken muss ich dazu das wir quasi die letzten beiden verbliebenen Singles in unserem Freundeskreis sind und dieser sich in den letzten Monaten ziemlich auf das Paarleben konzentriert hat.


    Beim Gespräch sagte er das er das nach unserem Freundeskreis durchaus verstehen kann aber er hat auch betont das er mich nie so behandeln würde und immer für mich da ist, so wie ich es für ihn bin. Da er jetzt gerne diese Angelegenheit klären möchte (Es ist so im Zwischenstadium zwischen - wir kommen zusammen oder nicht -) habe ich ihm auch Angeboten das wir eine geplante Verabredung unsererseits verschieben, damit er die Zeit bekommt. Er sagte dazu ja das merke ich mir, dankte mir auch, aber wollte sofort einen alternativen Termin ausmachen um das nachzuholen.


    Ich weiß ganz genau das er mich nie links liegen lassen würde aber trotzdem zerbreche ich mir nach dem Korb absolut meinen Kopf. Mein ganzes Selbstbewusstsein ist hin. Hat jemand eine Idee wie ich mir diese negativen Gedanken aus dem Kopf schlagen kann?


    Liebe Grüße

  • 10 Antworten
    Zitat

    Hat jemand eine Idee wie ich mir diese negativen Gedanken aus dem Kopf schlagen kann?

    Das scheint mir ein tief sitzendes Problem zu sein, das mit den Trennungsgedanken und Ängsten. Warst du schon mal in einer Therapie? Was die im Moment helfen könnte, das wäre Bewegung, Spaziergänge, gute Musik, Hobbys. Und das Selbstbewußtsein stärken. Du hast vor etwas Angst, das eigentlich alltäglich vorkommt: Trennungen. Vllt solltest du deine Bindungen nicht derartig eng anlegen. Lass locker. Sonst schnürst du dir und Anderen die Luft zum atmen ab.

    Ja, da sollte mal ein Psychotherapeut drüberschauen. Ich denke, der Fokus sollte hierbei auf der Kindheit liegen. Solche Ängste haben (wenn sie soweit zurückreichen) meistens etwas mit unsicheren Bindungen durch die Eltern oder Erschütterungen im Urvertrauen zu tun.


    Dagegen kann man aber auf jeden Fall etwas tun und der Therapeut kann dabei helfen, die Gedanken in positivere Bahnen zu lenken.

    Nein in einer Therapie war ich noch nie, wird so etwas überhaupt von Krankenkassen übernommen?


    Wenn ich über diese Kindheitsgedanken nachdenke könnte das der Schlüssel sein, ich weiß das man Kinderfreundschaften nicht immer ernstnehmen konnte aber da wurde ich sehr oft von jetzt auf gleich "verlassen" und gehasst.


    Ich lenke mich schon ab und mit jedem Tag wird es besser, da sich mein bester Freund auch ganz normal zu mir verhält und somit zeigt das sich nichts ändert.


    Ich habe das locker lassen schon etwas lernen können, früher war ich dahingegen viel schlimmer. Sehe nur hier eine Freundschaft fürs Leben und die will ich mit meinen dummen Gedanken nicht riskieren.

    Zitat

    Wenn ich über diese Kindheitsgedanken nachdenke könnte das der Schlüssel sein, ich weiß das man Kinderfreundschaften nicht immer ernstnehmen konnte aber da wurde ich sehr oft von jetzt auf gleich "verlassen" und gehasst.

    Auch das hört man häufig in dem Zusammenhang mit Verlustängsten.


    Man ist eigentlich ein guter, geduldiger Freund, geht mit dem Freund durch dick und dünn, hält auch mal die andere Wange hin und verzeiht ihm vielleicht noch so manches. Trotzdem wird man verlassen und bekommt noch einen Tritt in die Nieren.


    Liegt wohl daran, dass man aufgrund deR Ängste völlig unbemerkt in die Opfer- und Klammerperspektive rutscht.


    Psychotherapien übernimmt die Kasse. Die klären dich da aber auf!

    Zitat

    mit jedem Tag wird es besser, da sich mein bester Freund auch ganz normal zu mir verhält und somit zeigt das sich nichts ändert.

    Der Schlüssel liegt allerdings darin, dass du nur besser drauf bist, weil dein Freund sich dir gegenüber gut verhält. Ändert sich aber nur minimal etwas an seinem Verhalten, bist du prompt wieder verunsichert.


    Du kannst lernen, viel besser mit der Verlustangst umzugehen und zwar, wie meine Vorredner schon erwähnten, in einer Therapie. Gehe zu deinem Hausarzt, erkläre ihm dein Problem, und wie sehr es dich belastet und auf deine Stimmung drückt. Lasse nichts aus Angst oder Scham unter den Tisch fallen, sei absolut offen. Und sage ihm, dass du eine Therapie machen möchtest. Sollte er dein Anliegen wider Erwarten abwimmeln wollen, dann lasse dir eine Überweisung für einen Psychiater/Neurologen geben. Und dort dann auf ein Neues. Wie dann alles weiter abläuft, werden dir jeweils der Arzt und auch der Psychologe, den du dir dann suchen musst, erklären können. Und bist du dann wirklich auf der Suche nach einem Psychologen, dann nimm dir einen Rat zu Herzen: Die Chemie zu diesem Menschen muss stimmen. Du musst dich bei dieser Person wohl fühlen. Keine halben Sachen. :-)

    Nur kurz als Ergänzung/Korrektur zu dem, was minimia geschrieben hat: Du brauchst keine Überweisung vom Hausarzt für eine Therapie. Du suchst dir einfach einen Psychotherapeuten aus, keinen Psychiater oder Neurologen oder sonstwen, kontaktierst ihn und bringst zum Termin deine Versichertenkarte mit. Du solltest allerdings darauf achten, dass der Therapeut einen Kassensitz hat, also die Stunden über deine Krankenkasse abgerechnet werden können (es gibt auch Therapeuten ohne Kassensitz, wo du entweder komplett selbst zahlst oder es über ein Erstattungsverfahren läuft, was aber aufwändig ist und nicht zwingend von Erfolg gekrönt).


    Freie Plätze kan dir evtl deine Krankenkasse nennen.Hier ein Link zur BundesPsychotherapeutenkammer, dort findest du auch Hinweise auf Suchmaschinen für einen Therapeuten vor Ort und generelle Infos über eine Therapie: http://www.bptk.de/patienten/wege-zur-psychotherapie/was-passiert-in-einer-psychotherapie.html

    @ FaSoLa

    Meines Wissens ist es eine Voraussetzung, dass ein Patient bei einem Arzt vorstellig wird, um vorab ausschließen zu lassen, dass eine körperliche Ursache vorliegt. Ein Patient mit Panikattacken ist nicht zwangsläufig bei einem Psychologen besser aufgehoben, wenn ursächlich ein Schilddrüsenproblem vorliegt. Es fällt mir gerade schwer, mir vorzustellen, dass die Krankenkassen solche kostenlastigen Entscheidungen dem Patienten und Psychologen überlassen. Ich denke, der TE fährt am sichersten, wenn er sich zunächst bei seiner Kasse erkundigt.

    Zitat

    Du brauchst keine Überweisung vom Hausarzt für eine Therapie.

    Das habe ich auch nicht geschrieben. ;-)

    Die Krankenkasse entscheidet auf Grundlage des Antrags des Psychotherapeuten, überprüft von einem Gutachter. "Der Patient muss bei seiner Krankenkasse einen Antrag auf Feststellung der Leistungspflicht für Psychotherapie stellen. Diesen Antrag sendet der behandelnde Psychotherapeut zusammen mit einem anonymisierten Bericht (Umschlag mit einer Codenummer versehen) an die Krankenkasse des Patienten. Der Bericht enthält Angaben zur Diagnose, eine Begründung der Indikation und eine Beschreibung der Art und Dauer der Therapie. Die Krankenkasse leitet diesen Bericht ungeöffnet an einen Gutachter weiter, der eine Empfehlung zur Bewilligung oder Ablehnung der Psychotherapie abgibt (sog. Gutachterverfahren). Dadurch erhält die Krankenkasse keine persönlichen Informationen über den Patienten." Dem Hausarzt fehlt ja schlicht die Fachkenntnis, um die Notwendigkeit einer Psychotherapie beurteilen zu können, wenn er nicht gerade eine psychotherapeutische Zusatzausbildung gemacht hat.


    Ergänzend dazu gibt es den Konsiliarbericht, der parallel zu den Probesitzungen oder spätestens danach, aber vor der eigentlichen Therapie gemacht werden muss. Soweit ich mich erinnere, war das eine reine Formsache, also nur Beantworten von Fragen, keine körperliche Untersuchung, aber das mag von Therapiegrund zu Therapiegrund variieren, das weiß ich nicht.


    "Nach diesen "probatorischen" Sitzungen, auf jeden Fall bevor die eigentliche Therapie beginnt, muss ein Arzt, z.B. Hausarzt, Internist oder Neurologe, aufgesucht werden, um abzuklären, ob eventuell eine körperliche Erkrankung vorliegt, die zusätzlich medizinisch behandelt werden muss (Konsiliarbericht). Dieser Arztbesuch ist jedoch nur nötig, wenn es sich bei dem behandelnden Therapeuten um einen psychologischen Psychotherapeuten handelt. Handelt es sich um einen ärztlichen Psychotherapeuten, erübrigt sich dieser Arztbesuch."


    http://www.betanet.de/betanet/soziales_recht/Psychotherapie-326.html

    keinstein hat es schon gesagt, was ich auch denke. Unsichere Bindung (Bindungsängste) aus der Kindheit erworben. Das haben sehr viele Leute und ist keine Seltenheit. Es gibt das in den verschiedensten Ausprägungen. Öfters wohl als vermeiden von Beziehungen. Ich sage es noch einmal ganz deutlich, dass es nicht untergeht. Genau dem Thema muss man nachgehen. Es gibt ein Buch "Jein" Bindungsänste erkennen und bewältigen. Von Stefanie Stahl. Das Buch wird im Internet auch öfters erwähnt und ist ein "Muß" das jetzt zu lesen, Es kostet nicht viel. Danach wird Dir einiges klarer und Du findest neue Ansatzpunkte für das weitere Vorgehen. Viel Glück.


    https://www.amazon.de/Jein-Bindungs%C3%A4ngste-erkennen-bew%C3%A4ltigen-Betroffene/dp/3831902909/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1470152452&sr=8-1&keywords=Jein


    http://liebesfibel.de/bindungsangst-was-ist-das-wie-zeigt-sie-sich/


    Auch ein Thema: Abhängige Persönlichkeitsstörung. Diese Probleme haben letzten Endes auch missglückte Bindungen zugrunde oder mit dabei.


    https://de.wikipedia.org/wiki/Abh%C3%A4ngige_Pers%C3%B6nlichkeitsst%C3%B6rung


    weitere Buchempfehlungen von mir, die auch in diese Themekreise passen:


    http://www.med1.de/Forum/Psychologie/152435/?p=31