Verzeihen können und wieder vertrauen aufbauen. Bloß wie?

    Hallo ihr Lieben,


    Da dieses Thema eine eigene Komplexität und Dynamik besitzt, möchte ich auch einen eigenen Faden dafür eröffnen.


    Ich bin gespannt wie er die Sache für euch persönlich wertet, ob ihr Erfahrungen habt oder mir vielleicht - wie schon oft @:) - guten Rat geben könnt.


    Vielleicht sollte der Faden auch, etwas reißerischer ausgedrückt, heißen: "Bin ich unversöhnlich, oder ist er vielleicht ein schlechter Mensch?"




    Mein Partner hat mich in der Vergangenheit einige Male tief verletzt und auch im Stich gelassen.


    In seinen Augen waren es jedoch nicht mal Dinge, für die er das Bedürfnis hatte/hat sich zu entschuldigen bzw. zum Ausdruck zu bringen dass es ihm Leid tut.


    Bei einer Entschuldigung geht es m.E. nicht um eine "Pflichterfüllung" oder eine Widergutmachung.


    Ich finde es jedoch für das Verzeihen und wieder Vertrauen wichtig, dass man spürt, dass der Andere Verantwortung für sein Handeln übernimmt, bzw. Reue empfindet für den Schmerz, die Verletzung die er verursacht hat.


    Versteht ihr was ich meine? ":/


    Was, wenn Entschuldigung und Reue ausbleiben?


    Oder man gar noch selbst - quasi als "Opfer" - angegriffen wird?


    Mal ein Beispiel:


    Mein Partner hatte eine Verabredung weiter weg (paar 100 km) mit einem alten Freund gehabt, als ich ca. In der 16 Woche schwanger war - für mich kein Problem!


    Warum auch?


    Allerdings ist mir just ein paar Minuten bevor er los musste im Bad beim Zähneputzen der Kreislauf weggesackt, und ich lag auf dem Boden.


    Mein Partner wurde, als ich nach ihm rief, sofort sehr wütend und warf mir vor, ich wolle ihm seine Verabredung versauen. :-o


    Geholfen hat er mir nicht...


    Er ging auch und hat mich da liegen lassen...


    Auch als er wieder heim kam, nach zwei Tagen, war er immer noch wütend auf mich. Als ich ihn dann auch noch sagte, dass ich traurig und entsetzt bin hat ihn das nur genervt, er war auch nicht bereit zu reden.


    Sowas (Partner tut was mieses und empfindet keine Reue, entschuldigt sich nicht), kam schon öfter vor.


    Dass ich diese Ereignisse nicht einfach so verzeihen kann empfindet er als "Machtspiel" :-o :°( meinerseits.


    Auch die Distanz die sich dadurch in mir aufgebaut hat versteht er nicht.


    Bin ratlos. Was meint ihr?

  • 54 Antworten

    Ich mutmaße, dass die Respektlosigkeiten und der Mangel an Wertschätzung nicht erst bei dieser Situation im Bad angefangen haben, sondern schon viel früher. Wie empfindest du denn Respekt und Wertschätzung in dieser Beziehung?


    Ich kann mir schwer vorstellen, dass er ansonsten ein fürsorglicher, aufrechter Mann ist.

    :-o :-o :-o :-o


    Fand das wirklich so statt? Niemals!?


    Mir ging es mal sehr ähnlich, und zwar auf der Seite des "bösen" Partners. Meine ehemalige Freundin war umgeknickt. Ich habe sie dann ins Krankenhaus gebracht, Gefühlt habe ich aber "sie stellt sich total an, da ist doch nichts, sie stellt sich doch immer so an".


    Da war dann auch nichts. ABER das spielt gar keine Rolle.


    Es ging ihr schlecht und sie hatte Schmerzen. Fakt! Und mein beklopptes Verhalten tat mir auch sehr schnell leid. Dennoch war die erste, "impulsive" Reaktion wirklich richtig dumm von mir. Ich habe dann auch mehrmals aufrichtig um Entschuldigung gebeten (und sie erhalten).


    Meine ehemalige Freundin und ich haben uns danach zum Heiraten entschlossen (sie ist jetzt nicht meine Frau, wir haben uns aus anderen Gründen kurz vor der Hochzeit getrennt). Dennoch haben wir beide diese Situation nie vergessen. Und sie hat mich dennoch über alles(!) geliebt. Und so im Nachgang der Beziehung denke ich mir ..... warum? Sie hätte durch mein Verhalten jeden Grund gehabt, mich so richtig zu hassen bzw. kein Vertrauen in ein "immer da" zu haben.


    Blabla.


    Lange Rede, kurzer Sinn: Setz den Typen auf den Pott! Und zwar so richtig! Schon geschehen? Warum hält er das für "Machtspielchen"?

    Danke für Eure Antworten! *:) :)_

    Zitat

    Wie empfindest du denn Respekt und Wertschätzung in dieser Beziehung?

    Gute Frage. Ich weiß es nicht.


    Magst Du mir vielleicht helfen, und mir Input geben, was für Dich Respekt und Wertschätzung in einer Beziehung ist?



    Zitat

    Fand das wirklich so statt? Niemals!?

    Ja, genau so. :-(

    Zitat

    Ich habe dann auch mehrmals aufrichtig um Entschuldigung gebeten (und sie erhalten).

    Das hat er noch nie getan, leider.

    Zitat

    Warum hält er das für "Machtspielchen"?

    Habe ich ihn heute Morgen auch noch mal explizit gefragt.


    Seine Antwort war, dass er nicht versteht, warum ich nicht einfach vergessen kann.


    Außerdem "hätte er da bei anderen Menschen schon ganz andere 'Dinger' gebracht, und die hätten ihm auch einfach verziehen."


    Auf den Pott setzen ist gut...das führ leider nur zu komplettem Mauern und/oder verbalen Angriffen seinerseits.

    Hmmmmm, der Gedanke bringt Dir gerade nichts, aber ich würde IHM jetzt am liebsten sagen, dass er nicht dumm sein soll und ich würd ihn gerne mal in meinen Kopf schauen lassen. Dann würde er es anders machen und um Entschuldigung bitten.


    Ich würde gerne noch etwas zu der Frage, die Du an places gerichtet hast, sagen. Also die Frage, was Respekt und Wertschätzung sind. Ich glaube, dass das im wesentlichen mit Empathie zu tun hat. OB man die Gefühle, die der andere hat, unmittelbar deuten und sich selbst "vergegenwärtigen" kann. Und zwar _unmittelbar_, nicht erst im Nachgang. Wichtig dabei ist, denke ich, dass man nicht versucht, die Gedanken und Denkmuster des anderen zu analysieren, sondern nur auf das Resultat "Gefühl" zu schauen, achtsam zu sein, auch was die Gefühle des anderen für Gefühle in einem selbst auslösen. Und dann damit richtig umzugehen. Dem anderen in dem, wie er fühlt, begegnen und "adäquat" (was auch immer das heißt, situationsabhängig) zu handeln. *grübel*

    Zitat

    Bin ratlos. Was meint ihr?

    Sheilagh, eigentlich ist das Problem doch immer noch dasselbe (ich hab deinen anderen Faden auch gelesen): dein Mann kann nicht mit Konflikten umgehn. Und dieses Problem wirst du nicht lösen.


    Es ist an ihm sich in die richtige Richtung zu bewegen.


    Ich weiß nicht ob du die nötige Härte hast ihm das klar zu machen, denn deine Beiträge lesen sich für mich immer ein bisschen so als müsstest du ihn schützen. Schützen vor einer Trennung, schützen davor dass er seine Familie verliert.


    Er ist ein erwachsener Mann und für sich selbst verantwortlich.


    Wenn nur einer an einer Beziehung arbeitet, wird das nichts.


    Sei ehrlich zu dir selbst. @:)

    Mal ein anderes Beispiel:


    Hattest du nicht selbst geschrieben, dass du deinem Partner gegenüber teilweise Hass verspürst und diesen auch auslebst?

    Zitat

    Was, wenn Entschuldigung und Reue ausbleiben?


    Oder man gar noch selbst - quasi als "Opfer" - angegriffen wird?

    Siehst du dich in dieser Konstellation denn wirklich als Opfer? Oder ist es nicht vielleicht eher so, dass ihr beide euch da nichts schenkt?

    Uff. Ich muss gestehen, dass für mich nach diesem, äh, Event die Beziehung wohl tatsächlich gelaufen wäre.

    Zitat

    Ich finde es jedoch für das Verzeihen und wieder Vertrauen wichtig, dass man spürt, dass der Andere Verantwortung für sein Handeln übernimmt, bzw. Reue empfindet für den Schmerz, die Verletzung die er verursacht hat.

    Ich kenne so ein Verhalten, wie Du es schilderst, gerade in Zusammenhang mit diesem

    Zitat

    Seine Antwort war, dass er nicht versteht, warum ich nicht einfach vergessen kann.

    von der Familie meines Mannes. Und ich finde grundsätzlich echte "Reue" vor allem wichtig, um zu spüren, dass man da grundsätzlich auf einem Nenner ist. Jeder kann mal Mist bauen, aber wenn jemand etwas, das ich als ganz großen Mist empfinde, total in Ordnung findet, dann ist davon auszugehen, dass es etwas ist, das so bleibt, etwas, mit dem man in der Interaktion mit diesem Menschen so leben muss. Und in dem Fall muss ich mir dann überlegen: Will ich langfristig eine Beziehung (freundschaftlich, partnerschaftlich, familiär, beruflich) zu einem Menschen aufrechterhalten, wenn solche Vorkommnisse in der gemeinsamen Interaktion Teil des Deals sind und bleiben?


    Und das ist für mich die ganz zentrale Frage, vor der Du da gerade stehst. Es ist völlig egal, wer "recht" hat oder wer von euch sich doof verhält. Die entscheidende Frage ist einzig: Ist die Partnerschaft für Dich unter diesen Voraussetzungen noch denkbar, willst Du sie noch, oder willst Du sie nicht?
    Weil eine Partnerschaft so komplex ist wie die Menschen, zwischen denen sie besteht, ist das alles nicht schwarz-weiß, sondern unheimlich ambivalent, und mit einem Nein zur Partnerschaft verliert man auch vieles, was großartig war oder ist. Trotzdem würde ich versuchen, mir klarzumachen: Dein Mann ist jemand, der so etwas tut und weiterhin tun wird. Kannst und willst Du damit leben, oder nicht? Denn er zeigt keinerlei Bereitschaft, daran zu arbeiten, also ist dieses Verhalten Teil des "Deals", den er Dir anbietet.


    Wie erfreulich er angesichts solcher Tendenzen als Ex-Partner ist, mit dem man noch sehr lange gemeinsam Sorge für ein minderjähriges Kind zu tragen hat, ist dann auch noch mal eine Frage für sich.

    Zitat

    Dein Partner ist einfach gesagt, ein empathieloser Mensch

    Und ein Gewalttäter obendrein!


    Er hat die TE bereits verdroschen und zerlegt - ca. alle acht Wochen - die Wohnung.

    @ Sheilagh

    Hat er sich denn nun um eine Therapie bemüht?


    Ein Gedanke, der Dir vielleicht erst einmal nicht weiterhilft: Du bist doch älter als er? Und zwar einiges?


    Meine Beobachtung aus dem RL: Männer, die eine ältere Partnerin haben, verhalten sich dieser Frau gegenüber mitunter richtig frech, ungezogen und respektlos. Die Olle kriegt ordentlich was auf die Kante!


    Männer mit einer wesentlich jüngeren Partnerin verhalten sich da ganz anders. Die lassen sich von der jungen auf der Nase rumtanzen, nehmen von ihr ganz viel hin. Haben wohl Angst, dass ihnen das Mädchen davonläuft, sich z. B. mit einem hübschen Kommilitonen vom Acker macht.


    Es sind nicht ALLE Männer so, einige aber schon. Vielleicht gehört Deiner in diese Kategorie?

    Uff. Na gut, das klingt auch, hm ... schwierig. Also das Verlinkte. Sicher, dass da irgendwo zwischen euch noch irgendeine Form von gegenseitigem Gernhaben ist, auf dem man, wenn überhaupt beiderseits der Wille da ist (?) - gemeinsam - aufbauen könnte?

    Zitat

    frauen sind offensichtlich wirklich sehr sehr leidensfähig... was hält dich bei ihm? warum kommt er mit seinem verhalten durch?

    Ich denke, er kommt durch, weil...


    a) ...er sonst auf vielen Ebenen ein guter Partner ist


    b) ...ich die Hoffnung nicht aufgeben.


    ???



    Zitat

    Dein Partner ist einfach gesagt, ein empathieloser Mensch. Ob dir das für deine Zukunft reicht?

    Ich weiß es nicht...



    Zitat

    Siehst du dich in dieser Konstellation denn wirklich als Opfer? Oder ist es nicht vielleicht eher so, dass ihr beide euch da nichts schenkt?

    Ich sehe es - wirklich - so, dass dieser Hass, den ich verspürte (ist mittlerweile nicht mehr als solches da) Auswirkung vieler "Vorkommnisse" war.


    Und dazu noch die Schwangerschaftshormone.


    Irgendwie musste der Schmerz da manchmal raus. :-(


    Nicht, dass ich oben von Dir zitiertes Verhalten damit gutheißen will!

    Nur noch kurz, da ich gleich zu tun habe:

    Zitat

    Hat er sich denn nun um eine Therapie bemüht?

    Ja, das hat er.




    Und, shojo Du sprichst mir aus der Seele, genau solche und ähnliche Gedankengänge wälze ich hin und her.

    du weißt schon, daß das genau das ist, was die frauen mit den blessuren und veilchenblauen augen immer sagen?


    und du hast dir dabei auch "zugehört" und weißt im grunde, daß das schmarrn is?


    und du willst wirklich ein kind in so einem umfeld aufwachsen lassen?


    ich finde, du solltest anfangen, verantwortung zu übernehmen. für dich und für dein kind.

    Manche Sachen sind unverzeihlich. Wäre das mein Partner gewesen, der mich schwanger im Badezimmer hätte liegen lassen und einfach gefahren wäre, dann hätte er bei seiner Ankunft nach zwei Tagen ein paar schwarze Müllsäcke mit seinen Klamotten vor der Haustür gefunden und das wäre es gewesen. Aber so wie ich das hier lese, lässt du dich regelmäßig verprügeln und anders demütigen. Dein Partner kennt einfach keine Grenze mehr, er verachtet dich und irgendwann wird er auch mit deinem Kind so umgehen, wenn es schreit und launisch ist.


    Warum tust du dir das an? Es gibt finanzielle Hilfen und Anlaufstellen, wenn du alleinerziehend wärest. Keine Frau muss heutzutage mehr das mitmachen, was du mit dir machen lässt. Daumen nach unten, dass du dein Leben nicht ohne diesen miesen Menschen regeln willst und tausend Daumen nach unten, dass dein Kind in solchen Verhältnissen aufwachsen muss. Hoffentlich ruft jemand die Polizei oder das Jugendamt, wenn es in deiner Wohnung scheppert und kracht.