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    Zitat

    Nach einer Therapie sieht die Sache wahrscheinlich anders aus.

    Einen Therapieplatz zu bekommen kann Monate dauern; eine Therapie Jahre. Was ist bis dahin?


    Was soll er seiner Freundin erzählen, weshalb er eine Therapie macht?

    Zitat

    Denn erstmal brauchst du selbst eine Erklärung und dein Verständnis für dein Verhalten.

    Wieso ist das zwingend so?

    Wenn über Jahre eine Fantasiewelt aufgebaut wird, kann man die nicht einfach einreißen.


    Es gibt ja einen Grund, warum die aufgebaut wurde.


    Oft verstecken sich dahinter tiefgehende Probleme.


    Wenn man einfach die Wahrheit auf den Tisch knallt, kann es zur Dekompensation kommen.


    Das muss man auch aushalten können, die Maske fallen zu lassen.

    Es ist gar nicht so leicht, eine Fassade runterzureissen. Das sollte man tatsächlich Schritt um Schritt machen.


    Diese Symptom spielt eine riesige Rolle bei narzisstische Persönlichkeitsstörungen und eine plötzlichen Abriss kann schwere psychische Folgen haben.


    Aber diese Prozess muss schnell beginnen. Die länge solche Fantasiewelten bestehen bleiben, die mir man selber daran glaubt. Dann wird es schwierig Lüge von Realität zu unterscheiden.

    @ Hanca

    Ich sehe das wie Du!


    Es gab einen Grund, warum ich in diese Welt gerutscht bin. Fast nichts geschieht grundlos. Nicht immer verstehen andere den Grund, das bedeutet aber noch nicht, dass es nicht ein Grund sein kann.


    Ich denke nicht, dass ich feig bin. Ich weiß einfach nur, wie verletzlich und zerbrechlich sie ist und sie hatte in der Vergangenheit schon Pech mit Beziehungen und ich wäre damit nur die Prolongation. Deshalb bin ich mir noch nicht sicher, ob ich nicht einfach "Job wechseln" soll und somit damit von Null starten soll.


    Unsere Beziehung funktioniert gut, es wäre auch schade, wenn ich das damit kaputt machen würde. Mein Gewissen wäre dann reiner, ich würde vielleicht in den Augen einiger Poster hier "besser" aussteigen, aber was nützt das, wenn wir beide uns dann nicht mehr vertrauen könnten. Oder sie mir?


    Sie hätte bloß einen Versager mehr auf der Liste - ich könnte dann in einem Cafe sitzen und mich freuen, wie toll ich doch bin. Wäre aber Single. Denn: ich würde nicht wollen, dass sie das verzeiht. Eine Beziehung sollte glücklich machen und ich würde sie damit extrem verletzen und dann wahrscheinlich von selbst gehen.


    Ich werde eine Therapie beginnen. Ehrlich gesagt geht es mir nur um meine Beziehung und mich. Weniger um meine Familie. Ich könnte mit meinen Geheimnissen gegenüber meiner Familie leben, weil ich keinen engen Kontakt zu denen habe und ja nichts gestohlen, niemanden beraubt, niemanden getötet habe. Ich hab auch keine Steuern hinterzogen. Ich habe mir einfach nur eine Scheinwelt zusammengebaut, in der es einfacher für mich war, zu leben.

    @ mnef

    Ich spiele nicht die Opferrolle. Aber wie ich schon geschrieben habe, gab es für mich einen Grund diese Welt aufzubauen. Jetzt möchte ich diese Welt verlassen und in die reale Welt zurückkehren. Es stellt sich die Frage, ob ich das "einfach so" machen soll, oder mit einem Riesen-Trara, wo ich am Ende Menschen verletze, die ich liebe

    @ Luci 32

    Ja, das sehe ich genau so.


    Deshalb hatte ich die Idee, alles Schritt für Schritt zu ändern. Mein Job kann der gleiche bleiben. Ebenso mein Chef (ich arbeite ja für ihn). Auch mein Gehalt ist offiziell. Nur das, was ich da mache, ist etwas anderes, als was ich ihr erzählte.


    Ich könnte sie langsam darauf vorbereiten, dass ich in Zukunft das machen muss, was ich schon seit 1 Jahr mache. So lange arbeite ich dort bereits.


    Ich habe letzte Nacht kaum geschlafen und nachgedacht. Dabei ist mir aufgefallen, dass es eigentlich nur mein Job ist, wo ich flunkerte. Und manche Stories, die ich über meine Familie erzählte, sind auch nicht wahr. Ich hab einfach eine Shit-Familie und deshalb ist das nicht wirklich immer toll, was ich da erzählen könnte. Somit habe ich einen Mix auf Wahrheit und Erfindung aufgetischt. Nicht nur gute Dinge. Auch Dinge, die weniger gut sind, die man aber noch immer erzählen kann.


    Anscheinend spiele ich diese Rolle so gut, dass mir alle glaubten. Die Menschen vertrauen mir. Wahrscheinlich, weil ich selbst schon alles glaubte.


    Das mit meinen Internetprofilen kann ich abstellen. Das ist nicht so schwer. Ich hab das ja nur gemacht, wenn mir langweilig war, wenn ich auf der Reise im Zug war, wenn sie mal ein Wochenende bei ihren Eltern war. Dann habe ich dieses Profil, kriege Zuschriften, antworte aber meistens sowieso nicht und wenn ich antworte, dann nie mit verbindlicher Absicht. Es ist ein Geschreibe. Mehr nicht. Ich würde NIE jemanden treffen.

    @ mnef

    DU schreibst "In der Praxis läuft es darauf hinaus..."


    Eben!


    Und deshalb will ich eine Therapie starten, diese Punkte aber auf die nicht ganz ehrliche, aber sanftere Weise so aufklären, dass aus Fake die Realität wird. Wie ich es auch schon Luci geschrieben habe.

    Zitat

    DU schreibst "In der Praxis läuft es darauf hinaus..."


    Eben!


    Und deshalb will ich eine Therapie starten

    Ja, aber die Therapie ändert daran nichts. Bis dahin lebt deine Freundin weiter mit einem Partner, den es so gar nicht gibt.

    @ mnef

    Warum schreibst du, mit einem Partner, den es so gar nicht gibt.


    Mein Arbeitsplatz stimmt, mein Chef ist echt, mein Gehalt ist echt. Einzig was ich dort mache weiß sie nicht konkret.


    Und dass ich manchmal Profile anlege.


    Und dass ich nicht alles 1:1 von meiner Familie erzähle.


    Das ist viel, ich stimme zu, aber weit entfernt von "so gar nicht gibt".

    Wenn es nur solche Bagatellen wären, dann wäre das auch kein therapiebedürftiges Problem und auch nichts, was man nicht mit einem Schlag auflösen könnte. Ich zitiere mal dich selbst aus dem Anfangsbeitrag:

    Zitat

    Ich bin für mein Umfeld ein total anderer, als ich in Wirklichkeit bin.

    .


    Und das im Zitat ist etwas anderes, als einfach bei seiner Tätigkeit n bisschen geflunkert zu haben, nicht seine komplette Familienhistorie zu erzählen und Profile anzulegen.



    Du hast entweder im Eingangsbeitrag stark übertrieben oder redest es jetzt runter.

    Also ich finde das jetzt nicht toll, aber dramatisch finde ich das auch nicht.


    Wenn ich deine Partnerin wäre und du würdest mir das so wie oben erzählen, würde ich dir das nicht übelnehmen. Wenn du mich betrogen hättest und eine Affäre oder Zweitbeziehung gehabt hättest, sähe das anders aus.


    Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass ich mir da höchstens Sorgen machen würde, weil ich nicht gemerkt habe, dass es dir nicht gut geht und ich deshalb auch in Zukunft keine Probleme hätte dir zu vertrauen. Ich würde es schätzen, dass du so viel Vertrauen zu mir hast und dich mir anvertraut hast. So etwas kann einen auch noch näher zusammenbringen, wenn man es als Chance begreift. Warum du dich dann trennen wollen würdest, kann ich nicht verstehen. Jeder macht mal Fehler, das gehört dazu. Du hast ihr ja nicht damit geschadet, wie es bei einem Betrug z.B.gewesen wäre.


    Der Freund meiner ehemaligen Mitbewohnerin hat vor einigen Jahren einen richtig fetten Bock geschossen. Sie kam aus einer recht anspruchsvollen Familie und er wurde an der Uni exmatrikuliert. Er hatte dann etwa zwei Jahre lang lebhaft von seinen Studienfortschritten berichtet, während er in Wahrheit gekeltert und in seiner WG Konsole gezockt hat. Hat sich dann zum vermeintlichen Diplom von ihrer Familie zum Essen ausführlen lassen und wurde danach in der Firma ihres Papas angestellt. Als er ein paar Monate danach immer noch kein Diplom Zeugnis vorlegte, angeblich weil die Uni so schlampig war, hat ihre Stiefmutter da angerufen und erfahren, dass er längst exmatrikuliert wurde. Der Shitstorm war sehr krass. Sie hat trotzdem zu ihm gehalten. Die beiden sind heute noch zusammen und das ist heute nur noch eine lustige Anekdote auf Familienfeiern. Er liebt sie dafür umso mehr und I h würde meine Hand für ihn ins Feuer legen, dass er sie sonst nie betrügen würde.

    Ein Bekannter von mir hat das einmal in seinem Leben über einen längeren Zeitraum fast genauso gemacht wie du. Ich hätte das von ihm niemals geglaubt, wenn er es mir mit seiner Partnerin und späteren Frau nicht selbst gesagt hätte. Geändert hat sich das auch erst, als er sie kennengelernt hat.


    Schritt für Schritt würde ich all das ändern und ich würde hier meinem Bauchgefühl vertrauen, denn du kennst deine Freundin wohl am besten. Eine Therapie wäre auch hilfreich, wenn du einen guten Therapeuten findest und die Chemie stimmt.


    Bei meinem Bekannten hat die Freundin das dann selbst gemerkt, als sie die Familie meines Bekannten kennengelernt hat. Die war doch ganz anders als beschrieben. ;-) Und dann hat er auch alles erzählt. Ich wüsste nicht, wie ich darauf reagiert hätte, denn die Geschichte war doch schon familienschädigend gewesen. Er das Opfer, die Familie dann eher unterdrückend und auch schlagend. Hat alles nicht gestimmt. Aber er hat schon mehrmals eine Freundin, die ihm wichtig gewesen ist, verloren, trotz seines starken Selbstbewusstseins, was er nach außen so gelebt hat. Diese Frau hat er dann trotz der Lüge nicht verloren.

    @ Infantin

    Nette Story! :-)


    Nun, ich habe wirklich nichts Böses getan, also niemanden betrogen oder so. Ich kann mich einfach erinnern, dass ich jahrelangen Stress hatte, alleine schon die Pflege meiner Oma hat mich umgehauen und dann noch der Suizid meiner beiden besten Freunde, Jobverlust, usw...


    Da baute ich die Welt auf, dass ich meinem Umfeld nach wie ein gutes Leben vorgaukelte. Ich erzählte niemandem, dass es mir nicht gut geht und damals wollte ich auch keine Hilfe annehmen. Ich merkte einfach, dass meine Traumwelt viel besser war, als meine reale Welt und ließ mich dort irgendwie fallen. Meine Motivation war definitiv nicht, alle an der Nase herumzuführen, sondern zu dieser Zeit hat es mir einfach Kraft gegeben.


    Später war ich dann in dieser Komfortzone und lange Single, da hatte ich keinen wirklichen Grund oder Motivation gesehen, etwas zu ändern.


    Dann kam SIE und anfangs lief das gar nicht so toll und deshalb hatte ich wieder wenig Grund gesehen, gleich mit der Wahrheit zu kommen. Ich dachte viel mehr, dass dies sowieso ein Ablaufdatum hätte.


    Was ich in dieser Zeit erzählte, war nicht immer war. Es waren keine großen Dinge (wie geschrieben, wir wohnen nun zusammen, da gibt es nicht viele Geheimnisse, ich arbeite im Home-Office, muss ein Mal im Monat zu meinem Chef ins Ausland (da nehme ich sie mit), sie weiß wer er ist, wie viel ich arbeiten muss, wie viel ich verdiene, etc... - alles wahr. Sie weiß nur nicht, WAS ich im Home Office mache. Sie weiß nur, dass ich täglich bis zu 30.000 Zeichen schreiben muss.


    Sie kennt auch nicht alle negativen Details aus meiner Familie, meine Schwester will ich ihr irgendwie nicht vorstellen, weil ich sie ja selbst kaum sehen möchte, usw.


    Also keine großen Lügen, eher ein "Optimieren" von Stories. Was aber natürlich falsch ist.


    Und nein, betrügen würde ich sie definitiv nicht. Ich wäre auch dumm, wenn ich sie betrügen würde ;-)

    @ Caramala 3

    Das klingt jetzt vielleicht überheblich, aber bisher habe ich keine Beziehungen verloren, auch keine Freundschaften oder Bekanntschaften, sondern meist war ich es, der sich zurückgezogen hat. Oder eigentlich immer. Ich würde auch nicht wirklich glauben, dass ich sie verlieren würde, weil sie an mir hängt - wie ich an ihr. Ich würde ihr aber weh tun. Ich würde das 100%ige Vertrauen aufs Spiel setzen. Sie kontrolliert mich NULL, weil sie mir vertraut. Spätestens dann, wenn ich ihr sagen würde, dass ich manchmal Profile auf Datingseiten anlegte, würde sie nicht mich bestrafen wollen (also verlassen), sondern sich selbst in Frage stellen: sie ist nicht gut genug für mich, ich könnte sie verlassen, usw...


    Und ich meine das wirklich nicht schleimig oder so, aber ich möchte nicht, dass sie denkt, ich mache das, wegen ihr. Ich mache das, weil ich dumm bin. Das hat mit ihr gar nichts zu tun. Ich mache das, weil ich auf Bahnfahrten gelangweilt bin (anscheinend), weil ich auch ein wenig mit Grenzen spiele (meist gehe ich weit, aber bisher nie zu weit - das gilt generell für viele Dinge in meinem Leben). Ich will nicht, dass sie mein Verhalten auf sich bezieht. Als Resultat für irgendwas. Denn sie ist wirklich nicht besonders selbstbewusst (obwohl sie eine tolle Frau ist).


    Alles zusammen neige ich trotz der Postings hier noch immer zu meiner Version, dass ich mir die Suppe eingebrockt habe und sie nun auslöffeln sollte, ohne zu viel Porzellan zu zerschlagen. Ich muss damit leben, dass ich auf diesem Weg war. Das ist nicht so einfach und eine gerechte Strafe. Es stellt sich aber die Frage, ob ich auch meine Freundin mit der Wahrheit "bestrafen" muss.

    Zitat

    Ich muss damit leben, dass ich auf diesem Weg war. Das ist nicht so einfach und eine gerechte Strafe.

    Irrer25 ich hoffe, du bekommst in einer Therapie mehr Verständnis für dich selbst.


    Du brauchst keine gerechte Strafe, weil du nicht schuldig bist.


    Deine Lügenwelt hat eine Ursache (wie du auch selbst schreibst).


    Es hat dir vor Jahren geholfen, dir einen Schutz aufzubauen.


    Deine Gefühle bei dem Suizid deiner Freunde sind aber noch nicht weg.


    Deine Scheinwelt hat einen Schleier darüber gelegt, du hast die Gefühle wahrscheinlich irgendwo verschlossen.


    Eine Therapie ist wichtig, damit du auch dein Schuldgefühl mal ablegst.