Vertrauen - eine Illusion zu Recht?

    Ich war lange nicht hier aktiv. In den nächsten Tagen schreibe ich mehr, heute ist mir nicht danach.


    Ich habe eine Frage: mein Partner hat mich einst verlassen. Aus verschiedenen Gründen, die ich später erläutere. Sehr schnell war er dann auch wieder mit der Expartnerin zusammen.


    Nach etwa einem Jahr kehrte er zurück: Reumütig. Bat um Verzeihung.


    Ich merke, dass er sich sehr zum Positiven verändert hat, daher habe ich mich auch wieder auf ihn eingelassen. Nun sind wir wieder über ein Jahr zusammen, länger als in unserem "ersten Leben". Es ist tatsächlich alles (!) besser geworden, wir führen eine wunderbare Beziehung und alles, was ich nie glaubte, ist eingetreten. Er tut alles, um mich glücklich zu machen. Es ist fast unglaubwürdig, wie sehr er angekommen ist bei mir.


    Aber da ist sie: die alte Narbe. Was, wenn er wieder geht? Ich habe tiefe Ängste. Wie damals, die einst ja bestätigt wurden.


    Ich weiß es ja: es gibt keine Garantien, und ich spüre das Unglaubliche: er liebt mich sehr und diesmal ist das Risiko nur "normal gering" dass er geht. Nur das "normale Lebensrisiko", versteht ihr? Aber da ist etwas, das mich schrecklich ängstigt und an mir nagt, denn ich HABE MIT IHM die ANDERE Erfahrung gemacht.


    Wie kann ich mit der Verletzung umgehen lernen? Wie die Angst verlieren? Ich würde mich so gerne entspannen. Er ist wunderbar und bindungsfähig - es ist alles gut geworden. Aber da ist die fahle Erinnerung an das Betrogensein, das im Stich-Gelassenwerden.


    Wann kann ich entspannen?

  • 34 Antworten

    Das wird dauern. Du wirst dich noch ziemlich lange fragen, wie lange der Frieden jetzt hält, du wirst noch ziemlich lange jede unerwartete Aktion misstrauisch beäugen, jedes Ausbleiben einer eigentlich erwarteten Nachricht wird dein Kopfkino wieder in Gang setzen.


    Und ich kann dir da auch leider kein Patentrezept liefern, ich kann dir nur sagen, dass es irgendwann ruhiger und vernünftiger in deinem Kopf wird.


    Wie lange ist die Geschichte her?

    Zitat

    Es ist tatsächlich alles (!) besser geworden, wir führen eine wunderbare Beziehung und alles, was ich nie glaubte, ist eingetreten. Er tut alles, um mich glücklich zu machen. Es ist fast unglaubwürdig, wie sehr er angekommen ist bei mir.

    Zitat

    Er ist wunderbar und bindungsfähig - es ist alles gut geworden.

    Zitat

    Aber da ist etwas, das mich schrecklich ängstigt und an mir nagt, denn ich HABE MIT IHM die ANDERE Erfahrung gemacht.

    Zitat

    Wie kann ich mit der Verletzung umgehen lernen? Wie die Angst verlieren? Ich würde mich so gerne entspannen.

    Wenn ich das so lese, habe ich das unbestimmte Gefühl (mit dem ich mich vielleicht täusche, wer weiß), dass du in eurer Beziehung mit dieser einschneidenden Verletzung alleine bist und für dich damit zurechtkommen musst (oder möchtest?).


    Könnt ihr darüber reden? Weiß er von deiner Angst?


    Für mich wäre das ganz elementar: mit meiner Partnerin teilen können, wie es mir geht. Es gemeinsam aufarbeiten, zumindest soweit es geht. Einen gewissen Anteil muss ohnehin jeder für sich sortieren.


    Dass eure Beziehung jetzt so harmonisch und innig ist, vor allem aber viel besser als euer erster Anlauf, tut dir bestimmt gut, aber du merkst selbst, dass es nicht alles ist, um sich von diesem Vertrauensbruch zu erholen.


    Ich denke, es braucht auch Zeit. Man kann Ängste nicht wie eine Lampe an- und ausknipsen und auch keinen inneren Schalter umlegen, um ohne jegliche Zweifel vertrauen zu können. Es hat dich sehr verletzt und viel zerstört, es wird dauern. Wenn eure Beziehung stetig stärker und tiefer wird, wird die Angst kontinuierlich kleiner. Leider ist die Hoffnung, dass die Zeit helfen wird, nicht gerade befriedigend wenn man mittendrin steckt und sich eine Veränderung so dringend wünscht.

    Zitat

    Wann kann ich entspannen?

    Meine Erfahrung ist lange nicht so tiefgreifend wie deine und vielleicht passt es auch gar nicht zu deiner Situation und euren Hintergründen, aber vielleicht kannst du doch etwas für dich rauspicken: die Beziehung zu meiner Freundin war anfangs und etwa ein Jahr lang von ganz, ganz vielen Höhen und Tiefen geprägt. Die Gründe dafür sind hier unerheblich, aber sie hatte

    sehr tiefsitzende Bindungsangst. Auf viel Nähe und richtig schöne gemeinsame Zeit folgte oft der totale "Shutdown" und Komplett-Rückzug ihrerseits. Dabei schloss sie mich zum Teil zur Gänze von ihren Gedanken und ihrem Gefühlsleben aus und ich konnte anfangs oft nicht nachvollziehen, was überhaupt los war, warum diese innige Verbindung zwischen uns plötzlich gekappt war und ich alleine dastand mit dieser beschissenen Situation und der Frage: "War es das jetzt mit uns?". Mit der Zeit konnte ich besser verstehen, was in diesen Phasen mit ihr los ist, aber einfacher hat es das für unsere Beziehung auch nicht gemacht. Danach war es jedes Mal so, als müsste man fast wieder bei Null anfangen und sich ganz behutsam annähern, sich kennenlernen und wieder vertraut machen. Und selbst, wenn wir wieder soweit "über den Berg waren", dass es wieder gut und nah war zwischen uns, hatte ich immer im Hinterkopf: "Wird es wieder soweit kommen und eskalieren? Wann?"


    Das war emotional sehr anstrengend und schwierig.


    Viele konnten nicht verstehen, warum ich mit ihr zusammenblieb oder viel eher immer wieder neu zusammenkam.


    Tja, warum? Es gab zwischen uns von Anfang an etwas, das sich gar nicht richtig erklären lässt. Irgendetwas zwischen uns hat einfach vom ersten Tag an gestimmt und sich im Laufe der Zeit manifestiert. Darauf habe ich mich immer fokussiert, wenn es wieder ätzend wurde. Auf das, was es da zwischen uns gab. Wenn man will: auf das Gute, obwohl das nicht nur schwammig, sondern auch noch ziemlich abgedroschen klingt.


    Jedenfalls war es der veränderte Fokus, der mir geholfen hat, mich zu entspannen. Rauszukommen aus dieser gar nicht mal unberechtigt negativen Erwartungshaltung und der Position: "Hilfe, wann passiert es wieder?" und stattdessen auf das zu vertrauen, was uns verbindet. Darauf, dass wir uns lieben und eine Basis haben, die es aushält, wenn es wieder schwierig wird. So wurde die Angst, dass sie eines Tages zumacht und nicht wieder auf, mit der Zeit stetig kleiner und die Sicherheit, dass wir das hinkriegen größer.


    Mich gezielt auf das Gute zu fokussieren, war natürlich nichts, was ich einfach so entschieden habe und dann umsetzen konnte. Das hat Zeit gebraucht und war für mich nur gemeinsam mit meiner Freundin möglich, nicht alleine.


    Mittlerweile haben wir im Vergleich zu unseren Anfängen eine sehr stabile Beziehung. Wellengang gibt es ab und zu immer noch, aber lange nicht so hohen und turbulenten wie früher.


    Wie gesagt, eure Hintergründe werden ganz andere sein, aber zusammengefasst denke ich, dass man zusammen vieles bewältigen oder aushalten kann, auch solche Ängste. Vielleicht kannst du deinen Partner mit ins Boot holen und ihr schafft es gemeinsam?

    @ Setzen6

    Zunächst zur Lage.

    Zitat

    Es ist tatsächlich alles (!) besser geworden, wir führen eine wunderbare Beziehung und alles, was ich nie glaubte, ist eingetreten. Er tut alles, um mich glücklich zu machen. Es ist fast unglaubwürdig, wie sehr er angekommen ist bei mir.

    Da habt ihr Großartiges geleistet. Eine solch enorm schwierige Situation so umzukehren, dass ihr nun eine "wunderbare Beziehung" leben könnt – und das seit über einem Jahr - das ist kein Geschenk, das ist eine Leistung. Und zu der habt ihr BEIDE beigetragen. Er, indem er den Kopf unter den Arm genommen hat und zu seinem Fehler gestanden hat – und du, indem du solange gewartet und ihm dann tatsächlich auch verziehen hast (hast du das?).


    Das ist also eine GEMEINSAME Leistung und ich sehe es so, dass der gemeinsame Teil eurer Beziehung nicht verbessert werden kann und muss. Es geht also bei deinem Problem nur um dich. Dein Partner kann nicht mehr tun, als er getan hat. Alles was nun zu tun ist, liegt auf deiner Seite. Das klingt anstrengend, ist aber auch eine gute Nachricht, denn du brauchst dafür niemand anderen, du kannst das alleine.

    Zitat

    Aber da ist sie: die alte Narbe. Was, wenn er wieder geht? Ich habe tiefe Ängste. Wie damals, die einst ja bestätigt wurden.

    Das ist zunächst einmal anzuerkennen. Diese Angst darf sein, sie ist gerechtfertigt, sie hat ihre Existenzberechtigung. Verdränge sie nicht, schieb sie nicht weg, wünsche sie nicht weg. Sondern schau sie dir gut an. Ich versuche mal, dir einige Gedanken dazu an die Hand zu geben. Und wenn du sie eine Weile lang mit Hilfe solcher und ähnlicher Gedanken gut angeschaut hast, verliert diese Angst bestenfalls ihre Relevanz, ihre Bedrohlichkeit und ihren Schrecken. Hab also keine Angst vor der Angst, sondern akzeptiere sie. Aber dann, wenn sie erkannt und durchschaut ist, kann sie auch wieder gehen. Sie sollte nicht lebensbestimmend und beziehungsbestimmend werden.

    Zitat

    Ich weiß es ja: es gibt keine Garantien, und ich spüre das Unglaubliche: er liebt mich sehr und diesmal ist das Risiko nur "normal gering" dass er geht. Nur das "normale Lebensrisiko", versteht ihr? Aber da ist etwas, das mich schrecklich ängstigt und an mir nagt, denn ich HABE MIT IHM die ANDERE Erfahrung gemacht.

    Genau. Aber das ist Vergangenheit, ein Teil eurer gemeinsamen Geschichte, die gut ausgegangen ist. Dein Kopf hat das schon erkannt, dein Herz will sich aber absichern, damit es im Fall einer erneuten Trennung nicht noch einmal so schrecklich leiden muss.


    Dazu kann der Kopf aber etwas Wichtiges beitragen. Er kann deinem Herzen beibringen, dass ein solches Leiden zu BEWÄLTIGEN ist. Es war ein Mal zu bewältigen und es würde – wenn es denn wirklich dazu kommen sollte – auch ein zweites Mal zu bewältigen sein. Das würde anders als beim ersten Mal, aber es wäre ebenfalls zu bewältigen. Und diese "Bewältigungsgewissheit" ist das Fundament der Gefühle, die die Angst überflüssig machen können. In dem Wort ist all das zusammen gefasst, was du an positiven Gefühlen und Gedanken bei dir finden kannst: Zuversicht, Kraft, Problemlösungsfähigkeit, aber auch die Fähigkeit zur Liebe und zum Ja-Sagen.


    Es besteht ja theoretisch die Möglichkeit, dass du eure "wunderbare Beziehung" durch deine Angst selber wieder untergräbst und aushöhlst. Es besteht die Möglichkeit, dass du selber durch deine Angst diese Beziehung wieder in der Substanz gefährdest (das sollte dein Verstand erkennen, denn solche Sachen kann er gut). Darum wäre es gut, wenn du (bewusst, also verstandgesteuert) in deine Beziehung investieren würdest: Vertrauen, Zuversicht, Loslassenkönnen. Solche Investitionen zahlen sich aus. Sie verstärken die Liebe. Wenn du deinem Partner mal in einem schönen Moment sehr tief in die Augen schaust und zu ihm sagst: "Ich sage jetzt "JA" zu dir, ich bin glücklich, dass du bei mir bist und das wir das alles geschafft haben. Ich sehe, wie du mich liebst und mich glücklich machen willst. Und darum will ich jetzt auch wirklich und vorbehaltlos glücklich sein mit dir. Und wenn unsere Beziehung irgendwann doch am Ende sein wird – deinetwegen oder meinetwegen – dann werden wir damit umzugehen lernen, so unmöglich wie das auch zu sein scheint!"


    Den letzten Satz kannst du auch weglassen und ihn nur denken. Du kannst da auch alles nur denken und still für dich sagen. Mach es so, wie es sich für dich am besten anfühlt.


    Und dann wäre es schön, wenn er dieses JA auch zu dir sagen könnte. Es geht also darum, abseits von aller verständlichen Angst die positiven Dinge eurer Beziehung nachhaltig zu verstärken. Und es geht darum, mit Hilfe einer "Bewältigungsgewissheit" die Angst überflüssig zu machen. Es darf sie ja geben, aber sie ist nicht so wichtig, dass sie dein Leben bestimmen und die Beziehung untergraben müsste

    Zitat

    Wie kann ich mit der Verletzung umgehen lernen? Wie die Angst verlieren? Ich würde mich so gerne entspannen. Er ist wunderbar und bindungsfähig - es ist alles gut geworden. Aber da ist die fahle Erinnerung an das Betrogensein, das im Stich-Gelassenwerden.

    Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig an die Hand geben, dass du dagegen ins Spiel bringen kannst, wenn du dich mal intensiv mit dieser Angst beschäftigst. All dies negativen Gefühle und Erfahrungen sind vorhanden und sie haben ihre Berechtigung. Aber sie sind alt, sie sind von gestern, sie sind rückwärts gerichtet. Deine Aufgabe besteht nun darin, vorwärtsgerichtet zu handeln und zu denken. Und dann kommt bestenfalls das Fühlen von selber hinterher.

    Zunächst herzlichen Glückwunsch. Oldie49 bringt es auf den Punkt: Ihr habt beide großartiges geleistet und wenn Ihr es wirklich wollt, dann klappt es auch weiter. Rücksicht und Tolleranz sind dabei sehr wichtig. Das weiß ich aus eigener Erfahrung.

    Zitat

    Aber da ist die fahle Erinnerung an das Betrogensein, das im Stich-Gelassenwerden.

    Das hat bei uns zirka 1,5 Jahre gedauert, bis endlich Ruhe eingekehrt ist. Manchmal sticht es noch aber ich kann Dir eins versprechen: Es wird von Woche zu Woche besser. Die Bilder werden verblassen.


    Ich möchte Euch Mut machen, so wie mir damals (insbesondere Oldie49) Mut gemacht hat. Denk nicht so oft an das was war, sondern konzentriere Dich auf heute, auf morgen. Nur wer die Vergangenheit hinter sich lässt, wird eine großartige Zukunft haben.

    Ich bin ganz ergriffen, von euren ausführlichen und wunderbaren Antworten, auf die ich gleich noch einzeln eingehe. Heute möchte ich noch ein paar Fakten zufügen, die mir gestern aufgrund innerer Stille nicht über die Lippen (die Tastatur) kamen.


    Unser erstes gemeinsames Leben war schön. Für mich so mit die schönste Beziehung, die ich je führte, oder DIE schönste Beziehung überhaupt. Er kam damals gerade frisch aus einer Beziehung, die mit großem Knall endete. Er ist ein Mensch, der Absolutismen wie "nie mehr" und "immer" eigentlich vehement meidet, aber in Bezug auf seine Expartnerin sagte er damals "Mit ihr möchte ich nie mehr zusammen sein." Naja, dann liebten wir einander, er befand sich allerdings in genereller Lebenskrise und so entglitt er mir "irgendwie", die Gründe möchte ich hier nicht erläutern. Er entzog sich immer mehr und trennte sich dann. Später erfuhr ich, dass er kurz darauf wieder mit ihr zusammen war. Es schmerzte unendlich, doch ich zog den Kontaktabbruch, den ich wollte (er wollte befreundet sein mit mir) durch und konzentrierte mich darauf, irgendwie gut weiter zu leben und diesen unsäglichen Schmerz zu tragen. Er bestätigt das heute auch: Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Im Gegenteil. Sein Wortlaut: "Du hast um ein Vielfaches mehr Anstand bewiesen als ich." Er ist also durchaus sehr selbstkritisch. Wie auch immer, ich lebte weiter - irgendwie. Dann kam er nach vielen Monaten zurück, er hatte sie verlassen, er habe gespürt, dass er mich wolle. Dass er einen großen Fehler gemacht habe und es sich erst jetzt wirklich totgelaufen habe mit ihr.


    Ich habe mir damals Bedenkzeit erbeten, denn die brauchte ich. Ich liebte ihn noch immer, aber der Schmerz und die Schmach saßen tief (sie hatte mich teilweise angerufen und mich beschimpft, weil ich ihn in einer förmlichen Mail gebeten hatte, dass wir unsere restlichen Wertsachen austauschen). Diese Frau hat mich gedemütigt und gequält, das hat er erst erfahren, als ich ihm es viel später sagte. Ich hatte das still ertragen.


    Ich spürte während der Bedenkzeit, dass ich ihn nach wie vor liebte. Ich hatte ja vieles an ihm geliebt, was durch die Trennung nicht einfach verschwand: Seinen Tiefsinn, seinen Humor, seinen Sinn für das Schöne, seine Zärtlichkeit und sein Eigenbrödlertum, das mir selbst auch vertraut ist. Er war ja schlicht und einfach mein bester Freund gewesen, den ich liebte. Das verschwand nicht durch all den Schmerz, er war ja immer noch dieser Mensch für mich. Also ließ ich mich wieder auf ihn ein, denn ich wollte all das wieder haben. Ich wollte ihn in meinem Leben. Und es ist tatsächlich zum Happy-End geworden: Er bemüht sich jeden Tag um uns und mich, er ist bindungsfähiger als je zuvor, hat keine Zweifel an uns und mir, er ist glücklich mit mir und sagt mir das auch fast täglich. Er dankt mir, dass wir wieder zusammen sind. Und das alles nicht nur im Wort, sondern vor allem auch in der Tat, denn mittlerweile leben wir zusammen und er ist zum "Versorger" geworden (nicht finanziell, da sind wir unabhängig): Er will, dass ich es gut habe zuhause und übernimmt Verantwortung, so wie ich es auch für ihn tue. Kurzum: Wir sind ein wahnsinns Team, unschlagbar fast. Ich bin so dankbar.


    Und dann, zack bumm, erinnert mich etwas an die Trennung, sei es ein Lied, ein Gesichtsausdruck, ein Pullover...und ich verstumme und sehe ihn an wie einen Fremden. Vor allem denke ich oft daran, wie er damals sagte, er wolle sie nie wieder zurück, und dann doch wieder mit ihr zusammen kam. Wenn ein Mensch mit den Worten "nie mehr" vorsichtig umgeht so wie er, und er sie dann doch einmal benutzt, dann verlässt man sich darauf. Ich hatte mich auf ihn verlassen und ich wurde bitter enttäuscht. Was, wenn es wieder passiert? "Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht". Es überfällt mich nachts, ich liege neben ihm, höre ihn atmen, will ihn gerne streicheln und ziehe die Hand zurück, weil es mir wieder einfällt.


    Ich gehe auf ihn zu am Morgen in der Küche, will ihn umarmen, erinnere, wie er mit einer Frau schlief, die mich beschimpft hatte und schlage eine Kurve um ihn herum und gehe zum Brotkasten. Ich verweigere aus Schmerz, aus Schmach, aus verletztem Stolz. Und schäme mich für Schmach und verletzten Stolz. Würde so gerne darüber stehen.


    Sie hat mich als fette Sau bezeichnet. Als er das erfuhr, viel später erst habe ich es ihm gesagt, erschrak er furchtbar. Er entschuldigte sich bei mir, obwohl sie es gesagt hatte und nicht er. Sie hat mich gedemütigt.


    Sie haben keinerlei Kontakt. Ich weiss das, ohne dass wir darüber sprechen. Und ich kontrolliere ihn nicht, denn das habe ich nie getan und werde es auch nie tun. Sowas wollen wir beide nicht. Kurzum: ein reales Risiko besteht nicht.


    Und jetzt komme ich zu euren Anmerkungen:


    Gauloise:

    Zitat

    du wirst noch ziemlich lange jede unerwartete Aktion misstrauisch beäugen, jedes Ausbleiben einer eigentlich erwarteten Nachricht wird dein Kopfkino wieder in Gang setzen.

    So ist es.

    Zitat

    Wie lange ist die Geschichte her?

    Wir sind seit knapp einem Jahr wieder zusammen und waren davor etwa ein dreiviertel Jahr getrennt.


    Chomsky:

    Zitat

    Wenn ich das so lese, habe ich das unbestimmte Gefühl (mit dem ich mich vielleicht täusche, wer weiß), dass du in eurer Beziehung mit dieser einschneidenden Verletzung alleine bist und für dich damit zurechtkommen musst (oder möchtest?).

    Am Anfang war es nicht so, da haben wir viel darüber geredet. Aber er war so glücklich mit mir, mit uns, dass ich es dann vermied, von dem Schmerz zu sprechen und ich glaube, dass er mittlerweile denkt, dass ich es überwunden habe. Manchmal bin ich froh, dass er das denkt, und manchmal fühle ich mich sehr einsam damit. Gleichzeitig merke ich, dass er mir auf verschiedene Weisen signalisiert, dass ich ihm vertrauen kann. Also er will unbedingt, dass ich spüre, dass ich ihm vertrauen kann und das schätze ich sehr an ihm. Aber dass mein "alter Schmerz" noch besteht, das ahnt er glaube ich nicht. Es ist wahrscheinlich gar nicht vorstellbar für ihn, weil er ja seine ernsten Absichten spürt und im Jetzt lebt. Aber im Jetzt bin ich nicht immer... dann verstumme ich und er fragt auch, was mit mir sei, aber ich weiche aus. Dabei kann ich über alle anderen seelischen Schmerzen mit ihm reden, egal was das Leben mir antut, ich kann es mit ihm besprechen. Nur das nicht...

    Zitat

    Jedenfalls war es der veränderte Fokus, der mir geholfen hat, mich zu entspannen. Rauszukommen aus dieser gar nicht mal unberechtigt negativen Erwartungshaltung und der Position: "Hilfe, wann passiert es wieder?" und stattdessen auf das zu vertrauen, was uns verbindet. Darauf, dass wir uns lieben und eine Basis haben, die es aushält, wenn es wieder schwierig wird. So wurde die Angst, dass sie eines Tages zumacht und nicht wieder auf, mit der Zeit stetig kleiner und die Sicherheit, dass wir das hinkriegen größer.

    Danke für das Teilen deiner Geschichte. Vor allem für diesen Satz:" auf das zu vertrauen, was uns verbindet." Das ist bei uns ja so viel!

    @ Oldie:

    Ein insgesamt einfach unglaublich wunderbarer Beitrag, für den ich dir danke. Ich habe ihn mehrfach gelesen..

    Zitat

    Das ist zunächst einmal anzuerkennen. Diese Angst darf sein, sie ist gerechtfertigt, sie hat ihre Existenzberechtigung. Verdränge sie nicht, schieb sie nicht weg, wünsche sie nicht weg. Sondern schau sie dir gut an. Ich versuche mal, dir einige Gedanken dazu an die Hand zu geben. Und wenn du sie eine Weile lang mit Hilfe solcher und ähnlicher Gedanken gut angeschaut hast, verliert diese Angst bestenfalls ihre Relevanz, ihre Bedrohlichkeit und ihren Schrecken. Hab also keine Angst vor der Angst, sondern akzeptiere sie. Aber dann, wenn sie erkannt und durchschaut ist, kann sie auch wieder gehen. Sie sollte nicht lebensbestimmend und beziehungsbestimmend werden.

    So sehe ich das auch. Danke, dass du mich daran erinnerst. Und meistens gelingt mir das auch. Wenn da nicht diese "Anfälle" wären....in denen irgendwas die Erinnerung triggert (ich habe neulich bei ihm einen uralten Haargummi von ihr hinter dem Schrank gefunden, sie haben ja jahrelang zusammen gelebt...). Und dann bricht alle Souveränität zusammen. Der Schrecken gewinnt dann wieder.

    Zitat

    Ich sehe, wie du mich liebst und mich glücklich machen willst. Und darum will ich jetzt auch wirklich und vorbehaltlos glücklich sein mit dir. Und wenn unsere Beziehung irgendwann doch am Ende sein wird – deinetwegen oder meinetwegen – dann werden wir damit umzugehen lernen, so unmöglich wie das auch zu sein scheint!

    Ich habe mir das aufgeschrieben und in mein Nachtkästchen gelegt. Als Erinnerung. Danke dafür.


    Wir bejahen einander und lieben einander, ja. Aber ich weiss nicht, ob ich mich bejahe, sie hat mit ihren Beleidigungen mein Selbstwertgefühl schrecklich untergraben. In den stillen Momenten schäme ich mich für mich, meinen Körper, meinen Kleidungsstil. Dabei gibt es da gar nichts zu schämen und normalerweile schäme ich mich auch nicht mehr für mich, weil ich ein schönes, gutes Leben mit mir lebe.

    @ verwirrt2016

    Zitat

    Das hat bei uns zirka 1,5 Jahre gedauert, bis endlich Ruhe eingekehrt ist. Manchmal sticht es noch aber ich kann Dir eins versprechen: Es wird von Woche zu Woche besser. Die Bilder werden verblassen.

    Ich hoffe es. Danke für deinen Mutmachversuch.


    Ihr seid toll! @:)

    Wir sind beste Freunde. Wir haben wunderbaren Sex. Wir sind zärtlich miteinander und respektvoll. Wir streiten fair und ruhig.


    Und ich sitze jetzt hier und weine, weil das so schön ist und gleichzeitig noch ein schwarzes Loch in mir wie ein riesiges Vakuum meinen Bauch dehnt.

    Ich würde dir raten mit ihm zu sprechen in einer ruhigen Situation oder was ich dir auch raten würde, ich tendiere da sogar mehr hin, ihm einen Brief zu schreiben mit genau dem Inhalt, den du hier in deinem Faden auch geschrieben hast. Du wirkst eigentlich total reflektiert, meinst du, es würde dir helfen, diese "Zusammenfassung" ihm zu lesen zu geben? Auch die Sachen mit dem Haargummi oder dass du zum Brotkasten ausweichst statt ihn zu umarmen, würde ich ihm definitiv mitteilen. Entweder mündlich oder schriftlich. Schriftlich hätten diese Tatsachen auf jeden Fall mehr Macht, da man sie nicht weg diskutieren könnte.


    Die zweite Sache ist die verdammte Ex, die dir den Freund weg genommen und dich dann noch beleidigt hat. Hast du Rachegefühle? Wäre verständlich. Denke aber daran, dass dein Freund sie schon zum zweiten Mal verlassen hat und bei dir, statt bei ihr, ist. Ich würde deinem Freund das definitiv aber auch mitteilen.


    Hut ab, dass ihr einen zweiten Anlauf gewagt habt. Dass das aber auch Schwierigkeiten und negative Gedanken haben kann, ist verständlich und dein Freund muss da Verständnis aufbringen. Aber er muss definitiv auch von deinen Gedanken erfahren. Ich hoffe, dass ihr das klären könnt und auf lange Sicht die alten Geschichten in eine Schublade stecken und verschließen könnt. Sie werden immer da sein, aber vielleicht immer mehr Staub ansetzen.


    Eine Garantie gibt's nie. Aber ihr habt überdurchschnittlich gute Chancen glaube ich ;-) @:)

    Liebe Setzen6,


    deine Schreibweise hat etwas Besonderes, sehr wahrscheinlich bist du auch etwas Besonderes.


    Eine Beziehung funktioniert nur mit Vertrauen. Leider kann man dieses nicht einfach von irgend woher abrufen, selbst wenn alle vernünftigen Überlegungen dafür sprechen, dass Gefühl will sich nicht einstellen.


    Zuerst habe ich überlegt, ob es in deinem Leben vielleicht schon öfter solche Situationen gegeben haben mag, wo du Enttäuschungen erfahren hast, die es dir heute schwierig machen, tiefes Vertrauen aufzubauen.


    Dein Gedankenschluss ist insofern rational richtig, anstelle deines zurückgekehrten Partners könnte dich auch jeder andere wieder verlassen. Statistisch betrachtet soweit richtig.


    In deinem tiefsten Inneren steckt irgendwo diese Angst, die dich immer wieder befällt. Das klingt für mich ähnlich einer posttraumatischen Belastungsstörung. Vielleicht bist du dir gar nicht bewusst geworden, wie sehr dich das erste Verlassen verletzt hat und vielleicht hast du es zwar ausgehalten aber nicht wirklich verarbeitet. Vielleicht bietet diese Sichtweise einen Ansatz, diese elende und offensichtlich unbegründete Angst los zu werden.

    BraunesLedersofa,


    Die Idee mit dem Brief ist sehr gut. Und ich denke sogar, dass ich diesen Weg wählen werde, jedoch weiß ich, dass es ihm wehtun wird. Weil er sich ja so bemüht und alles in seiner Macht Stehende tut. Er wird sich hilflos fühlen und ich weiß, dass das eins der schlimmsten Gefühle ist, die man ihm antun kann.


    Evoluzzer:


    Du hast vermutlich ins Schwarze getroffen. Ich wollte hier nicht über meine Kindheit und Jugend sprechen, weil ich in den letzten Jahren gelernt habe, mit den Wunden aus dieser Zeit zu leben. Es wäre nicht gelogen zu sagen: erst seit drei Jahren lebe ich ein gutes, gesundes Leben und alles davor war eigentlich nur ein Sammelsurium aus Schmerz. Ja, ich wurde ein paar Mal in meinem Leben schwer im Stich gelassen, vor allem als Kind, aber ich habe meinen Frieden damit gemacht und lebe ein eigenes, schönes Leben unabhängig von den (für mich damals oft qualvollen) Entscheidungen der Anderen.


    Vielleicht hast du aber Recht damit, dass in irgendeinem Teil von mir doch noch eine Restangst in mir schlummert.


    DIe Trennung von ihm hatte ich damals mit Bravour gemeistert: ganz ohne Exzesse, ohne Extreme, sondern mir bis dato ganz unbekannter, tiefere Traurigkeit. Als er ging, weinte ich erstmals viel und mutig - etwas, was ich als Kind verlernt hatte.


    Ich hatte mir immer gewünscht, dass es einmal in meinem Leben einen Menschen geben würde, dem ich reichen würde. Ich hatte endlich gelernt, mir selbst zu reichen und dann kam er und ich reichte auch ihm...... und dann ging er. Es war ein mir so bekanntes Gefühl...


    Würde ich ihn heute fragen, ob ich ihm reiche, so würde er erschrecken. Weil es für ihn so absolut eindeutig und klar ist: ich reiche ihm.


    Ein Teil von mir glaubt ihm. Es ist mein offener, gesunder Teil, der sich nachts an ihn schmiegt, der hemmungslosen Sex mit ihm hat, der mit ihm lacht, der mit ihm Händchenhält, der sein Glück und seine Erleichterung in den Augen sieht.


    Aber der andere Teil in mir, der stumme Teil, der schmerzhafte, unsichere Klein-Mädchenteil, der sagt nur: "Ich glaube dir nicht."

    Zitat

    Die zweite Sache ist die verdammte Ex, die dir den Freund weg genommen und dich dann noch beleidigt hat. Hast du Rachegefühle? Wäre verständlich.

    Und das ist der dritte Teil in mir, den ich trotz Scham nicht leugnen will: ja, sie hat mich unendlich verletzt. Rache will ich nicht, denn es ist wie du sagst: er ist bei mir, nicht bei ihr und ich bin kein Typ für Rache. Aber: ich bin unendlich wütend auf sie. Aber auch auf ihn, weil er mit einer Frau schlief, die andere so bösartig und mutwillig verletzt. So ein Mensch passt nicht zu ihm.

    Ich hatte ihm scheinbar nicht gereicht. Er wollte die böswillige Dramaqueen, die ihn kontrollierte. Sie war sehr leidenschaftlich (auch im Bett), sie war laut und heftig und schillernd.


    All das bin ich nicht, ich reichte in dieser Hinsicht nicht. Ich bin keine Femme fatale. Deswegen verließ er mich. Und genau deswegen kehrte er aber auch zurück: er wollte in seinem Leben doch endlich ankommen.


    Reicht man denn jemals jemandem ganz?

    Wow, Setzen6. Beim Lesen deines langen Beitrags hatte ich Gänsehaut und das kommt nicht oft vor.


    Ich finde, was ihr habt, ist etwas ganz, ganz besonderes und tiefes. Weißt du, sich zu finden, zu verlieben und daraus Liebe entstehen zu lassen, ist oft überhaupt nicht schwierig. Mit dem richtigen Menschen passiert es fast automatisch.


    Sich aber, so wie ihr beide, wiederzufinden und sich nach vielen Verletzungen und großen Turbulenzen trotzdem füreinander zu entscheiden, ist sehr selten. Ich glaube, es ist selten, weil es auf beiden Seiten viel Mut braucht, oft Kraft kostet und einem emotional so wahnsinnig viel abverlangt. Das macht man nicht einfach so. Dazu gehört neben Liebe ganz viel Überzeugung und ganz viel Sicherheit, dass es richtig ist.

    Zitat

    Aber dass mein "alter Schmerz" noch besteht, das ahnt er glaube ich nicht. Es ist wahrscheinlich gar nicht vorstellbar für ihn, weil er ja seine ernsten Absichten spürt und im Jetzt lebt. Aber im Jetzt bin ich nicht immer... dann verstumme ich und er fragt auch, was mit mir sei, aber ich weiche aus. Dabei kann ich über alle anderen seelischen Schmerzen mit ihm reden, egal was das Leben mir antut, ich kann es mit ihm besprechen. Nur das nicht...

    Vielleicht schaffst du es, es zu versuchen. Ich kann mir vorstellen, dass es schwer für dich ist oder du sogar das Gefühl hast, du würdest ihn enttäuschen, wenn du ihm erzählst, wie es dir gelegentlich geht.


    Ich denke aber, dass es euch sehr stärken kann und sich der Schmerz weniger schlimm anfühlt, wenn er in eurer Beziehung Raum bekommt.


    Ich habe meiner Freundin lange Zeit nicht gesagt, wie es für mich ist, wenn sie wegläuft und mich aussperrt. Der Grund dafür war, dass ich das Gefühl hatte, sie dadurch noch weiter von mir wegzutreiben, sie unter Druck zu setzen und unserer Beziehung nur zu schaden. Es war und ist bei uns ja ganz anders als bei euch, aber als ich ihr einmal gesagt habe, was das mit mir macht, war das als hätte sich ein schrecklich festgezurrter Knoten gelöst. Die Probleme waren damit nicht weg, das nicht, aber wir saßen nun im selben Boot und so ging alles leichter.


    Es hat auch nichts mit Vorwürfen zu tun, finde ich. Ich habe meiner Freundin damals gesagt: "Ich liebe dich und weiß, dass du nicht aus deiner Haut kannst, aber es ist trotzdem schlimm für mich." Vielleicht kannst du zu deinem Freund sagen, dass du sehr glücklich mit ihm bist und ihn über alles liebst, aber die "Geschichte von damals" manchmal immer noch in dir aufblitzt und es dir nicht gut damit geht. So wie du über eure Beziehung und über deine Partner schreibst, musst du keine Angst haben. Nicht um ihn und nicht um euch. Er weiß bestimmt, dass du es lieber anders hättest und ich denke, er weiß auch, dass es einfach Zeit braucht, auch wenn es ihm im ersten Moment weh tun wird.


    Ihr habt in der kurzen Zeit auch schon verdammt viel geschafft, das darf man nicht außer Acht lassen. Eure Liebe ist stärker als vorher und eure Beziehung besser und tiefer. Sie kann das aushalten.